Sonntag, 29. März 2026
Zwischen den Welten.
Es ist Zeit.

Erst mal die Phase von Anfang bis Ende Dezember 2025. Habe eben angefangen zu tippen, über Zustände, und alles. Aber ich hab nicht viele Worte, die hier her gehören, deswegen bleibt es bei Bildern und Musik. So bleibt es unvollständig, aber in mir ist ja alles, und es fühlt sich sowieso schon sehr intim an.
[Edit] Es wurden doch mehr Worte. Ich glaub, ich hab einfach sehr Angst zu vergessen.

Im Dezember zwischen all dem Leben das Sonderbare. "Sie beschimpft uns gar nicht mehr." Ja, das finden wir auch besorgniserregend.






18.12.25 Abschiedsgeschenk meiner Klinikkolleg:innen an mich



19.12.25 Bevor ich in die Heimat fahre, treffen Rini und ich uns auf eine Glühweinfahrt auf dem Neckar in Heidelberg. Wir lachten so sehr, als uns auffiel, dass man von der Stadt halt nix sieht im dunklen, ausser das beleuchtete Schloss. Glühwein war angemessener Trost. Hier im Hintergrund meine "alte" Masterschmiede. Hallo! :)




22.12.25 In der Heimat. Papas Geburtstag.



22.12.25 Meine Jahreskarte für 2026



23.12.25. Im Lauf des Tages werde ich sie fragen, welche Jahreszeit wohl ist. Und sie wird überlegen, mich ansehen, und voller Überzeugung sagen: Sommer. Ich werde sagen: nicht ganz. Es ist Winter. Kannst du dir vorstellen, dass morgen Weihnachten ist? Sie wird mich sehr verwundert ankucken und, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank, antworten: Weihnachten? Ne!

Irgendwann in all den Tagen werde ich sagen, als sie mal wieder aus dem Fenster starrt als wären da die wundervollsten Dinge, zu denen wir anderen keinen Zugang haben: es ist als wärst du irgendwie schon ein bisschen in der Andernwelt. Und sie wird mich ankucken und nichts sagen, und doch werde ich alles wissen.

Und ich werde ihr davon erzählen, dass ich in der Sauna war, und jedes mal, wenn ich in der Sauna bin, daran denken muss wie sie mir vor vielen Jahren erzählte, dass ihr da ein BH geklaut wurde, und wie sehr sie das belustigt hat, dass Leute sogar BHs klauen. Und sie wird sehr schief grinsen.



24.12. Zu Besuch bei Mama. Innenhof des Seniorenwohnheims



26.12.25 Spaziergang und Schau ins Land in ehemaliger Grenzregion



27.12.25 Ein kleines Fest am See, bei dem ich mich mit lieben Menschen treffen. So schön war das, Balsam für die Seele.



Wir werden uns immer wieder überlegen, was wir tun sollen, uns Überweisungen vom Hausarzt holen, mit den Pflegekräften sprechen, ihrem Betreuer, diskutieren, zweifeln, hadern und am Ende sie dort lassen, wo sie ist.

Irgendwann werde ich zu ihr kommen und total überrascht sein, denn sie sitzt im Speisesaal und das wird das erste mal seit Ende November sein, dass sie ihr Bett verlässt. Wir werden eine Weile dasitzen und ich werde reden und merken, dass sie genervt ist. In der Ecke des Speisesaals sitzt ein Mann, der immer wieder sehr laut stöhnt. "Stört dich etwas", werde ich fragen, und sie wird erst eine ganze Weile still sein, als müsse sie all ihre Kraft sammeln um Worte zu formen, und in ihrer unnachahmlichen Abgenervtheit sagen: "Der Alte da hinten." Ich werde ihr Multivitaminsaft mitgebracht haben, weil sie den am allerliebsten mag, und sie doch endlich wenigstens mal trinken muss. Ich werde ihr eine Schorle mischen in der Schnabeltasse und merken, dass ihr das nicht ganz schmeckt. Ich werde fragen: zuviel Saft Anteil, oder? Und sie wiegt den Kopf hin und her. Ich werde sagen: trink einen ordentlichen Schluck ab, dann gieß ich Wasser auf. Sie wird trinken, und während ich an der Schnabeltasse hantiere, wird sie sagen: Ich bin anstrengend, oder? Und ich werde versuchen nicht komplett zusammenzubrechen und zu weinen, und stattdessen einfach nur fragen: "Das beschäftigt dich?" und sie wird sagen: "Naja schon." Und ich werde ihr versichern: "Wir wollen einfach alles tun, damit es dir irgendwie besser geht." Und sie wird sagen: "Das merke ich."

Ich werde sie soviel streicheln wie seit vielen Jahren nicht mehr, oder wie vielleicht noch nie. Und sie wird sagen: das ist so schön, wie du mich streichelst.

Wir werden sie immer wieder fragen, ob sie denn noch leben möchte, und sie wird jedes einzelne mal sagen: ja.


28.12.25 Der Zettel im Glückskeks, den ich meiner Mutter mitbrachte



Und als ich dann am 29.12. vormittags das letzte mal bei ihr bin, weil V. mich an dem Tag mit nach Berlin nehmen wird, weiß ich gar nicht, ob ich überhaupt fahren sollte. Ich habe so ein schlechtes Gefühl, es gibt außerdem wieder Diskussionen mit dem Umfeld wie und was weiter. Ich gehe weinend nach Hause zu meinem Vater, wo V. schon wartet. Ich werde zu ihm ins Auto steigen und mich die ganze Zeit fragen, was wohl wird.

31.12.25 Bei N. und ihrer Familie, wir bereiten das letzte Abendmahl des Jahres 2025 zu.



31.12.25 Letzte Karte



Ich bin mir sicher, dass das, was wir im Dezember von Mama gesehen haben, ihr Wesenskern war. Das, was hinter der Schizophrenie, hinter der Depression, hinter ihren Kindheitstraumata lag. Verwischt von demenzartigen Zügen und dem bereits tiefen Blick in die Andernwelt. Und ich bin mir sicher, dass sie eine Entscheidung getroffen hatte.

~ Télépopmusik feat. Angela McCluskey - Breathe


~ Air - Alone In Kyoto

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