Dienstag, 14. April 2026
In mir steckt die Traurigkeit, als wäre sie bis tief in die Knochen durchgesickert. Sie fühlt sich an wie ein Teil meiner DNA. Es ist schwer zu differenzieren, ob es der Verlust meiner Mutter ist, oder der ganze Umbruch, der anstehende Umzug nach so vielen Jahren hier, der neue Job, die Weltlage, oder überhaupt all das der letzten Jahre. Vielleicht ist es aber auch alles, und über unter hinter vor allem doch einfach der Verlust meiner Mutter und der Versuch die letzten Jahre und unsere Beziehung zu verarbeiten. Ich fühle mich jeden Tag unendlich müde, kränklich. Wanke zwischen funktionieren/ organisieren und irgendwo da Raum für die Trauer zu schaffen. Das fällt mir schwer. Ich war schon immer gut im Verdrängen, oder darin eben den anderen Dingen Vorrang zu geben. Gipfelte dann damit, mir mit Anfang 40 einige Dinge stationär anzuschauen. Da (zu diesem latent suizidalen Zustand) mag ich nicht mehr hin. Und gleichzeitig wäre ich gerade nirgendwo anders lieber als in dieser Klinik. Mit Zeit und Raum für das, was in mir los ist. Das muss doch aber irgendwie auch anders gehen? Wie macht man sowas im Alltag?

Es fühlt sich völlig absurd an, dass ausgerechnet ich ab Mai Patient:innen mit psychischen Erkrankungen behandeln soll. Ich fühle mich selbst wie eine Patientin.

Neulich bin ich bei Fräulein Samojede auf dieses Lied gestoßen, "Niemand" von Kapa Tult. "Und niemand redet jemals von sich aus über dich mit mir".




Seelenheil ~ ... link (1 Kommentar)   ... comment





Montag, 13. April 2026
Bald egal, was ich an Diskussionen oder Plänen von der Regierung lese, ich denk immer, ich träum. Starke Einschneidungen bei Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. LOL. An der Psycho-Ecke schrauben sie ja auch immer weiter, jetzt sind Einschnitte auch in er stationären Behandlung geplant.

Und alle so: aber der Sprit!

Ich kann das alles nicht mehr.

Alle irre, aber leider nicht in Therapie.

Aus dem Leben ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment





Dienstag, 31. März 2026
Und während wir noch dabei sind, gegen die gekürzte Vergütung vorzugehen, werden "Diskussions"papiere veröffentlicht, die ein weiteres starkes Eingreifen in die psychotherapeutische Versorgung vorstehen, wie hier vom vdek - Verband der Ersatzkassen e. V.

Dort stehen hahnebüchene Dinge, z.B. "Die Ersatzkassen fordern, für die Kontingentschritte über alle Richtlinienverfahren einen einheitlichen, am Wirtschaftlichkeitsgebot ausgerichteten, Benchmark verbindlich festzulegen, der sich an der Verhaltenstherapie orientiert."

Oder "Die Ersatzkassen fordern eine gesetzliche Regelung, dass bei Neuzulassungen und Nachbesetzungen von Kassensitzen ein festgelegter Mindestanteil der Leistungen einer Richtlinientherapie von 40 Prozent* in Gruppentherapie zu erbringen ist."

Oder "Die Ersatzkassen fordern daher, die Systemische Therapie und Verhaltenstherapie als Therapieverfahren mit einer höheren Versorgungskapazität bei der Nachbesetzung bevorzugt zu berücksichtigen."

Letzteres klingt wie der Sargnagel für tiefenpsychologischen und analytischen Verfahren. Also: meins! Das heißt, wenns richtig toll läuft, mache ich diese Ausbildung mit Kosten von etwa 60.000 Euro bis zur Approbation und habe davon am Ende - nichts. Und ich sags Ihnen ganz ehrlich: nur mit Verhaltens- und systemischer Therapie wäre ich bei meiner psychischen Gesundheit nicht weitergekommen.

Ich kann das alles nicht mehr.

Ψ ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment





Montag, 30. März 2026
Scheide-weg
Termin bei der Frauenärztin. Wir sind an einem Scheideweg, sagt sie. Hahaha, denke ich, aber erst zu Hause. Denn dort bin ich erstmal etwas überrumpelt. Die erst im Januar entdekcte Zyste hat sich verändert, ist größer und nicht mehr nur flüssig. Zu 99% keine magline Zyste, aber sicher weiß man es erst nach einer Gewebeprobe. In jedem Fall ist sie in ihrer Beschaffenheit ein deutlicher Indikator für Endometriose.

In Kombination mit der Myom Geschichte, und dass ich in die Perimenopause komme, wo solche Dinge oft nochmal Wachstumsschübe kriegen, auch wenn wir das nicht sicher sagen können, sei das nun doch der Punkt, an dem ich die Entfernung der Gebärmutter erwägen solle/könne/dürfe. Vor allem, da mit der Bauchspiegelung, und die will ich schon haben, sowieso Vollnarkose, OP der Zyste etc. anstehen würden.

Was für ein beschissener Zeitpunkt. Darüber würde ich gerne nachdenken. Ich würde, so meint sie, wohl ca. 4 Wochen ausfallen mit der Gebärmutter-OP. Das geht gerade einfach nicht. Ich hätte Angst, die Stelle aufs Spiel zu setzen. Es drängt nichts, sagt sie, je nachdem, wie sich meine Beschwerden weiterentwickeln. Daher werde ich vermutlich das PT1 Jahr abwarten. Während dieser Zeit empfiehlt sie mir aber sehr deutlich eine hormonelle Therapie. Phu. Was kommt als nächstes, frag ich mich manchmal. Is jetz nich mal gut?

Seelenheil ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment





Sonntag, 29. März 2026
Zwischen den Welten.
Es ist Zeit.

Erst mal die Phase von Anfang bis Ende Dezember 2025. Habe eben angefangen zu tippen, über Zustände, und alles. Aber ich hab nicht viele Worte, die hier her gehören, deswegen bleibt es bei Bildern und Musik. So bleibt es unvollständig, aber in mir ist ja alles, und es fühlt sich sowieso schon sehr intim an.
[Edit] Es wurden doch mehr Worte. Ich glaub, ich hab einfach sehr Angst zu vergessen.

Im Dezember zwischen all dem Leben das Sonderbare. "Sie beschimpft uns gar nicht mehr." Ja, das finden wir auch besorgniserregend.






18.12.25 Abschiedsgeschenk meiner Klinikkolleg:innen an mich



19.12.25 Bevor ich in die Heimat fahre, treffen Rini und ich uns auf eine Glühweinfahrt auf dem Neckar in Heidelberg. Wir lachten so sehr, als uns auffiel, dass man von der Stadt halt nix sieht im dunklen, ausser das beleuchtete Schloss. Glühwein war angemessener Trost. Hier im Hintergrund meine "alte" Masterschmiede. Hallo! :)




22.12.25 In der Heimat. Papas Geburtstag.



22.12.25 Meine Jahreskarte für 2026



23.12.25. Im Lauf des Tages werde ich sie fragen, welche Jahreszeit wohl ist. Und sie wird überlegen, mich ansehen, und voller Überzeugung sagen: Sommer. Ich werde sagen: nicht ganz. Es ist Winter. Kannst du dir vorstellen, dass morgen Weihnachten ist? Sie wird mich sehr verwundert ankucken und, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank, antworten: Weihnachten? Ne!

Irgendwann in all den Tagen werde ich sagen, als sie mal wieder aus dem Fenster starrt als wären da die wundervollsten Dinge, zu denen wir anderen keinen Zugang haben: es ist als wärst du irgendwie schon ein bisschen in der Andernwelt. Und sie wird mich ankucken und nichts sagen, und doch werde ich alles wissen.

Und ich werde ihr davon erzählen, dass ich in der Sauna war, und jedes mal, wenn ich in der Sauna bin, daran denken muss wie sie mir vor vielen Jahren erzählte, dass ihr da ein BH geklaut wurde, und wie sehr sie das belustigt hat, dass Leute sogar BHs klauen. Und sie wird sehr schief grinsen.



24.12. Zu Besuch bei Mama. Innenhof des Seniorenwohnheims



26.12.25 Spaziergang und Schau ins Land in ehemaliger Grenzregion



27.12.25 Ein kleines Fest am See, bei dem ich mich mit lieben Menschen treffen. So schön war das, Balsam für die Seele.



Wir werden uns immer wieder überlegen, was wir tun sollen, uns Überweisungen vom Hausarzt holen, mit den Pflegekräften sprechen, ihrem Betreuer, diskutieren, zweifeln, hadern und am Ende sie dort lassen, wo sie ist.

Irgendwann werde ich zu ihr kommen und total überrascht sein, denn sie sitzt im Speisesaal und das wird das erste mal seit Ende November sein, dass sie ihr Bett verlässt. Wir werden eine Weile dasitzen und ich werde reden und merken, dass sie genervt ist. In der Ecke des Speisesaals sitzt ein Mann, der immer wieder sehr laut stöhnt. "Stört dich etwas", werde ich fragen, und sie wird erst eine ganze Weile still sein, als müsse sie all ihre Kraft sammeln um Worte zu formen, und in ihrer unnachahmlichen Abgenervtheit sagen: "Der Alte da hinten." Ich werde ihr Multivitaminsaft mitgebracht haben, weil sie den am allerliebsten mag, und sie doch endlich wenigstens mal trinken muss. Ich werde ihr eine Schorle mischen in der Schnabeltasse und merken, dass ihr das nicht ganz schmeckt. Ich werde fragen: zuviel Saft Anteil, oder? Und sie wiegt den Kopf hin und her. Ich werde sagen: trink einen ordentlichen Schluck ab, dann gieß ich Wasser auf. Sie wird trinken, und während ich an der Schnabeltasse hantiere, wird sie sagen: Ich bin anstrengend, oder? Und ich werde versuchen nicht komplett zusammenzubrechen und zu weinen, und stattdessen einfach nur fragen: "Das beschäftigt dich?" und sie wird sagen: "Naja schon." Und ich werde ihr versichern: "Wir wollen einfach alles tun, damit es dir irgendwie besser geht." Und sie wird sagen: "Das merke ich."

Ich werde sie soviel streicheln wie seit vielen Jahren nicht mehr, oder wie vielleicht noch nie. Und sie wird sagen: das ist so schön, wie du mich streichelst.

Wir werden sie immer wieder fragen, ob sie denn noch leben möchte, und sie wird jedes einzelne mal sagen: ja.


28.12.25 Der Zettel im Glückskeks, den ich meiner Mutter mitbrachte



Und als ich dann am 29.12. vormittags das letzte mal bei ihr bin, weil V. mich an dem Tag mit nach Berlin nehmen wird, weiß ich gar nicht, ob ich überhaupt fahren sollte. Ich habe so ein schlechtes Gefühl, es gibt außerdem wieder Diskussionen mit dem Umfeld wie und was weiter. Ich gehe weinend nach Hause zu meinem Vater, wo V. schon wartet. Ich werde zu ihm ins Auto steigen und mich die ganze Zeit fragen, was wohl wird.

31.12.25 Bei N. und ihrer Familie, wir bereiten das letzte Abendmahl des Jahres 2025 zu.



31.12.25 Letzte Karte



Ich bin mir sicher, dass das, was wir im Dezember von Mama gesehen haben, ihr Wesenskern war. Das, was hinter der Schizophrenie, hinter der Depression, hinter ihren Kindheitstraumata lag. Verwischt von demenzartigen Zügen und dem bereits tiefen Blick in die Andernwelt. Und ich bin mir sicher, dass sie eine Entscheidung getroffen hatte.

~ Télépopmusik feat. Angela McCluskey - Breathe


~ Air - Alone In Kyoto

Moving_Through ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment