Montag, 10. September 2018
Ausgelutscht.
So, Prüfung seit letzter Woche hinter mir. Halbzeit im Studium. Ziemlich malade mit defekten Stirnhöhlen, ab Mittwoch dann für eine Woche Kärnten. Freue mich so sehr auf Berge und Bücher.

Fester Vorsatz, nach dem Urlaub den Vertrag in der neuen Welt frühstmöglich zu kündigen, und im regulären Job auf 20 Stunden zu reduzieren. Wenn das nicht machbar ist, werde ich mich kündigen lassen. Bin dermaßen ausgelutscht, dass da jetzt auch 4 Wochen Urlaub nicht helfen würden. Es gilt den Modus operandi zu ändern.

Und dann mal sehen. Wird schon, hm?






Samstag, 1. September 2018
Als ich hier gerade etwas gesucht habe, bin ich zufällig auf den Jahresrückblick für 2009 gestoßen, und dann habe ich das ganze Jahr 2009 gelesen. Ich mag die Frau, die das geschrieben hat, und frage mich, wo die wohl ist. Sie ist so lustig, mit Galgenhumor. Offen, fröhlich, traurig, lustvoll, heiter, melancholisch. Liebenswert.
Und dann kam nach diesem Jahr, das sich so bunt und aufregend liest, der 3.1.2010. Bin richtig erschrocken.

Ich. Muss. Mein. Leben. Ändern.
Es geht so nicht weiter. Und es hilft nichts mehr nur darüber nachzudenken. Ich muss es tun, auch wenn es mir furchtbar Angst macht weil es große Unsicherheit bedeutet. Aber ich brauche Luft, Raum, Zeit. Und mein Studium. Das brauch ich auch, und zwar unbedingt in Vollzeit. Mit (dieser) Arbeit kann und will ich einfach nicht mehr.

Gestaltungsraum. Das ist es. Raum für Nichtstun, oder dafür, spontan etwas zu tun. Einfach nur Musik hören. Oder sich besaufen und am nächsten Tag verkatert sein. Vielleicht mich mal wieder als Frau fühlen, flirten. Mich treiben zu lassen.
Ich habe mir so ein krasses Korsett gebaut, dass ich mich umbringe wenn ich so weiter mache. Und lang dauert das nicht mehr.






Donnerstag, 30. August 2018
Heute wurde es so unangenehm, dass ich irgendwann fragte: "Wielang haben wir noch?" In der Stille zählte ich gedanklich von 100 an rückwärts, um nichts anderes in mir hören zu müssen. Nach einer Weile: "Kann ich nicht einfach gehen?"

"Er provoziert dich schon ziemlich heftig. Ich hab das Gefühl, er will dich mit aller Macht hinter dem Ofen vorlocken, und um dich hinter dem Ofen hervorzulocken, da muss man schon schwere Geschütze auffahren. N. hat recht, schätze ich.



"Es ist so unangenehm für Sie, dass Sie es kaum ertragen. So unangenehm, dass Sie raus wollen."
Wie passend, dachte ich mir. Wie passend. In jeder Hinsicht.

Seelenheil ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment





Dienstag, 28. August 2018
Stadtgespräch.
Neulich morgens zufällig seit Jahren mal wieder den Klavierengel getroffen. Beim Bäcker, im fremden Kietz.

„Hey T, hallo, das ist ja lustig.“

“Ooooka, hallo, was machst du denn hier?“

„Ach ich geh fremd in dem Kietz. Haha. Nein. Ich sitte bei einer Freundin da hinten in der Straße die Katze.“

“Achso. Ja also ich kehre dem Kietz bald den Rücken. Ich bin ja Vater geworden und da haben wir jetzt ein Haus gekauft, in <Name anderes Viertel>. Da ziehen wir bald hin. Die <Name der anscheinend nun auch eine Familie Bekannte> ziehen in die gleiche Straße, die sind dann in Sichtweite. Arbeite immer noch 80%, aber nur noch die Woche, dann nehme ich zwei Monate Elternzeit. Ja. Also ich werde langsam spießig. Und bei dir?“

„Ach du, ich quäle mich immer noch mit meinem 75% Job, bin 5 Stunden in der Woche in <der neuen Welt>, studiere weiter vor mich hin und habe das Gefühl, es nimmt kein Ende und dass ich mich bald mit meinem Burn-out einäschern lassen kann, so schön brennt das. Hab auch grad ne scheiss Therapiephase. Anscheinend komische Identifikationsprozesse mit meiner Mutter. Mit Ende 30, wer hatte das nicht als Zielvision mit 18? Wäre ohne ihre Krankheit schon schräg genug, aber jetzt denk ich, hm, hoffentlich identifiziere ich mich nicht bis zum kleinsten Detail ihrer Schizophrenie mit ihr. Haha. Ja. Ziemlich ätzend sich wie meine Mutter zu fühlen. Und macht ziemlich einsam, wenn man so scheisse drauf, asozial und asexuell ist, und ständig schlafen könnte. Gibt wenig Typen, die das als Wunschkriterien in ihr Tinderprofil schreiben. Und die Freundinnen beklagen sich, weil ich so asozial wie meine Mutter (und anscheinend auch ihre Mutter, das sagen sie jedenfalls) bin, und nicht so verfügbar, vielleicht sollte ich mal ins Poesiealbum schreiben. Also nach meiner Prüfung Anfang September. Aber haha, ich funktioniere derweil einfach weiter, auch wenn ich eigentlich grad gar nix mehr raff.
--

„Ach du, nix besonderes, ich studiere weiter fröhlich vor mich hin, alles spitze. Du, ich stell mich jetzt mal bei der Schlange an.“

“Jo du, dann machs mal gut, bis bald.“

„Tschüss.“






Samstag, 25. August 2018
Projektionen.
Meister Yoda erzählte neulich, dass Söhne, deren Väter im 2. Weltkrieg kämpften, Phantomschmerzen an den gleichen Körperstellen empfanden, an denen ihre Väter im Krieg Schussverletzungen erlitten hatten. Das sind wohl unbewusste psychologische Identifikationsprozesse. Sie wollten sich mit eben jenen Vätern identifizieren um sich ihnen nah zu fühlen, da diese Väter psychisch/ emotional ja oft nicht verfügbar waren für diese Söhne wenn sie aus dem Krieg zurückkehrten.

Es wäre gelogen wenn ich behaupten würde, dass mir das alles gerade keine Angst macht, v.a. wenn ich an die Schizophrenie meiner Mutter denke.

Vermutlich nicht der beste Zeitpunkt mir "3 Tage in Quiberon" auf dem Filmfestival anzusehen - gerade sehr schräg auf einer Leinwand in mehrerlei Hinsicht überdimensional das Gefühl eines fehlenden Zuhauses mit einhergehender Leere projiziert zu bekommen. Wie sehr Romy mich an sie erinnert. Oder an mich? Oder an das was.. ? Es ist kompliziert mit der Projektion.

Herbstlich ist es geworden.


Seelenheil ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment