Sonntag, 25. September 2022
Um 24 Uhr endet die Seminarwahl für das kommende Semester. Die Qual der Wahl. Ein Luxusproblem, aber ein Problem, auch hinsichtlich der zeitlichen Gestaltung (im Hinterkopf, dass irgendwie auch Broterwerbszeit eingeplant werden muss), Prüfen möglicher Überschneidungen, etc. Ewig nochmal rumgefummeln und hin- und hergeschoben. Soweit sollte es jetzt passen. Hoffe, vor allem meine Prios 1, 2 und 3 zu erhalten. Freude Freude Freude, dass es bald losgeht.

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Samstag, 24. September 2022
Gestern begegne ich auf dem Klimastreik zufällig zwei Damen (Ü60 bzw. Ü70) aus der Meditationsgruppen. Schließe mich ihnen spontan an, was für eine schöne Gelegenheit, sie besser kennenzulernen. Meine Generation erscheint mir als sehr streikfaul, vielleicht aber auch einfach sehr beschäftigt. Allgemein hat sich das Publikum verändert. Gestern sind weniger Schüler:innen da als vor Corona, dafür ein paar mehr Studierende, ein paar Mütter und Väter mit Kindern, dann eine ziemliche Alterslücke, und schließlich Ü60. Die Veranstalter:innen freuen sich über ca. 3.000 Teilnehmende. Auch wenn das zu erwarten war, bin ich enttäuscht. Wir waren mal über 8.000.

Nach der Demo gehe ich kurz einkaufen, dann zurück zum Schloss (Demo-Startpnkt), um mein Fahrrad zu holen. Während ich das Fahrradschloss aufschließe, nähert sich mir ein Mann mit einer Größe von ca. 1,50 - 1,60 Meter.

Er spricht mich an: "Eine so schöne Frau. Schöne Frau sind Sie." Ich bedanke mich höflich, fummel mit Schloss und Fahrradkorb rum und will weg. Es ist inzwischen fast 20 Uhr und schon fast dunkel. Auf dem Schlossplatz sind sonst keine Menschen. "So schön, wirklich, gefällt mir sehr gut." Mir wird mulmig und ganz heiß. "Sie könnt ich gut vernaschen. Das wäre was, das würde mir richtig gut gefallen." Er nickt, wie zur Anerkennung, bleibt dabei körperlich distanziert.

Mir ist krass unwohl. Vor allem, weil mir einfach überhaupt nichts einfällt. Ich stotter wahllos Silben vor mich hin, die keinen Sinn ergeben, und bin einfach nur perplex. Er redet weiter. "Mit Ihnen würde das auch gut im Stehen gehen." Anstatt dass mein Gehirn endlich eine hilfreiche Abwehr ersinnt, denkt es nun krampfhaft darüber nach, wie zum Geier das kopulieren mit meinen 1,80 und seiner Größe funktionieren soll. "Ich lecke nämlich sehr gern."

Alles, was da endlich aus mir rauskommt ist: "Mach das niemals mit einer anderen Frau." Dann steig ich aufs Rad und fahre weg. Er ruft mir noch "Einen wunderschönen Abend Ihnen!" hinterher. Ich bin ratlos, was ist los mit mir, warum traue ich mich nicht laut zu sagen: halts Maul und verpiss dich! Oder sowas wie: "Ja, lecken - am Arsch lecken kannste mich!!!!" Hab ich Angst, er wird gewalttätig?

Ich schäme mich ob meiner Ohnmacht und fühle mich besudelt.

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Donnerstag, 22. September 2022
Leben.
"Haben Sie was mit Ihren Haaren gemacht?
[...]

Mhmmm... früher, als Sie Kind waren, sollten Sie ihr helfen zu leben. Heute sollen Sie ihr helfen zu sterben.
[...]

Wenn Ihre Mutter zu dem Entschluss kommt, dass sie die Kontrolle über ihr Leben zurückhaben möchte, und das bedeutet, dass sie sich für den Tod entscheidet, dann müssen Ihr Bruder und Sie sich vielleicht dahin arbeiten, das zu respektieren.
[...]

Das ist nichts, wofür es eine psychologische Lösung gibt. Da wird Schmerz sein. Durch den müssen Sie durch.
[...]"


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Heimweg am Neckar. Die Sonne strahlt vom knallblauen Herbsthimmel. Der Wind fährt durch die Pappeln. Klare Luft auf dem Gesicht. Ich radel langsam.
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Ein Mann schiebt einen Kinderwagen, sucht Lieder auf Youtube und singt laut (und schräg) dazu, sichtlich erfreut.
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In den Quadraten. Ein Wohnungsloser kackt vor den Rewe.
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Neulich bei der Akupunktur versuchte ich mich zu entspannen, wie bei der Meditation. Einatmen, ausatmen. Loslassen. Einatmen, ausatmen, loslassen. Und wie ich da so atmete, war ich irgendwann auf der Grenze zwischen Wachsein und Schlaf. Da war ich plötzlich erfüllt von der tiefen Gewissheit, dass alles Sinn ergibt. Dass alles so ist wie es sein soll. Also nicht im Kleinen, in meinem Leben, sondern (auch) im Großen, alles. Sobald mir das bewusst wurde, wollte ich mir das näher ankucken, aber dieses Wissen und die damit einhergehende Ruhe, Gelassenheit und Freude zogen sich sofort zurück. Okay, dachte ich mir. Zuckte mental mit den Schultern, lächelte und schlief ein.

~ Ströme X Nick McCarthy - Stadlberg

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Dienstag, 13. September 2022
Leider kein Traum: Mama möchte sterben. Naja eigentlich nicht wirklich, aber sie möchte frei von Leid sein. Niemandem fällt noch eine Behandlungsoption ein, die sie nicht verweigert. Ihr fällt nur noch Suizid ein.
Das Thema trifft mich nicht so hart wie damals, als es zum ersten mal aufkam. Nun klingt sehr viel ernster, konkreter. Wenn sie darüber spricht, blüht sie auf. Ich habe (noch?) keine Worte. Aber Angst. Wir probieren es über Dignitas. Das ist mir immer noch lieber als, ich zähle ihre bisherigen Abwägungen auf: Tabletten, Zug, Mähdrescher (wtf?), Aufhängen. Wie ich das so hier her schreiben kann. Neulich habe ich diesen Artikel über Neuropolitik gelesen. Sehr spannendes Thema. Da ging es unter anderem um Dehumanisierung. Etwas, das wir alle immer wieder tun. Ich momentan vermutlich sehr. Und immer dann, wenn ich dahinter meine Mutter, meine Mama erkenne, bleibt einfach nur nacktes Entsetzen.

K. ist im Hospizverein und kennt jemanden, der seine Mutter ebenfalls auf einem solchen Weg begleitet hat. Sie versucht den Kontakt klar zu machen. Ich brauche... Hilfe.

***

So gut wie pleite, und trotzdem Sylt gebucht. Oder gerade deswegen? Meine Stammunterkunft hat sehr vernünftige Preise. Geradezu unglaublich gut, für diese Insel. Und bevor der Wahnsinn mit Doppelbelastung Mitte Oktober nach einem guten Jahr Pause weitergeht, und nach diesen ganzen wahnsinnigen und zum großen Teil auch wahnsinnig anstrengenden Erlebnissen der letzten 1,5 Jahre, mag die Seele rauhe Seeluft tanken. Direkt von der Insel dann nach Berlin, N. verteidigt ihre Dissertation. Freu mich wie Bolle auf diese Ausflüge - und den Start des Masters.

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Sonntag, 11. September 2022
Psychodynamik
Gestern Nacht träumte ich vom F.; er campiert mit einem Drogenkumpel in meiner Wohnung, die ich länger nicht betreten hatte. Nun wollte ich aber Dinge vorbereiten für einen Umzug. Ich wusste nichts von ihrem Campieren, weiß auch nicht so genau, warum er den Schlüssel hat, der F. und ich sind eigentlich im Streit und hatten länger keinen Kontakt, und die sich mir dargebotene Szene ist rätselhaft. Ich sehe die beiden, wie sie auf dem Boden sitzen und aus Blechdosen essen. Wie Obdachlose mit geliehenem Obdach. Impulsiv rufe ich schneidend kalt: "Raus! Sofort raus." Dann fällt ein enger Ring von meinem Brustkorb ab und ich senke den Kopf, schüttel ihn, sage leise: ne, egal, egal, bleibt, bis ihr etwas gefunden habt, aber bitte kümmert euch darum, die Wohnung muss geräumt werden, ihr müsst leider auf jeden Fall gehen.

Der Traum ist krass und ich verstehe ihn sehr gut im Zusammenhang mit der Situation, in der F. und ich uns befinden.
****

Heute Nacht träume ich erst von einer Technoparty, in einem Kaff meiner Heimat. Es gibt weder diesen Ort noch diesen dunklen Club, aber ich weiß genau, dass ich in einem anderen Traum schon mal hier war. Es ist viel Platz, eigentlich wenig los, aber für die Heimat typisch, mit mehr rechnet man nicht, insofern sind es genug und genau die, die immer da sind. In einer Stadt etliche Kilometer über die ehemalige Grenze findet parallel eine Schwesterveranstaltung statt, dort will ich später eigentlich noch mit dem Zug hin, was in meiner Heimat und dem gesamten Gebiet v.a. nachts eigentlich fast unmöglich ist.
Ich schlender durch die dunklen, hohen Räume, sehe Leute. Der K. aus Mannheim kommt, wir hatten uns verabredet. Er trägt ein Hemd. Ich frage mich warum und schäme mich kurz fremd, bis ich mir denke, ist doch auch scheissegal. Ich merke dass ich müde bin, sehe, dass eine ihren Spiegel auf ein kleines Sideboard vor dem Klo gelegt hat, mit fetten Lines. Jeder der mag, kann scheinbar mal ziehen. Ich möchte aber nicht, zum einen will ich eigentlich nicht, zum anderen nicht, ohne sie zu fragen, und sie ist gerade rein aufs Klo. Ich gehe weiter. Sehe hier und da Leute, die ich von früher kenne, sie sehen kaum älter aus als damals. Vielleicht, weil ich sie danach nie wieder gesehen habe und sie mir nicht älter vorstellen kann. Wie haben sie diese Zeiten damals überlebt?
Wir sehen uns Zugpläne an, alles in kompliziert. Ich will aber unbedingt D. spielen hören, und der legt bei der Schwesterveranstaltung auf. Irgendwie kommen D. und B. plötzlich, der Gig bei der anderen Veranstaltung ist schon längst vorbei, es muss schon viel später sein als ich denke. Ich freue mich, weil ich weiß, dass er gleich hier auflegen wird. An einem Tisch sehe ich die junge Frau mit den fetten Lines und einer ihrer Freundinnen. Ich frage sie, ob ich auch ein bisschen ziehen darf. Ziehe kurz etwas. Das ist interessant, denn alles in dem Traum ist ganz klar. Aber der Moment, in dem ich tatsächlich etwas ziehe, ist wie kurz rausgeschnitten. Die Nase bleibt wie unberührt. Und doch ist es geschene und ich werde mit der Zeit etwas munterer, wacher.
-- Cut im Traum, aber irgendwie hängen die Szenen doch zusammen. Ich glaube, LeSchwe taucht auf der Party auf. Doch die gesamte Party-Szenerie löst sich irgndwie auf. Es bleiben sie und ich, und ihr Freund. Wieso der da bleibt, weiß ich nicht, ich hinterfrage es auch nicht, aber bei dem, was kommt, wäre seine Gegenwart eigentlich unpassend. Wir streiten über die aktuelle Situation. Machen Vorwürfe. Es eskaliert völlig. Nach dem Gespräch bleiben nur Schutt und Asche. Ich habe den Eindruck, es lässt LeSchwe aber relativ kalt, für sie passt es so. Ich lösche sie aus dem Handy. Sie schreibt mir, wie ich ihre Daten irgendwie datenschutzkonform komplett löschen soll. Mit etwas Abstand tut es mir weh, wie es ist. Ich überlege sie anzurufen und zu fragen, wie es ihr nun nach diesem Gespräch geht. Aber mir fällt ein, dass sie gerade in die Sauna gegangen und dort nicht erreichbar ist.

Der Traum ist ebenfalls krass und ich verstehe ihn vollständig. Sofort kommen sehr liebevolle Gedanken in mir, ich teile mit ihr, dass ich einen Traum hatte, in dem nach einem Gespräch nur die Zerstörung bleibt. Dass ich immer noch keine Lösung habe für das, was gerade bei uns ist, dass ich keine Antworten weiß. Dass ich einfach versuche anzunehmen, was jetzt ist und mir vorstelle, dass es ist wie mit Bäumen und Blumen in Herbst und Winter: erst welken sie, dann verlieren sie Blätter und Blüten, sie sehen starr aus und leer, man glaubt sie tot. Aber irgendwann kommt der nächste Frühling, immer.

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