Dienstag, 18. Februar 2020
Gemischtes zwischendurch
Heute Nacht war ich mit F. in Bayreuth Drogen kaufen, also für ihn. Ich wollte keine. Das war eine Aktion. Völlig irrer Dealer auch. Und Bayreuth war die Mischung aus einer Großstadt, die ich nicht kenne, und einem vietnamesischen Bergdorf. Sehr interessant. Vor allem auch Flora und Fauna.
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Soweit ich das mitbekomme, wird im Brot- und Butterjob gerade einigen ziemlich übel mitgespielt. Das sind seit einigen Monaten kuriose Zeiten. Etliches mehr als fragwürdig. Eine Kollegin meinte heute: "Mal sehen, wie lange meine Energie das noch mittragen kann", und damit meinte sie nicht nur ihre Kraft. "Toxisch ist das irgendwie geworden", hängt sie hintendran. Mhm ja, ich weiß manchmal auch nicht wie ichs aushalte. Manchmal halte ichs ja auch nicht aus, sondern lasse der aufgestauten Wut und Fassungslosigkeit freien Lauf. Zum Glück meistens dort, wo es ok ist. Vielleicht funktioniert das alles noch, weil ich Glück mit meinem Team habe. Und ich weiß, dass mich das Studium irgendwann von dort wegbefördern wird.
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Neulich nachts das erste mal in meinem Leben so starke Regelbeschwerden gehabt, dass ich stundenlang nicht schlafen konnte. Um 2 Uhr beschlossen, dass ich dann auch einfach netflixen kann während ich meine Wärmflasche umklammer. In einstündigem Rhythmus immer mal Schmerztabletten nachgeworfen, ohne Effekt, oder jedenfalls bis 5 Uhr. Dann wenigstens für 2 Stunden die Augen zugemacht. Ich hatte ja keine Ahnung, was manche Frauen jeden Monat so aushalten müssen. Aber warum denn ausgerechnet noch auf den letzten Metern? "Das ist das letzte Aufbäumen, Oka!" frotzel die N. Pf.
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Ansonsten. Schrabbe am Limit rum. Anfang März Klausur. Froh wenns rum ist.
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Achja: und Meister Yoda sieht aus wie eine Mischung aus Dustin Hoffman in "The Meyerowith Stories" und Peter Riegert in "Unbreakable Kimmy Schmidt".

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Donnerstag, 13. Februar 2020
Mit der Popakademie haben wir das musikalische Glück direkt vor der Haustür. Heute gab der Studiengang "Weltmusik" sein Semesterabschlusskonzert, leider viel zu kurz, dafür umso beeindruckender.

Was für ein Augenschmaus, den jungen Musiker*innen zuzusehen, vom Hörgenuss ganz zu schweigen. Finger fliegen über Bağlama, Bass, Piano, Akkustikgitarre, Trommeln, wirbeln am Schlagzeug. Wie die Musiker*innen einer Band untereinander kommunizieren, sich anerkennend zunicken, anstrahlen. Ihre Spielfreude nimmt den ganzen Raum ein. Und so eine unterschiedliche Mimik beim Musizieren. Jede*r ist ganz vertieft in die Musik, in sein Instrument, und doch völlig da und in Interaktion mit den anderen.

Spannend war auch das Publikum. Es teilte sich in Menschen, die 15-20 Jahre jünger und 15-20 Jahre älter waren als ich. Bei den jüngeren Geschlechterdiversität, bei den älteren bis auf eine Ausnahme Männer. Das meine ich ohne jede Wertung, nur interessiert. Woran mag das wohl liegen? Vielleicht war es aber auch nur Zufall.

In jedem Fall war es: ein fetzen Musikerlebnis.

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Sonntag, 9. Februar 2020
Ein winziger Schritt der sich wie ein Siebenmeilenstiefel anfühlt.
Seit knapp 2 Wochen habe ich nun eine Entscheidung und das dazugehörige Gespräch vor mir hergeschoben. Das Thema belastet mich sehr, es betrifft die Familie und triggert wilde, böse, traurige, heftige Urdämonen an. Eigentlich hatte ich überlegt, negativ zu entscheiden mit vorgeschobenen Gründen.

Meister Yoda ist darüber einigermaßen zurückhaltend entsetzt.
"Was ich daran insbesondere problematisch finde ist nicht die Situation oder was sie in ihnen auslöst, oder welche Ängste damit einhergehen. Das ist angesichts der Historie und ihrer bisherigen Erfahrungen für mich völlig nachvollziehbar. Problematisch finde ich, dass sie nun fast 40 sind und nicht zu sich selbst stehen."

"Aber wenn ich sage wie es ist, da stehe dann so so klein und hässlich da."

"Nein, klein und hässlich werden sie durch diese vorgeschobenen Ausreden, durch die Unwahrheit."

"Das macht mich doch alles wieder zum totalen Freak. Ich will nicht der Freak der Familie sein."

"Das sind Sie doch sowieso schon."

"Ich will doch nur einfach auch mal zu etwas dazugehören."

"Aber das geschieht doch nicht dadurch, dass Sie nicht zu sich selbst stehen, dass sie sich selbst verleugnen. Ich empfehle Ihnen dringend, es mit der Wahrheit zu versuchen. SIE. SIND. SO. Und Sie sind gut so."

Danach völlig erschlagen, ich spüre schon als ich die Praxis verlasse und den Fahrstuhl runterfahre, wie mich alle Kräfte verlassen. Ich bin emotional dermaßen erschöpft.

Nach zwei unruhigen Nächten und etlichen tiefen Atemzügen vorhin die Person angerufen. Ich musste weinen, weil ich dachte, es wird die Person verletzen. Rational begreife ich voll und ganz, dass sich an der Person Dinge entladen, für die sie am allerwenigsten in diesem ganzen Familiensystem etwas kann. Und doch ist es eben so.

Die Person reagiert sehr verständnisvoll. Ich denke, es trifft sie ein bisschen, aber das Verständnis ist echt. Da muss ich noch mehr weinen, jemand nimmt mich und meine Entscheidung für den Moment genau so an, wie es nun mal ist. Und es wirft sich mir die Frage auf, ob es richtig ist negativ zu entscheiden.

Aber manchmal liegt zwischen Wunsch und Wirklichkeit doch ein vorerst noch unüberwindbarer Fluss.

Seelenheil ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment





Mittwoch, 5. Februar 2020
WmDedgT 02/20: ich hab die Haare schön.
Die Februar 2020 Edition zu Frau Brüllens Frage: was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Nachts wieder Schlafprobleme. Nun die vierte Woche in Folge. Man könnte meinen, mein Kopf hat sich von Frau Maracayas Kopf inspirieren lassen und ist zu dem Ergebnis gelangt, dass das doch eine super Nutzung der kognitiven Kapazitäten ist, und dass wir das unbedingt ausprobieren müssen. Mmpf. Um 7 Uhr quäle ich mich gerädert aus dem Bett, Zombie-like. Der Katze ists egal, sie nimmt das Futter gierig entgegen.

Um 8 Uhr im Büro, Workshop und entsprechenden Raum vorbereiten. Unabhängig voneinander bedenken mich Menschen mit Komplimenten: du siehst so frisch aus! Hast du irgendwas gemacht? Oder: wow, du siehst toll aus! Das kompensiert das schlechte Gewissen angesichts des erheblich leichteren Geldbeutels nach dem gestrigen Friseurbesuch. Kurzer Zwischenstopp in der Abteilung, in der die Kollegin arbeitet die mir den Friseur empfohlen hatte. Noch mehr Komplimente und praktische Tipps zur Haarpflege. Ich freue mich einfach mal und hege die verzweifelte Hoffnung (gibt es das? verzweifelte Hoffnung?), dass sich der Kopf mit den neuen Haaren vielleicht besänftigen lässt und mir so wieder eine bessere Nachtruhe beschert?

Ab 10 Uhr startet die Workshop-Runde, mit 18 Teilnehmern. Um 13 Uhr Mittagspause für uns alle, ab 14 Uhr geht es weiter bis 15:30 Uhr. So sehr ich menschliche Interaktion mag, so sehr strengt sie mich, insbesondere in der Rolle der Moderatorin, auch an. Alles in allem zufrieden mit Durchführung und Ergebnis. Direkt im Anschluss den Workshop nachbereiten, denn ich weiß, dass ich morgen nicht dazu kommen werde. Das umfasst diverse Aktivitäten, für deren Aufzählung ich viel zu müde bin.

Um 18 Uhr mache ich mir ein Bier auf und erledige die letzten Reste. Dazwischen interessante Gespräche mit einem der Teilnehmer und einer weiteren Kollegin. Mit den Großraumbüros verhält es sich wie mit den menschlichen Interaktionen: so sehr ich sie mag und schätze, so sehr strengen sie mich an. Sie haben in unserer Firma tatsächlich einen unschätzbaren Vorteil was Wissens- und Flurfunk-Austausch angeht. Gerade zu später Stunde bekommt man dann die Infos zu hören, für die man sonst lange und manchmal auch vergebens bohren muss.

Um 19:10 streiche ich die Segel und radel nach Hause. Heute keine Küchen-Aktion mehr. Dafür Pizza bestellen. Es folgt eine 2-stündige Videokonferenz mit der F., ganz freiwillig, und das nach so einem Tag, das ist rar. Wir beschließen uns nur den leichten Themen des Lebens zu widmen und irgendwann sagen wir uns zufrieden Gute Nacht.

Dann ab ins Bad, insbesondere Wimperntusche loswerden. Bisher habe ich leider keine Wimperntusche gefunden, die mir nicht innerhalb weniger Stunden Beschwerden verursacht. Nach dem Abschminken mit müden Augen das hier tippen, für mehr Details fehlt nun echt die Energie, und deswegen: ab in die Koje.

[Edit] Dort noch einer Folge Unbreakable Kimmy Schmidt gefrönt. Ich liebe es.

WmDedgT ~ ... link (3 Kommentare)   ... comment





Montag, 3. Februar 2020
Gestern bin ich nach Thailand geflogen, auf diese Insel. Sie sah völlig anders aus, aber trotzdem wunderschön. Ich flog in dem völligen Bewusstsein, dass er dort mit ihr ist, und was ich mir davon versprach - ich glaube, ich wollte es einfach aushalten. Wollte, dass so etwas möglich ist. Dass ich dort bin, und die beiden auch, und dass ich das nicht nur aushalte, sondern ja. Liebe, das Universum, und so. Panta rhei.

Die Begrüßung seinerseits fiel sehr frostig aus. Er kam mir direkt entgegen, als würde er mich von ihr abschirmen wollen. Keine Umarmung wie sonst immer. Stattdessen verschränkte Arme. Er höre nicht auf zu betonen, dass er mit ihr dort sei, dass ich das verstehen müsse. Ich hörte nicht auf zu beteuern, dass ich in diesem Bewusstsein gekommen wäre, und dass es ok sei. Aber während ich dort stand merkte ich, dass es überhaupt nicht okay war, auch für mich nicht, und dass er mich weghaben wollte, also ging ich, die Verabschiedung fiel wie die Begrüßung aus. Eisig. Als hätten wir uns nie gekannt. Jede Nähe fort.

Als ich ging wusste ich nicht, wohin. Wenn ich jetzt schon mal da war, irgendwo anders auf der Insel bleiben? Nein, auf keinen Fall. Weiter durchs Land reisen? Oder in ein ganz anderes Land? Ich wusste es nicht, startete eine Odyssee mit Busverbindungen und falschen Busfahrplänen, Durchqueren des Dschungels, Hostels... eine fließend Thai sprechende Busfahrerin, die aber Deutsche war und mir das System erklären konnte. Mit den Plänen, und den Fähren, den Ablegestellen. Ich fühlte mich grauen voll. Orientierungslos. Einsam. Und ganz selten doch auch frei und neugierig. Aber es überwog eindeutig Traurigkeit, Verletztheit, Wut und Orientierungslosigkeit.

Ich wachte kurz auf, und schlief dann wieder ein. Träumte, dass ich wieder auf der Insel sei, bei ihrer Unterkunft. Diesmal stand sie da mit gepackten Koffern. Wollte weg. Wieso, fragte ich, es war doch alles so wundervoll. Alt sah sie aus, viel älter als auf dem Foto, das ich kenne. Tiefe Krähenfüße unter müden Augen. Die Drogen, sagte sie. Ich halte seine Abhängigkeit nicht aus. Und so verließen wir beide diesen Ort.