Freitag, 11. Januar 2019
Seit ich von deinem Tod weiß, zöger ich abends lang hinaus das Licht auszuschalten. Ich liege schon einige Zeit im Bett, lese oder schaue etwas, z.B. das eine Buch das du mir mal empfohlen hast, und das ich zwar gekauft, aber bisher nicht glesen habe. Oder ich starre den Holzschrank an, oder kraule die Katze. Es ist nicht so, dass ich das alles unbedingt tun will. Ich schaffe es nur nicht das Licht auszuschalten. Als würde damit etwas verloren gehen. Keine Ahnung.

Während ich auf deiner Trauerfeier stehe, sieht mein Bruder sein Baby zum ersten mal, auf einem Ultraschall-Bildschirm.

Noch nie erschien es mir 8 Wochen vor den Prüfungen so abwegig, zu diesen tatsächlich anzutreten. Ziehs durch Muse. Ich weiß.

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Montag, 7. Januar 2019
Diese Kiste
ist einfach
noch nicht
der richtige Ort
für dich.

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Montag, 24. Dezember 2018
Eine Etage über mir
sitzt Ph. auf seinem Bett und hört Musik und sagt, ich soll ihm doch einfach erzählen was los ist, oder auch nicht, aber kommen, und ich trau mich nicht mal dahin. Hocke auf dem Stuhl am Schreibtisch vorm Laptop in einer schwarzen Seidenstrumpfhose mit Blumenmuster und einer schwarzen weiten und langen Bluse und schwarzen Ringen unter den Augen von der Wimperntusche, und roten geschwollenen Lippen.

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Fast hätte ichs geschafft.
Ende Gelände. Ich hätte es wissen müssen. Eine heiße Herdplatte ist und bleibt eine heiße Herdplatte und eine heiße Herdplatte und eine heiße Herdplatte und eine heiße Herdplatte tut weh und macht Narben auch wenn man die Hand weggezogen hat.

Alles ist so gut gelaufen. Warum musste das heute sein.

NTM: fahr da nie wieder hin über Weihnachten. Ausrufezeichen.

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Mittwoch, 12. Dezember 2018
Digging in the deep shit, und mein ewiges Mantra.

Irgendwann heilt es, irgendwann heilt es.

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Dienstag, 30. Oktober 2018

Aus dem Nichts stehst du vor mir, zwischen vielen anderen. Lächelst, begrüßt mich, deinen Mund nah an meinem Ohr, weil die Musik so laut aus den Boxen dröhnt und die Menge um uns lärmt. "Du siehst noch genauso aus wie früher", sagst du. 47 bist du inzwischen. 26 warst du damals.

Ich habe in den vollgestopften Kisten zwischen all den Notizen, Kladden und Blättern nach den Aufzeichnungen gesucht, die von dir handeln. Sie sind weg. So wie die Zeichnung von dir, du, und um dich rum ein Meer aus Haaren. Wilde lockige Haaren aus Kugelschreiberstrichen. Du zertrittst eine kleine Blume. Aus den dunklen Locken schauen große traurige Augen auf dich, auf mich. Ich blicke auf mich. Zu dem Bild gab es einen Text, und unter dem Bild. Ich malte das Bild damals auf einen Text. Einen Text über Jorunn, die jetzt schläft.

Es war ein grauer kalter Tag im Februar. Wir sind zum Labyrinth gegangen, hoch auf den Turm. Ich fand dich so cool und toll. Deine blonden Haare, deine Katzenaugen. Danach sind wir zu dir. Deine Mama und ihr neuer Mann wohnten in einem Palast auf dem Millionärshügel. Ich kannte das Haus schon, aber das ist eine andere Geschichte die wir teilen. Du hast mich schwer beeindruckt. Dabei warst du so verloren wie ich, aber das konnte ich erst sehr viel später erkennen. Bis dahin schaute ich zu dir auf, egal wie weh es tat.

Wir legten uns in dein Bett, und tranken Wein. Im TV lief MTV, ich erinner mich an das Daft Punk Video, Around the World war gerade der Knaller in den Charts. Irgendwann lag ich auf dem Bauch, und ich weiß nicht was wir spielten, denn eigentlich spielten wir nichts, und doch bekamen wir eine ganz eigene Dynamik, zwischen deinen Satin-Laken. Ich tat als würde ich schlafen, und du wusstest dass ich nur so tat. Ganz langsam fingst du an mich zu streicheln, und Stück für Stück zu entkleiden. Ich genoss jeden Hauch, war wie im Traum, berauscht, aufgeregt und unglaublich verknalllt. „Jetzt schläft die Jorun“, sagtest du, aber natürlich sagtest du nicht Jorun, sondern meinen Namen. In meiner Erinnerung streichelst du mich eine Unendlichkeit lang. So zärtlich, so vorsichtig, so sanft, als wären es keine wirklichen Berührungen, sondern nur der Gedanke daran. Irgendwann fühle ich auf meinem Rücken etwas, wie eine Feder. Später werde ich dich fragen und du wirst sagen, dass es eine deiner kinnlangen Haarsträhnen war. Die Zeit blieb stehen und mein Herz auch. Stunden vergehen, eine weitere Nacht. Hab mich verloren bei dir, in dir. Du wirst mir sehr sehr weh tun, in der Zeit danach, und es vermutlich gar nicht wissen.

Wir laufen uns immer wieder über den Weg. Es tut nicht mehr so weh und irgendwann kann ich dich sehen, sehen wie verloren du bist, und warum. Wir teilten Verluste, schon immer.

„Du riechst noch wie früher“, sage ich zu dir. „Das ist 8x4“ antwortest du, und ich muss lachen, denn 8x4, das hattest du damals nicht. Wir lachen zusammen, du erzählst dass das Parfum irgendwann aus dem Sortiment genommen wurde. Dass du 10 Kilo schwerer und ruhiger geworden bist, mit einem 4-jährigen Kind. Wir schauen uns in die Augen. Deine Katzenaugen. Ich fühle wie mein Herz anfängt schneller zu schlagen. Dann geht jeder seiner Wege.

In den Kisten finde ich unendlich viel Leben. eMails, Karten, Briefe, dicke Tagebücher. Gelebte Liebesgeschichten. Sehr viel Schmerz. Unglaublich viel Freude. Himmelhochjauchzend. Zutodebetrübt. Unruhig. Auf ständiger Abenteuersuche. Naiv. Voller Selbsthass. Ständig verliebt, meistens unglücklich. Voller Sehnsucht. Intensiv. Unfassbar dicht und intensiv. Ich sitze über meinem Leben, das sich bis 26 anfühlt, als wären es 3 gewesen. Das reicht für 10, sagt K. immer.

„Manchmal glaub ich, ich hab einfach schon alles gelebt. Und jetzt ist es leer“, werde ich eben jener K. schreiben, und so klar wie selten zuvor fühlen, dass es das ist, was mich seit Jahren, seit dem Berufseinstieg umtreibt. Dieses Gefühl, dass das eben vorbei ist, Vergangenheit. Auch, weil man so in meinem Alter einfach nicht mehr leben kann. Und die Diskrepanz zum Jetzt ist so riesig, dass ich die Vergangenheit wie ein Echo höre in einer riesengroßen Turnhalle, aus der die Parade mit Feuerwerk längst ausgezogen ist. Petra Pan, der die Mittel der Jungend abhandengekommen sind, weil sie nicht mehr funktionieren, die aber keine neuen Werkzeuge findet. Es fehlt mir, ist aber unwiderruflich vorbei, und ich finde nichts, was diese Leere füllt, egal ob himmelhochjauchzend oder zutodebetrübt. Dafür eine Gewissheit die sagt: das Beste kommt nicht mehr zum Schluss. Das Beste hast du schon gelebt. Ich traue mich kaum es zu schreiben, weil es sich so dramatisch anhört, es für mich aber überhaupt nicht ist: ein Abschied wäre stimmig. Das wars. Kein Akt mehr vorgesehen.

~ Daft Punkt - Around the World





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Donnerstag, 30. August 2018
Heute wurde es so unangenehm, dass ich irgendwann fragte: "Wielang haben wir noch?" In der Stille zählte ich gedanklich von 100 an rückwärts, um nichts anderes in mir hören zu müssen. Nach einer Weile: "Kann ich nicht einfach gehen?"

"Er provoziert dich schon ziemlich heftig. Ich hab das Gefühl, er will dich mit aller Macht hinter dem Ofen vorlocken, und um dich hinter dem Ofen hervorzulocken, da muss man schon schwere Geschütze auffahren. N. hat recht, schätze ich.



"Es ist so unangenehm für Sie, dass Sie es kaum ertragen. So unangenehm, dass Sie raus wollen."
Wie passend, dachte ich mir. Wie passend. In jeder Hinsicht.

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Samstag, 25. August 2018
Projektionen.
Meister Yoda erzählte neulich, dass Söhne, deren Väter im 2. Weltkrieg kämpften, Phantomschmerzen an den gleichen Körperstellen empfanden, an denen ihre Väter im Krieg Schussverletzungen erlitten hatten. Das sind wohl unbewusste psychologische Identifikationsprozesse. Sie wollten sich mit eben jenen Vätern identifizieren um sich ihnen nah zu fühlen, da diese Väter psychisch/ emotional ja oft nicht verfügbar waren für diese Söhne wenn sie aus dem Krieg zurückkehrten.

Es wäre gelogen wenn ich behaupten würde, dass mir das alles gerade keine Angst macht, v.a. wenn ich an die Schizophrenie meiner Mutter denke.

Vermutlich nicht der beste Zeitpunkt mir "3 Tage in Quiberon" auf dem Filmfestival anzusehen - gerade sehr schräg auf einer Leinwand in mehrerlei Hinsicht überdimensional das Gefühl eines fehlenden Zuhauses mit einhergehender Leere projiziert zu bekommen. Wie sehr Romy mich an sie erinnert. Oder an mich? Oder an das was.. ? Es ist kompliziert mit der Projektion.

Herbstlich ist es geworden.


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Freitag, 24. August 2018
Meister Yoda sagt Dinge, die mich überfordern und die ich nicht begreife. Große Abwehr.
"Aber vielleicht muss ich Ihnen da jetzt einfach vertrauen."
"Vielleicht sagen Sie das jetzt, weil Sie mir inzwischen tatsächlich ein Stück weit vertrauen. Vor einem halben Jahr wäre das vielleicht nicht möglich gewesen. Da hätten Sie das [was er zuvor gesagt hatte] für irgendein Wunderding der Psychotherapie gehalten. Mit Pyrotechnik! Und allem drum und dran."

Sehr wahrscheinlich.

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Donnerstag, 16. August 2018
Kernphase
in der Therapie. Er kommt an mich ran. Wir haben uns viel Zeit gelassen, aber die Basis (insb. die Stabilität und das Vertrauen) haben wir, habe ich gebraucht um an dem Punkt weiterzumachen, an den wir nun gekommen sind. Schmerzhaft. Anstrengend. "Aber wird ja auch mal Zeit", sagt Meister Yoda.

Er hat mich an den Eiern gepackt, letztes mal. Zum ersten mal seit ich überhaupt bei ihm bin, habe ich das zugelassen. Ich glaube, es sind tatsächlich schon 3 Jahre. Was hatte ich einen Hass auf ihn. Die Therapie canceln wollte ich, sofort. Ihm ins Gesicht schlagen, die Augen auskratzen.

Das Gefühl, wenn jemand an deinen Kern gekommen ist und du das zulassen kannst. Unbeschreiblich, in jeglicher Hinsicht.

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