Donnerstag, 27. August 2026
Kommende Woche kann ich aufgenommen werden. Ich hab sehr Schiss. Es wird auch komisch sein, ohne die anderen aus der ersten Runde.

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Donnerstag, 20. August 2026
Therapiestunde. Alles der letzten Tage besprochen. Den Alkohol, das Zeugnis, die Klinik, meine Mutter, die Pille, die Wechseljahre, die kurzfristig erhaltenen 2 Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Prio hat die Klinik. Zum Zeugnis meinte er: "auf gar keinen Fall tanzen Sie vor in dem Gespräch, das haben Sie nicht nötig. Sie sind gut!"

Am Ende sagt er: "Ich plane ja, so in drei bis vier Jahren aufzuhören. Wenn Sie bis dahin fertig sind, übergebe ich sehr gerne eine Kassenzulassung an Sie. Das ist mir wichtig zu sagen. Sie sind gut."

Pipi im Auge.

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Mittwoch, 19. August 2026
Ich ruf jetzt da an. Ich schaff das. Ufff... dass sich das so schwer anfühlt.
Geschafft, alle bestehenden Komplikationen angesprochen, das scheint machbar. Jetzt alle Formulare ausfüllen und dann kucken, wann es los geht.

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Dienstag, 18. August 2026
Ok. Das geht nicht. Dem Freund, der mich in den letzten Tagen mehrmals darauf hingewiesen hat, versprochen, dass ich meine Regel wieder befolge.

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Montag, 17. August 2026
Rasende Wut
Seit 11 Jahren lebe ich nach der goldenen Regel, Alkohol nur im Beisein anderer und nicht in schlechter psychischer Verfassung zu trinken. Seit über einer Woche breche ich diese Regel. Ich weiß, dass das scheiße ist, aber mir gehen grad die Bewältigungsstragien aus.

Hab heute mein Arbeitszeugnis von der PT2 Stelle bekommen. Nach 7,5 Monaten. Den männlichen Kollegen gefragt, ob er mir seins sendet. Die Chefin hat nun auch schwarz auf weiß einen eindeutigen bias für junge Männer. Sie selbst hat zwei Söhne. Ich habe keinen Penis, sondern Emotionen. Damit konnte sie nicht viel anfangen. Habe sie um ein Gespräch zum Zeugnis gebeten.

Nen richtigen Lauf hab ich da, dieses Jahr. Und das nach den letzten Jahren. Also ja echt, ich kann jetzt nicht mehr. Ständig kommt was neues drauf was organisiert, geklärt, besprochen, verarbeitet, entschieden werden soll. Neues, das mich mich selbst und diesen Weg hintefragen lässt. Ich weiß, dass ich dort einen mega Job gemacht hab. Und ich bin eine, die sonst immer an sich zweifelt, ihr Licht unter den Scheffel stellt, unsicher ist. Reicht das, was ich kann? Reiche ich? Die Patient:innen wollten von mir immer weiterbehandelt werden, auch wenn das nicht ging wenn sie in die nächste Stufe wechselten. Sie haben sich so krass bei mir bedankt. Ich hab so mega Entwicklungen mit manchem erlebt. Und ich hab echt keinen Bock mehr auf diese Unprofessionalität und Willkür von Führngskräften. Nur weil man nicht so tickt wie die. Nicht sein Maul hält. Nicht unemotional stupide vor sich hinarbeitet. Keinen Penis hat.

Fickt euch ey. Ich kann nur noch Rosé.

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Samstag, 15. August 2026
Hab ihn dann angerufen, wollte aufs Band sprechen, denn eigentlich hat er an dem Tag keine telefonische Sprechstunde. Aber er ging ran, ich bin erschrocken. Dann weinte ich nur. Und wir besprachen, dass ich noch mal eine Runde in der Klinik drehe. Nicht als PiA, sondern als Patientin.

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Freitag, 14. August 2026
Die ganze Zeit lebe ich nur so zum nächsten Therapietermin hin. Gerade fällt mir auf, dass der am Mittwoch gewesen wäre. Nicht am Mittwoch nächste Woche, wovon ich so fest überzeugt war. Das ist mir in den letzten 11 Jahren kein einziges mal passiert, egal wie schlecht es mir ging. Ich erkenne mich wirklich nicht wieder. Wer bin ich? Was passiert da zur Zeit? Ich will das auch nicht überbewerten, aber das reiht sich so sehr in Dinge der letzten Monate ein. Mir macht das Angst.

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Donnerstag, 13. August 2026
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, wird es seit Monaten einfach nur schlechter, in einer Art, der ich bisher nicht so genau ins Auge schauen wollte. Des Lebens müde, sage ich vorhin zu Mimi. Nicht zum ersten mal in den letzten Wochen. Es ist beängstigend, dass das nicht nur sporadisch zurück ist. Was drückt am meisten, fragt sie, und ich kann das gar nicht beantworten, weiß nicht mehr, was eigentlich durch was kommt. Nur, dass ich mich fremd fühle. Fremd in mir, fremd mit anderen, fremd in der Welt.

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Montag, 20. Juli 2026
Türkis.
Manchmal sind es ganz alltägliche Tätigkeiten. Fusspflege zum Beispiel. Wenn ich ein Fußbad mache um die Füße anschließend zu bearbeiten, dann sehe ich sie in unserem alten Wohnzimmer auf dem Sofa. Ihre Füße in einer Plastikschüssel. Voller Freude und irgendwie auch mit einem gewissen Stolz widmet sie sich ihren Füßen. Bearbeitet sie mit dem Bimsstein. Cremt. Lackiert die Nägel. Rot, immer klassiches Rot. Sehe ihr konzentriertes und fröhliches Gesicht dabei und wie sie mir als ich klein war erklärt, was sie da macht. Dieses Jahr gibt es für mich nur Türkis.

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Donnerstag, 16. Juli 2026
Große Überwindung, aber mit zwei Menschen gesprochen, geweint und gehalten worden.

Das dunkle auszusprechen nimmt ihm die Macht. Dankbar für die Erinnerung an die Klinik und dass ichs irgendwie geschafft hab das umzusetzen, allen inneren Widerständen zum Trotz.

Was bleibt, ist eine so unbändige Wut. Auf mich, Gott und die Welt und alles und jeden. Vielleicht gehört sie zum Trauerprozess. Vielleicht zu den anderen Widrigkeiten des Jahres, vielleicht beides. Die Wut will raus. Da muss ich was machen.

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