Mittwoch, 12. Mai 2021
Gestern war mir gar nicht wirklich bewusst, dass es diese Familienkonstellation zuletzt bei sagenumwobener Hochzeit gab. Kein Wunder, dass mir schon vorher kotzübel war. Seit gestern träufelt das Gift langsam in meinen Kreislauf. Es bleibt das Fremdkörpergefühl. Falsch zu sein, dort. Ansich? Nicht Heimat und nicht Fremde. Dort aber fremd.

~ Herbert Grönemeyer - Zum Meer

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Sonntag, 4. April 2021
Wie seltsam, wie sonderbar.
Heute mit einer Bekannten getroffen zum Osterbrunch. Wir testeten uns und verbrachten, da beide Tests negativ, den Tag zusammen bei Völlerei.

Bis es dann komisch wurde.

Nein ich merke ich kann hier nicht so ganz detailliert darüber reden. Aber mal ein ... Versuch.

Ich merke, womit ich zunehmend ein Problem habe: wenn Menschen ganz schnell judgy werden und andere Menschen verurteilen für einen Fehler, vielleicht für eine Naivität oder Dummheit (z.B. sinnlos [privates] Geld zu verbrennen wie vielleicht bei Ollis Hausboot), und andererseits darum bitten nicht verurteilt zu werden für eigene Dummheiten [z.B. aus Gründen die ich nich darlegen kann/mag ein Tier wie sagen wir eine Katze zu schlagen - wobei ich hier schon nicht mehr von Dummheit sprechen möchte, sondern von einer Straftat].

Ich glaube, dass ich sehr sehr viel Verständnis dafür haben, wenn Menschen Fehler begehen. Naiv sind. Dinge wagen, die auf den zweiten Blick echt bescheuert wirken (wie dieses Boot kaufen, aber auch für ganz andere, viel persönlichere Dinge, wenn z.B. im Streit Dinge eskalieren). Wir sind Menschen, wir machen Fehler, alle. Wir haben Träume, Ideale. Ich finde es mutig, wenn jemand versucht sie zu verwirklichen, auch dann, wenn er sein vermeintliches oder temporäres Scheitern zu Geld macht - oder auch nicht.

Als mir von der Tierschändung erzählt wurde, habe ich heute Nachmittag sehr, SEHR geschluckt. Trotzdem habe ich versucht mir das anzuhören und zu verstehen wie es dazu kam. Ich habe versucht die Person nicht dafür zu verurteilen. Auch ich hatte ja die Situation, in der ich meine Katze angebrüllt habe. Die Konsequenzen waren damals traurig, tragisch, ich habe mich sehr geschämt, inzwischen konnten wir (die Katze und ich, ich weiß wie komisch das klingt) kitten. Ich weiß, woher es kam, wieso das so war, und weiteres worüber ich hier nicht sprechen mag. Aber ich weiß nicht, ob ich jemals Hand erhoben hätte gegenüber einem Lebewesen (Gläser bekamen dagegen durchaus schon meine Wut zu spüren). Naja machts auch nicht besser. Gewalt ist Gewalt.

Jedenfalls: ich habe versucht nicht zu verurteilen und so ging der Tag dahin, bis ich vorhin von dieser Doku erzählte, einfach nur so, weil ich sie menschlich so unglaublich spanned fand, und daraufhin ging die Bekannte so krass ab, dass ich mir dachte: was mich so richtig ankotzt ist das schnelle Verurteilen von Menschen (deren Doku sie selbst gar nicht gesehen hatte). Ich meinte nach längerer Diskussion, dass ich ihr von ganzem Herzen wünsche, dass ihr Menschen begegnen, die sie nicht so schnell für Fehler verurteilen (die keinem anderen Menschen wehtun, also, die haben einfach nur Geld verschleudert, und ob das verschleudert ist, wenn man die Vision dann einfach durchzieht, weiß ich auch nicht genau), wie sie es mit anderen tut, und dann bin ich gegangen. Ich kann mir sowas nicht mehr ohne Limit geben.

Es ist sowieso so, dass das heute völlig anders lief, als gewollt, gedacht. Ich wollte einen fröhlichen Tag, einen lustigen, wo man einfach mal gemeinsam eine gute Zeit verbringt. Wieder einmal wurde (nicht von meiner Seite) deep shit talk initiiert mit Weinen, Vergangenheitsbewältigung, und so weiter. Ich kann das nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich suche Menschen, mit denen man auch einfach mal eine gute Zeit haben kann. Und ich bin echt die letzte, die Traurigkeit oder tiefen GEsprächen keinen Raum gibt.

Aber kennen Sie das, wenn das einfach immer wieder in eine Richtung geht, bei der Sie einfach nur Bauchschmerzen bekommen, weil Sie sich denken: es ist Ostern, fucking hell, bitte nicht schon wieder?

Egal. Egal. Ich kann es ganz schwer erklären, weil ich über vorherige Zusammenkünfte nicht berichtete.

Ich hab keinen Bock mehr nur deep shit Mülleimer zu sein, der um Verständnis gebeten wird. Wohingegen das andere dann einfach schon aus Ollis Hausboot ein gesamtgesellschaftliches Problem macht. Mehr kann ich hier echt nicht mehr erläutern, zu müde.

Egal, aber ich glaub diese Person tut mir nicht gut.

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Dienstag, 2. März 2021
In the country.
V. hat angeboten mir eine kleine Wohnung auf dem Bauernhof seiner Eltern zu überlassen. Sein Vater hat Bilder gemacht, die V. mir weitergeleitet hat. Die Räumlichkeiten sind besser als angekündigt. In jedem Fall kein Luxusappartment, eher etwas dunkel, dürftig eingerichtet, kleine Küche, eher kalt, mein V., aber es kann wohl mit Strom geheizt werden, außerdem gibt es einen kleinen Kamin zum Heizen mit Holz.

Der Platz wäre ausreichend für die Katze und mich, und was brauchen wir schon groß?
Vor allem Internetzugang - und das ist gerade das einzige Problem, es gibt dort keinen. Zwar habe ich eine Datenkarte im PC, die wird aber für Arbeit und Uni inkl. Calls nicht ausreichen.

Haben Sie eine Idee, wie man temporär Wlan in ein Gebäude kriegt?

Wäre kein Corona, könnte ich sicher die Räumlichkeiten der FH nutzen. Vielleicht rufe ich mal an und frage, ob ich dort arbeiten könnte. Mein Vater hat das auch angeboten, dort gäbe es das Gästezimmer mit Schreibtisch, ansich total gut. Aber möchte ich jeden Tag bei meinem Vater sitzen? Und es wäre so gut wie jeden Tag, Arbeit und Bachelorarbeit machen es notwendig.

Bezahlen müsste ich bei V.'s Eltern nur die Nebenkosten, was mir die Zwischenvermietung meiner Wohnung ersparen würde, und das wäre fantastisch, wenn ich mir da die bisherigen Anfragen ansehe...

In jedem Fall wäre es ruhig gelegen, direkt an Feld und Wald, Fuchs und Hase sagen sich Gute Nacht. Gott was wäre das toll.

Meine Mutter hat mir bereits ihr Auto für diese Zeit angeboten. Sie selbst fährt aufgrund ihres gesundheitlichen Zustands eh kaum mehr. Ich müsste sie nur ab und zu zu Ärzten oder Einkaufen fahren. Das mache ich gerne. Ein Grund, warum ich mal wieder in die Heimat möchte, ist unter anderem auch die Nähe zu meiner Mutter, egal was früher war. Irgendwann denke ich sonst vielleicht: hätte ich mal. Das hatte ich beim Meister und bei dem Kameramann, und die standen mir nicht so nahe wie meine Mutter, also: lieber einfach mal machen.

Am Donnerstag oder Freitag werde ich in die Heimat fahren, V. kommt auch, stellt mich seinen Eltern vor (hihi, wie das klingt) und ich kann mir alles mal vor Ort ansehen. Bin etwas aufgeregt. Aber es fühlt sich gut an, in Bewegung zu kommen.

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Samstag, 27. Februar 2021
Sich fühlen. Mich fühlen.
Gestern einer Bekannten beim Umzug geholfen (natürlich mit Masken & Co.). Dann eigene Wohnung auf Vordermann gebracht, dabei Radio gehört und bei einem Track floss plötzlich eine Energie durch mich hindurch, wie ich sie lange nicht gespürt hatte. Ich erinnerte mich, wer ich eigentlich bin, nicht nur ein rationales Erinnern, vielmehr komplett mit Körper, Psyche und Geist, und das war nach letzten furchtbaren Wochen, ja auch nach den ganzen Pandemiemonaten, die sich anfühlen als wäre man in einem Kokon durch den kaum mehr etwas dringt, ein überwältigendes Gefühl. Ich freue mich auf die Wiedergeburt nach der Entpuppung. Irgendwann wird das kommen, irgendwann schlüpfen wir aus dieser Pandemie. Vielleicht zwar direkt in die nächste, aber hey.. ;-) Es geht immer weiter.

~ Fatboy Slim - Right Here, Right Now

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Lage.
So wie mach ich das jetzt einigermaßen kurz.

Der Besuch bei der Hausärztin ergab einen großen Verdacht in Richtung Psychosomatik, befeuert durch die Angstschraube Schizophrenie. "Können Sie nicht mit etwas anderem somatisieren", fragte sie mit einem kleinen Lächeln. Leider nein, aber gut. "Ihr Mantra ist nun: ich bin nicht meine Mutter. Das ist etwas ganz anderes als bei meiner Mutter." Sie hört aufmerksam zu, nimmt sich Zeit, bringt doch auch noch mal den Neurologen ins Spiel, vorsichtshalber. Einmal, falls etwas eingeklemmt/blockiert sein sollte Richtung Rücken oder Beine, zum anderen vielleicht doch wg. restless legs. Termine aufgrund Corona tatsächlich sehr schwierig.

Doch, so sagt sie, als sie sich angehört hat wie und wann das anfing und was mich so aufregt und wie sich diese Aufregung initial äußerte, es klingt für sie sehr nach einem Stresssymptom, dass sich nun ein bisschen verselbstständigt hat.

Eigentlich möchte sie mir keine Medikamente geben, als ich meine, dass ich richtig Angst habe in meine Wohnung zu gehen und davor, wieder nicht gut schlafen zu können, meint sie, dass ich das jetzt nicht mit ihr diskutieren soll, sondern einfach von diesen Tabletten, die ein bisschen sedieren, aber keine Schlaftabletten sind, 4 Abende jeweils eine nehmen soll. Den Namen mag ich hier jetzt nicht hinschreiben, es steht zu ihnen geschrieben: "eingesetzt bei Verstimmungszuständen einhergehend mit Angst, Unruhe, Spannung, Schlafstörungen oder Depression [...] bei generalisierter Angststörung und somatoformen Störungen".

So ganz mag ich da immer noch nicht glauben, dass das alles nur psychosomatisch ist, doch ich fühle mich gut aufgehoben, in guten Händen, ernst genommen. Die Zuversicht steigt.

Abends bin ich fix und fertig, vielleicht auch weil viel Anspannung abfällt, ich habe das bei einer Profi adressiert, Dinge sind auf dem Weg. Ich nehme eine Tablette und bin völlig weggebeamt. Am Samstag schlafe ich bis 10 Uhr, ich geister durch den Tag. Eindruck: krass, vielleicht echt psychosomatisch? In der Nacht kaum etwas gemerkt. Ich rufe meinen Chef an, ja, am Samstag, egal, ich weiß dass ich das tun kann. Erzähle ihm von dem Stresssymtom, muss weinen, meine Nerven sind echt durch, es ist mir unangenehm, aber egal. Ich bespreche mit ihm, dass ich gerne ins Büro möchte wann immer es geht, auch an den Tagen, an denen ich nicht arbeite, um ggf. für die Uni zu arbeiten. Er verspricht es mit dem Standortleiter zu klären. Auch bei ihm fühle ich mich gut aufgehoben. Er lacht nicht, nimmt das völlig ernst, ist besorgt, möchte helfen. Ich weine nach dem Gespräch, auch vor Erleichterung.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es dann trotz Tabletten totale Katastrophe. Ich lasse mich nicht beirren, radel am Sonntag aus der Stadt raus, wander lange durch den Dossenwald, radel abends nach Hause. Das hat irre gut getan. Es folgt eine gute Nacht, doch merke ich am nächsten Tag, dass es tatsächlich so ist, wie die Ärztin vermutet hat: ich wache nicht vom Vibrieren auf, sondern von Aufwachgeräuschen im Haus und antworte mit Vibrieren/Stress. Doch es ist viel schwächer als noch vorher. Vermutlich sind es die Tabletten, in Kombination damit, dass ich beschlossen habe, der Angelegenheit nun mit Ruhe zu begegnen. Es ist wie es ist. Egal was es ist, alles wird, muss gut werden.

Den Montag verbringe ich auch außerhalb der Stadt, Richtung Riedwiesen bei Brühl am Rhein, leider kann ich die gewählte Strecke nicht wandern, noch sind Bereiche aufgrund Hochwasser gesperrt. Damit hatte ich nicht gerechnet, der Neckar hat sich völlig entspannt. Ich genieße das Vogelgezwitscher, lasse mich von der Sonne küssen, sitze lange an einem See und erfreue mich an der Natur. Auf einem Baum breitet ein Vogel weit seine Flügel aus und lässt sie trocknen. Die folgende Nacht auf Dienstag ist göttlich. Derweil ruft mein Chef an, mit dem Standortleiter geht es auch klar. Ich darf, unter Berücksichtigung aller Anmelde-Prozeduren und Corona-Maßnahmen ins Büro wann immer ich will. Wieder muss ich weinen vor Erleichterung. Alles was mir hilft Abstand von der Wohnung zu bekommen, erscheint mir wie ein Rettungsanker. Mein Chef erzählt außerdem, dass es mir nicht unangenehm sein muss. Die Situation frisst an allen, bei manchen Mitarbeitern sei es noch heftiger als bei mir, manche müssen sie komplett über den gesamten Tag begleiten. Ich frage nicht nach, was genau das bedeutet, aber es klingt nicht gut.

Von Dienstag bis Donnerstag bin ich jeweisl ganztags im Büro. Das kribbeln in der Wirbelsäule nimmt stark ab, die Nächte sind im Vergleich zu den letzten Wochen ein Traum, wenn auch noch unruhig. Die Tabletten habe ich nur von Fr. bis Mo. genommen, dann nicht mehr. Es geht ganz gut.

Am Dienstag war auch Meister Yoda. Das muss ich nochmal extra schreiben, das ist mir gerade inhaltlich und auch vom Umfang her zuviel. Aber für mich selbst möchte ich es auf jeden Fall noch aufschreiben. Ich denke, es ist wichtig, dass ich diese Gedanken dazu irgendwo festhalte.

Inzwischen bin ich mir sicher, dass ich trotz allem mehr wahrnehme/fühle als vor einigen Wochen. Das kommt sicher auch daher, dass ich die ganze Zeit verstärkt in mich und die Umgebung hineingelauscht habe, um endlich festzustellen, was das ist. Heißt: ja, da ist ein Stresssymptom, zusätzlich reagiere ich total empfindlich auf Schwingung, Vibration, Geräusche, sowohl meine eigenen (Herzschlag, Puls) als auch die des Gebäudes (es schwingt halt wirklich, wenn Leute gehen, und es vibriert, wenn Autos vorbeifahren, etc.).

Es hat sich so ein Knäuel an Faktoren gefunden und in einem Knäuel an Symptomen geäußert. Das ist jetzt alles noch nicht weg, aber VIEL besser als noch vor 1 Woche.

Nun werde ich versuchen meine Wohnung zur Zwischenmiete loszukriegen, damit ich einige Monate in die Heimat kann. Ich glaube, Abstand, Ruhe und Natur werden mir gut tun.

Ich bin sehr dankbar für die Hausärztin, für Meister Yoda, für meinen Chef und das Verständnis der Firma, so oft ich auch über sie schimpfen mag, da sind sie wirklich klasse. Ich bin dankbar für dieses Blog, dafür dass Sie mitlesen, dass sie Tipps und Ideen geben, da sind, Zuspruch spenden. Danke sehr.

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Dienstag, 16. Februar 2021
440. Immer noch Angst.
Gestern zum Übernachten in die Wohung nebenan gegangen. Wir sind zwei verbundene Häuser, mit unterschiedlichen Hausnummern, aber eine Eigentümergemeinschaft.

Die Pumpe für die Luftmatratze finde ich nicht mehr, also wird es nur eine Campingmatte, und darauf ein Sitzauflieger für Gartenstühle. Beim Einschlafen bilde ich mir ein, auch noch dieses Vibrieren zu haben. Irgendwann schlafe ich, wälze mich aber ziemlich rum, meine zum einen diese Vibrationen zu spüren, zum anderen ist es einfach nur furchtbar unbequem. Ich nicke immer wieder ein, wache auf, nicke ein. Um 2.30 Uhr reicht es mir, ich stehe auf und wander zurück in meine Wohnung. Dort erwartet mich herrliche Stille. Kein Mucks, kein Vibrieren, nichts. Ich kann nicht sofort einschlafen, kuschel die Katze, denke nach, während ich im Bett liege. Aber es bleibt ruhig, nichts, es ist göttlich, ich weiß nicht wann ich das zuletzt hatte.

Vorbei ist das gegen 5 Uhr, als das Haus Betrieb aufnimmt. Damit startet auch wieder das Vibrieren.

Ich bleibe ratlos zurück. Stresst mich das dann so sehr ab 5 Uhr, dass es wieder losgeht und bleibt (es ist auch jetzt, während ich hier sitze und tippe, ich sitze im Schneidersitz auf meinem Bürostuhl und fühle es an meinem Hintern, und in den aufgestützten Armen)?

Ich rufe S. an, und sage, wie verrückt ich darüber werde. Sie betrachtet alles was ich sage als Anzeichen dafür, dass es psychosomatisch ist. Ich wünsche mir das inzwischen, denn wenn das wirklich was mit Wohnung und Haus zu tun hat, wäre das natürlich scheiße. Ich muss so sehr weinen, weil ich merke, dass ich die gleichen Sätze sage im Telefonat wie meine Mutter damals. Wir meinten damals, sie solle sich nicht so reinsteigern, und es müssen Profis draufkucken, und sie sagte: "das sagt sich so leicht, man spürt es ständig. Es fühlt sich so an wie von außen. Keiner glaubt mir." Schließlich muss ich das Telefonat ziemlich abrupt beenden, weil ich das Gefühl in einer Wiederholung gefangen zu sein nicht mehr aushalte.

Keine Pointe.

Beim Neurologen angerufen. Nächster Termin im Juni. Sehr gelacht.

[Edit] Sitze gerade auf meinem Sofa und denke so - das Gehirn fühlt sich gerade mal ziemlich klar an - vielleicht haben die unter mir einfach nur ein total krasses Soundsystem. Denn was ich da gerade höre, passt auch dazu. Vielleicht läuft da Tag und Nacht einfach ein Subwoover, der die selber nicht stört. Sie ist auch den ganzen Tag zu Hause und putzt und hört dazu vielleicht Musik oder schaut fern, und abends kifft er wie ein Wahnsinniger und die glotzen sicher auch. Er steht auch morgens um 5 auf, vielleicht starten sie da auch direkt mit ihrer Anlage. Naja irgendwie schon komisch, dass ich das auf allen 55 Quadratmetern mehr oder weniger gleich fühle, aber was weiß ich, wie Leute heutzutage ausgestattet sind mir ihren Alexas und weiß der Geier.

Blöderweise war ich ja neulich schon dort unten wegen des Türenschlagens. Wird ja irgendwann auch weird: "Bitte entschuldigen Sie, ich bin die crazy cat lady über Ihnen. Ganz toll, dass das mit dem Türenschlagen jetzt besser klappt. Ist es möglich, dass sie ein irres Dolby-Surround-Ding in Ihrer Wohnung haben, oder ein ständig laufendes Klima- oder Lüftungsgerät? Ich fühle seit Ihrem Einzug ganztägig und auch nachts so dubiose Vibrationen." Uff.

Ich bin gespannt, was L. morgen sagt, sie kommt vorbei und befühlt sie Situation. Aber gerade eben denk ich mir: ganz glasklar: irgend n scheiß von unten.

Vermutlich sollte ich einfach mal unter mir fragen. ich trau mich aber nicht. Der Typ hat so ein Gesicht, das klingt jetzt ganz bescheuert, aber da schwebt so eine latente Aggression drin. Hmhmhm.

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Montag, 15. Februar 2021
339. Angst.
Langsam glaube ich, ich verliere den Verstand. Die vorletzte Nacht war total gut, so dass ich dachte: alles im grünen Bereich, das wird schon, ich muss mich nur entspannen. Die letzte Nacht war wieder eine Vollkatastrophe, wie viele in den letzten drei Wochen. Ständig aufgewacht, dabei das Gefühl gehabt, die Beine und die Wirbelsäule vibrieren. Gedacht, ich kann mir das doch nicht einbilden, das kommt doch von außen, das ist irgendwas in dieser Wohnung oder in diesem Haus. Die ganze Nacht hindurch läuft ein Ommm Track auf Youtube, erst seit in den nachts höre, kann ich zumindest relativ schnell wieder einschlafen wenn ich aufwache. Viele Nächte davor lag ich ewig wach und nichts ging mehr.

All das, was ich erzähle, das Vibrieren, als wäre da Strom, die Überlegung, dass das doch von außen kommt, oder doch von mir, oder mal zum Umweltamt zu gehen und dort ein Gerät für Messungen zu holen. ich hab das alles schon mal erlebt, und es gibt keinen passenden deutschen Ausdruck dafür: I'm freaking out.

Feldenkrais, Mediation, Yoga, Spazierengehen, Radfahren. Sonne tanken, auf die Bachelorarbeit konzentrieren. Egal was ich tue. Es ist immer da. Besonders schlimm wird es nachts bzw. wenn ich liege. Bzw., das stimmt so nicht, muss ich sagen. Wenn ich draußen bin und mich bewege, dann ist das nicht so massiv, überhaupt nicht, höchstens in den Füßen, als würde man den Puls durch die Füße fließen fühlen. Diese furchtbaren Eindrücke kommen vor allem in meiner Wohnung, wenn ich am Schreibtisch sitze und arbeite, oder wenn ich auf dem Sofa oder im Bett liege.

S. gefragt, ob ich am Dienstag bei ihr übernachten kann, ich muss wissen, ob das andernorts nachts auch so ist. Ihre Familie kommt allerdings zu Besuch (eigentlich war geplant, dass sie bei ihrer Familie ist und ich die Katze sitte, so kam ich auf die Idee, dort zu schlafen). Frühstens am Samstag ginge es, da ist sie wieder bei der Familie.

Ich weiß nicht ob ich es bis dahin aushalte. Überlegt im Büro zu übernachten. Dort haben wir eine Matratze. Aber wie gruselig. Und zudem müsste ich das melden, wir müssen ja immer eingecheckt sein, wenn wir im Büro sind. Wie soll ich das erklären?

Meister Yoda ist am 23.2., er wollte am Telefon nicht weiter mit mir darüber sprechen, meint aber, das klänge alles gar nicht verrückt, sondern dass wir alle seit fast einem Jahr kontinuierlich Spannung aufbauen, die keine passende Abfuhr mehr erfährt. Der Körper suche sich dann einen Weg. Ich weiß nicht, ob ich mir wünschen soll, dass das stimmt. Ich wünsche mir einfach nur, dass ich nicht so krank werde wie meine Mutter. Dass ich das nicht für den Rest meines Lebens habe, dass es mich so beeinträchtigen wird, dass ich nichts mehr tun kann als in der Küche sitzen, zu rauchen und zu trinken. Dass ich mir nicht irgendwann einbilde, dass jemand das bewusst ausübt an mir.

Überlegt, ob ich zur Hausärztin gehe, vielleicht sie eine Idee. Denke aber, vielleicht muss ich wirklich erst sicher sein, dass das in mir ist, nicht von außen durch irgendwelche Infraschall-Scheiße. Der Hörtest beim HNO vor der OP ergab, dass ich irre gut höre, sowohl in hohen wie auch niederen Frequenzen ungewöhnlich gut. "Ich möchte nicht Ihr Mann sein und mich nachts nach Hause schleichen müssen", meinte der HNO damals. Und ich habe auch gelernt, dass wir über die Knochen hören, insbesondere tiefe Töne. Aber ist es wirklcih sowas? Ich weiß es nicht, ich weiß gar nichts mehr.

Ich kann kaum mehr sprechen ohne zu weinen, deswegen ziehe ich mich zurück, gehe nicht mehr ans Telefon, will niemanden sehen. Das, was Menschen dazu sagen, egal was es ist, ich halte es momentan nicht aus. Ich bin außer mir, und habe Angst.

[Edit] Es ist komisch, dass ich im Freundeskreis momentan nur mit Menschen darüber sprechen kann, die hier sind und die ich tatsächlich sehe. Selbst mit N. schaffe ich es nicht. Zum Glück sind sowohl S. als auch B. sehr pragmatische, ruhige, zuversichtliche MenschenAlso: nächste Woche Termin beim Thera, diese Woche Freitag bei der Hausärztin, parallel um Termin beim Neurologen bemüht, die haben sogar zurückgerufen aber ich war zu langsam, denke spätestens morgen melden die sich wieder.
B. und ihr Mann haben eine Wohnung nebenan, die gerade leer steht, lange Geschichte, jedenfalls meinte sie, ich solle heute Nacht gerne dort schlafen, wenn ich es versuchen möchte. Das werde ich tun. Außerdem hat mich S. dazu motiviert die Uni für heute ruhen zu lassen und mir stattdessen Yoga, Thai Essen Bestellung, Tee und Mantrensingen zu gönnen. Und mit PMR will ich auch wieder anfangen. Wird schon, wird schon, abklären und kucken was geht. S. meinte, für sie klingt das gar nicht so schlimm im Sinne von völlig Psycho oder dramatisch, sie meinte, ich finde ihre Migräne, die sie hochgestresst bekommt, ja auch nicht schlimm oder ganz schrecklich. Wichtig sei, dass man es einordnen könne, und dass es natürlich immer blöd ist, wenn die Symptome genau so aussehen wie etwas, wovor wir immer Angst haben, auch wenn sie damit erst mal überhaupt nichts zu tun haben. Das sage ich mir jetzt auch als Mantra. Und: ich bin nicht meine Mutter.

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Sonntag, 31. Januar 2021
Etwas ausgerastet in der Kleingruppe (erst mit nicht mehr reagieren versucht, leider nicht mehr geklappt). Somit ist klar, dass wir spätestens nach Abgabe des pre-data-reports getrennte Wege gehen werden. Am Anfang hatte ich Angst davor. Inzwischen hat mir die Gruppe aber soviel Energie abgesaugt und mich soviel Blut, Schweiß und Tränen gekostet, dass es nur besser werden kann. Ein bisschen, als wäre man in einer toxischen Beziehung, hat aber Angst alleine zu sein.

Maß ist voll. Tschüss ihr Lurche!

[Edit] Das muss ich korrigieren. Eigentlich geht es nur um eine Person in der Gruppe, die das aber so sehr zu "ihrer" Aufgabe macht, als wäre sie die Gruppe. Und da laufen ein paar Dinge, nein danke, so kann ich nicht arbeiten, so habe ich auch noch nicht gearbeitet, und ich hatte schon ein paar Gruppenaufgaben in meinem Leben. Manchmal frag ich mich, obs nicht doch manchmal eine Frage des Alters und der Erfahrung ist. Kompromisse eingehen, Lösungen finden. Nicht nur "mein Ding" durchziehen. Naja. Jedenfalls: damit ich nicht jemands Ding durchziehen muss, wenn schon nicht das einer Gruppe, dann zieh ich eben meins durch.

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Montag, 23. November 2020
Vom Suizid.
Gerade die Verfilmung des Buchs "Gott"von Ferdinand von Schirach angesehen.

Im Anschluss daran konnten die Zuschauer abstimmen. 70,8% entschieden sich dafür, dass Richard Gärtner von seiner Ärztin ein entsprechendes Mittel für seinen Suizid erhalten solle. Wie hätten Sie entschieden?

Mich selbst begleitet das Thema Suizid schon relativ lang. Mit 13 tätigte ich meinen ersten und bisher einzigen Suizidversuch, wenn auch ziemlich idiotisch und aussichtslos. Von der Drogenzeit mag auch manch einer behaupten, es wäre Selbstmord auf Raten gewesen. Dabei verfolgte ich einen solchen damit gar nicht, sondern nur das Abschalten von Emotionen. Und doch wäre es gelogen wenn ich sagen würde, ich hätte nie wieder über meinen eigenen Selbstmord nachgedacht, insbesondere in den letzten Jahren. Sehr getriggert hat mich in diesem Jahr das bereits mehrfach erwähnte Buch "Ein wenig Leben". Das war wichtig, denn es hat etwas bloß gelegt, was sonst immer nur wabert, und was unbedingt angesehen werden will, wenn ich nicht doch irgendwann den Weg des Suizids wirklich gehen möchte. Denn, und das ist wichtig: das möchte ich nicht. Ich hänge am Leben. Und doch erscheint mir der Suizid als eine Option zu sterben.

Unvergessen auch das Weihnachtsfest, bei dem meine Mutter uns eröffnete, dass sie die Sterbehilfe über Dignit*s erwägt und uns um unsere Unterstützung bittet. Ebenso die Gespräche über von ihr bereits rausgesuchte ICE-Strecken und Betäubungstabletten. Ich weiß gar nicht, wieviel aus diesen Zeiten ich hier überhaupt geschrieben habe.

Nach diesem Weihnachten habe ich eine Dokumentation gesehen über einen manisch-depressiven Patienten, dessen Wunsch selbstbestimmt zu sterben in der Schweiz entsprochen wurde, obwohl psychische Erkrankungen oft tatsächlich ein Hinderungsgrund sind. "Tod nach Plan" heißt dieser Film und ist hier mit Teil 1kostenlos verfügbar, zu den weiteren Teilen kann man sich durchklicken. Ich denke, dass meine Mutter als nicht entscheidungsfähig eingestuft werden würde von dieser Organisation, und manchmal weiß ich nicht, ob ich das gut oder schlecht finde. Meine Mutter ist so verzweifelt, so hilflos, so unglaublich müde. Ich weiß manchmal gar nicht, wie sie sich überhaupt so über Wasser hält. Nach wie vor übrigens ohne eigene Krankheitseinsicht. Wobei uns das Krankheitsbild immer noch irre atypisch vorkommt in ihrem Fall.

Um es kurz zu machen: mit all den Gedanken, die ich mir über die Jahrzehnte zu diesem Thema gemacht habe, befürworte ich Stand heute, dass jeder frei über sein Sterben entscheiden darf. Und ich befürworte, dass Ärzte dies durch die Übergabe entsprechender Mittel ermöglichen können.

Im Film wie auch in der gerade nachfolgenden Diskussion wird oft von Solidarität und Gemeinschaft gesprochen. Also. Dass mit Solidarität und Gemeinschaft Menschen doch vom Leben überzeugt werden sollen, aufgefangen werden sollen. Gemeinschaft und Solidarität können einen Punkt in einem Menschen nicht (immer) kompensieren oder gerecht werden. Ich könnte das jetzt ausführlicher beschreiben, möchte aber soviel über mich selbst hier nicht offenbaren, und das würde ich damit zwangsläufig tun. Ich finde es auch eine enorme Erwartungshaltung an eine Gemeinschaft/ Gesellschaft. Hat sie denn dann versagt, wenn jemand sich umbringt? Und: hat denn dann jemand versagt, wenn jemand, wie der Bischoff in dieser Diskussion es so verlangt, nicht zurück in ein lebenswertes Leben findet? Als wäre das einfach nur eine Entscheidung: ok, dann mach ich halt jetzt ein lebenswertes Leben. Als wäre es leichtfertige Gedanken, Überlegungen, Entscheidungen, die einen Menschen überhaupt erst an diesen Punkt bringen.

Oder die Behauptung gerade, dass ein Suizid oft Ausdruch von "ich will SO nicht mehr leben" sei. Ja, das mag sein. Aber was, wenn ich trotz jahrelanger Therapie einfach nicht zu dem Punkt komme, an dem meine Wunde geheilt, mein riesiges schwarzes Loch gefüllt werden kann? Und oft gibt es keine Alternative zum "SO". Als hätte jeder die freie Wahl, wie er lebt, wo, unter welchen Umständen, mit welchem Leid! Z.B. im Falle meiner Mutter. Soll ich ihre Schizophrenie abschalten? Soll ich sie zwingen Medikamente zu nehmen, deren Sinn sie nicht versteht, obwohl sie ansonsten völlig bei Sinnen, wach und klaren Verstandes ist? Ich diskutiere mit ihr beispielsweise völlig klar über C*r*na, die Wahlen in den USA, unsere Familie, alles. Ich meine.. er liest hier glaube ich nicht, aber auch Herr Schizophrenist ist doch absolut niemand, dem man einen klaren Verstand und freien Willen absprechen würde und möchte. Will sagen: eine psychische Erkrankung macht einen per se nicht unmündig oder entscheidungsunfähig. Nur meine Mutter selbst kann ermessen, wie lange sie ihr Leid noch tragen kann. Wir selbst sind wie auch die Ärzte sind am Ende mit unserem Latein, wie wir ihr unter den gegebenen Umständen noch helfen können. Wenn sie beschließt zu sterben, warum soll sie das nicht tun können?

Ist es dann nicht furchtbar, wie auch im Film erwähnt, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen mit dem Verweis auf den Egoismus einer solchen Tat? Mit dem Argument, dass sie in Verantwortung steht für ihr Umfeld? Ist es nicht purer Egoismus des Umfelds, wenn sie einen Menschen von so einer Tat abhalten wollen, weil es gegen die eigenen moralischen Werte oder Vorstellungen verstößt?

Soweit. Ich weiß nicht ob das Sinn macht was hier steht. Ist einfach runtergetippt, wollte raus, vielleicht kommt irgendwann noch was hinzu. Das Thema geht mir arg ran.

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Donnerstag, 29. Oktober 2020
TagesMonatsübung.


Katze ankucken hilft immer.



Gelesen in der ZEIT online: Die Antwort muss nun umfassender sein

Vielleicht versuche ich mich auch mal an einem Tagebuch zur Sache. Es bleibt das Gefühl in der Öffentlichkeit nicht ohne Stigmatisierung sagen zu dürfen, als wie problematisch ich die Situation empfinde. Ich glaube, das war auch der Grund warum ich das Blog dicht gemachte habe. Das Gefühl, hier nicht schreiben zu können was ich wirklich denke und fühle. Und das hat gar nix mit Verschörungstheorien oder sonstiger Scheisse zu tun: ich bin großer Befürworter aller Hygienemaßnahmen, finde die Maske trotz massiver NNH-Probleme völlig unproblematisch und trage sie konsequent, habe die App installiert und nutze sie auch. War auf keinen Geburtstagen oder sonstigen größeren privaten Veranstaltungen und habe zur Verwunderung der Familie auch die Taufe meines Neffens vermieden (ich war wiederum verwundert, wieso man sowas bedenkenlos feiert am 17.10., in Kirche und Wohnung, mit Familie aus der Heimat, Rosenheim und Berlin). Sondern es hat eben einfach nur damit zu tun, als wie schwierig ich die Pandemie empfinde und mit dem Eindruck, dass das nicht als legitim betrachtet wird, weil das alles nun mal notwendig ist und es immer auch anderen schlechter geht. Wie soll man unter einem solchen Eindruck dann formulieren, dass es einem nicht gut geht? Und damit meine ich jetzt wieder NICHT, wie Corona-Leugner und Co, dass wir keine Meinungsfreiheit hätten. Sondern eben, vielleicht gerade in diesem Blogger-Milieu, der Eindruck, von Menschen umgeben zu sein, für die das alles gar kein Problem ist, deren Verständnis für alle Maßnahmen grenzenlos und für Menschen die das hinterfragen (weil die Maßnahmen einfach für einen selbst wie auch andere auch große Probleme bedeuten) sehr begrenzt zu sein scheint.

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