Sonntag, 18. Januar 2026
Irgendwann würde ich hier zumindest mal gerne Fotos und Musik festhalten, die ich mit den letzten Tagen mit ihr und den ersten Tagen ohne sie verbinde. Ich habe eine Playlist, sie sagt mir viel mehr als alle Worte, und mein Körper erinnert sich genau.

~ Gibran Alcocer - Idea 10


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Samstag, 17. Januar 2026
Die Verantwortung abgeben, zurückgeben an sie. Es ist ihre Entscheidung. Ich muss nichts mehr tun.

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Freitag, 16. Januar 2026
Upside Down.
Haben Sie "Stranger Things" gesehen? Ich bin seit 10 Jahren Fan. Und momentan fühlt es sich genau so an: ich bewege mich durch mein Leben wie durch ein normales Hawkins, aber mit dem Wissen, dass das Upside Down direkt darunter ist. Manchmal pulsiert das Upside Down durch Risse in der Normalität. Manchmal sitz ich mitten drin. Doch das Beklemmendste ist der Zustand, in dem die Trauer sich verbirgt aber subtil weiter wabert, wie das ständige Wissen um das Upside Down.

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Donnerstag, 15. Januar 2026
Einladung für die Trauerfeier gestaltet. Manchmal kommt es mir so völlig absurd vor, was ich da tue. Wie kann sie nun wirklich weg sein?

Meistens fühle ich mich einfach nur schwer, leer, müde.

Die Mutter von N. hat mir eine sehr persönliche und berührende Kondolenzkarte geschrieben, und Fotos von ihr mit meiner Mutter und auch von mir beigelegt. Unsere Mütter haben sich über uns Kinder kennengelernt, bzw. wir Kinder über unsere Mütter. Was sie schrieb, ließ in mir den Gedanken entstehen, dass meine Mutter in der Freundschaft von N. und mir weiterlebt. Ein bisschen kam da zum ersten mal Bedauern hinzu, dass ich keine Kinder habe, die mit N.s Kindern Freundschaft schließen könnten. Über so etwas habe ich noch nie nachgedacht, und den Gedanken fand ich auf sehr zarte Art und Weise schön, auch wenn natürlich völlig unklar ist, ob unsere Kinder sich gemocht hätten. Aber sie hätten sich in jedem Fall kennengelernt, und so hätte vielleicht die Freunschaft von N. und mir in ihnen so etwas wie Bestand gehabt. Aber was weiß man schon. Ich musste sehr weinen über den Worten und Bildern von N.s Mutter.

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Montag, 12. Januar 2026
Beileidsbekundungen, auch ne challenge. Wenn ich bestimmte Sätze noch mal höre, krieg ich nen Schreikrampf.

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Freitag, 9. Januar 2026
Es schneit und schneit und schneit. Das macht alles erträglicher, friedlich, tröstlich.

Gerade fühle ich mich so schwer wie eine Titanic nach dem Eisberg. Und mein Herz ist manchmal so wild, als wisse es genau, dass es momentan immer dann betrogen wird, wenn ich nicht weine. Aber ich bin so erschöpft, ich bin zu müde zum weinen.

Ich möchte immer in Erinnerung behalten, wie sie mich angesehen hat, in den letzten Minuten. Ob sie mich gesehen hat, weiß ich nicht, aber dieser Blick. Ich habe so Angst das zu vergessen, überhaupt diese letzten Minuten und Stunden mit ihr und uns zu vergessen.

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Wo heute die Energie für das Pubquiz mit den 2 Freundinnen her kam, ich weiß es nicht. Dem gingen 3,5 Stunden Gespräch bei der Bestatterin voran. Und doch wurde der Abend kurzweilig, lustig, schön.

Ich erinnere in Bildern, Sätzen, Momenten, Songs. Eigentlich würde ich es hier gerne festhalten. Vieles ist mir zu intim.

Glauben Sie an Zeichen? Ja, das dachte ich auch. Aber tja.

Ach Mama.

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Dienstag, 6. Januar 2026
Trauer ist ein komisches Ding. Momentan hat sie mich mit einem Gewicht von mindestens 1000 Tonnen auf einen Meeresgrund gezogen. Ständig gibt es viel zu organisieren und zu tun. Heute Vormittag mussten wir ihr zum Beispiel ihr Zimmer im Heim ausräumen. Zu viel zu schnell, aber so ist das. Seit ich nach Sylvester aus Berlin zurück in die Heimat gefahren bin, also am 2.1., wohne ich in der Einliegerwohnung bei meinem Bruder. Heute Nachmittag gehe ich in mein Zimmer, als ein befreundetes Paar meines Bruders kommt. Ich kann gerade nicht reden mit Menschen die mir nicht nahe sind. Im Zimmer ordne ich, es sieht aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, in den letzten Tagen war es ein hinwerfen und rausziehen. Dann liege ich im Bett. Lausche der Stille. Irgendwann höre ich, wie mein Vater und seine Frau kommen. Es sind nun 6 Erwachsene und 2 Kinder im Wohnzimmer. Nach einer Weile versuche ich, mich dazuzugesellen. Doch schon im Flur höre ich soviel Reden, dass ich sofort wieder umkehre.

Das waren jetzt ganz schön viele Wörter. Und keins davon beschreibt angemessen wie traurig ich bin.

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Montag, 5. Januar 2026
Plötzlich gibt es viele letzte male und viele erste male.

Riesen Angst zu vergessen. Sie, ihre Stimme, ihre Art, ihren Geruch.

Mein Herz flattert in der Brust wie ein wildgewordener Vogel, es mag noch nicht ganz verstehen, tut weh, will raus aus dieser neuen Realität.

Die Intimität der letzten Stunden.

Habe Angst vorm Einschlafen weil ich Angst vorm Aufwachen habe.

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Samstag, 3. Januar 2026
50 / 50
Es ist erschreckend vertraut auf der Intensivstation zu sein, wenn auch diesmal nicht als Psychologin sondern als Tochter. Die Station ist hell, modern. Im Zimmer ist es friedlich. Ein riesen Fenster, vor dem sie theoretisch verschneite Bäume sehen könnte, und einen Himmel der sich nicht so recht zwischen Sonnenschein und Schneefall entscheiden kann. All die Geräte und Geräusche, so vertraut. Nur dass sie da liegt, das ist neu und tut weh. Nicht so wie vor zwei Jahren, anders, aber eben weh. Influenza A trifft auf völlig entkräftete Person. Selbst wenn sie verlegt werden könnte, ich vermute im Bestfall palliativ in ihrem Heim.

Und doch ist diese Intensivstation so anders. Diese Klinik. So still. Ich weiss nicht, ob mir nicht ein bisschen das lebendige Treiben "meiner" Klinik fehlt.

Es ist Schichtwechsel, deswegen warte ich und schreibe. Eigentlich Besuch erst ab 15, aber bin dankbar dass ich vorhin zu ihr durfte, als sie kam. Sie ist nicht ansprechbar. Schläft. Ich saß lange da, streichelte sie, erzählte leise und summte.

Die Patienteverfügung regelt relativ ausführlich, und die Ärztin scheint mir ok. Das entlastet. Meine Mutter hat nur das "angemessene" verfügt, und Schmerzfreiheit. Ich habe ihr vorhin gesagt, es ist ihre Entscheidung. Es ist ok wenn sie bleiben mag. Es ist ok wenn sie gehen will.

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