Donnerstag, 29. Januar 2026
okavanga, 21:22h
Schwerer Tag. Wenig Licht. Denke an das Gedicht von Hilde Domin,
"Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben".
Ich wollte eine Freundin besuchen. Dort fühlte sich alles so falsch an, dass ich nach 15 Minuten meinte, dass ich besser wieder gehe. Sie fragte, warum, und ich sagte, es fühlt sich komisch an.
Ich habe keine Kapazitäten für Höflichkeit, für Überspielen, für Maskieren. Auf dem Weg nach Hause wird mir klar, dass ich letztendlich allein mit der Trauer bin.
"Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter."
Zuhause weiß ich kaum wie die Treppen hochkommen, so schwer fühle ich mich. Koche mir Linsensuppe, tausche mit zwei anderen Freundinnen Sprach- und Schreibnachrichten aus. Ein kleines Pflaster. Die Suppe wärmt. Und die Kerzen geben sich alle Mühe.
Die schwersten Wege
von Hilde Domin
Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.
Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.
Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.
"Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben".
Ich wollte eine Freundin besuchen. Dort fühlte sich alles so falsch an, dass ich nach 15 Minuten meinte, dass ich besser wieder gehe. Sie fragte, warum, und ich sagte, es fühlt sich komisch an.
Ich habe keine Kapazitäten für Höflichkeit, für Überspielen, für Maskieren. Auf dem Weg nach Hause wird mir klar, dass ich letztendlich allein mit der Trauer bin.
"Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter."
Zuhause weiß ich kaum wie die Treppen hochkommen, so schwer fühle ich mich. Koche mir Linsensuppe, tausche mit zwei anderen Freundinnen Sprach- und Schreibnachrichten aus. Ein kleines Pflaster. Die Suppe wärmt. Und die Kerzen geben sich alle Mühe.
Die schwersten Wege
von Hilde Domin
Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.
Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.
Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.
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