Dienstag, 3. Februar 2026
Es regnet. Das ist so stimmig. Momentan ist mein Wach-Schlaf-Rhythmus etwas außer Takt, er nähert sich ohne zeitliche Verpflichtungen immer meiner Eulen-Natur an. Doch mit der Traurigkeit obendrauf machts das in Summe irgendwie schwerer.

Heute verbiete ich meinem Körper zu weinen. Wie hart das klingt, wenn ich das grad lese. Aber die Erschöpfung ist so groß. Nachdem ich gestern Abend etwas unerwartet von einer großen Trauerwelle überspült wurde, wachte ich morgens auf als hätte ich einen Kater. Mein Körper arbeitet so hart in dieser Trauer. Für meine Selbsterfahrung, die immer noch offen ist (meine reguläre Therapie zählt nicht, haha, 10 Jahre TP Therapie wird nicht als Selbsterfahrung angerechnet, aber naja), möchte ich jemanden suchen, der auch körperorientiert arbeitet. Ansonsten muss ich das extra zahlen, aber ich denke, es ist wichtig. Das Thema schwebt seit der Akutklinik vor 4 Jahren rum.

Organisatorisch heute vor allem mit dem Foto für die Trauerfeier beschäftigt. Man kuckt das so an, nach Farben und Rahmen, und



ja.

Ja dann fehlen mir da einfach die Worte. Nie wieder wird sie mich so ansehen.

Ihre Augen. Wenn ich in den Spiegel sehe, sind da ihre Augen. Das war direkt nach ihrem Versterben so merkwürdig. Vor allem, weil ich in den letzten Minuten in dieses eine geöffnete Auge blickte. Immer wenn ich in den Tagen danach in den Spiegel geschaut habe, waren da ihre Augen, ihr Gesicht. Ich sehe ihr so ähnlich, dass es weh tut. Früher fand ich das furchtbar. Heute ist es irgendwie schön und schmerzhaft zugleich.

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Samstag, 31. Januar 2026
Heute ist die Traueranzeige in der Zeitung. Sie haben ein 'e' ergänzt. In einem Zitat. Es mag klein sein. Aber so hat sie es eben nie gesagt.

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Freitag, 30. Januar 2026
16 Jahre Elend.
Im Gespräch mit meinem Vater über mögliche Gäste bei der Trauerfeier kommen wir auf eine ehemalige Arbeitskollegin meiner Mutter zu sprechen. Sie war damals diejenige, über die ich das Ausmaß der Erkrankung meiner Mutter erfuhr. Ich werde das nie vergessen, muss es nicht nachlesen um es zu erinnern.

Unglaublich, denke ich gerade. Dass ich das damals schrieb, am 4. Januar. Das ist unglaublich. Sie starb am 4. Januar.

16 Jahre blanker Horror. Anfang März 2010 mussten wir Sie das erste mal einweisen lassen. Sie sagte mal, das habe sie mir nie verziehen.




Den ganzen Tag geht mir heute dieses Lied durch den Kopf. Als ich eben nachgeschaut habe, ob ich es im Blog schon mal verlinkt hatte, fand ich es - bei einem Beitrag nach dem Tod der Katze. Irgendwas am Tod lässt dieses Lied in mir anklingen. Vielleicht die feste Überzeugung, dass wir alle dahin zurückkehren, zu Mama Erde. Sei es als Wind, Feuer, Wasser, Erde, Tier, Mensch, irgendwann.

~ Mogli - Earth

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Donnerstag, 29. Januar 2026
Schwerer Tag. Wenig Licht. Denke an das Gedicht von Hilde Domin,
"Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben".

Ich wollte eine Freundin besuchen. Dort fühlte sich alles so falsch an, dass ich nach 15 Minuten meinte, dass ich besser wieder gehe. Sie fragte, warum, und ich sagte, es fühlt sich komisch an.

Ich habe keine Kapazitäten für Höflichkeit, für Überspielen, für Maskieren. Auf dem Weg nach Hause wird mir klar, dass ich letztendlich allein mit der Trauer bin.
"Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter."

Zuhause weiß ich kaum wie die Treppen hochkommen, so schwer fühle ich mich. Koche mir Linsensuppe, tausche mit zwei anderen Freundinnen Sprach- und Schreibnachrichten aus. Ein kleines Pflaster. Die Suppe wärmt. Und die Kerzen geben sich alle Mühe.


Die schwersten Wege
von Hilde Domin

Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.
Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.

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Mittwoch, 28. Januar 2026
Schwerer Tag und soviel Licht.
Heute gings emotional so richtig ab, schon nach dem Aufwachen, nach einer sehr unruhigen Nacht. Mittags ein sehr gutes Gespräch mit meinem Bruder gehabt wegen weiterer Planung und Entscheidungen. Meine Güte ich bin so froh, dass wir soviel Zeit für sowas haben, andere müssen das viel schneller hinbekommen, keine Ahnung wie sie das dann schaffen. Es schlaucht mich schon so.

Doch ich merke wie dünn der Boden ist auf dem ich mich bewege. Er ist fragil. Seit Jahren abgeschleift. Und heute ist er dann durchgebrochen, nachdem ich 1 Stunden lang versucht habe einen neuen Toilettendeckel zu montieren. Dank meines Wutanfalls brauche ich nun eine neue Kloschüssel. Früher hatte ich solche Anfälle öfters, richtete sie primär gegen mich selbst. Da war es dann vorbei mit Impulskontrolle und Selbstregulation. Momentan habe ich keinerlei Haltekapazitäten für alles was so oben drauf kommt. Dabei mich umso mehr über mich selbst geärgert, geheult wie ein Schlosshund. Na endlich weiß ich wohin mit meinem Geld, sage ich zu meinem Vater, wusste ich doch schon lange nicht mehr wohin mit all den Geldhaufen. In dem Moment kracht alles über mir ein. Das, was mich die Situation mit meiner Mutter die letzten Jahre gekostet hat. Ihr Tod und die komplexen Emotionen mit all der Vielschichtigkeit in der Beziehung. Das, was mich seit Jahren die Doppelbelastung mit Arbeit und Studium gekostet hat. Das, was mich diese Ausbildung kostet. Nicht nur finanziell, sondern an immmer wiederkehrendem Druck, fortwährender Unsicherheit. Momentan wieder arbeitslos, was Glück im Unglück ist, ich wüsste gerade nicht wie ich sinnvoll als Berufsanfängerin-Psychologin arbeiten könnte. Und gleichzeitig der Druck, Bewerbungen zu schreiben, was ich grad überhaupt nicht schaffe, um möglichst bald eine gut bezahlte PT1 Stelle (nicht so leicht) zu finden. Es ist einfach gerade alles sehr sehr viel, und heute eins zuviel. Ich habe heute ganze Wolken leer geweint.

ABER. Ich habe heute ein so liebevolles Päckchen bekommen von einer Freundin, mit einem "kleinen selfmade Trost-Schal, dieser soll dich begleiten wenn der Kloß im Hals mal wieder zu sehr schmerzt", Süßigkeiten und so schönen Worten. Mein Bruder und ich haben uns über etwas unterhalten, was mir Angst macht, und er hat so schön darauf reagiert, wir nähern uns an, das finde ich schön, das findet er schön. Und wir machen das gut, finde ich, das alles. Heute zum Beispiel die wunderschöne Traueranzeige für sie. Ich hatte ein haltendes Telefonat mit Rini. Und danach so einen wärmenden Besuch von S., die Hirsesalat, Brot und viele lange Umarmungen mitbrachte. Ich merke, ich will üben meine Tür zu öffnen, egal wie es in mir oder der Wohnung aussieht. Es fällt mir so so schwer, strengt mich vorher so an mich aufzuraffen, mich nicht zurückzuziehen, und dann tut mir der Kontakt so gut. Soviel Licht in all der Trauer.

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