Samstag, 29. August 2020
Insomnia.
Wieder. Die Gedanken rasen, stolpern übereinander. Die alten München-Tagebücher wühlen mich auf. Die Intensität meines damaligen Lebens. Die Erinnerung an Dirk, an den animalischen Sex. Daran, wie ich mich in alles stürzte, Freud wie Leid. Daran, wie sehr ich einfach nur im Jetzt war. War sicher nicht alles rosa. Immer himmelhochjauchzend-zutodebetrübt. Aber zumindest auch himmelhochjauchzend. Jetzt oft nur schwankend zwischen zutodebetrübt und okay, und dann ein paar ganz tolle Momente ab und an. Aber die Euphorie. Ich weiß, wie ich in diesen Momenten das Leben durch jede Pore einatmete, wie ich im wahrsten Sinne des Wortes jauchzte und schrie vor Glück, barfuß durch den Regen tanzend auf dem sommerwarmen Asphalt Münchens.

Es ist so gefährlich, was ich mache, sagt etwas in mir. Dieses Verhaftetsein in der Vergangenheit. Aber das jetzt ist so unerträglich langweilig. Diese Frau die ich wurde ist so unerträglich langweilig. Ich wünschte, ich könnte die Therapien rückgängig machen.

Wenn ich wüsste, dass es jetzt immer so bleibt, wie in den letzten Jahren, dieses Gefühl in mir, dann würde ich nicht weiterleben wollen, sagte ich neulich dem Kollega. Und fing so unkontrolliert an zu schluchzen, dass die Bedienung fragte, ob alles ok bei uns sei.

Jetzt habe ich zwei Wochen darüber nachgedacht.

Keine Ahnung. Ich kann nicht mehr.