Donnerstag, 22. Januar 2026
Ich hatte letzte Nacht Träume, oder vielleicht war es auch ein zusammenhängender Traum, bei dem mir ein Teil fehlt. Im ersten Teil war ich an einem Ozean, oberhalb einer sehr großen Bucht, die Wellen rollten über einen langen Weg mit weißer Gischt an den Strand. Der Himmel war bedeckt. Ich trug seltame bunte zusammenhanglose Kleidung, und zum Beispiel nur an einem Bein unten sowas wie eine Stulpe, das andere Bein war nackt. Auf einer Bank sah ich zwei Personen, die auch ulkig angezogen waren, sie sahen bekümmert aus. Ach, dachte ich, schau an, auch so zwei, fühlte mich verbunden und suchte mir eine andere Bank, auf die ich mich setzte um ganz bewusst um meine Mutter zu trauern. Vielleicht träumte ich im Traum, auf dieser Bank, jedenfalls erlebte ich plötzlich die letzte Minute vor ihrem Tod aus der Perspektive meiner Mutter. Ich sehe durch ihr eines geöffnetes Auge. Sehe, dass da wir sitzen, also ihre Kinder, aber ich nehme sie nur als Schemen war. Mein Blickfeld ist eng, der äußere Kreis schwarz, danach ein weißer, und das Sichtfeld eben nur schemenhaft und wie durch weißen Schleier. Ich höre meinen unregelmäßigen Atem. Spüre, wie ich immer wieder wegfalle in etwas, in etwas, wo ich nicht da war, nehme wahr, dass da Stimmen sind, spüre die Anwesenheit der Kinder, ihre Stimmen klingen wie Echo, sie dringen durch, ich habe alles verstanden, auch wenn ich nicht wirklich hören kann, verstehe auf anderer Ebene, das echo verhallt immer mehr und irgendwann lasse ich los und gehe, gleite aus dem Leben.

In dem Moment wachte ich auf, mit dem seltamsten Gefühl, dass ich jemals nach einem Traum hatte. Es war sehr früh am Morgen. Ich machte mir einen Podcast an, weil ich Stimmen brauchte, etwas aus der echten Welt. Irgendwann schlief ich wieder ein. Doch auch, als ich wieder erwachte, tat ich dies mit diesem merkwürdigen Gefühl. Es lies mich den ganzen Vormittag nicht so richtig los, auch nicht als ich zum Bäcker ging, Frühstück machte. Erst mittags, als ich in der Sonne spazierenging und dabei mit einer Freundin telefonierte, die ich vor 4 Jahren in der Klinik kennengelernt hatte und mit der ich gemeinsam in der Trauergruppe war, wurde es besser. Es tat gut, ihr nochmal den Ablauf der letzten Wochen aus meiner Perspektive zu erzählen, wir hatten bisher noch nicht dazu gesprochen.

Ich bin mir sicher, dass ich nicht die Realität meiner Mutter geträumt habe, auch wenn sich alles furchtbar real anfühlte und ich nun den Eindruck hab, ich weiß wie es sich anfühlt zu sterben. Das weiß ich natürlich nicht. Merkwürdig war das.

Es waren die ersten Träume von meine Mutter seit ihrem Versterben.