Freitag, 27. März 2026
No pressure!
Bis zum Vorstellungsgespräch habe ich noch eine gute Stunde Zeit. Also setze ich mich in ein Cafe in dem Ort, der zwischen Hügeln im Schwarzwald liegt. Die Zugfahrt hier her führte mich auf den letzten Kilometern durch idyllische Landschaften.

Kaum sitze ich mit meinem Kaffee an der Fensterfront des Bäckers, klingelt mein Handy. Es ist die Personalreferentin von der Favoriten-Klinik. "Frau Oka, ich habe Ihnen gestern das Angebot zugesendet, haben Sie das schon gesehen?" "Ja, vielen Dank, ich war nur etwas verhalten, weil ich ja den Dienstag noch abwarte." "Deswegen rufe ich an. Also es ist schon so, dass wir Sie wirklich haben wollen. Am Dienstag geht es nur noch um das offizielle 1%, aber die Chefperson plant schon mit Ihnen. Sie hat mir gesagt, ich soll Ihnen sagen, dass sie Sie unbedingt möchte, und dass Sie doch auch Ihr anderes Gespräch absagen sollen. [sie lacht] Aber ich hab ihr schon gesagt, ach neiiiiin...." Ich hatte der Personalreferentin am Mittwoch erzählt, dass ich noch ein Gespräch habe, das ich auch wahrnehmen würde, sofern mir keine feste Zusage gegegeben werden kann. "Das ist jetzt auch zu spät..." [ich lache] "Es ist uns nur wichtig dass, wenn Sie wollen, wir das machen."

Was für eine kuriose Situation. Der Wille, mit dem mich diese Chefperson möchte, irritiert mich und löst Druck in mir aus. Welche Erwartungen stehen da wohl im Raum mir gegenüber? Bin ich für die auch ein 6er im Lotto? Aber wie sollte das sein, also ich bin ja fachlich sowas von am Anfang?

Nach dem Kaffee mache ich mich auf zur Klinik, die auf einem der Hügel liegt. Das Gespräch ist kurz. Ich werde gefragt, was ich mir vorstelle. Ihr lägen meine Unterlagen vor, die seien sehr gut, sie habe keine weitere Fragen an mich. Irritierend. Wir klären primär Formalitäten. Auch diese Klinik zahlt sehr gut, und doch nicht so gut wie die Favoritenklinik, aber die sind echt eh jenseits von allem, was ich jemals über PT-Zeiten gehört habe. Dann werde ich durch die Klinik geführt. Wie verbleiben wir, werde ich gefragt. Ich antworte, dass ich es gerne übers Wochenende sacken lassen möchte, und dass mein Gegenüber ja vielleicht auch nachdenken möchte? Nein, für sie ist alles klar und gut. Irritierend. Vermutlich hätte ich auch gleich einen Vertrag unterschreiben können. Vermutlich ist es nicht leicht, gute Bewerber in diesen Ort zu locken. Und was die Chemie zwischen der potenziellen Vorgesetzten und mir angeht, vibed es auch nicht so wie im Favoriten-Gespräch.

Nach 35-40 Minuten mache ich mich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Insgesamt ist es mir zu eng dort, die Klinik, der Ort, die Hügel drumrum. Eine leichte Beklemmung auf der Brust. Ohne Auto wäre das nichts für mich. Ich bin froh, dass ich eine so gute Alternative habe. Die scheint gesetzt zu sein. So ganz kann ichs immer noch nicht glauben.


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Donnerstag, 26. März 2026
Kalte Füße.
Sie haben mir das Angebot gesendet, noch keinen Vertrag, da gilt es deren einen (internen) Termin noch abzuwarten. Aber die Vorstellung beim Betriebsarzt haben sie auch schon terminiert. Ich muss verrückt sein, das zu machen. "Erstmal nur für ein Jahr", das ist mein Mantra. Sonst würde ich den Mut nicht zusammenkratzen können. Alles ist dann neu. Alles. Und in meine geliebte Höhle zieht dann ein fremder Mensch. Habe öfters Herzrasen, nicht nur Aufregungs-mäßig. Das ist Angst. Und der Imposter kickt so krass rein, vor allem nach der Freude der Chefperson, "Ich seh schon, wir haben uns viel zu erzählen Frau Oka, und Sie bringen von <Klinik X> bestimmt ganz viele Ideen mit!" Ähm. Ähäm ja, äham. Ähm Sie erinnern sich, dass ich Berufsanfängerin bin, ja?

Morgen habe ich noch ein Gespräch bei einer anderen Klinik in den südlichen Gefilden Baden-Württembergs. Ich wills mir einfach mal ankucken, am Montag noch ein Online-Gespräch mit einer weiteren Klinik. Wer weiß, wozu es gut ist, und am Ende ist eben immer erst alles safe, wenn der Vertrag von allen Seiten unterschrieben ist.

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Mittwoch, 25. März 2026
Und dann für eine Millisekunde der Gedanke, der sich aus dem Unbewussten nach oben schiebt und da auf die Realität trifft: "Das muss ich Mama erzählen, sie wird sich so mit mir freuen."

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Inoffiziell scheint es durch zu sein. "Betrachten Sie es als erledigt. Nächste Woche geht es voraussichtlich nur noch darum, WO Sie eingesetzt werden, nicht OB."

Der:die ärztliche:r Direktor:in scheint sehr genau zu wissen, dass er:sie mich will, und wo er:sie mich will und was soll ich sagen. Das wäre für mich die Erfüllung aller Träume, vor allem auch das WO, wenn das so klappt. Könnte heulen vor Glück, heb mir das aber auf für den Moment, wenn echt ein Vertrag da ist.

Ich habe lang darüber nachgedacht, ob ich hier darüber schreibe, was und wo das ist. Aber ich denke, besser nicht. Will mir einen kleinen Spielraum lassen, über Dinge dort zu erzählen, oder anzudeuten, sofern das überhaupt möglich ist. Daher auch gender-neutrale Formulierungen. Aber krass: wenn das nun alles so kommt, krempel ich mein ganzes Leben komplett um.

Universum - danke! Bitte diese Energie aufrecht erhalten, bis ich den Vertrag unterschrieben habe.

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Dienstag, 24. März 2026
Morgen gilts. Liebes Universum, ich bin bereit, lass es gut werden!

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Drei Nächte hintereinander geträumt, dass Leute in meinen Raum bzw. meine Wohnung eindringen wollen, manchmal auch, weil mein Schloss irgendwie labil ist. Eine übergriffige Nachbarin, Kinder. Bei dem einen Traum weiß ich es nicht mehr genau.

Letzte Nacht war es meine Wohnung, in der ich momentan lebe. Meine Mutter lebte da irgendwie auch, oder war zu Besuch. Es war, als wäre ein Schatten neben und über ihr. Ich träume die Krankheit oft mit, aber nicht als Schizophrenie, sondern als etwas, das originär nicht zu ihr gehört, aber schon immer da war. Etwas dunkles, furchteinflösendes. Das deckt sich mit meinem ambivalenten Kindheitserleben, und damals hatte sie die Diagnose ja noch nicht, stattdessen schwere Depressionen. Letztendlich hängt das ja auch alles irgendwie zusammen. Wie auch immer. Es ist gruselig, diese Gefühle zu träumen, sie sind teilweise uralt, und wirklich die der kleinen Oka. Spannend, dass in diesem Kontext die hiesigen Nachbarn klingelten, kleine Kinder (aber nicht die wirklichen, irgendwie anders), und ich fühlte mich bedroht von ihnen. Von Kindern! Hatte Angst sie bringen Ungeziefer oder zecken sich fest. Krass eigentlich. Auch dieses Gefühl, dass Menschen in meinen Raum dringen ist heftig. Die übergriffige Nachbarin tauchte in meiner alten WG in G7 auf. Einmal stand sie mitten in der Tür, das nächste mal direkt hinter meiner Küchentür. Ich frage mich, ob es da um Grenzüberschreitungen in meinem Leben geht, oder um eigene innere Anteile/Gefühle/Konflikte?, die ich nicht wahrhaben will. Oder vielleicht all das.

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Sonntag, 22. März 2026
Uff, besser heute. Glaube aber ich sollte mich bewusster mit der Trauer beschäftigen und ihr aktiv mehr Raum geben. Klar brauche ich gerade auch einen anderen Fokus und Energie für Pragmatisches / Berufliches, aber es kostet auch Energie die Trauer so wegzudrücken. Vielleicht kommen daher auch die seit 2 Wochen anhaltenden Kopfschmerzen. Die Demo gestern hat mich soviel Kraft gekostet, danach war ich fix und alle, auch, weil ich glaub ich den ganzen Tag maskierte. Ich glaube, das war viel zu viel viel zu früh nach dieser "beginnenden Nierenbeckenentzündung". Hatte glaub ich gar nicht davon erzählt. Am Dienstag nahm ich die letzte Antibiose. Auch heute noch fühle ich mich so geschrottet, dass ich gar nicht weiß wie ich das hinbekommen sollte, wenn ich wirklich schon im Mai in einer Klinik starten soll. So blöd, dass ich das zur Personalreferentin sagte, als sie meinte, relevante Stellen würden erst ab Juli/August bzw. im anderen Fachbereich September frei. Und ich so, mit meinem ALG im Nacken: für mich wäre ab Mai super. Daher kam dann die Idee, erst in einem nicht anerkennungsfähigen Bereich zu starten und nach einigen Monaten in den PT1 Bereich zu wechseln. Manchmal ärger ich mich über meine eigenen Ambitionen. Ich muss bis dahin meine Wohnung erst mal vermietfit kriegen, sie ausschreiben, Besichtigungen organisieren. Und irgendwie fühle ich mich momentan gar nicht in der Lage, eine 35-Stunden-Woche im klinischen Kontext zu absolvieren. Und zurückrudern ist immer scheisse. Naja mal schauen wie sich die Gespräche und Dinge in den kommenden 5-12 Tagen entwickeln, da sind die entscheidenden Gespräche mit den jeweiligen Kliniken.

[Edit] Haha witzig, und so schnell bin ich dann wieder von der Trauer beim Stressor Ausbildung. Genau das meinte ich.

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