Mittwoch, 13. Mai 2026
Gestern und heute waren besser. Nehme mir vor abends offline Tagebuch zu schreiben, so richtig mit der Hand. Leider immer viel zu müde. Morgen...

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Montag, 11. Mai 2026
Schwieriger Tag. Chaos in mir. Geht mir schlecht. Irgendwie einfach weiter machen.

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Freitag, 8. Mai 2026
Anstrengendes Ende einer intensiven Arbeitswoche. Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf und Emotionen durch Leib und Seele. Geweint. Da muss sich einiges sortieren. Auch das Ich in genau diesem Setting. Und wie nahe es mir geht, wenn ein Mensch hinter der Erkrankung hervorblitzt. Wie sehr es mich berührt, das Ringen mit sich selbst, der Erkrankung, dem immer wieder drohenden .. ich nenn das jetzt mal Selbstverlust, und im schlimmsten Fall auch Tod. Bei manchen ist es existenziell, und das nicht metaphorisch.

Diese Menschen berühren mich. Ich fühle mich ihnen nahe. Auch wenn sie gar nicht wissen können, dass das so ist und wieso das so ist, sie kennen ja mein Leben und meine Abgründe nicht. Und ich weiß noch nicht so genau wie ihnen begegnen, ohne das zu sehr zu zeigen. Also die Berührtheit. Wie kann mir eine authentische Begegnung gelingen? Daneben steht ein Kollege, der so konträr zu mir ist. Empfinde Anpassungsdruck. Ist mein sich zart andeutendes Therapiewesen in diesem Kontext vielleicht nicht so günstig? Ich hoffe ich werde meinen Weg finden. Ich stehnoch am Anfang, sag ich mir immer wieder. Ganz ganz am Anfang, da heißt es viel Wohlwollen mit mir selbst zu pflegen. Sagt auch I., sagt auch Mimi. Seufz.

~ Vraell - guitar meditations (III)


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Donnerstag, 7. Mai 2026
Der Kollege offenbart sehr Persönliches. Ich mag das, gleichzeitig halte ich mich was dieses Detail angeht bedeckt. Damit habe ich ihm vermutlich aber auch schon viel gesagt. Und vielleicht ahnt er es sowieso und war deswegen so offen.

Was für ein Privileg, dieser Beruf. Ich liebe es den Menschen so zu begegnen.

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Mittwoch, 6. Mai 2026
Zwei Patient:innen haben sich heute unabhängig voneinander klar gegen rechts positioniert. Es ist auch hier noch nicht alles verloren!

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Dienstag, 5. Mai 2026
Der erste Arbeitstag auf meiner Station ist geschafft. Ich meine großes Glück zu haben, vor allem mit dem Team dort. Und das Klientel, es ist genau das was ich wollte und ich liebe es schon jetzt. Was für ein toller Beruf das ist. Das ist dann doch die Strapazen wert. Bin unglaublich gespannt auf alles was da kommt.

Nach der Arbeit ein kurzer Spaziergang. Feldhase gesichtet. Die Natur ist so nah. Liebe alles daran. Es duftet überall und der Gesang der Vögel.. hach.

Mitbewohnerin auch prima.

Jetzt sehr sehr müde.

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Sonntag, 3. Mai 2026
Alles neu macht der Mai, mal wieder.
Seit gestern bin ich also hier. In dieser Kleinstadt in einem Bundesland, in dem ich noch nie gelebt habe und das ich bei Präferenzen immer ausgeschlossen hätte. Siehe da, und doch bin ich hier. Was für ein Kraftakt das war. Meine Mitbewohnerin lerne ich erst morgen kennen. Sie arbeitet auch in der Klinik, in der ich morgen meinen ersten Arbeitstag habe.

Emotional habe ich in den letzten 7 Tagen das gesamte Spektrum mehrfach und in wild wechselnder Reihenfolge durchlebt. Jetzt kanns ruhiger werden, das wünsch ich mir. Ich denke, Stadt und Umland geben das her.

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Dienstag, 31. März 2026
Und während wir noch dabei sind, gegen die gekürzte Vergütung vorzugehen, werden "Diskussions"papiere veröffentlicht, die ein weiteres starkes Eingreifen in die psychotherapeutische Versorgung vorstehen, wie hier vom vdek - Verband der Ersatzkassen e. V.

Dort stehen hahnebüchene Dinge, z.B. "Die Ersatzkassen fordern, für die Kontingentschritte über alle Richtlinienverfahren einen einheitlichen, am Wirtschaftlichkeitsgebot ausgerichteten, Benchmark verbindlich festzulegen, der sich an der Verhaltenstherapie orientiert."

Oder "Die Ersatzkassen fordern eine gesetzliche Regelung, dass bei Neuzulassungen und Nachbesetzungen von Kassensitzen ein festgelegter Mindestanteil der Leistungen einer Richtlinientherapie von 40 Prozent* in Gruppentherapie zu erbringen ist."

Oder "Die Ersatzkassen fordern daher, die Systemische Therapie und Verhaltenstherapie als Therapieverfahren mit einer höheren Versorgungskapazität bei der Nachbesetzung bevorzugt zu berücksichtigen."

Letzteres klingt wie der Sargnagel für tiefenpsychologischen und analytischen Verfahren. Also: meins! Das heißt, wenns richtig toll läuft, mache ich diese Ausbildung mit Kosten von etwa 60.000 Euro bis zur Approbation und habe davon am Ende - nichts. Und ich sags Ihnen ganz ehrlich: nur mit Verhaltens- und systemischer Therapie wäre ich bei meiner psychischen Gesundheit nicht weitergekommen.

Ich kann das alles nicht mehr.

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Freitag, 27. März 2026
No pressure!
Bis zum Vorstellungsgespräch habe ich noch eine gute Stunde Zeit. Also setze ich mich in ein Cafe in dem Ort, der zwischen Hügeln im Schwarzwald liegt. Die Zugfahrt hier her führte mich auf den letzten Kilometern durch idyllische Landschaften.

Kaum sitze ich mit meinem Kaffee an der Fensterfront des Bäckers, klingelt mein Handy. Es ist die Personalreferentin von der Favoriten-Klinik. "Frau Oka, ich habe Ihnen gestern das Angebot zugesendet, haben Sie das schon gesehen?" "Ja, vielen Dank, ich war nur etwas verhalten, weil ich ja den Dienstag noch abwarte." "Deswegen rufe ich an. Also es ist schon so, dass wir Sie wirklich haben wollen. Am Dienstag geht es nur noch um das offizielle 1%, aber die Chefperson plant schon mit Ihnen. Sie hat mir gesagt, ich soll Ihnen sagen, dass sie Sie unbedingt möchte, und dass Sie doch auch Ihr anderes Gespräch absagen sollen. [sie lacht] Aber ich hab ihr schon gesagt, ach neiiiiin...." Ich hatte der Personalreferentin am Mittwoch erzählt, dass ich noch ein Gespräch habe, das ich auch wahrnehmen würde, sofern mir keine feste Zusage gegegeben werden kann. "Das ist jetzt auch zu spät..." [ich lache] "Es ist uns nur wichtig dass, wenn Sie wollen, wir das machen."

Was für eine kuriose Situation. Der Wille, mit dem mich diese Chefperson möchte, irritiert mich und löst Druck in mir aus. Welche Erwartungen stehen da wohl im Raum mir gegenüber? Bin ich für die auch ein 6er im Lotto? Aber wie sollte das sein, also ich bin ja fachlich sowas von am Anfang?

Nach dem Kaffee mache ich mich auf zur Klinik, die auf einem der Hügel liegt. Das Gespräch ist kurz. Ich werde gefragt, was ich mir vorstelle. Ihr lägen meine Unterlagen vor, die seien sehr gut, sie habe keine weitere Fragen an mich. Irritierend. Wir klären primär Formalitäten. Auch diese Klinik zahlt sehr gut, und doch nicht so gut wie die Favoritenklinik, aber die sind echt eh jenseits von allem, was ich jemals über PT-Zeiten gehört habe. Dann werde ich durch die Klinik geführt. Wie verbleiben wir, werde ich gefragt. Ich antworte, dass ich es gerne übers Wochenende sacken lassen möchte, und dass mein Gegenüber ja vielleicht auch nachdenken möchte? Nein, für sie ist alles klar und gut. Irritierend. Vermutlich hätte ich auch gleich einen Vertrag unterschreiben können. Vermutlich ist es nicht leicht, gute Bewerber in diesen Ort zu locken. Und was die Chemie zwischen der potenziellen Vorgesetzten und mir angeht, vibed es auch nicht so wie im Favoriten-Gespräch.

Nach 35-40 Minuten mache ich mich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Insgesamt ist es mir zu eng dort, die Klinik, der Ort, die Hügel drumrum. Eine leichte Beklemmung auf der Brust. Ohne Auto wäre das nichts für mich. Ich bin froh, dass ich eine so gute Alternative habe. Die scheint gesetzt zu sein. So ganz kann ichs immer noch nicht glauben.


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Donnerstag, 26. März 2026
Kalte Füße.
Sie haben mir das Angebot gesendet, noch keinen Vertrag, da gilt es deren einen (internen) Termin noch abzuwarten. Aber die Vorstellung beim Betriebsarzt haben sie auch schon terminiert. Ich muss verrückt sein, das zu machen. "Erstmal nur für ein Jahr", das ist mein Mantra. Sonst würde ich den Mut nicht zusammenkratzen können. Alles ist dann neu. Alles. Und in meine geliebte Höhle zieht dann ein fremder Mensch. Habe öfters Herzrasen, nicht nur Aufregungs-mäßig. Das ist Angst. Und der Imposter kickt so krass rein, vor allem nach der Freude der Chefperson, "Ich seh schon, wir haben uns viel zu erzählen Frau Oka, und Sie bringen von <Klinik X> bestimmt ganz viele Ideen mit!" Ähm. Ähäm ja, äham. Ähm Sie erinnern sich, dass ich Berufsanfängerin bin, ja?

Morgen habe ich noch ein Gespräch bei einer anderen Klinik in den südlichen Gefilden Baden-Württembergs. Ich wills mir einfach mal ankucken, am Montag noch ein Online-Gespräch mit einer weiteren Klinik. Wer weiß, wozu es gut ist, und am Ende ist eben immer erst alles safe, wenn der Vertrag von allen Seiten unterschrieben ist.

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