Dienstag, 31. März 2026
Und während wir noch dabei sind, gegen die gekürzte Vergütung vorzugehen, werden "Diskussions"papiere veröffentlicht, die ein weiteres starkes Eingreifen in die psychotherapeutische Versorgung vorstehen, wie hier vom vdek - Verband der Ersatzkassen e. V.

Dort stehen hahnebüchene Dinge, z.B. "Die Ersatzkassen fordern, für die Kontingentschritte über alle Richtlinienverfahren einen einheitlichen, am Wirtschaftlichkeitsgebot ausgerichteten, Benchmark verbindlich festzulegen, der sich an der Verhaltenstherapie orientiert."

Oder "Die Ersatzkassen fordern eine gesetzliche Regelung, dass bei Neuzulassungen und Nachbesetzungen von Kassensitzen ein festgelegter Mindestanteil der Leistungen einer Richtlinientherapie von 40 Prozent* in Gruppentherapie zu erbringen ist."

Oder "Die Ersatzkassen fordern daher, die Systemische Therapie und Verhaltenstherapie als Therapieverfahren mit einer höheren Versorgungskapazität bei der Nachbesetzung bevorzugt zu berücksichtigen."

Letzteres klingt wie der Sargnagel für tiefenpsychologischen und analytischen Verfahren. Also: meins! Das heißt, wenns richtig toll läuft, mache ich diese Ausbildung mit Kosten von etwa 60.000 Euro bis zur Approbation und habe davon am Ende - nichts. Und ich sags Ihnen ganz ehrlich: nur mit Verhaltens- und systemischer Therapie wäre ich bei meiner psychischen Gesundheit nicht weitergekommen.

Ich kann das alles nicht mehr.

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Freitag, 27. März 2026
No pressure!
Bis zum Vorstellungsgespräch habe ich noch eine gute Stunde Zeit. Also setze ich mich in ein Cafe in dem Ort, der zwischen Hügeln im Schwarzwald liegt. Die Zugfahrt hier her führte mich auf den letzten Kilometern durch idyllische Landschaften.

Kaum sitze ich mit meinem Kaffee an der Fensterfront des Bäckers, klingelt mein Handy. Es ist die Personalreferentin von der Favoriten-Klinik. "Frau Oka, ich habe Ihnen gestern das Angebot zugesendet, haben Sie das schon gesehen?" "Ja, vielen Dank, ich war nur etwas verhalten, weil ich ja den Dienstag noch abwarte." "Deswegen rufe ich an. Also es ist schon so, dass wir Sie wirklich haben wollen. Am Dienstag geht es nur noch um das offizielle 1%, aber die Chefperson plant schon mit Ihnen. Sie hat mir gesagt, ich soll Ihnen sagen, dass sie Sie unbedingt möchte, und dass Sie doch auch Ihr anderes Gespräch absagen sollen. [sie lacht] Aber ich hab ihr schon gesagt, ach neiiiiin...." Ich hatte der Personalreferentin am Mittwoch erzählt, dass ich noch ein Gespräch habe, das ich auch wahrnehmen würde, sofern mir keine feste Zusage gegegeben werden kann. "Das ist jetzt auch zu spät..." [ich lache] "Es ist uns nur wichtig dass, wenn Sie wollen, wir das machen."

Was für eine kuriose Situation. Der Wille, mit dem mich diese Chefperson möchte, irritiert mich und löst Druck in mir aus. Welche Erwartungen stehen da wohl im Raum mir gegenüber? Bin ich für die auch ein 6er im Lotto? Aber wie sollte das sein, also ich bin ja fachlich sowas von am Anfang?

Nach dem Kaffee mache ich mich auf zur Klinik, die auf einem der Hügel liegt. Das Gespräch ist kurz. Ich werde gefragt, was ich mir vorstelle. Ihr lägen meine Unterlagen vor, die seien sehr gut, sie habe keine weitere Fragen an mich. Irritierend. Wir klären primär Formalitäten. Auch diese Klinik zahlt sehr gut, und doch nicht so gut wie die Favoritenklinik, aber die sind echt eh jenseits von allem, was ich jemals über PT-Zeiten gehört habe. Dann werde ich durch die Klinik geführt. Wie verbleiben wir, werde ich gefragt. Ich antworte, dass ich es gerne übers Wochenende sacken lassen möchte, und dass mein Gegenüber ja vielleicht auch nachdenken möchte? Nein, für sie ist alles klar und gut. Irritierend. Vermutlich hätte ich auch gleich einen Vertrag unterschreiben können. Vermutlich ist es nicht leicht, gute Bewerber in diesen Ort zu locken. Und was die Chemie zwischen der potenziellen Vorgesetzten und mir angeht, vibed es auch nicht so wie im Favoriten-Gespräch.

Nach 35-40 Minuten mache ich mich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Insgesamt ist es mir zu eng dort, die Klinik, der Ort, die Hügel drumrum. Eine leichte Beklemmung auf der Brust. Ohne Auto wäre das nichts für mich. Ich bin froh, dass ich eine so gute Alternative habe. Die scheint gesetzt zu sein. So ganz kann ichs immer noch nicht glauben.


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Donnerstag, 26. März 2026
Kalte Füße.
Sie haben mir das Angebot gesendet, noch keinen Vertrag, da gilt es deren einen (internen) Termin noch abzuwarten. Aber die Vorstellung beim Betriebsarzt haben sie auch schon terminiert. Ich muss verrückt sein, das zu machen. "Erstmal nur für ein Jahr", das ist mein Mantra. Sonst würde ich den Mut nicht zusammenkratzen können. Alles ist dann neu. Alles. Und in meine geliebte Höhle zieht dann ein fremder Mensch. Habe öfters Herzrasen, nicht nur Aufregungs-mäßig. Das ist Angst. Und der Imposter kickt so krass rein, vor allem nach der Freude der Chefperson, "Ich seh schon, wir haben uns viel zu erzählen Frau Oka, und Sie bringen von <Klinik X> bestimmt ganz viele Ideen mit!" Ähm. Ähäm ja, äham. Ähm Sie erinnern sich, dass ich Berufsanfängerin bin, ja?

Morgen habe ich noch ein Gespräch bei einer anderen Klinik in den südlichen Gefilden Baden-Württembergs. Ich wills mir einfach mal ankucken, am Montag noch ein Online-Gespräch mit einer weiteren Klinik. Wer weiß, wozu es gut ist, und am Ende ist eben immer erst alles safe, wenn der Vertrag von allen Seiten unterschrieben ist.

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Mittwoch, 25. März 2026
Inoffiziell scheint es durch zu sein. "Betrachten Sie es als erledigt. Nächste Woche geht es voraussichtlich nur noch darum, WO Sie eingesetzt werden, nicht OB."

Der:die ärztliche:r Direktor:in scheint sehr genau zu wissen, dass er:sie mich will, und wo er:sie mich will und was soll ich sagen. Das wäre für mich die Erfüllung aller Träume, vor allem auch das WO, wenn das so klappt. Könnte heulen vor Glück, heb mir das aber auf für den Moment, wenn echt ein Vertrag da ist.

Ich habe lang darüber nachgedacht, ob ich hier darüber schreibe, was und wo das ist. Aber ich denke, besser nicht. Will mir einen kleinen Spielraum lassen, über Dinge dort zu erzählen, oder anzudeuten, sofern das überhaupt möglich ist. Daher auch gender-neutrale Formulierungen. Aber krass: wenn das nun alles so kommt, krempel ich mein ganzes Leben komplett um.

Universum - danke! Bitte diese Energie aufrecht erhalten, bis ich den Vertrag unterschrieben habe.

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Dienstag, 24. März 2026
Morgen gilts. Liebes Universum, ich bin bereit, lass es gut werden!

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Freitag, 20. März 2026
Hurra! Einladung zum Online Vorstellungsgespräch. Ich vermute, danach gäbe es dann noch eine Vorort-Hospitation, aber keine Ahnung.

Blöd nur: der Termin ist für 9:30 Uhr angesetzt. Ab 9:30 / 10 Uhr sollen allerdings die Handwerker für meine Toilettenschüssel kommen. Die kann ich auf keinen Fall verlegen, denn auf den Termin warte ich seit vielen Wochen, und es ist ein wirklich unangenehmer Zustand. Bei der Klinik möchte ich allerdings auch nicht unbedingt um Verlegung bitten, weil ich noch betonte, dass ich abgesehen von einigen anderen Gesprächen sehr flexibel bin. Etwas verzwickt. Ideas, anyone? Oder ich rufe an und sag, dass ich da bereits einen anderen Termin habe, können sie dann orakeln welche Art von Termin. Vielleicht finden wir eine Alternative. Aber es fühlt sich irgendwie nicht so optimal an, das zu machen.

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Donnerstag, 19. März 2026
Sehr schönes telefonisches Vorgespräch bei einer Klinik gehabt, die extrem gut zahlen würden. Drücken Sie bitte alle Zehen und Daumen, dass ich zum Gespräch vor Ort eingeladen werde. Da gibt es etliche Umstände, die das für mich zu einem 6er im Lotto machen würden.

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Freitag, 13. März 2026
Bitte untersützen Sie uns!
"Junge. Wie schlimm soll alles noch werden?" Das fragte mich gestern Mimi, die ich im Master kennengelernt hatte, und die ebenfalls in der Ausbildung zur Psychotherapeutin ist.

Ja, das frag ich mich auch. Wir blechen ein Scheissgeld für die Ausbildung, werden während der PT1 und PT2 meist ausgebeutet (Hurra - ein gesetzlicher Anspruch auf 1.000 Euro brutto im Monat - mit einem Master oder Diplom, toll, oder?), zahlen Selbsterfahrung, später in der Ausbildung Supervision, wir zahlen und zahlen und zahlen... und jetzt streicht man uns einfach 4.5 % von der Vergütung?

Da hauts mir echt die Votz vom Deller, wie der Frange sachd. Dadurch verschlechtert sich die finanzielle Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung. Denn: wir erhalten während der Ausbildung in der ambulanten Phase je nach Institut eh schon nur einen gewissen Prozentsatz von der Vergütung. Der verringert sich nun nochmal. Außerdem natürlich dann unsere Vergütung nach der Approbation. Was dazu führt, dass Praxen immer mehr Privatpatienten nehmen werden, denn wie soll sich das denn alles rechnen?? Parallel dazu explodieren auch unsere Lebenshaltungskosten, ganz zu schweigen vom Bedarf an ambulanter psychotherapeutischer Versorgung. Am Ende hat hier auch wieder der Patient die Arschkarte gezogen. Und wer hat da noch Bock, Psychotherapeut:in zu werden?? Ich zweifel immer mehr an dem, was ich da tue.

Mehr Infos finden Sie z.b. hier bei ZDF heute, oder hier bei der Bundes-Psychotherapeuten-Kammer

Also bitte unterschreiben Sie diese Petition, teilen Sie sie, schreiben sie Ihren Abgeordneten, trommeln Sie mit uns, gehen Sie auf Demos, es werden gerade etliche organisiert. Alles hilft.

Eine Bundestagspetition ist durch Berufsverbände in Vorbereitung. Wir müssen einfach soviel Druck wie möglich aufbauen. Was das alles mit einem hohen Frauenanteil in diesem Beruf zu tun hat, und wie viele Goldketten uns hinterhergeschmissen werden würden, wie den Radiologen, die primär maskulin sind, dazu vielleicht ein ander mal mehr. Man kann nicht soviel essen wie man kotzen möchte.

Und eben gesehen, dass der (sowieso absolut hörenswerte) Podcast "Rätsel des Unbewußten" eine kurze 15 Min Sonder-Podcastfolge zum Thema aufgenommen hat: "Warum PsychotherapeutInnen gerade wütend sind - und alle es sein sollten". Und sie thematisieren auch das Thema des hohen Frauenanteils - und bei welchen Berufsgruppen gespart und bei welchen Geld draufgelegt wird. In dieser Folge haben die beiden Podcaster sehr gut kurz und knapp das wesentliche auf den Punkt gebracht.

Kotz kotz kotz. KOTZ.

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Mittwoch, 18. Februar 2026
Manchmal verliere ich die Hoffnung, was die Ausbildung an diesem Institut angeht. Der finanzielle Druck ist so heftig, dass ich nachts wach liege, und das, obwohl gerade 90% von meinem Vater und seiner Frau auf Privatkredit finanziert werden. Im Schnitt muss ich um die 1000 - 1200 Euro pro Monat rechnen (mit Supervision ggf. auch bis zu 1500, denke ich) sobald ich auch mit der Selbsterfahrung anfange. Das beinhaltet die Monatsgebühr, Fahr-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten, Selbsterfahrung, später Supervision. Da habe ich noch keine Miete gezahlt, nichts gegessen, kein Internet, kein Strom, kein Fiti, nichts.

Eben habe ich länger mit meinem Therapeuten darüber gesprochen. Die PT1 muss ich auf jeden Fall irgendwie noch durchkriegen. Danach wird es dann finanziell voraussichtlich besser, aber die Belastung bleibt ja so hoch. Das andere Institut wäre bei 490 Euro im Monat, all in, und ich könnte es easy mit Deutschlandticket pendeln. Dafür bekomme ich hier später in der ambulanten Phase nur ca. 42% pro Behandlungsstunde vergütet. Am anderen Institut sind es ca. 70%.

Während der ambulanten Phase kann man sich allerdings auch zu regulären Tarifen bei Kliniken anstellen lassen, so dass man da ein anderes Einkommen hat.

Dem gegenüber steht das, was mir persönlich das ganze bringt. Und ja, da sind die Vorteile sehr auf der Seite des teuren Instituts, und das kann ich nach über einem Jahr in diesem Setting nun voller Überzeugung sagen, bei allem auf und ab. Ich stehe heute ganz woanders als vor einem Jahr, was mich in Beziehung zu anderen betrifft und die Mutter-Themen. Es ist sehr kostbar. Aber SO kostbar? Ich weiß es nicht. Dazu kommt, unsere Gruppe bröckelt. Beim nächsten mal werden sich zwei Frauen verabschieden: die eine pausiert für ein Jahr und setzt die Ausbildung dann - wenn überhaupt - mit einer anderne Gruppe fort, die andere hat sich nach starkem Ringen gegen die Approbationsausbildung entschieden. Gut möglich, dass noch 1-2 weitere Personen abspringen und dann wird unsere Gruppe voraussichtlich auf andere Gruppen aufgeteilt.

Die Kündigungsfrist am Institut beträgt 12 Monate, insofern muss ich die PT1 auf jeden Fall noch beim alten machen. Und danach, relativiert es sich dann nicht, mit der Behandlungsvergütung? Uff, keinen Plan, aber allein scohn die Supervisionsstunden sind sehr teuer.

Schwierig.

Momentan nun in der Bewerbungsphase für die PT1. Bei der Wunschklinik in der Heimat erkennt das Landesprüfungsamt in Bayern nur 600 Stunden PT1 an (von erforderlichen 1200) und für diese Stundenzahl stellen sie nicht ein. Das Problem besteht bei mehreren Kliniken (sofern keine Allgemeinpsychiatrie). Dazu kommt, dass die meisten eben schlecht zahlen, nämlich den Mindestlohn von 1000 Euro brutto für Vollzeit (während der Ausbildung = 26 Stunden). Davon könnte ich dann nichtmal die Ausbildungskosten decken, geschweige denn leben.

Ach kein Plan. Ich bin einfach mürbe.

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Samstag, 20. Dezember 2025
Gestern war mein letzter Arbeitstag in der Klinik. Die PT2 im Rahmen der Ausbildung ist geschafft. Wohin es als nächstes geht, ist noch offen. Meine letzten zwei Tage dort waren ein runder Abschied von A bis Z, wunderschön, so wie die ganze Zeit dort. Ein Sechser im Lotto.

Habe gestern viel nachgedacht und nachgespürt, über das Jahr, meine Tätigkeit in der Klinik, vor allem aber über die Begegnungen in jeglichem Kontext. Mir fehlen momentan die Worte das auszudrücken, was ich fühle. Da muss sich auch noch einiges setzen.

Ich war ja schon immer ein Mensch, der recht gefühlig schreibt, aber es verkommt wirklich zu Kitsch. Wenn ich versuche meine Emotionen hier zu verbalisieren, dann trieft das auf eine Art, die sich nicht mit dem deckt, was da in mir ist. Ich kann es nicht, das adäquat und ohne Kitsch auszudrücken. Zwischen den Jahren möchte ich mich noch ein bisschen mit all dem beschäftigen, vielleicht kann ich es dann besser formulieren. Und dann denk ich mir, ist doch auch egal was andere denken, die das hier lesen. Du weißt, wie sich das für dich anfühlst, und sei doch einfach froh, dass es sich auch genau so anfühlt. Egal wie es klingt, wenn es auf dem "Papier" steht. Das Jahr war für mich ein .. ja ich weiß gar nicht, Wendepunkt? Alle sagen, es verging so schnell. Ja, für mich auch, aber wenn ich darauf zurückschaue, fühlt es sich an wie drei Jahre und eine Ewigkeit, im positiven Sinne. Vielleicht weil Grundlegendes in mir berührt und bewegt wurde. Ach keine Ahnung. Ciao erstmal und schöne Feiertage :)

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