Samstag, 23. Mai 2026
okavanga, 11:15h
Ich stehe auf dem Bahnhofsvorplatz, es ist laut, dreckig, stinkt, überall bunte oder schräge Vögel und ich stehe mitten drin in in dieser Lebendigkeit, fühle mich endlich wieder anonym und bin voller Liebe. Zuhause. Schon im Bus zu meiner Wohnung muss ich weinen, und es wird nicht richtig aufhören bis ich ins Bett gehe und weitergehen wenn ich wieder aufstehe. "Heimat braucht keine Schönheit", schreibt der K.
Viele Psychotherapeut:innen in Ausbildung erleben ihre PT1 (psychiatrisch) und PT2 (psychosomatisch) Zeiten als grauenvoll. Mit meiner PT2 hatte ich wohl Glück. Meine PT1 bringt mich über meine Grenzen. Dabei kommen ganz unterschiedliche Faktoren zusammen, es liegt nicht nur an der Tätigkeit ansicht. Ich hab schon die ganze Zeit gemerkt, dass es mir nicht gut geht, spürte immer wieder Widerstand. Doch jetzt wo ich hier bin und fühle, wie es zumindest ist zuhause zu sein oder an einem Ort, der mir so vertraut ist und an dem ich mich sicher fühle.. da wächst der Widerstand in eine Dimension dass ich nicht weiß wie ich am Sonntag den Rückweg antreten soll. Gerade halte ich wohl einfach nur aus, funktioniere irgendwie weiter. Aber untendrunter ist es gar nicht gut. Und das ist kein Modus, den ich ein Jahr weiterführen sollte. Dabei ist von einigen Faktoren klar, dass sie sich nicht ändern werden, und einen davon empfinde ich als sehr problematisch.
Ich wünschte, ich könnte mehr darüber schreiben, über den Ort, an dem ich nun wohne, über die Station auf der ich arbeite, mit welchen Kollegen, und mit welchem Krankheitsbild. Aber ich bin zu paranoid.
Wenn ich mir überlege, dass ich es für insgesamt 6 Monate durchziehe, scheint mir das machbar. Ich überlege, mich für die andere Hälfte des Jahres und die Zeit danach in einer Klinik bei meiner Heimat zu bewerben. Keine Ahnung, ob die mich nochmal zur Hospitation einladen würden. Das erste mal bewarb ich mich für die PT2, vor über einem Jahr. Da hab ich die Hospitation aus persönlichen Gründen abgesagt. Meine Mutter lebte noch und mir wurde nach einem Telefonat mit ihr klar, ich schaff das nicht so nah an ihr zu sein. Das zweite mal antworteten sie mir dieses Frühjahr, sie seien nur für die halbe PT1 in Bayern zugelassen und würden für so einen kurzen Zeitraum nicht einstellen. Das konnte ich nachvollziehen und schlug als Lösung vor, dass ich mich dennoch für 1 Jahr verpflichte. Sie meinten, sie melden sich wenn entsprechende Stellen frei sind. Dann kam sehr kurzfristig die Zusage für die Stelle, in der ich nun arbeite. Und kurz danach die Einladung der anderen Klinik zur Hospitation, die ich dann erneut absagte. Sie schrieben mir nicht mal mehr zurück.
Lange Rede. Mir ist total klar dass es holpert, wenn ich an einen neuen Ort ziehe und eine neue Arbeit, ja einen neuen Beruf anfange. Ich reagiere sehr empfindlich darauf, und fühle mich durch den anhaltenden Trauerprozess auch sehr verletzlich. So viele Gedanken an meine Mutter. Manchmal sehe ich Patienten z.b. im Restaurant von hinten und denke: Mama! Dann wird mir klar dass ich sie nie wieder sehen werde und sie mich nie mehr mit meinem Kosenamen ansprechen wird. Und dann taucht die Frage auf: wieso versuche ich diesen Patienten gegenüber, die mit zum Teil mit so massiver Abwehr und Ablehnung begegnen, wohlwollend zu sein? Und wieso habe ich das bei meiner Mutter einfach nicht geschafft? (keine rationale Frage, kognitiv weiß ich was wie wo, und doch...). Manchmal sehe ich einen Rettungswagen auf dem Gelände. Neulich war ich dann aus dem nichts plötzlich wieder in der Notaufnahme und rief laut: "wo ist sie, wo ist sie? Sie darf nicht alleine sterben, sie darf auf gar keinen Fall alleine sterben!" Sehe Schnee vor mir, organges Licht, und ein Auge.
Mein Nervensystem ist dort nach wie vor im Daueralarm, auch wenn ich tagsüber und im Feierabend versuche, so gut wie möglich für mich zu sorgen. Nichts fühlt sich wirklich sicher an. Wie krass diese Daueranspannung ist, wurde mir gestern bewusst als ich hier, in meinem Zuhause, an kam und etwas in mir endlich loslassen konnte. Eigentlich bin ich nur hier um noch Dinge zu packen und zu putzen, nach wie vor ist eine Zwischenvermietung angestrebt, aber ein scheinbar unmögliches Unterfangen.
Die Faktoren, die es dort so schwer machen, bleiben und werden sich nicht verändern. Und es sind Faktoren, die ich in einer anderen Klinik in dieser Form sehr wahrscheinlich nicht hätte. Das hängt mit genau dieser Station (und dem Krankheitsbild) und den Kollegen (was sich auch aus dem Krankheitsbild ergibt, ach scheisse echt schwer zu erklären ohne wirklich konkret zu werden, sorry) zusammen.
Auch erinnere ich mich an die Worte im Vorstellungsgespräch an meinem Ausbildungsinstitut: "wir würden dir mit deiner Vorgeschichte empfehlen, nicht unbedingt in der Psychiatrie zu arbeiten." Und nun spüre ich deutlich, was sie meinten.
Es gibt eben auch Kliniken, die keine Psychiatrien sind, an denen diese PT1 absolviert werden kann. Ich überlege, ob ich mich nun für die zweite Hälfte anderweitig bewerbe. Denn ich habe gelernt, dass man nichts aushalten können muss. Bzw. habe ich das zum Teil auch viel zu viel und viel zu lang gemacht. Ganz vielleicht verändert sich auch noch etwas in mir und somit in der Konstellation und der Situation, die dort ist. Vielleicht aber auch nicht. Und dann weiß ich nicht ob ich das durchziehen muss nur um sagen zu können, ich hab nicht aufgegeben. Es schädigt mich gerade selbst. Ich wachse dabei auch, aber das würde ich (gezielt) andernorts vermutlich auf sanftere Art und Weise. Und hart, das kann ich gerade nicht.
Viele Psychotherapeut:innen in Ausbildung erleben ihre PT1 (psychiatrisch) und PT2 (psychosomatisch) Zeiten als grauenvoll. Mit meiner PT2 hatte ich wohl Glück. Meine PT1 bringt mich über meine Grenzen. Dabei kommen ganz unterschiedliche Faktoren zusammen, es liegt nicht nur an der Tätigkeit ansicht. Ich hab schon die ganze Zeit gemerkt, dass es mir nicht gut geht, spürte immer wieder Widerstand. Doch jetzt wo ich hier bin und fühle, wie es zumindest ist zuhause zu sein oder an einem Ort, der mir so vertraut ist und an dem ich mich sicher fühle.. da wächst der Widerstand in eine Dimension dass ich nicht weiß wie ich am Sonntag den Rückweg antreten soll. Gerade halte ich wohl einfach nur aus, funktioniere irgendwie weiter. Aber untendrunter ist es gar nicht gut. Und das ist kein Modus, den ich ein Jahr weiterführen sollte. Dabei ist von einigen Faktoren klar, dass sie sich nicht ändern werden, und einen davon empfinde ich als sehr problematisch.
Ich wünschte, ich könnte mehr darüber schreiben, über den Ort, an dem ich nun wohne, über die Station auf der ich arbeite, mit welchen Kollegen, und mit welchem Krankheitsbild. Aber ich bin zu paranoid.
Wenn ich mir überlege, dass ich es für insgesamt 6 Monate durchziehe, scheint mir das machbar. Ich überlege, mich für die andere Hälfte des Jahres und die Zeit danach in einer Klinik bei meiner Heimat zu bewerben. Keine Ahnung, ob die mich nochmal zur Hospitation einladen würden. Das erste mal bewarb ich mich für die PT2, vor über einem Jahr. Da hab ich die Hospitation aus persönlichen Gründen abgesagt. Meine Mutter lebte noch und mir wurde nach einem Telefonat mit ihr klar, ich schaff das nicht so nah an ihr zu sein. Das zweite mal antworteten sie mir dieses Frühjahr, sie seien nur für die halbe PT1 in Bayern zugelassen und würden für so einen kurzen Zeitraum nicht einstellen. Das konnte ich nachvollziehen und schlug als Lösung vor, dass ich mich dennoch für 1 Jahr verpflichte. Sie meinten, sie melden sich wenn entsprechende Stellen frei sind. Dann kam sehr kurzfristig die Zusage für die Stelle, in der ich nun arbeite. Und kurz danach die Einladung der anderen Klinik zur Hospitation, die ich dann erneut absagte. Sie schrieben mir nicht mal mehr zurück.
Lange Rede. Mir ist total klar dass es holpert, wenn ich an einen neuen Ort ziehe und eine neue Arbeit, ja einen neuen Beruf anfange. Ich reagiere sehr empfindlich darauf, und fühle mich durch den anhaltenden Trauerprozess auch sehr verletzlich. So viele Gedanken an meine Mutter. Manchmal sehe ich Patienten z.b. im Restaurant von hinten und denke: Mama! Dann wird mir klar dass ich sie nie wieder sehen werde und sie mich nie mehr mit meinem Kosenamen ansprechen wird. Und dann taucht die Frage auf: wieso versuche ich diesen Patienten gegenüber, die mit zum Teil mit so massiver Abwehr und Ablehnung begegnen, wohlwollend zu sein? Und wieso habe ich das bei meiner Mutter einfach nicht geschafft? (keine rationale Frage, kognitiv weiß ich was wie wo, und doch...). Manchmal sehe ich einen Rettungswagen auf dem Gelände. Neulich war ich dann aus dem nichts plötzlich wieder in der Notaufnahme und rief laut: "wo ist sie, wo ist sie? Sie darf nicht alleine sterben, sie darf auf gar keinen Fall alleine sterben!" Sehe Schnee vor mir, organges Licht, und ein Auge.
Mein Nervensystem ist dort nach wie vor im Daueralarm, auch wenn ich tagsüber und im Feierabend versuche, so gut wie möglich für mich zu sorgen. Nichts fühlt sich wirklich sicher an. Wie krass diese Daueranspannung ist, wurde mir gestern bewusst als ich hier, in meinem Zuhause, an kam und etwas in mir endlich loslassen konnte. Eigentlich bin ich nur hier um noch Dinge zu packen und zu putzen, nach wie vor ist eine Zwischenvermietung angestrebt, aber ein scheinbar unmögliches Unterfangen.
Die Faktoren, die es dort so schwer machen, bleiben und werden sich nicht verändern. Und es sind Faktoren, die ich in einer anderen Klinik in dieser Form sehr wahrscheinlich nicht hätte. Das hängt mit genau dieser Station (und dem Krankheitsbild) und den Kollegen (was sich auch aus dem Krankheitsbild ergibt, ach scheisse echt schwer zu erklären ohne wirklich konkret zu werden, sorry) zusammen.
Auch erinnere ich mich an die Worte im Vorstellungsgespräch an meinem Ausbildungsinstitut: "wir würden dir mit deiner Vorgeschichte empfehlen, nicht unbedingt in der Psychiatrie zu arbeiten." Und nun spüre ich deutlich, was sie meinten.
Es gibt eben auch Kliniken, die keine Psychiatrien sind, an denen diese PT1 absolviert werden kann. Ich überlege, ob ich mich nun für die zweite Hälfte anderweitig bewerbe. Denn ich habe gelernt, dass man nichts aushalten können muss. Bzw. habe ich das zum Teil auch viel zu viel und viel zu lang gemacht. Ganz vielleicht verändert sich auch noch etwas in mir und somit in der Konstellation und der Situation, die dort ist. Vielleicht aber auch nicht. Und dann weiß ich nicht ob ich das durchziehen muss nur um sagen zu können, ich hab nicht aufgegeben. Es schädigt mich gerade selbst. Ich wachse dabei auch, aber das würde ich (gezielt) andernorts vermutlich auf sanftere Art und Weise. Und hart, das kann ich gerade nicht.
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