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Mittwoch, 29. Dezember 2010
okavanga, 18:24h
Der Anwalt macht mir keine großen Hoffnungen. Im Zweifel läuft es wohl auf ein halbes Monatsgehalt raus.
Arbeitslosengeld bekomme ich keines, weil ich gekündigt habe.
Insofern bleibt mir nichts, außer ganz schnell einen neuen Job zu nehmen. Ohne finanziellen Rahmen ist mir keine einzige Reise möglich, nichtmal der Flug.
Vielleicht dann doch der Job bei meinem Kunden, auch wenn ich auf den überhaupt keine Lust habe: 14-Stunden Tage, 24 Stunden Rufbereitschaft, hoher Druck, hohe Erwartungen, da klopft der Burnout schon beim Gedanken an. Ist ja nicht so, dass ich das Umfeld nicht schon seit 8 Monaten kenne. Fraglich auch, ob er jemanden einstellen würde, der sich bereits gegen ihn entschieden hat. Ich würde es nicht tun. Es schlägt sich nämlich im Engagement nieder.
Und die Wohnung? Meine Möbel? Keine Ahnung.
Wenn das Leben so ist, bin ich einfach zu weich dafür. Ich weiß nicht, warum man sich immer wieder durch die Scheiße kämpft. Nein, es erschließt sich mir nicht. Klar kann man sich jeden Tag aufs neue in die Tasche lügen, dass das alles einen großen tollen Sinn hat, und das Schicksal sich schon was dabei denkt, oder auch nicht, aber letztendlich ist das doch alles ganz prima.
Ist es nicht.
Arbeitslosengeld bekomme ich keines, weil ich gekündigt habe.
Insofern bleibt mir nichts, außer ganz schnell einen neuen Job zu nehmen. Ohne finanziellen Rahmen ist mir keine einzige Reise möglich, nichtmal der Flug.
Vielleicht dann doch der Job bei meinem Kunden, auch wenn ich auf den überhaupt keine Lust habe: 14-Stunden Tage, 24 Stunden Rufbereitschaft, hoher Druck, hohe Erwartungen, da klopft der Burnout schon beim Gedanken an. Ist ja nicht so, dass ich das Umfeld nicht schon seit 8 Monaten kenne. Fraglich auch, ob er jemanden einstellen würde, der sich bereits gegen ihn entschieden hat. Ich würde es nicht tun. Es schlägt sich nämlich im Engagement nieder.
Und die Wohnung? Meine Möbel? Keine Ahnung.
Wenn das Leben so ist, bin ich einfach zu weich dafür. Ich weiß nicht, warum man sich immer wieder durch die Scheiße kämpft. Nein, es erschließt sich mir nicht. Klar kann man sich jeden Tag aufs neue in die Tasche lügen, dass das alles einen großen tollen Sinn hat, und das Schicksal sich schon was dabei denkt, oder auch nicht, aber letztendlich ist das doch alles ganz prima.
Ist es nicht.
Freitag, 24. Dezember 2010
okavanga, 04:51h
„Leben ist das, was passiert,
während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“
John Lennon
Es klingt ausgelutscht, und das weiß ich. Und doch meine ich, das Recht zu haben es sagen zu können. So wie ich meine, mit dem heutigen Tag sämtliche Rechte an allen Sprüche erworben zu haben, die das Leben bisher geschissen hat.
Ich frage Papa, wie seine Geburtstagsfeier gestern war. Er sagt, sie haben sie abgesagt, es gibt keinen Grund zu feiern. Mein Herz gefriert. Mama, denke ich. Wer ist gestorben, frage ich.
Mein Vertrag wurde nicht unterschrieben. Ich komme nach Hause, driving home for Christmas. Freue mich auf die Familie, meinen Vater und seine Frau - meine zukünftige Chefin. Und sie sagen mir in den ersten 5 Minuten, dass mein Vertrag nicht unterschrieben wird. Ein Gesellschafter gibt sein OK nicht. Und das, obwohl ich einen unterschriebenen Vertrag habe. Fassungslosigkeit. Auf allen Seiten.
Ich habe gekündigt. Meine Arbeit. Meine Wohnung. Und bin in 2 Monaten arbeitslos.
Setz dich doch. Sagen sie. Sie weinen beide. Ich auch. Wisst ihr, was das für mich bedeutet? Wisst ihr, was das heißt? Wisst ihr, wie ich mich fühle? Frohe Weihnachten, sage ich, und rufe ein Taxi.
Fahre in meine Heimat-Stammkneipe, treffe einen Kumpel, bestelle einen Schnaps und ein Weizen. Ich kann nicht weinen. Erzähle es ihm kurz, und lass uns über andere Dinge reden. Mein Bruder ruft an. Er kommt. Eine Freundin ruft an. Sie kommt.
Ein Kumpel meines Bruders kommt auch. Klag es ein, sagt er. Sie werden dich freistellen, aber klag wenigstens deine 6 Monate ein. Ja, denke ich, und sage ich. Dieser frauenfeindliche Wichser kriegt mich nicht klein.
Irgendwann gehen mein Bruder und ich zu ihm nach Hause. Er hat sich vor wenigen Tagen von seiner Freundin getrennt. Frohe Weihnachten. Seine ganze Wohnung erinnert ihn an sie. Er hat sich nicht ohne weiteres von ihr getrennt. Und weh tut es, auch wenn es richtig ist. Er erzählt lange über sich und seine Beziehung. Was ist los mit unserer Familie, frage ich ihn, und wir denken an uns, und an unsere Mutter.
Er hält mir einen Work-and-Travel-Prospekt in die Hand. Du musst es antreten, bevor du 31 wirst. Nein, sage ich, ich dachte immer bis 30. Nein sagt er, er hat mit ihnen gesprochen. Wegen sich selbst. Und nun hält er es mir hin. Wenn du klagst, sagt er, dann hast du 6 Monate bezahlte Zeit. Nutz die Chance.
Wir stehen vor seinem Weihnachtsbaum. Seinem ersten Single-Weihnachtsbaum. Er ist wunderschön. Die Lichter gehen nicht, sage ich, und er macht das Deckenlicht aus und die Weihnachtskerzen an. Da stehen wir. Und ich weine. Was soll werden, sage ich. Er nimmt mich fest in den Arm, und sagt: ich bin dein Bruder, und du bist meine Schwester. Ich stehe immer hinter dir, ich bin immer für dich da, wir alle. Wir schaffen das, alles. Und es läuft dieses Lied, your song.
Ich werde diesem Arschloch jeden Tag eine Postkarte aus der Welt schreiben: Danke.
Du hörst so beschissen auf, wie du angefangen hast. Verpiss dich, 2010.
Mittwoch, 22. Dezember 2010
okavanga, 00:10h
Mache mir Gedanken über meine Außenwirkung. Werde im Projekt wiederholt gefragt, wie ich denn so lange wach bleibe wenn ich feiern gehe. Der PL ist hier besonders hartnäckig. Ich sag immer nur noch: naja so wie du, wenn du in Hamburch um 7 Uhr morgens ins Hotel stolperst. Habe das Gefühl, er glaubt mir nicht. Oder er auch so seine Methoden.
Fragt heute der andere: ach, haste grad eine geraucht? Ich: nein nein (wohl wissend, dass ich nach Rauch stinke, deswegen mit ironischem Unterton). Er: ach neee, die hat sicher einen gekifft!
Ich sehe harmlos aus, wirklich.
Aber die Party am Samstag, die war wirklich der absolute Knaller. H*Q-P*arty im so nem .. ist ja auch egal. Mit Sup*erFl*u und anderen Brettern. Rein musiktechnisch. Weniger erbaulich: wir waren alt dort. Wirklich alt. Und wäre es nicht eine solche Party gewesen, dann hätte ich schwören können dass sich auch dort der ein oder andere die gleiche Frage stellt wie mein PL.
----------------------------------------------------
Der Bass bahnt sich seinen Weg durch die Füße über den Unterleib mitten ins Herz. Tanzende Körper, seiner und meiner, Küsse und Innehalten, im Einklang mit der Musik, für diesen Moment, diese Momente.
Die Schneestille am Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, wenn man den "Club" verlässt, weil die Musik so gut ist, dass man sie nicht mehr aushalten kann. Weil sie die Seele zerreisst. An meiner linken Hand F., unsere Fußspuren in fast unberührtem Weiß.
Zu Hause in seiner Badewanne nichts mehr verstehen und doch wissen, dass nichts anders sein dürfte für jetzt, in den verspiegelten Fliesen sehe ich tiefe schwarze Augenringe, von Mascara gemalt, und ich finde mich schön. "Ich bin im Uterus und will nie wieder raus", strahle ich ihn an, und er schüttelt den Kopf und lächelt mich an.
Draußen schneit es weiter. Still, alles ist still. Phänomenal. Ein kleines Paralleluniversum, das nicht in mein Leben passt.
Fragt heute der andere: ach, haste grad eine geraucht? Ich: nein nein (wohl wissend, dass ich nach Rauch stinke, deswegen mit ironischem Unterton). Er: ach neee, die hat sicher einen gekifft!
Ich sehe harmlos aus, wirklich.
Aber die Party am Samstag, die war wirklich der absolute Knaller. H*Q-P*arty im so nem .. ist ja auch egal. Mit Sup*erFl*u und anderen Brettern. Rein musiktechnisch. Weniger erbaulich: wir waren alt dort. Wirklich alt. Und wäre es nicht eine solche Party gewesen, dann hätte ich schwören können dass sich auch dort der ein oder andere die gleiche Frage stellt wie mein PL.
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Der Bass bahnt sich seinen Weg durch die Füße über den Unterleib mitten ins Herz. Tanzende Körper, seiner und meiner, Küsse und Innehalten, im Einklang mit der Musik, für diesen Moment, diese Momente.
Die Schneestille am Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, wenn man den "Club" verlässt, weil die Musik so gut ist, dass man sie nicht mehr aushalten kann. Weil sie die Seele zerreisst. An meiner linken Hand F., unsere Fußspuren in fast unberührtem Weiß.
Zu Hause in seiner Badewanne nichts mehr verstehen und doch wissen, dass nichts anders sein dürfte für jetzt, in den verspiegelten Fliesen sehe ich tiefe schwarze Augenringe, von Mascara gemalt, und ich finde mich schön. "Ich bin im Uterus und will nie wieder raus", strahle ich ihn an, und er schüttelt den Kopf und lächelt mich an.
Draußen schneit es weiter. Still, alles ist still. Phänomenal. Ein kleines Paralleluniversum, das nicht in mein Leben passt.
Freitag, 17. Dezember 2010
okavanga, 17:12h
Hier is ja auch nix mehr los. Weiß auch gar nicht was ich schreiben soll. Jeder Tag in der Arbeit bestätigt mich in meiner Kündigung. Wohnungssuche läuft. Freu mich auf die neue Aufgabe. Joa. Ne. So wie das halt so is. Alles. Wa. Für mich selbst wär es irgendwie gut, wenn das Blog ausläuft. Ist ja ne Auskotzstätte. Schön, wenns nichts mehr soviel zu sagen gibt.
Und mit der Mutter. Naja. Wie das halt so ist. Alles. Wa.
Und mit der Mutter. Naja. Wie das halt so ist. Alles. Wa.
Dienstag, 7. Dezember 2010
Wei(h)nachten
okavanga, 23:47h
Ich bin ja ein sehr rühriger Mensch, im Dezember. Das hält bis zum 2. Januar an, in etwa.
Dieses Jahr ist es besonders schlimm. Es hat weniger etwas zu tun mit dem Weihnachten wie es in den Kaufhäusern, Schaufenstern und Blinkfenstern zelebriert wird. Es ist vielmehr, dass in mir etwas still wird, und dafür etwas anderes sehr laut. Das Leise. Das Leise, Weiche. Eine Einkehr, vielleicht.
Die ganzen Weihnachtslieder, die gehen mir ans Herz. Nicht die englischen. Die deutschen, stinknormalen Weihnachtslieder. Stille Nacht, Heilige Nacht. Leise rieselt der Schnee. Oh du Fröhliche. Es ist ein Ros entsprungen. Ich kann gar nix tun, ich muss einfach weinen.
Es ist immer, als würde ich etwas loslassen. Vielleicht das Jahr. Ich weiß es nicht. Vielleicht erlaube ich meinen Gedanken aber auch einfach dahin zu wandern, wo sie sonst nicht so oft hinkommen. Bewusst wie unbewusst. Auf stille Friedhöfe, wo Gräber unter Schnee so viele Geheimnisse bewahren.
Ich bin nicht gut im Loslassen. Und das war mir noch nie so bewusst wie in diesem Dezember. Das Jahr ließe sich unter "Loslassen" zusammenfassen.
Meinen Job loslassen. Kündigen. Menschen loslassen. Meinen "Ziehvater". Eine Stadt loslassen, und mit ihr mein gesamtes Umfeld. Mein kleines perfektes Privatuniversum. So genial sie war, so traurig war diese letzte Weihnachtsfeier. Kurz saß ich still auf der Toilette, während der übrige harte Kern von 20 Kollegen im Rh*d*s die Puppen tanzen ließ.
Den kleinen Professor loslassen, endlich, endgültig. Und damit auch etwas von mir loslassen.
Die Idee von einer Freundschaft loslassen, um vielleicht Platz für eine andere Art von Beziehung zu schaffen.
Und eine Mutter loslassen, wie ich sie kannte. Das war und ist immer noch sicher das Schwerste.
Ich habe Angst. Vielleicht ist es auch einfach nur das, immer wieder, im Dezember. Angst vor dem Loslassen.
An dieser Stelle habe ich gerade noch viele Sätze getippt, und sie alle wieder gelöscht. Vielleicht muss man manchmal auch einfach nur weinen. Ganz tief drin, da bin ich Kind, im Dezember... nicht irgend eins. Sondern Ich Kind.
Dieses Jahr ist es besonders schlimm. Es hat weniger etwas zu tun mit dem Weihnachten wie es in den Kaufhäusern, Schaufenstern und Blinkfenstern zelebriert wird. Es ist vielmehr, dass in mir etwas still wird, und dafür etwas anderes sehr laut. Das Leise. Das Leise, Weiche. Eine Einkehr, vielleicht.
Die ganzen Weihnachtslieder, die gehen mir ans Herz. Nicht die englischen. Die deutschen, stinknormalen Weihnachtslieder. Stille Nacht, Heilige Nacht. Leise rieselt der Schnee. Oh du Fröhliche. Es ist ein Ros entsprungen. Ich kann gar nix tun, ich muss einfach weinen.
Es ist immer, als würde ich etwas loslassen. Vielleicht das Jahr. Ich weiß es nicht. Vielleicht erlaube ich meinen Gedanken aber auch einfach dahin zu wandern, wo sie sonst nicht so oft hinkommen. Bewusst wie unbewusst. Auf stille Friedhöfe, wo Gräber unter Schnee so viele Geheimnisse bewahren.
Ich bin nicht gut im Loslassen. Und das war mir noch nie so bewusst wie in diesem Dezember. Das Jahr ließe sich unter "Loslassen" zusammenfassen.
Meinen Job loslassen. Kündigen. Menschen loslassen. Meinen "Ziehvater". Eine Stadt loslassen, und mit ihr mein gesamtes Umfeld. Mein kleines perfektes Privatuniversum. So genial sie war, so traurig war diese letzte Weihnachtsfeier. Kurz saß ich still auf der Toilette, während der übrige harte Kern von 20 Kollegen im Rh*d*s die Puppen tanzen ließ.
Den kleinen Professor loslassen, endlich, endgültig. Und damit auch etwas von mir loslassen.
Die Idee von einer Freundschaft loslassen, um vielleicht Platz für eine andere Art von Beziehung zu schaffen.
Und eine Mutter loslassen, wie ich sie kannte. Das war und ist immer noch sicher das Schwerste.
Ich habe Angst. Vielleicht ist es auch einfach nur das, immer wieder, im Dezember. Angst vor dem Loslassen.
An dieser Stelle habe ich gerade noch viele Sätze getippt, und sie alle wieder gelöscht. Vielleicht muss man manchmal auch einfach nur weinen. Ganz tief drin, da bin ich Kind, im Dezember... nicht irgend eins. Sondern Ich Kind.
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