Montag, 17. Mai 2021
Was gerade sehr anstrengt, ist meine Mutter. Will mich für den gesamten Nachmittag zu sich abkommandieren weil sie die zweite Impfung hatte. Irgendwie kann ich das verstehen, aber vereinbart war das nicht, ich kann dort auch nicht arbeiten. Mein Bruder hatte sie hin und zurückgefahren, ich ging davon aus, dass er sich kümmert, und gerade war auch (planmäßig) jemand vom sozialen Dienst dort. Sie hat einen Notfallknopf und alles. Aber so ist das dann wohl. Sie ist jemand, der sich arg in Dinge reinsteigert, sobald die Spritze im Arm ist, sitzt sie da und lauscht auf innere Körpervorgänge. Dann isst sie vorher nichts und meint, ihr ist schwindelig von der Spritze. Mein Bruder hat ihr Brote gemacht, die will sie nicht. Ich soll ihr jetzt anderes Brot mitbringen, und Wurst.

Ich hab keine Ahnung wie manche es schaffen sich zwischen Arbeit, Kindern und Pflegebedürftigen zu zerteilen. Mich würde das killen. Vielleicht (wahrscheinlich) liegt es an unserer Historie, dass meine Aufopferungsbereitschaft etwas eingeschränkt ist. Klinge wie ein totales assi Kind. Kanns nicht ändern. Komm gerade kaum mit mir selbst zurecht.


[Edit] Völlig erledigt. Die Frau laugt mich aus. Morgen sage ich ihr, dass ich leider in den nächsten 2 Wochen nicht verfügbar bin, außer es geht um Leben und Tod. Sie spielt meinen Bruder und mich krass gegeneinander aus. Überhaupt. Rührt an den ganzen Urschleim. Weg damit, weg weg. Gar keine Zeit und Energie dafür. Morgen antworte ich auf Ihre Kommentare, lieben Dank dafür derweil! <3

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Uff. Die Ärztin diskutiert gar nicht lange. Gleich kläre ich mit der Sprechstunde, wie wir das so hinbekommen, dass ich das direkt digital bei der Uni einreichen kann. Es ist eine Galgenfrist, es ist eine Erleichterung. Das Gefühl der Scham und das schlechte Gewissen versuche ich von mir zu schieben.

Den Morgenanruf von N. gab es bereits. Sie meldet sich am Nachmittag wieder.

Das Schreiben am Vormittag war chaotisch. Aber es war ein Schreiben. Leise Zuversicht meldet sich an.

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Sonntag, 16. Mai 2021
Heute dann ein sehr kurioser .. Anfall, nenne ich das mal. Beängstigend. Lang geduscht, dann kam Katinka vorbei. Dann wurde es besser. Eben mit N. telefoniert, sie schreibt momentan am Ende ihrer langjährigen Diss und hat schon den ein oder anderen Freund durch Magisterarbeiten & Co gezogen, was Struktur und Motivation angeht, ich glaube der worst case war mal innerhalb einer Woche. Sie hat mich nun mit erster Hilfe versorgt. Ab morgen gibts dann tägliche Telefonate.

Irre, was dieses Schreiben oder auch Nichtschreiben mit einem machen kann.

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Samstag, 15. Mai 2021
Das Fallen fängt wieder an. Nachts, aber auch tagsüber. Am schlimmsten ist es aber beim Aufwachen (und ich wache oft auf weil ich schlecht schlafe). Ich hasse dieses Gefühl.

Am Montag rufe ich die Ärztin an. Mir ist das gerade alles zuviel. Über einiges davon schreibe ich hier auch nicht, noch nicht, vielleicht, keine Ahnung. In jedem Fall ist das alles gerade zuviel.

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Donnerstag, 13. Mai 2021
Wütend, auf diese Familie, und auf mich. Darauf, dass mir immer wieder der Eindruck vermittelt wird, ich sei komisch, und darauf, dass ich das so lange angenommen habe, dass es fest in meinem System verankert ist. Es ist für mich schwierig in meiner Minderheitsposition zu glauben, dass ich entgegen der Mehrheitsmeinung doch nicht die Komische bin. Die Mehrheit hat recht. So fühlt sich das an, schon immer.

V. meinte jüngst, dass er mich als ziemlich normal empfindet, meine Familien hingegen als komisch. Klar, als mein Freund ist er vermutlich auch relativ solidarisch, doch er ist auch jemand, der sich nicht scheut mal den Spiegel vorzuhalten. V. war damals mein Begleiter bei DER Hochzeit. Insofern hat er zumindest doch in einer sehr speziellen Extremsituation einiges mitbekommen, über mich, und über diese Familie. In der Vergangenheit hatte ich immer mal wieder überlegt, ob ich hier von der Hochzeit schreibe. Aber nein, das werde ich nicht, nie. Vielleicht weil es in jeder Hinsicht so entlarvend, entblößend ist.

Zumindest wurde mir klar, warum Meister Yoda vor meinem Umsiedeln betonte, dass er diesen Schritt sehr mutig findet. Das Gute ist: ich habe beschlossen ab sofort gar keine Zeit mehr für sowas zu haben. Das muss alles warten bis nach der BA. Und bis dahin nehme ich einfach an, dass ich schon gut so bin wie ich bin.

[Oh man. Ich bin so blöd. Wann merke ich es mir einfach mal. Ja, mutig, echt mutig. Eigentlich schon fast dumm.]

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Mittwoch, 12. Mai 2021
Gestern war mir gar nicht wirklich bewusst, dass es diese Familienkonstellation zuletzt bei sagenumwobener Hochzeit gab. Kein Wunder, dass mir schon vorher kotzübel war. Seit gestern träufelt das Gift langsam in meinen Kreislauf. Es bleibt das Fremdkörpergefühl. Falsch zu sein, dort. Ansich? Nicht Heimat und nicht Fremde. Dort aber fremd.

~ Herbert Grönemeyer - Zum Meer

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Sonntag, 4. April 2021
Wie seltsam, wie sonderbar.
Heute mit einer Bekannten getroffen zum Osterbrunch. Wir testeten uns und verbrachten, da beide Tests negativ, den Tag zusammen bei Völlerei.

Bis es dann komisch wurde.

Nein ich merke ich kann hier nicht so ganz detailliert darüber reden. Aber mal ein ... Versuch.

Ich merke, womit ich zunehmend ein Problem habe: wenn Menschen ganz schnell judgy werden und andere Menschen verurteilen für einen Fehler, vielleicht für eine Naivität oder Dummheit (z.B. sinnlos [privates] Geld zu verbrennen wie vielleicht bei Ollis Hausboot), und andererseits darum bitten nicht verurteilt zu werden für eigene Dummheiten [z.B. aus Gründen die ich nich darlegen kann/mag ein Tier wie sagen wir eine Katze zu schlagen - wobei ich hier schon nicht mehr von Dummheit sprechen möchte, sondern von einer Straftat].

Ich glaube, dass ich sehr sehr viel Verständnis dafür haben, wenn Menschen Fehler begehen. Naiv sind. Dinge wagen, die auf den zweiten Blick echt bescheuert wirken (wie dieses Boot kaufen, aber auch für ganz andere, viel persönlichere Dinge, wenn z.B. im Streit Dinge eskalieren). Wir sind Menschen, wir machen Fehler, alle. Wir haben Träume, Ideale. Ich finde es mutig, wenn jemand versucht sie zu verwirklichen, auch dann, wenn er sein vermeintliches oder temporäres Scheitern zu Geld macht - oder auch nicht.

Als mir von der Tierschändung erzählt wurde, habe ich heute Nachmittag sehr, SEHR geschluckt. Trotzdem habe ich versucht mir das anzuhören und zu verstehen wie es dazu kam. Ich habe versucht die Person nicht dafür zu verurteilen. Auch ich hatte ja die Situation, in der ich meine Katze angebrüllt habe. Die Konsequenzen waren damals traurig, tragisch, ich habe mich sehr geschämt, inzwischen konnten wir (die Katze und ich, ich weiß wie komisch das klingt) kitten. Ich weiß, woher es kam, wieso das so war, und weiteres worüber ich hier nicht sprechen mag. Aber ich weiß nicht, ob ich jemals Hand erhoben hätte gegenüber einem Lebewesen (Gläser bekamen dagegen durchaus schon meine Wut zu spüren). Naja machts auch nicht besser. Gewalt ist Gewalt.

Jedenfalls: ich habe versucht nicht zu verurteilen und so ging der Tag dahin, bis ich vorhin von dieser Doku erzählte, einfach nur so, weil ich sie menschlich so unglaublich spanned fand, und daraufhin ging die Bekannte so krass ab, dass ich mir dachte: was mich so richtig ankotzt ist das schnelle Verurteilen von Menschen (deren Doku sie selbst gar nicht gesehen hatte). Ich meinte nach längerer Diskussion, dass ich ihr von ganzem Herzen wünsche, dass ihr Menschen begegnen, die sie nicht so schnell für Fehler verurteilen (die keinem anderen Menschen wehtun, also, die haben einfach nur Geld verschleudert, und ob das verschleudert ist, wenn man die Vision dann einfach durchzieht, weiß ich auch nicht genau), wie sie es mit anderen tut, und dann bin ich gegangen. Ich kann mir sowas nicht mehr ohne Limit geben.

Es ist sowieso so, dass das heute völlig anders lief, als gewollt, gedacht. Ich wollte einen fröhlichen Tag, einen lustigen, wo man einfach mal gemeinsam eine gute Zeit verbringt. Wieder einmal wurde (nicht von meiner Seite) deep shit talk initiiert mit Weinen, Vergangenheitsbewältigung, und so weiter. Ich kann das nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich suche Menschen, mit denen man auch einfach mal eine gute Zeit haben kann. Und ich bin echt die letzte, die Traurigkeit oder tiefen GEsprächen keinen Raum gibt.

Aber kennen Sie das, wenn das einfach immer wieder in eine Richtung geht, bei der Sie einfach nur Bauchschmerzen bekommen, weil Sie sich denken: es ist Ostern, fucking hell, bitte nicht schon wieder?

Egal. Egal. Ich kann es ganz schwer erklären, weil ich über vorherige Zusammenkünfte nicht berichtete.

Ich hab keinen Bock mehr nur deep shit Mülleimer zu sein, der um Verständnis gebeten wird. Wohingegen das andere dann einfach schon aus Ollis Hausboot ein gesamtgesellschaftliches Problem macht. Mehr kann ich hier echt nicht mehr erläutern, zu müde.

Egal, aber ich glaub diese Person tut mir nicht gut.

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Dienstag, 2. März 2021
In the country.
V. hat angeboten mir eine kleine Wohnung auf dem Bauernhof seiner Eltern zu überlassen. Sein Vater hat Bilder gemacht, die V. mir weitergeleitet hat. Die Räumlichkeiten sind besser als angekündigt. In jedem Fall kein Luxusappartment, eher etwas dunkel, dürftig eingerichtet, kleine Küche, eher kalt, mein V., aber es kann wohl mit Strom geheizt werden, außerdem gibt es einen kleinen Kamin zum Heizen mit Holz.

Der Platz wäre ausreichend für die Katze und mich, und was brauchen wir schon groß?
Vor allem Internetzugang - und das ist gerade das einzige Problem, es gibt dort keinen. Zwar habe ich eine Datenkarte im PC, die wird aber für Arbeit und Uni inkl. Calls nicht ausreichen.

Haben Sie eine Idee, wie man temporär Wlan in ein Gebäude kriegt?

Wäre kein Corona, könnte ich sicher die Räumlichkeiten der FH nutzen. Vielleicht rufe ich mal an und frage, ob ich dort arbeiten könnte. Mein Vater hat das auch angeboten, dort gäbe es das Gästezimmer mit Schreibtisch, ansich total gut. Aber möchte ich jeden Tag bei meinem Vater sitzen? Und es wäre so gut wie jeden Tag, Arbeit und Bachelorarbeit machen es notwendig.

Bezahlen müsste ich bei V.'s Eltern nur die Nebenkosten, was mir die Zwischenvermietung meiner Wohnung ersparen würde, und das wäre fantastisch, wenn ich mir da die bisherigen Anfragen ansehe...

In jedem Fall wäre es ruhig gelegen, direkt an Feld und Wald, Fuchs und Hase sagen sich Gute Nacht. Gott was wäre das toll.

Meine Mutter hat mir bereits ihr Auto für diese Zeit angeboten. Sie selbst fährt aufgrund ihres gesundheitlichen Zustands eh kaum mehr. Ich müsste sie nur ab und zu zu Ärzten oder Einkaufen fahren. Das mache ich gerne. Ein Grund, warum ich mal wieder in die Heimat möchte, ist unter anderem auch die Nähe zu meiner Mutter, egal was früher war. Irgendwann denke ich sonst vielleicht: hätte ich mal. Das hatte ich beim Meister und bei dem Kameramann, und die standen mir nicht so nahe wie meine Mutter, also: lieber einfach mal machen.

Am Donnerstag oder Freitag werde ich in die Heimat fahren, V. kommt auch, stellt mich seinen Eltern vor (hihi, wie das klingt) und ich kann mir alles mal vor Ort ansehen. Bin etwas aufgeregt. Aber es fühlt sich gut an, in Bewegung zu kommen.

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Samstag, 27. Februar 2021
Sich fühlen. Mich fühlen.
Gestern einer Bekannten beim Umzug geholfen (natürlich mit Masken & Co.). Dann eigene Wohnung auf Vordermann gebracht, dabei Radio gehört und bei einem Track floss plötzlich eine Energie durch mich hindurch, wie ich sie lange nicht gespürt hatte. Ich erinnerte mich, wer ich eigentlich bin, nicht nur ein rationales Erinnern, vielmehr komplett mit Körper, Psyche und Geist, und das war nach letzten furchtbaren Wochen, ja auch nach den ganzen Pandemiemonaten, die sich anfühlen als wäre man in einem Kokon durch den kaum mehr etwas dringt, ein überwältigendes Gefühl. Ich freue mich auf die Wiedergeburt nach der Entpuppung. Irgendwann wird das kommen, irgendwann schlüpfen wir aus dieser Pandemie. Vielleicht zwar direkt in die nächste, aber hey.. ;-) Es geht immer weiter.

~ Fatboy Slim - Right Here, Right Now

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Lage.
So wie mach ich das jetzt einigermaßen kurz.

Der Besuch bei der Hausärztin ergab einen großen Verdacht in Richtung Psychosomatik, befeuert durch die Angstschraube Schizophrenie. "Können Sie nicht mit etwas anderem somatisieren", fragte sie mit einem kleinen Lächeln. Leider nein, aber gut. "Ihr Mantra ist nun: ich bin nicht meine Mutter. Das ist etwas ganz anderes als bei meiner Mutter." Sie hört aufmerksam zu, nimmt sich Zeit, bringt doch auch noch mal den Neurologen ins Spiel, vorsichtshalber. Einmal, falls etwas eingeklemmt/blockiert sein sollte Richtung Rücken oder Beine, zum anderen vielleicht doch wg. restless legs. Termine aufgrund Corona tatsächlich sehr schwierig.

Doch, so sagt sie, als sie sich angehört hat wie und wann das anfing und was mich so aufregt und wie sich diese Aufregung initial äußerte, es klingt für sie sehr nach einem Stresssymptom, dass sich nun ein bisschen verselbstständigt hat.

Eigentlich möchte sie mir keine Medikamente geben, als ich meine, dass ich richtig Angst habe in meine Wohnung zu gehen und davor, wieder nicht gut schlafen zu können, meint sie, dass ich das jetzt nicht mit ihr diskutieren soll, sondern einfach von diesen Tabletten, die ein bisschen sedieren, aber keine Schlaftabletten sind, 4 Abende jeweils eine nehmen soll. Den Namen mag ich hier jetzt nicht hinschreiben, es steht zu ihnen geschrieben: "eingesetzt bei Verstimmungszuständen einhergehend mit Angst, Unruhe, Spannung, Schlafstörungen oder Depression [...] bei generalisierter Angststörung und somatoformen Störungen".

So ganz mag ich da immer noch nicht glauben, dass das alles nur psychosomatisch ist, doch ich fühle mich gut aufgehoben, in guten Händen, ernst genommen. Die Zuversicht steigt.

Abends bin ich fix und fertig, vielleicht auch weil viel Anspannung abfällt, ich habe das bei einer Profi adressiert, Dinge sind auf dem Weg. Ich nehme eine Tablette und bin völlig weggebeamt. Am Samstag schlafe ich bis 10 Uhr, ich geister durch den Tag. Eindruck: krass, vielleicht echt psychosomatisch? In der Nacht kaum etwas gemerkt. Ich rufe meinen Chef an, ja, am Samstag, egal, ich weiß dass ich das tun kann. Erzähle ihm von dem Stresssymtom, muss weinen, meine Nerven sind echt durch, es ist mir unangenehm, aber egal. Ich bespreche mit ihm, dass ich gerne ins Büro möchte wann immer es geht, auch an den Tagen, an denen ich nicht arbeite, um ggf. für die Uni zu arbeiten. Er verspricht es mit dem Standortleiter zu klären. Auch bei ihm fühle ich mich gut aufgehoben. Er lacht nicht, nimmt das völlig ernst, ist besorgt, möchte helfen. Ich weine nach dem Gespräch, auch vor Erleichterung.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es dann trotz Tabletten totale Katastrophe. Ich lasse mich nicht beirren, radel am Sonntag aus der Stadt raus, wander lange durch den Dossenwald, radel abends nach Hause. Das hat irre gut getan. Es folgt eine gute Nacht, doch merke ich am nächsten Tag, dass es tatsächlich so ist, wie die Ärztin vermutet hat: ich wache nicht vom Vibrieren auf, sondern von Aufwachgeräuschen im Haus und antworte mit Vibrieren/Stress. Doch es ist viel schwächer als noch vorher. Vermutlich sind es die Tabletten, in Kombination damit, dass ich beschlossen habe, der Angelegenheit nun mit Ruhe zu begegnen. Es ist wie es ist. Egal was es ist, alles wird, muss gut werden.

Den Montag verbringe ich auch außerhalb der Stadt, Richtung Riedwiesen bei Brühl am Rhein, leider kann ich die gewählte Strecke nicht wandern, noch sind Bereiche aufgrund Hochwasser gesperrt. Damit hatte ich nicht gerechnet, der Neckar hat sich völlig entspannt. Ich genieße das Vogelgezwitscher, lasse mich von der Sonne küssen, sitze lange an einem See und erfreue mich an der Natur. Auf einem Baum breitet ein Vogel weit seine Flügel aus und lässt sie trocknen. Die folgende Nacht auf Dienstag ist göttlich. Derweil ruft mein Chef an, mit dem Standortleiter geht es auch klar. Ich darf, unter Berücksichtigung aller Anmelde-Prozeduren und Corona-Maßnahmen ins Büro wann immer ich will. Wieder muss ich weinen vor Erleichterung. Alles was mir hilft Abstand von der Wohnung zu bekommen, erscheint mir wie ein Rettungsanker. Mein Chef erzählt außerdem, dass es mir nicht unangenehm sein muss. Die Situation frisst an allen, bei manchen Mitarbeitern sei es noch heftiger als bei mir, manche müssen sie komplett über den gesamten Tag begleiten. Ich frage nicht nach, was genau das bedeutet, aber es klingt nicht gut.

Von Dienstag bis Donnerstag bin ich jeweisl ganztags im Büro. Das kribbeln in der Wirbelsäule nimmt stark ab, die Nächte sind im Vergleich zu den letzten Wochen ein Traum, wenn auch noch unruhig. Die Tabletten habe ich nur von Fr. bis Mo. genommen, dann nicht mehr. Es geht ganz gut.

Am Dienstag war auch Meister Yoda. Das muss ich nochmal extra schreiben, das ist mir gerade inhaltlich und auch vom Umfang her zuviel. Aber für mich selbst möchte ich es auf jeden Fall noch aufschreiben. Ich denke, es ist wichtig, dass ich diese Gedanken dazu irgendwo festhalte.

Inzwischen bin ich mir sicher, dass ich trotz allem mehr wahrnehme/fühle als vor einigen Wochen. Das kommt sicher auch daher, dass ich die ganze Zeit verstärkt in mich und die Umgebung hineingelauscht habe, um endlich festzustellen, was das ist. Heißt: ja, da ist ein Stresssymptom, zusätzlich reagiere ich total empfindlich auf Schwingung, Vibration, Geräusche, sowohl meine eigenen (Herzschlag, Puls) als auch die des Gebäudes (es schwingt halt wirklich, wenn Leute gehen, und es vibriert, wenn Autos vorbeifahren, etc.).

Es hat sich so ein Knäuel an Faktoren gefunden und in einem Knäuel an Symptomen geäußert. Das ist jetzt alles noch nicht weg, aber VIEL besser als noch vor 1 Woche.

Nun werde ich versuchen meine Wohnung zur Zwischenmiete loszukriegen, damit ich einige Monate in die Heimat kann. Ich glaube, Abstand, Ruhe und Natur werden mir gut tun.

Ich bin sehr dankbar für die Hausärztin, für Meister Yoda, für meinen Chef und das Verständnis der Firma, so oft ich auch über sie schimpfen mag, da sind sie wirklich klasse. Ich bin dankbar für dieses Blog, dafür dass Sie mitlesen, dass sie Tipps und Ideen geben, da sind, Zuspruch spenden. Danke sehr.

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