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Sonntag, 1. Mai 2011
Liebe Sturmfrau...
okavanga, 22:32h
...ich bin hin- und hergerissen was deine Frage angeht und die Beurteilung des "Lapidar"-Grades meiner Familie.
Mein Bruder, zum Beispiel, der fängt viel ab und ist viel häufiger als ich mit meiner Mutter konfrontiert als ich. Was allein schon daher rührt, dass er noch in der gleichen Stadt wohnt wie sie. Positiv bedingt dadurch ist vermutlich ein irgendwie "besseres" Verhältnis zwischen ihm und ihr. Er ist irgendwie natürlicher (wenn man das überhaupt sagen kann) in diese Situation hineingewachsen als ich. Nichtsdestotrotz berührt es ihn genauso wie mich, denke ich, und er ist genauso überfordert, nur schlummert in ihm derzeit eine ganz akute Hilflosigkeit, und ich denke, dass es uns da ähnlich geht. Nur hat er gerade (und ich vermute stark aus Selbstschutz) ein bisschen die Hände in verzweifelter/resignierter Abwehrhaltung.
Viel ausgeprägter ist das von mir empfundene Gefühl der Gleichgültigkeit, das mir mein Vater und seine Frau (auch meine Chefin, was sich derzeit für mich als schwierig gestaltet, aber davon ein ander mal) vermitteln. Sie sagt zum Beispiel Dinge wie: "Deine Mutter ist jetzt in Großhadern. Dein Bruder hat ihr die Bedingung gestellt, dass sie ihm nicht 3 Stunden lang auf der Fahrt dorthin ihr Zeug erzählt, und sie hat sich daran gehalten". Und das sagt sie mit einem gewissen Lächeln. Bestimmt nicht bösartig. Und trotzdem. Und ich denke mir: für euch ist die Hauptsache, dass sie die Fresse hält. Versteht ihr nicht, dass diese Frau jeden Tag durch die Hölle geht. Warum machen wir es uns alle so leicht. Für mich ist es damit nicht getan. Hört auf so über sie zu reden.
Aus Sicht meines Bruders ist es absolut korrekt, dass er ihr das sagt. Und es ist auch wichtig, so auch das Feedback, das ich von der Leiterin einer Selbsthilfegruppe bekommen hatte, das ist schon länger her. Sie hat einen Sohn mit paranoider Schizophrenie und wies darauf hin, dass es wichtig für die Betroffenen ist zu reden, aber dass man Limits setzen muss, weil man sonst wirklich absäuft, und es belastet das Verhältnis extrem. Insofern hat er alles richtig gemacht aus meiner Sicht. Schade finde ich, wie man es mir erzählt.
Mein Vater sagt: "Sie arbeitet ja auch noch, was sollen wir machen" und meint damit glaub ich auch: wir wissen alle, dass sie im erneuten längeren Krankheitsfall keine Lohnfortzahlungen hat. Was sollen wir tun. Sie der Arbeitslosigkeit bzw. Sozialhilfe aussetzen?
Hier müssten wir uns (alle, zumindest mein Bruder und ich) viel besser informieren. Kann es wirklich sein, dass jemand mit einer solchen Krankheit nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in die Sozialhilfe fällt und anschließend eine nicht vollständige Rente erhält?
Aber auch ich kümmer mich nicht. Ich schiebe es so oft so weit weg von mir. Bis immer wieder etwas kommt, um das ich nicht drumrum komme. Etwas, das mir wieder das Brett vor den Kopf schleudert: das gehört einfach zu deinem Leben.
Ich möchte auf meine Familie nicht mit dem Finger zeigen, weil ich selbst unter meinen Möglichkeiten bleibe. Aber ich habe das Gefühl, wenn ich das Gespräch und Möglichkeiten suche mit ihnen, dann werden mir nicht unbedingt Hände gereicht. Und das macht es mir gerade sehr schwer. Denn auch mein Kumpel, der in der Psy*chiatrie Er*langen arbeitet, meint: ihr müsst alle an einem Strang ziehen. Das fühle ich gerade nicht. Aber ich glaube, dass es aus Hoffnungs- und Hilflosigkeit resultiert. Nicht aus Unwille. Und auch daraus, dass es unangenehm ist. Es tut weh.
Das schlimmste ist tatsächlich der komplette Verlust der Bindung zu meiner Mutter. Ein immerwährendes Abschiednehmen, Gewöhnen an eine Situation. Bzw. nicht nur das, sondern eigentlich auch Kämpfen gegen diese Situation (mir fehlt die Kraft so oft). Meine Mama fehlt mir so sehr. Die nervigen Fragen, ob ich Socken brauche. Ob ich zum Essen komme. Ob wir Radfahren. Und selbst wenn sie so etwas fragt (sagt), wie "ich komme dich besuchen", dann stellen sich mir alle Haare auf. Weil ich dann ständig eine Person vor mir habe, die ich nicht mehr erkenne. Und die ich doch so sehr liebe. Mir tut das alles zu sehr weh, als dass ich mich damit beschäftigen könnte, aber es ist ein Teufelskreis.
Letzte Woche kam etwas dazu. Meine beste Freundin arbeitet bei einer Bu*ndes*ta*gsabgeordn*eten der Grü*nen (das weiß meine Mama nicht - Ironie des Schicksals). Und sie hat mich angerufen. Und gesagt, dass meine Mutter an dieses Büro geschrieben hat. Sie hat mir die Unterlagen gesendet und käme sicher in Teufels Küche, wenn rauskäme, dass sie Unterlagen aus dem Büro gegeben hat. Aber sie meinte: "Oka. Du bist meine Freundin. Und ich finde, du solltest das alles wissen."
Die Inhalte des Schreibens haben mich nicht überrascht. Und fast erleichtert war ich, dass sie nun vielleicht eine konkretere Vorstellung davon hat, was mit meiner Mama ist. Man kann es sonst so schwer vermitteln.
Sie hat an so viele Stellen geschrieben. Es würde mich nicht wundern wenn meine Mutter deutschlandweit irgendwann an sämtlichen Ämtern/ Stellen so bekannt ist wie ein bunter Hund. Staatsanwälte, Ärztekammern, Institute, Polizei, Presse.
Ich würde mir einen Hafen, Ruhepunkt auch sehr wünschen. Habe mich am Freitag nach einer Gruppe erkundigt, Rückmeldung erhalten und heute telefoniert. Wenn mir die Gruppe zusagt, werde ich dort ab dem 9.5. immer aufschlagen. Und hoffen, hoffen, hoffen. Ich hätt gern meine Mama zurück, solang sie noch lebt.
Danke, ich schätze Ihre Kommentare sehr, allein schon, weil Sie mich immer so zum Nachdenken anregen. Und solche Gedanken wie geschrieben nach sich ziehen. Manchmal brauche ich einfach die richtigen Fragen.
Mein Bruder, zum Beispiel, der fängt viel ab und ist viel häufiger als ich mit meiner Mutter konfrontiert als ich. Was allein schon daher rührt, dass er noch in der gleichen Stadt wohnt wie sie. Positiv bedingt dadurch ist vermutlich ein irgendwie "besseres" Verhältnis zwischen ihm und ihr. Er ist irgendwie natürlicher (wenn man das überhaupt sagen kann) in diese Situation hineingewachsen als ich. Nichtsdestotrotz berührt es ihn genauso wie mich, denke ich, und er ist genauso überfordert, nur schlummert in ihm derzeit eine ganz akute Hilflosigkeit, und ich denke, dass es uns da ähnlich geht. Nur hat er gerade (und ich vermute stark aus Selbstschutz) ein bisschen die Hände in verzweifelter/resignierter Abwehrhaltung.
Viel ausgeprägter ist das von mir empfundene Gefühl der Gleichgültigkeit, das mir mein Vater und seine Frau (auch meine Chefin, was sich derzeit für mich als schwierig gestaltet, aber davon ein ander mal) vermitteln. Sie sagt zum Beispiel Dinge wie: "Deine Mutter ist jetzt in Großhadern. Dein Bruder hat ihr die Bedingung gestellt, dass sie ihm nicht 3 Stunden lang auf der Fahrt dorthin ihr Zeug erzählt, und sie hat sich daran gehalten". Und das sagt sie mit einem gewissen Lächeln. Bestimmt nicht bösartig. Und trotzdem. Und ich denke mir: für euch ist die Hauptsache, dass sie die Fresse hält. Versteht ihr nicht, dass diese Frau jeden Tag durch die Hölle geht. Warum machen wir es uns alle so leicht. Für mich ist es damit nicht getan. Hört auf so über sie zu reden.
Aus Sicht meines Bruders ist es absolut korrekt, dass er ihr das sagt. Und es ist auch wichtig, so auch das Feedback, das ich von der Leiterin einer Selbsthilfegruppe bekommen hatte, das ist schon länger her. Sie hat einen Sohn mit paranoider Schizophrenie und wies darauf hin, dass es wichtig für die Betroffenen ist zu reden, aber dass man Limits setzen muss, weil man sonst wirklich absäuft, und es belastet das Verhältnis extrem. Insofern hat er alles richtig gemacht aus meiner Sicht. Schade finde ich, wie man es mir erzählt.
Mein Vater sagt: "Sie arbeitet ja auch noch, was sollen wir machen" und meint damit glaub ich auch: wir wissen alle, dass sie im erneuten längeren Krankheitsfall keine Lohnfortzahlungen hat. Was sollen wir tun. Sie der Arbeitslosigkeit bzw. Sozialhilfe aussetzen?
Hier müssten wir uns (alle, zumindest mein Bruder und ich) viel besser informieren. Kann es wirklich sein, dass jemand mit einer solchen Krankheit nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in die Sozialhilfe fällt und anschließend eine nicht vollständige Rente erhält?
Aber auch ich kümmer mich nicht. Ich schiebe es so oft so weit weg von mir. Bis immer wieder etwas kommt, um das ich nicht drumrum komme. Etwas, das mir wieder das Brett vor den Kopf schleudert: das gehört einfach zu deinem Leben.
Ich möchte auf meine Familie nicht mit dem Finger zeigen, weil ich selbst unter meinen Möglichkeiten bleibe. Aber ich habe das Gefühl, wenn ich das Gespräch und Möglichkeiten suche mit ihnen, dann werden mir nicht unbedingt Hände gereicht. Und das macht es mir gerade sehr schwer. Denn auch mein Kumpel, der in der Psy*chiatrie Er*langen arbeitet, meint: ihr müsst alle an einem Strang ziehen. Das fühle ich gerade nicht. Aber ich glaube, dass es aus Hoffnungs- und Hilflosigkeit resultiert. Nicht aus Unwille. Und auch daraus, dass es unangenehm ist. Es tut weh.
Das schlimmste ist tatsächlich der komplette Verlust der Bindung zu meiner Mutter. Ein immerwährendes Abschiednehmen, Gewöhnen an eine Situation. Bzw. nicht nur das, sondern eigentlich auch Kämpfen gegen diese Situation (mir fehlt die Kraft so oft). Meine Mama fehlt mir so sehr. Die nervigen Fragen, ob ich Socken brauche. Ob ich zum Essen komme. Ob wir Radfahren. Und selbst wenn sie so etwas fragt (sagt), wie "ich komme dich besuchen", dann stellen sich mir alle Haare auf. Weil ich dann ständig eine Person vor mir habe, die ich nicht mehr erkenne. Und die ich doch so sehr liebe. Mir tut das alles zu sehr weh, als dass ich mich damit beschäftigen könnte, aber es ist ein Teufelskreis.
Letzte Woche kam etwas dazu. Meine beste Freundin arbeitet bei einer Bu*ndes*ta*gsabgeordn*eten der Grü*nen (das weiß meine Mama nicht - Ironie des Schicksals). Und sie hat mich angerufen. Und gesagt, dass meine Mutter an dieses Büro geschrieben hat. Sie hat mir die Unterlagen gesendet und käme sicher in Teufels Küche, wenn rauskäme, dass sie Unterlagen aus dem Büro gegeben hat. Aber sie meinte: "Oka. Du bist meine Freundin. Und ich finde, du solltest das alles wissen."
Die Inhalte des Schreibens haben mich nicht überrascht. Und fast erleichtert war ich, dass sie nun vielleicht eine konkretere Vorstellung davon hat, was mit meiner Mama ist. Man kann es sonst so schwer vermitteln.
Sie hat an so viele Stellen geschrieben. Es würde mich nicht wundern wenn meine Mutter deutschlandweit irgendwann an sämtlichen Ämtern/ Stellen so bekannt ist wie ein bunter Hund. Staatsanwälte, Ärztekammern, Institute, Polizei, Presse.
Ich würde mir einen Hafen, Ruhepunkt auch sehr wünschen. Habe mich am Freitag nach einer Gruppe erkundigt, Rückmeldung erhalten und heute telefoniert. Wenn mir die Gruppe zusagt, werde ich dort ab dem 9.5. immer aufschlagen. Und hoffen, hoffen, hoffen. Ich hätt gern meine Mama zurück, solang sie noch lebt.
Danke, ich schätze Ihre Kommentare sehr, allein schon, weil Sie mich immer so zum Nachdenken anregen. Und solche Gedanken wie geschrieben nach sich ziehen. Manchmal brauche ich einfach die richtigen Fragen.
Samstag, 16. April 2011
Mutterseelenallein.
okavanga, 00:03h
Wie sehr unterschätzt psychische Krankheiten wirklich sind, ist mir erst klar seit es mit Mama bergab geht. Tausche Krebs gegen Paranoide Schizophrenie. Wahrscheinlich trete ich jetzt ner Menge Leute gewaltig auf den Schlips. Mir egal. Die, die immer nur blöd meinen "immerhin lebt sie noch", treten mir drauf.
Ich will ein Ende. Ich will dass es absehbar ist. Weder mein Bruder noch ich haben die Energie das so noch die nächsten Jahre, Jahrzehnte weiterzumachen. Und es ist gerade mal ein bisschen mehr als ein Jahr vergangen. Gefühlt sind wir um 20 gealtert. Ich will etwas, das sie sehen kann. Etwas auf Röntgenbildern. Etwas, das man wegschnippeln kann, oder wo es zumindest einen Versuch wert ist. Und wenn nicht, dann eben nicht, aber immerhin weiß man, dass der Mensch daran stirbt, und nicht weil er sich vor einen Zug schmeißt, weil er seine Krankheit nicht erkennt.
Man kann mit diesen Menschen nicht normal reden. Ich versuche immer, das meinen Freunden klar zu machen, die mir raten, dies und das zu sagen. Es. Funktioniert. Nicht.
Ich war heute auf den Geburtstag eines Kollegen eingeladen. Ich dacht mir, wenns gut läuft, gehste halt danach zum Fritz (ja, Fritz K.). Es lief nicht gut. Bevor ich zum Geburtstag bin, ruft Mama an und erzählt wie immer das gleiche, aber diesmal sei es besonders schlimm, und wenn das morgen wieder so schlimm ist, dann kommt sie über das Wochenende zu mir.
Allein die Vorstellung, mit ihr länger als 10 Minuten in meiner Einzimmerwohnung zu sein, bringt mich um den Verstand. Das halte ich nicht aus. Ist nicht zumutbar. Niemandem. Ich sagte, ich meld mich wieder. Hab mit Papa telefoniert, und mit LeSchwe. Und bin mit maximaler Verspätung zu dem Geburtstag, um mich da nach einer Höflichkeitshalbenstunde wieder ans Telefon zu hängen. Mit Mutter. Es war eine einzige Katastrophe.
"Ich habe inzwischen Leute gefunden, die mir glauben und die mir helfen wollen. Vom Max-Planck-Institut, und vom Frauenhofer. Die eine Frau meinte, mir könnte eine Flüssigkeit gespritzt worden sein die das alles bewirkt. Und einen tollen Journalisten habe ich kennengelernt". Ich könnte kotzen, und zensiere absichtlich nicht diese Institute. Denn wenn es stimmt was sie sagt, dann handeln diese Personen grob fahrlässig. Haben die irgendeine Ahung, dass sie da mit einem Menschenleben spielen? Im wahrsten Sinne des Wortes? Ich könnt denen in die Fresse schlagen.
Mich lässt sie gar nichts sagen. Wenn ich sage: hör du mir jetzt mal zu, dann schreit sie mich nur an: lass mich ausreden. Sie brüllt und ist laut, und sagt, dass ich jetzt die Wahl habe, entweder es kommt zu einem großen Bruch zwischen uns, oder ich bin jetzt da für sie. Zu dem Bruch ist es doch längst gekommen, sage ich. Und sie schreit: wenn ich dir nur irgendetwas wert bin, sag der Katinka ab (die mich morgen besuchen kommen will)!
Ich sage: jetzt hörst du mir mal zu. Zum zehnten mal. Und will ihr erklären, dass ich mich lange mit S. darüber unterhalten habe. Er arbeitet in der Psychiatrie Er*langen als angehender Fa*charzt. Ich kenne ihn schon lange. Sie kennt ihn auch und schätzt ihn. Und ich will ihr einfach nur sagen, dass er mir gesagt hat, dass all ihre Symptome sowas von klassisch sind, inklusive der kompletten körperlichen Palette, dass es wieder höchste Eisenbahn für die Einweisung ist. Aber sie legt auf. Schon nach "jetzt hörst du mir mal zu".
Ich verabschiede mich nach einer Stunde auf dem Geburtstag, versuche irgendwas zu erklären, ohne die Tatsachen zu erzählen.
Man steht allein auf weiter Flur. Vater und Bruder sagen, was sollen wir denn machen, wir können nichts machen, sie arbeitet ja auch noch.
Sollen wir da weiter zuschauen? Mutterseelenallein. Dieser Begriff bekommt so neue Dimensionen. Wie kann eine Mutter da sein, ohne dass sie da ist. Dieses ewige Abschiednehmen macht mich krank. Wenn sie nicht bald wieder in die Klinik geht, dann geh ich dort hin.
Und der Fritz, der wär jetzt genau das richtige. Aber nur mit einer ordentlichen Ladung. Insofern. Dann doch alleine zu hause betrinken. Ich hasse das alles. Wie gesagt. Ein Deal mit dem Teufel. Ich bin bereit.
Ich will ein Ende. Ich will dass es absehbar ist. Weder mein Bruder noch ich haben die Energie das so noch die nächsten Jahre, Jahrzehnte weiterzumachen. Und es ist gerade mal ein bisschen mehr als ein Jahr vergangen. Gefühlt sind wir um 20 gealtert. Ich will etwas, das sie sehen kann. Etwas auf Röntgenbildern. Etwas, das man wegschnippeln kann, oder wo es zumindest einen Versuch wert ist. Und wenn nicht, dann eben nicht, aber immerhin weiß man, dass der Mensch daran stirbt, und nicht weil er sich vor einen Zug schmeißt, weil er seine Krankheit nicht erkennt.
Man kann mit diesen Menschen nicht normal reden. Ich versuche immer, das meinen Freunden klar zu machen, die mir raten, dies und das zu sagen. Es. Funktioniert. Nicht.
Ich war heute auf den Geburtstag eines Kollegen eingeladen. Ich dacht mir, wenns gut läuft, gehste halt danach zum Fritz (ja, Fritz K.). Es lief nicht gut. Bevor ich zum Geburtstag bin, ruft Mama an und erzählt wie immer das gleiche, aber diesmal sei es besonders schlimm, und wenn das morgen wieder so schlimm ist, dann kommt sie über das Wochenende zu mir.
Allein die Vorstellung, mit ihr länger als 10 Minuten in meiner Einzimmerwohnung zu sein, bringt mich um den Verstand. Das halte ich nicht aus. Ist nicht zumutbar. Niemandem. Ich sagte, ich meld mich wieder. Hab mit Papa telefoniert, und mit LeSchwe. Und bin mit maximaler Verspätung zu dem Geburtstag, um mich da nach einer Höflichkeitshalbenstunde wieder ans Telefon zu hängen. Mit Mutter. Es war eine einzige Katastrophe.
"Ich habe inzwischen Leute gefunden, die mir glauben und die mir helfen wollen. Vom Max-Planck-Institut, und vom Frauenhofer. Die eine Frau meinte, mir könnte eine Flüssigkeit gespritzt worden sein die das alles bewirkt. Und einen tollen Journalisten habe ich kennengelernt". Ich könnte kotzen, und zensiere absichtlich nicht diese Institute. Denn wenn es stimmt was sie sagt, dann handeln diese Personen grob fahrlässig. Haben die irgendeine Ahung, dass sie da mit einem Menschenleben spielen? Im wahrsten Sinne des Wortes? Ich könnt denen in die Fresse schlagen.
Mich lässt sie gar nichts sagen. Wenn ich sage: hör du mir jetzt mal zu, dann schreit sie mich nur an: lass mich ausreden. Sie brüllt und ist laut, und sagt, dass ich jetzt die Wahl habe, entweder es kommt zu einem großen Bruch zwischen uns, oder ich bin jetzt da für sie. Zu dem Bruch ist es doch längst gekommen, sage ich. Und sie schreit: wenn ich dir nur irgendetwas wert bin, sag der Katinka ab (die mich morgen besuchen kommen will)!
Ich sage: jetzt hörst du mir mal zu. Zum zehnten mal. Und will ihr erklären, dass ich mich lange mit S. darüber unterhalten habe. Er arbeitet in der Psychiatrie Er*langen als angehender Fa*charzt. Ich kenne ihn schon lange. Sie kennt ihn auch und schätzt ihn. Und ich will ihr einfach nur sagen, dass er mir gesagt hat, dass all ihre Symptome sowas von klassisch sind, inklusive der kompletten körperlichen Palette, dass es wieder höchste Eisenbahn für die Einweisung ist. Aber sie legt auf. Schon nach "jetzt hörst du mir mal zu".
Ich verabschiede mich nach einer Stunde auf dem Geburtstag, versuche irgendwas zu erklären, ohne die Tatsachen zu erzählen.
Man steht allein auf weiter Flur. Vater und Bruder sagen, was sollen wir denn machen, wir können nichts machen, sie arbeitet ja auch noch.
Sollen wir da weiter zuschauen? Mutterseelenallein. Dieser Begriff bekommt so neue Dimensionen. Wie kann eine Mutter da sein, ohne dass sie da ist. Dieses ewige Abschiednehmen macht mich krank. Wenn sie nicht bald wieder in die Klinik geht, dann geh ich dort hin.
Und der Fritz, der wär jetzt genau das richtige. Aber nur mit einer ordentlichen Ladung. Insofern. Dann doch alleine zu hause betrinken. Ich hasse das alles. Wie gesagt. Ein Deal mit dem Teufel. Ich bin bereit.
Freitag, 15. April 2011
okavanga, 00:14h
Morgen ist der Fritz hier. Mal sehen ob ich mich da allein hintrau. Mag jemand mit? Haha.. ha...
Mittwoch, 13. April 2011
Brief an Frau W. I
okavanga, 01:02h
Liebe Frau W.,
da ich Sie ja nicht mehr sehen kann, schreibe ich Ihnen einfach. Ich bin inzwischen umgezogen. Und man, ich könnt Sie hier echt gut gebrauchen. Ich habe das Gefühl, das mit diesem Umzug wieder so viele alte Baustellen aufgerissen sind, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie zumachen oder beackern soll. Ohne Sie hätte ich das ja alles das letzte mal gar nicht geschafft. Und jetzt weiß ich zwar theoretisch wie, aber ich schaff es einfach nicht so wirklich. Ich wünschte Sie wären hier und könnten einfach wieder ein bisschen meine Hand halten. Und die richtigen Fragen stellen. Die, die ich mir selbst nicht stellen kann weil ich gar nicht drauf komme, und die ich mich nicht traue mir zu stellen.
Über die Arbeit will ich heute gar nicht reden. Ja, ich weiß auch noch nicht so genau warum. Vielleicht weil es letztendlich der einzige Grund ist, der auch irgendwie Sinn macht, warum ich jetzt eben da bin wo ich bin. Eben nicht mehr in M*annheim. Ich weiß dass Sie das alles näher interessieren würde. Mich eigentlich auch. Aber wir haben ja Zeit, viel Zeit, kann man sagen. Und deswegen fände ich es nett, wenn wir mit dem anfangen, was mir übers Wochenende Kopfzerbrechen bereitet hat.
Ja, da liegen Sie schon ganz richtig. Sie hören ja sowas immer an meinen Schritten, bevor ich die Tür aufmache. Es sind Männer, mal wieder. Sie lächeln ja. Das hab ich vermisst. Sie sind so Sie, und so natürlich und authentisch. Ich habe mich immer wohl bei Ihnen gefühlt. Aber ja, ich schweife ab.
Also. Ich bekomm das einfach nicht hin. Die letzte Eskapade kennen Sie ja zu genüge. Seitdem ist auch nicht viel passiert. Ich verliebe mich gar nicht mehr, obwohl ich es so gern würde. Aber inzwischen ist es merkwürdigerweise schon fast so, als würde ich gar nichts mehr von der Liebe erwarten. Sie hat mich da irgendwie nicht so auf ihrer Liste. Oder vielleicht auch doch, aber ich kapier es einfach nicht, was sie von mir will. Das sind dann immer so Männer oder Situationen, bei denen ich gar nicht weiß, was ich jetzt damit anfangen soll.
Nehmen wir mal den F. Den hab ich letztes Jahr im Spätsommer kennengelernt, er ist der Nachbar von der LeSchwe. Der hat das gleiche Problem wie der kleine Professor, nur dass er einen anderen Charakter hat. Einen, bei dem es einem so weh tut, dass er sich das gleiche antut wie der Prof. Das hat mich schon mal irritiert, oder besser gesagt genervt. Also nicht von Anfang an. Da waren wir nur mal zusammen feiern, und es war echt lustig. Aber mehr nicht. Und dann haben wir uns halt öfters zu dritt getroffen, und was unternommen. Und eines nachts, bzw. wurde es schon fast wieder Tag, da lag ich schon im Bett und versuchte zu schlafen, bei ihm. LeSchwe war schon lange gegangen, weil sie ja keine Dummheiten macht. Und in dieser Nacht legt er sich plötzlich zu mir ins Bett. Also in sein Bett. Und es war alles sehr schön und zärtlich, und wir hatten keinen Sex, nur Nähe.
Oh man, ich sehe geradezu, wie die Sirene auf Ihrem Kopf losgeht. Ging mir genauso. Deswegen hab ich dann auch gleich mit offenen Karten gespielt, bzw. dadurch, dass wir vorher nur bekumpelt waren, wusste er sowieso, dass ein Prof-Phänomen für mich nicht mehr für eine Beziehung in Frage kommt. Er wusste von Anfang an woran er ist. Und er war ja auch nicht von Anfang an verliebt. Nur dann eben, mit der Zeit. Und wir hatten eine sehr schöne Zeit. Er kann mich einfangen, wenn ich so sauer bin, dass ich kurz vorm Abdrehen stehe. Er sagt genau die richtigen Dinge. Er ist da, wenn es mir schlecht geht. Er hält mich in seinen Armen. Und ich habe mit ihm eine Bestandsaufnahme in der Wohnung seiner Mutter gemacht, die kurz zuvor an Krebs gestorben war.
Wir haben nicht nur gefickt, und das ist wohl das Problem. Ich hatte ihm gegenüber von Beginn an ein Urvertrauen, dass ich glaub ich wenn überhaupt, dann nur einmal einem Mann gegenüber verspürt habe. Keine Ahnung warum. Es war, als würden wir uns ewig kennen. Irre vertraut. Das hat sich dann schon auch im Sex gespiegelt, den wir doch irgendwann hatten, und es war so ein wahnsinniger Sex, wie ich ihn noch nie hatte.
Was ich mich frage ist: habe ich mich nicht in ihn verlieben wollen und es zu verhindern gewusst, kopfgesteuert, weil ich wusste, was das mit sich bringt, oder habe ich mich einfach nicht verliebt, weil sich das "Beuteschema" doch geändert hat? Über diesen Punkt komme ich nicht hinweg.
Es ist so irre. Er hat gespürt, wenn ich was mit einem anderen hatte, über Weihnachten. Er ist kein eifersüchtiger Typ. Aber er hat einfach gespürt, dass da was war. Er hat sonst nie danach gefragt. Das gleiche war kurz vor meinem Umzug, als ich jemanden kennengelernt habe. Da hat er auch gefragt, ob ich jemanden kennengelernt habe. Das waren die zwei einzigen male, die er gefragt hat. Und es waren die zwei einzigen Momente, in denen er auch einen Treffer landen konnte. Ich fand das jedes mal sehr gruselig.
Jedenfalls.. wir haben uns sehr gestritten, Ende Januar. Das war sehr hässlich, wir waren betrunken, und er kam bzw. kommt immer noch nicht damit klar, dass ich seine Gefühle nicht erwieder, und dass ich nicht so handel wie es ihm lieb wäre, wenn ich bei LeSchwe war und nicht bei ihm geklingelt habe, oder so. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben. Deswegen ist das dann eskaliert. Und so ganz hat sich das nicht mehr eingerenkt.
In der Woche vor meinem Umzug hat er LeSchwe weindend angerufen, er konnte nicht in die Arbeit, weil er wochenlang nicht richtig essen konnte, weil sein Herz so weh getan hat, und er hat einfach nur noch geweint. Mich hat er auch angerufen, und geweint und geweint, und gefragt, wie ich ihm das alles antun konnte.
Ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich ihm bestimmt nie absichtlich etwas antun wollte, und dass ich immer mit offenen Karten gespielt habe. Aber die Freundin meines ehemaligen Mitbewohners hat wohl recht. Sie meinte: Oka, du bist die, die es nicht erwischt hat. Du müsstest die Verantwortung tragen und die Verbindung kappen.
Ich konnte es nicht, weil ich ihn nicht verlieren wollte.
Vor wenigen Wochen habe ich dann, nachdem ich weitere bittere und vorwurfsvolle Mails von ihm nicht beantwortet habe, ihm endlich erklären, was wie und warum. Er hat komischerweise gleich verstanden, und wir haben telefoniert, und es war lustig, und schön. Für eine halbe Woche. Dann hat er an einem Freitag Abend was blödes gesagt, über "bei mir läuft meist mein eigener Film", so ein Drogenausspruch. Das hat mich sofort angekotzt. Vielleicht hab ich es auch komplett falsch verstanden. Aber ich bin einfach ein gebranntes Kind und reagiere extrem empfindlich auf solche scheiss Sprüche. Reagiere über, vermutlich, ich kann es nicht beurteilen.
Daraufhin hab ich mich am Samstag danach nicht gemeldet, weil ich auch scheiss Kopfschmerzen hatte, und eh nicht wusste wohin mit mir. Am Sonntag war ich beim Fratzenbuch online, aber unterwegs, weil mir jemand hier die Stadt zeigen wollte. In der Zeit hat er mich angeschrieben, und ich natürlich nich zurück, ich war ja nich da. Und dann kamen wieder lauter Vorwürfe. Und seitdem - Funkstille. Bzw. Hassmails, und dass er nichts mehr mit mir anfangen kann, ich sei nicht mehr die Oka, die er mal kennengelernt hat.
Es trifft mich sehr, aber nicht zu sehr, denn ich weiß, dass es diese Verbindung zwischen uns wirklich gibt, und dass er in sich drin weiß, dass das Bullshit ist, was er redet, und dass er genau weiß, das das Problem bei seinen Drogen liegt. Aber so richtig sehen will er es nicht.
Und jetzt meine Frage: habe ich ein Helfersyndrom? Oder bin ich verliebt? Verliebt gewesen? Warum fehlt er mir denn so? Meine ich ihn retten zu müssen? Das Gefühl hab ich gar nicht, weil ich nie versucht habe ihm das auszureden. Er ist halt wie er ist, und unter den Umständen läuft keine Beziehung. Punkt. Das hab ich mir immer gesagt. Aber hat mein Herz das auch gesagt? Das weiß ich irgendwie nicht so genau.
Jetzt lasse ich ihn einfach in Ruhe. Auch wenn es schwer fällt. Vielleicht schreibe ich ab und an mal, erzähle was von mir und frage ihn wie es ihm geht. Der Mann war seit sehr vielen Jahren nicht mehr verliebt. Ich kann verstehen, dass er verletzt und enttäuscht ist. Aber ich kann es auch einfach nicht richtig machen, und eine Beziehung wäre die Hölle gewesen, ich hätte nur ständig an ihm rumgekrittelt und versucht ihn zu ändern, wie beim Prof auch, und dabei hätten wir uns gegenseitig richtig schön fertig gemacht und am Ende wär nur noch dieser Aschehaufen übriggeblieben, den ich nur zu gut kenne.
Aber erklären kann ich es ihm nicht. Also nicht so, dass er es annehmen kann. Anscheinend.
Und trotzdem fehlt er mir. Er wäre ein toller Mann. Einer, der mich versteht, einer, den ich verstehe (und aber wegen diesem einen riesigen Aspekt einfach nicht als Partner akzeptieren mag), einer, mit dem man lachen, weinen, feiern und reden kann. Außer es geht um uns. Da wird alles ganz unreflektiert, obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass er ganz tief innen alles selbst weiß.
Und dann ist da noch dieser komischer andere Mann, aber von dem erzähl ich ein ander mal. Das schaff ich nicht mehr, ich fühl mich ganz ausgelaugt.
Ja, ich habe mich auch gefragt, ob ich den F. deswegen so mag, weil er mich in vielem an den Prof erinnert. Auch wenn er wie gesagt ganz anders ist. Aber durch die ganze Sache wurde das Thema mit dem Prof wieder unheimlich präsent für mich. Ich weiß gar nicht mehr, was ich denke und wirklich fühle, und wer ich bin, ich fühl mich so meilenweit weg von mir, hab irgendwie im letzten halben Jahr den Zugang zu mir verloren. Und zu Ihrer Frage: ich weiß es nicht, Frau W. Ich dachte, Sie können mir da weiterhelfen. Aber ich weiß. Sie sind nich da.
da ich Sie ja nicht mehr sehen kann, schreibe ich Ihnen einfach. Ich bin inzwischen umgezogen. Und man, ich könnt Sie hier echt gut gebrauchen. Ich habe das Gefühl, das mit diesem Umzug wieder so viele alte Baustellen aufgerissen sind, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie zumachen oder beackern soll. Ohne Sie hätte ich das ja alles das letzte mal gar nicht geschafft. Und jetzt weiß ich zwar theoretisch wie, aber ich schaff es einfach nicht so wirklich. Ich wünschte Sie wären hier und könnten einfach wieder ein bisschen meine Hand halten. Und die richtigen Fragen stellen. Die, die ich mir selbst nicht stellen kann weil ich gar nicht drauf komme, und die ich mich nicht traue mir zu stellen.
Über die Arbeit will ich heute gar nicht reden. Ja, ich weiß auch noch nicht so genau warum. Vielleicht weil es letztendlich der einzige Grund ist, der auch irgendwie Sinn macht, warum ich jetzt eben da bin wo ich bin. Eben nicht mehr in M*annheim. Ich weiß dass Sie das alles näher interessieren würde. Mich eigentlich auch. Aber wir haben ja Zeit, viel Zeit, kann man sagen. Und deswegen fände ich es nett, wenn wir mit dem anfangen, was mir übers Wochenende Kopfzerbrechen bereitet hat.
Ja, da liegen Sie schon ganz richtig. Sie hören ja sowas immer an meinen Schritten, bevor ich die Tür aufmache. Es sind Männer, mal wieder. Sie lächeln ja. Das hab ich vermisst. Sie sind so Sie, und so natürlich und authentisch. Ich habe mich immer wohl bei Ihnen gefühlt. Aber ja, ich schweife ab.
Also. Ich bekomm das einfach nicht hin. Die letzte Eskapade kennen Sie ja zu genüge. Seitdem ist auch nicht viel passiert. Ich verliebe mich gar nicht mehr, obwohl ich es so gern würde. Aber inzwischen ist es merkwürdigerweise schon fast so, als würde ich gar nichts mehr von der Liebe erwarten. Sie hat mich da irgendwie nicht so auf ihrer Liste. Oder vielleicht auch doch, aber ich kapier es einfach nicht, was sie von mir will. Das sind dann immer so Männer oder Situationen, bei denen ich gar nicht weiß, was ich jetzt damit anfangen soll.
Nehmen wir mal den F. Den hab ich letztes Jahr im Spätsommer kennengelernt, er ist der Nachbar von der LeSchwe. Der hat das gleiche Problem wie der kleine Professor, nur dass er einen anderen Charakter hat. Einen, bei dem es einem so weh tut, dass er sich das gleiche antut wie der Prof. Das hat mich schon mal irritiert, oder besser gesagt genervt. Also nicht von Anfang an. Da waren wir nur mal zusammen feiern, und es war echt lustig. Aber mehr nicht. Und dann haben wir uns halt öfters zu dritt getroffen, und was unternommen. Und eines nachts, bzw. wurde es schon fast wieder Tag, da lag ich schon im Bett und versuchte zu schlafen, bei ihm. LeSchwe war schon lange gegangen, weil sie ja keine Dummheiten macht. Und in dieser Nacht legt er sich plötzlich zu mir ins Bett. Also in sein Bett. Und es war alles sehr schön und zärtlich, und wir hatten keinen Sex, nur Nähe.
Oh man, ich sehe geradezu, wie die Sirene auf Ihrem Kopf losgeht. Ging mir genauso. Deswegen hab ich dann auch gleich mit offenen Karten gespielt, bzw. dadurch, dass wir vorher nur bekumpelt waren, wusste er sowieso, dass ein Prof-Phänomen für mich nicht mehr für eine Beziehung in Frage kommt. Er wusste von Anfang an woran er ist. Und er war ja auch nicht von Anfang an verliebt. Nur dann eben, mit der Zeit. Und wir hatten eine sehr schöne Zeit. Er kann mich einfangen, wenn ich so sauer bin, dass ich kurz vorm Abdrehen stehe. Er sagt genau die richtigen Dinge. Er ist da, wenn es mir schlecht geht. Er hält mich in seinen Armen. Und ich habe mit ihm eine Bestandsaufnahme in der Wohnung seiner Mutter gemacht, die kurz zuvor an Krebs gestorben war.
Wir haben nicht nur gefickt, und das ist wohl das Problem. Ich hatte ihm gegenüber von Beginn an ein Urvertrauen, dass ich glaub ich wenn überhaupt, dann nur einmal einem Mann gegenüber verspürt habe. Keine Ahnung warum. Es war, als würden wir uns ewig kennen. Irre vertraut. Das hat sich dann schon auch im Sex gespiegelt, den wir doch irgendwann hatten, und es war so ein wahnsinniger Sex, wie ich ihn noch nie hatte.
Was ich mich frage ist: habe ich mich nicht in ihn verlieben wollen und es zu verhindern gewusst, kopfgesteuert, weil ich wusste, was das mit sich bringt, oder habe ich mich einfach nicht verliebt, weil sich das "Beuteschema" doch geändert hat? Über diesen Punkt komme ich nicht hinweg.
Es ist so irre. Er hat gespürt, wenn ich was mit einem anderen hatte, über Weihnachten. Er ist kein eifersüchtiger Typ. Aber er hat einfach gespürt, dass da was war. Er hat sonst nie danach gefragt. Das gleiche war kurz vor meinem Umzug, als ich jemanden kennengelernt habe. Da hat er auch gefragt, ob ich jemanden kennengelernt habe. Das waren die zwei einzigen male, die er gefragt hat. Und es waren die zwei einzigen Momente, in denen er auch einen Treffer landen konnte. Ich fand das jedes mal sehr gruselig.
Jedenfalls.. wir haben uns sehr gestritten, Ende Januar. Das war sehr hässlich, wir waren betrunken, und er kam bzw. kommt immer noch nicht damit klar, dass ich seine Gefühle nicht erwieder, und dass ich nicht so handel wie es ihm lieb wäre, wenn ich bei LeSchwe war und nicht bei ihm geklingelt habe, oder so. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben. Deswegen ist das dann eskaliert. Und so ganz hat sich das nicht mehr eingerenkt.
In der Woche vor meinem Umzug hat er LeSchwe weindend angerufen, er konnte nicht in die Arbeit, weil er wochenlang nicht richtig essen konnte, weil sein Herz so weh getan hat, und er hat einfach nur noch geweint. Mich hat er auch angerufen, und geweint und geweint, und gefragt, wie ich ihm das alles antun konnte.
Ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich ihm bestimmt nie absichtlich etwas antun wollte, und dass ich immer mit offenen Karten gespielt habe. Aber die Freundin meines ehemaligen Mitbewohners hat wohl recht. Sie meinte: Oka, du bist die, die es nicht erwischt hat. Du müsstest die Verantwortung tragen und die Verbindung kappen.
Ich konnte es nicht, weil ich ihn nicht verlieren wollte.
Vor wenigen Wochen habe ich dann, nachdem ich weitere bittere und vorwurfsvolle Mails von ihm nicht beantwortet habe, ihm endlich erklären, was wie und warum. Er hat komischerweise gleich verstanden, und wir haben telefoniert, und es war lustig, und schön. Für eine halbe Woche. Dann hat er an einem Freitag Abend was blödes gesagt, über "bei mir läuft meist mein eigener Film", so ein Drogenausspruch. Das hat mich sofort angekotzt. Vielleicht hab ich es auch komplett falsch verstanden. Aber ich bin einfach ein gebranntes Kind und reagiere extrem empfindlich auf solche scheiss Sprüche. Reagiere über, vermutlich, ich kann es nicht beurteilen.
Daraufhin hab ich mich am Samstag danach nicht gemeldet, weil ich auch scheiss Kopfschmerzen hatte, und eh nicht wusste wohin mit mir. Am Sonntag war ich beim Fratzenbuch online, aber unterwegs, weil mir jemand hier die Stadt zeigen wollte. In der Zeit hat er mich angeschrieben, und ich natürlich nich zurück, ich war ja nich da. Und dann kamen wieder lauter Vorwürfe. Und seitdem - Funkstille. Bzw. Hassmails, und dass er nichts mehr mit mir anfangen kann, ich sei nicht mehr die Oka, die er mal kennengelernt hat.
Es trifft mich sehr, aber nicht zu sehr, denn ich weiß, dass es diese Verbindung zwischen uns wirklich gibt, und dass er in sich drin weiß, dass das Bullshit ist, was er redet, und dass er genau weiß, das das Problem bei seinen Drogen liegt. Aber so richtig sehen will er es nicht.
Und jetzt meine Frage: habe ich ein Helfersyndrom? Oder bin ich verliebt? Verliebt gewesen? Warum fehlt er mir denn so? Meine ich ihn retten zu müssen? Das Gefühl hab ich gar nicht, weil ich nie versucht habe ihm das auszureden. Er ist halt wie er ist, und unter den Umständen läuft keine Beziehung. Punkt. Das hab ich mir immer gesagt. Aber hat mein Herz das auch gesagt? Das weiß ich irgendwie nicht so genau.
Jetzt lasse ich ihn einfach in Ruhe. Auch wenn es schwer fällt. Vielleicht schreibe ich ab und an mal, erzähle was von mir und frage ihn wie es ihm geht. Der Mann war seit sehr vielen Jahren nicht mehr verliebt. Ich kann verstehen, dass er verletzt und enttäuscht ist. Aber ich kann es auch einfach nicht richtig machen, und eine Beziehung wäre die Hölle gewesen, ich hätte nur ständig an ihm rumgekrittelt und versucht ihn zu ändern, wie beim Prof auch, und dabei hätten wir uns gegenseitig richtig schön fertig gemacht und am Ende wär nur noch dieser Aschehaufen übriggeblieben, den ich nur zu gut kenne.
Aber erklären kann ich es ihm nicht. Also nicht so, dass er es annehmen kann. Anscheinend.
Und trotzdem fehlt er mir. Er wäre ein toller Mann. Einer, der mich versteht, einer, den ich verstehe (und aber wegen diesem einen riesigen Aspekt einfach nicht als Partner akzeptieren mag), einer, mit dem man lachen, weinen, feiern und reden kann. Außer es geht um uns. Da wird alles ganz unreflektiert, obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass er ganz tief innen alles selbst weiß.
Und dann ist da noch dieser komischer andere Mann, aber von dem erzähl ich ein ander mal. Das schaff ich nicht mehr, ich fühl mich ganz ausgelaugt.
Ja, ich habe mich auch gefragt, ob ich den F. deswegen so mag, weil er mich in vielem an den Prof erinnert. Auch wenn er wie gesagt ganz anders ist. Aber durch die ganze Sache wurde das Thema mit dem Prof wieder unheimlich präsent für mich. Ich weiß gar nicht mehr, was ich denke und wirklich fühle, und wer ich bin, ich fühl mich so meilenweit weg von mir, hab irgendwie im letzten halben Jahr den Zugang zu mir verloren. Und zu Ihrer Frage: ich weiß es nicht, Frau W. Ich dachte, Sie können mir da weiterhelfen. Aber ich weiß. Sie sind nich da.
Seelenheil ~
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Donnerstag, 7. April 2011
okavanga, 00:06h
Das erste mal seit Ewigkeiten mit Mama telefoniert. Sie hatte mir ja nicht zum Geburtstag gratuliert, erst nachdem mein Bruder sie darauf hingewiesen hat, dass das unmöglich sei.
Es ist. So. Müdemachend. So traurig. Meine Brust tut weh und ich heule in mein Essen. Bahnt sich alles seinen Weg, was ich seit ich hier bin unten gehalten habe, weil ich irgendwie funktionieren muss. In diesem ganzen Scheiss.
Ich will nach Hause. Einfach nur noch nach Hause. Ich mag einfach nicht mehr.
Es ist. So. Müdemachend. So traurig. Meine Brust tut weh und ich heule in mein Essen. Bahnt sich alles seinen Weg, was ich seit ich hier bin unten gehalten habe, weil ich irgendwie funktionieren muss. In diesem ganzen Scheiss.
Ich will nach Hause. Einfach nur noch nach Hause. Ich mag einfach nicht mehr.
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