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Freitag, 19. Dezember 2014
Aufhören.
okavanga, 20:32h
Vielleicht sollte ich wieder anfangen zu schreiben, denke ich mir manchmal. Über den Mann und wie das nun alles ist, und wie verdammt schwierig dieses "alles" für mich ist. Und über meine Dämonen, die ich so gerne loslassen würde, die sich aber stattdessen immer tiefer in meine Gedanken und Gefühle graben.
Aber da treibt sich die Angst um, dass die Dämonen durch das Aufschreiben noch mehr Raum bekommen. Vielleicht ist es auch das, was sie brauchen. Raum. Vielleicht gebe ich ihnen zu wenig Raum, oder nicht den richtigen, oder an der falschen Stelle. Vielleicht ist eigentlich alles gut. Bestimmt sogar. Aber mir fehlt der Glaube an so vieles. Vor allem der an mich. Das bisschen an Selbstsicherheit, das ich mir mühselig erkämpft habe in den letzten Jahren, verpufft in Beziehungen. Puffffffff.... weg isse.
Plötzlich sind sie da, alle Unsicherheiten. Ungefiltert, ungeschönt und ganz unmittelbar. Verunsichern, verängstigen, verstören. Zerfleischen, zermartern, zerstören. Am schlimmsten aber ist das Gefühl der Ohnmacht. Alles zu wissen: woher das kommt, warum das so ist, zu wissen dass das alles nur in meinem Kopf und keine reale Tatsache ist, und trotzdem nicht aus mir rauszukommen und dem Gedankenkarussell Einhalt zu gebieten. Zornig stehe ich daneben, wutentbrannt, zeternd, schimpfend, tobend. Doch die Dämonen drehen mir eine lange Nase. Ich heule und schimpfe noch mehr, zerre an mir und meiner Ohnmacht, tu doch was, los, du weißt dass das aufhören muss, bitte! Mach dass es aufhört!
Doch die Dämonen sitzen weiter auf ihrem lustigen Volksfesttrip, drehen ihre Runden und freuen sich des Lebens. Yeah, Popcorn für alle! Hey, holt einer noch ne Cola? Futter, Futter! Geile Party!
Am Ende des Tages sitze ich da, wenn die Dämonen schlafen, und weine. Die Party ist vorbei und alles an bösartigem Adrenalin ist verpulvert. Was bleibt ist eine abgrundtiefe Traurigkeit. Wie viel davon kann ich dem Mann zeigen? Wie viel hält er aus? Wie lange halte ich das aus? Werde ich jemals in der Lage sein, Beziehung auszuhalten? Es strengt mich an, jeder Tag ist ein Marathonlauf, aber irgendwie ohne Ziel. Dem hechel ich hinterher wie den Dämonen im Karussell und dreh mich dabei immer und immer wieder im Kreis, bis mir die Luft ausgeht und übel wird. Und ich kurz davor bin Fehler zu machen die ich bereuen würde.
Aufhören, bitte. Der Mann ist ein Platz, an dem ich ankommen kann. Bitte gib mir die Chance das zu tun.
~ Stephan Bodzin & Marc Romboy - Kerberos
Aber da treibt sich die Angst um, dass die Dämonen durch das Aufschreiben noch mehr Raum bekommen. Vielleicht ist es auch das, was sie brauchen. Raum. Vielleicht gebe ich ihnen zu wenig Raum, oder nicht den richtigen, oder an der falschen Stelle. Vielleicht ist eigentlich alles gut. Bestimmt sogar. Aber mir fehlt der Glaube an so vieles. Vor allem der an mich. Das bisschen an Selbstsicherheit, das ich mir mühselig erkämpft habe in den letzten Jahren, verpufft in Beziehungen. Puffffffff.... weg isse.
Plötzlich sind sie da, alle Unsicherheiten. Ungefiltert, ungeschönt und ganz unmittelbar. Verunsichern, verängstigen, verstören. Zerfleischen, zermartern, zerstören. Am schlimmsten aber ist das Gefühl der Ohnmacht. Alles zu wissen: woher das kommt, warum das so ist, zu wissen dass das alles nur in meinem Kopf und keine reale Tatsache ist, und trotzdem nicht aus mir rauszukommen und dem Gedankenkarussell Einhalt zu gebieten. Zornig stehe ich daneben, wutentbrannt, zeternd, schimpfend, tobend. Doch die Dämonen drehen mir eine lange Nase. Ich heule und schimpfe noch mehr, zerre an mir und meiner Ohnmacht, tu doch was, los, du weißt dass das aufhören muss, bitte! Mach dass es aufhört!
Doch die Dämonen sitzen weiter auf ihrem lustigen Volksfesttrip, drehen ihre Runden und freuen sich des Lebens. Yeah, Popcorn für alle! Hey, holt einer noch ne Cola? Futter, Futter! Geile Party!
Am Ende des Tages sitze ich da, wenn die Dämonen schlafen, und weine. Die Party ist vorbei und alles an bösartigem Adrenalin ist verpulvert. Was bleibt ist eine abgrundtiefe Traurigkeit. Wie viel davon kann ich dem Mann zeigen? Wie viel hält er aus? Wie lange halte ich das aus? Werde ich jemals in der Lage sein, Beziehung auszuhalten? Es strengt mich an, jeder Tag ist ein Marathonlauf, aber irgendwie ohne Ziel. Dem hechel ich hinterher wie den Dämonen im Karussell und dreh mich dabei immer und immer wieder im Kreis, bis mir die Luft ausgeht und übel wird. Und ich kurz davor bin Fehler zu machen die ich bereuen würde.
Aufhören, bitte. Der Mann ist ein Platz, an dem ich ankommen kann. Bitte gib mir die Chance das zu tun.
~ Stephan Bodzin & Marc Romboy - Kerberos
Donnerstag, 5. Juni 2014
Oooo---keeeeee?!?
okavanga, 00:46h
Es ist zwar etwas bitter, aber ich schaffe es nicht so recht mich daran zu erinnern, wann ich denn den kleinen Ben das letzte mal getroffen habe. Tatsächlich glaube ich, es war letztes Jahr Ende Juni, er ist für mich ja sowas wie... ja. Wie ein Lückenbüßer, im wahrsten Sinne des Wortes. Oder vielmehr ... in der Not stopft ... naja egal. Jedenfalls meine ich, dass wir uns seitdem nicht mehr getroffen hätten. Was nicht bedeutet, dass der junge Mann sich nicht meldet, oh nein.
Aber meist umschiffe ich Treffen, mehrere Monate waren dabei, in denen ich ihm erklärte: du, (immer noch) keinen Bock, ich hab Lust mich mal wieder zu verlieben, ich kann dem reinen Geficke nix mehr abgewinnen. War total ok für ihn. Größter Pluspunkt: es ist extrem unkompliziert. Auch deswegen, weil wir nichts miteinander reden. Also ich rede durchaus (er kann nur in SMS tippen - vielleicht sollten wir uns immer schreiben, wenn wir uns sehen), und versuche ihm wenigstens Geräusche abzutrotzen, denn sonst würden wir uns - abgesehen während des Sex - nur anschweigen. Manchmal kommt ein "Hm". Oder ein "Ja". Oder ein "Ne." Oder ein: "Och Babe!" Das sind die guten Tage.
Kennengelernt haben wir uns im Sommer 2012 am Hafen, bei Kar*ott*e. Unsere Begegnungen seither kann ich an einer Hand abzählen. Was unter anderem auch daran liegt, dass er eben ist wie er ist. Also wirklich, wir haben uns nix zu erzählen, können nicht gemeinsam lachen - ich weiß im Grunde gar nicht wer er ist, denn er zeigt sich nicht. ODER: da ist einfach nicht mehr.
Mit dem Frühling stieg also nun sein Hormonspiegel und somit wieder seine Hartnäckigkeit. Auf Big Ben ist Verlass. Haha! Ja. Naja. Der Frühling geht an mir ja auch nicht ganz spurlos vorbei, und so lasse ich mich Anfang Mai erweichen. Etwas geschockt bin ich ob seiner SMS, was ich denn von Hilfsmitteln beim Sex halten würde. Erst freue ich mich und denke: hmmm, niiiiiice! Doch dann schiebt er nach: Vi*ag*ra oder so. Öh. Der Hüpfer ist 6 Jahre jünger als ich. Also von seinem Vorschlag halte ich gar nichts, und das teile ich ihm auch sehr deutlich so mit.
Er erklärt mir seine Gedanken, und zum ersten mal wird mir bewusst, dass im kleinen Ben mit Sicherheit mehr passiert als nach außen dringt, und dass er hochgradig verunsichert oder auch leicht komplexig ist. Auch er hat nicht vergessen wir schnell der Spaß beim letzten mal vorbei war. Mit Engelszungen erkläre ich ihm, dass wegen SOWAS echt keine Pillen notwendig sind, und wenns nochmal so schnell geht, na dann gibt’s eben ne zweite Runde.
Unserem Treffen geht dann leider eine mich sehr enttäuschende Situation voraus, die zwar nichts mit Ben zu tun hat, letztendlich aber dazu führt, dass ich mir in seiner Anwesenheit erst einmal eine Flasche Crémant einverleibe und mich dann an meine chemischen Kühlschrankreserven mache. Derweil sehen wir <fügen Sie hier bitte dubiose Männerfilme ein, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe>. Ich frage ihn, ob ihm bei der Auswahl bewusst gewesen wäre, dass er gleich zu einer Frau fährt? „Jo“. Ich bin fast belustigt.
Es passiert, was zu erwarten war, und all das spielt an dieser Stelle nun keine Rolle, und immerhin gibt es eine zweite Runde, und am nächsten Tag geht es mir hundeelend (big surprise…) und ich bin sehr froh dass Ben noch bei Mama wohnt und zum Mittagessen nach Hause muss. Chrchrchr!
Soweit, so gut. Doch seitdem übersteigt Bens Hartnäckigkeit alles bisher dagewesene. Und zwar echt dermaßen super angesext, dass es mir zuviel ist und ich wirklich oft über seine SMS lachen muss, weil ich mir denke: das kann der doch jetzt nicht echt meinen? G. fragt mich, was mein Geheimnis sei. „Was machst du denn mit dem??? Der ist total süchtig nach dir“, und fragt wiederholt, ob meine Muschi denn wirklich nicht aus Gold sei.
An dieser Stelle muss ich leider nicht nur G. enttäuschen, sondern auch Sie: kein Gold, kein Geheimnis, keine wilden Praktiken. Absolut nichts. Einfach nur „Reittherapie“. Ich stehe selbst vor einem Rätsel, überlege aber wie ich dieses mir nicht wirklich bewusste Talent gewinnbringend einsetzen kann OHNE meinen Körper zu verkaufen. Wenn Sie eine Idee haben, lassen Sie es mich wissen.
Bis dahin wäre das alles noch absolut weitgehend typisch für Ben. Bis heute. Er meldet sich per SMS.
„Was machste am Wochenende?“
„Fahre zu Freunden nach Berlin, habe ein Patenkind bekommen.“
„Oha geil ich will auch nach Berlin :-(“
„Na du willst aber bestimmt ne wilde Sause in Berlin machen, du Hallodri.“
„Naja kommt ja immer drauf an mit wem man dort ist ;-) Hätt ich ne Partnerin wär ich ständig in irgendwelchen Städten aber mit meinen Kumpels ist es leider einfach net möglich :-(“
Erste Irritation meinerseits. Er mag Städtetrips? Hätte ihn am Ballerman verortet. Aber vielleicht meint er ja auch Jesolo, oder so.
„Wasn los mit denen, ist doch toll mal rauszukommen?“
„Alles Pfeiffen mit denen kann man nix planen und soviel mit denen ich sowas machen würd hab ich auch net bzw. sind die halt vergeben ;-) Und jetzt nimmste mich mit oder wollen wir mal sowas zusammen machen?“
Der Kollege im Büro schaut mich schräg an, weil ich laut lache. Wie, wir - sowas – zusammen machen?! Ich merke gerade, es fällt mir schwer den O-Ton seiner SMS zu tippen. Ich ertappe mich dabei wie ich Rechtschreibung und Grammatik korrigiere, aber ich gebe mir Mühe einen Teil im Original zu erhalten.
„Neeeee da kann ich dich auf keinen Fall mitnehmen. Und wir zwei nen Städtetrip???“
„Ja vielleicht. Warum nicht?“
Ich bin kurz vor der Schockstarre:
„Naja mal ganz ernsthaft: was machen wir denn da?“
„Was man halt in so ner Stadt macht, Sachen anschauen, vll mal feiern gehen. Wir schlafen in einem Bett und so wie ich uns kenne haben wir auch Sex. Ich hab doch auch kA wenn du kein Bock hast auf sowas sags doch war ne ganz easy Frage ;-)“
Ich bin ein bisschen beruhigt, frage mich aber immer noch, ob er das denn sein Ernst sein kann, und ob er denn auch bei unseren bisherigen Treffen dabei war und mitbekommen hat, wie still es ohne mich wäre?!? Immer noch wabert ein bisschen Fassungslosigkeit durch meinen Geist angesichts dieser unterschiedlichen Sichtweisen.
Ich beschließe erst einmal Spargel und Kartoffeln zu kochen. Das Handy plingt erneut.
„Ich weiß auch net, ich will dich jetzt auch net verunsichern aber ich denk in letzter Zeit schon öfter ma über uns nach.“
Meine Katze hat eine sehr sympathische Eigenart. Wenn sie in ihrem Versteck sitzt und jemand den sie nicht gut kennt ist bei mir zu Besuch und will sie an den Pfoten streicheln, dann zieht sie ihre Pfote und auf eine sehr mysteriöse Art und Weise irgendwie auch gleichzeitig ihren ganzen Körper in seeeeehr langsamen Zeitlupen Moon-Walk weg von dieser Person, während sie sie völlig pikiert mit RIESIGEN Mondaugen anstarrt nach dem Motto: so lange ich dir in die Augen starre merkst du nicht wie ich mich gaaaaaaaanz langsam von dir entferne, HARHARHAR du widerliches Menschenwesen!
Ich bin die Katze. Die SMS ist das Menschenwesen. Ich höre mich zu mir selbst sehr langsam sagen: „Oooo---keeeeee?!?“ Ich kucke entsetzt (aber langsam, eh klar). Erst nach links oben. Dann nach rechts oben. Dann starre ich in mich hinein. In Zeitlupe lege ich das Handy zurück auf den Wohnzimmertisch und bewege mich laaangsaaaaam seeiiiiitwääääääärts in die Küche. Dort angekommen traue ich mich zu blinzeln. Gaaaaanz langsam fange ich an den Spargel zu schälen. Aber bloss nicht die Deckung aufgeben.
Nach dem Essen schreibe ich: „Über uns… beim Sex? :-D“
Ich werde jetzt ins Bett gehen. Mit einer Antwort rechne ich heute nicht mehr.
---
Mai-Musik - ohne großen Bezug zu Ben, aber dafür zu den anderen Dingen, die da waren.
~ &Me - Locust
~ Red Axes - Too late to samba
Aber meist umschiffe ich Treffen, mehrere Monate waren dabei, in denen ich ihm erklärte: du, (immer noch) keinen Bock, ich hab Lust mich mal wieder zu verlieben, ich kann dem reinen Geficke nix mehr abgewinnen. War total ok für ihn. Größter Pluspunkt: es ist extrem unkompliziert. Auch deswegen, weil wir nichts miteinander reden. Also ich rede durchaus (er kann nur in SMS tippen - vielleicht sollten wir uns immer schreiben, wenn wir uns sehen), und versuche ihm wenigstens Geräusche abzutrotzen, denn sonst würden wir uns - abgesehen während des Sex - nur anschweigen. Manchmal kommt ein "Hm". Oder ein "Ja". Oder ein "Ne." Oder ein: "Och Babe!" Das sind die guten Tage.
Kennengelernt haben wir uns im Sommer 2012 am Hafen, bei Kar*ott*e. Unsere Begegnungen seither kann ich an einer Hand abzählen. Was unter anderem auch daran liegt, dass er eben ist wie er ist. Also wirklich, wir haben uns nix zu erzählen, können nicht gemeinsam lachen - ich weiß im Grunde gar nicht wer er ist, denn er zeigt sich nicht. ODER: da ist einfach nicht mehr.
Mit dem Frühling stieg also nun sein Hormonspiegel und somit wieder seine Hartnäckigkeit. Auf Big Ben ist Verlass. Haha! Ja. Naja. Der Frühling geht an mir ja auch nicht ganz spurlos vorbei, und so lasse ich mich Anfang Mai erweichen. Etwas geschockt bin ich ob seiner SMS, was ich denn von Hilfsmitteln beim Sex halten würde. Erst freue ich mich und denke: hmmm, niiiiiice! Doch dann schiebt er nach: Vi*ag*ra oder so. Öh. Der Hüpfer ist 6 Jahre jünger als ich. Also von seinem Vorschlag halte ich gar nichts, und das teile ich ihm auch sehr deutlich so mit.
Er erklärt mir seine Gedanken, und zum ersten mal wird mir bewusst, dass im kleinen Ben mit Sicherheit mehr passiert als nach außen dringt, und dass er hochgradig verunsichert oder auch leicht komplexig ist. Auch er hat nicht vergessen wir schnell der Spaß beim letzten mal vorbei war. Mit Engelszungen erkläre ich ihm, dass wegen SOWAS echt keine Pillen notwendig sind, und wenns nochmal so schnell geht, na dann gibt’s eben ne zweite Runde.
Unserem Treffen geht dann leider eine mich sehr enttäuschende Situation voraus, die zwar nichts mit Ben zu tun hat, letztendlich aber dazu führt, dass ich mir in seiner Anwesenheit erst einmal eine Flasche Crémant einverleibe und mich dann an meine chemischen Kühlschrankreserven mache. Derweil sehen wir <fügen Sie hier bitte dubiose Männerfilme ein, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe>. Ich frage ihn, ob ihm bei der Auswahl bewusst gewesen wäre, dass er gleich zu einer Frau fährt? „Jo“. Ich bin fast belustigt.
Es passiert, was zu erwarten war, und all das spielt an dieser Stelle nun keine Rolle, und immerhin gibt es eine zweite Runde, und am nächsten Tag geht es mir hundeelend (big surprise…) und ich bin sehr froh dass Ben noch bei Mama wohnt und zum Mittagessen nach Hause muss. Chrchrchr!
Soweit, so gut. Doch seitdem übersteigt Bens Hartnäckigkeit alles bisher dagewesene. Und zwar echt dermaßen super angesext, dass es mir zuviel ist und ich wirklich oft über seine SMS lachen muss, weil ich mir denke: das kann der doch jetzt nicht echt meinen? G. fragt mich, was mein Geheimnis sei. „Was machst du denn mit dem??? Der ist total süchtig nach dir“, und fragt wiederholt, ob meine Muschi denn wirklich nicht aus Gold sei.
An dieser Stelle muss ich leider nicht nur G. enttäuschen, sondern auch Sie: kein Gold, kein Geheimnis, keine wilden Praktiken. Absolut nichts. Einfach nur „Reittherapie“. Ich stehe selbst vor einem Rätsel, überlege aber wie ich dieses mir nicht wirklich bewusste Talent gewinnbringend einsetzen kann OHNE meinen Körper zu verkaufen. Wenn Sie eine Idee haben, lassen Sie es mich wissen.
Bis dahin wäre das alles noch absolut weitgehend typisch für Ben. Bis heute. Er meldet sich per SMS.
„Was machste am Wochenende?“
„Fahre zu Freunden nach Berlin, habe ein Patenkind bekommen.“
„Oha geil ich will auch nach Berlin :-(“
„Na du willst aber bestimmt ne wilde Sause in Berlin machen, du Hallodri.“
„Naja kommt ja immer drauf an mit wem man dort ist ;-) Hätt ich ne Partnerin wär ich ständig in irgendwelchen Städten aber mit meinen Kumpels ist es leider einfach net möglich :-(“
Erste Irritation meinerseits. Er mag Städtetrips? Hätte ihn am Ballerman verortet. Aber vielleicht meint er ja auch Jesolo, oder so.
„Wasn los mit denen, ist doch toll mal rauszukommen?“
„Alles Pfeiffen mit denen kann man nix planen und soviel mit denen ich sowas machen würd hab ich auch net bzw. sind die halt vergeben ;-) Und jetzt nimmste mich mit oder wollen wir mal sowas zusammen machen?“
Der Kollege im Büro schaut mich schräg an, weil ich laut lache. Wie, wir - sowas – zusammen machen?! Ich merke gerade, es fällt mir schwer den O-Ton seiner SMS zu tippen. Ich ertappe mich dabei wie ich Rechtschreibung und Grammatik korrigiere, aber ich gebe mir Mühe einen Teil im Original zu erhalten.
„Neeeee da kann ich dich auf keinen Fall mitnehmen. Und wir zwei nen Städtetrip???“
„Ja vielleicht. Warum nicht?“
Ich bin kurz vor der Schockstarre:
„Naja mal ganz ernsthaft: was machen wir denn da?“
„Was man halt in so ner Stadt macht, Sachen anschauen, vll mal feiern gehen. Wir schlafen in einem Bett und so wie ich uns kenne haben wir auch Sex. Ich hab doch auch kA wenn du kein Bock hast auf sowas sags doch war ne ganz easy Frage ;-)“
Ich bin ein bisschen beruhigt, frage mich aber immer noch, ob er das denn sein Ernst sein kann, und ob er denn auch bei unseren bisherigen Treffen dabei war und mitbekommen hat, wie still es ohne mich wäre?!? Immer noch wabert ein bisschen Fassungslosigkeit durch meinen Geist angesichts dieser unterschiedlichen Sichtweisen.
Ich beschließe erst einmal Spargel und Kartoffeln zu kochen. Das Handy plingt erneut.
„Ich weiß auch net, ich will dich jetzt auch net verunsichern aber ich denk in letzter Zeit schon öfter ma über uns nach.“
Meine Katze hat eine sehr sympathische Eigenart. Wenn sie in ihrem Versteck sitzt und jemand den sie nicht gut kennt ist bei mir zu Besuch und will sie an den Pfoten streicheln, dann zieht sie ihre Pfote und auf eine sehr mysteriöse Art und Weise irgendwie auch gleichzeitig ihren ganzen Körper in seeeeehr langsamen Zeitlupen Moon-Walk weg von dieser Person, während sie sie völlig pikiert mit RIESIGEN Mondaugen anstarrt nach dem Motto: so lange ich dir in die Augen starre merkst du nicht wie ich mich gaaaaaaaanz langsam von dir entferne, HARHARHAR du widerliches Menschenwesen!
Ich bin die Katze. Die SMS ist das Menschenwesen. Ich höre mich zu mir selbst sehr langsam sagen: „Oooo---keeeeee?!?“ Ich kucke entsetzt (aber langsam, eh klar). Erst nach links oben. Dann nach rechts oben. Dann starre ich in mich hinein. In Zeitlupe lege ich das Handy zurück auf den Wohnzimmertisch und bewege mich laaangsaaaaam seeiiiiitwääääääärts in die Küche. Dort angekommen traue ich mich zu blinzeln. Gaaaaanz langsam fange ich an den Spargel zu schälen. Aber bloss nicht die Deckung aufgeben.
Nach dem Essen schreibe ich: „Über uns… beim Sex? :-D“
Ich werde jetzt ins Bett gehen. Mit einer Antwort rechne ich heute nicht mehr.
---
Mai-Musik - ohne großen Bezug zu Ben, aber dafür zu den anderen Dingen, die da waren.
~ &Me - Locust
~ Red Axes - Too late to samba
Freitag, 23. Mai 2014
Stillstand ist der Tod.
okavanga, 00:44h
Stell die Uhr auf Null
Wasch den Glauben im Regen
Die Sintflut ist verebbt
Die Sünden vergeben
Kein Ersatz - Deine Droge bist Du, bist Du
Es gibt viel zu verlieren, Du kannst nur gewinnen
Genug ist zuwenig - oder es wird so wie es war
Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders
Der erste Stein fehlt in der Mauer
Der Durchbruch ist nah.
~ Herbert Grönemeyer
Es ist ein bisschen wie im Februar, an dem Punkt, an dem ich dachte: jetzt gehts mit dem Arsch auf die Büsch zu - entweder du kriegst jetzt die Kurve, oder du weist dich selber ein.Also an diesem absoluten Tiefpunkt, an dem ich auch einfach akzeptiert und zugelassen habe, dass ich unten bin, ging es bergauf. Und hier war es jetzt genauso: mit dem Punkt, an dem ich urplötzlich und ungebremst all das zulassen konnte, was sich seit Januar mit dem Verlust von LeSchwe und F. aufgebaut hatte - und noch wichtiger: an dem ich mich auch getraut habe es der Ursache zuzuordnen! (und nicht wieder nur z.B. in der Arbeit nach möglichen Ursachen gekramt habe) - ist plötzlich das Leben in mich zurückgeströmt als hätte man mir eine Blutkonserve injiziert. Und mit dem Leben kamen Zuversicht und Gelassenheit. Und zwar nicht im Kontext einer "gemeinsamen Zukunft", sondern dass alles gut ist, und auch gut wird.
Wenn ich mich darauf besinne, dass ich nicht ausgeliefert war oder bin, sondern dass ich Entscheidungen getroffen habe, und diese auch jeden Tag aufs Neue treffen kann. Wenn mir klar wird, dass ich nicht in Lethargie siechen muss, sondern dass ich mich bewegen kann. Auf jemanden oder etwas zu, oder auch von jemandem oder etwas weg. Ich bin nicht verdammt dazu in Situationen zu verharren. Ich kann sie ändern, auch wenn es manchmal noch so kleine Stellschrauben sind, oder wenn es manchmal auch unendlich viel Überwindung und Mut kostet.
Mir wurde auch klar, wie unglaublich gut ich darin geworden bin, mich selbst zu belügen. Wie tief ich diesen Kummer all die Monate in mir vergraben hatte, dass es mich so aus dem nichts wegspülen konnte. Und dass ich selbst beim Nachdenken oder in mich Hineinhören das Drama nicht wirklich hören oder jedenfalls nicht zuordnen konnte (oder wollte). Ich WOLLTE nicht, dass LeSchwe oder F. mir fehlen. Wieso auch, ich hab mich ja "von ihnen getrennt". Sie dürfen mir nicht fehlen, dachte ich mir, die sind ja doof und tun mir weh oder wir tun uns nicht gut und überhaupt. Ich sollte froh sein sie los zu haben.
Aber das ist nichts als eine bescheuerte Selbstlüge. Und in ihr weiterhin zu verharren, hätte mich langsam und allmählich umgebracht, oder zumindest weiter ausgehöhlt.
Stillstand ist mein Tod. Ich habe noch nie Herbert Grönemeyers Text so gut verstanden wie jetzt. Und ich wünsche mir, dass ich weiterhin den Mut habe Entscheidungen zu treffen und sie ggf. auch wieder zu widerrufen. Hauptsache ich bewege mich, und traue mich auf mein Herz und meine Gefühle zu hören. Und damit meine ich nicht zwangsläufig, dass ich F. und/oder LeSchwe wieder in mein Leben zurücklassen möchte. Sondern mich im Zweifel auch dahin zu bewegen den Kummer anzunehmen, die notwendige und vielleicht auch sehr lange Trauerarbeit zu leisten, und weiterzuziehen.
~ Herbert Grönemeyer - Bleibt alles anders
Sonntag, 18. Mai 2014
Gloomy Sunday.
okavanga, 13:57h
Durch die geöffnete Balkontür höre ich die Mauersegler, die fröhlich ihre Runden über die Dächer ziehen. Der kleine Stinkbär sitzt in der Tür und beobachtet das Treiben. Maunzt, lockt, genießt die Sonne im Gesicht. Kinder lachen, die türkischen Nachbarn unterhalten sich. Irgendwo dudelt ein Radio. Ein Motor heult, jemand hupt. Über den Dächern ein Flugzeug. Und über allem immer wieder die Mauersegler.
Ich liege im Bett, schon den ganzen Vormittag. Die Sonne scheint, aber ich komme nicht hoch. Das Gefühl der Einsamkeit drückt mich in die Matratze. Meine Gedanken kreisen um die Menschen, die mir bisher hier am nächsten, am nähesten, die wichtigsten, die Liebsten waren, um LeSchwe und um F. Sie fehlen mir. Und gleichzeitig kommt die Erinnerung an diese negativen Gefühle hoch, die sie in mir zum Teil verursacht haben. Ein Sommer ohne diese Menschen? Es fühlt sich an wie das nackte Grauen. Ich habe Angst, unbeschreibliche Angst, dass ich das alles nicht aushalte. Bin ich genauso opportun wie LeSchwe?
Während ich mir Hirn und Herz zermarter, beschließe ich mal wieder auf F.'s Soundcloud Seite vorbei zu schauen. Manchmal hat er gute Sets.
Doch als ich das erste Set auf der Seite, das aktuellste, von gestern, sehe, bleibt die Welt für viel zu lange Zeit stehen. So muss sich Herzversagen anfühlen. Mein Mund wird trocken, und ich weiß wirlkich nicht, wieso dieser Muskel wirklich aufgrund psychischen Leidens ganz real weh tun kann, aber er tut es, dieser scheiß Herzmuskel. Mir wird schwindelig, die Hände kribbeln, und ich wünsche mir einfach nur, das alles nicht erleben zu müssen.
Dazu kommt der Schreck über die Heftigkeit meiner Reaktion.
F. hat über LeSchwe immer das gleiche gesagt wie ich. "Die ist keine Freundin. Das ist keine Freundschaft [zwischen F. und LeSchwe]. Die meldet sich, wenn sie gerade ein Loch in ihrem Terminkalender hat, oder wenn sie irgendwas braucht."
LeSchwe war F. gegenüber wenig tolerant, hat sich oft über seine Unzuverlässigkeit und seine Drogengeschichten beschwert. Völliges Unverständnis ihrerseits (sicher berechtigt). Ihrer beider Vorteil war, dass sie sich beide nie so nahe waren, dass sie das wohl irgendwie wirklich umgehauen hätte. Sie hatten auch nie wirklich kontinuierlich und viel Kontakt miteinander, und eigentlich war F. LeSchwe auch immer sehr egal.
Mein Nachteil ist, dass sie mir beide sehr nahe waren, und mich deswegen sowohl seine Schattenseiten als auch ihre so aus der Bahn geworfen haben, dass die Situation nun eben so ist wie sie ist.
Als ich nun auf diese Soundcloud Seite schaue, schüttelt es mich, und auch wenn es das letzte ist was ich will, so laufen doch Sturzbäche über meine Wangen. Weil mir das alles zuviel ist, und wenn sie mich treffen wollten, dann ist ihnen das gelungen.
Ich habe Angst vor diesem Sommer. Vor allen Tagen die da kommen. Plötzlich bekommt der Grauschleier, der seit Monaten über allem liegt, Gesicht und Namen. Ich habe Angst nie wieder glücklich zu sein, weil ich diese zwei Menschen nicht mehr in meinem Leben habe, und sie mir das eben auf eine ganz grauenhafte Art und Weise demonstriert haben. Und auf der anderen Seite sehe ich überhaupt keine Möglichkeit, wie diese Menschen so in mein Leben zurückkommen, dass es mir dabei gut geht.
Ich liege im Bett, schon den ganzen Vormittag. Die Sonne scheint, aber ich komme nicht hoch. Das Gefühl der Einsamkeit drückt mich in die Matratze. Meine Gedanken kreisen um die Menschen, die mir bisher hier am nächsten, am nähesten, die wichtigsten, die Liebsten waren, um LeSchwe und um F. Sie fehlen mir. Und gleichzeitig kommt die Erinnerung an diese negativen Gefühle hoch, die sie in mir zum Teil verursacht haben. Ein Sommer ohne diese Menschen? Es fühlt sich an wie das nackte Grauen. Ich habe Angst, unbeschreibliche Angst, dass ich das alles nicht aushalte. Bin ich genauso opportun wie LeSchwe?
Während ich mir Hirn und Herz zermarter, beschließe ich mal wieder auf F.'s Soundcloud Seite vorbei zu schauen. Manchmal hat er gute Sets.
Doch als ich das erste Set auf der Seite, das aktuellste, von gestern, sehe, bleibt die Welt für viel zu lange Zeit stehen. So muss sich Herzversagen anfühlen. Mein Mund wird trocken, und ich weiß wirlkich nicht, wieso dieser Muskel wirklich aufgrund psychischen Leidens ganz real weh tun kann, aber er tut es, dieser scheiß Herzmuskel. Mir wird schwindelig, die Hände kribbeln, und ich wünsche mir einfach nur, das alles nicht erleben zu müssen.
Dazu kommt der Schreck über die Heftigkeit meiner Reaktion.
F. hat über LeSchwe immer das gleiche gesagt wie ich. "Die ist keine Freundin. Das ist keine Freundschaft [zwischen F. und LeSchwe]. Die meldet sich, wenn sie gerade ein Loch in ihrem Terminkalender hat, oder wenn sie irgendwas braucht."
LeSchwe war F. gegenüber wenig tolerant, hat sich oft über seine Unzuverlässigkeit und seine Drogengeschichten beschwert. Völliges Unverständnis ihrerseits (sicher berechtigt). Ihrer beider Vorteil war, dass sie sich beide nie so nahe waren, dass sie das wohl irgendwie wirklich umgehauen hätte. Sie hatten auch nie wirklich kontinuierlich und viel Kontakt miteinander, und eigentlich war F. LeSchwe auch immer sehr egal.
Mein Nachteil ist, dass sie mir beide sehr nahe waren, und mich deswegen sowohl seine Schattenseiten als auch ihre so aus der Bahn geworfen haben, dass die Situation nun eben so ist wie sie ist.
Als ich nun auf diese Soundcloud Seite schaue, schüttelt es mich, und auch wenn es das letzte ist was ich will, so laufen doch Sturzbäche über meine Wangen. Weil mir das alles zuviel ist, und wenn sie mich treffen wollten, dann ist ihnen das gelungen.
Ich habe Angst vor diesem Sommer. Vor allen Tagen die da kommen. Plötzlich bekommt der Grauschleier, der seit Monaten über allem liegt, Gesicht und Namen. Ich habe Angst nie wieder glücklich zu sein, weil ich diese zwei Menschen nicht mehr in meinem Leben habe, und sie mir das eben auf eine ganz grauenhafte Art und Weise demonstriert haben. Und auf der anderen Seite sehe ich überhaupt keine Möglichkeit, wie diese Menschen so in mein Leben zurückkommen, dass es mir dabei gut geht.
Donnerstag, 15. Mai 2014
okavanga, 14:30h
Könnte kotzen. Soviel kotzen, dass auch das vom Samstag nicht reicht. Es. ist. zum. Kotzen.
Es kostet mich zur Zeit soviel Energie und Anstrengung, nicht einfach liegen zu bleiben. Nicht einfach ins Auto zu steigen und irgendwo hinzufahren. Nicht zu flüchten.
Es kostet mich soviel Anstrengung bestimmte Menschen und Situationen auszuhalten. Und weiterzumachen. Nicht nur das Schlechte zu sehen. Ich versuche es so arg. Aber unterm Strich bin ich einfach fertig, und es bröckelt alles immer mehr.
Und diese Phase zieht sich so. Mir fehlt die Perspektive. Etwas ändern? Ja. Was? Auch klar. Unklar: wohin?
Es kostet mich zur Zeit soviel Energie und Anstrengung, nicht einfach liegen zu bleiben. Nicht einfach ins Auto zu steigen und irgendwo hinzufahren. Nicht zu flüchten.
Es kostet mich soviel Anstrengung bestimmte Menschen und Situationen auszuhalten. Und weiterzumachen. Nicht nur das Schlechte zu sehen. Ich versuche es so arg. Aber unterm Strich bin ich einfach fertig, und es bröckelt alles immer mehr.
Und diese Phase zieht sich so. Mir fehlt die Perspektive. Etwas ändern? Ja. Was? Auch klar. Unklar: wohin?
Seelenheil ~
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