Sonntag, 4. Oktober 2015
Nachdem mir gestern der mehrstündige Spaziergang mehr als nur gut getan hat, bewirkt ein solcher heute kaum etwas. Umso schwerer fällt es mir mich am Abend aufzuraffen für das Science Slam. Ein Kollege hat bereits vor mehreren Wochen Karten besorgt und eigentlich wollten der Mann und ich gemeinsam dort hin.

Nun stehen da nur Kollege M., seine zwei Kids im Alter von 16 und 14 und ich. "Hey, warum kommst du nun doch alleine???" begrüßt mich M. "Naja... was soll ich sagen... solo, hmm"... mir steigen die Tränen in die Augen. "Heee...." der Kollege ist ein bisschen verlegen, die Kids erstrecht, und wir entschließen uns dazu reinzugehen.

Der erste Beitrag läuft außer Konkurrenz und wird von ausgerechnet von einem Juristen vorgetragen. Das hätte dem Mann gefallen. Sehr sogar. Es ist schade, hier ohne ihn zu sein.

Am Ende des Abends bin ich guter Laune, es war unterhaltsam und abwechslungsreich, und nicht zuletzt hier merke ich, wie neugierig ich bin auf Neues, wie wissbegierig und hungrig auf Lernen. Gut so, das brauche ich, sonst werden die nächsten Jahre schwer. Ein dickes Plus bekommt auch das letzte Glas Wein. "Ich glaub, der Junge war nicht beim Briefing dabei als es darum ging wieviel man einschenkt" lacht M. und stellt mir ein randvolles Glas hin. Hoch die Tassen.

Es ist kurios wie ich oft genau im richtigen Moment die richtigen Menschen treffe. Im Lauf des Abends verabschieden sich M.'s Kinder, für die is das einfach nix. Wärs für mich in dem Alter auch nich gewesen, aber es war schön dass sie dabei waren. Jedenfalls stehe ich so nach der Veranstaltung allein mit M. vor meinem Fahrrad in der echt lauen Herbstnacht und wir kommen ins Reden. Das was ich für mich mitnehme und was wir reden ist sehr intim, und es wundert mich als ich mich auf seine Frage, ob ich jemanden zum Reflektieren habe, sagen höre: ja, ich hocke jetzt beim 6. Therapeuten. Es schein ihn weder zu wundern noch zu schockieren. Er sitzt auch bei jemandem, allerdings einige Kilometer entfernt.

Er sagt mir ganz wundbare Dinge, von denen ich so viel mehr als Wahrheiten annehmen kann als noch vor einigen Jahren, dass ich mich allein darüber freue. Und ich freue mich über die feste und lange Umarmung, dass er mich wiegt und mir so schöne Dinge ins Ohr flüstert.

Irgendwann werde ich mir reichen. Das bin ich mir schuldig.

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Freitag, 2. Oktober 2015
Wir sind in Südafrika am Meer. Es ist aber nicht sommerlich, eher Winterzeit, er sagt, Ende November, auch wenn das nicht passen kann. Der Himmel ist grau, aber es ist nicht wirklich kalt. Schön ist es. Das Meer steht sehr hoch, die Wellen kommen mit jedem mal weiter auf uns zu, bis sie uns plötzlich um die Füße spülen und wir rennen ausgelassen weg. Dann bleiben wir stehen und halten uns fest im Arm. "Können wir nicht einfach weitermachen?", frage ich. "Wir können auch nochmal anfangen uns neu zu treffen, und das Produkt* gemeinsam aufbauen", antwortet er. Ich halte ihn fest und bin froh, bis ich aufwache.


[*SA*P H*ANA, weiß ich im Traum - wieso auch immer mein Unterbewusstsein genau das mit ihm aufbauen will. Aber einer meiner Coachees will hier mehr Wissen aufbauen. Was das im Traum zu suchen hat... naja. Aufbau bleibt Aufbau]

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Donnerstag, 1. Oktober 2015
Ich hänge vorhin mit dem Kopf über dem Waschbecken und werfe mir kaltes Wasser ins Gesicht. Als ich meinen Kopf nach rechts wende damit die Haare nicht nass werden und ich dann den Wasserhahn ausstelle, entdecke ich auf meinem Haarspray eine kostenloste Service Hotline Nummer. Ich sollte da anrufen, ist mein erster Gedanken. Und mein zweiter: ob da echt Leute anrufen? Was erzählen sie da? „Ja schönen guten Tag, ich bräuchte bitte Hilfe beim Befestigen meines Ponies. Ich habe schon alles versucht aber Ihr Produkt schafft es einfach nicht.“ „Das ist gar kein Problem, nennen Sie mir doch bitte die gewünschten Lageparameter des Ponies.“

Dann gehe ich wieder ins Bett.

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Donnerstag, 1. Oktober 2015
Und plötzlich war er weg. Einfach so, bin ich versucht zu sagen. Auch wenn das nicht stimmt. Aber dann halt doch. Weg. Eine Frage von weniger als 10 Minuten. So schnell geht das.

Es ist schwer bis unmöglich mir nicht selbst den Stempel der Versagerin draufzudrücken.

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Mittwoch, 2. September 2015
Kaufen kaufen kaufen.
Wenn ich tatsächlich mal einen Sender schaue der Werbepausen bringt, dann muss ich in diesen Werbeblöcken wegschalten. Nicht, weil es mich langweilt oder nicht interessiert - also das auch - aber es macht mich extrem aggressiv. Allein schon vom Zuhören, wenn ich nicht hinschaue weil ich Wäsche aufhänge oder eine Nachricht tippe: die Melodien, die Stimmen, die Texte. Unerträglich! Wie halten andere Menschen das aus?

Tatsächlich bin ich auch relativ konsumresistent. Ich kaufe mir selten neue Kleidung, Haushaltsgegenstände oder Elektrogeräte. Vieles erbe ich aus dem Freundeskreis: die meisten wollen immer das neueste Handymodell und vermachen mir ihr altes. Oder sie wollen neues Geschirr, dann bekomme ich das alte. Oder sie haben nun einen Induktionsherd, dann bekomme ich die alten Töpfe. Sogar zu meiner Anlage samt Boxen bin ich auf diese Art und Weise gelangt. Dabei schwatze ich das den Leuten echt nie ab. Die kommen immer aktiv auf mich zu. Wenn ich etwas kaufe versuche ich mich immer zu fragen: brauche ich das jetzt echt? Wielang oder wie oft kann ich das verwenden? Kann ich mir da auch irgendwo leihen oder alt geben lassen? Wenn eine Hose ein Loch hat, werfe ich sie nicht weg sondern bringe sie zur Schneiderin (ein Hoch auf sie, sie hat begnadete Hände). Ich habe immer noch die Badetücher, die meine Mutter mir vor 16 Jahren für die erste eigene Wohnung geschenkt hat, ebenso den Bratwender, die Auflaufform, ... Eklig? Hm. Über die Jahre kamen natürlich auch immer mal vereinzelt neue Dinge hinzu. Trendy und immer auf dem neuesten Stand bin ich sicher nicht. Allerdings vermisse ich auch absolut nichts (außer mehr Urlaubstage).

Dabei geht es mir primär gar nicht um das Finanzielle. Zum einen hasse ich shoppen. Wenig löst in mir größeres Unverständnis aus als die Aussage "wir gehen am Samstag shoppen" - wann wurde das eine Freizeitaktivität? Ganz zu schweigen von diesem nicht nachvollziehbaren angeblichen Schuh-Tick von Frauen. Wer hat das erfunden? Ist das echt so? Schuhe, echt? Also nichts gegen gute Schuhe, aber warum so viele?? Zum anderen weil eh schon genug Ressourcen verschleudert werden. Auch die Amazon-/ Online-Bestell-Besessenheit ist völlig an mir vorübergegangen.

Weniger resisten bin ich dagegen bei Büchern und Essen. [Ergänzung: und Hauschka-Produkten. Bisschen Weib is auch in mir.] Aber da find ich mein Geld auch ganz gut investiert.

Wie handhaben Sie das?

~ Die Toten Hosen - Kauf mich