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Dienstag, 14. Juni 2016
okavanga, 02:42h
"Was genau suchst du eigentlich???"
Zwischen den Stapeln meiner Tagebücher habe ich zuerst eine Mail von V. gefunden, die ich mir damals in Südafrika von meinem dortigen Uni-Mailaccount ausgedruckt hatte, damit ich sie behalten kann. Sie war mir wohl wichtig. Ich fotografiere sie vorhin und sende sie V. Weniger später finde ich in einem Tagebuch vom Jahr 2002 einen Eintrag zu unserer zweiten Begegnung. "Du fandest mich mal süß??? Ich bin erstaunt." "Ich auch... Scherz. ;-)"
Was genau suche ich eigentlich.
Zuerst habe ich eine Stunde im Keller diese ganzen Tagebücher gesucht. Dann hab ich angefangen zu lesen. Und zu schauen. So tolle Liebesbriefe, die ich bekommen habe. Wunderschöne Karten. Bilder, die nüchtern, Bilder die mit Drogen gekritzelt wurden. So viel Kummer, Ängste, Selbsthass, Wut, Verzweiflung, soviel "Ich hasse mich und mein Leben", und mindestens genauso viel "Ich bin glücklich, ich liebe mich und mein Leben." Letzteres muss mir in dieser Form irgendwann vor 10 Jahren verloren gegangen sein. Eigentlich pünktlich mit Diplomarbeit und Ende der Studienzeit.

Ich wollte sehen, was ich mit 17 in meine Tagebücher geschrieben habe. Ich schreibe Tagebücher, seit ich schreiben kann. Oder zumindest beinahe. Leider habe ich einige auch gar nicht mehr.

Ich wollte sie suchen, weil ich derzeit den Eindruck habe mich wieder zu fühlen wie mit 16, 17. Nicht, was die meisten jetzt darunter verstehen, sweet 16 und so. Eher tottraurig, einsam, ohne Orientierung. Eher den Punkt, an dem ich angefangen habe die Gefühle mit Drogen zu deckeln, weil ich nicht wusste wie ichs sonst aushalten soll.
Momentan fühle ich mich genau so, dass ich wieder nachvollziehen kann, warum ich damals zu Drogen gegriffen habe.

Es erstaunt mich wirklich extrem, dass da auch so oft "Ich bin glücklich, ich liebe mich und mein Leben." steht. Primär ist das dann nach der Drogen-Hochphase, und nach meinem Auszug von zu Hause. Ab ca. Ende 19, Anfang 20. Das war mir so gar nicht mehr bewusst, auch, dass das doch so häufig war. Diese Höhen sind nur noch eine vage Erinnerung, aber ich weiß, dass sie da waren. Ich lese von all den wunderbaren Begegnungen, die ich hatte, mit Männern wie mit Frauen, mit Freundschaften wie mit Beziehungen. Von Liebeskummer, Verzweiflung, Schmetterlingen im Bauch und der Euphorie der ersten großen, richtig großen Liebe.
Wo sind sie hin, die Höhen? Ist das der Preis fürs auspegeln? Warum sind dann die krassen Tiefen nicht ausgepegelt?
Wieso begegne ich heute nicht mehr so vielen Menschen wie damals? Ist es das Alter?
Wieso bin ich heute noch so viel befangener als damals? Damals habe ich einfach gemacht. Mich reingestürzt. In Städte, in Länder, in Abenteuer, in Männer. Hab mir dabei die Knie und Lippe aufgeschlagen, blaue Flecken und Narben geholt. Und bin trotzdem überglücklich barfuß auf Asphalt durch den warmen Sommerregen in München Schwabing getanzt.
Wenn das der Inbegriff der Jugend ist, die man irgendwann einfach abgibt, wieso habe ich es nicht geschafft mir etwas zu erschaffen, was den Verlust der Jugend ausgleicht? Was wäre das gewesen? Was hätte mir diesen Verlust ausgeglichen? Tatsächlich eine feste Partnerschaft, Familie? Oder vielmehr weiterhin konstante Veränderung, Abenteuer, Neues entdecken?
Mir fehlen diese Höhen. Wahrscheinlich fehlen mir sogar die aufgeschlagenen Knie. Vielleicht muss ich einfach anfangen wieder auf die Fresse zu fallen. Das Leben in vollen Zügen angehen. Pleite und glücklich. Verletzt, hysterisch, zufrieden. Lebendig.
Oder war es genau das, was mich an diesen Punkt gebracht hat, an dem ich jetzt bin? Oder bin ich an dem Punkt, weil ich das irgendwann aufgehört habe?
Zwischen den Stapeln meiner Tagebücher habe ich zuerst eine Mail von V. gefunden, die ich mir damals in Südafrika von meinem dortigen Uni-Mailaccount ausgedruckt hatte, damit ich sie behalten kann. Sie war mir wohl wichtig. Ich fotografiere sie vorhin und sende sie V. Weniger später finde ich in einem Tagebuch vom Jahr 2002 einen Eintrag zu unserer zweiten Begegnung. "Du fandest mich mal süß??? Ich bin erstaunt." "Ich auch... Scherz. ;-)"
Was genau suche ich eigentlich.
Zuerst habe ich eine Stunde im Keller diese ganzen Tagebücher gesucht. Dann hab ich angefangen zu lesen. Und zu schauen. So tolle Liebesbriefe, die ich bekommen habe. Wunderschöne Karten. Bilder, die nüchtern, Bilder die mit Drogen gekritzelt wurden. So viel Kummer, Ängste, Selbsthass, Wut, Verzweiflung, soviel "Ich hasse mich und mein Leben", und mindestens genauso viel "Ich bin glücklich, ich liebe mich und mein Leben." Letzteres muss mir in dieser Form irgendwann vor 10 Jahren verloren gegangen sein. Eigentlich pünktlich mit Diplomarbeit und Ende der Studienzeit.

Ich wollte sehen, was ich mit 17 in meine Tagebücher geschrieben habe. Ich schreibe Tagebücher, seit ich schreiben kann. Oder zumindest beinahe. Leider habe ich einige auch gar nicht mehr.

Ich wollte sie suchen, weil ich derzeit den Eindruck habe mich wieder zu fühlen wie mit 16, 17. Nicht, was die meisten jetzt darunter verstehen, sweet 16 und so. Eher tottraurig, einsam, ohne Orientierung. Eher den Punkt, an dem ich angefangen habe die Gefühle mit Drogen zu deckeln, weil ich nicht wusste wie ichs sonst aushalten soll.
Momentan fühle ich mich genau so, dass ich wieder nachvollziehen kann, warum ich damals zu Drogen gegriffen habe.

Es erstaunt mich wirklich extrem, dass da auch so oft "Ich bin glücklich, ich liebe mich und mein Leben." steht. Primär ist das dann nach der Drogen-Hochphase, und nach meinem Auszug von zu Hause. Ab ca. Ende 19, Anfang 20. Das war mir so gar nicht mehr bewusst, auch, dass das doch so häufig war. Diese Höhen sind nur noch eine vage Erinnerung, aber ich weiß, dass sie da waren. Ich lese von all den wunderbaren Begegnungen, die ich hatte, mit Männern wie mit Frauen, mit Freundschaften wie mit Beziehungen. Von Liebeskummer, Verzweiflung, Schmetterlingen im Bauch und der Euphorie der ersten großen, richtig großen Liebe.
Wo sind sie hin, die Höhen? Ist das der Preis fürs auspegeln? Warum sind dann die krassen Tiefen nicht ausgepegelt?
Wieso begegne ich heute nicht mehr so vielen Menschen wie damals? Ist es das Alter?
Wieso bin ich heute noch so viel befangener als damals? Damals habe ich einfach gemacht. Mich reingestürzt. In Städte, in Länder, in Abenteuer, in Männer. Hab mir dabei die Knie und Lippe aufgeschlagen, blaue Flecken und Narben geholt. Und bin trotzdem überglücklich barfuß auf Asphalt durch den warmen Sommerregen in München Schwabing getanzt.
Wenn das der Inbegriff der Jugend ist, die man irgendwann einfach abgibt, wieso habe ich es nicht geschafft mir etwas zu erschaffen, was den Verlust der Jugend ausgleicht? Was wäre das gewesen? Was hätte mir diesen Verlust ausgeglichen? Tatsächlich eine feste Partnerschaft, Familie? Oder vielmehr weiterhin konstante Veränderung, Abenteuer, Neues entdecken?
Mir fehlen diese Höhen. Wahrscheinlich fehlen mir sogar die aufgeschlagenen Knie. Vielleicht muss ich einfach anfangen wieder auf die Fresse zu fallen. Das Leben in vollen Zügen angehen. Pleite und glücklich. Verletzt, hysterisch, zufrieden. Lebendig.
Oder war es genau das, was mich an diesen Punkt gebracht hat, an dem ich jetzt bin? Oder bin ich an dem Punkt, weil ich das irgendwann aufgehört habe?
Sonntag, 12. Juni 2016
okavanga, 21:59h
Und jetzt 500 Jahre schlafen.
Freitag, 10. Juni 2016
okavanga, 00:30h
Ganz schlechte Woche. Hoffe aber, das schlimmste liegt hinter und nicht am Wochenende vor mir..
Seelenheil ~
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Mittwoch, 8. Juni 2016
Insider für Monnemer.
okavanga, 23:02h
In "Emma nach Mitternacht" stürzt in Mannheim ein Dach unter hoher Schneelast ein.
Das muss mal ein ECHT beschissenes Dach gewesen sein.
Das muss mal ein ECHT beschissenes Dach gewesen sein.
Dienstag, 7. Juni 2016
We - are - familiy?
okavanga, 02:13h
Nach einem Überblick über die psychosozialen Stadien nach Erikson geneigt zu sagen: Danke ihr Arschlöcher. Aber. Der Zug ist abgefahren. Selbst ist die Frau, jetzt wohl. Wenn ich das so lese fällt es mir aber verdammt schwer nicht doch noch die Hoffnung auf Veränderung zu verlieren.
Sehr blöd kollidiert meine aktuelle Psychophase in der Tat auch mit der standesamtlichen Hochzeit meines Bruders am kommenden Samstag in meiner Heimat. In den letzten Monaten habe ich den Familienkontakt extrem reduziert. Der viereckige Deckel, den ich irgendwann mal mit sehr viel Anstrengung auf das runde Fass mit der ganzen stinkenden Siffe gehämmert habe, ist ein bisschen angelupft. Gesehen, da brodelts noch viel mehr als ich dachte, und meine Güte, quelle odeur.. Kurzum: gar kein Bedürfnis die gerade alle zu sehen.
Also überlegte ich, einfach mit einer Begleitung zu kommen, die auf meiner Seite steht, sprich: nicht auf der meiner Familie. Das müssen sie jetzt nicht verstehen. Reicht, wenn ich es tue. Ich dankte also meinem Bruder per Nachricht für die hübsche Einladung und sagte, dass ich mit Katinka komme. Keine Reaktion. Es folgte eine noch hübschere Einladung für die kirchliche Trauung im September. "Schöne Einladung, danke euch. Ich komme gerne und bringe V. mit".
Prompt klingelte das Telefon. Es folgte eine kuriose Diskussion. Glücklicherweise war ich psychisch gut vorbereitet Dank meines Psychoonkels, der mir gerade wie einem Kleinkind lernt mir einfach das zu nehmen was ich möchte und brauche. Hier der Versuch einer Auszugsrekonstruktion:
"Hallo Oka. Also das ist jetzt ja schon ein bisschen überraschend, wir müssen ja auch planen und so, und .. also du hättest ja mal fragen können. Die standesamtliche soll nur im ganz kleinen Kreis stattfinden."
"Das mit dem Planen ist gar kein Problem. Also zumindest für September hattet ihr ja gesagt, dass eine Rückmeldung bis Ende Juni benötigt wird, da ist doch noch ein bisschen Luft."
"Ja, aber wenn jemand allein eingeladen ist, dann soll er auch alleine kommen."
[Also wenn sie jetzt schlucken - ich hab geschluckt]
"Ja und wieso? Wieso wurde ich überhaupt allein eingeladen?"
"Weil du halt einfach keinen hast zur Zeit."
"Also ich sehe nicht, dass ich keinen habe. Ich habe halt andere, als ihr das erwartet. A., ganz ehrlich, wenn ich alleine kommen soll, dann komme ich nicht."
"Also wie kannst du sowas sagen! Du bist meine Schwester!"
(ach - da fällt euch das ein? Wann wart ihr eigentlich das letzte mal hier? Vor... 6 Jahren?)
"Hm ja, und weißt du, deswegen dachte ich, dass es egal ist wie und mit wem ich komme, weil du dich einfach freust dass ich komme. Weißt du, das ist keine Trotzreaktion, sondert etwas, worüber ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe."
"Hmm naja achso... Du hättest ja wenigstens fragen können."
"Dachtest du ich mach das um dich zu ärgern?? Das irritiert mich. Außerdem Das ist nicht deine Entscheidung. Es ist meine, ob ich komme und mit wem. Dich zu fragen hätte mich überhaupt nicht weitergebracht, außer dahin, nicht zu kommen bei einem Nein."
"Da muss ich echt drüber nachdenken. Also dass du da so denkst. Die standesamtliche soll nur im kleinen Kreis sein. Ein Partner wäre gar kein Problem, der wäre ja Familie."
"Für mich sind meine Freunde meine Familie. Und bedeutet dass, dass ich das größte dumme Arschloch mitbringen dürfte, einfach weils mein Freund ist, aber jemanden, den ihr alle auch seit Jahrzehnten kennt und eigentlich auch mögt, stellt ein Problem dar?"
"Partner sind für mich einfach was anderes. Partner sind Familie. Die gehören halt dazu. Naja. Ich muss das mal sacken lassen.
Die Stereotype, um nicht zu sagen Vorurteile und ja.. doch durchaus auch Diskriminierung haben mich etwas schockiert. Vielleicht erging es (und ergeht es sicher auch noch heute) Homosexuellen, die offenbaren, dass sie nicht das Gegengeschlecht als Begleitung mitbringen. Es keimte der leise Gedanke auf, wie oft mir doch eine negative Andersartigkeit in der Familie gespiegelt wurde auf subtile und vielleicht auch weniger subtile Art und Weise. Würde zumindest mein Gefühl erklären, nicht zugehörig zu sein. War aber vielleicht auch im Stinkefass. Für Außenstehende die mich und meine Familie kennen nur seltenst nachvollziehbar - außer für N., die halt echt alle Kindheitsscheisse auch mitbekommen hat.
Sie hat mich neulich an ein oft auftretendes Verhalten meiner Mutter erinnert, dass im Stinkefass ganz tief unten war, und dass ich ohne die Aussage von N. sicher nicht mehr erinnert hätte. Das Verhalten ist mir so peinlich und berührt mich so tief, dass ich es hier nicht sagen kann. "Oka, deine Mama war echt eine Furie. Ich fühlte mich da immer ... zuviel. Nicht willkommen." Etwas, was ich wohl fürs Leben mitgenommen habe. N. konnte ja nach dem Besuch wieder gehen, und wir waren zum Glück auch meistens draußen in unserem riesigen wilden Garten oder im Wald unterwegs.
Aber gut. Zurück zum Thema. Es kam kein Veto, mein Bruder hat nochmal in einem Telefonat gesagt, dass Katinka natürlich dabei sein kann (Euphorie klingt aber anders) und Katinka und ich gehen da am Samstag hin, ebenso wie V. mit mir im September ins Tiefbayerische (Heimat der dann Frau meines Bruders) fährt, und dafür gehört ihm echt mein Herz.
So ist das. Mit der Familie. Es ist schwierig meine emotionale Ambivalenz zu sortieren. Die Krankheit meiner Mutter hat uns ja doch auf eine Art auch sehr zusammengeschweißt. Ich wanke derzeit zwischen:
- komm wir hämmern den Deckel einfach wieder drauf! War doch irgendwie besser. Es gab sowas wie Harmonie und gemeinsame Aktivitäten. "Ich mag doch meine Familie, und eigentlich gefällt es mir dort doch auch wenn ich zu Hause bin." Psychoonkel schaut mich mit großen Augen an wie: isse jetzt irre? und lacht, sicher auch an Weihnachten denkend: "Ne.. ne tuts nicht."
- also dann eben: Augen auf und durch.
Sehr blöd kollidiert meine aktuelle Psychophase in der Tat auch mit der standesamtlichen Hochzeit meines Bruders am kommenden Samstag in meiner Heimat. In den letzten Monaten habe ich den Familienkontakt extrem reduziert. Der viereckige Deckel, den ich irgendwann mal mit sehr viel Anstrengung auf das runde Fass mit der ganzen stinkenden Siffe gehämmert habe, ist ein bisschen angelupft. Gesehen, da brodelts noch viel mehr als ich dachte, und meine Güte, quelle odeur.. Kurzum: gar kein Bedürfnis die gerade alle zu sehen.
Also überlegte ich, einfach mit einer Begleitung zu kommen, die auf meiner Seite steht, sprich: nicht auf der meiner Familie. Das müssen sie jetzt nicht verstehen. Reicht, wenn ich es tue. Ich dankte also meinem Bruder per Nachricht für die hübsche Einladung und sagte, dass ich mit Katinka komme. Keine Reaktion. Es folgte eine noch hübschere Einladung für die kirchliche Trauung im September. "Schöne Einladung, danke euch. Ich komme gerne und bringe V. mit".
Prompt klingelte das Telefon. Es folgte eine kuriose Diskussion. Glücklicherweise war ich psychisch gut vorbereitet Dank meines Psychoonkels, der mir gerade wie einem Kleinkind lernt mir einfach das zu nehmen was ich möchte und brauche. Hier der Versuch einer Auszugsrekonstruktion:
"Hallo Oka. Also das ist jetzt ja schon ein bisschen überraschend, wir müssen ja auch planen und so, und .. also du hättest ja mal fragen können. Die standesamtliche soll nur im ganz kleinen Kreis stattfinden."
"Das mit dem Planen ist gar kein Problem. Also zumindest für September hattet ihr ja gesagt, dass eine Rückmeldung bis Ende Juni benötigt wird, da ist doch noch ein bisschen Luft."
"Ja, aber wenn jemand allein eingeladen ist, dann soll er auch alleine kommen."
[Also wenn sie jetzt schlucken - ich hab geschluckt]
"Ja und wieso? Wieso wurde ich überhaupt allein eingeladen?"
"Weil du halt einfach keinen hast zur Zeit."
"Also ich sehe nicht, dass ich keinen habe. Ich habe halt andere, als ihr das erwartet. A., ganz ehrlich, wenn ich alleine kommen soll, dann komme ich nicht."
"Also wie kannst du sowas sagen! Du bist meine Schwester!"
(ach - da fällt euch das ein? Wann wart ihr eigentlich das letzte mal hier? Vor... 6 Jahren?)
"Hm ja, und weißt du, deswegen dachte ich, dass es egal ist wie und mit wem ich komme, weil du dich einfach freust dass ich komme. Weißt du, das ist keine Trotzreaktion, sondert etwas, worüber ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe."
"Hmm naja achso... Du hättest ja wenigstens fragen können."
"Dachtest du ich mach das um dich zu ärgern?? Das irritiert mich. Außerdem Das ist nicht deine Entscheidung. Es ist meine, ob ich komme und mit wem. Dich zu fragen hätte mich überhaupt nicht weitergebracht, außer dahin, nicht zu kommen bei einem Nein."
"Da muss ich echt drüber nachdenken. Also dass du da so denkst. Die standesamtliche soll nur im kleinen Kreis sein. Ein Partner wäre gar kein Problem, der wäre ja Familie."
"Für mich sind meine Freunde meine Familie. Und bedeutet dass, dass ich das größte dumme Arschloch mitbringen dürfte, einfach weils mein Freund ist, aber jemanden, den ihr alle auch seit Jahrzehnten kennt und eigentlich auch mögt, stellt ein Problem dar?"
"Partner sind für mich einfach was anderes. Partner sind Familie. Die gehören halt dazu. Naja. Ich muss das mal sacken lassen.
Die Stereotype, um nicht zu sagen Vorurteile und ja.. doch durchaus auch Diskriminierung haben mich etwas schockiert. Vielleicht erging es (und ergeht es sicher auch noch heute) Homosexuellen, die offenbaren, dass sie nicht das Gegengeschlecht als Begleitung mitbringen. Es keimte der leise Gedanke auf, wie oft mir doch eine negative Andersartigkeit in der Familie gespiegelt wurde auf subtile und vielleicht auch weniger subtile Art und Weise. Würde zumindest mein Gefühl erklären, nicht zugehörig zu sein. War aber vielleicht auch im Stinkefass. Für Außenstehende die mich und meine Familie kennen nur seltenst nachvollziehbar - außer für N., die halt echt alle Kindheitsscheisse auch mitbekommen hat.
Sie hat mich neulich an ein oft auftretendes Verhalten meiner Mutter erinnert, dass im Stinkefass ganz tief unten war, und dass ich ohne die Aussage von N. sicher nicht mehr erinnert hätte. Das Verhalten ist mir so peinlich und berührt mich so tief, dass ich es hier nicht sagen kann. "Oka, deine Mama war echt eine Furie. Ich fühlte mich da immer ... zuviel. Nicht willkommen." Etwas, was ich wohl fürs Leben mitgenommen habe. N. konnte ja nach dem Besuch wieder gehen, und wir waren zum Glück auch meistens draußen in unserem riesigen wilden Garten oder im Wald unterwegs.
Aber gut. Zurück zum Thema. Es kam kein Veto, mein Bruder hat nochmal in einem Telefonat gesagt, dass Katinka natürlich dabei sein kann (Euphorie klingt aber anders) und Katinka und ich gehen da am Samstag hin, ebenso wie V. mit mir im September ins Tiefbayerische (Heimat der dann Frau meines Bruders) fährt, und dafür gehört ihm echt mein Herz.
So ist das. Mit der Familie. Es ist schwierig meine emotionale Ambivalenz zu sortieren. Die Krankheit meiner Mutter hat uns ja doch auf eine Art auch sehr zusammengeschweißt. Ich wanke derzeit zwischen:
- komm wir hämmern den Deckel einfach wieder drauf! War doch irgendwie besser. Es gab sowas wie Harmonie und gemeinsame Aktivitäten. "Ich mag doch meine Familie, und eigentlich gefällt es mir dort doch auch wenn ich zu Hause bin." Psychoonkel schaut mich mit großen Augen an wie: isse jetzt irre? und lacht, sicher auch an Weihnachten denkend: "Ne.. ne tuts nicht."
- also dann eben: Augen auf und durch.
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