Mittwoch, 30. Oktober 2019
Filmtage - Tag und Nacht 1: Mittwoch
Nachdem Katinka und ich am Abend zuvor bis Punkt 0 Uhr über Filmauswahl und Planung brüteten, stellen wir uns am Mittwoch Morgen in die Schlange vor das Kartenhäuschen. Wider Erwarten halten wir 1,5 Stunden später und etwas perplex tatsächlich Karten zu allen Filmen in den Händen, die wir ausgesucht hatten. Das ist ungewöhnlich. Darauf und zum Aufwärmen gibt es erstmal Kaffee in einer Bar/Bistro, in dem ich früher kellnerte. Der Besitzer ist auch ein Freund des Meisters gewesen. Wir umarmen uns. Später stößt noch ein ehemaliger Klassenkamerad zu uns. Wir tauschen unsere Filmnummern aus. Die Geschmäcker sind gar nicht so verschieden.

Um 13 Uhr geht es dann auch schon los mit Film 1:
Die Dokumentation "Butenland" von Marc Pierschel. Ursprünglich hatte ich diesen Film nicht in der Auswahl, sondern stattdessen zur selben Zeit "Wet Season" präferiert. Aber Katinka und ich wollten nicht in Film 1 getrennte Wege gehen, und so entschied ich mich um.
Was soll ich sagen. Der Film birgt keine großen Überraschungen, dafür viel Schmerz. Für mich sind die Bilder, die nicht auf Butenland entstanden sind, großteils unerträglich und meine Augen sind schnell fett und verquollen. Zeitweise muss ich sehr mit mir kämpfen, dass ich die Vorführung nicht verlasse. Mir wird klar, dass ich mir ein großes weites Herz gar nicht wünschen muss. Ich habe eines. Aber eines das eben so groß und weit ist, dass es manches dieser Welt kaum aushält. Die Themen und Bilder des Films habe ich mit der Muttermilch aufgesogen, und mit den Jahren bin ich keinen Millimeter abgestumpft. Erträglich wird es durch die positive und liebevolle Art der Butenland-Bewirtschafter. Es gibt sie, die einzelnen Fälle, in denen sich etwas unverhofft zum Guten wendet, in denen Leid gemindert werden kann. Sicher verdient erhält dieser Dokumentarfilm am Wochenende dann auch den Granitpreis. "Butenland" ist sehenswert, wenn man es aushält.

Kurzfilm davor: Lac Daumesnil von Thomas Devouge. Hinterlässt mich mit etlichen Interpretationsvarianten.

Kurzfilm vor Film 2: Der Kupfermann. Uff. Schön gemacht, schöne Bilder. Kein Happy End.

Wir bleiben an diesem ersten Tag bei schwerer Kost. Film 2 ist ebenfalls ein Dokumentarfilm, und zwar eines sehr jungen Nachwuchsregisseurs. Robert Kreutzer ist 22 Jahre jung und wagt sich mit seinem Erstwerk "Inkompatibel" an das Thema Heimerziehung. Im Mittelpunkt steht Armin, der uns an seiner sehr subjektiven Geschichte und Wahrnehmung (aber kann das je anders sein als subjektiv?) teilhaben lässt. Zwischendurch hat der Film seine Längen, und auch kann ich nicht alles so sehen wie der Protagonist, aber darum geht es ja auch nicht.

Er stimmt nachdenklich, nimmt mit. Mir fällt die Geschichte meiner Oma ein, sie ist im Heim groß geworden. Wie tief man doch Dinge in sich begraben kann. Zurück ist die Erinnerung an ihre Erzählungen von Schlägen und Lieblosigkeit. Zuviel Leid in dieser Familie mütterlicherseits. So viele emotionale Entbehrungen. Irgendwann dann eine Szene, ein Stuhl steht in leerem Raum auf Schutt in einem alten baufälligen Gebäude, die Kamera zoomt raus, leise Musik setzt ein, das Ende, möchte man meinen. Doch ein erneuter Cut, und Armin setzt noch einmal an. Im Kino schauen sich alle etwas verwundert an, aber keiner geht. Der Film hinterlässt Katinka und mich mit Diskussionsbedarf.

Wir verlassen den Kinosaal und suchen die Toiletten auf. Auf dem Weg dorthin läuft mir eine Frau über den Weg, die mir vage bekannt vorkommt. "A-L??" frage entgeistert? "Jaa, ich bin es". Seit an die 20-25 Jahre haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich kenne sie, seit sie auf der Welt ist, früher waren mein Bruder und ich bei ihr und ihrem Bruder Babysitten. Sie hatte/hat eine geistige Beeinträchtigung, weil sie bei der Geburt zu wenig Sauerstoff abbekommen hat. Das hatte in ihrer Kindheit einige Schwierigkeiten zur Folge. Ich staune, welch eloquente und patente junge Frau vor mir steht. "Komm doch mit uns mit, Katinka und ich treffen uns mit Papa und G., und R., und T. und I." Gesagt getan.

Alle gemeinsam finden wir einen Platz in einem Café, in dem der Lärmpegel gute Unterhaltungen ermöglicht. Wir reden, trinken, erinnern. A-L zieht ein altes Bild aus ihrem Geldbeutel, auf dem sind wir alle zu sehen. Mein Bruder, ihr Bruder, sie und ich. "Das trage ich immer bei mir, für den Fall das wir uns mal sehen. Das wollte ich dir schon immer unbedingt zeigen." Sie erzählt, dass ihre Mutter vor zwei Wochen verstorben ist, ob ich das wusste. Nein, das hatte ich noch nicht erfahren. A-L und ich umarmen uns lange. Ich habe sehr intensive Erinnerungen an ihre Mutter K., und erzähle sie A-L. Sie scheint bei dem Thema noch wie unter Schock. Vor einer halben Woche war die Beerdigung. Was für ein Tag.

Irgendwann verabschiedet sich ein großer Teil der Runde, aber A-L, Katinka und ich gehen noch in DIE Filmtagekneipe. Dort kann auch unser Diskussionsbedarf befriedigt werden: irgendwann lässt sich am Tisch neben uns der Robert nieder. Lange diskutieren wir mit ihm über seinen Film. Ein tolles Gespräch. Mit ihm am Tisch Tomasz Robak aus dem Film "Coup", dem ich seine Chips abschwatze und wegfresse. Überhaupt eine illustre Gesellschaft. Es gibt viel zu lachen.

Ratzfatz ist es auch schon 2 oder 3 Uhr. Ich weiß es nicht. Nur, dass uns das Bett ruft, nach einem Tag voller emotionaler Achterbahnfahrten.

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Dienstag, 29. Oktober 2019
Gerade interessiert in der Online Zeitung gelesen: “Worauf man beim Amoklauf achten sollte“

Enttäuschung während der Einleitung. Achso. Autokauf.

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Montag, 28. Oktober 2019
Resümee I
5 Tage
4 Nächte
12 Filme
2 Paar Bratwürste
3 Parties
1 Neffe
1 Klassentreffen
1 Mutterstreit
1 Stiefmamagespräch
1 schöne Erkenntnis
1 Polizeieinladung
1 unerwartetes Match
1 alte Bekanntschaft
1 tolle Freundschaft
viele Begegnungen
viele Gespräche
wenig Schlaf
intensive Filmtage.






Donnerstag, 24. Oktober 2019
Ein Filmtage-Tag, der nachhallen wird.
Hoffe diesmal schiebe ich das Schreiben dazu nicht so lange auf wie letztes Jahr.

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Samstag, 19. Oktober 2019
Die Wärme heute in der Begegnung mit S. ganz tief aufgesogen. Unerwartet und spontan. Einfach oft die besten Abende. Das tut so gut, in dieser komischen Zeit der Abschiede bzw. Distanz.

***

Davon gab es noch zwei, in den letzten Wochen, vielleicht mal gut es hier festzuhalten. Weil es eben nicht nur Abschiede und Distanz gibt, sondern auch Raum für neue Begegnung.

Zum einen war Crazy K. in der Heimat, ich besuchte ihn bei seinem Vater in der Pfalz. Dort lernte ich erstmals seine amerikanische Freundin kennen - sowie die kleine gemeinsame Tochter, die nun 1 Jahr alt ist. K. mit einem Baby auf dem Arm - das schien mir unvorstellbar. Aber als ich es sehe, ist es das natürlichste der Welt. Sie ist zum Fressen goldig und ich hätte sie gerne mitgenommen, doch Mommy und Daddy legten leider ein Veto ein.

Die Freundin von K.'s Vater hatte eine fantastische Linsensuppe gekocht. Wir labten uns daran, tranken süffigen Weißwein (ich kucke immer wieder blöd mit welcher Selbstverständlichkeit dort mittags um 13 Uhr der Wein aufm Tisch steht) und spazierten dann über einen kleinen Schlenker durch den Pfälzer Wald zum Bahnhof, an dem mich die drei mich dann verabschiedeten.

K. fragte noch, ob ich nicht doch noch mit zum Kaunertag Opening fahren möchte, aber das lässt meine finanzielle Situation derzeit leider nicht zu. Vielleicht nächstes Jahr, auch wenn sich an der Situation vorerst nichts ändern wird.

Dieser Nachmittag hinterließ mich mit einem sehr warmen Gefühl im Bauch, und das lag gewiss nicht nur an der Suppe.

***

Und außerdem besuchte ich Kollegin A. im Taunus. Witzigerweise wohnt sie gerade mal 500 Meter von Rini weg, was mir bis zu A.'s Geburtstag im Juli gar nicht bewusst war. A. und ich liegen sehr auf einer Wellenlänge, uns beschäftigen ähnliche Fragen und Themen. Und doch ist sie auf eine ganz eigene Weise komplett anders als ich, das finde ich sehr spannend. Ich begrüße es, dass wir uns auch privat immer weiter annähern und austauschen. Es war eine schöne Zeit, wir aßen beim Inder, quatschten bis spät in die Nacht, frühstückten am nächsten Tag ausgiebig und spazierten dann durch den Taunus, bis sie mich wieder zum Bahnhof brachte.

Große Wärme auf der Heimreise.

***

An dieser Stelle muss ich nochmal eine Lanze für die Bahn brechen. Ohne die könnte ich mich ja quasi kaum fortbewegen, und negative Erlebnisse sind wirklich die Minderheit. Auf der Fahrt nach Berlin gab es eine verlängerte Fahrzeit von 45 Minuten, aber das wurde über den Verspätungsalert eine Woche vorher angekündigt, außerdem war das über die Warnhinweise in der Verbindung vorherzusehen. Und wenn ich sitze, dann sitze ich. Meistens suche ich nach Verbindungen ohne Umsteigen. Das entspannt die Reise dann um einiges. Am Dienstag Nachmittag geht es in die Heimat, mit zweimal umsteigen. Mal sehen wie das klappt. Sicher ist: ankommen werd ich irgendwann.

Seelenheil ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment