Freitag, 9. Januar 2026
Es schneit und schneit und schneit. Das macht alles erträglicher, friedlich, tröstlich.

Gerade fühle ich mich so schwer wie eine Titanic nach dem Eisberg. Und mein Herz ist manchmal so wild, als wisse es genau, dass es momentan immer dann betrogen wird, wenn ich nicht weine. Aber ich bin so erschöpft, ich bin zu müde zum weinen.

Ich möchte immer in Erinnerung behalten, wie sie mich angesehen hat, in den letzten Minuten. Ob sie mich gesehen hat, weiß ich nicht, aber dieser Blick. Ich habe so Angst das zu vergessen, überhaupt diese letzten Minuten und Stunden mit ihr und uns zu vergessen.

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Wo heute die Energie für das Pubquiz mit den 2 Freundinnen her kam, ich weiß es nicht. Dem gingen 3,5 Stunden Gespräch bei der Bestatterin voran. Und doch wurde der Abend kurzweilig, lustig, schön.

Ich erinnere in Bildern, Sätzen, Momenten, Songs. Eigentlich würde ich es hier gerne festhalten. Vieles ist mir zu intim.

Glauben Sie an Zeichen? Ja, das dachte ich auch. Aber tja.

Ach Mama.

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Dienstag, 6. Januar 2026
Trauer ist ein komisches Ding. Momentan hat sie mich mit einem Gewicht von mindestens 1000 Tonnen auf einen Meeresgrund gezogen. Ständig gibt es viel zu organisieren und zu tun. Heute Vormittag mussten wir ihr zum Beispiel ihr Zimmer im Heim ausräumen. Zu viel zu schnell, aber so ist das. Seit ich nach Sylvester aus Berlin zurück in die Heimat gefahren bin, also am 2.1., wohne ich in der Einliegerwohnung bei meinem Bruder. Heute Nachmittag gehe ich in mein Zimmer, als ein befreundetes Paar meines Bruders kommt. Ich kann gerade nicht reden mit Menschen die mir nicht nahe sind. Im Zimmer ordne ich, es sieht aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, in den letzten Tagen war es ein hinwerfen und rausziehen. Dann liege ich im Bett. Lausche der Stille. Irgendwann höre ich, wie mein Vater und seine Frau kommen. Es sind nun 6 Erwachsene und 2 Kinder im Wohnzimmer. Nach einer Weile versuche ich, mich dazuzugesellen. Doch schon im Flur höre ich soviel Reden, dass ich sofort wieder umkehre.

Das waren jetzt ganz schön viele Wörter. Und keins davon beschreibt angemessen wie traurig ich bin.

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Montag, 5. Januar 2026
Plötzlich gibt es viele letzte male und viele erste male.

Riesen Angst zu vergessen. Sie, ihre Stimme, ihre Art, ihren Geruch.

Mein Herz flattert in der Brust wie ein wildgewordener Vogel, es mag noch nicht ganz verstehen, tut weh, will raus aus dieser neuen Realität.

Die Intimität der letzten Stunden.

Habe Angst vorm Einschlafen weil ich Angst vorm Aufwachen habe.

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Samstag, 3. Januar 2026
50 / 50
Es ist erschreckend vertraut auf der Intensivstation zu sein, wenn auch diesmal nicht als Psychologin sondern als Tochter. Die Station ist hell, modern. Im Zimmer ist es friedlich. Ein riesen Fenster, vor dem sie theoretisch verschneite Bäume sehen könnte, und einen Himmel der sich nicht so recht zwischen Sonnenschein und Schneefall entscheiden kann. All die Geräte und Geräusche, so vertraut. Nur dass sie da liegt, das ist neu und tut weh. Nicht so wie vor zwei Jahren, anders, aber eben weh. Influenza A trifft auf völlig entkräftete Person. Selbst wenn sie verlegt werden könnte, ich vermute im Bestfall palliativ in ihrem Heim.

Und doch ist diese Intensivstation so anders. Diese Klinik. So still. Ich weiss nicht, ob mir nicht ein bisschen das lebendige Treiben "meiner" Klinik fehlt.

Es ist Schichtwechsel, deswegen warte ich und schreibe. Eigentlich Besuch erst ab 15, aber bin dankbar dass ich vorhin zu ihr durfte, als sie kam. Sie ist nicht ansprechbar. Schläft. Ich saß lange da, streichelte sie, erzählte leise und summte.

Die Patienteverfügung regelt relativ ausführlich, und die Ärztin scheint mir ok. Das entlastet. Meine Mutter hat nur das "angemessene" verfügt, und Schmerzfreiheit. Ich habe ihr vorhin gesagt, es ist ihre Entscheidung. Es ist ok wenn sie bleiben mag. Es ist ok wenn sie gehen will.

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Samstag, 20. Dezember 2025
Gestern war mein letzter Arbeitstag in der Klinik. Die PT2 im Rahmen der Ausbildung ist geschafft. Wohin es als nächstes geht, ist noch offen. Meine letzten zwei Tage dort waren ein runder Abschied von A bis Z, wunderschön, so wie die ganze Zeit dort. Ein Sechser im Lotto.

Habe gestern viel nachgedacht und nachgespürt, über das Jahr, meine Tätigkeit in der Klinik, vor allem aber über die Begegnungen in jeglichem Kontext. Mir fehlen momentan die Worte das auszudrücken, was ich fühle. Da muss sich auch noch einiges setzen.

Ich war ja schon immer ein Mensch, der recht gefühlig schreibt, aber es verkommt wirklich zu Kitsch. Wenn ich versuche meine Emotionen hier zu verbalisieren, dann trieft das auf eine Art, die sich nicht mit dem deckt, was da in mir ist. Ich kann es nicht, das adäquat und ohne Kitsch auszudrücken. Zwischen den Jahren möchte ich mich noch ein bisschen mit all dem beschäftigen, vielleicht kann ich es dann besser formulieren. Und dann denk ich mir, ist doch auch egal was andere denken, die das hier lesen. Du weißt, wie sich das für dich anfühlst, und sei doch einfach froh, dass es sich auch genau so anfühlt. Egal wie es klingt, wenn es auf dem "Papier" steht. Das Jahr war für mich ein .. ja ich weiß gar nicht, Wendepunkt? Alle sagen, es verging so schnell. Ja, für mich auch, aber wenn ich darauf zurückschaue, fühlt es sich an wie drei Jahre und eine Ewigkeit, im positiven Sinne. Vielleicht weil Grundlegendes in mir berührt und bewegt wurde. Ach keine Ahnung. Ciao erstmal und schöne Feiertage :)

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