Donnerstag, 19. März 2020
Vorhin erzählt mein Bruder mir, dass seine Frau mit ihrem Baby heute nochmal (von Nordbayern aus) zu ihren Eltern nach Oberbayern gefahren ist, ca. 10 km von der österreichischen Grenze weg. "Wir mussten schon den Osterurlaub canceln, da wollte sie zumindest dort nochmal hin. Es wird ja nur von Hotels und Pensionen abgeraten. Am Sonntag kommt sie dann zurück."

Etwas besorgt und doch auch verärgert (ok, entsetzt) habe ich meine Mutter gebeten, in den nächsten Wochen den Kontakt zu meiden. Daraufhin offenbart sie mir, dass sie seit 10 Jahren COPD hat. "Wissen V. und A. das?" "Nein, du bist jetzt die einzige."

Des macht einen alles ganz schön ratlos.

Den Abend in einem Video-Chat mit LeSchwe und ihrem Freund in Österreich verbracht. Bauchmuskelkater vom Lachen.

Habe viel Glück mit den Menschen um mich rum. Viel Glück. Mögen sie und Sie auch viel Glück haben.

 
Kinder kauft Kämme!

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@wartet.nicht.mehr: wie geht es dir? Bist du wohlauf?

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Pffffft!
Wohlauf bin ich, Gott sei Dank!
In den letzten Wochen hing ich gesundheitlich durch und hatte Startschwierigkeiten, was einen neuen Job angeht.

Jetzt bin ich, wie wir wohl alle, "durch den Wind" ob der Pandemie.
Zudem frage ich mich, was in Bezug auf eine neue Anstellung am sinnigsten ist. Ich arbeite im sozialen Bereich, wie Du weist - also mit Menschen. Ihnen sollte man momentan lieber aus dem Weg gehen. Vor diesem Hintergrund halte ich es auf der einen Seite für schwachsinnig, ausgerechnet jetzt wieder einzusteigen. Auf der anderen Seite weiß niemand, wie lange der Status Quo noch anhält und ich kann nicht auf unbestimmte Zeit zu Hause bleiben.
Ungeachtet des Virus würde ich sagen, dass es Zeit wird wieder zu "starten", ich brauche neue Aufgaben.

Vielleicht hast Du einen Rat für mich.

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@wartet.nicht.mehr: bist du dabei auf Bezahlung angewiesen?

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Du meinst, ob ich von dem Verdienst meiner Anstellung leben werde? Ja

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Ok. Spontan keine klugen Gedanken dazu. Aber denke gerne weiter darüber nach, habe Zeit die nächsten Tage. :-) Spannendes Thema, treibt mich auch um.

Allem voran gut zu hören, dass du wohlauf bist!

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Warum treibt Dich das Thema Arbeitsorientierung auch gerade um?

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@wartet.nicht.mehr: naja eher der Umgang in der aktuellen Situation im sozialen Bereich. Zum einen weil ich in der Personalentwicklung arbeite und das auch für uns gerade direkte Konsequenzen hat, und weil außerdem mein Studium auf eine Richtung abzielt die noch mehr Zwischenmenschliches beinhalten wird. ;-)
Zum anderen weil meine Mama z.B. von der Caritas betreut wird, und das in der aktuellen Lage sowohl Segen wie auch Fluch sein kann. Diese Menschen betreuen ja (zum Glück) auch ganz unterschiedliche Menschen und können so aber ungewollt als Multiplikatoren gerade innerhalb von Risikogruppen fungieren - obwohl sie helfen wollen.

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Mmmmh.
Welche Aspekte Deiner Situation kannst Du beeinflussen?

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@wartet.nicht.mehr: wollte mir ja mehr Gedanken über deine Situation machen. :-) hast du irgendwo gesagt/beschrieben, was du dort bisher so getan hast?

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Irgendwo in der Berufswelt? Bei potentiellen neuen Arbeitgebern meinst Du?
Vor zwei Wochen war der Weg für mich eigentlich schon klar. Das Bewerben und Finden einer Arbeitsstelle wäre nur noch eine Formsache gewesen. Prinzipiell werden sehr viele Sozialpädagogen gesucht.

Nur hätte ich bei einer neuen Anstellung mit viel wechselndem Publikum zu tun, wie in meiner Branche üblich.

Ich hätte mir eine 30h-Stelle gesucht und dann mit zweitem Standbein mit geringer Stundenzahl eine Aufgabe begonnen, die mit mehr homework verbunden wäre. Hätte diese funktioniert, hätte ich die Stundenzahl ausgebaut.

Auf den ersten Blick betrachtet wäre es, angesichts der Virenaus-breitung, schlau, letzteren Job mit einer höheren Stundenzahl zu beginnen. Das wäre mit einer Selbstständigkeit verbunden. Ich habe gelesen, dass es in diesem Job anfänglich häufig zu Schwierigkeiten bei der Entlohnung kommt. Deshalb traue ich mich nicht, nur auf diesen Job zu setzen.

Hinzu kommt, dass mein Geldgeber eine Behörde wäre. Ich kann mir vorstellen, dass die augenblickliche Situation einen reibungs-losen Einstieg erschweren würde.

Von der Diakonie (einem möglichen neuen Arbeitgeber für den Hauptjob) wiederum habe ich gehört, dass sie momentan einen Einstellungsstopp verhängt haben. Vielleicht sollte ich erst einmal herausfinden, ob dem wirklich so ist. Wenn ja, brauche ich mir jetzt noch keinen Kopf zu machen.

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So rasant, wie sich die Situation rund um den Virus im Moment entwickelt, würde es uns beiden vielleicht helfen, einfach noch zwei/drei Wochen abzuwarten. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir dann eine Reihe neuer Anhaltspunkte für unsere Entschei-dungen haben.

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Gute Nacht!

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"Es wird ja nur von Hotels und Pensionen abgeraten" - AAAARGH.
Entschuldigung, ich möchte da nicht gemein klingen. Und in das Bedürfnis, Eltern sehen zu wollen, kann ich mich durchaus reindenken - aber die Begründung " wir mussten den Osterurlaub absagen, also fahren wir jetzt wo anders hin, damit wir nen Mini-Urlaub machen können" weckt gerade meinen Kopf->Tischplatte-Reflex.
Urlaub, so schön er auch sein mag, ist (für mich) erst mal Luxus.
Und ich verzichte lieber auf diesen Luxus, als meinem (imaginären, ich hab ja keins) Kind später beim siechen zuschauen zu müssen.


Dass Muttern mal darüber informiert, dass sie COPD hat, ist ja an sich eine gute Sache, der Zeitpunkt und auch der Umfang des bisher informierten Personenkreises wirkt, nun ja, interessant gewählt.

Die Freundin meines Vaters hat ebenfalls COPD, ist starke Raucherin und zusätzlich Diabetikerin. Da sie außerdem eine gewisse Faktenallergie hat, bin ich mal gespannt, was da noch kommt - ihr Verhältnis zur bösen "Pharmamafia" und Schulmedizin lässt sich vermutlich am prägnantesten mit der Tatsache verdeutlichen, dass sie mir empfohlen hat, meine Medikamente abzusetzen, die Therapie abzubrechen und mir stattdessen ein basisches Bad und ein bis zwei Esslöffel ganze Pfefferkörner pro Tag zu genehmigen.

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@okavanga
Na, hast Du inzwischen Antworten auf unsere Fragen gefunden?
Ich werde wohl mal ernstlich in mich gehen müssen.

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@wartet.nicht.mehr: nein, keine Antworten, nicht wirklich. :-) Nur ein paar Gedanken dazu:

Einen Start in die Selbstständigkeit halte ich persönlich im Moment für sehr mutig. Ich würde es mich nicht trauen - außer vielleicht als Online-Angebot? Da ich nicht genau weiß was du tust, einfach hier nur rumgesponnen.

Vermutlich werden im sozialen Bereich mehr Stellen benötigt, so meine Vermutung. Die Situation ist psychisch für viele Menschen nicht einfach. Etwas paradox, dass persönliche Beratung gerade ungünstig ist, aber vermutlich relativ stark bzw. immer stärker benötigt wird. An deiner Stelle würde ich mich wirklich mal schlau machen über den Einstellungsstopp, und ob alle Träger/Organisationen in diesem Bereich einen Einstellungsstopp haben.

Bei mir selbst ist es so, dass es momentan noch unkritisch und eine reine Komfort-Frage ist (noch!). Vor meinem Urlaub habe ich meinen Chef (im Brot-und-Butter-Job) gefragt, ob ich auf 4 Stunden aufstocken könnte in der Woche, da war er sofort dabei. Dafür würde ich den 5-Stunden-Job in der neuen Welt aufgeben. Nach meinem Studium würde es mir zwar wahrscheinlich helfen dort mit einem Bein drin zu sein, aber ich langweile mich wirklich zu Tode. Neu kommt jetzt in der Situation, dass das Projekt, in dem ich aktuell in der neuen Welt war, bis auf weiteres eingestellt wurde bzw. pausiert. Denn es würde wechselnden Gruppenkontakt bedeuten, nicht für mich persönlich, aber andere. Deswegen gehe ich davon aus, dass ich dort evtl. sowieso gekündigt werde, bzw. dass mein Vertrag nach Ende Juni nicht verlängert wird. Aber das ist nur orakelt.

Wenn aufgrund der neuen Situation sowohl die neue Welt wegfällt, als auch das Go meines Chefs für mehr Stunden, dann ist das finanziell allerdings richtig kacke.

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@mayhem: mhm war auch etwas verwundert, dass sie so entschieden und agiert hat, passt irgendwie gar nicht zu ihr. Vielleicht war das Wunschdenken, dass alles doch nicht so schlimm ist, stärker. Keine Ahnung.

Dass Muttern mal darüber informiert, dass sie COPD hat, ist ja an sich eine gute Sache, der Zeitpunkt und auch der Umfang des bisher informierten Personenkreises wirkt, nun ja, interessant gewählt.

Haha ja, sehr schön gesagt. :-D Sie meinte, sie habe Angst dass A. und V. glauben, dass es ansteckend ist und sie dann das Baby nicht mehr hochheben darf. Habe versucht ihr zu erklären, dass die größere Gefahr gerade genau andersrum gelagert ist, und dass COPD nicht ansteckend ist, kann man den beiden ja erklären und nachweisen.

Andererseits: auch sie ist ultra starke Raucherin (schätze 3-4 Packungen am Tag). Vielleicht hat sie es auch verschwiegen, weil sie sich unsere Schelte nicht anhören wollte. Kann ich auch wieder verstehen. Andererseits haben wir an der Front sowieso aufgegeben. *g*

Wow das sind ja steile Tipps von der Freundin deines Vaters. Manchmal bewunder ich einen solchen festen Glauben an etwas. Andererseits kann das echt Leben kosten. Die ein bis zwei Esslöffel ganze Pfefferkörner stelle ich mir wirklich ganz besonders ... effektiv vor. Also es hat sicher EINEN Effekt. ;-)

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je nu, ich kenne A. und V.s Bildungsgrad nicht; dass COPD nicht ansteckend ist, rechne ich aber zumindest theoretisch in die Allgemeinbildung, bzw, wie Du auch schreibst, man kann das ja erklären.

Für die Schwierigkeiten beim Rauchstop habe ich relativ viel Empathie, weil ich zwar vergleichsweise kurz (schätze 5 Jahre nach ner Weile Gelegenheitsrauchen), dafür aber recht viel gequalmt habe und das halt auch als ziemlicher Suchtmensch und an emotionale Faktoren gekoppelt: liebgewonnene Rituale (Kaffee&Kippe zB), aus Unsicherheit, Stress, zum Runterkommen, Sozialrauchen, etc. War irgendwann fast schon Identitätsbestandteil. Dementsprechend schwierig war es für mich, aufzuhören.
Und es hat ja auch jeder die Freiheit, mit dem eigenen Leben anzustellen, was man so will.
Fällt mit trotzdem schwer, auf Zuschauerposten daneben zu stehen, und jetzt mag ich ja die Freundin meines Vaters nicht mal wirklich. Bei vorhandener einigermaßen positiver emotionaler Verbindung stelle ich mir das nochmal schwieriger vor. :/
(Hatte der Vatersfreundin mal angeboten, ihr das mit den E-Zigaretten zu zeigen, hätte ihr mein ehemaliges Einsteigergerät vermacht. Vorher ewig Studien rausgesucht, auch bzgl COPD, alles in einfache Sprache zusammen gefasst. Statements diverser Quellen rausgekramt, dass Nichtrauchen klar besser ist, aber dampfen trotzdem mindestens 95% weniger schädlich als Kippen, und Fälle von COPD-Patienten, bei denen es nicht nur aufgehört hat, schlimmer zu werden, sondern sogar besser wurde. Ergebnis? "Ja nee, das ist die Pharma wieder. Zigaretten sind natürlich, also sind die eindeutig weniger schädlich als Dampfen." Da hab ich dann auch aufgegeben...)

In meinem Fall taugt die Pfeffer-Nummer wenigstens zur skurrilen Story, wenn man aber bedenkt, dass sowas eben, wie du schreibst, Leben kosten kann, wird mir ganz anders.

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@mayhem: "... Zigaretten sind natürlich..." hahaha, musste gerade sehr lachen. :-) Aber wie du sagst: letztendlich muss es jeder für sich selbst wissen, und ich mag da auch gar nicht mit erhobenem Zeigefinger rumrennen. Habe selbst von 16 bis 33 geraucht, und zwar Minimum 1 Packung am Tag, wenns Party gab, gerne 2. Nikotin ist einfach ein kleiner Teufel.

Wie du habe ich auch schon einen Hang zur Sucht, ja auch immer mal wieder mit chemischen Dingen rumgemacht, aber inzwischen taugt das einfach gar nicht mehr, bzw. habe ich danach immer ziemliche Probleme. Arbeite im Hiwi Kontext auch im Sucht-Bereich. Bin die letzte, die da jemanden verurteilt oder den Kopf schüttelt. Habe ein Herz für Suchtis. ;-) ist wohl so, wenn man selbst so Tendenzen hat(te).

Wie sind deine Erfahrungen mit den E-Zigaretten? Ist das echt genauso befriedigend? Kann es mir gar nicht vorstellen, und mein Respekt (ok Angst) vor Nikotin ist so groß, dass ich es nie wieder ausprobieren will, auch nicht um nur mal zu sehen wie sich das anfühlt/schmeckt. Wäre vermutlich sofort wieder angefixt.

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