Sonntag, 28. Juni 2026
This too shall pass.
Ich hasse diesen Sommer. In Mannheim hatten wir in der vergangenen Woche nicht unter 38 Grad, wenn ich mich richtig erinner. In diesen Temperaturen irgendwie den Umzug in meine Wohnung zurück bewältigt. Wie das ging, ich weiß es nicht so genau. Donnerstag dann 41 Grad, Freitag und Samstag 42 Grad laut App. Nachts gehen die Temperaturen nicht mehr unter 26 Grad. Diese Temperaturen werden wohl am Stadtrand gemessen. Dort wohne ich nicht. Ich wohne im so gut wie komplett versiegelten Bereich Innenstadt/Jungbusch, ohne Ventilator oder Klimaanlage. Und eigentlich würde ich eine Klimaanlage wirklich gerne vermeiden, weil Klimaanlagen einfach Öl ins Feuer sind. Aber wie sollen hier die Sommer künftig überlebt werden? Die Temperaturen sind lebensfeindlich. Ich hasse diesen Sommer, und ich bin Hitzeelend in dieser Stadt eigentlich gewohnt.

In den letzten Tagen bewegte ich mich auf der Suche nach Kühlpunkten durch die Stadt. Die kurzen Strecken dazwischen - phu. Ein Gefühl als würde die Haut Blasen werfen. Der Asphalt ballert ich weiß nicht wieviel Grad zurück. Gestern Abend um 20.30 Uhr rief mein Vater an. Ich konnte ihm nur schreiben, dass ich nicht reden kann, weil es immer noch 41 Grad hatte und ich irgendwie versuchte mit Kühlakkus im dunklen Schlafzimmer zu überleben. Wenn mir irgend ein Jürgen mal ins Gesicht sagt, das sei doch alles normaler Sommer - ich kann für nichts garantieren.

Mimi sendete mir heute den Link zu einer Doku, "Zugepflastert! Wie schützen wir unsere Städte vor dem Hitzekollaps?" Mannheim gilt scheinbar als heißeste Stadt Deutschlands. Fällt mir nicht schwer das zu glauben. Interessanter Bericht. Bei dem Typen, der von den Komplimenten zu seinen Steinen im Vorgarten spricht, nicht gewusst ob ich lachen oder weinen soll, ebenso bei den Diskussionen um historische Kopfsteinpflaster, auf denen Autos aber keine Bäume stehen dürfen. Manchmal denk ich, wir sind echt verloren.




Gerade eben, als die Temperatur auf 34 Grad fällt, kann ich endlich die Fenster öffnen, weil es draußen einfach soviel angenehmer als in der Wohnung ist, trotz ausschließlich nächtlichem Lüften zwischen 3 (mit Weckerstellen) und 7 Uhr und kompletter Verdunkelung und Verbunkerung tagsüber. Alles ist komplett aufgeheizt.

Ab morgen wirds dann wohl erstmal besser. Und dabei kratzt unbequem das Wissen im Hinterkopf, dass das wahrscheinlich noch einer der kühlsten aller kommenden Sommer sein wird.


Ein Vormittag im Cafe, mit Affogato und Ocean Vuongs "Auf Erden sind wir kurz grandios"




Im örtlichen Kaufhaus darüber nachgedacht, dass man den Mannheim Merch um Printings mit brennendem Asphalt erweitern sollte




In der Stadtbibliothek ist es um etliche Grad kühler, ein Ventilator streichelt den ermatteten Körper. Netter Plausch mit jungem Mann, der an einem Laptop arbeitet und mich besorgt fragt, ob es am Sonntag noch heißer wird als am Samstag




"42 Grad" und "Heiter", zwei Dinge, die ich nicht miteinander vereinbaren kann.