Samstag, 14. Januar 2012
04.-07.01.2012 - zensiert.
04.01.:
"Ich bins mal wieder", sage ich, und heule auch schon. "Sie werden es nicht glauben, aber ich habe tatsächlich Patienten, die öfters zu mir kommen", sagt der Hausarzt. Und ich weine und weine, und rede und rede, und er erzählt mir davon, dass er mal eine sehr schlimme Phase hatte, und was da war, und wieviel Halt ihm da seine Familie, seine Frau, seine Kinder gegeben haben. Und ich weine noch mehr.

Er schreibt mich bis 15.1. krank und will mich am Dienstag wiedersehen. Ich schäme mich für die Krankmeldung. Er sagt, wenn notwendig verlängert ers nochmal, und ich soll endlich mit diesem blöden Gerede aufhören. Und gibt mir Hausaufgaben: ich soll einen neuen Lebensplan machen. Nicht nur, was die Arbeit angeht. Außerdem soll ich zu Freunden fahren.

Zuhause fällt mir auf, dass das nicht geht, weil ich mit meinem Vater vereinbart habe, dass wir uns am Freitag Abend treffen um das, was da passiert ist und alles sonst zu bereden. Davor hab ich Angst. Vor dem Gespräch treffen mein Bruder und ich uns mit meiner Mutter. Davor hab ich auch Angst. Und am Samstag ist dann große Familienfeier, der 50. meiner Ami-Tante, und der 60. meines Vaters, sowie der 31. meines Cousins. Davor hab ich vor allem aufgrund der Ungewissheit, wie das Vatergespräch ausgeht, auch Angst.

Ich g**gle auf einer Jobbörse "unkonventionell". Es gibt echt Treffer. Das war aber auch schon anstrengend genug.

05.01.:
Ich schäme mich immer noch und habe immer noch Angst. Was macht man da? Notiere die vom Arzt erwähnten Prioritäten: "1.: Job suchen. 2.: Mann suchen." Toll, denk ich mir. Ich versuche meinen Lebenslauf zu schreiben. In meinem Gehirn sind einfach nur weiße Schneefelder. Ich schaue einen Film. "Kleine wahre Lügen." Ich mag den Film und mach mir was zum Essen. Überlege wie es am nächsten Tag wohl werden wird.

Versuche nochmal das mit dem Lebenslauf. Ich schreibe meinem alten Chef (HaGa, man erinnert sich) eine Mail mit einer Terminanfrage. Gehe kurz einkaufen. Telefoniere mit LeSchwe. Und mit meinem Bruder. Schleife mich wie den Tag wie ein Schluck Wasser in der Kurve, alles strengt so unglaublich an. Aber der Tag geht rum.

06.01. - Teil Mama:
Nachmittags komme ich mit zittrigen Knien in der alten Heimat an, treffe mich mit meinem Bruder. Streichel ausgiebig die Katze. Dann fahren wir zur Polizei. Dort warten wir erstmal ewig, und werden dabei immer nervöser, unsere Nerven sind sehr im Arsch. Die Polizisten sind sehr nett und unglaublich hilfsbereit. Ich kann bisher wirklich nix sagen gegen Polizisten wenn es um Anfragen zu bzw. zur Umsetzung von Zwa*ngsunterbringungen aufgrund Schi*zophrenie geht. Sie nehmen sich viel Zeit und uns ernst.

Gesprächsergebnis: aufgrund der von uns ausgedruckten und vorgelegten Mails sowie der (auch bei denen im PC hinterlegten) 1. Ein*weisung im Jahr 2010 würden sie zu einer Zwa*ngsunterbringung vorbeikommen. Möglich weil: Feiertag in Bayern. Ansonsten ist jemand anderes zuständig. Das wussten wir, was wir nicht wussten: das Ord*nungsamt ist für sowas zuständig, die das dann wiederum irgendwie mit dem Ges*undheitsamt regeln. Sie verstehen aber, warum wir v.a. den Hausarzt außen vor lassen wollen.

Überhaupt. Echt jetzt, die sind wirklich knorke. Sagen uns aber auch ganz klar: wenn wir bei dem anstehenden Gespräch mit unserer Mutter merken, dass es NICHT akut ist, dann würden sie uns schwer empfehlen, es nicht mit Zwang zu machen, sondern in der kommenden Woche das Ord*nungsamt aufzusuchen. Weil sie selbst es auch immer sehr hässlich finden. Überlassen uns aber die Entscheidung, der Polizist mit dem wir sprechen sagt, er ist bis 2 Uhr nachts im Dienst, wir sollen einfach anrufen, wenn wir es möchten. Ich könnte grad einfach wieder ins Bett gehen, aber wir fahren zu Mama.

Bei Mama. Alles sieht aus wie immer. Nur die leeren Bierflasche in der Leerguttüte werden inzwischen mit Handtüchern abgedeckt. Ich bin unendlich müde. Zur Begrüßung drückt sie mir gleich einen Infozettel von Dig*nitas in die Hand. Ihre Hände zittern, ihr Kopf ruckt hin und her, ihr Körper zuckt. "Heute ist es ganz schlimm", sagt sie.

Dann geht es einfach nur ums Sterben. Und während dieser drei Stunden zuckt, ruckt und zittert nichts. Ich frage mich, ob ihr selbst das bewusst ist. Auf Anfragen dieser Art kommt aber normalerweise immer die Antwort: "Ja wenn Zeugen dabei sind, ist immer nichts". Es gibt immer Antworten, immer, egal wie sehr die Argumentationskette hinkt. Das fällt uns auch wieder in dem Gespräch auf. Das ist eine Logik, da weiß man wirklich nicht mehr ob man Lachen oder Weinen soll.

Letztendlich dreht sich vieles um Selbstbestimmtheit und ob wir hinter ihr stehen. Ich weiß nicht, inzwischen glaube ich fast, dass es der richtige Weg ist. Denn das eigentliche Ziel von Dig*nitas ist der Weg zurück ins Leben. Sehr wenige der Angemeldeten ziehen das bis zum Ende durch. Und wie gesagt - ich glaub sie wird sich umschauen, wenn die sie auch für krank und nicht entscheidungsfähig halten. Wir rufen nicht die Polizei. Im Auto weinen wir. Bruder legt seinen Hand auf mein Bein und sagt: "Ist doch gut, dass wir uns haben."

06.01. - Teil Papa:
Zurück bei Bruder darf ich erstmal mit ihm und seiner Freundin Abendessen. Sie kocht sehr lecker und kreativ. Wir trinken Sekt Aperol. Ich bin froh, dass er sie hat und nicht mehr die blöde Schrapnelle, von der er sich 2010 vor Weihnachten getrennt hat. Um 20 Uhr kommt Papa zu ihm. Er spielt mit dem Kater. Wie er da so steht, und den Mausfaden schwenkt. Das muss alles wieder gut werden, irgendwie, denke ich mir.

Wir gehen in einer Kneipe, die ein paar Häuser die Straße rauf ist. Wir reden bis kurz nach Mitternacht und trinken zuviel. Was sich als fatal erweist. Denn eigentlich läuft das Gespräch ganz gut. Ich habe endlich gesagt, dass ich kündigen werde, und Papa meint, sag es der G.! (also meiner Chefin / seiner Frau). Du kannst mit ihr reden, und sie muss es wissen, sonst kann ich dich doch nicht unterstützen bei der Neuorientierung, sonst muss ich ihr was vormachen und sitze zwischen euch, und das kann und will ich nicht. Und auch ihr gegenüber ist es nur fair.

Wir reden viel über viel. Aber streiten immer wieder an dem Punkt, wenn es um mein Verhalten bei ihm zu den Weihnachtsfeiertagen geht. Irgendwie kratzen wir immer wieder die Kurve, um kurz nach Mitternacht aber nicht, und der Streit artet wieder völlig aus, ich stehe heulend auf und renne raus, es ist wieder wie ein Kurzschluss im Gehirn, die Sicherung brennt völlig durch, wie auch bei dem hysterischen Anfall. Ich steige in mein Auto. Ich fahre nie betrunken Auto! Da habe ich nicht mal drüber nachgedacht. Lasse den Motor an, plötzlich steht er vorm Auto, wedelt mit meinem Schal, den ich vergessen habe. Sagt: "Mach sofort den Motor aus, ich ruf sonst die Polizei". Er bewegt sich keinen Millimeter. Also steige ich irgendwann aus und renne heulen die Straße entlang.
[Am nächsten Tag macht mir das Angst. Auch heute noch. Diese Kurzschlüsse. Dieser absolute Overkill. Der absolute Kontrollverlust über mich.] Außerdem frage ich mich, was gewesen wäre, wenn der Polizist gekommen wäre, mit dem wir über die Zwan*gsunterbringung gesprochen haben. Ich muss hysterisch lachen.

Ich rufe Katinka an, sie ist bei ihrem Freund in einem Dorf in Stadtnähe. Ich nehme ein Taxi dahin. Und heule dort nur. Im Taxi. Der Taxifahrer kennt mich noch von Weihnachten. Der hat auch keine schöne Zeit hinter sich, wie er mir erzählt. Bei Katinka heule ich einfach weiter. Ich glaub sie kann nicht mal verstehen, was ich in ihren Schoss heule. Aber sie hält mich, und sagt ganz liebe sanfte Worte, und das hilft.

Wir fahren zu ihr, und reden bis nach 3 Uhr. Ich schäme mich ein bisschen vor ihr, und bin ihr unbeschreiblich dankbar. Dass sie keine Angst vor mir hat. Ich bin erstaunt, dass Menschen mich wirklich einfach so lieben wie ich bin.

07.01. - die ganze Familie:
Ich stehe mittags auf und fühle mich wie durch den Fleischwolf gedreht. Ich dusche, Katinka kocht, und wir reden über ihre Zukunftspläne. Ich wünschte, ich könnte ihr da mehr helfen. Ansonsten bin ich sehr ratlos. Was ich jetzt tun soll. Was ist mit diesem Familienfest. Trotz allem wäre es glaub ich das schlimmste für meinen Papa, wenn ich nicht kommen würde. Da ruft G. an. Sie fragt, ob wir nicht mal reden wollen. Und wir verabreden uns für einen Spaziergang. Mir ist schlecht. Aber ich fahre hin.

Und dann reden wir. Und es ist.. als würde jemand die Eisenkette um meine Brust wegsprengen. Es ist jetzt wirklich geklärt, und auch mein Bauch sagt mir, dass es nun für alle Beteiligten in Ordnung, verstanden und akzeptiert ist. Das liest sich hier jetzt sehr banal. Aber im Nachhinein muss ich sagen, es war der gordische Knoten. Ich könnte schon wieder nur schlafen, allein schon, weil soviel Druck und Anspannung abfallen. Aber wir fahren zum Familienfest aufs Dorf.

Papa weint als er mich sieht und nimmt mich fest in die Arme. Alle sind da, ich liebe diese Familie, auch meine Tante, meine Cousine und mein Cousin aus den Staaten sind da, und es tut unheimlich gut, alle auf einen Haufen zu sehen und ein Teil davon zu sein. Es ist ein so lustiger, lebensfroher, herzlicher Haufen. Und gerade wir zahlreichen Cousins und Cousinen mit Freund/Freundinnen verstehen uns wirklich bombig. Alle sind da, außer einer. Der, der mir der Liebste ist.

Von dem habe ich noch nie geschrieben. Er, wir nenne ihn nun B., ist der Sohn des Bruders meines Vaters. Er ist ein Jahr jünger als ich und wir haben uns schon immer gut verstanden. Vielleicht, weil wir uns sehr ähnlich sind. Ultrasensibel und irgendwie nicht immer mit dem besten Händchen fürs Leben, dafür mit einem Hang zu chemischen Substanzen.


Der sehr lange Rest ist zensiert, den habe ich nur für mich aufgeschrieben.

Aber seitdem geht es bergauf. Die Woche über war ich täglich spazieren, regelmäßig im Sport, in der Sauna, habe mit LeSchwe einen Kurz-Skiurlaub vereinbart, nach Jobs gesucht, eine Antwort von HaGa bekommen, viel nachgedacht, und auch wenn ich immer dachte, ich will zurück nach MA, so will ich vielleicht doch vorwärts, das wäre dann Berlin, aber das mag auch ein Hinterherjagen von Illusionen sein. Rein branchentechnisch wäre ich dort wohl ganz gut aufgehoben. Und ich würde, wenn meine allerbeste N. ein Kind bekommt, quasi mit ihm aufwachsen. Das wäre mir wichtig, irgendwie. Naja. Mal sehen was sich auftut, in nächster Zeit, und vor allem, was ich dabei fühle. Nichts mehr ohne mein Gefühl.

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Dienstag, 3. Januar 2012
Search request: Ich schlafe mit meinem Bruder

Das ist ganz schön starker Tobak, finde ich.






Sonntag, 1. Januar 2012
Ins neue Jahr geträumt.
Der kleine Professor und ich sind zusammen, irgendwie. Er ist bei uns zu Hause, bei meiner Mutter und mir. Aber die Wohnung kenne ich nicht. Da bekommt der kleine Professor Besuch von der anderen Oka. Die sieht aber auch in all meinen Träumen immer wieder anders aus. Ich weiß nichtmal, warum ich zulasse dass sie da ist, aber ich lasse es zu. Und beäuge argwöhnisch. Frage mich was das soll. Finde es aber nicht so kurios wie ich sollte. Schneide die Frau. Der kP und sie sind sehr vertraut im Umgang. Für Außenstehende eine sicher irre aberwitzige Situation. Irgendwann sitze ich mit meiner Mutter in einem Bus. Meine Mutter sieht toll aus, hat einen tollen Mantel an und hat sich zurechtgemacht. Sie sagt: "Warum schneidest du sie? Sie kann doch auch nicht unbedingt was dafür. Versuch mal nett zu ihr zu sein. Versuch es zumindest." Und ich versuche es. Sie ist auch nett. Die Situation ist trotzdem komisch. Zwischendrin wache ich immer auf, träume aber immer an der gleichen Stelle weiter. In dem Traum ist sehr viel passiert, aber ich weiß nur noch das was ich hier schreibe.

Dann, irgendwann, bin ich mit dem kP alleine. Er liegt mir gegenüber. Die Stimmung ist ruhig. Offen. Ich frage: Was soll das alles? Er sagt, da sei doch nichts, und ich soll mir keine Gedanken machen. Ich sage: warum spielst du nicht endlich mal mit offenen Karten? Er räuspert sich, und sagt: wo wir schon dabei sind: (die andere) Oka und ich werden heiraten. Ich bin erst geschockt, das spür ich im Herz, sage dann aber ruhig und meine es so: das freut mich für dich, aber ich hoffe es ist ok, wenn ich euch nicht alles Gute für die Zukunft wünsche. Dann sage ich: siehst du was ich meine? Ich mein was treibst du da eigentlich? Er schluckt betreten. Ich umarme ihn, es ist eine freundschaftliche Umarmung. Ich sage: du sagst mir dass du mich liebst, aber heiratest sie. Mich hättest du nie geheiratet! Er sagt: das stimmt so nicht. Aber bei dir hätte ich nie gewusst, wielang es dauert, bis du es dir anders überlegst.

Ah mir ist noch was eingefallen. Danach sagte ich: ja, das stimmt, und recht hast du, ich könnte dir nie sagen, dass wir zwei passen. Ich könnte dir nie ja sagen. Irgendwie so, sinngemäß.

Dann bin ich aufgewacht. Es war alles sehr versöhnlich, aber sehr intensiv. Und komisch.






Freitag, 30. Dezember 2011

Search request: ist es nicht traurig, dass wir ueber menschen schreiben, die es eh nie lesen werden?


Eigentlich mag ich auf dieses Jahr 2011 nicht zurückblicken. Für mich war es in einem Wort unerträglich. Alles, angefangen von der Vertragscancelung, dem doch Vertragsinkrafttreten (und ich hätts einfach lassen sollen!), von dieser ganzen bescheuerten Arbeitssituation, über meine Mutter und der schrägen Situation mit meinem Vater und seiner Frau bis hin zur Beziehung mit Sesamina fühlte sich einfach nur falsch an. Und als würde es jemand anderes leben

Jemand anderes, nicht ich. Als wäre das nicht ich, der jeden morgen Kostüm und Maske anzieht um irgendwie einfach zu machen. Das ist auch kein Wunder. Denn das bin nicht ich. Das hier alles, das bin nicht ich, sonst würde es mir jetzt Ende 2011 nicht so scheisse gehen. Und sonst würde ich mich nicht fragen, wer ich bin.

Über so eine Therapie kann man streiten. Mir hat sie mal gezeigt, dass es mir schlecht geht, wenn ich Dinge tue, lebe, die mir widerstreben. Und trotzdem konnte ich mich selbst noch einmal so sehr aufs Glatteis führen. Mir fehlt Frau W. sehr.

Denn ich weiß nicht wohin. Ich weiß nur, dass ich aus dem 2011 raus muss. Dass ich ändern muss, was ich ändern kann. Ich weiß nur nicht wohin. Ich weiß nicht wann das passiert ist, das Angst mich dermaßen vor Veränderung lähmt. Dass sie mich so sehr lähmt, dass ich nicht einmal Gedanken spinnen lassen kann, träumen kann, phantasieren kann. Ich komme auf überhaupt gar keine Idee, wohin, außer das, was nahe liegt. Und das ist ja nicht immer das Beste. Andererseits. Ich weiß gar nicht wies jetzt noch blöder werden soll. Aus Ma*nnheim zu gehen war eine rationale Entscheidung. Ich brauch meinen Bauch.

Meine Mutter meinte die Tage: "Hm. Na ob du in der Wirtschaft überhaupt glücklich wirst." Da hat sie wohl in mir gelesen. Ich stell mir diese Frage oft, und sie verfolgt mich, seit Freunde ein Jahr nach dem Abi meinten: "Was?? Du willst Inte*rnationales Mana*gement studieren? Das passt doch gar nicht zu dir." Ich dachte mir das schon und tat es also, und ich erlebte deswegen auch ganz wundervolle Sachen.

Aber nun steh ich da und weiß nicht wohin mit mir. Verlockend klingen für mich Dinge wie Sta*rt-Up*s, mit lustigen, aufgeschlossenen Leuten. Wohl, weil ich es erlebt habe, und es war toll. Es geht mir ja nicht darum, nicht arbeiten zu wollen. Ich kann blockern wie blöde, wenn ich einen Sinn sehe und es mir Spaß macht. Und vor allem, wenn mein Umfeld passt. Vielleicht bin ich dann zur ewigen Assistenz verdammt, aber am Ende ist es mir das Wert, wenn der Rest stimmt? Oder gibt es 2 in 1? Und wenn ja, wo? Wo sehe ich mich?

Ich wurde vor 4-5 Jahren mal zu einem Seminar entsendet. Bei einem relativ bekannten Coach. "Work-Life-Balance", hieß das. Wir sollten damals auf ein Holzbrett schreiben, wovor wir Angst haben. Und das Brett dann zerschlagen. Die Ängste sind gleich geblieben, bzw. haben sich noch verstärkt, seit ich hier bin. Außerdem sollten wir uns selbst schreiben, welches Ziel wir haben. Wo wir uns in 10 Jahren sehen. Und ich sag Ihnen, das hat so wenig mit dem Hier und Jetzt zu tun. Ja, so ganz würde ich das heute eh nicht mehr unterschreiben. Aber vielleicht im Kern. Oder ich kenne mich selbst immer noch so wenig wie damals.

Ich brauche jemanden, der mir hilft, mir selbst auf die Schliche zu kommen. Allein dreh ich mich seit Monaten im Kreis, und zwar so sehr, dass ich jetzt vor Schwindel schwanke und strauchel. Am schlimmsten ist das Gefühl: es muss schnell gehen. Das muss sich jetzt alles schnell ändern, sonst werd ich verrückt. Schnell, was geht schon schnell. Und dann kommt wieder die Angst vor Kurzschlusshandlungen, Spontanentscheidungen, die ich bereue. Diese scheiss Angst. Fick dich, du scheiss Angst. Ich will dass mein Herz wieder zu meinem Kompass wird.

Vorherrschendes Gefühl 2011: ich halt das nicht aus.
Vorsatz für 2012: ich muss da raus. Herz, bitte melden für Kurswechsel!


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Mittwoch, 28. Dezember 2011
********** Error **********
Irgend jemand oder mehrere fragten mich hier, ob ich denn nicht mal meine alten Beiträge würde lesen wollen, um mir zu überlegen, ob ich da echt glücklicher war. Ich hab das gerade gemacht. Und ja: ich will zurück. Immer noch.

Die letzten Tage möglichst wenig bei meinem Vater und seiner Frau gewesen. Ich kann ihnen gar nicht mehr wirklich in die Augen schauen. Also vier Tage lang nur unterwegs gewesen und möglichst viel getrunken, mit Leuten getroffen. Und es funktioniert nicht. Ich sitze in den Kneipen, Clubs, und brauche immer erstmal eine halbe Stunde, bis mir alles keine Angst mehr macht. Dann sitze ich da wie unter einer Taucherglocke. Ich höre sogar schlecht. Kommt aber vielleicht von dem scheiß Gebeisse. Immerhin funktioniert es irgendwie für die Außenwelt, glaube ich. Also zumindest dringen anscheinend Geräusche aus mir, die für das Umfeld irgendwie Sinn machen. Aber die Diskrepanz zwischen der Frau unter der Taucherglocke, und der, die da redet und lacht und trinkt. Das ist. Schizo. Hahahahahahaha!!!!!!

Ich schreibe und schreibe und lösche und lösche.

Heute dann. Treffe mich morgens mit einem Freund zum Frühstücken in der Stadt. Das war nett. Aber es strengt alles so an. So sehr. Danach 1,5 Stunden zur Oma. Das war nett. Aber es strengt alles so an. Dabei ist sie so süss, und so erkältet.

Danach kurz zu Papa. Ich sage: ich glaub, ich packs jetzt mal. Erstauntes Schweigen. "Wohin?" Naja, zurück nach Nür*nbe*rg. "Aha. Was machst du da?" Ich: ".... öhm..." .. Er: "Schaun?" Ich: "Ja."

Ich gehe in den 1. Stock packen. Er sagt: "Du hast noch deine Bescherung bei uns". Wissen Sie, das ging bisher einfach nicht. Alles in mir wollte diese Geschenke einfach nicht aufmachen. Ich will keine Geschenke. Ich will Verständnis. Und ich weiß schon in dem Moment, dass das, was jetzt kommt, ein Drahtseilakt wird, den ich verkacken werde.

"Schenkt es mir doch zum Geburtstag." Tja naja. Ich hab Sie ja gewarnt, ich werde es verkacken. Das rutschte einfach so aus mir raus. Es rutschte raus und sagte all das, was ich mir seit 4 Tagen verkneife.

Mein Vater und ich haben ein großes gemeinsames Talent: wie schießen wir uns gegenseitig hoch in nur 2 Sekunden. Dann ging es also ab. Also noch versuchte ich ruhig zu sein. Ging ins Erdgeschoss zurück, packte Ladekabel, Handtasche. Und er brüllte schon los: "Merkst dus überhaupt noch? Wie du hier rumläufst? Mit einer Fresse!" Also ich erwähnte ja, dass ich nicht wirklich viel dort rumgelaufen bin, und gestern Abend zum Beispiel saß ich ganz nett auf dem Sofa und hab mit Tat*ort geschaut.

Was sich nicht leugnen lässt: JA! Die Stimmung ist seit 4 Tagen angespannt. Das haben unausgesprochene Konflikte so an sich. Ich habe in den letzten Wochen aber auch gelernt, dass ich diesen Konflikt weder bei ihm noch bei ihr weiterhin adressieren kann, ohne mich danach noch beschissener zu fühlen. Also hab ich es einfach gelassen, wo ich ja anscheinend eh die einzige bin die spürt, dass diese Arbeitssituation einfach nur unterirdisch ist.

Jetzt kann ich momentan leider nicht mehr den Anspruch an mich haben, auch noch dort, wo ich die Tür nach dem Trinken und Lachen und Reden aufsperre, und "ankomme", auch noch zu lachen und zu trinken und zu reden. Sondern da bin ich ruhig, und still, und leise, und mache einfach mein Ding, um möglichst schnell ins Bett zu verschwinden, ohne Diskussionen.

Also sage ich: "Jetzt haben wir 4 Tage lang alle unsere Klappe gehalten. Können wir das jetzt nicht noch 2 Minuten einfach so beibehalten?" Naja und dann wars ganz aus. Und er brüllte. Während sie immer leise flüsterte (und das fand ich noch beschissener): "H., hör auf". Und er brüllte Dinge, die meine Restnerven dermaßen trafen, von wegen, ob ich denn glaube, dass ich die einzige mit Problemen sei (nein, das meine ich nicht, aber mir reichen meine gerade und ich komm mit ihnen nicht klar und sie fressen mich im wahrsten Sinne des Wortes auf, und ich weiß dass sie für mich einfach als Ansprechpartner für meine Lebensgestaltung weggefallen sind), dass ich ausgeflippt bin. Völlig hysterisch ausgeflippt. Ich glaube, würde ich einen Film davon sehen, würde ich mich totlachen. Aber es war, als würde sich endlich alles, was in mir ist, einen Weg nach außen bahnen. Und äußern in einem Schrei, wie ich ihn noch nie geschrieen habe, und in einem Gestampfe, wie ich noch nie gestampft habe.
Und sie flüstert immer noch leise: "H., hör auf", und ich komm mir noch mehr vor wie ein Psychofall und würde gerne beide umbringen, und schreie: "Lasst mich einfach in Ruhe! Haltet die Klappe und lasst mich in Ruhe", während mein Vater schreit: "Mit dir kann man gar nicht mehr reden".

Ich bin dann gegangen. Hatte einen Termin mit meiner Schizo-Mama in der Stadt, sie wollte mir noch einen Schlafan*zug kaufen. Und ich weiß wie sehr es sie anstrengt in die Stadt zu fahren, also gehe ich zum Treffpunkt, aber als sie da ist sage ich: "Mama, ich habe keinen Nerv jetzt, das ist alles total eskaliert". Sie weiß ja seit Weihnachten was da so Sache in mir ist mit dieser Arbeits- und Familien-/Vater-/Frau-Situation. Also sage ich: "Es tut mir so leid!" Und sie sagt: "Es muss dir nicht leid tun, komm wir gehen zu mir Kaffee trinken".

Und dort fragt sie, ob ich wirklich noch nach Nbg will, oder nicht besser bei ihr schlafe. Und ich sage ne, ich will nach Nbg, und fühle mich wieder wie eine Fotzentochter die vor ihr wegläuft.

Und dann ist sie so sehr Mama, wie sie es sehr sehr lange nicht mehr war. Und das ist alles so krank und schräg, dass ich es echt. Ich pack das alles nicht mehr.

Sie umarmt mich, und lässt mich an ihrer Brust weinen, und streichelt mich. Und kocht uns Kaffee. Und ich erzähle und erzähle, und sage: scheiße man du hast deinen eigenen Scheiß und jetzt laber ich dich auch noch zu. Und sie sagt: "Ja aber deswegen hab ich doch immer noch ein offenes Ohr für dich. Weil ich merke wie schlecht es dir geht." Und das ist wirklich absolut merkwürdig, denn wir glauben schon sehr lange, dass sie keine Antennen mehr für uns und unsere Sorgen hat. Und ein Ohr für andere? Hahahahahahaha! Das ist wirklich ein Weltwunder. Wirklich!

Sie macht einen Plan mit mir, was ich nun tun kann, und redet mir zu, dass ich mich mit Papa aussprechen muss. Und meint, ich soll Antide*pressiva nehmen, bis ich mich zumindest halbwegs stabilisiert habe und mich ein The*rapeut begleitet. Und in diesen Momenten möchte ich schreien, warum sie das nicht für sich auch in Anspruch nimmt. Sie bringt mich so gut runter, gibt mir so tolle Mama-Ratschläge, und das ist alles. Verrückt! Verstehen Sie das? Ich weiß nicht wie ich das erklären soll. Diese ganze Verrücktheit, in mir und um mich. Wenn nichts mehr zu passen scheint. Wenn alles ständig anders ist. Wenn nichts mehr Sinn macht, und ständig andere Gesetze gelten. Wer seid ihr alle? Und wer bin ich in all dem? Und wie in Gottes Namen kannst du darüber nachdenken dich umzubringen? Und wenn du es nicht tust und nur drüber redest: in Gottes Namen, scheiße verdammte. WARUM? Und WARUM lässt du dir nicht von uns helfen?

Später rufe ich sie an um ihr zu sagen, dass ich gut angekommen bin. Sie erzählt mir eine Stunde von ihren wilden Theorien. Sagt immer: "Ich will dich damit aber eigentlich gar nicht belasten, mir tut schon deine Situation mit Papa so leid", und redet dann trotzdem weiter, aber anders als sonst. Weniger, wie sehr sie leidet, sondern auf einer sachlichen Ebene, und ich hinterfrage sachlich, und sie ist gar nicht unaufgeschlossen dem Hinterfragen gegenüber. Bleibt aber natürlich auf ihrem Standpunkt. Am Ende des Gesprächs sage ich: "Danke Mama. Das Gespräch heute mit dir hat mir sehr sehr geholfen und gut getan." Und sie sagt (JAAAAA ich weiß!!!! JA. Und andererseits weiß ich nicht. Ok ich flippe aus, entschuldigung): "Bin ich ja doch noch zu was gut." Und lacht. Und ich sage: ach Mama, das bist du doch sowieso! Und sie sagt nur: "Ne wirklich jetzt. Es tut mir gut, dass dir das heute gut getan hat." Und ich frage mich: scheiße was ist wenn sie nur mehr Zuwendung von uns braucht? Und wo sind die Grenzen? Und überhaupt. Vielleicht fehlt ihr einfach nur .. mehr Liebeszeichen von uns. Ich weiß das klingt blöd, aber in dieser ganzen Scheiß Sache führen wir ja meistens nur Diskussionen und reden und reden, aber nie oder selten liebevoll. Und sie versteht ja unsere Liebe nicht, wenn wir ihr erklären, dass sie eigentlich Neu*role*pika braucht. Klar dass sie das nicht als Liebesbeweis sieht. Ich weiß nicht, auch hier scheitern wieder all meine Erklärungsversuche. Letztendlich dreht sich alles um Schuldfragen für mich, egal wie gerecht- oder ungerechtfertigt sie sein mögen.

Danach spreche ich mit meinem Bruder. Er hatte einen Anruf von ihrem Hausarzt. Sie hätte ihm erzählt, dass ihre Kinder so leiden würden unter der Situation. Und ansonsten meint er, akut sei da gerade nichts, und wir stimmen zu, denn sie freut sich uns im Januar wiederzusehen. Aber hey der Teufel ist ein Eichhörnchen, und letztendlich weiß ich gar nicht mehr was ich glauben soll und glaube letztendlich an nichts mehr.

Mein Bruder geht die nächsten zwei Tage Skifahren. "Ich kann nicht mehr, verstehst du?" "Ja, das verstehe ich". Er macht sein Handy dort aus, sagt er. "Mach das, A., mach das echt." Er setzt an..: "Ich.. ich hab das Gefühl den Verstand zu verlieren. Gestern sitze ich bei einer Freundin. Und sitze da so. Und es tut mir so leid weil ich sie ja mag, aber ich sitze da nur so. Und heute morgen war ich bei B. (AdV: ein Kumpel von ihm), und ich hab ihm innerhalb von einer Minute zweimal die Hand gegeben, weil ich nicht wusste, ob ich sie ihm schon gegeben habe."

"Ich versteh das, sehr gut", sage ich.

"Ich hab das Gefühl ich werde selbst langsam verrückt."

"Ich verstehe das", sage ich wieder. Ich muss daran denken, wie sie ihm gestern sagte, nach dem ersten Klinikaufenthalt habe sie sich für einen möglichen Sui*zid einen Starkstromfön gekauft. Keine Ahnung ob es so etwas überhaupt gibt, und wenn ja, ob sie den echt gekauft hat. Aber das ist dem Herz auch egal.

"Ich hab das Gefühl, das verstehen nur ." Dann war der Akku leer. Aber mehr gibt es an dieser Stelle auch einfach nicht zu sagen.


Doch, eins noch. Ich bin so dankbar, dass ich kein Einzelkind bin. Und dass mein Bruder und ich uns so nah kommen. Und dass wir ohne viele Worte verstehen. Ich habe diesen Song schon letztes Weihnachten gepostet, nach einer Nacht, an die wir beide auch dieses Jahr intensiv gedacht haben. Wir hatten dort Themen, die bisher keiner weiß, selbst das Blog hier nicht. Aber diese Themen und das was wir sprachen, das ist wie kleine Schätze, die mich irgendwie weiterstolpern lassen. Ich liebe meinen Bruder, und er ist das, was mir gerade halt gibt. Ich glaube, das einzige.


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