Samstag, 26. Mai 2012
Derzeit streifen mich immer wieder Gedanken, die ich komischerweise gar nicht in Worte fassen kann, obwohl ich doch in Worten denke. Es hat was mit diesem "im Fluss" zu tun.

Die Situation mit meinem Cousin und die aktuellen Therapiesitzungen spülen etwas hoch, das irgendwie traurig, heilsam und schön ist, und zugleich nicht richtig zu greifen.

Ich selbst war und bin ja auch kein Kind von Traurigkeit. Ich kenne (primär chemische) Drogen, und ab und an greif ich auch heute noch gern zu, wobei das letzte mal fast genau ein Jahr her ist. In den letzten Jahren war das immer ein großes Thema. Allein schon durch den kleinen Professor. Dann durch F., da aber eher als Beobachter und auch Nutznießer. Und somit letztendlich auch wegen mir, einfach weil ich damit konfrontiert bin und auch selbst konsumiere.

Hier habe ich glaub ich nicht geschrieben, über diese extremen sexuellen Spannungen zwischen meinem Cousin und mir, und das, was da passiert ist. Aber es bringt mich ins Grübeln, warum eben ausgerechnet er. Klar einte uns über die Jahre der kleine "Schwarze Schafe der Familie" Stempel, auch wenn er jetzt ein fettes Tattoo auf der Stirn hat. Ich finde ihn unheimlich sinnlich und sexy in seinem Auftreten. Und wir sind fast gleich alt. Trotzdem. Weiß ich... dass es das alles alleine nicht ist. Es ist noch etwas, nämlich das etwas, das dazu führt, dass ich eben keinen Partner habe. Bei F. ist es das gleiche. Und beim kP letztendlich auch.

Was erzählen mir diese Männer über mich. Und wo kommt die tiefe Erschütterung meiner selbst her. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir meine Eltern dieses Gefühl vermittelt hätten, aber seit der letzten Frage des Therapieonkels spült es Erinnerungen an die Grundschule und das Gymnasium hoch, und die tun echt weh, und ich möchte dieses kleine Mädchen einfach nur gerne umarmen.

Und die Drogen... je mehr mein Umfeld mir davon zeigt, desto unattraktiver werden sie, und auch der Zustand meiner Mutter und die Angst davor, dass mal was schief läuft wenn ich was ziehe oder werfe, tragen gut dazu bei. Auch die Vollidioten, die man in Psychiatrie gesehen hat, wenn ihre obercoolen Partykollegen sie besuchen, und sie über die "krass-geilen Aktionen" sprechen, die den Kollegen auf die Station gebracht haben. Wenn man da neben seiner durchgeknallten Mutter sitzt und sowas hört, würde man diese Spasten einfach nur gerne erschießen. Vielleicht haben sie auch noch nie gesehen, wie ein Hängengebliebener in sein Wasserglas sabbert und dann vorschlägt: "Du lass uns doch deine Wand bemalen". Aber das ist eine andere Geschichte, die hier bereits einmal erzählt wurde. Die Wahrheit ist.. sie fehlen mir auch einfach nicht. Es keimt manchmal ein "Boah mal wieder richtig fett feiern gehen" auf, aber das ist irgendwie auch sehr schnell wieder weg, spätestens beim Gedanken an den Tag danach oder an all die Energie, die man damit verschleudert.

Ich habe hier ein Jahr Eremiten-Dasein hinter mir. Das Alleinsein schätze ich jetzt vermutlich mehr als zuvor. Aber ich bin unglaublich erleichtert zu wissen, dass ich zum 1.7. umziehe. Es fühlt sich an, als würde ich nach einem Jahr Isolation zurück in die Zivilisation gehen. Ob ich die dann mag - ich weiß es nicht. Aber ich freue mich unglaublich auf sie, und die "Eremit"-Karte kann ich immer noch ziehen, wenn mir danach ist.

Das sagt Ihnen jetzt vielleicht alles nichts, oder klingt sehr zusammenhanglos. Aber das ist es nicht, das weiß ich. Nur fehlen mir halt auch noch ein paar Puzzleteilchen. Aber sie sind da. Ich spürs. Und es macht auf sehr merkwürdige Art und Weise echt Sinn.

Klangkarussell - "Hitparade"-Set

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Mittwoch, 23. Mai 2012
Desperation and disappointment.
Wir alle kennen Situationen, in denen wir verzweifelt sind. In denen wir nicht mehr wissen, wovon wir unsere Miete oder unser Essen zahlen sollen. In denen uns das Wasser bis zum Hals steht. Aber ich glaube, keiner von uns würde wirklich während der Trauerfeier seiner eben verstorbenen Großmutter ihre Bankkarte klauen und ihr Konto um einen fetten Batzen erleichtern.

Ok, angenommen uns würde bei dieser Gelegenheit-macht-Diebe-Situation die Sicherung durchbrennen. Selbst dann stünden wir am nächsten Tag wohl bei irgendwem auf der Matte um unser Gewissen zu erleichtern. Aber doch nicht erst dann, wenn unser Vater uns berichtet, dass nun die Anzeige bei der Polizei läuft und es Videoaufnahmen gibt.

Keiner von uns, auch nicht ich, wusste, wie hoch ihm das Wasser wirklich steht. Wie verzweifelt und skrupellos er anscheinend ist, wird uns allen erst jetzt klar. Wir können ja auch nicht hellsehen.

Durch diese Aktion kam nun aber das ganze Ausmaß ans Licht. Und es ist ganz und gar unglaublich. Abgesehen von finanziellen Schwierigkeiten, Mietschulden, sonstigen Schulden, ist da noch eine Drogenabhängigkeit, die ich in diesem Ausmaß auch nicht erwartet hätte, ein aufgrund Drogenkonsum verlorener Führerschein, Fahren ohne Führerschein sowie eine kriminelle Energie und Skrupellosigkeit, die ich ihm niemals zugetraut hätte, ganz zu schweigen von eben jener Scheissaktion. Gekrönt von grenzenloser Dummheit.

Kein Mensch von uns hätte ihm nicht zugehört. Keiner von uns wäre nicht für ihn dagewesen. Es hätte gereicht mit uns zu reden. Ich weiß selbst, wie schnell so eine Abwärtsspirale funktionieren kann, und wie es ist, wenn man einfach nicht reden kann.

Und trotzdem. Ich wanke zwischen Wut, Entsetzen und maßloser Enttäuschung. Der Rest meiner Familie ist anscheinend noch enttäuschter und absolut sprachlos, was man ihnen ja nicht verübeln kann. Seinen Vater und seine (geschiedene) Mutter zerreisst es vermutlich gerade, dummerweise unterstützt sie anscheinend seine Misere regelmäßig finanziell und schützt ihn. Ja, Mutterinstinkte. Aber ich weiß, dass letztendlich nur eine richtig harte Fressenlandung irgendetwas helfen kann, wenn überhaupt.

Dennoch würde ich mir wünschen, dass wir nun nicht anfangen ihn auszugrenzen (das klang irgendwie so durch bei dem Telefonat meiner Tante, im Sinne von "ich weiß nicht ob ihn nun noch jemand einläd bei Feiern"), sondern ihn integrieren. Das heißt nicht, dass wir ihm die Suppe auslöffeln oder seinen Arsch retten sollen, aber dass wir für ihn da sind, und dass er immer noch ein emotionales Sicherheitsnetz hat, an das er selbst aber ganz offensichtlich nicht glaubt.

Scheisse einfach. Richtig richtig scheiße.

Peterson & Tolgus - Leave alone ( Promo )

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Sonntag, 20. Mai 2012
Wenn man sich das so anschaut, dann kann mans eigentlich kaum mehr erwarten... Und es beruhigt mich, wie unabhängig letztendlich die Natur von uns ist, und wie abhängig wir von ihr. Wir Dummen.

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Sonntag, 20. Mai 2012
Ich weiß nicht warum, aber meine Wäsche riecht plötzlich nach dem kP. Das ist strange. Und strange vertraut. Wuäh. Waschmittel wechseln.

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Samstag, 19. Mai 2012
Vom Partnerlossein.
Bei der Trauerfeier meiner Oma stand ich dann am frühen Nachmittag auf dem Balkon bei den anderen Rauchern.

Der Mann meiner Cousine N. (wir haben viele Cousinen und Cousins, das müssen Sie nicht überblicken) fragte aus dem Nichts: "Sag mal, Oka... also weißt du.. bisher habe ich jeden mit einem Partner oder einer Partnerin gesehen. Deinen Bruder, den B., die J, die V., den C., die M.... (adr der Rest ist eh so gut wie fest vergeben).. nur dich. Dich habe ich nie mit einem Partner gesehen. Oder einer Partnerin?!?"

Ha. Wurde ja auch Zeit. "Nein, ich bin nicht lesbisch. Ich weiß auch nicht. Es passt nie. Entweder die verlieben sich, und ich mich nicht. Oder die sich nicht, dafür ich mich."

"Ich versteh das nur nicht. Du bist doch eine attraktive Frau, clever, nicht auf den Mund gefallen. Was ist da los?"

Ich hätte ihm von meinen aktuellen Therapiesitzungen erzählen können, aber ich glaub, das wär zuviel gewesen. Und so sage ich einfach nur: "Weißt du, vielleicht habe ich einfach Angst davor, mich zu verlieben, ich traue mich nicht mehr."

Das stimmt so nicht. Aber es macht die Sache leichter.

Neulich erwähnte ich hier die Frage meines Therapeuten, warum ich gerne eine Beziehung möchte. Und was ich mir von meinem Partner erwarte. Ich habe wie gesagt 2,5 Seiten dazu geschrieben, und mir ist vieles klar geworden, und vieles unklarer, und überhaupt, es mag auch mit meiner großen Liebe T. zu tun haben. Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass ich kompromisslos bin. Das wird mir momentan immer klarer. Mein Therapeut meinte, wenn man auf den Märchenprinzen wartet, dann sollte man in der Zeit bis dahin nicht klagen, sondern akzeptieren, dass man eben auf jenen wartet. Für mich klingt es momentan so, als würde er mir verklickern wollen, dass es durchaus eine Möglichkeit ist, einen Partner dafür zu suchen, dass man nicht alleine alt wird.

Klar will ich nicht alleine alt werden. Aber ich werde lieber alleine alt als an der Seite eines Mannes, der für mich nur ein Kompromiss, eine Altersvorsorge ist.

Ich will mehr. Und seitdem ich mir das so verdeutlicht habe, ist es auch echt ok so. Ja, ich wünsche mir jemanden an der Seite. Ja, ich will nicht alleine alt werden. Ja, ich will Kinder. Ich will mit jemandem mein Leben teilen. Aber nicht nur, weil es praktisch ist.

Das ist nicht das Ende vom Lied. Aber es ist das, was es gerade ist.

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Fluss.
Unverändert, seit einigen Tagen, das Gefühl, dass das alles, das ganze Leben, mit dem Kommen und Gehen, Leiden, Schmerzen, Lachen, Freuen, Höhen, Tiefen und all der Unruhe, die es in diesem Jahr so gibt, bei mir wie in meinem Umfeld.. dass das alles echt gut ist. Im Fluss eben.

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