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Freitag, 15. November 2013
Keine Pointe.
okavanga, 22:56h
Die zweite Woche Krankschreibung ist nicht so wie die erste. Sie ist stiller. Seit dem Familienfest. Was ich an Tränen zuviel hab, fehlt mir an Worten, auch im Gespräch mit mir selbst. Ich gehe spazieren, jeden Tag, durch den Waldpark, aber immer einen anderen Weg. Das ist das Highlight des Tages, sowohl was Bewegung als auch was mein Selbstgefühl angeht. Diese Traurigkeit bleibt zwar, aber anders, nicht so drückend wie in der Wohnung. Und der Herbst sieht so wunderschön aus, egal ob sonnig, neblig oder wolkig.
Ich hatte mir viel vorgenommen. Weil ich ja nicht ganz krank bin, abgesehen von einem widerlichen Husten und. Traurigkeit. Also hatte ich an Dinge gedacht wie: Balkon abräumen, Zeugnisentwurf vom letzten Arbeitgeber gegenlesen, Stellenanzeigen screenen, Bewerbungsunterlagen erstellen, Schrank und Kommode ausmisten, Staubwischen und so grundlegende Hausfrauendinge wie Staubsaugen, Wischen, Bad putzen. Beim Grundlegenden ist es dann auch geblieben, auch wenn immerhin der Balkon fast leer geräumt ist. Und ich mir gerne leckere Dinge koche. Und mein Bruder war mal auf Durchreise hier. Danach dachte ich aber, ich sterbe an Einsamkeit. Die Wohnung war so still.
Wirklich wichtig wären die Job-Dinge. Denn sie sind zu einem großen Teil mit dafür verantwortlich, dass es in mir aussieht wie es aussieht. Langsam frage ich mich, ob es nicht doch an mir liegt. Oder ob das mit der Firma eben so ist wie mit Exfreunden: man erinnert sich vor allem an die tollen Dinge, plant diesmal alles anders zu machen, und beide haben sich ja vermeintlich auch weiterentwickelt, und man kennt jetzt die Fallstricke. Aber wenn alle guten Vorsätze verraucht sind und der Alltag eingekehrt ist, zeigen sich letztendlich wieder die Gründe, warum es eben schon beim ersten mal nicht geklappt hat. Ich bereue den Schritt nicht, muss aber weitergehen, denn der Stillstand im jetzt bringt mich um
Ich möchte da jetzt gar nicht ins Detail gehen, mich selbst nerven diese Jobthemen schon genug. Was ich aber nicht ignorieren darf ist, dass der Job mir nicht gut tut. Das, was ich seit neuesten oder wie auch immer man das sagen will, tun soll. Das Bild, das man mir (wenn auch sicher nicht mit Absicht) mal wieder von mir selbst vermittelt - und das obwohl es mir lang genug zumindest so gut ging, dass ich das irgendwie kompensieren konnte. Mit den allerjüngsten Entwicklungen allerdings, was meinen direkten Job und seine Bedingungen angeht, UND was die Entwicklung und Entscheidungen der Firma angeht, komme ich nicht mehr klar, und möchte ich auch gar nicht klar kommen. Ich frage mich wie damals auch, ob denen eigentlich klar ist, dass ich ein teures Studium habe und nun über 7 Jahre Berufserfahrung.
Es fühlt sich wieder an wie das Kleingehalten-werden. Ich hinterfrage häufig, wieviel ich selbst mit meinem Selbstbild dazu vielleicht beitrage. Aber ich weiß dass es diesmal wirklich völlig falsch wäre, das bei mir zu suchen. Und ich bin nicht die einzige, der so einiges sauer aufstößt. Auch meine direkte Führungskraft (ich halte sehr viel von ihm und seinen Fähigkeiten) hat bereits erste Konsequenzen für sich gezogen, was mich nur weitere Fragen stellen lässt.
Schockiert hat mich, dass mir selbst das Ausmaß, wie sehr mich das alles mitnimmt, gar nicht klar war, bis ich Anfang letzter Woche beim Arzt war und er einen Zun*genp*ilz diagnostizierte. Den kann ich mir zwar irgendwo auch geholt haben (aber wo?!). Der Jungbuschdoktor meinte aber nur: "Hm. Den bekommt man eigentlich nur, wenn man physisch oder psychisch völlig am Ende ist." Ich hätte sofort Heulen können, wusste aber nicht warum. Ja, klar, ich war mit mir selbst irgendwie unzufrieden, und fühlte mich zunehmend einsamer, und dann war da noch die scheiß Sache mit F., und ich fing auch an Freundschaften zu hinterfragen (vor allem immer wieder die mit LeSchwe - immer und immer wieder. Warum ist das so? Und warum verletzt es mich jedes Jahr aufs neue so sehr, dass sie mich nie fragt was ich Sylvester tue, und ob wir es zusammen verbringen möchten, sondern sie plant immer ohne jegliche Berücksichtigung meinereiner). Aber.... also am Ende. Pf. Bitte.
Danach bin ich zum Hautarzt. Der fragte, was ich arbeite. Und ob ich denn einen direkten Zusammenhang zwischen meiner Haut und Stress sehe. Ich sagte, das wisse ich nicht, und er empfahl mir das zu beobachten.
Dann habe ich geheult und hatte auch einen vorläufigen Grund: anscheinend bin ich ein psychisches Wrack und merke es nicht. Seitdem denke ich darüber nach. Das war möglicherweise ziemlich blöd, denn vielleicht bin ich ja kein Wrack und habe mich nun nur zu einem gedacht. Aber die Tränen scheinen mir dann doch etwas verräterisch. Tja. Und dann kam eben der Samstag.
Am Montag schrieb mich der Jungbuschdoktor für eine weitere Woche krank. Der Pilz sei zwar abgeheilt, aber er würde es gern sehen, wenn ich noch eine Woche zu Hause bliebe. Und spazieren gehe. Und so. Also tat ich das.
Ich wabere unter der Glocke. Möchte mit niemandem reden, merke ich. War mit Freunden gestern (trotz Krankschreibung, jawohl) auch auf einem Poe*try Sl*am. Das war zwar nett, aber irgendwie halt auch nur durch die Glasglocke. Ich fand alle und alles komisch.Und eigentlich wollte ich nur schnell wieder nach Hause und Breaking Bad kucken. 4 Staffeln in 9 Tagen. Damit ich nicht darüber nachdenken muss, was eigentlich wann schiefgelaufen ist.
Denn so ganz leise kommt immer wieder ein kleiner Teufel, der wispert in mein Ohr: "Sooo, ist es wieder soweit, jaaaa? Da nervt also der Job. Und deine Freunde sind vielleicht auch gar nicht so toll. Willste wieder umziehen? Kannst du vielleicht gar nicht 'länger'? Haste wieder das Gefühl, ganz grundlegend irgendwo falsch abgebogen zu sein, hm? Du blöde Zicke. Nie passt dir irgendwas auf lange Sicht. Immer fängst du irgendwann das quängeln an. Vielleicht ist ja alles super und du raffst es einfach nur nicht! Was willste denn sonst auch machen, du Klugscheißer? Sieshte! Da fällt dir nichts ein! Nix weißte. Kannst auch nich soviel, ne. Sehen die in der Arbeit ja anscheinend auch so. Pf. Krieg dich einfach mal wieder ein und halt die Füße still!"
Und dann ist da der Engel, der sagt: "Bewerb dich doch einfach! Tu doch einfach was! Du musst was tun! Beweg sich, nicht nur beim Spaziergang!"
Aber da kommt nichts. Ich kann nicht. Ich krieg das alleine einfach nicht auf die Reihe. Bräuchte jemanden der mich am Händchen hält und sich mit mir hinsetzt, um Stellenangebote durchzusehen und Bewerbungen zu schreiben. Müsste sagen: bitte helft mir! Kann aber gar nichts reden. Will auch gar nicht reden. Ich bin ja die, die eh nen Schuss hat. Da kann ich doch nicht mit sowas auch noch kommen. Wie peinlich. Gehe in Gedanken alle vor, mit denen ich sonst über ganz intime Dinge und Seelenheil spreche, und stelle mir vor wie ich denen erkläre was gerade mit mir ist. Und dann schüttel ich den Kopf und denk mir: ne. Was soll ich denn sagen? Selbst der Papa merkt am Telefon nicht, dass irgendwas komisch ist. Aber das kann nur daran liegen, dass er es nicht merken will und dass er nicht weiter fragen möchte, denn er merkt zumindest: "naja reden willst du anscheinend nicht." Und ich denke an den Therapeuten, aber auch daran, dass ich ihm bei einem Telefonat nach der Selbstverstümmelungsaktion versprechen musste, es erst einmal alleine zu versuchen. Überlege auch, ob Therapieende und die Ereignisse bzw. mein Zustand irgendwie korrelieren. Komme aber immer zu dem Schluss, dass es einfach scheiß Timing ist.
Seit zweieinhalb Wochen habe ich eine Katze (aus dem Tierheim). Sie ist sehr verschmust und gurrt manchmal so schön, und ich bin sehr verliebt in sie. Und oft streichel ich ihr Fell und fange dann an zu flennen. Als würde die Katze mein Heulzentrum antriggern.
Ich weiß, dass ich mich bewegen muss, denn anders komme ich nicht da raus. Aber ich kann einfach nicht. Und ich schaffe es auch nicht nach Hilfe zu fragen. Und das nervt mich dann alles, und ich werde noch regloser.. etc pepe. Keine Pointe.
Ich hatte mir viel vorgenommen. Weil ich ja nicht ganz krank bin, abgesehen von einem widerlichen Husten und. Traurigkeit. Also hatte ich an Dinge gedacht wie: Balkon abräumen, Zeugnisentwurf vom letzten Arbeitgeber gegenlesen, Stellenanzeigen screenen, Bewerbungsunterlagen erstellen, Schrank und Kommode ausmisten, Staubwischen und so grundlegende Hausfrauendinge wie Staubsaugen, Wischen, Bad putzen. Beim Grundlegenden ist es dann auch geblieben, auch wenn immerhin der Balkon fast leer geräumt ist. Und ich mir gerne leckere Dinge koche. Und mein Bruder war mal auf Durchreise hier. Danach dachte ich aber, ich sterbe an Einsamkeit. Die Wohnung war so still.
Wirklich wichtig wären die Job-Dinge. Denn sie sind zu einem großen Teil mit dafür verantwortlich, dass es in mir aussieht wie es aussieht. Langsam frage ich mich, ob es nicht doch an mir liegt. Oder ob das mit der Firma eben so ist wie mit Exfreunden: man erinnert sich vor allem an die tollen Dinge, plant diesmal alles anders zu machen, und beide haben sich ja vermeintlich auch weiterentwickelt, und man kennt jetzt die Fallstricke. Aber wenn alle guten Vorsätze verraucht sind und der Alltag eingekehrt ist, zeigen sich letztendlich wieder die Gründe, warum es eben schon beim ersten mal nicht geklappt hat. Ich bereue den Schritt nicht, muss aber weitergehen, denn der Stillstand im jetzt bringt mich um
Ich möchte da jetzt gar nicht ins Detail gehen, mich selbst nerven diese Jobthemen schon genug. Was ich aber nicht ignorieren darf ist, dass der Job mir nicht gut tut. Das, was ich seit neuesten oder wie auch immer man das sagen will, tun soll. Das Bild, das man mir (wenn auch sicher nicht mit Absicht) mal wieder von mir selbst vermittelt - und das obwohl es mir lang genug zumindest so gut ging, dass ich das irgendwie kompensieren konnte. Mit den allerjüngsten Entwicklungen allerdings, was meinen direkten Job und seine Bedingungen angeht, UND was die Entwicklung und Entscheidungen der Firma angeht, komme ich nicht mehr klar, und möchte ich auch gar nicht klar kommen. Ich frage mich wie damals auch, ob denen eigentlich klar ist, dass ich ein teures Studium habe und nun über 7 Jahre Berufserfahrung.
Es fühlt sich wieder an wie das Kleingehalten-werden. Ich hinterfrage häufig, wieviel ich selbst mit meinem Selbstbild dazu vielleicht beitrage. Aber ich weiß dass es diesmal wirklich völlig falsch wäre, das bei mir zu suchen. Und ich bin nicht die einzige, der so einiges sauer aufstößt. Auch meine direkte Führungskraft (ich halte sehr viel von ihm und seinen Fähigkeiten) hat bereits erste Konsequenzen für sich gezogen, was mich nur weitere Fragen stellen lässt.
Schockiert hat mich, dass mir selbst das Ausmaß, wie sehr mich das alles mitnimmt, gar nicht klar war, bis ich Anfang letzter Woche beim Arzt war und er einen Zun*genp*ilz diagnostizierte. Den kann ich mir zwar irgendwo auch geholt haben (aber wo?!). Der Jungbuschdoktor meinte aber nur: "Hm. Den bekommt man eigentlich nur, wenn man physisch oder psychisch völlig am Ende ist." Ich hätte sofort Heulen können, wusste aber nicht warum. Ja, klar, ich war mit mir selbst irgendwie unzufrieden, und fühlte mich zunehmend einsamer, und dann war da noch die scheiß Sache mit F., und ich fing auch an Freundschaften zu hinterfragen (vor allem immer wieder die mit LeSchwe - immer und immer wieder. Warum ist das so? Und warum verletzt es mich jedes Jahr aufs neue so sehr, dass sie mich nie fragt was ich Sylvester tue, und ob wir es zusammen verbringen möchten, sondern sie plant immer ohne jegliche Berücksichtigung meinereiner). Aber.... also am Ende. Pf. Bitte.
Danach bin ich zum Hautarzt. Der fragte, was ich arbeite. Und ob ich denn einen direkten Zusammenhang zwischen meiner Haut und Stress sehe. Ich sagte, das wisse ich nicht, und er empfahl mir das zu beobachten.
Dann habe ich geheult und hatte auch einen vorläufigen Grund: anscheinend bin ich ein psychisches Wrack und merke es nicht. Seitdem denke ich darüber nach. Das war möglicherweise ziemlich blöd, denn vielleicht bin ich ja kein Wrack und habe mich nun nur zu einem gedacht. Aber die Tränen scheinen mir dann doch etwas verräterisch. Tja. Und dann kam eben der Samstag.
Am Montag schrieb mich der Jungbuschdoktor für eine weitere Woche krank. Der Pilz sei zwar abgeheilt, aber er würde es gern sehen, wenn ich noch eine Woche zu Hause bliebe. Und spazieren gehe. Und so. Also tat ich das.
Ich wabere unter der Glocke. Möchte mit niemandem reden, merke ich. War mit Freunden gestern (trotz Krankschreibung, jawohl) auch auf einem Poe*try Sl*am. Das war zwar nett, aber irgendwie halt auch nur durch die Glasglocke. Ich fand alle und alles komisch.Und eigentlich wollte ich nur schnell wieder nach Hause und Breaking Bad kucken. 4 Staffeln in 9 Tagen. Damit ich nicht darüber nachdenken muss, was eigentlich wann schiefgelaufen ist.
Denn so ganz leise kommt immer wieder ein kleiner Teufel, der wispert in mein Ohr: "Sooo, ist es wieder soweit, jaaaa? Da nervt also der Job. Und deine Freunde sind vielleicht auch gar nicht so toll. Willste wieder umziehen? Kannst du vielleicht gar nicht 'länger'? Haste wieder das Gefühl, ganz grundlegend irgendwo falsch abgebogen zu sein, hm? Du blöde Zicke. Nie passt dir irgendwas auf lange Sicht. Immer fängst du irgendwann das quängeln an. Vielleicht ist ja alles super und du raffst es einfach nur nicht! Was willste denn sonst auch machen, du Klugscheißer? Sieshte! Da fällt dir nichts ein! Nix weißte. Kannst auch nich soviel, ne. Sehen die in der Arbeit ja anscheinend auch so. Pf. Krieg dich einfach mal wieder ein und halt die Füße still!"
Und dann ist da der Engel, der sagt: "Bewerb dich doch einfach! Tu doch einfach was! Du musst was tun! Beweg sich, nicht nur beim Spaziergang!"
Aber da kommt nichts. Ich kann nicht. Ich krieg das alleine einfach nicht auf die Reihe. Bräuchte jemanden der mich am Händchen hält und sich mit mir hinsetzt, um Stellenangebote durchzusehen und Bewerbungen zu schreiben. Müsste sagen: bitte helft mir! Kann aber gar nichts reden. Will auch gar nicht reden. Ich bin ja die, die eh nen Schuss hat. Da kann ich doch nicht mit sowas auch noch kommen. Wie peinlich. Gehe in Gedanken alle vor, mit denen ich sonst über ganz intime Dinge und Seelenheil spreche, und stelle mir vor wie ich denen erkläre was gerade mit mir ist. Und dann schüttel ich den Kopf und denk mir: ne. Was soll ich denn sagen? Selbst der Papa merkt am Telefon nicht, dass irgendwas komisch ist. Aber das kann nur daran liegen, dass er es nicht merken will und dass er nicht weiter fragen möchte, denn er merkt zumindest: "naja reden willst du anscheinend nicht." Und ich denke an den Therapeuten, aber auch daran, dass ich ihm bei einem Telefonat nach der Selbstverstümmelungsaktion versprechen musste, es erst einmal alleine zu versuchen. Überlege auch, ob Therapieende und die Ereignisse bzw. mein Zustand irgendwie korrelieren. Komme aber immer zu dem Schluss, dass es einfach scheiß Timing ist.
Seit zweieinhalb Wochen habe ich eine Katze (aus dem Tierheim). Sie ist sehr verschmust und gurrt manchmal so schön, und ich bin sehr verliebt in sie. Und oft streichel ich ihr Fell und fange dann an zu flennen. Als würde die Katze mein Heulzentrum antriggern.
Ich weiß, dass ich mich bewegen muss, denn anders komme ich nicht da raus. Aber ich kann einfach nicht. Und ich schaffe es auch nicht nach Hilfe zu fragen. Und das nervt mich dann alles, und ich werde noch regloser.. etc pepe. Keine Pointe.
Samstag, 9. November 2013
"Hier"-
okavanga, 23:51h
"Mit wem bist du da?" Meine Großcousine schaut mich mit großen runden Augen an. Der Freund einer Cousine steht neben mir und lacht gehässig. "Allein ist sie. Mit niemandem da". Während die Kleine mit ihren 10 Jahren kontert "ja aber du..." (denn der Typ ist heute ohne meine Cousine auf der Familienfeier, so lange kenne wir ihn schon), sitzt sein Satz wie eine Faust in meinem Magen.
Ich gehe alle anwesenden Familienmitglieder und Freunde durch. Keiner über 10 ist hier solo.
Mir ist zum Heulen. Verkrieche mich ins Treppenhaus und tippe das. Fühle mich einsam, wie der letzte Dreck. Nicht wie jemand, der einen andren braucht um sich zu erkennen. Sondern wie eine Wölfin, die seit Jahren allein Reviere durchstreunt, hier und dort schnuppert um freundlich Hallo zu sagen, die kalte Schulter zeigt oder in die Kehle gebissen wird.
Man gewöhnt sich daran. Obwohl man es nicht möchte. Tbc.
--
Eigentlich fängt es anders an. Die Kleine fragt: "Woher hast du deine Kette?" "Ach", antworte ich, "von einem alten Ex-Freund." Und ich denke an den Traum von vor ein paar Tagen. In dem ich zum ersten mal seit Jahren eine sehr intensive Begegnung mit eben jenem Mann hatte, meiner großen Liebe, wenn es sowas denn gibt. Der Traum hat mich dazu veranlasst, die Kette von ihrer Patina zu befreien, unter der sie seit Jahren verkümmert. Und man soll doch Silber auf der Haut tragen, damit es wieder glänzt...
Der Großcousin startet einen Rateversuch. "Wie, von einem Ex Ex Ex Ex Ex Ex..." ich weiß nicht, wie viele Ex noch kamen. "Ja, so ungefähr", meine ich. "Ey pass mal auf was du vor der Kleinen sagst". Ich schaue ratlos. "Na von wegen, über deinen Verschleiß hier zu reden." Ich bin sprachlos. Und getroffen. Es folgt obenstehendes Gespräch.
---
Wieder im Wohnzimmer. Mir gegenüber sitzt mein Crystal-Cousin mit seiner "neuen" Freundin. Der, der bei der Beerdigung meiner Oma die Bankkarte geklaut und Geld abgehoben hat. Er ist glücklich inzwischen. In seiner Zweisamkeit. Hat seinen Halt gefunden. Kommt klar. Ihm geht es gut. Sogar ihm. Zur Begrüßung drückt er mich sehr lange. Vor meinen Augen blitzt sein nackter Körper an meinem auf, seine Lippen auf meinen. Für den Bruchteil einer Sekunde fühle ich diese verbotene Lust und unseren Rausch von damals.
Mein Onkel, sein Vater, ein ganz cooler Typ, mit dem ich mich prima verstehe, der aber eigentlich nicht viel von mir in der Tiefe weiß, meint: "Hast du schon mal darüber nachgedacht, für eine Zeit ins Kloster zu gehen?" Ich lache bitter. "Ja, öfters." Sehe ich eigentlich so scheiße aus?! "Ja also.. ich meine nur.." er wendet seinen Blick verlegen ab, lässt ihn über den Fußboden schweifen. Das Wohnzimmer ist gestopft voll, die Luft ist stickig. Der Raum fühlt sich kleiner und immer kleiner an. Ich will atmen. Hallo.. hey.. ich will atmen.. bitte gebt mir einen Schluck Bier.. mein Hals... er fährt fort: "das würde dir vielleicht ganz gut tun. Mal runterkommen. Und so." Ich bin sehr irritiert. Wirke ich wie jemand, der mal runterkommen müsste? Ich lebe in der ständigen Unterforderung. Im .. vielleicht auch einfach im falschen Leben. "Weißt du", sage ich, "der A. [mein Bruder] bräuchte das eher, der ist nur am Rotieren. Der hat viel mehr um die Ohren. Und das nächste Problem ist: wenn ich mal dort bin, ich glaub, ich käme nicht zurück." Warum zum Teufel sage ich das alles? Es ist als würde ich an der Decke des Wohnzimmers schweben, oder vielmehr: kleben. "Ja", antwortet er, "das kann ich mir bei dir gut vorstellen."
Diese Antwort überrascht mich mehr als jede andere denkbare. Und ich weiß nicht, was er damit meint. Um uns rum so viele Stimmen. Und meine Brust wird immer enger. Ich muss raus, in die Küche. Da soll es Gulaschsuppe geben.
---
Mir fällt ein, wie ich Freunden erzähle, dass ich gerne Drehbücher schreiben würde, nur aus Scheiß, für dieses Kurzfilmfestival, das alle paar Monate stattfindet. Und dass ich dann natürlich auch Schauspieler bräuchte. Wie sie antworten, dass sie das toll fänden und sofort dabei wären, denn ich wäre ja so unglaublich lustig, und dass sie immer soviel zu lachen hätten, wenn sie Zeit mit mir verbringen. Und ich frage mich, bin ich denn die Traurige, oder die Lustige? Oder two in one, sehr intensiv aber irgendwie anscheinend unvereinbar? Und wie ich antworte, dass ich da vermutlich eher Drama kann, depressiv und traurig. Und wie sie sagen: na, auch ok. Und wie schräg ich das alles finde, diese Lustigkeit, und wie mich Leute sehen. Wie ich mich anscheinend gebe. Manchmal. Oder wer was wann wo in wem sieht.
---
In der Küche steht Rosi. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich mit mir redet, oder ob sie es jedem anderem auch erzählt hätte. Rosi ist eine Freundin der Tante, die heute ihren 60. feiert. Rosi ist ein bissschen.. vermutlich würden viele sagen, "assozial"... sie verbrachte viel Zeit in Kneipen, mit den falschen Männern, hat kein Gebiss und ein verlebtes Gesicht, aber vermutlich ein Herz aus Gold.
"Wie geht es dir? Also so psychisch auch alles ok? Weißt du... man lebt so. Und bastelt sich so sein Konstrukt. Auch merkwürdige Gedanken und so. Weißt du? Die findet man nicht komisch, bis andere sagen: heeey... jetzt.. pass mal ein bisschen auf, hm? Du wirst irgendwie komisch."
Sie macht mir Angst, ganz plötzlich habe ich Angst und ich will nicht hören was sie weiter sagt weil ich Angst habe dass ich eine Rosi Anfang 30 bin, aber sie redet weiter: "Und man denkt sich: nein. Nein, nicht! Aber... Man ändert es nicht. Man lebt einfach weiter. Und irgendwann gewöhnt man sich daran, weil man es immer so gemacht hat. Man macht einfach weiter. Und manchmal sagt man tatsächlich auch zu manchen: nein. Nicht." Ich schöpfe mir Suppe auf den Teller und trinke dann aus meiner Bierflasche. "Aber trotzdem ändert sich nichts." "Das muss man ändern", sage ich. "Ja", sagt sie, "am besten man fängt heute an. Besser heute als morgen. Einfach nein. Sonst.. ist es einfach so, weil man es immer so gemacht hat."
---
Ich esse die Suppe im stickigen Wohnzimmer. Wie fröhlich alle sind. Die Glasglocke vom vorletzten Weihnachten. Da ist sie wieder. Wie eine alte unwillkommene Freindin. "Hot and spicy", antworte ich dem Freund meiner USA-Cousine auf die Frage, wie die Suppe ist. Wir sind eine sehr große Familie. Und es ist das erste mal dass ich mir völlig fehl im Platz vorkomme. Ich gehe aufs Klo, dränge den Kloß im Hals nach unten. Nicht flennen jetzt, du blöde Kuh. Aber den Augen ist es egal. Sie sind knallrot und füllen sich immer wieder mit Wasser. Die Scheißteile. Ich atme wie im Hechelkurs. Es hilft nichts. Ich kann nicht mehr zurück, schleiche mich in das Kinderzimmer zu meinem Mantel und meinen Stiefeln, ziehe mich an, schreibe meinem Bruder, der im Wohnzimmer sitzt, eine SMS, dass ich raus muss und schon Richtung Papa gehe.
---
Sterne. So viele Sterne. Es überwemmt meinen Hals, würgt sich hoch auf die Zunge, und bahnt sich als kehliges Schluchzen den Weg in diese eiskalte klare Nacht. Schritt für Schritt. Über Kilometer hinweg. Mein Bruder ruft an. Er hält neben mir. Ich sage, ich will weiterlaufen. Es ist ok. Ich wünschte, jemand würde heimlich aussteigen und hinter mir gehen. Aber wir sind hier schließlich nicht im Film. Die Augen schwellen zu, und die Sterne fragen sich, was wir hier wollen, wir Nichts, und mir fällt ein, dass ich schon mit 16 hinter dem Fernverkehr stand, betrunken von Wodka Lemon, und die Sterne anflehte: holt mich nach Hause!
---
Ich bin so müde. Und so verloren. Am liebsten würde ich mich selbst einweisen.
Mich hält hier nichts. Was auch immer "hier" ist.
Ich gehe alle anwesenden Familienmitglieder und Freunde durch. Keiner über 10 ist hier solo.
Mir ist zum Heulen. Verkrieche mich ins Treppenhaus und tippe das. Fühle mich einsam, wie der letzte Dreck. Nicht wie jemand, der einen andren braucht um sich zu erkennen. Sondern wie eine Wölfin, die seit Jahren allein Reviere durchstreunt, hier und dort schnuppert um freundlich Hallo zu sagen, die kalte Schulter zeigt oder in die Kehle gebissen wird.
Man gewöhnt sich daran. Obwohl man es nicht möchte. Tbc.
--
Eigentlich fängt es anders an. Die Kleine fragt: "Woher hast du deine Kette?" "Ach", antworte ich, "von einem alten Ex-Freund." Und ich denke an den Traum von vor ein paar Tagen. In dem ich zum ersten mal seit Jahren eine sehr intensive Begegnung mit eben jenem Mann hatte, meiner großen Liebe, wenn es sowas denn gibt. Der Traum hat mich dazu veranlasst, die Kette von ihrer Patina zu befreien, unter der sie seit Jahren verkümmert. Und man soll doch Silber auf der Haut tragen, damit es wieder glänzt...
Der Großcousin startet einen Rateversuch. "Wie, von einem Ex Ex Ex Ex Ex Ex..." ich weiß nicht, wie viele Ex noch kamen. "Ja, so ungefähr", meine ich. "Ey pass mal auf was du vor der Kleinen sagst". Ich schaue ratlos. "Na von wegen, über deinen Verschleiß hier zu reden." Ich bin sprachlos. Und getroffen. Es folgt obenstehendes Gespräch.
---
Wieder im Wohnzimmer. Mir gegenüber sitzt mein Crystal-Cousin mit seiner "neuen" Freundin. Der, der bei der Beerdigung meiner Oma die Bankkarte geklaut und Geld abgehoben hat. Er ist glücklich inzwischen. In seiner Zweisamkeit. Hat seinen Halt gefunden. Kommt klar. Ihm geht es gut. Sogar ihm. Zur Begrüßung drückt er mich sehr lange. Vor meinen Augen blitzt sein nackter Körper an meinem auf, seine Lippen auf meinen. Für den Bruchteil einer Sekunde fühle ich diese verbotene Lust und unseren Rausch von damals.
Mein Onkel, sein Vater, ein ganz cooler Typ, mit dem ich mich prima verstehe, der aber eigentlich nicht viel von mir in der Tiefe weiß, meint: "Hast du schon mal darüber nachgedacht, für eine Zeit ins Kloster zu gehen?" Ich lache bitter. "Ja, öfters." Sehe ich eigentlich so scheiße aus?! "Ja also.. ich meine nur.." er wendet seinen Blick verlegen ab, lässt ihn über den Fußboden schweifen. Das Wohnzimmer ist gestopft voll, die Luft ist stickig. Der Raum fühlt sich kleiner und immer kleiner an. Ich will atmen. Hallo.. hey.. ich will atmen.. bitte gebt mir einen Schluck Bier.. mein Hals... er fährt fort: "das würde dir vielleicht ganz gut tun. Mal runterkommen. Und so." Ich bin sehr irritiert. Wirke ich wie jemand, der mal runterkommen müsste? Ich lebe in der ständigen Unterforderung. Im .. vielleicht auch einfach im falschen Leben. "Weißt du", sage ich, "der A. [mein Bruder] bräuchte das eher, der ist nur am Rotieren. Der hat viel mehr um die Ohren. Und das nächste Problem ist: wenn ich mal dort bin, ich glaub, ich käme nicht zurück." Warum zum Teufel sage ich das alles? Es ist als würde ich an der Decke des Wohnzimmers schweben, oder vielmehr: kleben. "Ja", antwortet er, "das kann ich mir bei dir gut vorstellen."
Diese Antwort überrascht mich mehr als jede andere denkbare. Und ich weiß nicht, was er damit meint. Um uns rum so viele Stimmen. Und meine Brust wird immer enger. Ich muss raus, in die Küche. Da soll es Gulaschsuppe geben.
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Mir fällt ein, wie ich Freunden erzähle, dass ich gerne Drehbücher schreiben würde, nur aus Scheiß, für dieses Kurzfilmfestival, das alle paar Monate stattfindet. Und dass ich dann natürlich auch Schauspieler bräuchte. Wie sie antworten, dass sie das toll fänden und sofort dabei wären, denn ich wäre ja so unglaublich lustig, und dass sie immer soviel zu lachen hätten, wenn sie Zeit mit mir verbringen. Und ich frage mich, bin ich denn die Traurige, oder die Lustige? Oder two in one, sehr intensiv aber irgendwie anscheinend unvereinbar? Und wie ich antworte, dass ich da vermutlich eher Drama kann, depressiv und traurig. Und wie sie sagen: na, auch ok. Und wie schräg ich das alles finde, diese Lustigkeit, und wie mich Leute sehen. Wie ich mich anscheinend gebe. Manchmal. Oder wer was wann wo in wem sieht.
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In der Küche steht Rosi. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich mit mir redet, oder ob sie es jedem anderem auch erzählt hätte. Rosi ist eine Freundin der Tante, die heute ihren 60. feiert. Rosi ist ein bissschen.. vermutlich würden viele sagen, "assozial"... sie verbrachte viel Zeit in Kneipen, mit den falschen Männern, hat kein Gebiss und ein verlebtes Gesicht, aber vermutlich ein Herz aus Gold.
"Wie geht es dir? Also so psychisch auch alles ok? Weißt du... man lebt so. Und bastelt sich so sein Konstrukt. Auch merkwürdige Gedanken und so. Weißt du? Die findet man nicht komisch, bis andere sagen: heeey... jetzt.. pass mal ein bisschen auf, hm? Du wirst irgendwie komisch."
Sie macht mir Angst, ganz plötzlich habe ich Angst und ich will nicht hören was sie weiter sagt weil ich Angst habe dass ich eine Rosi Anfang 30 bin, aber sie redet weiter: "Und man denkt sich: nein. Nein, nicht! Aber... Man ändert es nicht. Man lebt einfach weiter. Und irgendwann gewöhnt man sich daran, weil man es immer so gemacht hat. Man macht einfach weiter. Und manchmal sagt man tatsächlich auch zu manchen: nein. Nicht." Ich schöpfe mir Suppe auf den Teller und trinke dann aus meiner Bierflasche. "Aber trotzdem ändert sich nichts." "Das muss man ändern", sage ich. "Ja", sagt sie, "am besten man fängt heute an. Besser heute als morgen. Einfach nein. Sonst.. ist es einfach so, weil man es immer so gemacht hat."
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Ich esse die Suppe im stickigen Wohnzimmer. Wie fröhlich alle sind. Die Glasglocke vom vorletzten Weihnachten. Da ist sie wieder. Wie eine alte unwillkommene Freindin. "Hot and spicy", antworte ich dem Freund meiner USA-Cousine auf die Frage, wie die Suppe ist. Wir sind eine sehr große Familie. Und es ist das erste mal dass ich mir völlig fehl im Platz vorkomme. Ich gehe aufs Klo, dränge den Kloß im Hals nach unten. Nicht flennen jetzt, du blöde Kuh. Aber den Augen ist es egal. Sie sind knallrot und füllen sich immer wieder mit Wasser. Die Scheißteile. Ich atme wie im Hechelkurs. Es hilft nichts. Ich kann nicht mehr zurück, schleiche mich in das Kinderzimmer zu meinem Mantel und meinen Stiefeln, ziehe mich an, schreibe meinem Bruder, der im Wohnzimmer sitzt, eine SMS, dass ich raus muss und schon Richtung Papa gehe.
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Sterne. So viele Sterne. Es überwemmt meinen Hals, würgt sich hoch auf die Zunge, und bahnt sich als kehliges Schluchzen den Weg in diese eiskalte klare Nacht. Schritt für Schritt. Über Kilometer hinweg. Mein Bruder ruft an. Er hält neben mir. Ich sage, ich will weiterlaufen. Es ist ok. Ich wünschte, jemand würde heimlich aussteigen und hinter mir gehen. Aber wir sind hier schließlich nicht im Film. Die Augen schwellen zu, und die Sterne fragen sich, was wir hier wollen, wir Nichts, und mir fällt ein, dass ich schon mit 16 hinter dem Fernverkehr stand, betrunken von Wodka Lemon, und die Sterne anflehte: holt mich nach Hause!
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Ich bin so müde. Und so verloren. Am liebsten würde ich mich selbst einweisen.
Mich hält hier nichts. Was auch immer "hier" ist.
Dienstag, 22. Oktober 2013
Surreal.
okavanga, 23:56h
Surreale Momente, Gespräche und Gedanken, die mich bewegen, mir nachhaltig im Kopf rumspuken und nahe gehen, und es mag sicher merkwürdig sein, beide im gleichen Post zu erwähnen, aber vielleicht sollte ich auch mal wirklich aufhören darüber nachzudenken, was andere so alles merkwürdig finden könnten. Konventionell können die anderen. Meine Stärke ist es wohl nicht, und das muss ich auch einfach mal akzeptieren.
Das eine ist: es ist wirklich sehr surreal tagtäglich eine Stelle zu passieren, an der jemand gewaltsam sein Leben verloren hat. Früher war das meine Haus- und Hofhaltestelle, auch heute keine 500 Meter von meinem zu Hause. Aber seit ich den Firmenwagen habe, benutze ich kaum mehr die Straßenbahn, und innerstädtisch laufe ich oder fahre Rad. Zugegeben bin ich durch diese kleine Anlage schon früher nicht gern gelaufen, aber richtige Angst hatte ich nicht.
Es war nun seit diesem Vorfall schon sehr merkwürdig, täglich mit dem Auto unter dieser Brücke durchzufahren und aus einiger Entfernung die Kerzen zu sehen. Es macht mich nachdenklich, ängstlich, traurig. Jeden Tag aufs neue frage ich mich Dinge, die ich hier jetzt nicht fragen will.
Heute habe ich das Auto in die Werkstatt geben müssen, Abholung morgen. Also nahm ich die Bahn nach Hause, bis zu eben jener Haltestelle. Und es ist sehr surreal diese Schriften und Kerzen zu sehen, und zu sehen, wie alle - in der Bahn Sitzende wie Aussteigende - ihren Kopf hin zu dieser Stelle drehen. Es ist nicht so, dass es ein Grauen ist, aber es ist schon etwas sehr Greifendes, das einen dann aber doch nicht erreicht, weil es eben so... surreal ist.
Das andere ist: es ist wirklich surreal mit meiner Frauenärztin und auch mit N. über Fruchtbarkeit zu sprechen. Über die Schallmauer 35. Über Kryokonservierung von Vorkerneizellen. Darüber, dass Samenspende ja immer noch geht ("in Dänemark ist das ganz einfach", O-Ton Ärztin). Darüber, dass ich das nicht kategorisch ausschließe. Dass ich mir vieles vorstellen kann. Dass ich mir vorstellen kann auch ohne Partner ein Kind zu kriegen. Nicht jetzt. Nicht heute. Ich habe noch keinen Alarm, halte es aber für notwendig, dass ich mich ganz bewusst auseinandersetze. Damit ich nicht plötzlich mit 50 anfange zu realisieren, was ich früher hätte überdenken müssen.
Ist es jetzt soweit?, denke ich mir. Bin ich tatsächlich 33 und rede über Kinder? Wann ist das passiert? Ich fühle mich noch nicht so. Und doch ist es da. Es. Die Gedanken. Zarte Gefühle. Ängste. Bedenken. Zweifel.
Wir können uns Optionen schaffen, heutzutage. Wir haben in manchen Dingen eine manchmal mir geradezu unbegreifliche Freiheit. Ich bin froh, dass ich im heute lebe. Wir sind [Ergänzung: im Alltag!] nicht mehr angewiesen auf das andere Geschlecht [Ja klar - für Samen spenden (Mann) und empfangen (Frau) schon.] Natürlich möchte ich einem Kind nicht bewusst den Vater vorenthalten, mein Wunsch wäre es aus einer belastbaren Beziehung heraus schwanger zu werden - aber kann nicht auch ein anderer Freund männliche Bezugsperson sein? Und wieso sollte ich kein Kind haben dürfen, nur weil ich keinen Mann habe? Ich muss nicht mehr die klassische Beziehung leben mit Ehe und Monogamie. Wir sind frei! Wenn wir es wollen, und wenn wir die finden, die genauso denken. Auch ist ein Vater kein Garant für Glückseligkeit - auch nicht für das Kind. Es gibt sicher das ein oder andere Kind, dem es womöglich besser ergangen wäre, wenn es ohne Vater aufgewachsen wäre.. Aber da lehne ich mich aus Fenstern, die vielleicht auch ein Stockwerk zu hoch für mich sind.
So sind sie, diese Dinge.
Sie passieren, einfach so, auch wenn wir uns nicht bereit fühlen. Sie fragen nicht danach. Sie sind einfach. Sie schleichen sich leise rein und setzen sich fest, und manchmal beanspruchen sie dabei unglaublich viel Platz. Da zwickt es dann, sind wir doch nicht vorbereitet. Wollen doch gar keinen Raum schaffen. Und dann quetscht sich das da so rein. Unpraktisch. Ungefragt, manchmal auch völlig unerwünscht. Aber wichtig ist, dass wir den Dingen Raum geben, wenn sie so hartnäckig - wenngleich oft sehr sehr leise - anklopfen. Hinsehen. Nicht wegschauen. Hinhören. Nicht wegdrücken. Vielleicht gehen sie dann auch ganz von alleine wieder. Oder finden ihren Platz in uns.
Das eine ist: es ist wirklich sehr surreal tagtäglich eine Stelle zu passieren, an der jemand gewaltsam sein Leben verloren hat. Früher war das meine Haus- und Hofhaltestelle, auch heute keine 500 Meter von meinem zu Hause. Aber seit ich den Firmenwagen habe, benutze ich kaum mehr die Straßenbahn, und innerstädtisch laufe ich oder fahre Rad. Zugegeben bin ich durch diese kleine Anlage schon früher nicht gern gelaufen, aber richtige Angst hatte ich nicht.
Es war nun seit diesem Vorfall schon sehr merkwürdig, täglich mit dem Auto unter dieser Brücke durchzufahren und aus einiger Entfernung die Kerzen zu sehen. Es macht mich nachdenklich, ängstlich, traurig. Jeden Tag aufs neue frage ich mich Dinge, die ich hier jetzt nicht fragen will.
Heute habe ich das Auto in die Werkstatt geben müssen, Abholung morgen. Also nahm ich die Bahn nach Hause, bis zu eben jener Haltestelle. Und es ist sehr surreal diese Schriften und Kerzen zu sehen, und zu sehen, wie alle - in der Bahn Sitzende wie Aussteigende - ihren Kopf hin zu dieser Stelle drehen. Es ist nicht so, dass es ein Grauen ist, aber es ist schon etwas sehr Greifendes, das einen dann aber doch nicht erreicht, weil es eben so... surreal ist.
Das andere ist: es ist wirklich surreal mit meiner Frauenärztin und auch mit N. über Fruchtbarkeit zu sprechen. Über die Schallmauer 35. Über Kryokonservierung von Vorkerneizellen. Darüber, dass Samenspende ja immer noch geht ("in Dänemark ist das ganz einfach", O-Ton Ärztin). Darüber, dass ich das nicht kategorisch ausschließe. Dass ich mir vieles vorstellen kann. Dass ich mir vorstellen kann auch ohne Partner ein Kind zu kriegen. Nicht jetzt. Nicht heute. Ich habe noch keinen Alarm, halte es aber für notwendig, dass ich mich ganz bewusst auseinandersetze. Damit ich nicht plötzlich mit 50 anfange zu realisieren, was ich früher hätte überdenken müssen.
Ist es jetzt soweit?, denke ich mir. Bin ich tatsächlich 33 und rede über Kinder? Wann ist das passiert? Ich fühle mich noch nicht so. Und doch ist es da. Es. Die Gedanken. Zarte Gefühle. Ängste. Bedenken. Zweifel.
Wir können uns Optionen schaffen, heutzutage. Wir haben in manchen Dingen eine manchmal mir geradezu unbegreifliche Freiheit. Ich bin froh, dass ich im heute lebe. Wir sind [Ergänzung: im Alltag!] nicht mehr angewiesen auf das andere Geschlecht [Ja klar - für Samen spenden (Mann) und empfangen (Frau) schon.] Natürlich möchte ich einem Kind nicht bewusst den Vater vorenthalten, mein Wunsch wäre es aus einer belastbaren Beziehung heraus schwanger zu werden - aber kann nicht auch ein anderer Freund männliche Bezugsperson sein? Und wieso sollte ich kein Kind haben dürfen, nur weil ich keinen Mann habe? Ich muss nicht mehr die klassische Beziehung leben mit Ehe und Monogamie. Wir sind frei! Wenn wir es wollen, und wenn wir die finden, die genauso denken. Auch ist ein Vater kein Garant für Glückseligkeit - auch nicht für das Kind. Es gibt sicher das ein oder andere Kind, dem es womöglich besser ergangen wäre, wenn es ohne Vater aufgewachsen wäre.. Aber da lehne ich mich aus Fenstern, die vielleicht auch ein Stockwerk zu hoch für mich sind.
So sind sie, diese Dinge.
Sie passieren, einfach so, auch wenn wir uns nicht bereit fühlen. Sie fragen nicht danach. Sie sind einfach. Sie schleichen sich leise rein und setzen sich fest, und manchmal beanspruchen sie dabei unglaublich viel Platz. Da zwickt es dann, sind wir doch nicht vorbereitet. Wollen doch gar keinen Raum schaffen. Und dann quetscht sich das da so rein. Unpraktisch. Ungefragt, manchmal auch völlig unerwünscht. Aber wichtig ist, dass wir den Dingen Raum geben, wenn sie so hartnäckig - wenngleich oft sehr sehr leise - anklopfen. Hinsehen. Nicht wegschauen. Hinhören. Nicht wegdrücken. Vielleicht gehen sie dann auch ganz von alleine wieder. Oder finden ihren Platz in uns.
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Go fuck myself.
okavanga, 01:00h
gonna smash myself to pieces
i don't know what else to do
covered in hope and vaseline
still cannot fix this broken machine
~ nine inch nails - gave up
Bis ich heute einen Mädelsabend beim Kosmetiker hatte. Tipps für Make-Up. Pf. Das haut mich aus den Latschen? Klingt lächerlich, nicht wahr?
Fakt ist: ich hätte dort die ganze Zeit heulen und Spiegel einschlagen können. Diese scheiß Fratze die mir entgegenstarrt. Ich hasse sie. Und während alle von Schminkrunde zu Schminkrunde besser aussehen, sehe ich vor mir im Spiegel eine alte leere Frau mit traurigen blassblauen Augen auf blasser unreiner und doch trockener Haut, umrahmt von strohigen Haaren mit dunklem Ansatz, eine Frau die ganz offensichtlich ein Vermögen ausgeben müsste für Kleidung, Hautpflege und Kosmetik um auch nur irgendwie schön zu werden.
Ich lasse dort über 140 Euro, fahre mit einer rasenden Wut nach Hause. Möchte mir die Haut vom Fleisch kratzen und heule stattdessen die teure Mascara über teuren Kajal, teuren Lidschatten, teure Grundierung und teures Puder, teures Rouge und teures Lipgloss - also eben von der scheiß Fratze, die vorher wie nacher einfach nur zum Kotzen aussieht.
Was da passiert ist. Das kann mir jetzt gern jemand erklären. Ich bin am Boden zerstört und im Kern erschüttert ob der nicht enden wollenden Tränenflut und meines abgrundtiefen Selbsthasses.
Samstag, 21. September 2013
Error.
okavanga, 02:02h
Wenn man dem Vater ins Telefon rotzt, weil man einfach gar nicht mehr weiß, wohin mit sich. Früher dachte ich immer, mein Vater wäre das eigentliche Problem. Heute ist mir klar, ähnlich wie bei Mademoiselle C17, dass es die Mütter sind, die uns vermutlich wesentlich mehr prägen.
Mit jedem Tag, der seit dem letzten Eintrag hier vergangen ist, wünschte ich mir einen Kilometer mehr Distanz zwischen dem verheirateten Mann und mir. Letztens versuchte ich ihm zu erklären, dass ich nicht genau weiß, ob ich meine Gefühle einfach nur abkoppel, oder ob sie einfach nicht da sind. Er reagiert verständnisvoll, aber auf die Art und Weise wie jemand, der zwar hört, aber nicht begreift.
Vor zwei Tagen versuchte ich ihm verständlich zu machen, dass ich ihm das Commitment und die Verbindlichkeit, ebenso wie Meldeverhalten und sonstiges, nicht geben kann und möchte. Er meinte, hm ja ok, er muss sich das öfters sagen, um es nicht zu vergessen. Aber wir müssen da jetzt bitte nicht jeden Abend drüber reden.
Das war glaube ich der Punkt, an dem ich hätte sagen sollen: adieu. Ich möchte keinen Mann, der sich ständig an mich anpasst. Ich möchte einen, der bei sich ist. Und wenn das zufällig mit meinem Tempo und meiner Marschrichtung übereinkommt, wenn er ein Fisch ist, der zufällig im gleichen Meer schwimmt wie ich. Dann ist das schön. Alles andere kann ich nicht, und es wird mir mit jedem Tag klarer, auch wenn es mich in meiner inneren Zerrissenheit (zumindest auf den ersten Blick) keinen Schritt weiter bringt.
Denn es ist genau das, was ebenfalls Mademoiselle C17 von sich sagt. Ich kann mir selbst nicht trauen. Ob das alles nicht geht, weil es eben einfach nicht passt, oder ob es nicht geht, weil ich mich nicht einlassen kann. Auf Neues, auf ihn, auf Bindung, auf.. was weiß ich. Unterm Strich, so komme ich inzwischen aber mit mir selbst überein, ist mir das aber auch egal, denn: es geht einfach nicht.
Was ich vergaß zu erwähnen: ich kann ihn seit einiger Zeit nicht mehr riechen. Anfangs dachte ich, es ist sein Parfum. Ich bat ihn, es nicht mehr zu verwenden. Aber mich abstoßende Geruch verschwand nicht. Bevor wir uns letzten Sonntag für die Sauna trafen, bat ich ihn darum, weder Deo, Parfum noch Creme oder sonstige duftende Dinge zu verwenden, da es für mich von essentieller Wichtigkeit sei, ob der Geruch von ihm selbst ausginge, oder eben nicht.
Dazu kommt: er raucht. Nicht in meiner Gegenwart. Aber bevor (entweder direkt davor, oder am Tag bevor) er mich sieht. Ich selbst bin seit fast einem Jahr Nichtraucher und freue mich darüber jeden Tag aufs neue.
Als wir uns also letzten Sonntag trafen. Da war wieder dieser Geruch, auf den ich einfach nicht klar komme. Auch nach einem halben Tag Sauna war er nicht weg. Wir lagen abends im Bett, und er wollte mit mir schlafen, und ich wollte nicht einmal in den Arm genommen werden und rutschte weg. Dieser Geruch geht einfach nicht. Ist es möglich, dass Nikotin wirklich über so lange Zeit noch über die Hautporen ausdünstet?
Heute gipfelte mein Vermeidungsverhalten in Feigheit. Wir waren für abends verabredet, und mir graute schon den ganzen Tag davor. Ich hatte Bauchschmerzen, die sich noch steigerten als er hier war. Ich aß eine Pizza und wir sahen fern, denn ich war totmüde. Also.... tat ich... als würde ich einschlafen......
......
.........
bis er irgendwann meinte, ich solle mich doch richtig ausruhen, und er würde jetzt gehen. Und ich sagte: tschüss. Ich musste sehr an Frau Croco denken, und daran, dass ich wohl doch wieder ausweiche. Aber ich sehe und sehe keine Alternative dazu.
Dafür denke ich seit vielen Tagen an jemand anderen. An den mit den blaugraugrünen Glitzeraugen. An den mit dem Duft nach Sonnencreme, Wasser und Gras. An den, der mich runterbringt, wenn ich am ausflippen bin. An den, an dessen Brust ich mich so geborgen fühle. An den mit der guten Musik. An den, mit dem ich feiern kann, grillen kann, weinen kann. Der mich fest in die Arme nimmt, der nicht viel sagen muss. An den, mit dem es so viele kuriose Situationen gab in diesem Sommer, aus denen ich rausgegangen bin, oder er, weil .. wir doch einfach nur Freunde sind. An den, bei dem ich so rasend eifersüchtig war, im Frühsommer, was ich mir überhaupt nicht erklären konnte, denn wir sind doch ... nur Freunde. So seelenverwandt. Auch hier zitiere ich gerne wieder Mademoiselle C17, den Vergleich fand ich so schön: Isolde will doch nur träumen. Ja, das möchte der auch. Und ich auch. Und vielleicht wäre es ja ganz schön das gemeinsam zu tun. Ich hätte heute so gerne mit ihm Spaghetti Bolognese gekocht. Denn kochen, das kann er. Und pragmatisch sein auch. Und clever. Und so lustig. Manchmal aber auch peinlich. Er fehlt mir sehr.
Aber wie könnte ich das ernst nehmen?
Ich bin die, die ich bin, und ich traue mir selbst nicht. habe kein Vertrauen in mich, und meine Gefühle. Und es gibt soviel, was rational gegen diesen Menschen spricht. Massiv! Und ich fühle bestimmt sowieso wieder nur so, weil ich ihn die ganze Zeit auf Distanz halte.
Ich bin wie meine Mutter, und will es nicht sein, ich rufe meinen Vater an, heule und rotze ins Telefon, fühle mich wie ein wahnsinns Arschloch, der verheiratete Mann hatte doch Sonnenblumen mitgebracht, und ist doch ein ganz Netter, und überhaupt. Aber statt des erwarteten Unverständnis ernte ich Verständnis und ein warmes Gespräch. Sprich auch mal mit deiner Mutter darüber, empfiehlt er mir zwischendrin, und ich weiß, dass er recht hat. Ich bin froh dass ich dieses Gespräch mit ihm haben kann, und so kann ich für einen kurzen aber guten Moment nicht das ganze Ausmaß an Angst vor mir selbst und meinem Leben spüren.
und dann macht er sets, von denen ich genau weiß, für wen er sie macht. oder an wen er dabei denkt. auch wenn er nicht sicher sein kann, dass ich sie höre. er sagt immer, er spürt es. genau wie ich.
~ Worakls Feat. Coni - Siehst Du Nicht (Original Mix)
Mit jedem Tag, der seit dem letzten Eintrag hier vergangen ist, wünschte ich mir einen Kilometer mehr Distanz zwischen dem verheirateten Mann und mir. Letztens versuchte ich ihm zu erklären, dass ich nicht genau weiß, ob ich meine Gefühle einfach nur abkoppel, oder ob sie einfach nicht da sind. Er reagiert verständnisvoll, aber auf die Art und Weise wie jemand, der zwar hört, aber nicht begreift.
Vor zwei Tagen versuchte ich ihm verständlich zu machen, dass ich ihm das Commitment und die Verbindlichkeit, ebenso wie Meldeverhalten und sonstiges, nicht geben kann und möchte. Er meinte, hm ja ok, er muss sich das öfters sagen, um es nicht zu vergessen. Aber wir müssen da jetzt bitte nicht jeden Abend drüber reden.
Das war glaube ich der Punkt, an dem ich hätte sagen sollen: adieu. Ich möchte keinen Mann, der sich ständig an mich anpasst. Ich möchte einen, der bei sich ist. Und wenn das zufällig mit meinem Tempo und meiner Marschrichtung übereinkommt, wenn er ein Fisch ist, der zufällig im gleichen Meer schwimmt wie ich. Dann ist das schön. Alles andere kann ich nicht, und es wird mir mit jedem Tag klarer, auch wenn es mich in meiner inneren Zerrissenheit (zumindest auf den ersten Blick) keinen Schritt weiter bringt.
Denn es ist genau das, was ebenfalls Mademoiselle C17 von sich sagt. Ich kann mir selbst nicht trauen. Ob das alles nicht geht, weil es eben einfach nicht passt, oder ob es nicht geht, weil ich mich nicht einlassen kann. Auf Neues, auf ihn, auf Bindung, auf.. was weiß ich. Unterm Strich, so komme ich inzwischen aber mit mir selbst überein, ist mir das aber auch egal, denn: es geht einfach nicht.
Was ich vergaß zu erwähnen: ich kann ihn seit einiger Zeit nicht mehr riechen. Anfangs dachte ich, es ist sein Parfum. Ich bat ihn, es nicht mehr zu verwenden. Aber mich abstoßende Geruch verschwand nicht. Bevor wir uns letzten Sonntag für die Sauna trafen, bat ich ihn darum, weder Deo, Parfum noch Creme oder sonstige duftende Dinge zu verwenden, da es für mich von essentieller Wichtigkeit sei, ob der Geruch von ihm selbst ausginge, oder eben nicht.
Dazu kommt: er raucht. Nicht in meiner Gegenwart. Aber bevor (entweder direkt davor, oder am Tag bevor) er mich sieht. Ich selbst bin seit fast einem Jahr Nichtraucher und freue mich darüber jeden Tag aufs neue.
Als wir uns also letzten Sonntag trafen. Da war wieder dieser Geruch, auf den ich einfach nicht klar komme. Auch nach einem halben Tag Sauna war er nicht weg. Wir lagen abends im Bett, und er wollte mit mir schlafen, und ich wollte nicht einmal in den Arm genommen werden und rutschte weg. Dieser Geruch geht einfach nicht. Ist es möglich, dass Nikotin wirklich über so lange Zeit noch über die Hautporen ausdünstet?
Heute gipfelte mein Vermeidungsverhalten in Feigheit. Wir waren für abends verabredet, und mir graute schon den ganzen Tag davor. Ich hatte Bauchschmerzen, die sich noch steigerten als er hier war. Ich aß eine Pizza und wir sahen fern, denn ich war totmüde. Also.... tat ich... als würde ich einschlafen......
......
.........
bis er irgendwann meinte, ich solle mich doch richtig ausruhen, und er würde jetzt gehen. Und ich sagte: tschüss. Ich musste sehr an Frau Croco denken, und daran, dass ich wohl doch wieder ausweiche. Aber ich sehe und sehe keine Alternative dazu.
Dafür denke ich seit vielen Tagen an jemand anderen. An den mit den blaugraugrünen Glitzeraugen. An den mit dem Duft nach Sonnencreme, Wasser und Gras. An den, der mich runterbringt, wenn ich am ausflippen bin. An den, an dessen Brust ich mich so geborgen fühle. An den mit der guten Musik. An den, mit dem ich feiern kann, grillen kann, weinen kann. Der mich fest in die Arme nimmt, der nicht viel sagen muss. An den, mit dem es so viele kuriose Situationen gab in diesem Sommer, aus denen ich rausgegangen bin, oder er, weil .. wir doch einfach nur Freunde sind. An den, bei dem ich so rasend eifersüchtig war, im Frühsommer, was ich mir überhaupt nicht erklären konnte, denn wir sind doch ... nur Freunde. So seelenverwandt. Auch hier zitiere ich gerne wieder Mademoiselle C17, den Vergleich fand ich so schön: Isolde will doch nur träumen. Ja, das möchte der auch. Und ich auch. Und vielleicht wäre es ja ganz schön das gemeinsam zu tun. Ich hätte heute so gerne mit ihm Spaghetti Bolognese gekocht. Denn kochen, das kann er. Und pragmatisch sein auch. Und clever. Und so lustig. Manchmal aber auch peinlich. Er fehlt mir sehr.
Aber wie könnte ich das ernst nehmen?
Ich bin die, die ich bin, und ich traue mir selbst nicht. habe kein Vertrauen in mich, und meine Gefühle. Und es gibt soviel, was rational gegen diesen Menschen spricht. Massiv! Und ich fühle bestimmt sowieso wieder nur so, weil ich ihn die ganze Zeit auf Distanz halte.
Ich bin wie meine Mutter, und will es nicht sein, ich rufe meinen Vater an, heule und rotze ins Telefon, fühle mich wie ein wahnsinns Arschloch, der verheiratete Mann hatte doch Sonnenblumen mitgebracht, und ist doch ein ganz Netter, und überhaupt. Aber statt des erwarteten Unverständnis ernte ich Verständnis und ein warmes Gespräch. Sprich auch mal mit deiner Mutter darüber, empfiehlt er mir zwischendrin, und ich weiß, dass er recht hat. Ich bin froh dass ich dieses Gespräch mit ihm haben kann, und so kann ich für einen kurzen aber guten Moment nicht das ganze Ausmaß an Angst vor mir selbst und meinem Leben spüren.
und dann macht er sets, von denen ich genau weiß, für wen er sie macht. oder an wen er dabei denkt. auch wenn er nicht sicher sein kann, dass ich sie höre. er sagt immer, er spürt es. genau wie ich.
~ Worakls Feat. Coni - Siehst Du Nicht (Original Mix)
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