... newer stories
Mittwoch, 26. März 2014
Rahmen.
okavanga, 23:08h
Zur Zeit wird mir Alleinsein sehr bewusst, und es geht einher mit dem Gefühl der Einsamkeit. Es werden mir die Grenzen in zwischenmenschlichen Beziehungen bewusst, und dass wir, egal mit wie vielen Menschen und Aktivitäten wir uns umgeben, auf uns alleingestellt sind.
Das Gefühl der Einsamkeit läuft meist ganz unauffällig neben mir her. Wie ein kleiner Schatten. Gedeckelt. Angeleint. Aber an manchen Tagen, so wie heute, kriecht sie hervor, wird länger und größer und dunkler, zerrt an der Leine und fletscht die Zähne, und ich könnte nicht sagen, was mir eigentlich fehlt. Es ist manchmal auch ein Gefühl von Langeweile, obwohl mein Leben nun objektiv betrachtet nicht langweilig ist.
Wo ist mein Seelengefährte, frage ich mich laut, und der Stinkbär schaut mich mit großen unergründlichen Augen an.
Ich fühle mich unglaublich einsam ohne Therapie. Weiß nicht mit wem ich so reden soll. Mit wem ich überhaupt reden soll.
Ich habe Angst vor dem Sommer. Vor Baden alleine, in der Sonne sitzen alleine. Nicht weggehen weil ich nicht alleine weggehen kann.
Ich fühle mich eingesperrt. Allein. Einsam. Und es macht mich wütend, denn ich würde mich so gerne an dieses Alleinsein gewöhnen, und kann es einfach nicht.
Eigentlich ödet und kotzt mich alles an. So ein Tag an dem ich mir denke: nicht da sein wär auch ok. Und das kotzt mich dann noch mehr an. Ich will ja so sehr. Strenge mich so sehr an. Aber es ist als dürfe ich einfach nicht. Es hört einfach nicht auf. Und dann trabe ich gedeckelt durchs Leben und stell mir vor wie es sein könnte. Zeig mir selbst anscheinend ne ganz tolle Vorführung. Aber es ist halt einfach nicht so. Nicht echt. Es scheint alles so aussichtslos. Ich habe das Gefühl, ich bewege mich letztendlich keinen Milimeter von der Stelle. Vielleicht tue ich mir unglaublich unrecht, und doch... fühlt es sich nunmal so an.
Noch nie habe ich mich so gesund ernährt. Seit über 16 Monaten bin ich rauchfrei, seit fast einem Jahr ohne Chemie. Esse und trinke Rohkost, Vollkorn, ernähre mich viel bewusster. Ich habe noch nie so ruhig gelebt und so viel geschlafen, so wenig mit Arschlöchern gevögelt. Mag eh sein dass ich mich nicht mehr in Arschlöcher verknalle - aber ich verknalle mich überhaupt nicht mehr. Date nicht mehr. Gehe nicht mehr aus - mit wem auch, es hocken alle nur noch zu Hause, und alleine schaffe ich es nicht, ich bin einfach zu schüchtern. Dafür habe ich noch nie so regelmäßig Sport gemacht. So viele sinnvolle Freizeitaktivitäten gehabt. Neues ausprobiert. Aber ich sag mir jetzt was: das macht mich alles nicht glücklicher. Es ist eher als würde ich krampfhaft einen Rahmen schaffen wollen, der mich zusammenhält. Aber das Bild ist eben immer noch das gleiche.

~Philipp Poisel - Halt mich
Das Gefühl der Einsamkeit läuft meist ganz unauffällig neben mir her. Wie ein kleiner Schatten. Gedeckelt. Angeleint. Aber an manchen Tagen, so wie heute, kriecht sie hervor, wird länger und größer und dunkler, zerrt an der Leine und fletscht die Zähne, und ich könnte nicht sagen, was mir eigentlich fehlt. Es ist manchmal auch ein Gefühl von Langeweile, obwohl mein Leben nun objektiv betrachtet nicht langweilig ist.
Wo ist mein Seelengefährte, frage ich mich laut, und der Stinkbär schaut mich mit großen unergründlichen Augen an.
Ich fühle mich unglaublich einsam ohne Therapie. Weiß nicht mit wem ich so reden soll. Mit wem ich überhaupt reden soll.
Ich habe Angst vor dem Sommer. Vor Baden alleine, in der Sonne sitzen alleine. Nicht weggehen weil ich nicht alleine weggehen kann.
Ich fühle mich eingesperrt. Allein. Einsam. Und es macht mich wütend, denn ich würde mich so gerne an dieses Alleinsein gewöhnen, und kann es einfach nicht.
Eigentlich ödet und kotzt mich alles an. So ein Tag an dem ich mir denke: nicht da sein wär auch ok. Und das kotzt mich dann noch mehr an. Ich will ja so sehr. Strenge mich so sehr an. Aber es ist als dürfe ich einfach nicht. Es hört einfach nicht auf. Und dann trabe ich gedeckelt durchs Leben und stell mir vor wie es sein könnte. Zeig mir selbst anscheinend ne ganz tolle Vorführung. Aber es ist halt einfach nicht so. Nicht echt. Es scheint alles so aussichtslos. Ich habe das Gefühl, ich bewege mich letztendlich keinen Milimeter von der Stelle. Vielleicht tue ich mir unglaublich unrecht, und doch... fühlt es sich nunmal so an.
Noch nie habe ich mich so gesund ernährt. Seit über 16 Monaten bin ich rauchfrei, seit fast einem Jahr ohne Chemie. Esse und trinke Rohkost, Vollkorn, ernähre mich viel bewusster. Ich habe noch nie so ruhig gelebt und so viel geschlafen, so wenig mit Arschlöchern gevögelt. Mag eh sein dass ich mich nicht mehr in Arschlöcher verknalle - aber ich verknalle mich überhaupt nicht mehr. Date nicht mehr. Gehe nicht mehr aus - mit wem auch, es hocken alle nur noch zu Hause, und alleine schaffe ich es nicht, ich bin einfach zu schüchtern. Dafür habe ich noch nie so regelmäßig Sport gemacht. So viele sinnvolle Freizeitaktivitäten gehabt. Neues ausprobiert. Aber ich sag mir jetzt was: das macht mich alles nicht glücklicher. Es ist eher als würde ich krampfhaft einen Rahmen schaffen wollen, der mich zusammenhält. Aber das Bild ist eben immer noch das gleiche.

~Philipp Poisel - Halt mich
Seelenheil ~
... link
Dienstag, 25. März 2014
Stilles Staunen
okavanga, 00:05h
Am Wochenende war ich zum Hospitieren bei einer Reittherapeutin eingeladen. Die Dame lernte ich vor einigen Wochen auf einer Jobmesse kennen. Dort hatte ich selbst Standdienst und in der Pause stromerte ich durch die Gänge und das eine führte zum anderen.. wie das eben manchmal so ist.
Erst finde ich den Betrieb nicht. Nicht weil er so klein ist (was er zum Glück ist. Hier gilt es nicht möglichs viele Patienten abzufertigen, sondern Zeit und Empathie mitzubringen), sondern weil er so idyllisch liegt, dass man ihn zwischen all den Weinanbauflächen und Obstbäumen kaum sehen kann.
Ich bin unglaublich aufgeregt wie ich da in meinem Auto sitze. Ist ja nicht so mein Ding, die Konfrontation mit einem Bündel an typsichen Oka-Ängsten. Neue Situation, neue Menschen, Unsicherheit. Schiss. Aber ich bin stolz, dass ich mich in die Situation wage.
Und: es tut so gut den Samstag mal um 9 Uhr an der frischen Luft zu starten, und dann auch bis 15:30 Uhr an der Luft zu bleiben. Regen hin oder her. Wir gehen mit geistig Behinderten spazieren (also sie reiten, wir laufen nebenher), longieren weitere Behinderte, und eigentlich fällt mir schon gar nicht mehr auf dass sie anders sind, der MS-Patient mit Sohn fällt heute aus, und am Ende kommen zwei kleine Knirpse, davon ein 5-jähriges Mädchen mit Posttraumatischer Belastungsstörung, das mitten in einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-OP (oder so ähnlich, bitte nageln Sie mich nicht fest - es sind unendlich viele neue Begriffe und Eindrücke an diesem Tag) aufwachte, weil der Anästhesist nicht ausreichend narkotisiert hatte.
Der Geruch nach Dung und Pferdehaaren. Der Regen auf dem frischen Grün. Das weiche Pferdefell. Weinreben und in Blüte stehende Obstbäume. Kleine Hände, die die meine greifen wollen. Kleine Geschöpfe, die langsam Vertrauen fassen und ihre Wangen an die weiche Pferdekruppe schmiegen. Die lachen und babbeln, und neugierig sind, und mutig und klug. Und Pferde, die sich ganz sensibel einfühlen und den unterschiedlichen Reitern anpassen. Ich bin völlig fasziniert. Und entschleunigt. Zwar auch angestrengt. Aber geerdet. Da.
Die Therapeutin sucht noch Helfer für die Gruppe psychisch Kranker. 10 Termine. Sie findet, ich habe mich gut gemacht, sowohl im Umgang mit den Menschen, als auch mit den Pferden, und kann sich vorstellen, dass ich weiterhin komme. Ob ich Berührungsängsgte mit psychisch Kranken hätte. Nein, sage ich, und frage, welche Krankheiten die Menschen denn hätten. Chronische Schizophrenie. Ich werde nachdenklich und lasse mit Zeit mit einer Antwort. Nein, sage ich, das ist kein Problem, und ich erzähle ihr von meiner Mutter. Auch sie wird nachdenklich. "Das hat natürlich 2 Seiten. Wenn du selbst dich mit dem Thema auseinandergesetzt, und es vielleicht sogar selbst in einer Therapie bearbeitet hast, du selbst also nicht instabil bist, dann könnte das eine echte Chance sein. Ansonsten birgt es natürlich ein Risiko." Ich berichte ihr von meiner Therapie, und dass sie abgeschlossen ist. Davon, dass ich eine für mich gute Distanz zu meiner Mutter gefunden habe. Sie erzählt mir von der psychischen Erkrankung in ihrer Familie, und von ihrer Therapie.
Am Ende einigen wir uns darauf, dass ich darüber schlafe und mich melde. Und schon im Auto weiß ich, dass ich mich melden werde und das versuchen möchte. Alles in mir weiß, dass es wichtig und richtig ist. Sollte es wider jeglicher Erwartung (ich möchte dem kleinen Arschloch in mir einfach mal den Fuckfinger zeigen, der Drecksack soll mich in Ruhe lassen. Der, der mich immer daran hindern will, dass ich mir endlich nen Palast aus Gold baue) nach hinten losgehen, kann ich es auch immer noch sein lassen.
Abends war ich bei Freunden zum Spieleabend. Nach ein zwei drei Sekt und ein zwei drei Schnapps falle ich zu hause in komatösen Schlaf. Obwohl nein, komatös ist er nicht.
Ich träume als würde ich viele Leben leben. Durcheinander, bunt und intensiv. Der einzige, der bis heute hängengeblieben ist, ist der von LeSchwe. Im Traum begegnen wir uns zufällig in einer großen hellen Shoppinghalle. Ich hasse Shoppinghallen eigentlich, aber diese ist nett, ruhig, gedämpft und nicht so viel Bling Blin, und wenig Leute. Wir umarmen uns und lachen und reden. Und nach einer halben Stunde sage ich ihr: du, jetzt hab ich echt ne halbe Stunde lang gebraucht um mich daran zu erinnern, dass wir eigentlich böse miteinander sind.
Am Sonntag habe ich einen Kater. Mit der Katze auf dem Schoß.
Ich bin gespannt auf alles weitere im Leben. Jeden Tag wieder, auch wenn mich die Arbeit richtig richtig ankotzt. Und ich oft wütend bin und mit mir selbst kämpfe und viel Selbstkontrolle brauche um nicht zu explodieren... bei all den Arschlöchern, den selbstgerechten, den Empörkömmlingen und Pimmelmackern...
Aber hey... schauen Sie mal, die Magnolienblüten da drüben! Und da, wie das Licht sich in den Regentropfen auf den Weinblättern bricht. Und wie sehr sich die Authistin über das Flugzeug am Himmel freut, ihre einzige Gesichtsregung in einer Stunde. Der lustige Spieleabend mit Menschen, die ich mag, und die mich mögen. Die Wolken, die über den Obstbäumen Gebirge spielen. Und der kleine Stinkbär, der mich immer freudig maunzend begrüßt und seine winzige feuchte Nase an meiner reiben will.
Die wirklich wichtigen Dinge. Die sind wunderschön. So klein sie auch sein mögen, manchmal auch versteckt, und oft gefährdet, empfindlich, schutzbedürftig. Schwer zu sehen unter all dem Alltagsrotz. Manchmal mag ich mich ihnen gar nicht öffnen, mag ich ihre Schönheit nicht erkennen, wenn meine Seele mal wieder in dunklem Teer zu ersticken droht. Als müsste ich mir selbst beweisen, dass das Leben einfach scheiße ist. So wird das aber nix mit dem Palast aus Gold. Deswegen mache ich mich jetzt - egal wie schwer es ist - daran die Pimmelmacker auszusperren, und mehr kleine Wunder, das Schöne, Zarte, Feine, Reine reinzulassen.
Eine gute Woche Ihnen allen.

~ Digitalism - Just Gazin'
Erst finde ich den Betrieb nicht. Nicht weil er so klein ist (was er zum Glück ist. Hier gilt es nicht möglichs viele Patienten abzufertigen, sondern Zeit und Empathie mitzubringen), sondern weil er so idyllisch liegt, dass man ihn zwischen all den Weinanbauflächen und Obstbäumen kaum sehen kann.
Ich bin unglaublich aufgeregt wie ich da in meinem Auto sitze. Ist ja nicht so mein Ding, die Konfrontation mit einem Bündel an typsichen Oka-Ängsten. Neue Situation, neue Menschen, Unsicherheit. Schiss. Aber ich bin stolz, dass ich mich in die Situation wage.
Und: es tut so gut den Samstag mal um 9 Uhr an der frischen Luft zu starten, und dann auch bis 15:30 Uhr an der Luft zu bleiben. Regen hin oder her. Wir gehen mit geistig Behinderten spazieren (also sie reiten, wir laufen nebenher), longieren weitere Behinderte, und eigentlich fällt mir schon gar nicht mehr auf dass sie anders sind, der MS-Patient mit Sohn fällt heute aus, und am Ende kommen zwei kleine Knirpse, davon ein 5-jähriges Mädchen mit Posttraumatischer Belastungsstörung, das mitten in einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-OP (oder so ähnlich, bitte nageln Sie mich nicht fest - es sind unendlich viele neue Begriffe und Eindrücke an diesem Tag) aufwachte, weil der Anästhesist nicht ausreichend narkotisiert hatte.
Der Geruch nach Dung und Pferdehaaren. Der Regen auf dem frischen Grün. Das weiche Pferdefell. Weinreben und in Blüte stehende Obstbäume. Kleine Hände, die die meine greifen wollen. Kleine Geschöpfe, die langsam Vertrauen fassen und ihre Wangen an die weiche Pferdekruppe schmiegen. Die lachen und babbeln, und neugierig sind, und mutig und klug. Und Pferde, die sich ganz sensibel einfühlen und den unterschiedlichen Reitern anpassen. Ich bin völlig fasziniert. Und entschleunigt. Zwar auch angestrengt. Aber geerdet. Da.
Die Therapeutin sucht noch Helfer für die Gruppe psychisch Kranker. 10 Termine. Sie findet, ich habe mich gut gemacht, sowohl im Umgang mit den Menschen, als auch mit den Pferden, und kann sich vorstellen, dass ich weiterhin komme. Ob ich Berührungsängsgte mit psychisch Kranken hätte. Nein, sage ich, und frage, welche Krankheiten die Menschen denn hätten. Chronische Schizophrenie. Ich werde nachdenklich und lasse mit Zeit mit einer Antwort. Nein, sage ich, das ist kein Problem, und ich erzähle ihr von meiner Mutter. Auch sie wird nachdenklich. "Das hat natürlich 2 Seiten. Wenn du selbst dich mit dem Thema auseinandergesetzt, und es vielleicht sogar selbst in einer Therapie bearbeitet hast, du selbst also nicht instabil bist, dann könnte das eine echte Chance sein. Ansonsten birgt es natürlich ein Risiko." Ich berichte ihr von meiner Therapie, und dass sie abgeschlossen ist. Davon, dass ich eine für mich gute Distanz zu meiner Mutter gefunden habe. Sie erzählt mir von der psychischen Erkrankung in ihrer Familie, und von ihrer Therapie.
Am Ende einigen wir uns darauf, dass ich darüber schlafe und mich melde. Und schon im Auto weiß ich, dass ich mich melden werde und das versuchen möchte. Alles in mir weiß, dass es wichtig und richtig ist. Sollte es wider jeglicher Erwartung (ich möchte dem kleinen Arschloch in mir einfach mal den Fuckfinger zeigen, der Drecksack soll mich in Ruhe lassen. Der, der mich immer daran hindern will, dass ich mir endlich nen Palast aus Gold baue) nach hinten losgehen, kann ich es auch immer noch sein lassen.
Abends war ich bei Freunden zum Spieleabend. Nach ein zwei drei Sekt und ein zwei drei Schnapps falle ich zu hause in komatösen Schlaf. Obwohl nein, komatös ist er nicht.
Ich träume als würde ich viele Leben leben. Durcheinander, bunt und intensiv. Der einzige, der bis heute hängengeblieben ist, ist der von LeSchwe. Im Traum begegnen wir uns zufällig in einer großen hellen Shoppinghalle. Ich hasse Shoppinghallen eigentlich, aber diese ist nett, ruhig, gedämpft und nicht so viel Bling Blin, und wenig Leute. Wir umarmen uns und lachen und reden. Und nach einer halben Stunde sage ich ihr: du, jetzt hab ich echt ne halbe Stunde lang gebraucht um mich daran zu erinnern, dass wir eigentlich böse miteinander sind.
Am Sonntag habe ich einen Kater. Mit der Katze auf dem Schoß.
Ich bin gespannt auf alles weitere im Leben. Jeden Tag wieder, auch wenn mich die Arbeit richtig richtig ankotzt. Und ich oft wütend bin und mit mir selbst kämpfe und viel Selbstkontrolle brauche um nicht zu explodieren... bei all den Arschlöchern, den selbstgerechten, den Empörkömmlingen und Pimmelmackern...
Aber hey... schauen Sie mal, die Magnolienblüten da drüben! Und da, wie das Licht sich in den Regentropfen auf den Weinblättern bricht. Und wie sehr sich die Authistin über das Flugzeug am Himmel freut, ihre einzige Gesichtsregung in einer Stunde. Der lustige Spieleabend mit Menschen, die ich mag, und die mich mögen. Die Wolken, die über den Obstbäumen Gebirge spielen. Und der kleine Stinkbär, der mich immer freudig maunzend begrüßt und seine winzige feuchte Nase an meiner reiben will.
Die wirklich wichtigen Dinge. Die sind wunderschön. So klein sie auch sein mögen, manchmal auch versteckt, und oft gefährdet, empfindlich, schutzbedürftig. Schwer zu sehen unter all dem Alltagsrotz. Manchmal mag ich mich ihnen gar nicht öffnen, mag ich ihre Schönheit nicht erkennen, wenn meine Seele mal wieder in dunklem Teer zu ersticken droht. Als müsste ich mir selbst beweisen, dass das Leben einfach scheiße ist. So wird das aber nix mit dem Palast aus Gold. Deswegen mache ich mich jetzt - egal wie schwer es ist - daran die Pimmelmacker auszusperren, und mehr kleine Wunder, das Schöne, Zarte, Feine, Reine reinzulassen.
Eine gute Woche Ihnen allen.

~ Digitalism - Just Gazin'
Sonntag, 9. März 2014
okavanga, 20:27h
Es war ein schönes Fest gestern, und ich bin froh, dass ich meine Ausladung revidiert und die Herzmenschen sowie Familie wieder eingeladen habe. Wir feierten, dass wir uns kennen und trotzdem mögen, und den Weltfrauentag. Was will man mehr.
Mit einer Freundin habe ich meine Wohnung (oder sollte ich sagen, ein Zimmer meines Palasts aus Gold?) verschönert, meinen Geburtstag verbrachten wir ganztägig in Bau- und Möbelhäusern.
Der Frühling fühlt sich an wie Wiedergeburt.

~ Baio - Sunburn Modern
Mit einer Freundin habe ich meine Wohnung (oder sollte ich sagen, ein Zimmer meines Palasts aus Gold?) verschönert, meinen Geburtstag verbrachten wir ganztägig in Bau- und Möbelhäusern.
Der Frühling fühlt sich an wie Wiedergeburt.

~ Baio - Sunburn Modern
Mittwoch, 5. März 2014
34.
okavanga, 00:59h
Für mich
soll's rote Rosen regnen;
Mir sollten sämtliche Wunder
begegnen,
das Glück sollte sich sanft
verhalten
es soll mein Schicksal
mit Liebe
verwalten
~ Hildegard Knef
Für mein neues Lebensjahr wünsche ich mir das Leben wie auf dieser Allgäuwiese. Mit all den wunderbaren Gerüchen, Begegnungen, Geräuschen, Kribbeln und sanftem Streicheln, mehr Licht als Schatten, ganz viel Wärme auf Haut und Herz.

Über Frau O ~
... link
Samstag, 22. Februar 2014
Tetris.
okavanga, 23:59h
Seit Monaten spielt alles in mir Tetris. Stapelt, schaufelt, kippt, sortiert, packt um, verstaut, holt hoch, prüft und ordnet neu. Es ist als würden die Therapiejahre – vor allem die letzte Zeit bei Herrn M. - sacken und verarbeitet werden. Es strengt unfassbar an, fickt mich in alle Öffnungen und ganz besonders hart da, wo gar keine sind, und geht an meine letzten Reserven.
„Oka, du musst nicht auf einen Mann warten, bis du dir ein Haus kaufst“, erklärte mir neulich nachts im Traum ein älterer Kollege, der mich von seiner Art her manchmal an meinen Vater erinnert. Und ich dachte mir: joa. Stimmt. Und sah mir wunderschöne kleine Häuschen inmitten von Weinhängen an mit Blick auf einen Fluss im Tal. Es war herrlich.
Sie mögen jetzt sagen: ok…… und weiter? In mir gongte beim Aufwachen ein ganz lautes: „Guten Morgen!“ Es war wie ein Meilenstein in einem monatelangen Prozess. Tatsache ist: bis zu diesem Traum war mir das alles so nicht wirklich bewusst – auch wenn ich es seit Jahren wusste. Und ja: natürlich geht es dabei nicht nur um ein rein physisches Haus, und auch nicht um Männer an sich – aber bestimmt auch. Es geht vielmehr um das „wenn nur endlich <xyz> geschieht, dann werde ich glücklich“.
Und so leite ich nun unelegant zu meinem letzten Eintrag über. Er entsprang nur wenigen Minuten tiefer Verzweiflung, die sich aber erstaunlich schnell lichtete…. Denn…
Eigentlich möchte ich gar nicht in Koma versetzt werden, auch wenn ich mir das phasenweise so sehr wünsche. Es wäre zwar irgendwie gut nichts mitzubekommen vom eigenen Heilungsprozess, und einfach cool, calm and collected irgendwann aufzuwachen – aber irgendwie wäre das halt auch gar nicht gut. Denn mal ehrlich – der Weg ist mit all seinem Elend und seiner Lethargie, seiner Statik und Dynamik schlichtweg unglaublich. Und genau das ist vermutlich der Punkt warum es mir immer leichter fällt auf Betäubung - welcher Art auch immer: legale wie illegale Drogen, Fickbetäubung, Zersträuungsbetäubung, Ablenkungsbetäubung - zu verzichten. Ich betäube mich immer seltener, auch wenn oder obwohl es mir beschissen geht. Denn ich merke wie hier unten, wo ich panisch, am Ende meiner Kräfte und tatsächlich fast in Todesangst dachte: fuck ey weiter gehts doch jetzt gleich nicht mehr runter, mit den kleinen zaghaften Schritten und den ganz bewusst und selbst gewählten Aktivitäten und Entscheidungen Mut zurückkommt. Unter all dem Schlamm, all den Ruinen stoße ich völlig überraschend und wider jeglichen Erwartungen auf Willen. Auf die Lust zu leben. Auf eine neue Art zu leben. Darauf Neues zu entdecken. Mich neu zu entdecken. Ich will wissen was ich will und was ich nicht will, was mir gut tut und was nicht, was mir weh tut und was nicht. Ich will bei mir sein. Ich will das alles spüren und mitbekommen. Ich will es aushalten. Weil etwas in mir weiß, dass ich es kann, und dass nach der Scheiße das Gold kommt. Weil ich mir ganz hellwach einen Palast aus diesem Gold baue, egal wie lange es dauert und egal wieviel Anstrengung es kostet, egal wie oft die Mauern wieder bröckeln oder einstürzen und mir Trümmer auf die Füße donnern und ich eine wunde Nase habe weil ich verheult in dreckige Baumwolltaschentücher rotze, egal wie oft ich Brocken umdrehen, umsortieren, umstapeln, umpacken, prüfen und neu ordnen muss. Einen verdammten Palast aus Gold. Meinen Palast! Genug auf Godot gewartet. Nimm das, you fucking son of a bitch!


~ Kollektiv Turmstrasse - Heimat
„Oka, du musst nicht auf einen Mann warten, bis du dir ein Haus kaufst“, erklärte mir neulich nachts im Traum ein älterer Kollege, der mich von seiner Art her manchmal an meinen Vater erinnert. Und ich dachte mir: joa. Stimmt. Und sah mir wunderschöne kleine Häuschen inmitten von Weinhängen an mit Blick auf einen Fluss im Tal. Es war herrlich.
Sie mögen jetzt sagen: ok…… und weiter? In mir gongte beim Aufwachen ein ganz lautes: „Guten Morgen!“ Es war wie ein Meilenstein in einem monatelangen Prozess. Tatsache ist: bis zu diesem Traum war mir das alles so nicht wirklich bewusst – auch wenn ich es seit Jahren wusste. Und ja: natürlich geht es dabei nicht nur um ein rein physisches Haus, und auch nicht um Männer an sich – aber bestimmt auch. Es geht vielmehr um das „wenn nur endlich <xyz> geschieht, dann werde ich glücklich“.
Und so leite ich nun unelegant zu meinem letzten Eintrag über. Er entsprang nur wenigen Minuten tiefer Verzweiflung, die sich aber erstaunlich schnell lichtete…. Denn…
Eigentlich möchte ich gar nicht in Koma versetzt werden, auch wenn ich mir das phasenweise so sehr wünsche. Es wäre zwar irgendwie gut nichts mitzubekommen vom eigenen Heilungsprozess, und einfach cool, calm and collected irgendwann aufzuwachen – aber irgendwie wäre das halt auch gar nicht gut. Denn mal ehrlich – der Weg ist mit all seinem Elend und seiner Lethargie, seiner Statik und Dynamik schlichtweg unglaublich. Und genau das ist vermutlich der Punkt warum es mir immer leichter fällt auf Betäubung - welcher Art auch immer: legale wie illegale Drogen, Fickbetäubung, Zersträuungsbetäubung, Ablenkungsbetäubung - zu verzichten. Ich betäube mich immer seltener, auch wenn oder obwohl es mir beschissen geht. Denn ich merke wie hier unten, wo ich panisch, am Ende meiner Kräfte und tatsächlich fast in Todesangst dachte: fuck ey weiter gehts doch jetzt gleich nicht mehr runter, mit den kleinen zaghaften Schritten und den ganz bewusst und selbst gewählten Aktivitäten und Entscheidungen Mut zurückkommt. Unter all dem Schlamm, all den Ruinen stoße ich völlig überraschend und wider jeglichen Erwartungen auf Willen. Auf die Lust zu leben. Auf eine neue Art zu leben. Darauf Neues zu entdecken. Mich neu zu entdecken. Ich will wissen was ich will und was ich nicht will, was mir gut tut und was nicht, was mir weh tut und was nicht. Ich will bei mir sein. Ich will das alles spüren und mitbekommen. Ich will es aushalten. Weil etwas in mir weiß, dass ich es kann, und dass nach der Scheiße das Gold kommt. Weil ich mir ganz hellwach einen Palast aus diesem Gold baue, egal wie lange es dauert und egal wieviel Anstrengung es kostet, egal wie oft die Mauern wieder bröckeln oder einstürzen und mir Trümmer auf die Füße donnern und ich eine wunde Nase habe weil ich verheult in dreckige Baumwolltaschentücher rotze, egal wie oft ich Brocken umdrehen, umsortieren, umstapeln, umpacken, prüfen und neu ordnen muss. Einen verdammten Palast aus Gold. Meinen Palast! Genug auf Godot gewartet. Nimm das, you fucking son of a bitch!


~ Kollektiv Turmstrasse - Heimat
... older stories

