Freitag, 23. Januar 2015
Baden-Württembergische Abendgestaltung
Mein heutiger Abend, in einem Brief an N., die ich mit einem Kosenamen anspreche, der mit B. beginnt. Neee, nich Baby! ;-)

Hallo B,

da mir gerade langweilig ist und ich OOOORDentlich einen im Tee habe, erzähle ich dir von meinem Abend. Einfach nur so, weil mir danach ist. Du musst nix antworten, und es erstrecht nicht ernst nehmen. :-)

Also das war so. Zuerst habe ich <meinen Vater> vollgeheult wegen meinen "der Mann"-Dämonen, die mir weißmachen dass es eine Totalkatastrophe ist, dass er nach München geht [AdR: von einer anderen bayerischen Stadt]. Und dass Veränderung im Allgemeinen scheiße ist. Außer ich verändere. Also wenn ich das kontrollieren kann. Und dass das aber ziemlich kacke von mir als Freundin ist, weil ich ihn da nicht einfach unterstützen oder mich für ihn freuen kann. Also noch ein Grund mehr mich schlecht und hässlich und dumm und minderwertig zu fühlen. Bin ich ja eh neben ihm, der 3 Jahre jünger ist und nur halb soviel Berufserfahrung hat, aber sicher 1000 Euro netto mehr verdient. Außerdem bin ich jetzt bald quasi unfruchtbar. Und furchtbar. Aber das ist eigentlich alles nebensächlich. Denn.

Denn dann machte ich mich bereit für eine Rotweinwanderung in der Pfalz mit LeSchwe und zwei ihrer Kackbratzenfreunde, die da heißen Scheich (der, der aus Prinzip nie eine Moschee betreten würde (witzig, dass der Scheich heisst) und heimlich – sicher heimlich, denn für öffentlich fehlen ihm die Eier – Pegida zujubelt, während er die Bildzeitung liest) und Steffi (sehr schlecht blondiert – ne nich ich – und brunsdumm, und dermaßen komplexbeladen, dass sie andere Leute herabsetzen muss um sich selbst in ihrer mickrigen Existenz besser zu fühlen. Ne echt nich ich. ;-))

Du ahnst das Problem. Eigentlich hatte ich keine Lust auf schlechte Gesellschaft. Dazu kommt, dass ich kurz davor ein Telefonat mit G. hatte, von der ich manchmal glaube, sie ist ein jüngeres Klon von mir was Problematik und Psyche angeht. Für sie wollte ich viel lieber da sein, wir telefonieren nicht so oft, und die hat schlimm geweint. Da stand ich aber schon vor LeSchwes Haus. Ich klingelte mehrfach, und weder antwortete jemand über die Sprechanlage, noch erklang der Buzzer für den Türöffner. Ich wurde sauer. Weil ich ja eh irgendwie auch schon grundsauer war, also eigentlich noch saurer. Irgendwann kamen die Leute nach unten: LeSchwe, Steffi, Scheich, und der Freund von Steffi, den ich noch nie gesehen habe. Ich sagte: Na hätte ja auch mal einer was sagen oder gar aufmachen können. Sagte die Steffi nach einigen Sekunden: „ich hoffe, es ist keiner schlecht gelaunt, wegen der Arbeit, weil heute ist Freitag, und so.“ Ich dachte mir: „Hä? Dummer Satz. Äh, ja, doch, ich bin schlecht gelaunt.“ LeSchwe sprach: „Naja, war schon besser.“ Ich sprach: „Ja, war schon besser“.

Wir fuhren los. Wohin, das wusste ich nicht, ich fragte. Es saßen da vier Leute hinter bzw. neben mir, die alle was zu sagen hatten. Einer meinte dann „links“, das kam mir spanisch vor, denn dahin fährt man nicht, wenn man von LeSchwe aus in die Pfalz will. Aber ich fragte: wirklich? Und keiner antwortete, aber gefühlt redeten alle irgendwas durcheinander, und dann kam es mir so vor als würden sie sich lustig machen, weil alle links sagten, ich aber rechts abgebogen bin. „ne ne, das andere links“. Haha. Ich fuhr also weiter, und die redeten durcheinander.

Nach 300 Metern bremste ich sehr sehr scharf und sagte: „Also so nicht. Es redet nur einer. Ich kann sonst nicht hören wo ich hinfahren will. Sonst geht das nicht.“ Irritiertes Schweigen. Scheich: „Ich schnall mich jetzt glaub ich erst mal an..“
Dann Steffi: „Also hast du was gesagt?“ Anscheinend zu ihrem rechten Sitznachbar, LeSchwe. LeSchwe: „Ne.“ Zu Scheich: „Hast du gerade was gesagt?“ Scheich: „Ne, ich auch nich.“ Nach dem Motto: die Alte hat doch Hallus, es hat doch keiner was gesagt. Dann belustigtes Lachen von Steffi-Blondi.

Ich: Vollbremsung. „So, es reicht. Alle aussteigen.“ Bin ausgestiegen, den Sitz nach vorne geklappt. Hinter mir hupt ein Auto, weil ich mitten auf der Straße stehe. Ich: „ja dann überhol doch“, mit großer Geste. Auto überholt. Im Auto nur entsetztes Schweigen, sie scheinen aber zu begreifen, dass ich es ernst meine. Ich: „Los, raus. Darauf hab ich heut echt keinen Bock. Verarschen kann ich mich selber.“
Alle steigen aus. Es ist still. Ich steige ein. Und fahre davon. Und freue mich.

Ja, ich freue mich, bis jetzt. Das Ganze ist über drei Stunden her, und ich empfinde keine Reue, sondern nur reine Freude. Weil: ich hatte wirklich keine Lust solche Kackbratzen übers Land zu kutschieren, die sich über mich lustig machen. Ja, die Art und Weise hätte diplomatischer und höflicher sein können, war sie aber nicht. Immerhin war ich sehr ruhig. Ruhig, aber SEHR SEHR bestimmt. Freude, weil: sowas kann die doofe Kuh mit ihren Kollegen machen, die ist gewohnt dass Leute sich untergeben und sie sich lustig machen kann. Heute bei mir leider ganz falscher Fuß.

Freude, weil: ich jetzt zwei Stunden mit G. telefoniert habe, und wir zwar viel geweint, aber auch sehr viel gelacht haben, und es ein tolles Gefühl war Zeit mit jemandem zu verbringen, der mir wirklich wichtig ist, und wenn es nur am Telefon war, weil der Mensch inzwischen in N. in Bayern wohnt.

Für mich selbst nehme ich mit: das nächste mal gleich meine Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, und nicht mit Kackbratzen Zeit verbringen. Ich wollte es vor allem wegen LeSchwe, wir sehen uns sehr selten zur Zeit, da sie unter der Woche in Friedberg (noch hinter FFM) ist, und ich jedes zweite WE den Mann sehe. Aber es hat nicht gereicht. Ihr habe ich vorhin eine ganz nette SMS geschrieben, ich weiß nicht ob sie es versteht, aber ich fühle mich tatsächlich nicht schlecht. Sollte ich das nächste mal wieder mich selbst überlisten wollen, um entweder nicht asozial zu werden (ich dachte, es tut mir gut wenn ich mal mit anderen Leuten raus komme) oder dem Mann etwas zu erzählen zu haben („Oka, du MUSST ein spannendes Leben haben. Du MUSST dem Mann etwas erzählen können nach dem WE, du kannst nicht nur sagen: „du, die depressive G. und mein depressives Ich haben uns am Telefon betrunken und unser Leid geklagt, uns dabei aber auch echt bepisst vor Lachen! Es war großartig!“), dann appelliere ich an dieser Stelle an mein Erwachsenen-Ich, das nächste mal ein bisschen souveräner und schneller durchzugreifen und sich mit einem: “Sorry Leute, ich merk gerade, mir geht’s nicht gut, ich glaub, ihr fahrt lieber mit LeSchwe“ zu verabschieden.

[... Text der jetzt echt nicht hier her gehört, weil er sie, ihr Kind und ihren Mann betrifft ...]

Viele Küsse, ich freue mich wenn wir uns hören.
Deine Oka






Montag, 19. Januar 2015
In letzter Zeit habe ich manchmal ganz kleine Momente, in denen ich mir vorstellen kann wie es sein muss, wenn man mit dem Grundgerüst seines Lebens zufrieden ist. Wenn ich mein Neuorientierungsprojekt zu einem guten Abschluss bringe und bei meiner Arbeit, in die ich Tag für Tag mit mehr Widerwillen und Abscheu gehe, aussteigen und mich auf den Weg zum neuen Ziel begeben kann, dann wird das alles immer noch nicht leicht, im Gegenteil. Auch die Beziehung bringt Umstände mit sich, die unbestritten einfacher sein könnten. Und irgendwann werden beide Punkte wohl Entscheidungsfragen mit sich bringen, die mich noch sehr schrecken. Dennoch habe ich zum ersten mal in meinem Leben immer öfter das tiefe und ruhige Gefühl, dass die Dinge in die richtige Richtung laufen. Es fühlt sich gut an, allen Anstrengungen die da sind und kommen werden zum Trotz. Das ist ein irres Gefühl.

Ich wünschte, ich hätte viel mehr über die Veränderungen und Gedanken geschrieben, die mich in den letzten Monaten begleitet haben. Aber ich hatte Angst, ich schreibe es kaputt. Dass es sich verflüchtigt, wenn es geschrieben steht.

[Edit] Ja. Tatsächlich habe ich die Erlebnisse, die mich am meisten geprägt haben im letzten Jahr, hier einfach überhaupt nicht aufgeschrieben. Das ist schade. Ausgerechnet die Lücke Juli bis November. Aber macht nichts. Macht nichts. Geschehen ist es ja. Das Schreckliche wie das Schöne.

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Dienstag, 23. Dezember 2014
Das bin ich.
Vielleicht ist es so einfach. Einfach denken: das bin ich halt. Mit den Dämonen. Die sind halt dabei. Es fühlt sich jedenfalls leichter an als ständig zu denken: scheiße, ich sollte das nicht denken, ich mach mich nur selbst fertig, hör auf so zu denken, hör auf mit dem Teufelskreis, hör jetzt endlich sofort auf, hör auf so zu sein, überhaupt - hör auf zu sein, sei jemand anders, sei mit Urvertrauen, du musst das doch können, verdammt, dieses scheiss Urvertrauen, los jetzt, mach, hör auf scheisse zu denken mit den doofen Dämonen, hör auf dich hässlich und minderwertig und alt zu fühlen und fühle dich toll und schön, werde ein Schwan...

Meine Fresse. Schon beim Schreiben wird mir ganz schlecht und schwindelig, und vor allem schwach zumute. Wie anstrengend! Was ich alles tun und lassen und sein soll. Und wer sagt mir das? Ich selbst. Phu. Vielleicht bin ich einfach ein zerrupfter Schwan. Mit nem Hinkebein, und vielleicht nem klapprigen Flügel. Und vielleicht fauch ich mal schneller als andere, und beiss auch mal zu, mag halt auch nicht dass jeder mich antatscht. Hat halt shcon der ein oder andere ne Feder ausgerupft. Hat weh getan. Aber das bin ich halt. Und mit all dem was ich erfahren habe, und aber auch gelernt habe, über mich, über andere, mit dem was ich mir erarbeitet habe.. eigentlich mag ich mich so. Warum sollte sich das ändern? Warum fühle ich mich bedroht von jemandem, der mich genau so erkennt und genau deswegen auch mag? Warum fange ich dann an, mich klein und unzulänglich zu fühlen?

Ich habe hier vor sehr langer Zeit mal geschrieben: "ich will keinen der mich ansieht. ich will einen, der mich sieht". Oder so sinngemäß. Ich glaube es ist einer der Beiträge, die inzwischen offline sind.
Ich weiß, dass ich diesen Satz so meine, auch wenn es mir gleichzeitig große Angst macht, dass jemand mich erkennt. Und vor allem kann ich ja dann auch kaum glauben, dass er mich erkennt und trotzdem mag. Mich. So. Zerrupft. Hinkend. Aber auch echt lustig, und klug, und interessant, und sehr zärtlich und liebevoll. Wenn ich nicht fauche. Für jeden Scheiss zu haben. Aber auch für ernsthafte Gespräche und Sorgenteilen. Und irgendwie ist das zerrupfte manchmal auch ganz schön sexy.

Es nimmt Druck. Das bin ich. Pffffffffffff... geht die Luft raus. Das bin ich. So einfach ist das. Auch oder vielleicht auch vor allem wegen den Tränen in den Augen. Endlich erkenne ich mich ein bisschen wieder. Kann mir zuwinken, wie in einem Spiegel der vom Badedampf ganz angelaufen ist, kann ich mit der Hand ein paar Schlieren durch die milchigen Tropfen ziehen und mich sehen. Mir Schüchtern zulächeln. Weisste noch, was wir schon alles erlebt haben? Klar! Eigentlich sind wir echt ganz gut dabei, mit allem, so, und mit uns.

Das bin ich. Den Rest kann ich einfach mal loslassen. Ab und zu. Ganz langsam. Immer mal wieder. Dann kommt alles andere schon.


~ Tina Dico - Count To Ten

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Freitag, 19. Dezember 2014
Aufhören.
Vielleicht sollte ich wieder anfangen zu schreiben, denke ich mir manchmal. Über den Mann und wie das nun alles ist, und wie verdammt schwierig dieses "alles" für mich ist. Und über meine Dämonen, die ich so gerne loslassen würde, die sich aber stattdessen immer tiefer in meine Gedanken und Gefühle graben.

Aber da treibt sich die Angst um, dass die Dämonen durch das Aufschreiben noch mehr Raum bekommen. Vielleicht ist es auch das, was sie brauchen. Raum. Vielleicht gebe ich ihnen zu wenig Raum, oder nicht den richtigen, oder an der falschen Stelle. Vielleicht ist eigentlich alles gut. Bestimmt sogar. Aber mir fehlt der Glaube an so vieles. Vor allem der an mich. Das bisschen an Selbstsicherheit, das ich mir mühselig erkämpft habe in den letzten Jahren, verpufft in Beziehungen. Puffffffff.... weg isse.

Plötzlich sind sie da, alle Unsicherheiten. Ungefiltert, ungeschönt und ganz unmittelbar. Verunsichern, verängstigen, verstören. Zerfleischen, zermartern, zerstören. Am schlimmsten aber ist das Gefühl der Ohnmacht. Alles zu wissen: woher das kommt, warum das so ist, zu wissen dass das alles nur in meinem Kopf und keine reale Tatsache ist, und trotzdem nicht aus mir rauszukommen und dem Gedankenkarussell Einhalt zu gebieten. Zornig stehe ich daneben, wutentbrannt, zeternd, schimpfend, tobend. Doch die Dämonen drehen mir eine lange Nase. Ich heule und schimpfe noch mehr, zerre an mir und meiner Ohnmacht, tu doch was, los, du weißt dass das aufhören muss, bitte! Mach dass es aufhört!

Doch die Dämonen sitzen weiter auf ihrem lustigen Volksfesttrip, drehen ihre Runden und freuen sich des Lebens. Yeah, Popcorn für alle! Hey, holt einer noch ne Cola? Futter, Futter! Geile Party!

Am Ende des Tages sitze ich da, wenn die Dämonen schlafen, und weine. Die Party ist vorbei und alles an bösartigem Adrenalin ist verpulvert. Was bleibt ist eine abgrundtiefe Traurigkeit. Wie viel davon kann ich dem Mann zeigen? Wie viel hält er aus? Wie lange halte ich das aus? Werde ich jemals in der Lage sein, Beziehung auszuhalten? Es strengt mich an, jeder Tag ist ein Marathonlauf, aber irgendwie ohne Ziel. Dem hechel ich hinterher wie den Dämonen im Karussell und dreh mich dabei immer und immer wieder im Kreis, bis mir die Luft ausgeht und übel wird. Und ich kurz davor bin Fehler zu machen die ich bereuen würde.

Aufhören, bitte. Der Mann ist ein Platz, an dem ich ankommen kann. Bitte gib mir die Chance das zu tun.


~ Stephan Bodzin & Marc Romboy - Kerberos

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Donnerstag, 5. Juni 2014
Oooo---keeeeee?!?
Es ist zwar etwas bitter, aber ich schaffe es nicht so recht mich daran zu erinnern, wann ich denn den kleinen Ben das letzte mal getroffen habe. Tatsächlich glaube ich, es war letztes Jahr Ende Juni, er ist für mich ja sowas wie... ja. Wie ein Lückenbüßer, im wahrsten Sinne des Wortes. Oder vielmehr ... in der Not stopft ... naja egal. Jedenfalls meine ich, dass wir uns seitdem nicht mehr getroffen hätten. Was nicht bedeutet, dass der junge Mann sich nicht meldet, oh nein.

Aber meist umschiffe ich Treffen, mehrere Monate waren dabei, in denen ich ihm erklärte: du, (immer noch) keinen Bock, ich hab Lust mich mal wieder zu verlieben, ich kann dem reinen Geficke nix mehr abgewinnen. War total ok für ihn. Größter Pluspunkt: es ist extrem unkompliziert. Auch deswegen, weil wir nichts miteinander reden. Also ich rede durchaus (er kann nur in SMS tippen - vielleicht sollten wir uns immer schreiben, wenn wir uns sehen), und versuche ihm wenigstens Geräusche abzutrotzen, denn sonst würden wir uns - abgesehen während des Sex - nur anschweigen. Manchmal kommt ein "Hm". Oder ein "Ja". Oder ein "Ne." Oder ein: "Och Babe!" Das sind die guten Tage.

Kennengelernt haben wir uns im Sommer 2012 am Hafen, bei Kar*ott*e. Unsere Begegnungen seither kann ich an einer Hand abzählen. Was unter anderem auch daran liegt, dass er eben ist wie er ist. Also wirklich, wir haben uns nix zu erzählen, können nicht gemeinsam lachen - ich weiß im Grunde gar nicht wer er ist, denn er zeigt sich nicht. ODER: da ist einfach nicht mehr.

Mit dem Frühling stieg also nun sein Hormonspiegel und somit wieder seine Hartnäckigkeit. Auf Big Ben ist Verlass. Haha! Ja. Naja. Der Frühling geht an mir ja auch nicht ganz spurlos vorbei, und so lasse ich mich Anfang Mai erweichen. Etwas geschockt bin ich ob seiner SMS, was ich denn von Hilfsmitteln beim Sex halten würde. Erst freue ich mich und denke: hmmm, niiiiiice! Doch dann schiebt er nach: Vi*ag*ra oder so. Öh. Der Hüpfer ist 6 Jahre jünger als ich. Also von seinem Vorschlag halte ich gar nichts, und das teile ich ihm auch sehr deutlich so mit.

Er erklärt mir seine Gedanken, und zum ersten mal wird mir bewusst, dass im kleinen Ben mit Sicherheit mehr passiert als nach außen dringt, und dass er hochgradig verunsichert oder auch leicht komplexig ist. Auch er hat nicht vergessen wir schnell der Spaß beim letzten mal vorbei war. Mit Engelszungen erkläre ich ihm, dass wegen SOWAS echt keine Pillen notwendig sind, und wenns nochmal so schnell geht, na dann gibt’s eben ne zweite Runde.

Unserem Treffen geht dann leider eine mich sehr enttäuschende Situation voraus, die zwar nichts mit Ben zu tun hat, letztendlich aber dazu führt, dass ich mir in seiner Anwesenheit erst einmal eine Flasche Crémant einverleibe und mich dann an meine chemischen Kühlschrankreserven mache. Derweil sehen wir <fügen Sie hier bitte dubiose Männerfilme ein, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe>. Ich frage ihn, ob ihm bei der Auswahl bewusst gewesen wäre, dass er gleich zu einer Frau fährt? „Jo“. Ich bin fast belustigt.

Es passiert, was zu erwarten war, und all das spielt an dieser Stelle nun keine Rolle, und immerhin gibt es eine zweite Runde, und am nächsten Tag geht es mir hundeelend (big surprise…) und ich bin sehr froh dass Ben noch bei Mama wohnt und zum Mittagessen nach Hause muss. Chrchrchr!

Soweit, so gut. Doch seitdem übersteigt Bens Hartnäckigkeit alles bisher dagewesene. Und zwar echt dermaßen super angesext, dass es mir zuviel ist und ich wirklich oft über seine SMS lachen muss, weil ich mir denke: das kann der doch jetzt nicht echt meinen? G. fragt mich, was mein Geheimnis sei. „Was machst du denn mit dem??? Der ist total süchtig nach dir“, und fragt wiederholt, ob meine Muschi denn wirklich nicht aus Gold sei.

An dieser Stelle muss ich leider nicht nur G. enttäuschen, sondern auch Sie: kein Gold, kein Geheimnis, keine wilden Praktiken. Absolut nichts. Einfach nur „Reittherapie“. Ich stehe selbst vor einem Rätsel, überlege aber wie ich dieses mir nicht wirklich bewusste Talent gewinnbringend einsetzen kann OHNE meinen Körper zu verkaufen. Wenn Sie eine Idee haben, lassen Sie es mich wissen.

Bis dahin wäre das alles noch absolut weitgehend typisch für Ben. Bis heute. Er meldet sich per SMS.
„Was machste am Wochenende?“
„Fahre zu Freunden nach Berlin, habe ein Patenkind bekommen.“
„Oha geil ich will auch nach Berlin :-(“
„Na du willst aber bestimmt ne wilde Sause in Berlin machen, du Hallodri.“
„Naja kommt ja immer drauf an mit wem man dort ist ;-) Hätt ich ne Partnerin wär ich ständig in irgendwelchen Städten aber mit meinen Kumpels ist es leider einfach net möglich :-(“

Erste Irritation meinerseits. Er mag Städtetrips? Hätte ihn am Ballerman verortet. Aber vielleicht meint er ja auch Jesolo, oder so.

„Wasn los mit denen, ist doch toll mal rauszukommen?“
„Alles Pfeiffen mit denen kann man nix planen und soviel mit denen ich sowas machen würd hab ich auch net bzw. sind die halt vergeben ;-) Und jetzt nimmste mich mit oder wollen wir mal sowas zusammen machen?“

Der Kollege im Büro schaut mich schräg an, weil ich laut lache. Wie, wir - sowas – zusammen machen?! Ich merke gerade, es fällt mir schwer den O-Ton seiner SMS zu tippen. Ich ertappe mich dabei wie ich Rechtschreibung und Grammatik korrigiere, aber ich gebe mir Mühe einen Teil im Original zu erhalten.

„Neeeee da kann ich dich auf keinen Fall mitnehmen. Und wir zwei nen Städtetrip???“
„Ja vielleicht. Warum nicht?“

Ich bin kurz vor der Schockstarre:
„Naja mal ganz ernsthaft: was machen wir denn da?“
„Was man halt in so ner Stadt macht, Sachen anschauen, vll mal feiern gehen. Wir schlafen in einem Bett und so wie ich uns kenne haben wir auch Sex. Ich hab doch auch kA wenn du kein Bock hast auf sowas sags doch war ne ganz easy Frage ;-)“

Ich bin ein bisschen beruhigt, frage mich aber immer noch, ob er das denn sein Ernst sein kann, und ob er denn auch bei unseren bisherigen Treffen dabei war und mitbekommen hat, wie still es ohne mich wäre?!? Immer noch wabert ein bisschen Fassungslosigkeit durch meinen Geist angesichts dieser unterschiedlichen Sichtweisen.

Ich beschließe erst einmal Spargel und Kartoffeln zu kochen. Das Handy plingt erneut.
„Ich weiß auch net, ich will dich jetzt auch net verunsichern aber ich denk in letzter Zeit schon öfter ma über uns nach.“

Meine Katze hat eine sehr sympathische Eigenart. Wenn sie in ihrem Versteck sitzt und jemand den sie nicht gut kennt ist bei mir zu Besuch und will sie an den Pfoten streicheln, dann zieht sie ihre Pfote und auf eine sehr mysteriöse Art und Weise irgendwie auch gleichzeitig ihren ganzen Körper in seeeeehr langsamen Zeitlupen Moon-Walk weg von dieser Person, während sie sie völlig pikiert mit RIESIGEN Mondaugen anstarrt nach dem Motto: so lange ich dir in die Augen starre merkst du nicht wie ich mich gaaaaaaaanz langsam von dir entferne, HARHARHAR du widerliches Menschenwesen!

Ich bin die Katze. Die SMS ist das Menschenwesen. Ich höre mich zu mir selbst sehr langsam sagen: „Oooo---keeeeee?!?“ Ich kucke entsetzt (aber langsam, eh klar). Erst nach links oben. Dann nach rechts oben. Dann starre ich in mich hinein. In Zeitlupe lege ich das Handy zurück auf den Wohnzimmertisch und bewege mich laaangsaaaaam seeiiiiitwääääääärts in die Küche. Dort angekommen traue ich mich zu blinzeln. Gaaaaanz langsam fange ich an den Spargel zu schälen. Aber bloss nicht die Deckung aufgeben.

Nach dem Essen schreibe ich: „Über uns… beim Sex? :-D“

Ich werde jetzt ins Bett gehen. Mit einer Antwort rechne ich heute nicht mehr.


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Mai-Musik - ohne großen Bezug zu Ben, aber dafür zu den anderen Dingen, die da waren.


~ &Me - Locust


~ Red Axes - Too late to samba