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Mittwoch, 22. April 2015
okavanga, 22:54h
S(m)ich selbst zu mögen ist immer noch die größte Aufgabe (daran scheiter ich gerade mit Bravour. Wie lange kann ich es kaschieren vor ihm? Schon zu spät, schätze ich. Auch keine Lust auf Sex. Ich. Keine Lust. Auf Sex. Ich. Nicht mal mit mir selbst. Seit ..vielen Wochen).
Dann kommt das mit Mama und allem.
Würde gern viel erzählen, aber weiß schon gar nicht mehr wo anfangen. Und dann.. lass ichs einfach. Vorerst.
Dann kommt das mit Mama und allem.
Würde gern viel erzählen, aber weiß schon gar nicht mehr wo anfangen. Und dann.. lass ichs einfach. Vorerst.
Montag, 2. März 2015
okavanga, 22:56h
Montag, 23. Februar 2015
11 Jahre
okavanga, 01:12h
Bedingt durch das Neuorientierungsprojekt habe ich öfters an das Land gedacht, in den letzten Monaten. Aber nie mit viel Emotion. Eher sehr rational, und "eh gesponnen."
Vielleicht liegt es an der Wind-Sauna. Vielleicht an der plötzlichen Erinnerung an den Abertausendsternehimmel. Und weil ich bei der Suche nach einem ganz bestimmten Blogartikel, den ich jetzt nicht gefunden habe, aber egal.. über diesen einen anderen Beitrag gestolpert bin, und dann auf dieses Lied von Indecent Obsession. Kiss me.
Auf einmal ist alles da, mit voller Wucht und aller Emotion. Ich kann sein Haargel riechen. Kann hören wie das Bett im Wohnheim knarzt. Rieche die Weinberge von Ste*llenbosch. Schmecke das Salz auf den Lippen in Somerset West. Sitze auf den roten Dünen der Namib im Sonnenaufgang. Fürchte mich vor Krokodilen im Delta. Weine in Etosha um meine Beziehung und schlafe im Zelt mit meinem holländischen Tentmate. Fahre mit einem anderen Holländer in einem Schlafwagen durch die afrikanische Nacht, um uns nichts, nur Sterne, von den Viktoriafällen nach Bulawayo.
Erinner mich an Braais, an Susan, und an den armen Stipendiaten aus Botswana. An Apartheid in Köpfen und elend lange Townships.
An den Geruch von Raubtierscheisse. An die Geräusche der afrikanischen Buschnacht. Und an soviel mehr. Plötzlich an so unfassbar viele Dinge, und Details. An den Puma auf dem Käppi des einen Holländers. An den Schmetterling bei den Fällen. An das rote T-Shirt einer Belgierin. An S.' abendliche Lockenwicklersessions. An Muse. Brenda Fassie. Eine Monsterkakerlake auf meinem Badetuch im Wohnheim.
Ich kann es nicht glauben. Wo sind meine Tagebücher von damals? Gibt es sie noch, irgendwo?
Es macht mir Angst, wie groß diese Sehnsucht ist.
Vielleicht liegt es an der Wind-Sauna. Vielleicht an der plötzlichen Erinnerung an den Abertausendsternehimmel. Und weil ich bei der Suche nach einem ganz bestimmten Blogartikel, den ich jetzt nicht gefunden habe, aber egal.. über diesen einen anderen Beitrag gestolpert bin, und dann auf dieses Lied von Indecent Obsession. Kiss me.
Auf einmal ist alles da, mit voller Wucht und aller Emotion. Ich kann sein Haargel riechen. Kann hören wie das Bett im Wohnheim knarzt. Rieche die Weinberge von Ste*llenbosch. Schmecke das Salz auf den Lippen in Somerset West. Sitze auf den roten Dünen der Namib im Sonnenaufgang. Fürchte mich vor Krokodilen im Delta. Weine in Etosha um meine Beziehung und schlafe im Zelt mit meinem holländischen Tentmate. Fahre mit einem anderen Holländer in einem Schlafwagen durch die afrikanische Nacht, um uns nichts, nur Sterne, von den Viktoriafällen nach Bulawayo.
Erinner mich an Braais, an Susan, und an den armen Stipendiaten aus Botswana. An Apartheid in Köpfen und elend lange Townships.
An den Geruch von Raubtierscheisse. An die Geräusche der afrikanischen Buschnacht. Und an soviel mehr. Plötzlich an so unfassbar viele Dinge, und Details. An den Puma auf dem Käppi des einen Holländers. An den Schmetterling bei den Fällen. An das rote T-Shirt einer Belgierin. An S.' abendliche Lockenwicklersessions. An Muse. Brenda Fassie. Eine Monsterkakerlake auf meinem Badetuch im Wohnheim.
Ich kann es nicht glauben. Wo sind meine Tagebücher von damals? Gibt es sie noch, irgendwo?
Es macht mir Angst, wie groß diese Sehnsucht ist.
Freitag, 20. Februar 2015
okavanga, 11:41h
Eine Woche, die so endet wie sie angefangen hat, und in der ich trotz mörderischem Sportkurs nicht weiß wohin mit all den Schreien, die geschrieen werden wollen.
Sonntag, 8. Februar 2015
Der Mann, Mutter und Tochter Dinge und Dämonen
okavanga, 00:01h
Seit einigen Stunden wälze ich nun die Gedanken: schreibe ich, oder schreibe ich nicht? Hat Berenike nicht doch recht, und die Dämonen werden vielleicht kleiner oder verlieren an Kraft, wenn ich sie nur laut ausspreche? Aber was will ich eigentlich sagen? Wo fange ich an? Was ist eigentlich mein Problem, habe ich überhaupt eines?
Ich bin ein neidischer, missgünstiger und eifersüchtiger Mensch, wie es scheint. Während der Mann bei strahlendem Sonnenschein mit einem Freund Skifahren ist, zerfleische ich mich selbst mit unterschiedlichsten Szenarien der sich selbsterfüllenden Prophezeiung.
Als erstes muss ich fast kotzen als er mir heute Morgen ein Foto von gleißendem Licht über Puderzucker sendet. "Du musst lernen dich für andere zu freuen", sagt LeSchwe. Ja, normalerweise kann ich das ja auch. In diesem Fall irgendwie nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich mir sein Leben einfach nicht leisten kann. Und immer nur danebenstehen und zuschauen ist ziemlich ätzend. Ja, ich übertreibe. Bisher gab es davon nicht viele Situationen. Aber wie er über Geld redet und wie er es ausgibt, lässt mich mit einem beschissenen Gefühl zurück.
Also stürze ich mich lieber auf ein neues Szenario. Sein Umzug in die bayerische Landeshauptstadt. Inzwischen habe ich versucht mich damit anzufreunden, dass es nun mal ist wie es ist, und wollte guten Willen signalisieren, indem ich letztes Wochenende fragte: "Weißt du eigentlich schon, wann du umziehen willst? Am letzten Februar- oder am ersten Märzwochenende?"
Er: "Hm nein, ich weiß noch nicht, warum?"
Ich: "Naja, ich fragte mich, ob du mich dann gerne dabei hättest, und ich dir dabei helfe?"
Das entspricht bei mir einer inneren Revolution: ich signalisiere Akzeptanz und gehe auf ihn zu, und riskiere ein "nein". Womit ich nicht gerechnet habe ist, dass da tatsächlich ein nein kommt:
"Da sind aber auch die ganze Zeit meine Eltern. Ich habe mir das Treffen immer anders vorgestellt. Das fände ich komisch. Es ist doch besser wenn wir da erst einmal für eine Stunde auf einen Kaffee hinfahren oder so. Aber wir können uns ja dann am Wochenende danach sehen." Ja. Toll. Dann sehen wir uns drei Wochen nicht. Das ist prima.
Ich versuchte zu erklären, dass ich mir über seine Eltern gar keine Gedanken gemacht hätte, und dass ich es vielleicht sogar angenehmer fände sich in einer Situation zu treffen, in der es etwas zu tun gibt und in der nicht alle steif am Kaffeetisch sitzen.
Lange Rede: Bei mir kam an: auf gar keinen Fall!
Ich war dermaßen getroffen und überfahren, dass ich seine Frage nach dem Gutenachtkuss verneinte und mich von ihm wegdrehte. Er schlief anscheinend gar nicht, ich schon, jedenfalls bis 5 Uhr. Da erwachte ich in versöhnlicher Stimmung und wir klärten das Thema - vorerst. Denn obwohl er beteuerte, dass es sich dabei um ein absolutes Missverständnis handele und er es einfach sehr schwierig fände und seine Eltern kompliziert seien was Kennenlernen angeht (seine Schwester scheint da auch irgendwie Probleme zu haben, irgendwie ist das Thema Eltern bei beiden eine Tretmine), so blieb bei mir ein ungutes Restgefühl. Mit diesem konfrontierte ich ihn dann auch am Dienstag am Telefon:
"Weißt du, ich habe das Gefühl, dass du vielleicht doch irgendwas vor mir verstecken willst, aber gleichzeitig weiss ich, dass das natürlich nicht so ist." Ach ja, weiß ich das? Heute scheine ich das komplett vergessen zu haben. Denn mich quält die Frage: vielleicht ja doch? Und vielleicht wird dann seine tolle beste Freundin E., die ja in der Hauptstadt wohnt, ihm dann beim Umzug helfen. Die darf das bestimmt. Und ich sitze hier und bin außen vor, fühle mich ausgeschlossen. Und soll er doch dann kommendes WE mit der tollen E. zu Ikea fahren und das erste Ding für die Wohnung kaufen, so wie er es mit mir vor hatte. Mir scheißegal. Und ich steiger mich so rein, dass ich am liebsten sofort simsen würde: fick dich, frag doch die tolle E. ob sie mit dir nächstes Wochenende zu Ikea fährt!
Auf dem Höhepunkt meiner Selbstzerfleischung ruft meine Mutter an. Auch das noch, denke ich mir. Gerade vor diesem Hintergrund ist es mir schier unbegreiflich, was genau an Kompliziertheit er von mir fernhalten will. Komplizierte Familie, das kann ich. Gut, er weiß davon nichts. Weder davon, welche Krankheit meine Mutter hat, noch davon, wie absolut gestört das Verhältnis meines Vaters und mir war. Ja, er weiß ein bisschen ("Mama ist krank", aber ich glaube er denkt, es ist Krebs o.ä.). Und ich weiß etwas von seinem Verhältnis zu seinen Eltern, was mir quasi lächerlich unbelastet erscheint, aber ich denke anscheinend ja ständig, dass ich die Oberarschkarte habe. Aber ich hasse ihn dafür, dass E. sicher helfen darf, und ich .. einfach .. nicht gefragt sein werde. Ich bin mir sicher, dass es so sein wird, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Wie auch immer...
Mama: "Hallo Tochter, du wolltest doch mal anrufen."
Ich: "Ja ich weiß. Tut mir leid."
Es ist wortkarg. Stumm heule ich. Sie erzählt von ihrer "Folter", wie "die sie malträtieren". Und noch mehr finde ich den Mann in seinem vermeintlichen Elterndrama zum kotzen, aber was weiß ich schon wie gestört die Verhältnisse von Kindern aus augenscheinlich gesunden Ehen zu ihren Eltern sein können.
Während des Gesprächs mit Mama, der ich von meinem Thema berichte, geschieht etwas wunderbares: es hilft mir mit ihr zu reden. Trotz allem ist es immer noch so, dass sie meine Mama ist. Auch wenn sie irre ist. Ebenso erstaunlich (wie allerdings auch erschreckend) finde ich, dass sie die Geschichte von der sich selbsterfüllenden Prophezeiung nicht kennt, und dass sie laut lacht, als ich sie erzähle. Denn meiner Meinung nach ist sie eine Meisterin auf diesem Gebiet, bei der ich mir das gut abkucken konnte. Sie war so lange in Analyse und weiß manchmal so erstaunlich wenig von sich.
Bei all den Dingen, Ängsten und Gedanken, die ich von mir preisgebe bzgl. meiner aktuellen Situation mit dem Mann, meint sie, dass das nicht gut ist (was ich ja weiß: ich weiß, dass es nicht gut ist dann auf Rache zu sinnen im Sinne von: dann fahre ich eben am Umzugswochenende Ski, das hat er dann davon; oder: dann ruf ich jetzt eben den kleinen Benjamin zum Vögeln an, das hat er dann davon. Oder: dann dröhn ich mich halt endlich mal wieder richtig zu, was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß! Ja, ich weiß dass das alles nur mich selbst und diese Beziehung langsam aber sicher zerstören würde, und trotzdem....) - aber ich frage mich ob ihr klar ist, dass sie genauso, nein, krasser ist in diesen Dingen. So krass, dass sie eben nie wieder eine richtige Bindung eingangen ist seit vielen Jahren.
Und ich würde auch gerne wegrennen. Von all dem. Nach dem Gespräch mit ihr schaue ich auf mein Handy. Eine sms hat mich erreicht von dem Mann: "Hallo schöne Frau, ich würde jetzt gerne mit dir Lotto spielen. M."
Und bei mir kommt an: dann hättest du wenigstens Kohle, und wir könnten sowas zusammen erleben.
Wieder bin ich schwer in Versuchung zu schreiben: Fick dich und such dir einfach ne reiche Freundin, such doch am besten gleich vor Ort - die, die da sind, können es sich anscheinend leisten.
Ich tue es nicht. Aber es tut mir weh, was er da schreibt. Ich weiß nicht wie ich es sonst auffassen soll, und ich will das jetzt auch nicht per sms klären. Ich will dann immer gar nichts mehr klären, sondern mich einfach rausziehen, nicht mehr erreichbar sein, für Tage, Wochen, am besten für immer. Zurück in mein Schneckenhaus, bis einer drauftritt und ich trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört bin.
Ich habe Angst, dass ich werde wie meine Mutter. Bitter. Mit dem Gefühl, immer nur der Verlierer in dem Spiel sein. Meinem Vater habe ich vor einiger Zeit von meinen missgünstigen Gefühlen erzählt. Er sagte nur: pass auf, dass du nicht wirst wie deine Mutter. Und ich weiß, dass er recht hat. Meine Mutter hatte immer das Gefühl sie kommt zu kurz. (Sie hatte es sogar so sehr, dass sie meinen Bruder und ich auseinanderreissen wollte bei der Trennung meiner Eltern, damit nicht nur sie die ganze Arbeit hat. Mein Vater soll sich schließlich kein Leben in Saus und Braus machen, während sie sich an diesen Kindern aufreibt.) Das habe ich zur Zeit auch. Und zwar wahrscheinlich völlig ungerechtfertigt.
Und obwohl oder gerade weil ich das rational alles weiß, macht es mich fertig, dass diese Gedanken trotzdem da sind, dass sie nicht weggehen. Dass sie mich einfach weiterquälen und ich es nicht schaffe ihnen Einhalt zu gebieten. Denn mal ganz ehrlich: vielleicht sind manche Sachen auch einfach nur scheisse von ihm. Vielleicht ist er ja doch einer, der nur an sich denkt. Einer dem eben alles zufliegt. Und ich steh daneben und kämpf mir einen ab einen, meinen Weg zu finden. Und kann nicht mithalten.
Ich bin ein neidischer, missgünstiger und eifersüchtiger Mensch, wie es scheint. Während der Mann bei strahlendem Sonnenschein mit einem Freund Skifahren ist, zerfleische ich mich selbst mit unterschiedlichsten Szenarien der sich selbsterfüllenden Prophezeiung.
Als erstes muss ich fast kotzen als er mir heute Morgen ein Foto von gleißendem Licht über Puderzucker sendet. "Du musst lernen dich für andere zu freuen", sagt LeSchwe. Ja, normalerweise kann ich das ja auch. In diesem Fall irgendwie nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich mir sein Leben einfach nicht leisten kann. Und immer nur danebenstehen und zuschauen ist ziemlich ätzend. Ja, ich übertreibe. Bisher gab es davon nicht viele Situationen. Aber wie er über Geld redet und wie er es ausgibt, lässt mich mit einem beschissenen Gefühl zurück.
Also stürze ich mich lieber auf ein neues Szenario. Sein Umzug in die bayerische Landeshauptstadt. Inzwischen habe ich versucht mich damit anzufreunden, dass es nun mal ist wie es ist, und wollte guten Willen signalisieren, indem ich letztes Wochenende fragte: "Weißt du eigentlich schon, wann du umziehen willst? Am letzten Februar- oder am ersten Märzwochenende?"
Er: "Hm nein, ich weiß noch nicht, warum?"
Ich: "Naja, ich fragte mich, ob du mich dann gerne dabei hättest, und ich dir dabei helfe?"
Das entspricht bei mir einer inneren Revolution: ich signalisiere Akzeptanz und gehe auf ihn zu, und riskiere ein "nein". Womit ich nicht gerechnet habe ist, dass da tatsächlich ein nein kommt:
"Da sind aber auch die ganze Zeit meine Eltern. Ich habe mir das Treffen immer anders vorgestellt. Das fände ich komisch. Es ist doch besser wenn wir da erst einmal für eine Stunde auf einen Kaffee hinfahren oder so. Aber wir können uns ja dann am Wochenende danach sehen." Ja. Toll. Dann sehen wir uns drei Wochen nicht. Das ist prima.
Ich versuchte zu erklären, dass ich mir über seine Eltern gar keine Gedanken gemacht hätte, und dass ich es vielleicht sogar angenehmer fände sich in einer Situation zu treffen, in der es etwas zu tun gibt und in der nicht alle steif am Kaffeetisch sitzen.
Lange Rede: Bei mir kam an: auf gar keinen Fall!
Ich war dermaßen getroffen und überfahren, dass ich seine Frage nach dem Gutenachtkuss verneinte und mich von ihm wegdrehte. Er schlief anscheinend gar nicht, ich schon, jedenfalls bis 5 Uhr. Da erwachte ich in versöhnlicher Stimmung und wir klärten das Thema - vorerst. Denn obwohl er beteuerte, dass es sich dabei um ein absolutes Missverständnis handele und er es einfach sehr schwierig fände und seine Eltern kompliziert seien was Kennenlernen angeht (seine Schwester scheint da auch irgendwie Probleme zu haben, irgendwie ist das Thema Eltern bei beiden eine Tretmine), so blieb bei mir ein ungutes Restgefühl. Mit diesem konfrontierte ich ihn dann auch am Dienstag am Telefon:
"Weißt du, ich habe das Gefühl, dass du vielleicht doch irgendwas vor mir verstecken willst, aber gleichzeitig weiss ich, dass das natürlich nicht so ist." Ach ja, weiß ich das? Heute scheine ich das komplett vergessen zu haben. Denn mich quält die Frage: vielleicht ja doch? Und vielleicht wird dann seine tolle beste Freundin E., die ja in der Hauptstadt wohnt, ihm dann beim Umzug helfen. Die darf das bestimmt. Und ich sitze hier und bin außen vor, fühle mich ausgeschlossen. Und soll er doch dann kommendes WE mit der tollen E. zu Ikea fahren und das erste Ding für die Wohnung kaufen, so wie er es mit mir vor hatte. Mir scheißegal. Und ich steiger mich so rein, dass ich am liebsten sofort simsen würde: fick dich, frag doch die tolle E. ob sie mit dir nächstes Wochenende zu Ikea fährt!
Auf dem Höhepunkt meiner Selbstzerfleischung ruft meine Mutter an. Auch das noch, denke ich mir. Gerade vor diesem Hintergrund ist es mir schier unbegreiflich, was genau an Kompliziertheit er von mir fernhalten will. Komplizierte Familie, das kann ich. Gut, er weiß davon nichts. Weder davon, welche Krankheit meine Mutter hat, noch davon, wie absolut gestört das Verhältnis meines Vaters und mir war. Ja, er weiß ein bisschen ("Mama ist krank", aber ich glaube er denkt, es ist Krebs o.ä.). Und ich weiß etwas von seinem Verhältnis zu seinen Eltern, was mir quasi lächerlich unbelastet erscheint, aber ich denke anscheinend ja ständig, dass ich die Oberarschkarte habe. Aber ich hasse ihn dafür, dass E. sicher helfen darf, und ich .. einfach .. nicht gefragt sein werde. Ich bin mir sicher, dass es so sein wird, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Wie auch immer...
Mama: "Hallo Tochter, du wolltest doch mal anrufen."
Ich: "Ja ich weiß. Tut mir leid."
Es ist wortkarg. Stumm heule ich. Sie erzählt von ihrer "Folter", wie "die sie malträtieren". Und noch mehr finde ich den Mann in seinem vermeintlichen Elterndrama zum kotzen, aber was weiß ich schon wie gestört die Verhältnisse von Kindern aus augenscheinlich gesunden Ehen zu ihren Eltern sein können.
Während des Gesprächs mit Mama, der ich von meinem Thema berichte, geschieht etwas wunderbares: es hilft mir mit ihr zu reden. Trotz allem ist es immer noch so, dass sie meine Mama ist. Auch wenn sie irre ist. Ebenso erstaunlich (wie allerdings auch erschreckend) finde ich, dass sie die Geschichte von der sich selbsterfüllenden Prophezeiung nicht kennt, und dass sie laut lacht, als ich sie erzähle. Denn meiner Meinung nach ist sie eine Meisterin auf diesem Gebiet, bei der ich mir das gut abkucken konnte. Sie war so lange in Analyse und weiß manchmal so erstaunlich wenig von sich.
Bei all den Dingen, Ängsten und Gedanken, die ich von mir preisgebe bzgl. meiner aktuellen Situation mit dem Mann, meint sie, dass das nicht gut ist (was ich ja weiß: ich weiß, dass es nicht gut ist dann auf Rache zu sinnen im Sinne von: dann fahre ich eben am Umzugswochenende Ski, das hat er dann davon; oder: dann ruf ich jetzt eben den kleinen Benjamin zum Vögeln an, das hat er dann davon. Oder: dann dröhn ich mich halt endlich mal wieder richtig zu, was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß! Ja, ich weiß dass das alles nur mich selbst und diese Beziehung langsam aber sicher zerstören würde, und trotzdem....) - aber ich frage mich ob ihr klar ist, dass sie genauso, nein, krasser ist in diesen Dingen. So krass, dass sie eben nie wieder eine richtige Bindung eingangen ist seit vielen Jahren.
Und ich würde auch gerne wegrennen. Von all dem. Nach dem Gespräch mit ihr schaue ich auf mein Handy. Eine sms hat mich erreicht von dem Mann: "Hallo schöne Frau, ich würde jetzt gerne mit dir Lotto spielen. M."
Und bei mir kommt an: dann hättest du wenigstens Kohle, und wir könnten sowas zusammen erleben.
Wieder bin ich schwer in Versuchung zu schreiben: Fick dich und such dir einfach ne reiche Freundin, such doch am besten gleich vor Ort - die, die da sind, können es sich anscheinend leisten.
Ich tue es nicht. Aber es tut mir weh, was er da schreibt. Ich weiß nicht wie ich es sonst auffassen soll, und ich will das jetzt auch nicht per sms klären. Ich will dann immer gar nichts mehr klären, sondern mich einfach rausziehen, nicht mehr erreichbar sein, für Tage, Wochen, am besten für immer. Zurück in mein Schneckenhaus, bis einer drauftritt und ich trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört bin.
Ich habe Angst, dass ich werde wie meine Mutter. Bitter. Mit dem Gefühl, immer nur der Verlierer in dem Spiel sein. Meinem Vater habe ich vor einiger Zeit von meinen missgünstigen Gefühlen erzählt. Er sagte nur: pass auf, dass du nicht wirst wie deine Mutter. Und ich weiß, dass er recht hat. Meine Mutter hatte immer das Gefühl sie kommt zu kurz. (Sie hatte es sogar so sehr, dass sie meinen Bruder und ich auseinanderreissen wollte bei der Trennung meiner Eltern, damit nicht nur sie die ganze Arbeit hat. Mein Vater soll sich schließlich kein Leben in Saus und Braus machen, während sie sich an diesen Kindern aufreibt.) Das habe ich zur Zeit auch. Und zwar wahrscheinlich völlig ungerechtfertigt.
Und obwohl oder gerade weil ich das rational alles weiß, macht es mich fertig, dass diese Gedanken trotzdem da sind, dass sie nicht weggehen. Dass sie mich einfach weiterquälen und ich es nicht schaffe ihnen Einhalt zu gebieten. Denn mal ganz ehrlich: vielleicht sind manche Sachen auch einfach nur scheisse von ihm. Vielleicht ist er ja doch einer, der nur an sich denkt. Einer dem eben alles zufliegt. Und ich steh daneben und kämpf mir einen ab einen, meinen Weg zu finden. Und kann nicht mithalten.
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