Montag, 5. Oktober 2015
Heute in der Arbeit vergesse ich alle 10 Minuten, was ich eigentlich machen wollte. Ein wunder, wenn ich hier gleich bis "Veröffentlichen" komme.

Auf der Suche nach einer runtergeladenen Datei im Download-Ordner ausversehen den Blick auf das Miniaturfoto mit uns beiden in Südfrankreich geworfen. Irgendwie begreif ich das alles gar nicht.

Traurigkeit hat einen Geschmack. Ich weiß nicht, ob Sie den auch kennen. Es ist wirklich so, dass tiefer Kummer bei mir einen ganz bestimmten Geschmack verursacht. Lang nicht mehr geschmeckt.

Als ich meine Mailbox abhöre und keine Ahnung wie lang nach Ende der Sprachnachricht immer noch den Hörer wie gebannt ans Ohr halte und aus dem Fenster starre, ist es dann zum Glück auch Zeit nach Hause zu gehen. An den Inhalt der Nachricht kann ich mich nicht erinnern.


Nicht absaufen jetzt. Du wusstest doch selbst nicht mehr wie dir geschieht in dieser Beziehung. Lass es los, aber lass dich nicht gehen. Ich weiß, du willst den Geschmack loswerden. Aber der wird jetzt einfach noch ne ganze Weile da sein.

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Sonntag, 4. Oktober 2015
Nachdem mir gestern der mehrstündige Spaziergang mehr als nur gut getan hat, bewirkt ein solcher heute kaum etwas. Umso schwerer fällt es mir mich am Abend aufzuraffen für das Science Slam. Ein Kollege hat bereits vor mehreren Wochen Karten besorgt und eigentlich wollten der Mann und ich gemeinsam dort hin.

Nun stehen da nur Kollege M., seine zwei Kids im Alter von 16 und 14 und ich. "Hey, warum kommst du nun doch alleine???" begrüßt mich M. "Naja... was soll ich sagen... solo, hmm"... mir steigen die Tränen in die Augen. "Heee...." der Kollege ist ein bisschen verlegen, die Kids erstrecht, und wir entschließen uns dazu reinzugehen.

Der erste Beitrag läuft außer Konkurrenz und wird von ausgerechnet von einem Juristen vorgetragen. Das hätte dem Mann gefallen. Sehr sogar. Es ist schade, hier ohne ihn zu sein.

Am Ende des Abends bin ich guter Laune, es war unterhaltsam und abwechslungsreich, und nicht zuletzt hier merke ich, wie neugierig ich bin auf Neues, wie wissbegierig und hungrig auf Lernen. Gut so, das brauche ich, sonst werden die nächsten Jahre schwer. Ein dickes Plus bekommt auch das letzte Glas Wein. "Ich glaub, der Junge war nicht beim Briefing dabei als es darum ging wieviel man einschenkt" lacht M. und stellt mir ein randvolles Glas hin. Hoch die Tassen.

Es ist kurios wie ich oft genau im richtigen Moment die richtigen Menschen treffe. Im Lauf des Abends verabschieden sich M.'s Kinder, für die is das einfach nix. Wärs für mich in dem Alter auch nich gewesen, aber es war schön dass sie dabei waren. Jedenfalls stehe ich so nach der Veranstaltung allein mit M. vor meinem Fahrrad in der echt lauen Herbstnacht und wir kommen ins Reden. Das was ich für mich mitnehme und was wir reden ist sehr intim, und es wundert mich als ich mich auf seine Frage, ob ich jemanden zum Reflektieren habe, sagen höre: ja, ich hocke jetzt beim 6. Therapeuten. Es schein ihn weder zu wundern noch zu schockieren. Er sitzt auch bei jemandem, allerdings einige Kilometer entfernt.

Er sagt mir ganz wundbare Dinge, von denen ich so viel mehr als Wahrheiten annehmen kann als noch vor einigen Jahren, dass ich mich allein darüber freue. Und ich freue mich über die feste und lange Umarmung, dass er mich wiegt und mir so schöne Dinge ins Ohr flüstert.

Irgendwann werde ich mir reichen. Das bin ich mir schuldig.

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Freitag, 2. Oktober 2015
Wir sind in Südafrika am Meer. Es ist aber nicht sommerlich, eher Winterzeit, er sagt, Ende November, auch wenn das nicht passen kann. Der Himmel ist grau, aber es ist nicht wirklich kalt. Schön ist es. Das Meer steht sehr hoch, die Wellen kommen mit jedem mal weiter auf uns zu, bis sie uns plötzlich um die Füße spülen und wir rennen ausgelassen weg. Dann bleiben wir stehen und halten uns fest im Arm. "Können wir nicht einfach weitermachen?", frage ich. "Wir können auch nochmal anfangen uns neu zu treffen, und das Produkt* gemeinsam aufbauen", antwortet er. Ich halte ihn fest und bin froh, bis ich aufwache.


[*SA*P H*ANA, weiß ich im Traum - wieso auch immer mein Unterbewusstsein genau das mit ihm aufbauen will. Aber einer meiner Coachees will hier mehr Wissen aufbauen. Was das im Traum zu suchen hat... naja. Aufbau bleibt Aufbau]

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Donnerstag, 1. Oktober 2015
Ich hänge vorhin mit dem Kopf über dem Waschbecken und werfe mir kaltes Wasser ins Gesicht. Als ich meinen Kopf nach rechts wende damit die Haare nicht nass werden und ich dann den Wasserhahn ausstelle, entdecke ich auf meinem Haarspray eine kostenloste Service Hotline Nummer. Ich sollte da anrufen, ist mein erster Gedanken. Und mein zweiter: ob da echt Leute anrufen? Was erzählen sie da? „Ja schönen guten Tag, ich bräuchte bitte Hilfe beim Befestigen meines Ponies. Ich habe schon alles versucht aber Ihr Produkt schafft es einfach nicht.“ „Das ist gar kein Problem, nennen Sie mir doch bitte die gewünschten Lageparameter des Ponies.“

Dann gehe ich wieder ins Bett.

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Donnerstag, 1. Oktober 2015
Und plötzlich war er weg. Einfach so, bin ich versucht zu sagen. Auch wenn das nicht stimmt. Aber dann halt doch. Weg. Eine Frage von weniger als 10 Minuten. So schnell geht das.

Es ist schwer bis unmöglich mir nicht selbst den Stempel der Versagerin draufzudrücken.

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