Mittwoch, 2. September 2015
Kaufen kaufen kaufen.
Wenn ich tatsächlich mal einen Sender schaue der Werbepausen bringt, dann muss ich in diesen Werbeblöcken wegschalten. Nicht, weil es mich langweilt oder nicht interessiert - also das auch - aber es macht mich extrem aggressiv. Allein schon vom Zuhören, wenn ich nicht hinschaue weil ich Wäsche aufhänge oder eine Nachricht tippe: die Melodien, die Stimmen, die Texte. Unerträglich! Wie halten andere Menschen das aus?

Tatsächlich bin ich auch relativ konsumresistent. Ich kaufe mir selten neue Kleidung, Haushaltsgegenstände oder Elektrogeräte. Vieles erbe ich aus dem Freundeskreis: die meisten wollen immer das neueste Handymodell und vermachen mir ihr altes. Oder sie wollen neues Geschirr, dann bekomme ich das alte. Oder sie haben nun einen Induktionsherd, dann bekomme ich die alten Töpfe. Sogar zu meiner Anlage samt Boxen bin ich auf diese Art und Weise gelangt. Dabei schwatze ich das den Leuten echt nie ab. Die kommen immer aktiv auf mich zu. Wenn ich etwas kaufe versuche ich mich immer zu fragen: brauche ich das jetzt echt? Wielang oder wie oft kann ich das verwenden? Kann ich mir da auch irgendwo leihen oder alt geben lassen? Wenn eine Hose ein Loch hat, werfe ich sie nicht weg sondern bringe sie zur Schneiderin (ein Hoch auf sie, sie hat begnadete Hände). Ich habe immer noch die Badetücher, die meine Mutter mir vor 16 Jahren für die erste eigene Wohnung geschenkt hat, ebenso den Bratwender, die Auflaufform, ... Eklig? Hm. Über die Jahre kamen natürlich auch immer mal vereinzelt neue Dinge hinzu. Trendy und immer auf dem neuesten Stand bin ich sicher nicht. Allerdings vermisse ich auch absolut nichts (außer mehr Urlaubstage).

Dabei geht es mir primär gar nicht um das Finanzielle. Zum einen hasse ich shoppen. Wenig löst in mir größeres Unverständnis aus als die Aussage "wir gehen am Samstag shoppen" - wann wurde das eine Freizeitaktivität? Ganz zu schweigen von diesem nicht nachvollziehbaren angeblichen Schuh-Tick von Frauen. Wer hat das erfunden? Ist das echt so? Schuhe, echt? Also nichts gegen gute Schuhe, aber warum so viele?? Zum anderen weil eh schon genug Ressourcen verschleudert werden. Auch die Amazon-/ Online-Bestell-Besessenheit ist völlig an mir vorübergegangen.

Weniger resisten bin ich dagegen bei Büchern und Essen. [Ergänzung: und Hauschka-Produkten. Bisschen Weib is auch in mir.] Aber da find ich mein Geld auch ganz gut investiert.

Wie handhaben Sie das?

~ Die Toten Hosen - Kauf mich






Dienstag, 25. August 2015
In der Schwebe.
Unser Streit begann ganz klassisch. Nachts im Auto. Ich auf dem Beifahrersitz. Mehr muss ich vermutlich gar nicht erläutern.

Ich persönlich befürworte ja Streit in Beziehungen. Ich bin ein Gegner sachlicher Diskussionen. Da bleibt oft vieles (an Emotionen) verborgen, unter dem Teppich, und gärt da weiter vor sich hin. Damit meine ich keinesfalls Ehrverletzung oder Respektlosigkeit, sondern eben ein ordentliches Gewitter. Der Mann kann und mag das nicht. Er braucht dann Signale der Versöhnlichkeit, bevor wir ins Bett oder auseinander gehen. Ich kann und brauche das nicht immer. Wenn ich wütend bin, kann ich oft nicht aus meiner Haut, und erwarte auch vom anderen keine versöhnlichen Signale. Dann WILL ich sauer sein.

Schwierig wird das wenn einer spürt, dass die Basis gerade auf sehr wackligen Füßen steht. Deswegen verstehe ich im Nachhinein, warum er dieses Signal gebraucht hätte. Er spürt die ganze Zeit was mit mir los ist, dass ich mich entziehe, dass er nicht mehr sicher sein kann, ob ich gerne mit ihm zusammen bin. Das tut mir wahnsinnig leid, denn ich will ihm nicht weh tun.

Gestern am Telefon bestätige ich ihm alles was er spürt, es bricht sehr ehrlich und mit nassen Augen aus mir heraus, auch wenn ich panische Angst habe vor den möglichen Konsequenzen.

Er sagt, er braucht eine Perspektive. Die kann ich ihm aber nicht geben. Es gibt keine Erfolgsgarantie in Beziehungen, und für Therapien auch nicht. Ich habe permanent das Gefühl Erwartungen, Wünsche nicht erfüllen zu können, auch wenn ich es so gerne würde. Aber ich bin keine Maschine, bei der ein gewisser Input dann auch einen positiven Output liefert. Ich verstehe, dass er eigentlich nur ein JA ICH WILL von mir braucht. Und irgendwo ist das auch da. Vielleicht. Manchmal spüre ich das deutlich. Und dann habe ich wieder Abwehr und Abneigung. Sehen Sie? Ich auch nicht. Und erstrecht nicht, weil die ganzen letzten Monate wirklich wahnsinnig schön waren. Alles war gut.

Gestern sagt er, dass er nicht weiß, ob er das alles mitgehen kann. Das macht mir Angst, löst zusätzlichen Druck in mir aus, und gleichzeitig irgendwie auch Erleichterung. Als würde da etwas in mir nur darauf lauern, dass es vorbei ist. Weil ich dann nicht weiter kämpfen, mich stellen muss. Über meine Grenzen gehen muss.

Heute erzählt mein Bruder mir, dass seine Freundin und er sich verlobt haben. So sehr ich mich für beide freue - ich fühle mich wie das Versagerkind. Verloren. Irreparabel. Muss aufpassen, dass nicht plötzlich alles grau wird.

Warum ich Schiss vor einer neuen Therapie habe hat noch einen anderen Hintergrund. Einen, den ich hier nicht sagen möchte. Aber es könnte etwas tangieren, was mich viel Zeit und Energie gekostet hat. Wenn das nun alles vergebens war, und die Beziehung flöten geht, stehe ich gefühlt wieder im Mai 2015. Und das würde mir den Boden unter den Füßen wegziehen.

Herbert Grönemeyer im Ohr. [elektronische Klänge gibts grad nich dafür]

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Montag, 24. August 2015
Nich so gut. Mit dem Mann. Wieder auf der Suche nach nem neuen Onkel. Mein alter Theraonkel empfiehlt mir einen Wechsel im Therapieverfahren, hin zu tiefenpsychologisch fundiert.

Ich hätte bis Mitte Juni nie gedacht, dass ich wieder auf meine alten Themen stoße. Dachte, ich bin darüber hinaus. Wohl nich.

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Donnerstag, 20. August 2015
Ich kann immer besser verstehen wie jemand zum Amokläufer wird. Was mich wundert ist, dass sich so viele wundern. In dieser wunderbaren Gesellschaft.






Dienstag, 11. August 2015
Liebe und andere Drogen

Du hast mich lang nicht mehr so angesehen
hab viel zu oft versucht uns zu verstehn'
die Augen treffen sich, der Wein ist schon halb leer
Oh, ich weiß ganz genau was du grad denkst
der Zug ist abgefahrn' die Zeit verschenkt
fühlt sich so richtig an, doch ist so falsch
[…]
trägst deine Haare immer noch wie früher
und du tanzt genau wie früher
die Augen treffen sich der Raum ist schon halb leer
haben uns so oft gesagt es geht nicht mehr
das war am Anfang schwer, doch jetzt viel mehr
Musik ist aus und du kommst immer näher

immer wenn es Zeit wird zu gehn
verpass ich den Moment und bleibe stehn
das Herz sagt bleib
der Kopf schreit geh
Herz über Kopf

~ Joris – Herz über Kopf

Der Mann hört eigentlich kein Elektro, hat aber durch die Eule Zugang gefunden und will deswegen unbedingt zum Hafen wenn er dort die Ehre erweist.

Was der Mann nicht weiß ist, dass die Eule für mich noch ganz andere Bedeutung hat. Es war in den letzten drei Jahren immer DAS Event mit F. Und F., der ist nun seit ziemlich genau einem Jahr nicht mehr in meinem Leben. Wobei das so nicht stimmt. Denn es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke. An dem ich nicht auf sein Soundcloud-Profil schaue. An dem ich mich nicht frage, wie es ihm wohl geht. Fragen kann ich ihn das nicht, denn zwischen uns herrscht Schweigen. Kurz nachdem ich letztes Jahr den Mann kennenlerne eskalierte an F.‘s Geburtstag unsere … tja… was eigentlich.. Freundschaft? Halb-Beziehung? … zum zehntausendsten mal, und diesmal so sehr, dass es keinen anderen Weg mehr gibt. Es waren Missverständnisse, die nie aus der Welt geräumt werden konnten, weil F. sich die Welt bastelt wie er sie braucht, und wenn er mich gerade als Ausgeburt der Hölle braucht, dann macht er mich zu eben dieser. Schon immer. Letztes Jahr bin ich dabei dann freundlich geblieben. Das kannte er nicht. Und das hat es ihm leichter gemacht, den Kontakt zu brechen, weil er meine Freundlichkeit als Gleichgültigkeit interpretierte. Es ist verzwickt und eigentlich auch egal, Fakt ist: es gibt seit dem 3.8. letzten Jahres keinen Kontakt.

Je näher nun das Eule-Event rückt, desto nervöser werde ich also. Je mehr Vorfreude der Mann kundtut, desto verhaltener wird meine Reaktion. Irgendwann beschließe ich ihn einzuweihen. Nicht in alles, um Gottes Willen, aber doch in die Situation, dass F. für mich mal wie ein Seelenverwandter war und diese Freundschaft seit einem Jahr tief unter den Fundamenten dieser Stadt begraben liegt. Und dass er dort vermutlich sein wird, und dass ich nicht weiß wie ich reagieren werde, und dass das heftig werden könnte.

Seien wir ehrlich: würde mir der Mann so etwas über eine Seelenverwandte erzählen, würde ich ausflippen. Ich habe keine Ahnung woher dieser Mann diese Ruhe nimmt und die Gewissheit, dass meine Themen mit ihm nichts zu tun haben (sollten). Während er sich also weiterhin freut, wächst meine Nervosität mit jeder Sekunde.

An besagtem Tag köpfen wir mittags erstmal eine Flasche Weißwein. Mir ist flau im Magen, ich weiß aber auch, dass ich es unendlich bereuen würde, wenn wir dieses Event ausfallen lassen. Mit steifen Beinen stakse ich am späten Nachmittag zum Hafen.

Es ist wie früher, und in Zeitlupe. F. und ich haben nach wie vor Antennen füreinander. Die Art Antennen, die Menschen einander finden lässt unter hunderten von Tanzenden, schon in der ersten Minute, in der sie den Raum betreten. Die Sonne scheint zwischen dem Rauschen der orangen Tücher. Der Bass streichelt die Herzen, und plötzlich wird alles langsam, alles verschwimmt, nur F. bleibt klar und deutlich, in seinem weißen Trägershirt, mit seiner peinlichen Väth-Frisur. F. wie er leibt und lebt und tanzt. Der Stromschlag geht durch und durch. „Er ist da“, rutscht es mir raus. Der Mann fragt: „wo denn, wer ist er denn?“ Ich beschreibe ihm F., und der Mann meint: „Ja, er hat dich auch gesehen, er sieht hier her.“

Ich schluchze, hart, heftig, kurz, und wende mich zur Bar: „Ich muss mich kurz akklimatisieren.“ Die Tränen in meinen Augen verwirren den Mann vermutlich mehr als mich. Er will das Geschehen nicht weiter kommentieren als mit „das was ich zu sagen hätte, gehört jetzt nicht hier her.“
Im gleichen Moment weiß ich, dass ich keine Wahl habe außer F. zu ignorieren. Was sonst? „Hi F., schön dich zu sehen, darf ich dir meinen Freund vorstellen?“ Schon ohne den Mann wäre die Situation aufwühlend genug. Mein Herz schluckt..

… und das wars. Keine Pointe. Ich versuche für den Rest des Tages F. nicht zu sehen. Und es funktioniert. Ich versuche mich weiter zu betrinken und mit dem Mann zu feiern. Und es funktioniert. Unter einer Glaskuppel, in der es nur mich gibt, eingewoben von Musik. Keine Ahnung wie der Mann es schafft meine Lippen zu küssen. Es fühlt sich in einer ganz kleinen dunklen Ecke meiner Seele an wie Verrat. An F., an mir, und an F. und mir.

Irgendwann an diesem Abend, es wird noch nicht ganz dunkel sein, wird der Mann zu mir die berühmten drei Worte sagen, zum ersten mal. Und ich werde ihn aus großen Augen ansehen und anlächeln, ihm durch die kurzen Haare streichen und mir wünschen, dass er es überall, aber nicht hier gesagt hätte. Und während ich das denke, wird er die drei Worte nochmal sagen, und es wird aus ihm rausbrechen, dass er das schon lange sagen will, aber er sich nie getraut hat, und dann wird er die drei Worte ein drittes mal sagen. Und ich werde .. jegliche Erinnerung an meine Reaktion verbannen. Jedenfalls erinnere ich mich nicht weiter, als dass ich tanze und tanze, ununterbrochen von 17 bis 22 Uhr. In Trance. In mir. So selten dieser Tage, in mir. Und sei es nur so kurz. Was gäbe ich für den totalen Exzess mit der einhergehenden Ruhe.

Seitdem schwimmt mein Herz in einem Ölteppich. Es scheint verklebt wie Gefieder. Das Öl hängt sich zäh wischen die Fasern. Das Herz glänzt und trieft und schwimmt, und saugt sich voll, immer schwerer und schwerer.

In jedem F. –Posting suche ich eine Nachricht an mich, und gleichzeitig wünschte ich, es wäre einfach vorbei, mental, emotional, total. Aber dann finde ich das auf seiner Seite, und denke mir: tja. Ja. Und endlich ist es mal wieder Zeit etwas auf dieses Blog zu schreiben. Er fehlt mir ganz unaussprechlich. Aber das musste ich jetzt vermutlich nicht extra erwähnen.


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