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Sonntag, 3. Mai 2026
Alles neu macht der Mai, mal wieder.
okavanga, 19:04h
Seit gestern bin ich also hier. In dieser Kleinstadt in einem Bundesland, in dem ich noch nie gelebt habe und das ich bei Präferenzen immer ausgeschlossen hätte. Siehe da, und doch bin ich hier. Was für ein Kraftakt das war. Meine Mitbewohnerin lerne ich erst morgen kennen. Sie arbeitet auch in der Klinik, in der ich morgen meinen ersten Arbeitstag habe.
Emotional habe ich in den letzten 7 Tagen das gesamte Spektrum mehrfach und in wild wechselnder Reihenfolge durchlebt. Jetzt kanns ruhiger werden, das wünsch ich mir. Ich denke, Stadt und Umland geben das her.
Emotional habe ich in den letzten 7 Tagen das gesamte Spektrum mehrfach und in wild wechselnder Reihenfolge durchlebt. Jetzt kanns ruhiger werden, das wünsch ich mir. Ich denke, Stadt und Umland geben das her.
Dienstag, 28. April 2026
okavanga, 20:29h
Seit Samstag sind die Mauersegler hier. Mein Herz ist schwer.
Seelenheil ~
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Montag, 27. April 2026
okavanga, 21:32h
Das schönste was ich heute gesehen habe, war ein Fuchs der über eine Wiese lief. Das war vom Zug aus, auf dem Weg zum neuen Wohnort.
Das zweitschönste war Mannheim, als ich abends wieder nach Hause kam. Soviel Diversität. So eine Lebendigkeit.
Alles was zwischen Fuchs und Wiederheimkommen lag, muss ich jetzt erstmal verdauen, und damit meine ich nicht nur die Frusttüten Erdnussflips und Tropi Har*b*.
Das zweitschönste war Mannheim, als ich abends wieder nach Hause kam. Soviel Diversität. So eine Lebendigkeit.
Alles was zwischen Fuchs und Wiederheimkommen lag, muss ich jetzt erstmal verdauen, und damit meine ich nicht nur die Frusttüten Erdnussflips und Tropi Har*b*.
Dienstag, 21. April 2026
okavanga, 14:32h
Es ist schon auch ein merkwürdiger Zeitpunkt um das eigene Leben so durchzugehen. So kurz nach Mamas Tod. Gerade schaue ich alte Schachteln durch, um zu kucken, was ich einlager, was ich mitnehme, und was in der Wohnung bleibt. Was haben wir alle uns früher an Karten und Briefen geschrieben! Wunderschön. Es ist erstaunlich was für Briefe und Karten ich habe, ich wusste das alles gar nicht, und manche Namen sagen mir auch gar nichts mehr. Liebesbriefe. Freundinnenbriefe. Soviel Kontakt steckt da drin. Was ist eigentlich daraus geworden? Fühle mich so kontaktlos.
Fotos über Fotos.
Und Tagebücher über Tagebücher. Manchmal einfach einzelne Seiten, die zwischen Briefen und Fotos rumfliegen. Einer dieser Zettel beschreibt Situationen und Ängste, bevor ich 2011 mal für ein Jahr nach Nürnberg gegangen bin. Da schreibe ich:
"Änste: den kleinen Professor ganz loslassen.
Loslassen. Mannheim. Mama.
Beruflich fühle ich mich in Entscheid. bestätigt."
Viel steht da, auch über das On/Off mit meiner Mutter. Oder über ihre ersten Gedanken an Sterbehilfe. Schon 2011 war das. "Mama trinkt und nimmt Brom*z*nil"
Oder: "MA fehlt mir wahnsinnig. Der feste Rahmen. Meine Freunde. Hat alles erträglicher gemacht. Hier und jetzt: keine Energie mehr zum Neuaufbau."
Schon irre, wie so vieles sich ändert, und dann irgendwie auch nicht.
Alte Briefe von meiner Mutter. Wieviel Nähe da war. Wieviel Konflikt. Wieviel Liebe und wieviel Ratlosigkeit und Überforderung. Wie viele Vorwürfe auf beiden Seiten.
Manchmal vergesse ich, wie unglaublich nahe wir uns waren. Eben viel zu nahe.
Meine Mutter war der Fixpunkt in meinem Leben. Im Guten wie im Schlechten. Sie war meine Sonne. Bei ihr bin ich aufgewachsen. An ihr hab ich mich verbrannt. Mein Vater war wenig präsent. Meine Mutter hat mich und mein Leben in so vielerlei Hinsicht geprägt. Wer bin ich nun, ohne meine Mutter?
--
Oder drei Monate, nachdem ich den F. kennengelernt habe: "21.12.2010. Superflu, Dr*gen -> Stille. 1 kleines Paralleluniversum, das nicht in mein Leben passt."
Ich erinnere mich an diesen Abend bei Superflu. F. und ich unterhielten den ganzen Laden. In der Nacht schneite es, nicht nur bei uns. Auf dem Nachhauseweg in dunklen Morgenstunden tanzten wir über jungfräulichen Schnee. Bei F. zu Hause wollte ich baden. Ich lag in der Wanne und teilte mein Gefühl, es sei wie im Uterus. Es ist wirklich komisch, dass Dr*gen mir oft Ruhe, Stille brachten. Wie groß meine Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit war. Ist. SehnSUCHT. Sollte ich echt in der Sucht arbeiten? Ich muss irre sein. Bald sitzen mir Menschen gegenüber, deren dysfunktionale Bewältigungsstrategie ich nur allzu gut selbst kenne - und verstehe.
Ich war schon immer eine Nostalgikerin, denke ich. Und: dass ich das endlich mal alles wegwerfen sollte. Aber es ist als bräuchte ich die Belege dafür, dass ich wirklich dieses Leben gelebt habe. Dass ich lebe.
Vieles ist in Bewegung in mir, massives, und ich spüre sehr deutlich: es wird dauern.
Fotos über Fotos.
Und Tagebücher über Tagebücher. Manchmal einfach einzelne Seiten, die zwischen Briefen und Fotos rumfliegen. Einer dieser Zettel beschreibt Situationen und Ängste, bevor ich 2011 mal für ein Jahr nach Nürnberg gegangen bin. Da schreibe ich:
"Änste: den kleinen Professor ganz loslassen.
Loslassen. Mannheim. Mama.
Beruflich fühle ich mich in Entscheid. bestätigt."
Viel steht da, auch über das On/Off mit meiner Mutter. Oder über ihre ersten Gedanken an Sterbehilfe. Schon 2011 war das. "Mama trinkt und nimmt Brom*z*nil"
Oder: "MA fehlt mir wahnsinnig. Der feste Rahmen. Meine Freunde. Hat alles erträglicher gemacht. Hier und jetzt: keine Energie mehr zum Neuaufbau."
Schon irre, wie so vieles sich ändert, und dann irgendwie auch nicht.
Alte Briefe von meiner Mutter. Wieviel Nähe da war. Wieviel Konflikt. Wieviel Liebe und wieviel Ratlosigkeit und Überforderung. Wie viele Vorwürfe auf beiden Seiten.
Manchmal vergesse ich, wie unglaublich nahe wir uns waren. Eben viel zu nahe.
Meine Mutter war der Fixpunkt in meinem Leben. Im Guten wie im Schlechten. Sie war meine Sonne. Bei ihr bin ich aufgewachsen. An ihr hab ich mich verbrannt. Mein Vater war wenig präsent. Meine Mutter hat mich und mein Leben in so vielerlei Hinsicht geprägt. Wer bin ich nun, ohne meine Mutter?
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Oder drei Monate, nachdem ich den F. kennengelernt habe: "21.12.2010. Superflu, Dr*gen -> Stille. 1 kleines Paralleluniversum, das nicht in mein Leben passt."
Ich erinnere mich an diesen Abend bei Superflu. F. und ich unterhielten den ganzen Laden. In der Nacht schneite es, nicht nur bei uns. Auf dem Nachhauseweg in dunklen Morgenstunden tanzten wir über jungfräulichen Schnee. Bei F. zu Hause wollte ich baden. Ich lag in der Wanne und teilte mein Gefühl, es sei wie im Uterus. Es ist wirklich komisch, dass Dr*gen mir oft Ruhe, Stille brachten. Wie groß meine Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit war. Ist. SehnSUCHT. Sollte ich echt in der Sucht arbeiten? Ich muss irre sein. Bald sitzen mir Menschen gegenüber, deren dysfunktionale Bewältigungsstrategie ich nur allzu gut selbst kenne - und verstehe.
Ich war schon immer eine Nostalgikerin, denke ich. Und: dass ich das endlich mal alles wegwerfen sollte. Aber es ist als bräuchte ich die Belege dafür, dass ich wirklich dieses Leben gelebt habe. Dass ich lebe.
Vieles ist in Bewegung in mir, massives, und ich spüre sehr deutlich: es wird dauern.
Sonntag, 19. April 2026
Dankbar.
okavanga, 22:58h
Es tut so gut, wenn man mal nicht viele Worte braucht um verstanden zu werden. Dass zur Zeit bei den anderen 3en aus der Klinik auch soviel Umbruch, Prozess, Trauer ist. Bei uns allen beinahe in der Intensität wie vor dem Aufenthalt. Würde mich interessieren, ob das ein typisches Phänomen ist, ziemlich genau 4 Jahre nach Entlassung. Und doch stehen wir an anderen Stellen als vor 4 Jahren. Wir sind einen Weg gegangen. Das gilt es nicht klein zu reden, sondern anzuerkennen.
Ich bin sehr froh, dass es diese Menschen gibt.
Ich bin sehr froh, dass es diese Menschen gibt.
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