Samstag, 9. Juli 2011
Brief an Frau W. III
Liebe Frau W.,

ich höre gerade Deep Mix Moscow Radio und frage mich, wie das denn alles weitergehen soll. Mit mir, mit der Arbeit, mit Sesamina.

Darüber mache ich mir so viele Gedanken, dass ich letztendlich keinen einzigen klaren mehr fassen kann und somit in Unklarheit versinke. Darauf könnte ich dann allerdings glatt einen Klaren trinken. Belasse es dann aber doch bei Weißwein. Wobei mir heute bei sO*liver so ein Alk-Getränk mitgegeben wurde, mit Caipi-Geschmack. Fand ich ja irgendwie schon befremdend. Hab mich auch noch nicht dran getraut.

Das mit dem Job. Das ist. Ich bin zu schwach dafür. Zu ungeduldig, zu emotional, zu undiplomatisch. Zu unkonventionell. Zu... zu sehr mein alter Arbeitgeber.

Ich weiß nicht wie sehr das alles (die neue Firma) für mich passt. Wie sehr ich zu denen passe, und wie sehr die zu mir. Mir fehlt mein HaGa und meine alte Firmenfamilie, meine Kollegen und all die Späße wie Streitigkeiten, die wir dort hatten. Mir fehlt das Unkonventionelle bei aller Professionalität, mir fehlt es die Arbeit auch mal als Spiel zu betrachten. Mir fehlt das Bier ab Vier. Mir fehlt das "Topf hat Deckel gefunden"-Gefühl.

Und dann ist da Sesamina, dieser Sack, der mir lang und breit erzählt, wie toll es da ist, und wie entspannt er ist, während ich hier sitze und nicht weiß wohin mit meinem Frust. Er lässt mich so sehr teilhaben, unaufgefordert, mit Bildern, Mails, SMS, dass ich ihm gern eins in die Fresse schlagen würde dafür, andererseits liebe ich ihn so sehr dafür, dass ich es niemals würde missen wollen. Bei ihm habe ich das "Topf hat Deckel gefunden"-Gefühl.

Wenn wir telefonieren, läuft dann alles schräg. Da sagt er angetüddelt irgendwelche Sachen, die er vielleicht wirklich gar nicht so meint, aber damit reaktiviert er sofort das Programm (von dem er weiß, ich habe ihm mindestens so offen wie im letzten Blogeintrag von meinen Gedanken und Gefühlen berichtet). Und dann geht gar nix mehr, und jeder geht mit einem Scheiß Gefühl aus dem Telefonat. Er hat da jetzt natürlich nen super Joker in der Hand und kann alles auf meine Instabilität und mein Programm schieben. Hätte ich mal die Klappe gehalten. Hab ich ihm auch gesagt. So leicht kommt er damit jetzt nicht davon, das kann ja wohl nicht die Entschuldigung für alles sein, was vielleicht von ihm auch merkwürdig kommuniziert wird.

Was tun. Mit all dem. Die Arschbacken zusammenkneifen und rational mindestens ein Jahr vollmachen beim neuen Arbeitgeber, um wenigstens ein Jahr Berufserfahrung in dem Bereich vorweisen zu können, den ich wirklich spannend finde und den ich weiter verfolgen will. Oder... dem Bauch folgen, und somit den Bedürfnissen der "new economy" oder "generation y", oder wie diese neuen beschissenen Wörter für Leute wie mich sind, folgen, und somit auch die Gelegenheit nutzen, näher wenn nicht gar ganz räumlich zu Sesamina zu ziehen (aber bitte nicht in die gleiche Wohnung). Das klingt überstürzt... ist es vielleicht auch... vielleicht aber auch nicht.

Wenn er meine "liebevolle" Art die nächsten zwei Wochen übersteht.. und ich mich.

Ich liebe diesen Radiosender.

Frau W... nächste Woche könnte ich schon Freitag in Mannheim sein, wenn nicht das blöde Sommerfest der Firma wäre. Spätestens am Samstag, da bin ich sowieso dort. Aber ich überlege ernsthaft, das Sommerfest sausen zu lassen, um Sie persönlich zu konsultieren. Denn bei allem Respekt, aber diese Monologe bringen mich nicht annähernd so weit wie eine dreiviertel Stunde mit Ihnen.

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Mittwoch, 6. Juli 2011
Brief an Frau W. II
Liebe Frau W.,

die vor langer Zeit programmierte und über die ganzen Jahre hinweg absolut optimierte Software auf der meiner Seele eigenen Festplatte wurde aktiviert.

Es ist wieder der Automatismus. Sobald der Knopf gedrückt wird. "Bindung" --> Verlustängste/ Angst vor Verletzung --> Stufe 1: Mauer hochfahren --> Stufe 2: Eisblock werden --> Stufe 3: präventives Partnerverletzen --> Stufe 4: Exit.

Noch konnte ich mich eben zurückhalten, so dass er es nicht gemerkt hat. Aber ich spüre es in mir. Viel zu deutlich. Und ich habe Angst. Ganz viel Angst.

Ich dachte ja immer, ich habe das nur bei Männern, die "schlecht" für mich sind. Bzw. habe ich das Programm deswegen geschrieben. Aber der kann nicht schlecht sein. Wirklich nicht. Umso schlimmer wird die Angst.

Frau W. Das wäre jetzt wirklich ein guter Zeitpunkt für eine Sitzung. Ich will es nicht wieder verkacken. Ich will nicht länger vor der Möglichkeit verletzt zu werden davon laufen und deswegen jemanden verlieren, den ich liebe.

Wie geht man damit um? Wie gehe ich damit um als jemand, der es hasst sich zu öffnen, der vielleicht gar nicht vertrauen kann, der aus Angst vor Ablehnung vor der Liebe wegrennt?

In den nächsten zwei Wochen ist er im Urlaub, weil er kurz vorm Zusammenbruch steht, und er hat ihn extra so gelegt, dass er nur die zwei Wochenenden in Anspruch nimmt, an denen ich eh keine Zeit hätte, weil ich an einem Wochenende arbeiten muss und am anderen in Ma*nnheim bin. Kein Zufall, sagt er. Er wollte den Urlaub auf gar keinen Fall auf das mir nächstmögliche Wochenende buchen. Dafür will er lieber nochmal mit mir gemeinsam in den Urlaub fahren, irgendwann in diesem Sommer oder Herbst.

Und trotzdem sterbe ich vor Angst. Wovor ich Angst habe? Dass er es sich anders überlegt. Dass dort lauter tolle Frauen sind, die auch ganz toll Ki*tesu*rfen können. Dass er zurückkommt und mir sagt, dass wir das lieber lassen sollten. Dass er mich fallen lässt.

Alles sagt, dass das niemals so sein wird. Und doch weiß mein Programm so sicher, dass es so sein wird, dass ich es glaube. Und dass mein Herz es glaubt, und dass es sich verschließen und all die Öffnung rückgängig machen will, die ich - wie auch immer, es grenzt an ein Wunder! - in den letzten Wochen so dermaßen vollzogen habe.

Ich habe das Gefühl, ich stehe nackt und mit hängenden Armen auf einem offenen Platz und warte nur darauf, dass jemand einen Pflock in mein Herz rammt. Das Programm will mich darauf vorbereiten, und es ist wie gesagt schon angelaufen. Nur für mich spürbar. Aber ich weiß, morgen spürt er es auch.

Was soll ich machen. Bitte. Frau W. Wissen Sie noch, wie Sie mit mir die Situationen beim kleinen Professor durchgesprochen haben? Wie ich mich da beruhigt habe? Das schlimme ist, dass ich damals recht hatte. Auch mit meinem Misstrauen. Das schlimme ist, dass ich meistens recht habe. Zum einen mag die sich selbst bewahrheitende Prophezeiung da eine Rolle spielen (weil ich mir immer nur solche Männer suche und das Programm ja auch nicht wirklich konstruktiv ist). Zum anderen - wenn ich mir nur immer solche Männer suche, wer sagt mir, dass es jetzt wirklich anders ist?

Die Zweifel nagen an mir, sie tropfen in mein Herz und bringen es zum wanken. Ich will nicht schon wieder alles mit Zweifeln und Angst kaputt machen. Und meine Erfahrung sagt mir, dass man da nicht drüber redet mit dem Betroffenen, weil er sonst nämlich ganz schnell weg ist.

Ich mein, ich selbst würd mich auch nicht als Partnerin haben wollen. Da sind Kilometer über Kilometer an neuem Weg mit mir zu gehen. Mir beim Laufen lernen helfen. Zusehen wie ich stolper, Verständnis haben, mir die Hand reichen. Geduldig sein. Und dabei nicht die Liebe verlieren, und das obwohl ich beständig daran zweifelt. Wie soll so etwas denn gehen?

Angst fressen Seele auf. Immer und immer wieder in einer Beziehung. Und das anscheinend auch, wenn weit und breit keine Bedrohung sichtbar ist.

Das alles ist Neuland für mich. Und ich komm nicht damit klar. Denn was ist, wenn ich einfach wieder recht habe. Oder ich es so lange mit Füßen trete, bis ich recht habe.

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Dienstag, 31. Mai 2011
Telegramm an mich:

Papa hat sich bis heute nicht zu der Mail geäußert. Bin fast sprachlos. Enttäuscht. Bruder ist zögerlich, weiß nicht. Nach Aktionismus klingt das nicht. Aber immerhin. Einer der... mit da ist, so ein bisschen.

Arbeit immer verfahrener. Überlege zu kündigen aus diversen Gründen.

Fühle mich sehr alleingelassen. Im Job wie mit Mama.

Kieferknochenentzündung nach Mamut-Weisheitszahn-OP, aber Zahnarzt freut sich dass ich keine Dauerhaften Nervenschäden (am Kiefer...) davongetragen habe. Scheint wohl nicht so unwahrscheinlich gewesen zu sein. Ibu ist jetzt mein bester Freund.

Irgendwie alles ein bisschen im Ungleichgewicht. Alles zuviel. Geht mir nicht permanent scheisse, aber die Grundlast zieht heimlich still und leise immer mehr runter.

Freue mich sehr auf das Konzert und auf die Begleitung :-)

Und danach freue mich sehr auf Berlin.

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Mittwoch, 13. April 2011
Brief an Frau W. I
Liebe Frau W.,

da ich Sie ja nicht mehr sehen kann, schreibe ich Ihnen einfach. Ich bin inzwischen umgezogen. Und man, ich könnt Sie hier echt gut gebrauchen. Ich habe das Gefühl, das mit diesem Umzug wieder so viele alte Baustellen aufgerissen sind, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie zumachen oder beackern soll. Ohne Sie hätte ich das ja alles das letzte mal gar nicht geschafft. Und jetzt weiß ich zwar theoretisch wie, aber ich schaff es einfach nicht so wirklich. Ich wünschte Sie wären hier und könnten einfach wieder ein bisschen meine Hand halten. Und die richtigen Fragen stellen. Die, die ich mir selbst nicht stellen kann weil ich gar nicht drauf komme, und die ich mich nicht traue mir zu stellen.

Über die Arbeit will ich heute gar nicht reden. Ja, ich weiß auch noch nicht so genau warum. Vielleicht weil es letztendlich der einzige Grund ist, der auch irgendwie Sinn macht, warum ich jetzt eben da bin wo ich bin. Eben nicht mehr in M*annheim. Ich weiß dass Sie das alles näher interessieren würde. Mich eigentlich auch. Aber wir haben ja Zeit, viel Zeit, kann man sagen. Und deswegen fände ich es nett, wenn wir mit dem anfangen, was mir übers Wochenende Kopfzerbrechen bereitet hat.

Ja, da liegen Sie schon ganz richtig. Sie hören ja sowas immer an meinen Schritten, bevor ich die Tür aufmache. Es sind Männer, mal wieder. Sie lächeln ja. Das hab ich vermisst. Sie sind so Sie, und so natürlich und authentisch. Ich habe mich immer wohl bei Ihnen gefühlt. Aber ja, ich schweife ab.

Also. Ich bekomm das einfach nicht hin. Die letzte Eskapade kennen Sie ja zu genüge. Seitdem ist auch nicht viel passiert. Ich verliebe mich gar nicht mehr, obwohl ich es so gern würde. Aber inzwischen ist es merkwürdigerweise schon fast so, als würde ich gar nichts mehr von der Liebe erwarten. Sie hat mich da irgendwie nicht so auf ihrer Liste. Oder vielleicht auch doch, aber ich kapier es einfach nicht, was sie von mir will. Das sind dann immer so Männer oder Situationen, bei denen ich gar nicht weiß, was ich jetzt damit anfangen soll.

Nehmen wir mal den F. Den hab ich letztes Jahr im Spätsommer kennengelernt, er ist der Nachbar von der LeSchwe. Der hat das gleiche Problem wie der kleine Professor, nur dass er einen anderen Charakter hat. Einen, bei dem es einem so weh tut, dass er sich das gleiche antut wie der Prof. Das hat mich schon mal irritiert, oder besser gesagt genervt. Also nicht von Anfang an. Da waren wir nur mal zusammen feiern, und es war echt lustig. Aber mehr nicht. Und dann haben wir uns halt öfters zu dritt getroffen, und was unternommen. Und eines nachts, bzw. wurde es schon fast wieder Tag, da lag ich schon im Bett und versuchte zu schlafen, bei ihm. LeSchwe war schon lange gegangen, weil sie ja keine Dummheiten macht. Und in dieser Nacht legt er sich plötzlich zu mir ins Bett. Also in sein Bett. Und es war alles sehr schön und zärtlich, und wir hatten keinen Sex, nur Nähe.

Oh man, ich sehe geradezu, wie die Sirene auf Ihrem Kopf losgeht. Ging mir genauso. Deswegen hab ich dann auch gleich mit offenen Karten gespielt, bzw. dadurch, dass wir vorher nur bekumpelt waren, wusste er sowieso, dass ein Prof-Phänomen für mich nicht mehr für eine Beziehung in Frage kommt. Er wusste von Anfang an woran er ist. Und er war ja auch nicht von Anfang an verliebt. Nur dann eben, mit der Zeit. Und wir hatten eine sehr schöne Zeit. Er kann mich einfangen, wenn ich so sauer bin, dass ich kurz vorm Abdrehen stehe. Er sagt genau die richtigen Dinge. Er ist da, wenn es mir schlecht geht. Er hält mich in seinen Armen. Und ich habe mit ihm eine Bestandsaufnahme in der Wohnung seiner Mutter gemacht, die kurz zuvor an Krebs gestorben war.

Wir haben nicht nur gefickt, und das ist wohl das Problem. Ich hatte ihm gegenüber von Beginn an ein Urvertrauen, dass ich glaub ich wenn überhaupt, dann nur einmal einem Mann gegenüber verspürt habe. Keine Ahnung warum. Es war, als würden wir uns ewig kennen. Irre vertraut. Das hat sich dann schon auch im Sex gespiegelt, den wir doch irgendwann hatten, und es war so ein wahnsinniger Sex, wie ich ihn noch nie hatte.

Was ich mich frage ist: habe ich mich nicht in ihn verlieben wollen und es zu verhindern gewusst, kopfgesteuert, weil ich wusste, was das mit sich bringt, oder habe ich mich einfach nicht verliebt, weil sich das "Beuteschema" doch geändert hat? Über diesen Punkt komme ich nicht hinweg.

Es ist so irre. Er hat gespürt, wenn ich was mit einem anderen hatte, über Weihnachten. Er ist kein eifersüchtiger Typ. Aber er hat einfach gespürt, dass da was war. Er hat sonst nie danach gefragt. Das gleiche war kurz vor meinem Umzug, als ich jemanden kennengelernt habe. Da hat er auch gefragt, ob ich jemanden kennengelernt habe. Das waren die zwei einzigen male, die er gefragt hat. Und es waren die zwei einzigen Momente, in denen er auch einen Treffer landen konnte. Ich fand das jedes mal sehr gruselig.

Jedenfalls.. wir haben uns sehr gestritten, Ende Januar. Das war sehr hässlich, wir waren betrunken, und er kam bzw. kommt immer noch nicht damit klar, dass ich seine Gefühle nicht erwieder, und dass ich nicht so handel wie es ihm lieb wäre, wenn ich bei LeSchwe war und nicht bei ihm geklingelt habe, oder so. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben. Deswegen ist das dann eskaliert. Und so ganz hat sich das nicht mehr eingerenkt.

In der Woche vor meinem Umzug hat er LeSchwe weindend angerufen, er konnte nicht in die Arbeit, weil er wochenlang nicht richtig essen konnte, weil sein Herz so weh getan hat, und er hat einfach nur noch geweint. Mich hat er auch angerufen, und geweint und geweint, und gefragt, wie ich ihm das alles antun konnte.

Ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich ihm bestimmt nie absichtlich etwas antun wollte, und dass ich immer mit offenen Karten gespielt habe. Aber die Freundin meines ehemaligen Mitbewohners hat wohl recht. Sie meinte: Oka, du bist die, die es nicht erwischt hat. Du müsstest die Verantwortung tragen und die Verbindung kappen.

Ich konnte es nicht, weil ich ihn nicht verlieren wollte.

Vor wenigen Wochen habe ich dann, nachdem ich weitere bittere und vorwurfsvolle Mails von ihm nicht beantwortet habe, ihm endlich erklären, was wie und warum. Er hat komischerweise gleich verstanden, und wir haben telefoniert, und es war lustig, und schön. Für eine halbe Woche. Dann hat er an einem Freitag Abend was blödes gesagt, über "bei mir läuft meist mein eigener Film", so ein Drogenausspruch. Das hat mich sofort angekotzt. Vielleicht hab ich es auch komplett falsch verstanden. Aber ich bin einfach ein gebranntes Kind und reagiere extrem empfindlich auf solche scheiss Sprüche. Reagiere über, vermutlich, ich kann es nicht beurteilen.

Daraufhin hab ich mich am Samstag danach nicht gemeldet, weil ich auch scheiss Kopfschmerzen hatte, und eh nicht wusste wohin mit mir. Am Sonntag war ich beim Fratzenbuch online, aber unterwegs, weil mir jemand hier die Stadt zeigen wollte. In der Zeit hat er mich angeschrieben, und ich natürlich nich zurück, ich war ja nich da. Und dann kamen wieder lauter Vorwürfe. Und seitdem - Funkstille. Bzw. Hassmails, und dass er nichts mehr mit mir anfangen kann, ich sei nicht mehr die Oka, die er mal kennengelernt hat.

Es trifft mich sehr, aber nicht zu sehr, denn ich weiß, dass es diese Verbindung zwischen uns wirklich gibt, und dass er in sich drin weiß, dass das Bullshit ist, was er redet, und dass er genau weiß, das das Problem bei seinen Drogen liegt. Aber so richtig sehen will er es nicht.

Und jetzt meine Frage: habe ich ein Helfersyndrom? Oder bin ich verliebt? Verliebt gewesen? Warum fehlt er mir denn so? Meine ich ihn retten zu müssen? Das Gefühl hab ich gar nicht, weil ich nie versucht habe ihm das auszureden. Er ist halt wie er ist, und unter den Umständen läuft keine Beziehung. Punkt. Das hab ich mir immer gesagt. Aber hat mein Herz das auch gesagt? Das weiß ich irgendwie nicht so genau.

Jetzt lasse ich ihn einfach in Ruhe. Auch wenn es schwer fällt. Vielleicht schreibe ich ab und an mal, erzähle was von mir und frage ihn wie es ihm geht. Der Mann war seit sehr vielen Jahren nicht mehr verliebt. Ich kann verstehen, dass er verletzt und enttäuscht ist. Aber ich kann es auch einfach nicht richtig machen, und eine Beziehung wäre die Hölle gewesen, ich hätte nur ständig an ihm rumgekrittelt und versucht ihn zu ändern, wie beim Prof auch, und dabei hätten wir uns gegenseitig richtig schön fertig gemacht und am Ende wär nur noch dieser Aschehaufen übriggeblieben, den ich nur zu gut kenne.

Aber erklären kann ich es ihm nicht. Also nicht so, dass er es annehmen kann. Anscheinend.

Und trotzdem fehlt er mir. Er wäre ein toller Mann. Einer, der mich versteht, einer, den ich verstehe (und aber wegen diesem einen riesigen Aspekt einfach nicht als Partner akzeptieren mag), einer, mit dem man lachen, weinen, feiern und reden kann. Außer es geht um uns. Da wird alles ganz unreflektiert, obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass er ganz tief innen alles selbst weiß.

Und dann ist da noch dieser komischer andere Mann, aber von dem erzähl ich ein ander mal. Das schaff ich nicht mehr, ich fühl mich ganz ausgelaugt.

Ja, ich habe mich auch gefragt, ob ich den F. deswegen so mag, weil er mich in vielem an den Prof erinnert. Auch wenn er wie gesagt ganz anders ist. Aber durch die ganze Sache wurde das Thema mit dem Prof wieder unheimlich präsent für mich. Ich weiß gar nicht mehr, was ich denke und wirklich fühle, und wer ich bin, ich fühl mich so meilenweit weg von mir, hab irgendwie im letzten halben Jahr den Zugang zu mir verloren. Und zu Ihrer Frage: ich weiß es nicht, Frau W. Ich dachte, Sie können mir da weiterhelfen. Aber ich weiß. Sie sind nich da.

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Donnerstag, 7. April 2011
Das erste mal seit Ewigkeiten mit Mama telefoniert. Sie hatte mir ja nicht zum Geburtstag gratuliert, erst nachdem mein Bruder sie darauf hingewiesen hat, dass das unmöglich sei.

Es ist. So. Müdemachend. So traurig. Meine Brust tut weh und ich heule in mein Essen. Bahnt sich alles seinen Weg, was ich seit ich hier bin unten gehalten habe, weil ich irgendwie funktionieren muss. In diesem ganzen Scheiss.

Ich will nach Hause. Einfach nur noch nach Hause. Ich mag einfach nicht mehr.

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Mittwoch, 6. April 2011
Mein Team ist total verkorkst. Und.. ich kann das alles gar nicht erzählen. Es kotzt mich so an, dass ich gar nicht drüber schreiben will.

Denk mir einfach nur noch "ich will mein Leben zurück".

Ganz schön ... blöd.

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Mittwoch, 30. März 2011
Über die Arbeit schreib ich nich soviel, ne?
Rede viel drüber. Ist nicht einfach. Ganz andere Denke. Kein gutes Umfeld für mich. Das letzte mal bin ich in so einem Umfeld in ne handfeste Depression abgerutscht. Jetzt bin ich ja n paar Jahre und Erfahrungen reicher, und hab eine feste Mission. Das machts dann aber auch nur bedingt leichter. Vor allem unter dem Aspekt, dass das offiziell weiterhin befristet ist für ein halbes Jahr. Eigentlich sind alle Faktoren äußerst unglücklich.

Und zudem.
Miss my Monnemer Mates.
Deswegen fahr ich da die nächsten zwei Wochenenden hin. Kraft tanken. Freude einsaugen. Endlich normale Menschen. Halleluja.

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Sonntag, 20. März 2011
Vollmond.
Früher gingen meine Vollmondreisen zum kleinen Professor.

Dies ist ein nicht nachgedachter Blogeintrag, in dem sich nun einfach Gedanken ihren Weg bahnen müssen, die vielleicht keiner versteht, die aber raus müssen, denn es ist Vollmond, und seit Wochen meine erste Gelegenheit, die ein oder andere Sache zu reflektieren.

Flo fehlt mir. Ich wage es kaum in Worte zu fassen, aber er fehlt mir. Dieses abhängige, liebenswürdige, großherzige, witzige Wrack fehlt mir. Sein Lachen. Vor allem sein Lachen. Seine Hände, sein Mund auf meinen Brüsten. Die Nächte mit ihm, die exzessiven Nächte. Er hasst mich, er muss mich hassen, ich hab ihm so weh getan obwohl ich das nie wollte, er ist mir so wichtig. Ich habe ihm allein mit meiner Anwesenheit in seinem Leben weh getan, so wie Liebe eben manchmal weh tut, wenn sie unerwidert bleibt, und bis heute weiß ich nicht, ob sie wirklich unerwidert war. Oder ob nicht all meine Ratio, die so Professor-geprägt ist, geschrien hat: nein nein nein. Nie wieder. Es spielt auch keine Rolle. Wir haben viel verloren. Er war der zweite Mann in meinem Leben, der die berühmten drei Worte zu mir gesagt hat, und ich konnte nichts erwidern, außer ein: "Flo..."

Meine Mutter steht wieder total auf der Kippe. Ich habe heute mit Sebastian lange darüber gesprochen. Trotz aller Zweifel von mir und meinem Bruder sieht er alle Symptome als eine 1A Psychose. Das alles macht mich wahnsinnig. Ich könnte mir die Haare einzeln rausreissen. Ich vertraue Sebastian, er arbeitet hier in der Psy'chiat*rie Erl*angen und hat tagtäglich mit solchen Menschen zu tun, zudem stempelt er nicht einfach jemanden mit körperlichen Symptomen als bekloppt ab. Und doch ist sein Urteil eindeutig.

Wir sind heute Nachmittag spazieren gewesen am See vor meiner Tür. Es ist herrlich. Danach Kaffeetrinken bei ihm, quatschen, Abendessen kochen, Wetten dass kucken, Wein und Schnaps trinken, und sich fast wie angekommen fühlen.

In seinem Auto läuft der Paul. Der gute alte Paul. Inzwischen sind so viele Erinnerungen und Gefühle mit jedem einzelnen Track verbunden, dass ich jedes mal weinen könnte, egal ob vor Freude, Verzweiflung oder Traurigkeit.

Ich möchte mit Flo zur Ti*me Wa*rp. Und weiß genau, er wird es nicht zulassen. Und ich kann es ihm nicht verübeln. Und doch wünsche ich es mir sehr. Meine mich selbst verneinende Seite wünscht sich das so so sehr. Das rundum Paket. Mit allem. Ein Wochenende am Limit. Oder wie es für mich ist, im Himmel. Mit der Delet-Taste.


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Montag, 7. März 2011
Rückblick 1. Woche
Das mit der Wohnung und dem Alleinwohnen geht ziemlich in Ordnung. Ich fühle mich wohl. Privatleben ist okay, wider jeglicher Erwartungen kenne ich hier mehr als ich dachte. Lustig, überraschend. Ein schöner Geburtstag, ein witziger Fasching (das muss was heißen, liegt aber sicher daran, dass es keine Faschingsmusik gab) mit vielen Polizisten (gut gebaut und freizügig).

Das mit der Arbeit. Das ist schwierig. Eine sehr andere Welt. Und meine alte fehlt mir. Mehr als gewöhnungsbedürftige Denkweisen. Ein anderer Altersdurchschnitt. Kein Abspacken mit den Kolleginnen. Kein HaGa-Chef. Ein Betriebsrat. So viele neue Leute. Eine Aufgabe, die mir 5 Nummern zu groß erscheint. Manchmal würd ich mich gern einfach auf dem Klo einsperren. Alles nicht so einfach.

Mama hat mir nicht zum Geburtstag gratuliert. Ist seit 2007 das zweite mal seit meiner Geburt.

Fazit: durchwachsen. Momentanes Gefühl: kacke.

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Samstag, 26. Februar 2011
Tag X.
Hinter HaGa fallen vor dem Fenster des italienischen Restaurants dicke Schneeflocken zwischen grauen Häuserzeilen vom Himmel. Ich fokussiere wieder ihn, in seinem schwarzen Rollkragenpulli, und kann nicht anders als ihn die ganze Zeit anlächeln. Es war ein wunderschönes Gespräch, das mir zeigt, dass ich immer ein zu Hause habe, wenn ich will. Wir sagen uns Auf Wiedersehen, ich steige aufs Rad, und es ist nicht der kalte Wind, der in meinen Augen brennt.

Ich sitze auf meiner Matratze in meinem Noch-Zimmer. Um mich kahle weiße Wände. Bereit für einen neuen Menschen.

Mannheim hat mich zum Klingen gebracht, in allen Facetten. Es waren intensive 4,5 Jahre. Viel Arbeit, viel Kummer, viel Freude, tiefe Schmerzen, soviel Glück. Ein kleiner Professor, eine LeSchwe, die Lieblingskollegen, HaGa, mein Klavierlehrer, die On*kel Ott* Bar, das Rh*d*s. Hafe*nstrand, O*E*G-City-Beach. Die Rheinauen, das Naturschutzgebiet, Filmfestivals, Radtouren nach Speyer, an Badeseen, die Pfalz. So viele Begegnungen, einmalige wie wiederkehrende. Gespräche. Nächte. Tage. Menschen. Es war Leben pur. Und noch nie war ich irgendwo so zu Hause.

Mannheim. Ich wünschte, ich könnte dir einen Liebesbrief schreiben, der deiner würdig ist. Mein Herz allein weiß um all die Erinnerungen und Gefühle, die ich mit dir verbinde. Bei diesem Abschied fahren meine Gefühle Achterbahn, alle dicht gedrängt in einen kleinen Wagen. Ich würd so gern zu dir zurückkehren. Aber wer kann schon so etwas versprechen. So wie niemand mir sagen kann, ob es ein Fehler ist.

Leb wohl. Ich werde dich schmerzlich missen.

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