Montag, 24. Oktober 2011
3 Tage MA
Es war eine sehr merkwürdige Erfahrung, mal wieder 3 Tage in MA zu verbringen.

Was mir dabei klar wurde: MA ist nicht mehr mein Zuhause, und NBG noch nicht. Ironischerweise war ich mit M und ihrem Freund M am Freitag Abend auf einem Eisho*ckeyspiel MA gegen NBG, das wussten wir vorher aber nicht. MA gewann.

LeSchwe, bei der ich am nächsten Tag war, meinte dazu nur: "is ja mal ein ganz klarer Fall. Weißt, was du zu tun hast, ne?" Ich lächelte. Und frage mich, ob ich überhaupt irgendwas weiß. Wir waren wandern mit Freunden und Wein, schön Essen, schauten Folge um Folge "Ho*w I m*et yo*ur mo*ther"" und stromerten abends auf dem Na*chtwandel im Ju*ngbusch. Was heute ein Ausschlafen bis 13 Uhr erforderte, und weitere Folgen von gegannter Serie, im Schlafanzug auf dem Sofa, neben einer meiner besten Freundinnen. So vertraut und doch so merkwürdig inzwischen, bis ich um 17 Uhr die Hühner sattelte.

Klar wurden mir vor allem folgende Dinge:
- es SIND zu viele Päckchen auf einmal. Die Zerrissenheit zwischen MA und NBG. Das "Heimweh". Die Einsamkeit. Das "in meiner Firma bin ich ein Alien" - die Leute sind einfach nicht meine Welt. Das Unternehmen nicht mein Fall. Meine Mama. Und Sesamina. Zuviel Veränderung und neuer Einfluss auf einmal. Nicht zu handeln für mich.

- es GIBT etwas Gutes, zumindest stellte meine Frau W. es fest, und das war mir so gar nicht klar: mein Job macht mir Spaß. Ja. Der JOB. Sie meinte, das sollen wir doch jetzt mal ganz arg festhalten, da sie mich noch nie so klar ein einer Aussage zur beruflichen Zukunft gehört hat. Ja. Das stimmt. Immerhin etwas weiß ich. In diesem Berufsfeld will ich bleiben.

- MA ist nicht mehr mein Zuhause. Obwohl ich bei jenen war, die mir so lieb sind, fühlte ich mich in mir immer sehr einsam. Ich fühlte mich klein, zum Teil auch hässlich. Dachte mir: wow, so viele Leute nachts auf der Straße! Es gibt noch ein Leben! Ich war seit Monaten nicht mehr weg (in Bars, Kneipen, ...). Ich wünschte mir, es wäre noch mein Zuhause, aber Fakt ist, ich habe gerade keines: in MA nicht mehr Zuhause, in NBG noch nicht. Ein ziemlich bescheuertes Gefühl. Vielleich weil mir klar wurde, wie mein Leben wieder aussehen könnte. Vielleicht weil mir klar wurde, wie wenig Kontakt letztendlich noch vorhanden war durch diese ganze Beziehungssache mit Sesamina.

- Mir fehlen meine Freunde und MA noch mehr als ich dachte. Und es fehlt mir das Gefühl, dort wieder völlig integriert zu sein. Ich WILL wieder öfters nach MA. Unbedingt. Und wieder mehr Kontakt zu meinen Leuten dort.

- Die Sache Sesamina ist total verkorkst. So verkorkst, dass ich nicht weiß wie wir da rauskommen sollen. Und gerade mit dem Hinweis der Therapeutin, dass ich überlegen soll, was mir gut tut und was nicht, was ich leisten kann und will und was nicht, wurde mir klar, dass ich das weder leisten kann noch weiterhin will. Das hat nichts mit meiner Zuneigung zu tun, auch wenn die auch stark strapaziert ist, sondern schlichtweg mit der Tatsache, dass wir uns einfach überhaupt nicht verstehen, und das Ganze seit mehreren Wochen keinem von uns beiden gut tut. Jeder hat das Gefühl, er richtet sich nur noch nach dem anderen aus, aber das kommt jeweils beim anderen einfach nur schräg an bzw. gar nicht.

- Meine Mutter kann ich nicht wegschieben. Ich muss mich damit befassen und lernen damit klar zu kommen. Ich muss aktiv bleiben und mich auseinandersetzen. Mit meinem Bruder.

- Es wäre gut, wieder in eine Therapie zu gehen. Zumindest solang, wie ich das Bedürfnis habe. Bruder meinte, er würde auch gerne zu einem Therapeuten wegen der Mamasache, will aber lieber mit mir gemeinsam dahin. Er meinte vorhin: "das fiele mir leichter. Denn du gehörst da einfach dazu."

Ich merke gerade, dass es überhaupt gar nicht einfach ist all die Gedanken irgendwie strukturiert zu "Papier" zu bringen, die ich mir dieses Wochenende nach meinem Gespräch mit Frau W. gemacht habe. Ich fühle mich immer noch zerrissen. Hab das Gefühl, ich muss mein Leben wieder in den Griff kriegen.

- Quintessenz: ich lebe nicht so wie es mir gut tut und gefällt. Es ist irgendwas einfach brutal schief gelaufen. Es fühlt sich falsch an. Und ich MUSS handeln.

Ich musste oft an eine Postkarte denken, die ich aus irgendeiner Kneipe habe. "Ich will alles!" Das geht aber irgendwie nicht. So sehr ich auch wollte. Und letztendlich zählt jetzt ein sehr egoistisches Prinzip: "tu nur das, was dir gut tut und was du leisten kannst und willst."

Seelenheil ~ ... link (2 Kommentare)   ... comment





Donnerstag, 20. Oktober 2011
Ein guter Tag.
Die Re*cruit*ingmesse lief super, es hat Spaß gemacht, ich darf stolz auf mich sein, so sagt man, und ich glaube es einfach mal und freue mich.

Aber das Beste kam danach. Ein Termin:
morgen, 12 Uhr, Frau W.

Seelenheil ~ ... link (4 Kommentare)   ... comment





Sonntag, 16. Oktober 2011
Brief an Frau W. IV
Liebste, allerliebste Frau W.

Haben wir eigentlich jemals darüber gesprochen, dass ich blogge? Ich erinner mich nicht. Wissen Sie, mein Blog war lange die Halde für meinen Seelenmüll. Egal was. Das ist jetzt anders. Das liegt vor allem daran, dass ich Sesamina nicht mehr so wirklich vertraue in dieser einen Hinsicht. Er hat mal, als ich in der Arbeit war und ihm meinen PC für Internetaktivitäten anvertraut habe, meine Sky*pe Cha*tpro*tokolle gelesen. Und was gefunden. Was total egal war für unsere Beziehung. Aber wie erklärt man das jemandem. Das ist schwer. Und wieviel schwerer erklärt man jemandem, dass es für mich genauso scheisse ist, dass er einfach in meine Intimsphäre eingedrungen ist.

Seitdem ist da der Wurm drin. Wir sind in einer blöden Spirale, das wäre jetzt zu ausufernd für hier, und außerdem, wie gesagt: ich vertraue nicht.

Sie fehlen mir so sehr, dass es mir das Herz fast zerreisst. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr in mich reinsehe, seit ich keine Therapie mehr bei Ihnen habe. Ich hab mal nachgesehen, von wann die letzten "Seelenheil"-Beiträge hier sind. Ein kurzer von vor kurzem. Und ein längerer, im Juli.

Es ist, als hätte ich keinen Zugang mehr zu mir, oder als hätte ich Angst davor ihn zu finden und zu nutzen, weil ich Angst vor dem habe, was ich dann vielleicht finden könnte. Deswegen brauche ich Hilfe.

Ich glaub, eigentlich bin ich in mir zur Zeit ziemlich außer mir. Das mit Sesamina machen wir mal kurz zu Ende: also seit dem Chatprotokoll läuft das immer mehr bergab, er drängt auf Nähe, und ich habe ein Näheproblem, und als jemand der ein Näheproblem hat, ziehe ich mich mit der Pistole auf der Brust immer weiter zurück, was dazu führt, dass er natürlich mehr Nähe einfordert. Ich dachte vor unserem Urlaub, dass es im Urlaub besser wird. Abstand vom Alltag und so. Das war nicht so. Es wurde so schlimm (ich durfte nicht lesen, weil ich "in fremde Welten flüchte" statt mich mit ihm zu beschäftigen. Wenn ich eine Katze streichelte, dann "für die hast du Zuneigung", und so weiter) dass ich nach zwei Wochen gegangen bin. Ich habe mich in ein anderes Hotel fahren lassen. Nach 3 Tagen kam er nach, aber wir hatten getrennte Zimmer. Der Einsamkeit, Abgeschiedenheit entronnen, war das dann irgendwie ok. Aber. Aber.

Aber. Frau W. Dann gibt es Abende an denen ich mich nicht innerhalb des Zeitfensters melde, das er für angemessen hält, und schon gibt es den totalen Terror. Er fickt sich dermaßen in den Kopf, es ist quasi unerträglich, weil ich dann mit dem Kopffickscheissdreck vollgekotzt werde, in einem respektlosen, unverschämten Tonfall. Bei all den Diskussionen. Da leidet meine Zuneigung. Obwohl er immer da ist. Immer. Wenn etwas ist. Und er ein ganz toller Mann ist. Aber ich weiß nicht, ob ich mich selbst verarsche weil es zum ersten mal in meinem Leben ernst werden könnte, und ich damit völlig überfordert bin und somit unmittelbar meine Fluchtreflexe aktiviert werden. Oder ob ich einfach wieder alleine sein will. WILL. Und überhaupt. Ich komme alleine gut klar. Ich weiß gar nichts mehr. Es ist auch so, dass jetzt diese paar Sätze in keinster Weise die Situation repräsentieren, weder die negativen wie die positiven Seiten. Dafür bräuchten wir mindestens ein paar Sitzungen. Sie kennen den Namen Sesamina ja noch. Wenn auch nur als eine kurze Episode, als die, die es damals war. Und insofern wüssten Sie auch ganz genau, welche Rolle ich denn in der ganzen Chose spiele, und wie gut (hahahahaaaa) ich mit meinen Päckchen zu der Scheisse beitrage. Sie kennen eben alles. Sie kennen mich.

Und dann die Arbeit. Scheisse wie lang muss manch Atem sein um das auszuhalten, und wie groß die Geduld, und wie dick die Haut.

Aber das schlimmste ist wohl meine Mama. Ich. Kann. Nicht. Mehr. Ich fühle mich gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Vater so einsam. So hilflos. Mein Vater meinte gestern: du bist nicht geflohen, weil du es nicht aushältst (als ich jetzt die ganzen letzten Monate keinen Kontakt mehr zu ihr hatte), sondern weil du deine Hilflosigkeit nicht erträgst. Er hat recht. Diese Ohnmacht. Wenn ich mich mit Dingen beschäftige, dann möchte ich sie lösen. Helfen. Etwas tun. Nur dass die Art von Hilfe, die ich leisten KÖNNTE, niemals als Hilfe erkannt werden würde, und abgesehen davon, weiß ich auch gar nicht mehr, was wir tun sollen.

Und dazu kommt dann: was zum Teufel tue ich hier eigentlich? In dieser mir immer noch fremden Stadt? Wie konnte ich bloß mein Netz, mein Zuhause aufgeben. Meinen festen Rahmen. All das, was es irgendwie erträglicher gemacht hat. Meine Freunde, das Wissen, das mein Chef mir jederzeit 2 Wochen Homeoffice bewilligt hätte wenn was mit Mama wäre. Mein Monnem.

Stattdessen bin ich zerrissen zwischen einer Distanzbeziehung (krass. Ich wollte gerade "Fremdbeziehung" schreiben. Was sagt das wohl.) nach Be*rlin, meiner Familie bzw. Mama in der alten Heimat, meinem alten Zuhause Monnem, den Freundschaften die ich pflegen möchte, die weder hier noch im alten Zuhause sind, und dem hier und jetzt, das überwiegend aus Arbeit besteht (und eben jener Zerrissenheit).

Ich war schon sehr sehr lange nicht mehr so orientierungslos. WOLLEN. Was will ich. Und warum sind Sie denn nicht da, verdammte scheisse. Ich brauche Sie jetzt wieder. Ich wollt nicht dass das so ist. Aber ich habe keine Ahnung wie ich allein damit klarkommen soll.

Ich weiß, dass Sesamina für all diese Themen ein offenes Ohr hat - aber schwierig finde ich das, was ihn selbst betrifft. Sowie die Tatsache, dass er nunmal nicht mein Therapeut ist. Und ich möchte auch niemals nie, dass mein Freund eine solche Rolle einnimmt.

Frau W.! Können Sie mich eigentlich manchmal in sich hören? Das frag ich mich. Und ob Sie manchmal an mich denken. Und sich fragen, was ich jetzt wohl tue. Sie wissen ja gar nicht, dass ich jetzt hier bin und nicht mehr in Monnem. Ich habe nicht das Gefühl, dass unsere Beziehung beendet ist, meine Teuerste. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie wir das geregelt bekommen sollen. Geschweige denn, ob diese derbe Sehnsucht nach Ihnen überhaupt gesund ist.

Aber gesund. Das hab ich eh schon länger nicht mehr gefühlt. Ich bin so traurig, dass ich nicht mehr weinen kann. Ich weiß nur, dass ich mich bei Ihnen nicht länger vor mir selbst verstecken könnte. Bitte. Bitte tun Sie mir den Gefallen und buddeln Sie meinen Kopf aus dem Sand, vielleicht kann ich dann endlich wieder mein Herz hören.


Seelenheil ~ ... link (4 Kommentare)   ... comment





Samstag, 8. Oktober 2011
Falsch.
Es ist der erste Abend seit langem, dass sich mein Leben einfach nur falsch anfühlt. Falscher Ort, falsche Arbeit, falscher Freund. Alles falsch.

Fühle mich kaputt. Defekt. Lange nicht mehr gefühlt.

Habe Angst. Auch lang nicht mehr gehabt.

Vielleicht nur der Herbst. Vielleicht aber auch nicht.

Suche Hilfe. Will Frau W. finden. Aber die ist halt nicht da wo ich bin.

Seelenheil ~ ... link





Samstag, 9. Juli 2011
Brief an Frau W. III
Liebe Frau W.,

ich höre gerade Deep Mix Moscow Radio und frage mich, wie das denn alles weitergehen soll. Mit mir, mit der Arbeit, mit Sesamina.

Darüber mache ich mir so viele Gedanken, dass ich letztendlich keinen einzigen klaren mehr fassen kann und somit in Unklarheit versinke. Darauf könnte ich dann allerdings glatt einen Klaren trinken. Belasse es dann aber doch bei Weißwein. Wobei mir heute bei sO*liver so ein Alk-Getränk mitgegeben wurde, mit Caipi-Geschmack. Fand ich ja irgendwie schon befremdend. Hab mich auch noch nicht dran getraut.

Das mit dem Job. Das ist. Ich bin zu schwach dafür. Zu ungeduldig, zu emotional, zu undiplomatisch. Zu unkonventionell. Zu... zu sehr mein alter Arbeitgeber.

Ich weiß nicht wie sehr das alles (die neue Firma) für mich passt. Wie sehr ich zu denen passe, und wie sehr die zu mir. Mir fehlt mein HaGa und meine alte Firmenfamilie, meine Kollegen und all die Späße wie Streitigkeiten, die wir dort hatten. Mir fehlt das Unkonventionelle bei aller Professionalität, mir fehlt es die Arbeit auch mal als Spiel zu betrachten. Mir fehlt das Bier ab Vier. Mir fehlt das "Topf hat Deckel gefunden"-Gefühl.

Und dann ist da Sesamina, dieser Sack, der mir lang und breit erzählt, wie toll es da ist, und wie entspannt er ist, während ich hier sitze und nicht weiß wohin mit meinem Frust. Er lässt mich so sehr teilhaben, unaufgefordert, mit Bildern, Mails, SMS, dass ich ihm gern eins in die Fresse schlagen würde dafür, andererseits liebe ich ihn so sehr dafür, dass ich es niemals würde missen wollen. Bei ihm habe ich das "Topf hat Deckel gefunden"-Gefühl.

Wenn wir telefonieren, läuft dann alles schräg. Da sagt er angetüddelt irgendwelche Sachen, die er vielleicht wirklich gar nicht so meint, aber damit reaktiviert er sofort das Programm (von dem er weiß, ich habe ihm mindestens so offen wie im letzten Blogeintrag von meinen Gedanken und Gefühlen berichtet). Und dann geht gar nix mehr, und jeder geht mit einem Scheiß Gefühl aus dem Telefonat. Er hat da jetzt natürlich nen super Joker in der Hand und kann alles auf meine Instabilität und mein Programm schieben. Hätte ich mal die Klappe gehalten. Hab ich ihm auch gesagt. So leicht kommt er damit jetzt nicht davon, das kann ja wohl nicht die Entschuldigung für alles sein, was vielleicht von ihm auch merkwürdig kommuniziert wird.

Was tun. Mit all dem. Die Arschbacken zusammenkneifen und rational mindestens ein Jahr vollmachen beim neuen Arbeitgeber, um wenigstens ein Jahr Berufserfahrung in dem Bereich vorweisen zu können, den ich wirklich spannend finde und den ich weiter verfolgen will. Oder... dem Bauch folgen, und somit den Bedürfnissen der "new economy" oder "generation y", oder wie diese neuen beschissenen Wörter für Leute wie mich sind, folgen, und somit auch die Gelegenheit nutzen, näher wenn nicht gar ganz räumlich zu Sesamina zu ziehen (aber bitte nicht in die gleiche Wohnung). Das klingt überstürzt... ist es vielleicht auch... vielleicht aber auch nicht.

Wenn er meine "liebevolle" Art die nächsten zwei Wochen übersteht.. und ich mich.

Ich liebe diesen Radiosender.

Frau W... nächste Woche könnte ich schon Freitag in Mannheim sein, wenn nicht das blöde Sommerfest der Firma wäre. Spätestens am Samstag, da bin ich sowieso dort. Aber ich überlege ernsthaft, das Sommerfest sausen zu lassen, um Sie persönlich zu konsultieren. Denn bei allem Respekt, aber diese Monologe bringen mich nicht annähernd so weit wie eine dreiviertel Stunde mit Ihnen.

Seelenheil ~ ... link (2 Kommentare)   ... comment





Mittwoch, 6. Juli 2011
Brief an Frau W. II
Liebe Frau W.,

die vor langer Zeit programmierte und über die ganzen Jahre hinweg absolut optimierte Software auf der meiner Seele eigenen Festplatte wurde aktiviert.

Es ist wieder der Automatismus. Sobald der Knopf gedrückt wird. "Bindung" --> Verlustängste/ Angst vor Verletzung --> Stufe 1: Mauer hochfahren --> Stufe 2: Eisblock werden --> Stufe 3: präventives Partnerverletzen --> Stufe 4: Exit.

Noch konnte ich mich eben zurückhalten, so dass er es nicht gemerkt hat. Aber ich spüre es in mir. Viel zu deutlich. Und ich habe Angst. Ganz viel Angst.

Ich dachte ja immer, ich habe das nur bei Männern, die "schlecht" für mich sind. Bzw. habe ich das Programm deswegen geschrieben. Aber der kann nicht schlecht sein. Wirklich nicht. Umso schlimmer wird die Angst.

Frau W. Das wäre jetzt wirklich ein guter Zeitpunkt für eine Sitzung. Ich will es nicht wieder verkacken. Ich will nicht länger vor der Möglichkeit verletzt zu werden davon laufen und deswegen jemanden verlieren, den ich liebe.

Wie geht man damit um? Wie gehe ich damit um als jemand, der es hasst sich zu öffnen, der vielleicht gar nicht vertrauen kann, der aus Angst vor Ablehnung vor der Liebe wegrennt?

In den nächsten zwei Wochen ist er im Urlaub, weil er kurz vorm Zusammenbruch steht, und er hat ihn extra so gelegt, dass er nur die zwei Wochenenden in Anspruch nimmt, an denen ich eh keine Zeit hätte, weil ich an einem Wochenende arbeiten muss und am anderen in Ma*nnheim bin. Kein Zufall, sagt er. Er wollte den Urlaub auf gar keinen Fall auf das mir nächstmögliche Wochenende buchen. Dafür will er lieber nochmal mit mir gemeinsam in den Urlaub fahren, irgendwann in diesem Sommer oder Herbst.

Und trotzdem sterbe ich vor Angst. Wovor ich Angst habe? Dass er es sich anders überlegt. Dass dort lauter tolle Frauen sind, die auch ganz toll Ki*tesu*rfen können. Dass er zurückkommt und mir sagt, dass wir das lieber lassen sollten. Dass er mich fallen lässt.

Alles sagt, dass das niemals so sein wird. Und doch weiß mein Programm so sicher, dass es so sein wird, dass ich es glaube. Und dass mein Herz es glaubt, und dass es sich verschließen und all die Öffnung rückgängig machen will, die ich - wie auch immer, es grenzt an ein Wunder! - in den letzten Wochen so dermaßen vollzogen habe.

Ich habe das Gefühl, ich stehe nackt und mit hängenden Armen auf einem offenen Platz und warte nur darauf, dass jemand einen Pflock in mein Herz rammt. Das Programm will mich darauf vorbereiten, und es ist wie gesagt schon angelaufen. Nur für mich spürbar. Aber ich weiß, morgen spürt er es auch.

Was soll ich machen. Bitte. Frau W. Wissen Sie noch, wie Sie mit mir die Situationen beim kleinen Professor durchgesprochen haben? Wie ich mich da beruhigt habe? Das schlimme ist, dass ich damals recht hatte. Auch mit meinem Misstrauen. Das schlimme ist, dass ich meistens recht habe. Zum einen mag die sich selbst bewahrheitende Prophezeiung da eine Rolle spielen (weil ich mir immer nur solche Männer suche und das Programm ja auch nicht wirklich konstruktiv ist). Zum anderen - wenn ich mir nur immer solche Männer suche, wer sagt mir, dass es jetzt wirklich anders ist?

Die Zweifel nagen an mir, sie tropfen in mein Herz und bringen es zum wanken. Ich will nicht schon wieder alles mit Zweifeln und Angst kaputt machen. Und meine Erfahrung sagt mir, dass man da nicht drüber redet mit dem Betroffenen, weil er sonst nämlich ganz schnell weg ist.

Ich mein, ich selbst würd mich auch nicht als Partnerin haben wollen. Da sind Kilometer über Kilometer an neuem Weg mit mir zu gehen. Mir beim Laufen lernen helfen. Zusehen wie ich stolper, Verständnis haben, mir die Hand reichen. Geduldig sein. Und dabei nicht die Liebe verlieren, und das obwohl ich beständig daran zweifelt. Wie soll so etwas denn gehen?

Angst fressen Seele auf. Immer und immer wieder in einer Beziehung. Und das anscheinend auch, wenn weit und breit keine Bedrohung sichtbar ist.

Das alles ist Neuland für mich. Und ich komm nicht damit klar. Denn was ist, wenn ich einfach wieder recht habe. Oder ich es so lange mit Füßen trete, bis ich recht habe.

Seelenheil ~ ... link (11 Kommentare)   ... comment





Dienstag, 31. Mai 2011
Telegramm an mich:

Papa hat sich bis heute nicht zu der Mail geäußert. Bin fast sprachlos. Enttäuscht. Bruder ist zögerlich, weiß nicht. Nach Aktionismus klingt das nicht. Aber immerhin. Einer der... mit da ist, so ein bisschen.

Arbeit immer verfahrener. Überlege zu kündigen aus diversen Gründen.

Fühle mich sehr alleingelassen. Im Job wie mit Mama.

Kieferknochenentzündung nach Mamut-Weisheitszahn-OP, aber Zahnarzt freut sich dass ich keine Dauerhaften Nervenschäden (am Kiefer...) davongetragen habe. Scheint wohl nicht so unwahrscheinlich gewesen zu sein. Ibu ist jetzt mein bester Freund.

Irgendwie alles ein bisschen im Ungleichgewicht. Alles zuviel. Geht mir nicht permanent scheisse, aber die Grundlast zieht heimlich still und leise immer mehr runter.

Freue mich sehr auf das Konzert und auf die Begleitung :-)

Und danach freue mich sehr auf Berlin.

Seelenheil ~ ... link (3 Kommentare)   ... comment





Mittwoch, 13. April 2011
Brief an Frau W. I
Liebe Frau W.,

da ich Sie ja nicht mehr sehen kann, schreibe ich Ihnen einfach. Ich bin inzwischen umgezogen. Und man, ich könnt Sie hier echt gut gebrauchen. Ich habe das Gefühl, das mit diesem Umzug wieder so viele alte Baustellen aufgerissen sind, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie zumachen oder beackern soll. Ohne Sie hätte ich das ja alles das letzte mal gar nicht geschafft. Und jetzt weiß ich zwar theoretisch wie, aber ich schaff es einfach nicht so wirklich. Ich wünschte Sie wären hier und könnten einfach wieder ein bisschen meine Hand halten. Und die richtigen Fragen stellen. Die, die ich mir selbst nicht stellen kann weil ich gar nicht drauf komme, und die ich mich nicht traue mir zu stellen.

Über die Arbeit will ich heute gar nicht reden. Ja, ich weiß auch noch nicht so genau warum. Vielleicht weil es letztendlich der einzige Grund ist, der auch irgendwie Sinn macht, warum ich jetzt eben da bin wo ich bin. Eben nicht mehr in M*annheim. Ich weiß dass Sie das alles näher interessieren würde. Mich eigentlich auch. Aber wir haben ja Zeit, viel Zeit, kann man sagen. Und deswegen fände ich es nett, wenn wir mit dem anfangen, was mir übers Wochenende Kopfzerbrechen bereitet hat.

Ja, da liegen Sie schon ganz richtig. Sie hören ja sowas immer an meinen Schritten, bevor ich die Tür aufmache. Es sind Männer, mal wieder. Sie lächeln ja. Das hab ich vermisst. Sie sind so Sie, und so natürlich und authentisch. Ich habe mich immer wohl bei Ihnen gefühlt. Aber ja, ich schweife ab.

Also. Ich bekomm das einfach nicht hin. Die letzte Eskapade kennen Sie ja zu genüge. Seitdem ist auch nicht viel passiert. Ich verliebe mich gar nicht mehr, obwohl ich es so gern würde. Aber inzwischen ist es merkwürdigerweise schon fast so, als würde ich gar nichts mehr von der Liebe erwarten. Sie hat mich da irgendwie nicht so auf ihrer Liste. Oder vielleicht auch doch, aber ich kapier es einfach nicht, was sie von mir will. Das sind dann immer so Männer oder Situationen, bei denen ich gar nicht weiß, was ich jetzt damit anfangen soll.

Nehmen wir mal den F. Den hab ich letztes Jahr im Spätsommer kennengelernt, er ist der Nachbar von der LeSchwe. Der hat das gleiche Problem wie der kleine Professor, nur dass er einen anderen Charakter hat. Einen, bei dem es einem so weh tut, dass er sich das gleiche antut wie der Prof. Das hat mich schon mal irritiert, oder besser gesagt genervt. Also nicht von Anfang an. Da waren wir nur mal zusammen feiern, und es war echt lustig. Aber mehr nicht. Und dann haben wir uns halt öfters zu dritt getroffen, und was unternommen. Und eines nachts, bzw. wurde es schon fast wieder Tag, da lag ich schon im Bett und versuchte zu schlafen, bei ihm. LeSchwe war schon lange gegangen, weil sie ja keine Dummheiten macht. Und in dieser Nacht legt er sich plötzlich zu mir ins Bett. Also in sein Bett. Und es war alles sehr schön und zärtlich, und wir hatten keinen Sex, nur Nähe.

Oh man, ich sehe geradezu, wie die Sirene auf Ihrem Kopf losgeht. Ging mir genauso. Deswegen hab ich dann auch gleich mit offenen Karten gespielt, bzw. dadurch, dass wir vorher nur bekumpelt waren, wusste er sowieso, dass ein Prof-Phänomen für mich nicht mehr für eine Beziehung in Frage kommt. Er wusste von Anfang an woran er ist. Und er war ja auch nicht von Anfang an verliebt. Nur dann eben, mit der Zeit. Und wir hatten eine sehr schöne Zeit. Er kann mich einfangen, wenn ich so sauer bin, dass ich kurz vorm Abdrehen stehe. Er sagt genau die richtigen Dinge. Er ist da, wenn es mir schlecht geht. Er hält mich in seinen Armen. Und ich habe mit ihm eine Bestandsaufnahme in der Wohnung seiner Mutter gemacht, die kurz zuvor an Krebs gestorben war.

Wir haben nicht nur gefickt, und das ist wohl das Problem. Ich hatte ihm gegenüber von Beginn an ein Urvertrauen, dass ich glaub ich wenn überhaupt, dann nur einmal einem Mann gegenüber verspürt habe. Keine Ahnung warum. Es war, als würden wir uns ewig kennen. Irre vertraut. Das hat sich dann schon auch im Sex gespiegelt, den wir doch irgendwann hatten, und es war so ein wahnsinniger Sex, wie ich ihn noch nie hatte.

Was ich mich frage ist: habe ich mich nicht in ihn verlieben wollen und es zu verhindern gewusst, kopfgesteuert, weil ich wusste, was das mit sich bringt, oder habe ich mich einfach nicht verliebt, weil sich das "Beuteschema" doch geändert hat? Über diesen Punkt komme ich nicht hinweg.

Es ist so irre. Er hat gespürt, wenn ich was mit einem anderen hatte, über Weihnachten. Er ist kein eifersüchtiger Typ. Aber er hat einfach gespürt, dass da was war. Er hat sonst nie danach gefragt. Das gleiche war kurz vor meinem Umzug, als ich jemanden kennengelernt habe. Da hat er auch gefragt, ob ich jemanden kennengelernt habe. Das waren die zwei einzigen male, die er gefragt hat. Und es waren die zwei einzigen Momente, in denen er auch einen Treffer landen konnte. Ich fand das jedes mal sehr gruselig.

Jedenfalls.. wir haben uns sehr gestritten, Ende Januar. Das war sehr hässlich, wir waren betrunken, und er kam bzw. kommt immer noch nicht damit klar, dass ich seine Gefühle nicht erwieder, und dass ich nicht so handel wie es ihm lieb wäre, wenn ich bei LeSchwe war und nicht bei ihm geklingelt habe, oder so. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben. Deswegen ist das dann eskaliert. Und so ganz hat sich das nicht mehr eingerenkt.

In der Woche vor meinem Umzug hat er LeSchwe weindend angerufen, er konnte nicht in die Arbeit, weil er wochenlang nicht richtig essen konnte, weil sein Herz so weh getan hat, und er hat einfach nur noch geweint. Mich hat er auch angerufen, und geweint und geweint, und gefragt, wie ich ihm das alles antun konnte.

Ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich ihm bestimmt nie absichtlich etwas antun wollte, und dass ich immer mit offenen Karten gespielt habe. Aber die Freundin meines ehemaligen Mitbewohners hat wohl recht. Sie meinte: Oka, du bist die, die es nicht erwischt hat. Du müsstest die Verantwortung tragen und die Verbindung kappen.

Ich konnte es nicht, weil ich ihn nicht verlieren wollte.

Vor wenigen Wochen habe ich dann, nachdem ich weitere bittere und vorwurfsvolle Mails von ihm nicht beantwortet habe, ihm endlich erklären, was wie und warum. Er hat komischerweise gleich verstanden, und wir haben telefoniert, und es war lustig, und schön. Für eine halbe Woche. Dann hat er an einem Freitag Abend was blödes gesagt, über "bei mir läuft meist mein eigener Film", so ein Drogenausspruch. Das hat mich sofort angekotzt. Vielleicht hab ich es auch komplett falsch verstanden. Aber ich bin einfach ein gebranntes Kind und reagiere extrem empfindlich auf solche scheiss Sprüche. Reagiere über, vermutlich, ich kann es nicht beurteilen.

Daraufhin hab ich mich am Samstag danach nicht gemeldet, weil ich auch scheiss Kopfschmerzen hatte, und eh nicht wusste wohin mit mir. Am Sonntag war ich beim Fratzenbuch online, aber unterwegs, weil mir jemand hier die Stadt zeigen wollte. In der Zeit hat er mich angeschrieben, und ich natürlich nich zurück, ich war ja nich da. Und dann kamen wieder lauter Vorwürfe. Und seitdem - Funkstille. Bzw. Hassmails, und dass er nichts mehr mit mir anfangen kann, ich sei nicht mehr die Oka, die er mal kennengelernt hat.

Es trifft mich sehr, aber nicht zu sehr, denn ich weiß, dass es diese Verbindung zwischen uns wirklich gibt, und dass er in sich drin weiß, dass das Bullshit ist, was er redet, und dass er genau weiß, das das Problem bei seinen Drogen liegt. Aber so richtig sehen will er es nicht.

Und jetzt meine Frage: habe ich ein Helfersyndrom? Oder bin ich verliebt? Verliebt gewesen? Warum fehlt er mir denn so? Meine ich ihn retten zu müssen? Das Gefühl hab ich gar nicht, weil ich nie versucht habe ihm das auszureden. Er ist halt wie er ist, und unter den Umständen läuft keine Beziehung. Punkt. Das hab ich mir immer gesagt. Aber hat mein Herz das auch gesagt? Das weiß ich irgendwie nicht so genau.

Jetzt lasse ich ihn einfach in Ruhe. Auch wenn es schwer fällt. Vielleicht schreibe ich ab und an mal, erzähle was von mir und frage ihn wie es ihm geht. Der Mann war seit sehr vielen Jahren nicht mehr verliebt. Ich kann verstehen, dass er verletzt und enttäuscht ist. Aber ich kann es auch einfach nicht richtig machen, und eine Beziehung wäre die Hölle gewesen, ich hätte nur ständig an ihm rumgekrittelt und versucht ihn zu ändern, wie beim Prof auch, und dabei hätten wir uns gegenseitig richtig schön fertig gemacht und am Ende wär nur noch dieser Aschehaufen übriggeblieben, den ich nur zu gut kenne.

Aber erklären kann ich es ihm nicht. Also nicht so, dass er es annehmen kann. Anscheinend.

Und trotzdem fehlt er mir. Er wäre ein toller Mann. Einer, der mich versteht, einer, den ich verstehe (und aber wegen diesem einen riesigen Aspekt einfach nicht als Partner akzeptieren mag), einer, mit dem man lachen, weinen, feiern und reden kann. Außer es geht um uns. Da wird alles ganz unreflektiert, obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass er ganz tief innen alles selbst weiß.

Und dann ist da noch dieser komischer andere Mann, aber von dem erzähl ich ein ander mal. Das schaff ich nicht mehr, ich fühl mich ganz ausgelaugt.

Ja, ich habe mich auch gefragt, ob ich den F. deswegen so mag, weil er mich in vielem an den Prof erinnert. Auch wenn er wie gesagt ganz anders ist. Aber durch die ganze Sache wurde das Thema mit dem Prof wieder unheimlich präsent für mich. Ich weiß gar nicht mehr, was ich denke und wirklich fühle, und wer ich bin, ich fühl mich so meilenweit weg von mir, hab irgendwie im letzten halben Jahr den Zugang zu mir verloren. Und zu Ihrer Frage: ich weiß es nicht, Frau W. Ich dachte, Sie können mir da weiterhelfen. Aber ich weiß. Sie sind nich da.

Seelenheil ~ ... link





Donnerstag, 7. April 2011
Das erste mal seit Ewigkeiten mit Mama telefoniert. Sie hatte mir ja nicht zum Geburtstag gratuliert, erst nachdem mein Bruder sie darauf hingewiesen hat, dass das unmöglich sei.

Es ist. So. Müdemachend. So traurig. Meine Brust tut weh und ich heule in mein Essen. Bahnt sich alles seinen Weg, was ich seit ich hier bin unten gehalten habe, weil ich irgendwie funktionieren muss. In diesem ganzen Scheiss.

Ich will nach Hause. Einfach nur noch nach Hause. Ich mag einfach nicht mehr.

Seelenheil ~ ... link (9 Kommentare)   ... comment





Mittwoch, 6. April 2011
Mein Team ist total verkorkst. Und.. ich kann das alles gar nicht erzählen. Es kotzt mich so an, dass ich gar nicht drüber schreiben will.

Denk mir einfach nur noch "ich will mein Leben zurück".

Ganz schön ... blöd.

Seelenheil ~ ... link (2 Kommentare)   ... comment