Dienstag, 15. November 2011
Kann long stories irgendwie nicht mehr short cutten.
Den Arzt kenne ich erst seit letzter Woche, als ich eine Krankschreibung wegen meiner starken Erkältung benötigt habe. Es war mir heute einigermaßen peinlich, schon zu weinen anzufangen als er nur den Raum betrat.

Es ist immer ein Wagnis, sich zu öffnen, auch bei einem Arzt, jedenfalls empfinde ich es so. Ich habe Angst zurückgestoßen zu werden. Oder schnell weitergeleitet zu werden, "ah jaja, hm ich sehe, ja also und was soll ich da tun? ja hm ja also gehen Sie doch mal woanders hin".

Das wird vielleicht kein Arzt zu machen, und trotzdem war ich so erleichtert und froh, dass er so reagiert hat, wie er reagiert hat.

Es war ein langes Gespräch, über meine Arbeit bzw. die konkrete Situation, und über meine Mutter.

Zur Arbeit hat er in etwa genau das gesagt, was Frau Sturmfrau mir schrieb. Und er hat mich gefragt, was ich möchte. Er meinte, er würde machen was ich will, er könne mich krank schreiben, für mehrere Wochen, oder auch nicht. Aber empfehlen würde er mir, mich heute zu sortieren und auf jeden Fall das morgen anstehende Gespräch wahrzunehmen, vor allem da ich doch wisse, dass GF und Chefin in dieser konkreten Angelegenheit hinter mir stehen. Ich soll spazieren gehen, im Wald "scheiße" schreien. Druck ablassen. Und dann überlegen, was genau ich in diesem Gespräch sagen möchte.

Das ging natürlich erstmal um Situationslösung. Über weitergreifende Dinge haben wir nicht soviel gesprochen, vielleicht auch weil ich ihm gesagt habe, dass ich bereits mit einem The*rapieinstitut hier gesprochen habe und er somit weiß, dass ich bereits Hilfe suche. Vielleicht dachte er aber auch, dass ich das alleine schaffe. Er sog zwar zischend den Atem ein, als ich ihm erzählte, dass meine Chefin auch meine Stiefmutter ist, und fragte wie es dazu kam, aber er ging nicht weiter darauf ein, wie man das nun lösen könne. Er meinte, nur, dass ich es dort ja, wie lange auch immer, ja noch eine Zeit aushalten müsse, und im Zweifel solle ich mich entschuldigen, auch wenn ich mich nicht verstanden fühle, und dann überlegen, was ich möchte. Ist ja auch nicht sein Job das für mich zu lösen. Es tat schon gut, dass er zuhörte und ich ernst genommen wurde.

Zu meiner Mutter sagte er etwas, was mir noch nie kam. Klar, Einweisung, Medikamente, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie über Di*gnitas spricht, anfängt zu trinken und Tabletten konsumiert. Er meinte, ich solle vorab mit dem Richter Kontakt aufnehmen, der die vorherigen Unterbringungen geregelt und die Betreuung geklärt hätte, und ihn um Rat fragen.

Er meinte auch, dass wir eine dauerhafte Betreuung einrichten sollten, die auch die Macht über die Krankenkassenkarte beinhaltet. Damit sie nicht eigenmächtig und ohne Rücksprache mit ihren Betreuern zu anderen Ärzten gehen kann, um von Depotspritzen auf Tabletten, die sie dann eh nicht nimmt, umsteigen zu können. Das war etwas, das mir noch nie gekommen ist. Dabei ist es so banal. Und es hat mir Mut gemacht.

Ich sagte ihm, wissen Sie, und dann ist da Weihnachten, und sie ist in der Geschlossenen. Fragen Sie nicht, wie viele Weihnachten ich im Krankenhaus verbracht habe. Bei meiner Schwester, bei Freunden. Und so skurril das zum Teil auch war, so sehr viel lustiger war es zum Teil auch als einfach auf dem Sofa unterm Weihnachtsbaum zu Hause.

Er hat mich für heute krankgeschrieben, und meinte, wenn es gar nicht geht, kommen Sie einfach wieder.

Mut. Ich brauche einfach mehr Mut. Für mich einzustehen und das, was ich für richtig halte, für mein Bauchgefühl.

Ich war zwei Stunden spazieren, und habe viel nachgedacht. Ich werde da morgen hingehen. Vor dem Gespräch habe ich keine Angst, weil ich weiß dass hier die hinter mir stehen, auf die es ankommt, und dass es nicht darum geht, mir eins reinzuwürgen, sondern demjenigen, der mich hinterhältig in die Pfanne hauen wollte.

Dass der J*A*V-Mann nicht dabei ist, soll mir erstmal egal sein. Angeblich wollen sie im Gespräch aus dem BR rausleiern, von wem das kommt. Ich bin da mal gespannt, und schaue einfach auch mal zu.

Ich werde nicht mehr versuchen, meiner Chefin zu sagen, dass es unsinnig ist wenn sie moderiert oder dass sie da einen aktiven Part übernimmt. Soll sie machen was sie will. Ich werde für mich einstehen, wie ich es für richtig halte.

Meiner Chefin habe ich eine Mail geschrieben, weil sie mich um eine Krankmeldung bat und fragte, wie ich mir die weitere Zusammenarbeit vorstelle. Ich antwortete ihr, dass es mir leid tut wegen heute morgen, und dass meine Nerven etwas am Ende sind. Ich sagte, dass ich morgen nicht die Coole mimen kann, weil mich die Situation sehr belastet, und ich möchte nicht dass etwas anderes von mir erwartet wird. Ich erklärte nochmals, dass für mein Empfinden die aktuelle Situation das wiederspiegelt, was ich seit 8 Monaten dort beobachte. Dass ich es nicht in Ordnung finde, dass sie lacht, wenn ich über so etwas mit ihr spreche und ich weine, weil ich das Gefühl habe sie will mir suggerieren ich wei ein dummes Kind. Und ich erklärte, dass ich gewiss nichts auf dem Silbertablett will, dass mir das meine knapp 5 Jahre in meiner alten Firma gezeigt haben. Ich weiß, dass es überall Probleme gibt.

Und ich sagte ihr, dass ich an mich selbst nicht den Anspruch habe, eine Unternehmenskultur so schnell zu beeinflussen, wie es notwendig wäre, damit ich mich wohlfühle. Und wenn jemand anderes diesen Anspruch an mich hat, dann ist der unrealistisch.

Ich versuchte ihr kurz zu erklären, was für mich Integration bedeutet, und was ich dafür von meinem Umfeld erwarte. Versuchte ihr zu erklären, dass es manchmal besser ist zu gehen, wenn man merkt, dass zwei Vorstellungen von Kultur, Werten, Zusammenarbeit zu weit divergieren.

Und dass ich es für unfair und ungerechtfertigt halte, mir Unzulänglichkeit zu unterstellen, wenn ich eines Tages für mich entscheide, dass diese Kultur es eben nicht für mich ist.

Für die Zusammenarbeit würde ich mir wünschen, dass wir das auf eine sachliche Ebene holen, aber das sollten wir persönlich besprechen.

Die Antwort fand ich persönlich sehr ernüchternd, aber ich weiß nicht, vielleicht liegt es auch an mir und meiner Wahrnehmung:

Liebe Oka,

Entschuldigung ist angenommen.

Ich wollte nicht, dass Du Dich fühlst wie ein kleines dummes Kind. Das denke ich nicht einmal. Ich glaube ich war etwas ratlos, weil ich nicht wusste, wie ich Dich auf eine sachliche und eine andere Schiene bringe. Ich fand es irgendwie absurd - vielleicht auch nicht das richtige Wort.

Habe gerade versucht Dich zu erreichen - es aber nicht geschafft. Ich gehe jetzt zum Sport und bin erst gegen 21:00 - 21:30 Uhr zu Hause. Aber ich wollte Dir noch ein paar Zeilen schreiben - in der Hoffnung, dass Du heute normal schlafen kannst.

Mir ist die enorme psychische Belastung wegen Deiner Mutter bewusst, allerdings stecke ich da persönlich nicht so tief drin wie Du sondern habe etwas Abstand. Ich kann gut nachvollziehen, dass diese Situation dünnhäutig macht. Und wenn dieser hinterhältige und fiese persönliche Angriff (der mit der <Unternehmensname-Kultur nichts zu tun hat) dazu kommt, ist das oft zuviel für die verbleibende Kraft, um damit sachlich und professionell umzugehen. - Trotzdem müssen wir es versuchen, sonst bieten wir zuviel Angriffsfläche für den Gegner. Und ich bin nicht bereit diesen Vorfall unter den Teppich zu kehren! - Auch wenn Dich das vielleicht nicht so interessiert - auch ich habe so einige persönliche Angriffe beim <Firmenname> und anderen Firmen erlebt, habe mich mit Kündigungsgedanken getragen und habe mich dem gestellt und diese Sachen für mich ausgefochten. Daran bin ich gewachsen. - Du musst für Dich entscheiden, wie Dein Weg ist und ihn gehen. Aber ich würde mir wünschen, dass Du das Handwerkszeug im Rucksack hast, um mit persönlichen Angriffen cool und professionell umzugehen. Denn ich denke diese Situationen wirst Du auch in anderen Unternehmen und im Bereich Personal oder privat immer mal wieder haben.

Alles andere morgen. Ich wünsche Dir eine gute und erholsame Nacht :-)

Liebe Grüße
<Chefinname>


Es mag jetzt wirklich albern klingen. Zum einen fühle ich mich nach wie vor unverstanden im Kulturkontext, auch habe ich nicht das Gefühl, dass das einer gewissen Reflexion dessen was ich gesagt habe entspricht. Der Umgang mit Angriffen - das ist keine Frage, ja, das muss ich lernen. Aber wie gesagt - und da fühle ich mich unverstanden - es geht mir nicht nur um diese eine sehr greifbare Situation.

Und zum anderen hätte auch ich eine Entschuldigung erwartet.

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Psyched out.
Langsam glaub ich den Verstand zu verlieren.

Heute morgen die Mitfahrer abgeholt, Richtung Arbeit gefahren. Irgendwann liegt eine tote Katze auf der Straße, und ich fange sofort an unkontrolliert loszuheulen. Mitfahrer bestürzt, ich peinlich berührt.

In die Arbeit, zur Chefin. Gesagt, ich kann das gerade alles nicht mehr. Zuviel. Ich habe nicht das Gefühl das sie versteht. Ich sage, dass ich einfach nicht reinpasse. Dass ich vor allem vor dem familiären Hintergrund ein freundliches Arbeitsumfeld brauche. Eine gute Unternehmenskultur. Sie sagt, wir könnten den BR so zerpflücken, aber du kannst einfach nicht cool bleiben.

Ich heule und und fühle mich angegriffen, sage, dass ich von mir selbst nicht erwarten kann in ein solches Umfeld einzufügen, anzupassen. Dass ich das als Verrat an mir selbst empfinde. Dass ich nicht mehr ordentlich schlafe. Immer mehr abnehme obwohl ich esse. Dass mich das Umfeld krank macht.

Ich sage, dass es für mich mit der Klärung der einen Situation nicht getan ist, nenne ihr Beispiele, die ich seit ich da bin beobachtet habe. Und allein schon, wie überhaupt dieser Einstieg ins Unternehmen gelaufen ist (mit der plötzlichen Vertragscancelung, etc).

Sie versteht mich nicht. Sagt, ich würde erwarten, alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Meint, dass es überall Probleme gibt. Jaja, das weiß ich alles, sage ich, aber das Minimum, das ich persönlich mir in einer Firma erwarte, ist hier nicht gegeben. Ich gehe nicht davon aus, dass man mir den Arsch nachträgt. Ich weiß, dass es immer Probleme gibt.

Das Gefühl habe ich nicht, sagt sie, und ich sage: ähm, doch!

Sie lacht, mal wieder. Es klingt für mich belächelnd, herablassend, wie: man du dummes Kind.

Und ich sage einfach nur: weißt du, genau das ist es, da stehst du dann als Führungskraft vor mir, und lachst während ich heule. Nein Danke.

Und gehe.

Sie sagte schon zu Eingang des Gesprächs, dass sie das gestrige Telefonat nicht als Gespräch zwischen Führungskraft und MA wertet, denn sonst...

Ich weiß nicht, was sonst. Ich sagte: ja, vielleicht ist es wirklich genau das, was ich brauche, eine Kündigung. Sie hat das glaub ich nicht verstanden, ich glaub sie dachte, ich mein das ironisch. Meinte ich aber nicht.

Alleine scheine ich diese Entscheidung gerade nicht hinzubekommen, ich hab das Gefühl keine klaren Gedanken mehr diesbezüglich fassen zu können, in diesen ganzen Verwirrungen und Fallstricken aus: was bedeutet das für meinen Lebenslauf. Kann ich woanders in diesem Berufsfeld arbeiten mit so relativ wenig Berufserfahren. Wohin soll ich. Wohin will ich. Was bedeutet die aktuelle Situation für meine Familie. Für die Beziehung zwischen mir und meinem Vater. Bin ich psychisch krank, und wenn ja wie sehr. Hab ich einen Schuss. Bin ich labil. Schwach. Unfähig. Was ist los mit mir.

Ich geh jetzt erstmal zum Arzt.

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Dienstag, 8. November 2011
Situationskomik.
Gerade endlich bei dem The*rap*iezentrum durchgekommen. Der Herr am anderen Ende der Leitung klingt etwas schnodderig, aber nicht gleichgültig. Er fragt die Grunddaten ab, Anlass meines Anrufs bzw. Themen. Ich spreche über Mama, meine letzte Beziehung, die alte Beziehung, gelegentlichen Dro*genkonsum, erkläre ich hier nicht ankomme, Schwierigkeiten mit zuviel Veränderung auf einmal habe, dass der Jobwechsel unglücklich gelaufen ist, mir meine Freunde fehlen, mein Soziales Netz, und dass ich oft nicht so wirklich gut sein kann zu mir. Und dass ich gerne eine Frau als Ther*apeutin hätte. Er fragt nach Größe und Gewicht. Und dann, ob ich Medikamente nehme. "Nein, gar nichts", sage ich.

Er: "Achso ok, also außer Sp*eed nichts."

Ich bin verdattert.

"Kleiner Scherz am Rande. Sie sind dann also unter Selbstmedikation bei uns im Haus."

Und dann muss ich herzlich lachen. So einen Humor mag ich. Ich bin gespannt, wann sie sich melden, und wem ich dann gegenüber sitze.

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Samstag, 29. Oktober 2011
papa.
Bis gerade die schönsten und intimsten stunden mit Papa seit langer, sehr sehr langer Zeit verbracht. Wunderschönes Gespräch bei wunderschöner Musik. Mit tränen und lachen. Sehr froh. Sehr sehr froh.

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Samstag, 29. Oktober 2011
leer
Wie - bei sich selbst anrufen und dann heissts: kein Anschluss unter dieser Nummer.

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Freitag, 28. Oktober 2011
Solo.
Seit gestern wieder Single. Und ja. Erleichtert.

Am Wochenende Filmtage in der alten Heimat.

Lange mit LeSchwe telefoniert.

Wein getrunken.

Morgen Nachmittag treffen mein Bruder und ich uns mit unserem Bekannten S. und meiner Mutter.

Ich habe Lust, jemanden zu küssen.

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Montag, 24. Oktober 2011
3 Tage MA
Es war eine sehr merkwürdige Erfahrung, mal wieder 3 Tage in MA zu verbringen.

Was mir dabei klar wurde: MA ist nicht mehr mein Zuhause, und NBG noch nicht. Ironischerweise war ich mit M und ihrem Freund M am Freitag Abend auf einem Eisho*ckeyspiel MA gegen NBG, das wussten wir vorher aber nicht. MA gewann.

LeSchwe, bei der ich am nächsten Tag war, meinte dazu nur: "is ja mal ein ganz klarer Fall. Weißt, was du zu tun hast, ne?" Ich lächelte. Und frage mich, ob ich überhaupt irgendwas weiß. Wir waren wandern mit Freunden und Wein, schön Essen, schauten Folge um Folge "Ho*w I m*et yo*ur mo*ther"" und stromerten abends auf dem Na*chtwandel im Ju*ngbusch. Was heute ein Ausschlafen bis 13 Uhr erforderte, und weitere Folgen von gegannter Serie, im Schlafanzug auf dem Sofa, neben einer meiner besten Freundinnen. So vertraut und doch so merkwürdig inzwischen, bis ich um 17 Uhr die Hühner sattelte.

Klar wurden mir vor allem folgende Dinge:
- es SIND zu viele Päckchen auf einmal. Die Zerrissenheit zwischen MA und NBG. Das "Heimweh". Die Einsamkeit. Das "in meiner Firma bin ich ein Alien" - die Leute sind einfach nicht meine Welt. Das Unternehmen nicht mein Fall. Meine Mama. Und Sesamina. Zuviel Veränderung und neuer Einfluss auf einmal. Nicht zu handeln für mich.

- es GIBT etwas Gutes, zumindest stellte meine Frau W. es fest, und das war mir so gar nicht klar: mein Job macht mir Spaß. Ja. Der JOB. Sie meinte, das sollen wir doch jetzt mal ganz arg festhalten, da sie mich noch nie so klar ein einer Aussage zur beruflichen Zukunft gehört hat. Ja. Das stimmt. Immerhin etwas weiß ich. In diesem Berufsfeld will ich bleiben.

- MA ist nicht mehr mein Zuhause. Obwohl ich bei jenen war, die mir so lieb sind, fühlte ich mich in mir immer sehr einsam. Ich fühlte mich klein, zum Teil auch hässlich. Dachte mir: wow, so viele Leute nachts auf der Straße! Es gibt noch ein Leben! Ich war seit Monaten nicht mehr weg (in Bars, Kneipen, ...). Ich wünschte mir, es wäre noch mein Zuhause, aber Fakt ist, ich habe gerade keines: in MA nicht mehr Zuhause, in NBG noch nicht. Ein ziemlich bescheuertes Gefühl. Vielleich weil mir klar wurde, wie mein Leben wieder aussehen könnte. Vielleicht weil mir klar wurde, wie wenig Kontakt letztendlich noch vorhanden war durch diese ganze Beziehungssache mit Sesamina.

- Mir fehlen meine Freunde und MA noch mehr als ich dachte. Und es fehlt mir das Gefühl, dort wieder völlig integriert zu sein. Ich WILL wieder öfters nach MA. Unbedingt. Und wieder mehr Kontakt zu meinen Leuten dort.

- Die Sache Sesamina ist total verkorkst. So verkorkst, dass ich nicht weiß wie wir da rauskommen sollen. Und gerade mit dem Hinweis der Therapeutin, dass ich überlegen soll, was mir gut tut und was nicht, was ich leisten kann und will und was nicht, wurde mir klar, dass ich das weder leisten kann noch weiterhin will. Das hat nichts mit meiner Zuneigung zu tun, auch wenn die auch stark strapaziert ist, sondern schlichtweg mit der Tatsache, dass wir uns einfach überhaupt nicht verstehen, und das Ganze seit mehreren Wochen keinem von uns beiden gut tut. Jeder hat das Gefühl, er richtet sich nur noch nach dem anderen aus, aber das kommt jeweils beim anderen einfach nur schräg an bzw. gar nicht.

- Meine Mutter kann ich nicht wegschieben. Ich muss mich damit befassen und lernen damit klar zu kommen. Ich muss aktiv bleiben und mich auseinandersetzen. Mit meinem Bruder.

- Es wäre gut, wieder in eine Therapie zu gehen. Zumindest solang, wie ich das Bedürfnis habe. Bruder meinte, er würde auch gerne zu einem Therapeuten wegen der Mamasache, will aber lieber mit mir gemeinsam dahin. Er meinte vorhin: "das fiele mir leichter. Denn du gehörst da einfach dazu."

Ich merke gerade, dass es überhaupt gar nicht einfach ist all die Gedanken irgendwie strukturiert zu "Papier" zu bringen, die ich mir dieses Wochenende nach meinem Gespräch mit Frau W. gemacht habe. Ich fühle mich immer noch zerrissen. Hab das Gefühl, ich muss mein Leben wieder in den Griff kriegen.

- Quintessenz: ich lebe nicht so wie es mir gut tut und gefällt. Es ist irgendwas einfach brutal schief gelaufen. Es fühlt sich falsch an. Und ich MUSS handeln.

Ich musste oft an eine Postkarte denken, die ich aus irgendeiner Kneipe habe. "Ich will alles!" Das geht aber irgendwie nicht. So sehr ich auch wollte. Und letztendlich zählt jetzt ein sehr egoistisches Prinzip: "tu nur das, was dir gut tut und was du leisten kannst und willst."

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Donnerstag, 20. Oktober 2011
Ein guter Tag.
Die Re*cruit*ingmesse lief super, es hat Spaß gemacht, ich darf stolz auf mich sein, so sagt man, und ich glaube es einfach mal und freue mich.

Aber das Beste kam danach. Ein Termin:
morgen, 12 Uhr, Frau W.

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Sonntag, 16. Oktober 2011
Brief an Frau W. IV
Liebste, allerliebste Frau W.

Haben wir eigentlich jemals darüber gesprochen, dass ich blogge? Ich erinner mich nicht. Wissen Sie, mein Blog war lange die Halde für meinen Seelenmüll. Egal was. Das ist jetzt anders. Das liegt vor allem daran, dass ich Sesamina nicht mehr so wirklich vertraue in dieser einen Hinsicht. Er hat mal, als ich in der Arbeit war und ihm meinen PC für Internetaktivitäten anvertraut habe, meine Sky*pe Cha*tpro*tokolle gelesen. Und was gefunden. Was total egal war für unsere Beziehung. Aber wie erklärt man das jemandem. Das ist schwer. Und wieviel schwerer erklärt man jemandem, dass es für mich genauso scheisse ist, dass er einfach in meine Intimsphäre eingedrungen ist.

Seitdem ist da der Wurm drin. Wir sind in einer blöden Spirale, das wäre jetzt zu ausufernd für hier, und außerdem, wie gesagt: ich vertraue nicht.

Sie fehlen mir so sehr, dass es mir das Herz fast zerreisst. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr in mich reinsehe, seit ich keine Therapie mehr bei Ihnen habe. Ich hab mal nachgesehen, von wann die letzten "Seelenheil"-Beiträge hier sind. Ein kurzer von vor kurzem. Und ein längerer, im Juli.

Es ist, als hätte ich keinen Zugang mehr zu mir, oder als hätte ich Angst davor ihn zu finden und zu nutzen, weil ich Angst vor dem habe, was ich dann vielleicht finden könnte. Deswegen brauche ich Hilfe.

Ich glaub, eigentlich bin ich in mir zur Zeit ziemlich außer mir. Das mit Sesamina machen wir mal kurz zu Ende: also seit dem Chatprotokoll läuft das immer mehr bergab, er drängt auf Nähe, und ich habe ein Näheproblem, und als jemand der ein Näheproblem hat, ziehe ich mich mit der Pistole auf der Brust immer weiter zurück, was dazu führt, dass er natürlich mehr Nähe einfordert. Ich dachte vor unserem Urlaub, dass es im Urlaub besser wird. Abstand vom Alltag und so. Das war nicht so. Es wurde so schlimm (ich durfte nicht lesen, weil ich "in fremde Welten flüchte" statt mich mit ihm zu beschäftigen. Wenn ich eine Katze streichelte, dann "für die hast du Zuneigung", und so weiter) dass ich nach zwei Wochen gegangen bin. Ich habe mich in ein anderes Hotel fahren lassen. Nach 3 Tagen kam er nach, aber wir hatten getrennte Zimmer. Der Einsamkeit, Abgeschiedenheit entronnen, war das dann irgendwie ok. Aber. Aber.

Aber. Frau W. Dann gibt es Abende an denen ich mich nicht innerhalb des Zeitfensters melde, das er für angemessen hält, und schon gibt es den totalen Terror. Er fickt sich dermaßen in den Kopf, es ist quasi unerträglich, weil ich dann mit dem Kopffickscheissdreck vollgekotzt werde, in einem respektlosen, unverschämten Tonfall. Bei all den Diskussionen. Da leidet meine Zuneigung. Obwohl er immer da ist. Immer. Wenn etwas ist. Und er ein ganz toller Mann ist. Aber ich weiß nicht, ob ich mich selbst verarsche weil es zum ersten mal in meinem Leben ernst werden könnte, und ich damit völlig überfordert bin und somit unmittelbar meine Fluchtreflexe aktiviert werden. Oder ob ich einfach wieder alleine sein will. WILL. Und überhaupt. Ich komme alleine gut klar. Ich weiß gar nichts mehr. Es ist auch so, dass jetzt diese paar Sätze in keinster Weise die Situation repräsentieren, weder die negativen wie die positiven Seiten. Dafür bräuchten wir mindestens ein paar Sitzungen. Sie kennen den Namen Sesamina ja noch. Wenn auch nur als eine kurze Episode, als die, die es damals war. Und insofern wüssten Sie auch ganz genau, welche Rolle ich denn in der ganzen Chose spiele, und wie gut (hahahahaaaa) ich mit meinen Päckchen zu der Scheisse beitrage. Sie kennen eben alles. Sie kennen mich.

Und dann die Arbeit. Scheisse wie lang muss manch Atem sein um das auszuhalten, und wie groß die Geduld, und wie dick die Haut.

Aber das schlimmste ist wohl meine Mama. Ich. Kann. Nicht. Mehr. Ich fühle mich gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Vater so einsam. So hilflos. Mein Vater meinte gestern: du bist nicht geflohen, weil du es nicht aushältst (als ich jetzt die ganzen letzten Monate keinen Kontakt mehr zu ihr hatte), sondern weil du deine Hilflosigkeit nicht erträgst. Er hat recht. Diese Ohnmacht. Wenn ich mich mit Dingen beschäftige, dann möchte ich sie lösen. Helfen. Etwas tun. Nur dass die Art von Hilfe, die ich leisten KÖNNTE, niemals als Hilfe erkannt werden würde, und abgesehen davon, weiß ich auch gar nicht mehr, was wir tun sollen.

Und dazu kommt dann: was zum Teufel tue ich hier eigentlich? In dieser mir immer noch fremden Stadt? Wie konnte ich bloß mein Netz, mein Zuhause aufgeben. Meinen festen Rahmen. All das, was es irgendwie erträglicher gemacht hat. Meine Freunde, das Wissen, das mein Chef mir jederzeit 2 Wochen Homeoffice bewilligt hätte wenn was mit Mama wäre. Mein Monnem.

Stattdessen bin ich zerrissen zwischen einer Distanzbeziehung (krass. Ich wollte gerade "Fremdbeziehung" schreiben. Was sagt das wohl.) nach Be*rlin, meiner Familie bzw. Mama in der alten Heimat, meinem alten Zuhause Monnem, den Freundschaften die ich pflegen möchte, die weder hier noch im alten Zuhause sind, und dem hier und jetzt, das überwiegend aus Arbeit besteht (und eben jener Zerrissenheit).

Ich war schon sehr sehr lange nicht mehr so orientierungslos. WOLLEN. Was will ich. Und warum sind Sie denn nicht da, verdammte scheisse. Ich brauche Sie jetzt wieder. Ich wollt nicht dass das so ist. Aber ich habe keine Ahnung wie ich allein damit klarkommen soll.

Ich weiß, dass Sesamina für all diese Themen ein offenes Ohr hat - aber schwierig finde ich das, was ihn selbst betrifft. Sowie die Tatsache, dass er nunmal nicht mein Therapeut ist. Und ich möchte auch niemals nie, dass mein Freund eine solche Rolle einnimmt.

Frau W.! Können Sie mich eigentlich manchmal in sich hören? Das frag ich mich. Und ob Sie manchmal an mich denken. Und sich fragen, was ich jetzt wohl tue. Sie wissen ja gar nicht, dass ich jetzt hier bin und nicht mehr in Monnem. Ich habe nicht das Gefühl, dass unsere Beziehung beendet ist, meine Teuerste. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie wir das geregelt bekommen sollen. Geschweige denn, ob diese derbe Sehnsucht nach Ihnen überhaupt gesund ist.

Aber gesund. Das hab ich eh schon länger nicht mehr gefühlt. Ich bin so traurig, dass ich nicht mehr weinen kann. Ich weiß nur, dass ich mich bei Ihnen nicht länger vor mir selbst verstecken könnte. Bitte. Bitte tun Sie mir den Gefallen und buddeln Sie meinen Kopf aus dem Sand, vielleicht kann ich dann endlich wieder mein Herz hören.


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Samstag, 8. Oktober 2011
Falsch.
Es ist der erste Abend seit langem, dass sich mein Leben einfach nur falsch anfühlt. Falscher Ort, falsche Arbeit, falscher Freund. Alles falsch.

Fühle mich kaputt. Defekt. Lange nicht mehr gefühlt.

Habe Angst. Auch lang nicht mehr gehabt.

Vielleicht nur der Herbst. Vielleicht aber auch nicht.

Suche Hilfe. Will Frau W. finden. Aber die ist halt nicht da wo ich bin.

Seelenheil ~ ... link