Dienstag, 12. Oktober 2021
Neverending Katzengeschichte.
In letzter Zeit höre ich immer wieder von verschiedenen Personen zu verschiedenen Dingen von Lieferschwierigkeiten und Nichtverfügbarkeiten. Laut meines Standard-Tierarztes gibt es nun auch Lieferschwierigkeiten mit dem Spezial-Katzenfutter, das die Katze benötigt. Bei ihm ist es momentan nicht erhältlich, auch wenn sie eigentlich schon längst eine Lieferung erwarten. Also rufe ich in der Tierklinik an. Ja, sie haben davon noch etwas. Ich frage, ob es möglich ist einen Termin bei der Senior Chefin zu erhalten. Wenn ich schon mal raus zu ihnen fahre, nehme ich die Katze für eine Zweitmeinung nun doch mal mit, samt letztem Blutbild und Medikamentenhistorie zur Ohr-Problematik.

Vorhin hat der Termin stattgefunden. Letztendlich bestätigt sie die Verdachtsdiagnose und weiteren Schritte ihres Kollegen. Sie wird allerdings etwas konkreter und schlägt eine Kombination von Untersuchungen vor, um irgendwie sinnvoll voran zu kommen. Das schreibe ich hier her, damit ich es nicht vergesse.

Der Gehörgang scheint prima in Ordnung zu sein. Allerdings wölbt sich scheinbar schon das Trommelfell leicht nach außen, was dafür spricht, dass auf der anderen Seite eine Entzündung/ Eiter vorliegen. Grundsätzlich hängt die Ohr-Behandlung ein bisschen von der Magen-Darm-Thematik ab. Je nachdem, ob es sich eventuell doch um eine Bauchspeicheldrüsen- und/ oder BDI (Inflammatory Bowel Disease) oder doch um Lymphome handelt, wären unterschiedliche nächsten Schritte sinnvoll.

Im ersten Schritt wäre hierfür mit dem Standard-TA zu besprechen, ob er einmal den Blutwert abgenommen hat, an dem die feline Pankreas-Lipase abzulesen ist. Sie geht davon aus, dass er das getan hat, zumindest sprechen andere Blutwerte dafür, diesen Punkt abzuklären.

Dann wird man, egal was mit dem Magen-Darm ist, das Ohr ankucken müssen. Günstigste Variante wäre Röntgen, es besteht die Chance, dass man hier schon etwas erkennen kann. Teurere Varianten wären eben CT oder MRT. In jedem Fall muss die Katze für die Aufnahmen in Narkose gelegt werden. Diese Narkose könnte man nutzen, um doch direkt noch eine Biopsie durchzuführen, um schlauer zu werden was die Magen-Darm-Thematik angeht. Man würde dann eben nicht direkt im Anschluss das Ohr öffnen und operieren, sondern auf Basis der Ohrbilder und Biopsie-Ergebnisse besprechen, was ein sinnvoller weiterer Weg wäre.

Würde sich bei der Biopsie der aktuell beim Standard-TA vorherrschende Verdacht auf Lymphome bestätigen, würde man vermutlich keine weiteren Maßnahmen für das Ohr ergreifen. Lymphome sind ein klares Todesurteil. Die Senior-Chefin scheint aber durchaus auch die anderen Magen-Darm- bzw. Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen für realistische Diagnosen zu halten. Würden sich diese Diagnosen bestätigen, wäre es sinnvoll das Ohr operativ zu behandeln, die Heilungschancen stünden gut, und Bauchspeicheldrüse und/oder IBD würden sich gut in Schach halten lassen mit Kortison. Laut ihrer Prognose könnte man der Katze so noch eine längere lebenswerte Lebenszeit schenken. Was ich mich hierbei frage ist dennoch, ob es nicht absehbar ist, dass es zu erneuter Ohrentzündung kommt mit der Dauergabe von Kortison, da das ja das Immunsystem runterfährt und auch die jetzige Situation begünstigt / verursacht? hat.

Die bildgebenden Verfahren, OP etc. können nicht in der Tierklinik durchgeführt werden. Sie meinte, sie hat noch nie eine solche OP gemacht und überlasst das denen, die das einfach besser können und Routine haben. Sie empfiehlt mir eine Klinik im Osten, weist mich aber darauf hin, dass ich in jedem Fall erstmal mit dem Standard-TA sprechen soll, wohin er mich überweisen würde. Der TA könnte dann die Überweisung samt ALLER bisheriger Untersuchungsergebnisse an die Klinik geben.

Ich frage sie nach Kosten. Sie meinte, es gäbe immer eine Fahrrad-, eine Opel und eine Mercedes-Lösung. Alle Kolleg:innen wären sicher gesprächsbereit über Zahlungsmodalitäten. Ich frage sie, ob nun nichts weiter zu unternehmen, weil man einfach keine Kohle hat, unterlassene Hilfeleistung wäre. Sie meint, in der aktuellen Situation nichts weiter zu unternehmen, findet sie schwierig. Das Trommelfell wird vermutlich über kurz oder lang platzen. Dann läuft der Eiter zwar raus, aber es wird nicht heilen. Es sei auch fraglich, ob ich das so mit mir selbst vereinbaren könne. Sie würde erstmal an einer Fahrradlösung festhalten.

Fraglich ist außerdem das zeitliche Prozedere. Momentan plane ich, am ersten Novemberwochenende zurück nach Mannheim zu gehen. Es ist inzwischen einfach kalt über dem Hühnerstall und das Beheizen aufgrund schlechter Dämmung und Eiseskälte von den unteren Ställen und Garagen sehr teuer. Dass die Katze teuer ist, ist für mich kaum zu handhaben. Da kann ich mir weitere Energiekosten nicht leisten. Außer ich vermiete die Wohnung in Mannheim doch noch ? das müsste ich dann aber von hier aus regeln.
Bis Mannheim zu warten, empfindet die Senior Chefin allerdings als zu lange. Das wäre in 4 Wochen. Andererseits sollten Bildgebung, Voruntersuchung und OP dort stattfinden, wo auch alles weitere stattfindet. Alles sollte in einer Hand liegen in diesem Fall.

Alternative: ich ziehe am kommenden Wochenende zurück nach Mannheim und fange dort die Behandlung an. Dann kann ich die Hofer Filmtage nicht mehr mitnehmen, und bei Gott, ich könnte mal etwas schönes gebrauchen, bei dem ich Geld für mich selbst ausgebe.

Je ratloser ich werde, je teurer diese ganze Sache wird, desto ruhiger und stiller wird es in mir. Vielleicht weil ich merke: ich bin gefickt, egal wie ich es drehe und wende. Und wenn die Katze wieder fit wird, aber eben weiterhin krank mit IBD, Bauchspeichedrüse etc - wann werde ich in die Klinik für MEINE Behandlung gehen können??

Ich weiß, dass ich die Katze nicht hängen lassen kann. Ich weiß, dass ich mir das alles überhaupt nicht leisten kann. Ich weiß, dass die Gesamtsituation beschissen ist. Es war schon damals bei der Erkrankung meiner Mutter so. Als es dann richtig krass wurde und wir Zwangseinweisen mussten, wurde ich die Ruhe selbst, völlig klar im Kopf, auf Autopilot, und völlig rational.

Die Rationalität ist momentan schwierig. Mir leuchtet alles ein, was die Senior Chefin sagt. Ich könnte einfach nur kotzen, dass es letztendlich eine Frage des Geldes ist. Dieses verfickte Geld. Geld allein macht nicht glücklich, nein. Aber mit Genügsamkeit, Yoga, Meditation und Mantras krieg ich die Katze halt auch nicht gesund.