Mittwoch, 21. April 2010
Wurde explizit darauf hingewiesen, dass dies ein Nichtraucherhotel ist. Jetzt rauch ich heimlich eine. Das ist echt wie damals auf dem Schulklo.

Nur so. ~ ... link (2 Kommentare)   ... comment



Unendlichkeitstagefresser.
Vielleicht sollte ich einen Unendlichkeitstagesfresser machen, nach dem von Frau Sid empfohlenen Prinzip, für eine mögliche Krankheitseinsicht meiner Mutter. Aber wo fängt man da an? Bei 365? Optimistisch.

Vorhin 1 Stunde Telefonat. Sie war sehr froh, dass ich angerufen habe, es ging ihr psychisch nicht so gut. Seit gestern Abend ist sie entlassen (für sie: zum Glück. für uns: scheisse). Sie redete wieder von einem Traumatologen, und soviel von der Vergangenheit, ihrer Kindheit. Ansonsten ist alles uneingeschränkt beim alten. Die Ärzteverschwörung, die Überwachung, alles.

Mein Bruder freut sich auf den nächsten Termin morgen beim Psycho-Edukationskurs. Ich hätte nie gedacht, dass er das so gut annimmt, und sich dort so wohl fühlen würde. "Endlich Menschen, mit denen ich mich austauschen kann, die ich fragen kann."

Ja und ich hier in Bonn. Es gefällt mir. Bonn ist hübsch, das Hotel in der Altstadt, der Projektleiter sehr sympathisch. Bin gespannt wie es sich in den nächsten Wochen entwickelt. Aber nen Psycho-Edukationskurs hätt ich auch gern. Nach dem Telefonat mit Mama helfen nur noch ein Telefonat mit LeSchwe kombiniert mit Hefeweizen.






Montag, 19. April 2010
Muss ja auch mal runter gehen.
Ein wechselhaftes Wochenende, durchzogen von ziemlich bescheidenen Nachrichten und einer. Ich weiß nicht. Traurigkeit? Niedergeschlagenheit?

Am Samstag versucht die LeSchwe aufzubauen, weil absehbar war, dass ihr Sonntagsflug nach Shang*hai zu ihrem Freund, der dort 6 Monate ist, gecancelt wird. Haben deswegen einen AAT (absichtlich assi Tag) eingelegt, mit mittags Biertrinken im Auto auf dem Parkplatz des Einkaufscenters gestartet, dann eine "Asch*emon*ster"-B*ild gekauft, ein Sixpack, und viele Zigaretten. In hässlichsten Klamotten an den Rhein um dort das Asch*emon*ster bis zum Sonnenuntergang zu dissen. Naja. Hat nix geholfen, nur der Stimmung. Immerhin.

Abends zusammen gekocht. Währenddessen blöderweise auf Fa*ceb. gewesen. Tolle offizielle Statusmeldung vom kleinen Arschloch Professor entdeckt. Er ist jetzt in einer Beziehung mit der anderen Oka. Was für ne beschissene Blinkerbeziehung. Eigentlich weiß ich gar nicht, wer mir von den beiden mehr leid tut. Mein Traum von neulich fällt mir ein. Merkwürdig. LeSchwe brauchte nicht mehr viele Argumente um mich davon zu überzeugen, die Verbindung zu kappen und endlich alle sms und Nummern zu löschen. War noch versucht den Status vor dem Löschen zu kommentieren. LeSchwe hat zum Glück interveniert. Bei LeSchwe geschlafen. Unruhige Seelen sind zu zweit immerhin ruhiger als allein.

Heute haben wir versucht mein Fahrrad zu flicken. Waren sehr stolz auf uns, haben alles geschafft, bis es daran ging, das Loch im Schlauch zu entdecken. Nix gesehen. Wieder alles montiert. Aufgepumpt. War uns dann aber zu riskant. Irgendwas stimmt da ja nicht, wenn Luft rausgeht, ohne dass mans merkt. Also mit Auto in den Biergarten. Umfeld hat Stimmung nicht gehoben. Latent aggressiv, wir beide. Irgendwie. Also gegenüber anderen. Nicht gegenseitig. Kann man ja aber auch nix für, wenn man sich so umhört und -sieht.

LeSchwe will meinen Traumprinz suchen. Wo ist er, frag ich sie. Was ist falsch mit mir. Sie meint, vor einem Jahr hätte sie gesagt, meine emotionale Stabilität bzw. Instabilität. Die sieht sie jetzt aber auch nicht mehr gegeben. Nix sei falsch mit mir. Ich bin müde, ich bin die Affären müde. Die ONS. Alles. Ich fühl mich so partnerlos. Ich hab die Schnauze voll vom allein sein. Warum kann Spasti immer zu seiner blöden Ex zurück? Und warum bin ich nicht so bescheuert und schmerzresistent?

Vorhin ruft dann noch Brudi an. Mutter hat Wochenende gut überstanden. Hat gestern zu Hause ihre Medikamente nicht genommen. "Wozu denn?" Es ist hoffnungslos. Hat mir ne sms geschrieben, ob ich mit ihr Anfang Mai nach Südtirol fahre. Lust hätte ich schon, aber mit dem Projekt wird das wohl nichts.
Brudi erzählt, dass alles beim alten ist. Die Wohnung videoüberwacht, sie wird diese "Sache" weiterverfolgen, ... während des Telefonats überkommt mich unglaubliche Müdigkeit. Ich bin so müde. Brudi glaubt, er muss Mutter bald anschreien. Kann ich verstehen. Mir fehlt die Energie dafür.

[Edit] Sehr bezeichnend für meine Stimmung: die Luft ist wieder raus aus dem Schlauch, und keiner weiß, warum. Wie im wahren Leben.

[Edit2] Ach ja. Und Brudi erzählte auch.. er fragte Mutter, wie sie sich das denn vorstellt, wenn sie jetzt am Montag wirklich aus der Klinik entlassen wird und wieder in ihre angeblich überwachte Wohnung, in ihr überwachtes Leben zurückkehrt. Die Antwort: "Naja, das kann ich jetzt eh nicht ändern. Ich werde "denen" weiter nachgehen. Muss halt mal sehen, wielang ichs noch aushalt". Wir deuten es beide gleich.

Ich kann nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte. Echt. Und B*onn kommt mir nach wie vor reichlich unglegen.






Samstag, 17. April 2010
Dieses Wochenende darf sie nach Hause und dort auch übernachten. So wie es aussieht, wird sie nach dem Wochenende dann auch entlassen. Der Arzt meinte gegenüber meinem Bruder: "Eigentlich haben wir [die Ärzte] versagt." Das sehe ich nicht so.

Sie erzählt ihnen nichts. Gar nichts. Ein Grund für die Unterbringung ist nicht mehr gegeben. Sie macht einen guten Eindruck soweit. Ihre Medikamente wird sie nach Einschätzung aller Seiten nicht weiternehmen. Wir können also nur warten. Auch die Ärzte. Gegen Zwangsmaßnahmen haben wir uns alle ausgesprochen da kontraproduktiv. Ob und in welchem Ausmaß sie aktuell noch von ihren Wahnideen überzeugt ist, weiß niemand, auch mein Bruder und ich nicht, wobei wir davon ausgehen, dass sie noch vorhanden sind.

Meine Träume sind inzwischen zum Ventil geworden. Es hat mich gewundert, dass es so lange gedauert hat, ich habe erst vor einigen Nächten angefangen davon zu träumen, nun aber von Nacht zu Nacht heftiger.

Letzte Nacht war ganz schlimm. Ich träumte ich sei bei einer Art Premiere eines Theaterstücks, kombiniert mit Film. Das eigentliche Thema weiß ich nicht mehr. Meine Mutter und ich suchen uns im übervollen Saal einen Platz, es ist nur in der Reihe ganz vorne etwas frei. Das Publikum besteht zum Großteil aus Menschen die wir kennen (im Traum. In Wirklichkeit irgendwie nicht so viele). Schon beim Platzsuchen mit ihr spüre ich, dass ich peinlich berührt bin. Ich glaube, es ist Scham. Oder Angst, dass sie etwas unvorhergesehenes tun wird (ich vermute daher auch beim jetzigen Niederschreiben das instinktiv distanziertere "Mutter").

Die Vorstellung beginnt, jemand steht auf der Bühne, spricht. Im Hintergrund läuft auf einer riesen Leinwand ein Film, bzw. eher Bildersequenzen. Plötzlich ist da mein Blog. Auf der megagroßen Leinwand wird mein Blog gezeigt. Mit meinen Aufzeichnungen über die letzten Wochen. Mir gefriert das Blut in den Adern (bisher wusste ich gar nicht, dass es sich tatsächlich so anfühlen kann), ich sterbe innerlich, und hoffe inständig, dass meine Mutter nicht anfängt zu lesen was da steht und sich bzw. uns wiedererkennt.

Nun kommen Bilder zu der Frau, der das Blog gehört. Es sind Kinderbilder. Sie ist (so habe ich es tatsächlich empfunden) ein wunderschönes Kind. Es zeigt sie in einem taubengrauen Nachthemd mit weißem Kragen, und auf den Kragen ist ihr Name gestickt (ich weiß schon in diesem Moment, dass es das eine Bild von mir in meinem Kinderzimmer zeigt, auch wenn ich in Wirklichkeit ein weißes Nachthemd mit meinem Namen trage). Mein Herz krampft und droht auszusetzen.

Ich spüre, wie sich der Kopf meiner Mutter wie in Zeitlupe zu mir umdreht. Aus ihren Augen spricht die reine Enttäuschung und Verzweiflung, und Scham, weil nun alle wissen, was mit ihr los ist, und weil ich darüber erzählt habe.

Der Saal tobt, die Vorstellung ist ein irrer Erfolg. Ich stecke meine Faust in meinen Mund und krümme mich, weil ich gar nicht weiß wohin mit all dem Schmerz, über die Krankheit, und das Bloßstellen, und alle Leute stehen nicht bei uns, sondern sie sind sensationsgeil und zelebrieren sich auf unsere Kosten. All unsere Bekannten in der Heimat. Wir sind verraten. Unser Schmerz und unsere Scham fallen ihnen überhaupt nicht auf. Sie nehmen uns schon gar nicht mehr wahr. Es gibt nur noch sie.

Plötzlich wird mir klar, dass ich auch an diesem Abend ein taubengraues Kleid trage, aber es ist sehr eng, und darunter schwarze Leggins und High Heels. Diese Frau ist auch wunderschön, denke ich mir gerade. Aber nur die in dem Traum.

Ich wache mit Herzrasen auf, und als ich wieder einschlafe, träume ich von einer Reise mit jemandem (dem kleinen Professor?) und wir treffen auf dieser Reise eine gute Freundin von mir (die erkenn ich aber wirklich nicht) und sie und er gehen vor mir miteinander um, als wären sie ein Paar, ständig, als wär ich gar nicht da. Ich weiß nicht, warum ich nicht einfach gehe. Diese Dreierbeziehung bleibt bestehen, aber eigentlich bin ich außen vor. Ein Störfaktor. Und ich versuche beide zu schlagen, aber ich bringe nie die Kraft auf, die ich gerne hätte, und treffe auch nicht richtig, so dass es eher lachhaft ist. Und ich bin innerlich rasend vor Wut, und versuche die Schläge zu steigern, doch es gelingt mir einfach nicht. Alle Energie bleibt schon im Ansatz stecken.

Ich wache wieder mit Herzrasen auf, und frag mich, warum ich eigentlich noch schlafe.

Die Spieluhr in ihr ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment





Freitag, 16. April 2010
Alles Neu macht diesmal schon der April. Unerwartet wurde ich nun in ein Projekt in der ehemaligen Bundeshauptstadt verkauft. Start Montag. 3-5 Tage die Woche. Ich habe allen Involvierten meiner Firma versucht zu verdeutlichen, wie ungünstig das ausgerechnet jetzt ist. B*onn ist nicht pendelbar für mich, und in der Situation mit meiner Mutter kann ich nie vorhersehen, wann ich spontan in die Heimat muss. Ganz abgesehen davon, dass ich in der jetzigen Situation extrem an meinem sozialen Gefüge hier hänge.

Aber groß gefragt wird da nicht. Immerhin steht man hinter mir, wenn es darum geht, nur 3 Tage dort zu sein, und dass diese Tage im Idealfall Dienstag bis Donnerstag sind. Und im privaten Notfall bin ich dann einfach "krank".

Eigentlich wollte ich ja gar kein Berater mehr sein. Die letzten 1,5 Jahre habe ich intern gearbeitet. Und dann jetzt ausgerechnet B*onn. Scheisse gelaufen. Wie sagte mein Chef so schön: "Machen wir das Beste draus."

[Edit] Gerade mal das Hotel gecheckt. Sieht so aus, als könnte mans da aushalten und sogar kostenlos Sport und Sauna betreiben ;-)






Donnerstag, 15. April 2010
Und heute kommen endlich auch wieder die Tränen. Danke Frau F. Für mein Abi, und das Leben danch, für die Möglichkeiten. Man sieht sich immer 2x im Leben. Spätestens nächsten Mittwoch. Vielleicht können wir uns nun diesmal gegenseitig helfen.




Er ist der ehemalige Nachbar des kleinen Professors. Er ist Assistenzarzt in der Psychiatrie der Umgebung und wohnt in der Nähe der Alt*ten Feuer*wache. Eigentlich wollten wir zum Poe*tr Sl*am, aber das war ausverkauft. So fanden wir uns in einer Kneipe wieder.

Mein Bruder ruft in der Zwischenzeit an. Er war beim ersten Termin des Psycho-Edukation-Kurses des APKs Bayern. Es hat ihm gut getan. Aber. Meine Mathematiklehrerin aus der 12. Klasse Mathe Grundkurs ist auch dabei. Wegen ihrer Tochter. Ich vermute wegen der, die mit mir in einer Klasse war. Der Nachname meines Bruders ist falsch geschrieben. Sie korrigiert den Namen. Die eine Tochter hat Wahnvorstellungen. Die Frau hat in Kombination mit Wieland mein Abitur gerettet.

Das Leben ist klein in seiner Größe. Am Ufer des Neckar graßen die Schwäne. Als ich 6 Stunden später nach Hause laufe verbergen sie ihre edlen Köpfe in ihrem Gefieder.

Ich liebe das alles hier. Mit und trotz allem. Wie kann man so am Leben hängen. Gute Nacht.

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