Freitag, 20. Dezember 2013
Kopf. Dame. Herz.


Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten beisammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.

Je länger ich ihn kenne, desto tiefer ist sein Abdruck auf einem Herz. Er ist in meinem Herz. Mir selbst meine Liebe zu ihm einzugestehen dauert nun schon Jahre an. Und so aussichtslos es bleibt, und so sehr es mich ankotzt. Das Herz setzt sich immer wieder durch.

~ Set of the month: Dominik Eulberg - Apus apus Radiomix


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Mittwoch, 11. Dezember 2013
Da willste glauben und dann.. vergisste, dass de glauben wolltest. Der Dezember hat sich in diesem Jahr als ein saublödes Arschloch entpuppt, in vielerlei Hinsicht. Jetzt reichts. Piss off.

Aus dem Leben ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment





Sonntag, 1. Dezember 2013
I want to believe.
Frikadellen mit selbstgemachtem Kartoffelbrei. Das Essen und die Gesellschaft der beiden Köche sind Balsam für Magen und Seele.

Warum hast du die ganze Zeit nicht angerufen, fragt sie. Das ist doch das schöne daran, dass du endlich wieder hier wohnst. Dass wir das dann spontan machen können, vor allem wenn es dir nicht gut geht. Ich komme zu dir, oder du zu uns. Egal was ist, wir sind für dich da.

Es durchrieselt mich ganz wunderbar, als stünde ich in einem dampfenden Fußbad und jemand massiert mir den Nacken mit warmem Öl. Bei ihr klingt das nicht hohle Phrasen. Jedes Wort lässt mich fühlen dass es stimmt, und ich habe es doch auch schon so oft erfahren, wieso vergesse ich das immer wieder? Wieso vertraue ich nicht einfach auf die beiden?

Warum vertraue ich nicht einfach auch auf mich, und dass ich schon auch sinnvolle und gute Dinge (für mich) tue, frage ich mich beim Heimfahren. Ich habe es z.B. tatsächlich zu dem Chor geschafft. Meine Güte war ich stolz auf mich, dass ich dort wirklich hin bin, und dann wurde ich auch noch freundlich aufgenommen, man empfand meine Singstimme als sehr angenehm und es hat einen riesen Spaß gemacht. Ich freue mich aufs nächste mal. So kleine Schritte. Mehr Geduld und Nachsicht (mit mir). Und dann doch ein Tacken Mut, über-den-Schatten-Springen. Mehr in-mich-rein-Lauschen und lernen auf das zu vertrauen, was ich dort höre.

Zuhause dann ein Glas Rotwein. Eine Kerze. Und eine Katze.

Vielleicht ist ja doch irgendwie alles gut. Wenn ich an die richtigen Flecken schaue. Die richtigen Flecken erkennen und neue aufbauen. Und die anderen ausmisten oder zumindest auf Abstand halten soweit möglich.

Ihnen eine schöne und tatsächlich auch besinnliche Adventszeit. Ich wünsche Ihnen Momente in denen Sie Ruhe finden, Zeit und Muse, für Ihre wirklich schönen und/oder wichtigen Dinge und Gedanken.

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Dienstag, 26. November 2013
This is a cats' world
Heute Nacht hatte ich einen irren Traum, mit Frau Morphines Katze, die aber Hubert hieß, wieso auch immer. Und mit meiner Katze, und dann waren da noch drei andere, von wem auch immer.
Frau Morphine und ich haben uns dann was zum Rauchen geholt in einem Schulsprechzimmer bei einer Frau, die über 2 Meter groß war.
Die Katzen haben sich alle super verstanden. Da war noch mehr, aber die Bilder zerfasern schon.
Großes Kino war das heute Nacht.




Warten auf .. was eigentlich?
Die dritte Woche Krankschreibung beginnt am Montag Morgen mit einem Anruf meines Bruders. Verdacht auf Schlaganfall bei meiner Mutter, und sie will (auch auf das beharrliche Drängen des Notarztes hin) nicht ins Krankenhaus. Die ganze Geschichte will ich hier jetzt gar nicht durchkauen. Letztendlich kann ich sie dazu überreden, in einer anderen Praxis wenigstens die CT durchführen zu lassen, dabei wird dann der Schlaganfall ausgeschlossen. Dafür erzählt sie mir, wie sie ein starktes Beruhigungsmittel, das früher als Neuroleptikum eingesetzt wurde, mit doppelter Höchstdosis in ihr Bier gekippt hat. Ob sie sich umbringen wollte, frage ich sie ganz ruhig und ernst. Nein, sagt sie, und dass der Schreck sehr tief sitzt. Sie war nur so verzweifelt, weil die Zuckungen so stark sind und sie manchmal einfach nicht mehr weiß was sie tun soll. Das verstehe ich, antworte ich, und dass sie die Tropfen ja gerne nehmen kann - aber doch bitte in Normaldosis und ohne Alkohol.
Wir machen uns Sorgen. Ich schreibe ja nicht viel von ihr in den letzten Monaten, weil es sich verhältnismäßig beruhigt hat. Vor einigen Wochen hat sie allerdings das Abil*ify abgesetzt, und wir erahnen eine gewisse Verschlechterung ihres Zustands. Bleibt abzuwarten.

Am Sonntag davor öffne ich mich der Frau meines Vaters. Mit der Bitte, mit mir gemeinsam das Zeugnis des alten Arbeitgebers durchzugehen, weil ich es alleine nicht hinbekomme. Und schütte mein Herz über diese Einsamkeit aus. Leider hat sie sich bisher nicht mehr gemeldet.

Ich zweifle, immer wieder, viel, an Menschen. Ich rede auch mit LeSchwe. Es ist verrückt: sie fragt plötzlich was ich Sylvester mache (und ich frage mich: liest sie dieses Blog?!?), und dass sie keine Lust mehr hat auf dieses klassische Sylvester, und dass der J. mit seiner Frau aus Nbg kommen und bei ihr feiern, und ob ich dabei sei. Ich sage ja, und merke aber, dass ich mir nicht sicher bin. Ich bin mit J. und seiner Frau nicht wirklich auf einer Wellenlänge. Hätte ohne LeSchwe nie eine Gemeinsamkeit mit ihnen. Nichts zu erzählen. Ich habe J. öfters in Nbg getroffen, als ich noch dort gewohnt habe, es bleibt oberflächlich, das muss ja erstmal nicht schlimm sein. Aber es strengt mich an in seiner Oberflächlichkeit. Dazu kommt, dass ich LeSchwes Kontakt immer öfters als opportunistisch empfinde. Wenn es gerade zeitlich passt, und es verhindert, dass sie alleine ist. Sonst widmet sie sich auch gern inbrünstig einem Typen, der nicht in sie verliebt ist und nur Sex will (und gerne auch noch die Mahlzeit und mal ne Unternehmung, ist bequem das Nest hier) und in den sie unglücklich verliebt ist und sich vormacht, dass sie dann jetzt einfach nur Spaß hat. Gleichzeitig möchte sie sich über ihn beschweren. Ich habe kein Verständnis mehr.


Der Rest der Woche, vielleicht liegt es an der passenden Themenwoche des ARD --- es wird jeden Tag ein bisschen besser. Irrwitzigerweise werden Nebenhöhlenentzündungen und Husten richtig schlimm, dafür scheint die Psyche wieder etwas an Halt und Zuversicht zu gewinnen.

Ich gehe weiterhin so gut wie täglich spazieren, koche. Schlafe auch viel als die Erkältung ganz heftig ist. Ich suche mir einen Chor im Internet raus. Überlege mich ehrenamtlich zu engagieren. Einfach Dinge um neue Menschen kennenzulernen und die mir und auch anderen vielleicht gut tun. Denke sogar über alternative Lebensformen nach, sehr nachdenklich gemacht hat mich der Beitrag über dieses Dorf Tempelhof. Mir fehlt so sehr eine Gemeinschaft. Auf die man bauen kann. In die man etwas geben kann, und aus der man etwas erhält. Das Ding in Mecklenburg z.B. wiederum wäre mein persönlicher Albtraum.

Heute, zu Beginn der 4. Woche Krankschreibung, ist diese leise Zuversicht wieder davongewischt. Und ich weiß nicht, ob ich mich morgen wirklich zu dem Chor traue. Ich kann nicht wirklich toll singen. Und überhaupt. Meine Soziophobie. Es ist eigentlich mein Alptraum neue Leute kennenzulernen, und dann auch noch ganz alleine und ungeschützt. Aber was, wenn ich anders einfach nicht vorwärts komme? Es ist in mir wirklich ein ganz grauenhafter und zerreissender Konflikt.

Und irgendwann muss ich zurück ins Leben, nach diesen 4 Wochen Krankschreibung. Ich sehe mich da nur nicht mehr. Nicht in dieser Firma. Nicht hier. Aber auch nicht anderswo. Ich bin völlig orientierungslos. Wohin gehen? Bei den Spaziergängen habe ich immer eine Klarheit, die sich komischerweise nicht in klaren Gedanken im Sinne von Entscheidungen und wissen-wohin äußert. Sondern in einer anderen Klarheit. Vielleicht in der Klarheit, dass dieser Moment da in der Natur gut ist. Es fühlt sich klar an. Und vielleicht setzt es auch Dinge in Gang. Aber es arbeitet nur in mir, und ich weiß nicht in welche Richtung ich das alles kanalisieren soll. Und ich habe nicht das Gefühl, dass noch mehr Zeit hilft. Weil ich mich gefühlt immer wieder im Kreis drehe. Und vielleicht auch gefangen bin in Denkmustern, sicher auch aus Angst vor Veränderung.

Ich frage mich nur immer wieder, wie lange das alles noch gehen soll. Habe das Gefühl ich warte auf etwas, das nicht kommt. Und je mehr Jahre ins Land gehen, desto mehr wünsche ich mir, jemand anderes zu sein. Ich weiß gar nicht, wer konkret. Jedenfalls nicht ich. Und ich verstehe nicht wieso das so ist. Ist Therapie so sehr fürn Arsch?

Ja. Unterm Strich sind da einfach nur sehr große Fragezeichen in mir: was jetzt? wohin? und wie? Ich denke, das "wie" würde sich ergeben. Wenn ich endlich mal wüsste "wohin".


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Und dann sind mir noch andere Sachen eingefallen. Einfach so und ungefragt.

Das eine war ein Bekannter meiner Eltern. Mit ihm habe ich mich dieses Jahr vor einem Film auf den Filmtagen getroffen, wir haben ein Döner gegessen. Er erkundigte sich nach meiner Mutter. Und ich erzählte ein bisschen. Da wurde mir aufgrund seiner Blicke und Fragen klar, dass er keine Ahnung von den letzten Jahren hat. Das ist jetzt nicht ganz erstaunlich, aber gewundert hat es mich doch. Meine Mutter ist nicht so die Beziehungsaufrechterhalterin. Auch da habe ich Angst. Dass ich auch so bin. Weil ich misstrauisch bin. Vielleicht auch falsche Erwartungen an Freundschaften habe. Vielleicht auch nicht.

Jedenfalls.. dieser Bekannte saß mir gegenüber, und ich hatte ordentlich einen sitzen, weil ich davor ein Aktshooting bei meinem Intimfriseur hatte, nur sehr sehr schnelle Leser werden nun wissen wer das ist. Beiträge über ihn nehme ich meist sehr schnell offline.. Meine Güte habe ich mich an dem Tag toll und sexy gefühlt. Bei den Filmtagen Ende Oktober ging es mir noch so gut. Ich weiß gar nicht was passiert ist seitdem. Oder vielleicht ist ja dieses Gespräch passiert, von dem ich endlich mal erzählen sollte.

Auf meine Frage hin, woher sie sich eigentlich kennen, meine Eltern und er, erzählte mir der Bekannte die Story. Unter anderem: "die H. (also meine Mutter) die war ja früher, als ihr noch kleiner wart, immer nächtelang auf der Piste und hat getrunken. Und am nächsten Tag hat sie dann einfach geschlafen. Der H. (mein Vater) hat sich dann immer um alles gekümmert. Ansich hab ich ja nichts dagegen wenn man mal feiert. Aber wenn ich zwei kleine Kinder hab, dann steh ich halt trotzdem auf und kümmer mich." Das war erschütternd für mich. Denn ich weiß dass es stimmt.

Ich habe sehr vergrabene Erinnerungen an diese Zeit. Auch als meine Eltern getrennt waren. Es kam sogar vor, dass mein Bruder und ich wach wurden, und meine Mutter war gar nicht da. Sie leugnet das bis heute, aber mein Vater sagt, das stimmt, denn ihn haben wir dann angerufen, dass er kommt (also wir waren vielleicht 6 und 7 Jahre alt). Das ging länger so.

Die nächste Erinnerung ist eine an eine Mutter-Kind-Kur, mein erstes mal Sylt. Ich war 6, mein Bruder 5. Da waren meine Eltern gerade mitten in der Trennung, und ich sollte nach diesem Urlaub eingeschult werden. Es gibt ein Bild von dieser Einschulung, wenn ich es sehe muss ich heute noch weinen, so furchtbar sind diese Augen auf dem Bild.

In dieser Kur gab es irgend einen Streit zwischen meinem Bruder und mir, keine Ahnung um was es ging. Ich weiß nur, dass ich am Ende als die Blöde da stand. Das war öfters so. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Bruder auf eine absolut subtile Art und Weise immer bevorzugt war (heute weiß ich, es liegt an der Art der Bindung von klein auf, aber das jetzt genauer zu erläutern würde echt ausarten).
Aus welchem Grund mir meine Mutter eine gescheuert hat, das weiß ich nicht mehr, aber ich weiß, dass es ungerechtfertigt war. Und ich erinner mich so deutlich daran, weil es glaub ich die einzige Schelle ins Gesicht war, die ich je erhalten habe. Sie war so heftig, dass ich Nasenbluten bekam. Daraufhin ist meine Mutter völlig ausgeflippt, weil sie behauptete, ich hätte ihren roten Nagellack verwendet und verschüttet (das Blut tropfte auf den Boden). Ich weiß nicht wie es weiter ging, aber es war für mich grauenhaft.

Eine weitere Erinnerung ist, dass ich mit meiner Mutter mit Einsatz meiner Pubertät vermehrt aneinander gerauscht bin, und zwar gewaltig. Bis dahin war das eher symbiotisch, weil ich mir jahrelang ihre scheiß Vergangenheit anhören musste und was für ein Arsch mein Vater ist, ich sie mich eigentlich wie eine Freundin behandelt hat. Und nein, das war nicht gut.
Einer dieser Konflikte war so groß, als ich 14 war (ich höre auch regelmäßig den Satz: zieh doch bitte endlich aus), dass ich mich nach ganz viel Geschrei im Badezimmer einsperrte und über unseren Badezimmerschrank hermachte. Zum Glück hat der damals nicht viel an Tabletten hergegeben. Bisschen Aspirin und Sinupret. Und keine Ahnung was. Aber Stärkeres sicher nicht. Trotzdem bekam ich es mit der Angst zu tun und rief meinen Vater an. Er holte mich ab und wollte ständig, dass ich kotze oder Milch trinke, damit die Tabletten rausgehen. Damals konnte ich aber noch nicht mit Absicht kotzen. Auf Krankenhaus kam irgendwie niemand, aber das war auch nicht notwendig. Dazu muss ich sagen, dass das auch eine Zeit war, in der ich eigentlich eine sehr beschissene Beziehung zu meinem Vater hatte.
In dieser Nacht hatte ich aber so große Angst einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen, dass ich die ganze Nacht Radio hörte. Seitdem brauche ich jeden Abend etwas (zum Hören - nicht Tabletten) zum Einschlafen.

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Freitag, 15. November 2013
Keine Pointe.
Die zweite Woche Krankschreibung ist nicht so wie die erste. Sie ist stiller. Seit dem Familienfest. Was ich an Tränen zuviel hab, fehlt mir an Worten, auch im Gespräch mit mir selbst. Ich gehe spazieren, jeden Tag, durch den Waldpark, aber immer einen anderen Weg. Das ist das Highlight des Tages, sowohl was Bewegung als auch was mein Selbstgefühl angeht. Diese Traurigkeit bleibt zwar, aber anders, nicht so drückend wie in der Wohnung. Und der Herbst sieht so wunderschön aus, egal ob sonnig, neblig oder wolkig.

Ich hatte mir viel vorgenommen. Weil ich ja nicht ganz krank bin, abgesehen von einem widerlichen Husten und. Traurigkeit. Also hatte ich an Dinge gedacht wie: Balkon abräumen, Zeugnisentwurf vom letzten Arbeitgeber gegenlesen, Stellenanzeigen screenen, Bewerbungsunterlagen erstellen, Schrank und Kommode ausmisten, Staubwischen und so grundlegende Hausfrauendinge wie Staubsaugen, Wischen, Bad putzen. Beim Grundlegenden ist es dann auch geblieben, auch wenn immerhin der Balkon fast leer geräumt ist. Und ich mir gerne leckere Dinge koche. Und mein Bruder war mal auf Durchreise hier. Danach dachte ich aber, ich sterbe an Einsamkeit. Die Wohnung war so still.

Wirklich wichtig wären die Job-Dinge. Denn sie sind zu einem großen Teil mit dafür verantwortlich, dass es in mir aussieht wie es aussieht. Langsam frage ich mich, ob es nicht doch an mir liegt. Oder ob das mit der Firma eben so ist wie mit Exfreunden: man erinnert sich vor allem an die tollen Dinge, plant diesmal alles anders zu machen, und beide haben sich ja vermeintlich auch weiterentwickelt, und man kennt jetzt die Fallstricke. Aber wenn alle guten Vorsätze verraucht sind und der Alltag eingekehrt ist, zeigen sich letztendlich wieder die Gründe, warum es eben schon beim ersten mal nicht geklappt hat. Ich bereue den Schritt nicht, muss aber weitergehen, denn der Stillstand im jetzt bringt mich um

Ich möchte da jetzt gar nicht ins Detail gehen, mich selbst nerven diese Jobthemen schon genug. Was ich aber nicht ignorieren darf ist, dass der Job mir nicht gut tut. Das, was ich seit neuesten oder wie auch immer man das sagen will, tun soll. Das Bild, das man mir (wenn auch sicher nicht mit Absicht) mal wieder von mir selbst vermittelt - und das obwohl es mir lang genug zumindest so gut ging, dass ich das irgendwie kompensieren konnte. Mit den allerjüngsten Entwicklungen allerdings, was meinen direkten Job und seine Bedingungen angeht, UND was die Entwicklung und Entscheidungen der Firma angeht, komme ich nicht mehr klar, und möchte ich auch gar nicht klar kommen. Ich frage mich wie damals auch, ob denen eigentlich klar ist, dass ich ein teures Studium habe und nun über 7 Jahre Berufserfahrung.

Es fühlt sich wieder an wie das Kleingehalten-werden. Ich hinterfrage häufig, wieviel ich selbst mit meinem Selbstbild dazu vielleicht beitrage. Aber ich weiß dass es diesmal wirklich völlig falsch wäre, das bei mir zu suchen. Und ich bin nicht die einzige, der so einiges sauer aufstößt. Auch meine direkte Führungskraft (ich halte sehr viel von ihm und seinen Fähigkeiten) hat bereits erste Konsequenzen für sich gezogen, was mich nur weitere Fragen stellen lässt.

Schockiert hat mich, dass mir selbst das Ausmaß, wie sehr mich das alles mitnimmt, gar nicht klar war, bis ich Anfang letzter Woche beim Arzt war und er einen Zun*genp*ilz diagnostizierte. Den kann ich mir zwar irgendwo auch geholt haben (aber wo?!). Der Jungbuschdoktor meinte aber nur: "Hm. Den bekommt man eigentlich nur, wenn man physisch oder psychisch völlig am Ende ist." Ich hätte sofort Heulen können, wusste aber nicht warum. Ja, klar, ich war mit mir selbst irgendwie unzufrieden, und fühlte mich zunehmend einsamer, und dann war da noch die scheiß Sache mit F., und ich fing auch an Freundschaften zu hinterfragen (vor allem immer wieder die mit LeSchwe - immer und immer wieder. Warum ist das so? Und warum verletzt es mich jedes Jahr aufs neue so sehr, dass sie mich nie fragt was ich Sylvester tue, und ob wir es zusammen verbringen möchten, sondern sie plant immer ohne jegliche Berücksichtigung meinereiner). Aber.... also am Ende. Pf. Bitte.

Danach bin ich zum Hautarzt. Der fragte, was ich arbeite. Und ob ich denn einen direkten Zusammenhang zwischen meiner Haut und Stress sehe. Ich sagte, das wisse ich nicht, und er empfahl mir das zu beobachten.

Dann habe ich geheult und hatte auch einen vorläufigen Grund: anscheinend bin ich ein psychisches Wrack und merke es nicht. Seitdem denke ich darüber nach. Das war möglicherweise ziemlich blöd, denn vielleicht bin ich ja kein Wrack und habe mich nun nur zu einem gedacht. Aber die Tränen scheinen mir dann doch etwas verräterisch. Tja. Und dann kam eben der Samstag.

Am Montag schrieb mich der Jungbuschdoktor für eine weitere Woche krank. Der Pilz sei zwar abgeheilt, aber er würde es gern sehen, wenn ich noch eine Woche zu Hause bliebe. Und spazieren gehe. Und so. Also tat ich das.

Ich wabere unter der Glocke. Möchte mit niemandem reden, merke ich. War mit Freunden gestern (trotz Krankschreibung, jawohl) auch auf einem Poe*try Sl*am. Das war zwar nett, aber irgendwie halt auch nur durch die Glasglocke. Ich fand alle und alles komisch.Und eigentlich wollte ich nur schnell wieder nach Hause und Breaking Bad kucken. 4 Staffeln in 9 Tagen. Damit ich nicht darüber nachdenken muss, was eigentlich wann schiefgelaufen ist.

Denn so ganz leise kommt immer wieder ein kleiner Teufel, der wispert in mein Ohr: "Sooo, ist es wieder soweit, jaaaa? Da nervt also der Job. Und deine Freunde sind vielleicht auch gar nicht so toll. Willste wieder umziehen? Kannst du vielleicht gar nicht 'länger'? Haste wieder das Gefühl, ganz grundlegend irgendwo falsch abgebogen zu sein, hm? Du blöde Zicke. Nie passt dir irgendwas auf lange Sicht. Immer fängst du irgendwann das quängeln an. Vielleicht ist ja alles super und du raffst es einfach nur nicht! Was willste denn sonst auch machen, du Klugscheißer? Sieshte! Da fällt dir nichts ein! Nix weißte. Kannst auch nich soviel, ne. Sehen die in der Arbeit ja anscheinend auch so. Pf. Krieg dich einfach mal wieder ein und halt die Füße still!"

Und dann ist da der Engel, der sagt: "Bewerb dich doch einfach! Tu doch einfach was! Du musst was tun! Beweg sich, nicht nur beim Spaziergang!"

Aber da kommt nichts. Ich kann nicht. Ich krieg das alleine einfach nicht auf die Reihe. Bräuchte jemanden der mich am Händchen hält und sich mit mir hinsetzt, um Stellenangebote durchzusehen und Bewerbungen zu schreiben. Müsste sagen: bitte helft mir! Kann aber gar nichts reden. Will auch gar nicht reden. Ich bin ja die, die eh nen Schuss hat. Da kann ich doch nicht mit sowas auch noch kommen. Wie peinlich. Gehe in Gedanken alle vor, mit denen ich sonst über ganz intime Dinge und Seelenheil spreche, und stelle mir vor wie ich denen erkläre was gerade mit mir ist. Und dann schüttel ich den Kopf und denk mir: ne. Was soll ich denn sagen? Selbst der Papa merkt am Telefon nicht, dass irgendwas komisch ist. Aber das kann nur daran liegen, dass er es nicht merken will und dass er nicht weiter fragen möchte, denn er merkt zumindest: "naja reden willst du anscheinend nicht." Und ich denke an den Therapeuten, aber auch daran, dass ich ihm bei einem Telefonat nach der Selbstverstümmelungsaktion versprechen musste, es erst einmal alleine zu versuchen. Überlege auch, ob Therapieende und die Ereignisse bzw. mein Zustand irgendwie korrelieren. Komme aber immer zu dem Schluss, dass es einfach scheiß Timing ist.

Seit zweieinhalb Wochen habe ich eine Katze (aus dem Tierheim). Sie ist sehr verschmust und gurrt manchmal so schön, und ich bin sehr verliebt in sie. Und oft streichel ich ihr Fell und fange dann an zu flennen. Als würde die Katze mein Heulzentrum antriggern.

Ich weiß, dass ich mich bewegen muss, denn anders komme ich nicht da raus. Aber ich kann einfach nicht. Und ich schaffe es auch nicht nach Hilfe zu fragen. Und das nervt mich dann alles, und ich werde noch regloser.. etc pepe. Keine Pointe.

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