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Montag, 23. Februar 2015
11 Jahre
okavanga, 01:12h
Bedingt durch das Neuorientierungsprojekt habe ich öfters an das Land gedacht, in den letzten Monaten. Aber nie mit viel Emotion. Eher sehr rational, und "eh gesponnen."
Vielleicht liegt es an der Wind-Sauna. Vielleicht an der plötzlichen Erinnerung an den Abertausendsternehimmel. Und weil ich bei der Suche nach einem ganz bestimmten Blogartikel, den ich jetzt nicht gefunden habe, aber egal.. über diesen einen anderen Beitrag gestolpert bin, und dann auf dieses Lied von Indecent Obsession. Kiss me.
Auf einmal ist alles da, mit voller Wucht und aller Emotion. Ich kann sein Haargel riechen. Kann hören wie das Bett im Wohnheim knarzt. Rieche die Weinberge von Ste*llenbosch. Schmecke das Salz auf den Lippen in Somerset West. Sitze auf den roten Dünen der Namib im Sonnenaufgang. Fürchte mich vor Krokodilen im Delta. Weine in Etosha um meine Beziehung und schlafe im Zelt mit meinem holländischen Tentmate. Fahre mit einem anderen Holländer in einem Schlafwagen durch die afrikanische Nacht, um uns nichts, nur Sterne, von den Viktoriafällen nach Bulawayo.
Erinner mich an Braais, an Susan, und an den armen Stipendiaten aus Botswana. An Apartheid in Köpfen und elend lange Townships.
An den Geruch von Raubtierscheisse. An die Geräusche der afrikanischen Buschnacht. Und an soviel mehr. Plötzlich an so unfassbar viele Dinge, und Details. An den Puma auf dem Käppi des einen Holländers. An den Schmetterling bei den Fällen. An das rote T-Shirt einer Belgierin. An S.' abendliche Lockenwicklersessions. An Muse. Brenda Fassie. Eine Monsterkakerlake auf meinem Badetuch im Wohnheim.
Ich kann es nicht glauben. Wo sind meine Tagebücher von damals? Gibt es sie noch, irgendwo?
Es macht mir Angst, wie groß diese Sehnsucht ist.
Vielleicht liegt es an der Wind-Sauna. Vielleicht an der plötzlichen Erinnerung an den Abertausendsternehimmel. Und weil ich bei der Suche nach einem ganz bestimmten Blogartikel, den ich jetzt nicht gefunden habe, aber egal.. über diesen einen anderen Beitrag gestolpert bin, und dann auf dieses Lied von Indecent Obsession. Kiss me.
Auf einmal ist alles da, mit voller Wucht und aller Emotion. Ich kann sein Haargel riechen. Kann hören wie das Bett im Wohnheim knarzt. Rieche die Weinberge von Ste*llenbosch. Schmecke das Salz auf den Lippen in Somerset West. Sitze auf den roten Dünen der Namib im Sonnenaufgang. Fürchte mich vor Krokodilen im Delta. Weine in Etosha um meine Beziehung und schlafe im Zelt mit meinem holländischen Tentmate. Fahre mit einem anderen Holländer in einem Schlafwagen durch die afrikanische Nacht, um uns nichts, nur Sterne, von den Viktoriafällen nach Bulawayo.
Erinner mich an Braais, an Susan, und an den armen Stipendiaten aus Botswana. An Apartheid in Köpfen und elend lange Townships.
An den Geruch von Raubtierscheisse. An die Geräusche der afrikanischen Buschnacht. Und an soviel mehr. Plötzlich an so unfassbar viele Dinge, und Details. An den Puma auf dem Käppi des einen Holländers. An den Schmetterling bei den Fällen. An das rote T-Shirt einer Belgierin. An S.' abendliche Lockenwicklersessions. An Muse. Brenda Fassie. Eine Monsterkakerlake auf meinem Badetuch im Wohnheim.
Ich kann es nicht glauben. Wo sind meine Tagebücher von damals? Gibt es sie noch, irgendwo?
Es macht mir Angst, wie groß diese Sehnsucht ist.
Freitag, 20. Februar 2015
okavanga, 11:41h
Eine Woche, die so endet wie sie angefangen hat, und in der ich trotz mörderischem Sportkurs nicht weiß wohin mit all den Schreien, die geschrieen werden wollen.
Sonntag, 8. Februar 2015
Der Mann, Mutter und Tochter Dinge und Dämonen
okavanga, 00:01h
Seit einigen Stunden wälze ich nun die Gedanken: schreibe ich, oder schreibe ich nicht? Hat Berenike nicht doch recht, und die Dämonen werden vielleicht kleiner oder verlieren an Kraft, wenn ich sie nur laut ausspreche? Aber was will ich eigentlich sagen? Wo fange ich an? Was ist eigentlich mein Problem, habe ich überhaupt eines?
Ich bin ein neidischer, missgünstiger und eifersüchtiger Mensch, wie es scheint. Während der Mann bei strahlendem Sonnenschein mit einem Freund Skifahren ist, zerfleische ich mich selbst mit unterschiedlichsten Szenarien der sich selbsterfüllenden Prophezeiung.
Als erstes muss ich fast kotzen als er mir heute Morgen ein Foto von gleißendem Licht über Puderzucker sendet. "Du musst lernen dich für andere zu freuen", sagt LeSchwe. Ja, normalerweise kann ich das ja auch. In diesem Fall irgendwie nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich mir sein Leben einfach nicht leisten kann. Und immer nur danebenstehen und zuschauen ist ziemlich ätzend. Ja, ich übertreibe. Bisher gab es davon nicht viele Situationen. Aber wie er über Geld redet und wie er es ausgibt, lässt mich mit einem beschissenen Gefühl zurück.
Also stürze ich mich lieber auf ein neues Szenario. Sein Umzug in die bayerische Landeshauptstadt. Inzwischen habe ich versucht mich damit anzufreunden, dass es nun mal ist wie es ist, und wollte guten Willen signalisieren, indem ich letztes Wochenende fragte: "Weißt du eigentlich schon, wann du umziehen willst? Am letzten Februar- oder am ersten Märzwochenende?"
Er: "Hm nein, ich weiß noch nicht, warum?"
Ich: "Naja, ich fragte mich, ob du mich dann gerne dabei hättest, und ich dir dabei helfe?"
Das entspricht bei mir einer inneren Revolution: ich signalisiere Akzeptanz und gehe auf ihn zu, und riskiere ein "nein". Womit ich nicht gerechnet habe ist, dass da tatsächlich ein nein kommt:
"Da sind aber auch die ganze Zeit meine Eltern. Ich habe mir das Treffen immer anders vorgestellt. Das fände ich komisch. Es ist doch besser wenn wir da erst einmal für eine Stunde auf einen Kaffee hinfahren oder so. Aber wir können uns ja dann am Wochenende danach sehen." Ja. Toll. Dann sehen wir uns drei Wochen nicht. Das ist prima.
Ich versuchte zu erklären, dass ich mir über seine Eltern gar keine Gedanken gemacht hätte, und dass ich es vielleicht sogar angenehmer fände sich in einer Situation zu treffen, in der es etwas zu tun gibt und in der nicht alle steif am Kaffeetisch sitzen.
Lange Rede: Bei mir kam an: auf gar keinen Fall!
Ich war dermaßen getroffen und überfahren, dass ich seine Frage nach dem Gutenachtkuss verneinte und mich von ihm wegdrehte. Er schlief anscheinend gar nicht, ich schon, jedenfalls bis 5 Uhr. Da erwachte ich in versöhnlicher Stimmung und wir klärten das Thema - vorerst. Denn obwohl er beteuerte, dass es sich dabei um ein absolutes Missverständnis handele und er es einfach sehr schwierig fände und seine Eltern kompliziert seien was Kennenlernen angeht (seine Schwester scheint da auch irgendwie Probleme zu haben, irgendwie ist das Thema Eltern bei beiden eine Tretmine), so blieb bei mir ein ungutes Restgefühl. Mit diesem konfrontierte ich ihn dann auch am Dienstag am Telefon:
"Weißt du, ich habe das Gefühl, dass du vielleicht doch irgendwas vor mir verstecken willst, aber gleichzeitig weiss ich, dass das natürlich nicht so ist." Ach ja, weiß ich das? Heute scheine ich das komplett vergessen zu haben. Denn mich quält die Frage: vielleicht ja doch? Und vielleicht wird dann seine tolle beste Freundin E., die ja in der Hauptstadt wohnt, ihm dann beim Umzug helfen. Die darf das bestimmt. Und ich sitze hier und bin außen vor, fühle mich ausgeschlossen. Und soll er doch dann kommendes WE mit der tollen E. zu Ikea fahren und das erste Ding für die Wohnung kaufen, so wie er es mit mir vor hatte. Mir scheißegal. Und ich steiger mich so rein, dass ich am liebsten sofort simsen würde: fick dich, frag doch die tolle E. ob sie mit dir nächstes Wochenende zu Ikea fährt!
Auf dem Höhepunkt meiner Selbstzerfleischung ruft meine Mutter an. Auch das noch, denke ich mir. Gerade vor diesem Hintergrund ist es mir schier unbegreiflich, was genau an Kompliziertheit er von mir fernhalten will. Komplizierte Familie, das kann ich. Gut, er weiß davon nichts. Weder davon, welche Krankheit meine Mutter hat, noch davon, wie absolut gestört das Verhältnis meines Vaters und mir war. Ja, er weiß ein bisschen ("Mama ist krank", aber ich glaube er denkt, es ist Krebs o.ä.). Und ich weiß etwas von seinem Verhältnis zu seinen Eltern, was mir quasi lächerlich unbelastet erscheint, aber ich denke anscheinend ja ständig, dass ich die Oberarschkarte habe. Aber ich hasse ihn dafür, dass E. sicher helfen darf, und ich .. einfach .. nicht gefragt sein werde. Ich bin mir sicher, dass es so sein wird, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Wie auch immer...
Mama: "Hallo Tochter, du wolltest doch mal anrufen."
Ich: "Ja ich weiß. Tut mir leid."
Es ist wortkarg. Stumm heule ich. Sie erzählt von ihrer "Folter", wie "die sie malträtieren". Und noch mehr finde ich den Mann in seinem vermeintlichen Elterndrama zum kotzen, aber was weiß ich schon wie gestört die Verhältnisse von Kindern aus augenscheinlich gesunden Ehen zu ihren Eltern sein können.
Während des Gesprächs mit Mama, der ich von meinem Thema berichte, geschieht etwas wunderbares: es hilft mir mit ihr zu reden. Trotz allem ist es immer noch so, dass sie meine Mama ist. Auch wenn sie irre ist. Ebenso erstaunlich (wie allerdings auch erschreckend) finde ich, dass sie die Geschichte von der sich selbsterfüllenden Prophezeiung nicht kennt, und dass sie laut lacht, als ich sie erzähle. Denn meiner Meinung nach ist sie eine Meisterin auf diesem Gebiet, bei der ich mir das gut abkucken konnte. Sie war so lange in Analyse und weiß manchmal so erstaunlich wenig von sich.
Bei all den Dingen, Ängsten und Gedanken, die ich von mir preisgebe bzgl. meiner aktuellen Situation mit dem Mann, meint sie, dass das nicht gut ist (was ich ja weiß: ich weiß, dass es nicht gut ist dann auf Rache zu sinnen im Sinne von: dann fahre ich eben am Umzugswochenende Ski, das hat er dann davon; oder: dann ruf ich jetzt eben den kleinen Benjamin zum Vögeln an, das hat er dann davon. Oder: dann dröhn ich mich halt endlich mal wieder richtig zu, was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß! Ja, ich weiß dass das alles nur mich selbst und diese Beziehung langsam aber sicher zerstören würde, und trotzdem....) - aber ich frage mich ob ihr klar ist, dass sie genauso, nein, krasser ist in diesen Dingen. So krass, dass sie eben nie wieder eine richtige Bindung eingangen ist seit vielen Jahren.
Und ich würde auch gerne wegrennen. Von all dem. Nach dem Gespräch mit ihr schaue ich auf mein Handy. Eine sms hat mich erreicht von dem Mann: "Hallo schöne Frau, ich würde jetzt gerne mit dir Lotto spielen. M."
Und bei mir kommt an: dann hättest du wenigstens Kohle, und wir könnten sowas zusammen erleben.
Wieder bin ich schwer in Versuchung zu schreiben: Fick dich und such dir einfach ne reiche Freundin, such doch am besten gleich vor Ort - die, die da sind, können es sich anscheinend leisten.
Ich tue es nicht. Aber es tut mir weh, was er da schreibt. Ich weiß nicht wie ich es sonst auffassen soll, und ich will das jetzt auch nicht per sms klären. Ich will dann immer gar nichts mehr klären, sondern mich einfach rausziehen, nicht mehr erreichbar sein, für Tage, Wochen, am besten für immer. Zurück in mein Schneckenhaus, bis einer drauftritt und ich trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört bin.
Ich habe Angst, dass ich werde wie meine Mutter. Bitter. Mit dem Gefühl, immer nur der Verlierer in dem Spiel sein. Meinem Vater habe ich vor einiger Zeit von meinen missgünstigen Gefühlen erzählt. Er sagte nur: pass auf, dass du nicht wirst wie deine Mutter. Und ich weiß, dass er recht hat. Meine Mutter hatte immer das Gefühl sie kommt zu kurz. (Sie hatte es sogar so sehr, dass sie meinen Bruder und ich auseinanderreissen wollte bei der Trennung meiner Eltern, damit nicht nur sie die ganze Arbeit hat. Mein Vater soll sich schließlich kein Leben in Saus und Braus machen, während sie sich an diesen Kindern aufreibt.) Das habe ich zur Zeit auch. Und zwar wahrscheinlich völlig ungerechtfertigt.
Und obwohl oder gerade weil ich das rational alles weiß, macht es mich fertig, dass diese Gedanken trotzdem da sind, dass sie nicht weggehen. Dass sie mich einfach weiterquälen und ich es nicht schaffe ihnen Einhalt zu gebieten. Denn mal ganz ehrlich: vielleicht sind manche Sachen auch einfach nur scheisse von ihm. Vielleicht ist er ja doch einer, der nur an sich denkt. Einer dem eben alles zufliegt. Und ich steh daneben und kämpf mir einen ab einen, meinen Weg zu finden. Und kann nicht mithalten.
Ich bin ein neidischer, missgünstiger und eifersüchtiger Mensch, wie es scheint. Während der Mann bei strahlendem Sonnenschein mit einem Freund Skifahren ist, zerfleische ich mich selbst mit unterschiedlichsten Szenarien der sich selbsterfüllenden Prophezeiung.
Als erstes muss ich fast kotzen als er mir heute Morgen ein Foto von gleißendem Licht über Puderzucker sendet. "Du musst lernen dich für andere zu freuen", sagt LeSchwe. Ja, normalerweise kann ich das ja auch. In diesem Fall irgendwie nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich mir sein Leben einfach nicht leisten kann. Und immer nur danebenstehen und zuschauen ist ziemlich ätzend. Ja, ich übertreibe. Bisher gab es davon nicht viele Situationen. Aber wie er über Geld redet und wie er es ausgibt, lässt mich mit einem beschissenen Gefühl zurück.
Also stürze ich mich lieber auf ein neues Szenario. Sein Umzug in die bayerische Landeshauptstadt. Inzwischen habe ich versucht mich damit anzufreunden, dass es nun mal ist wie es ist, und wollte guten Willen signalisieren, indem ich letztes Wochenende fragte: "Weißt du eigentlich schon, wann du umziehen willst? Am letzten Februar- oder am ersten Märzwochenende?"
Er: "Hm nein, ich weiß noch nicht, warum?"
Ich: "Naja, ich fragte mich, ob du mich dann gerne dabei hättest, und ich dir dabei helfe?"
Das entspricht bei mir einer inneren Revolution: ich signalisiere Akzeptanz und gehe auf ihn zu, und riskiere ein "nein". Womit ich nicht gerechnet habe ist, dass da tatsächlich ein nein kommt:
"Da sind aber auch die ganze Zeit meine Eltern. Ich habe mir das Treffen immer anders vorgestellt. Das fände ich komisch. Es ist doch besser wenn wir da erst einmal für eine Stunde auf einen Kaffee hinfahren oder so. Aber wir können uns ja dann am Wochenende danach sehen." Ja. Toll. Dann sehen wir uns drei Wochen nicht. Das ist prima.
Ich versuchte zu erklären, dass ich mir über seine Eltern gar keine Gedanken gemacht hätte, und dass ich es vielleicht sogar angenehmer fände sich in einer Situation zu treffen, in der es etwas zu tun gibt und in der nicht alle steif am Kaffeetisch sitzen.
Lange Rede: Bei mir kam an: auf gar keinen Fall!
Ich war dermaßen getroffen und überfahren, dass ich seine Frage nach dem Gutenachtkuss verneinte und mich von ihm wegdrehte. Er schlief anscheinend gar nicht, ich schon, jedenfalls bis 5 Uhr. Da erwachte ich in versöhnlicher Stimmung und wir klärten das Thema - vorerst. Denn obwohl er beteuerte, dass es sich dabei um ein absolutes Missverständnis handele und er es einfach sehr schwierig fände und seine Eltern kompliziert seien was Kennenlernen angeht (seine Schwester scheint da auch irgendwie Probleme zu haben, irgendwie ist das Thema Eltern bei beiden eine Tretmine), so blieb bei mir ein ungutes Restgefühl. Mit diesem konfrontierte ich ihn dann auch am Dienstag am Telefon:
"Weißt du, ich habe das Gefühl, dass du vielleicht doch irgendwas vor mir verstecken willst, aber gleichzeitig weiss ich, dass das natürlich nicht so ist." Ach ja, weiß ich das? Heute scheine ich das komplett vergessen zu haben. Denn mich quält die Frage: vielleicht ja doch? Und vielleicht wird dann seine tolle beste Freundin E., die ja in der Hauptstadt wohnt, ihm dann beim Umzug helfen. Die darf das bestimmt. Und ich sitze hier und bin außen vor, fühle mich ausgeschlossen. Und soll er doch dann kommendes WE mit der tollen E. zu Ikea fahren und das erste Ding für die Wohnung kaufen, so wie er es mit mir vor hatte. Mir scheißegal. Und ich steiger mich so rein, dass ich am liebsten sofort simsen würde: fick dich, frag doch die tolle E. ob sie mit dir nächstes Wochenende zu Ikea fährt!
Auf dem Höhepunkt meiner Selbstzerfleischung ruft meine Mutter an. Auch das noch, denke ich mir. Gerade vor diesem Hintergrund ist es mir schier unbegreiflich, was genau an Kompliziertheit er von mir fernhalten will. Komplizierte Familie, das kann ich. Gut, er weiß davon nichts. Weder davon, welche Krankheit meine Mutter hat, noch davon, wie absolut gestört das Verhältnis meines Vaters und mir war. Ja, er weiß ein bisschen ("Mama ist krank", aber ich glaube er denkt, es ist Krebs o.ä.). Und ich weiß etwas von seinem Verhältnis zu seinen Eltern, was mir quasi lächerlich unbelastet erscheint, aber ich denke anscheinend ja ständig, dass ich die Oberarschkarte habe. Aber ich hasse ihn dafür, dass E. sicher helfen darf, und ich .. einfach .. nicht gefragt sein werde. Ich bin mir sicher, dass es so sein wird, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Wie auch immer...
Mama: "Hallo Tochter, du wolltest doch mal anrufen."
Ich: "Ja ich weiß. Tut mir leid."
Es ist wortkarg. Stumm heule ich. Sie erzählt von ihrer "Folter", wie "die sie malträtieren". Und noch mehr finde ich den Mann in seinem vermeintlichen Elterndrama zum kotzen, aber was weiß ich schon wie gestört die Verhältnisse von Kindern aus augenscheinlich gesunden Ehen zu ihren Eltern sein können.
Während des Gesprächs mit Mama, der ich von meinem Thema berichte, geschieht etwas wunderbares: es hilft mir mit ihr zu reden. Trotz allem ist es immer noch so, dass sie meine Mama ist. Auch wenn sie irre ist. Ebenso erstaunlich (wie allerdings auch erschreckend) finde ich, dass sie die Geschichte von der sich selbsterfüllenden Prophezeiung nicht kennt, und dass sie laut lacht, als ich sie erzähle. Denn meiner Meinung nach ist sie eine Meisterin auf diesem Gebiet, bei der ich mir das gut abkucken konnte. Sie war so lange in Analyse und weiß manchmal so erstaunlich wenig von sich.
Bei all den Dingen, Ängsten und Gedanken, die ich von mir preisgebe bzgl. meiner aktuellen Situation mit dem Mann, meint sie, dass das nicht gut ist (was ich ja weiß: ich weiß, dass es nicht gut ist dann auf Rache zu sinnen im Sinne von: dann fahre ich eben am Umzugswochenende Ski, das hat er dann davon; oder: dann ruf ich jetzt eben den kleinen Benjamin zum Vögeln an, das hat er dann davon. Oder: dann dröhn ich mich halt endlich mal wieder richtig zu, was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß! Ja, ich weiß dass das alles nur mich selbst und diese Beziehung langsam aber sicher zerstören würde, und trotzdem....) - aber ich frage mich ob ihr klar ist, dass sie genauso, nein, krasser ist in diesen Dingen. So krass, dass sie eben nie wieder eine richtige Bindung eingangen ist seit vielen Jahren.
Und ich würde auch gerne wegrennen. Von all dem. Nach dem Gespräch mit ihr schaue ich auf mein Handy. Eine sms hat mich erreicht von dem Mann: "Hallo schöne Frau, ich würde jetzt gerne mit dir Lotto spielen. M."
Und bei mir kommt an: dann hättest du wenigstens Kohle, und wir könnten sowas zusammen erleben.
Wieder bin ich schwer in Versuchung zu schreiben: Fick dich und such dir einfach ne reiche Freundin, such doch am besten gleich vor Ort - die, die da sind, können es sich anscheinend leisten.
Ich tue es nicht. Aber es tut mir weh, was er da schreibt. Ich weiß nicht wie ich es sonst auffassen soll, und ich will das jetzt auch nicht per sms klären. Ich will dann immer gar nichts mehr klären, sondern mich einfach rausziehen, nicht mehr erreichbar sein, für Tage, Wochen, am besten für immer. Zurück in mein Schneckenhaus, bis einer drauftritt und ich trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört bin.
Ich habe Angst, dass ich werde wie meine Mutter. Bitter. Mit dem Gefühl, immer nur der Verlierer in dem Spiel sein. Meinem Vater habe ich vor einiger Zeit von meinen missgünstigen Gefühlen erzählt. Er sagte nur: pass auf, dass du nicht wirst wie deine Mutter. Und ich weiß, dass er recht hat. Meine Mutter hatte immer das Gefühl sie kommt zu kurz. (Sie hatte es sogar so sehr, dass sie meinen Bruder und ich auseinanderreissen wollte bei der Trennung meiner Eltern, damit nicht nur sie die ganze Arbeit hat. Mein Vater soll sich schließlich kein Leben in Saus und Braus machen, während sie sich an diesen Kindern aufreibt.) Das habe ich zur Zeit auch. Und zwar wahrscheinlich völlig ungerechtfertigt.
Und obwohl oder gerade weil ich das rational alles weiß, macht es mich fertig, dass diese Gedanken trotzdem da sind, dass sie nicht weggehen. Dass sie mich einfach weiterquälen und ich es nicht schaffe ihnen Einhalt zu gebieten. Denn mal ganz ehrlich: vielleicht sind manche Sachen auch einfach nur scheisse von ihm. Vielleicht ist er ja doch einer, der nur an sich denkt. Einer dem eben alles zufliegt. Und ich steh daneben und kämpf mir einen ab einen, meinen Weg zu finden. Und kann nicht mithalten.
Freitag, 23. Januar 2015
Baden-Württembergische Abendgestaltung
okavanga, 23:42h
Mein heutiger Abend, in einem Brief an N., die ich mit einem Kosenamen anspreche, der mit B. beginnt. Neee, nich Baby! ;-)
Hallo B,
da mir gerade langweilig ist und ich OOOORDentlich einen im Tee habe, erzähle ich dir von meinem Abend. Einfach nur so, weil mir danach ist. Du musst nix antworten, und es erstrecht nicht ernst nehmen. :-)
Also das war so. Zuerst habe ich <meinen Vater> vollgeheult wegen meinen "der Mann"-Dämonen, die mir weißmachen dass es eine Totalkatastrophe ist, dass er nach München geht [AdR: von einer anderen bayerischen Stadt]. Und dass Veränderung im Allgemeinen scheiße ist. Außer ich verändere. Also wenn ich das kontrollieren kann. Und dass das aber ziemlich kacke von mir als Freundin ist, weil ich ihn da nicht einfach unterstützen oder mich für ihn freuen kann. Also noch ein Grund mehr mich schlecht und hässlich und dumm und minderwertig zu fühlen. Bin ich ja eh neben ihm, der 3 Jahre jünger ist und nur halb soviel Berufserfahrung hat, aber sicher 1000 Euro netto mehr verdient. Außerdem bin ich jetzt bald quasi unfruchtbar. Und furchtbar. Aber das ist eigentlich alles nebensächlich. Denn.
Denn dann machte ich mich bereit für eine Rotweinwanderung in der Pfalz mit LeSchwe und zwei ihrer Kackbratzenfreunde, die da heißen Scheich (der, der aus Prinzip nie eine Moschee betreten würde (witzig, dass der Scheich heisst) und heimlich – sicher heimlich, denn für öffentlich fehlen ihm die Eier – Pegida zujubelt, während er die Bildzeitung liest) und Steffi (sehr schlecht blondiert – ne nich ich – und brunsdumm, und dermaßen komplexbeladen, dass sie andere Leute herabsetzen muss um sich selbst in ihrer mickrigen Existenz besser zu fühlen. Ne echt nich ich. ;-))
Du ahnst das Problem. Eigentlich hatte ich keine Lust auf schlechte Gesellschaft. Dazu kommt, dass ich kurz davor ein Telefonat mit G. hatte, von der ich manchmal glaube, sie ist ein jüngeres Klon von mir was Problematik und Psyche angeht. Für sie wollte ich viel lieber da sein, wir telefonieren nicht so oft, und die hat schlimm geweint. Da stand ich aber schon vor LeSchwes Haus. Ich klingelte mehrfach, und weder antwortete jemand über die Sprechanlage, noch erklang der Buzzer für den Türöffner. Ich wurde sauer. Weil ich ja eh irgendwie auch schon grundsauer war, also eigentlich noch saurer. Irgendwann kamen die Leute nach unten: LeSchwe, Steffi, Scheich, und der Freund von Steffi, den ich noch nie gesehen habe. Ich sagte: Na hätte ja auch mal einer was sagen oder gar aufmachen können. Sagte die Steffi nach einigen Sekunden: „ich hoffe, es ist keiner schlecht gelaunt, wegen der Arbeit, weil heute ist Freitag, und so.“ Ich dachte mir: „Hä? Dummer Satz. Äh, ja, doch, ich bin schlecht gelaunt.“ LeSchwe sprach: „Naja, war schon besser.“ Ich sprach: „Ja, war schon besser“.
Wir fuhren los. Wohin, das wusste ich nicht, ich fragte. Es saßen da vier Leute hinter bzw. neben mir, die alle was zu sagen hatten. Einer meinte dann „links“, das kam mir spanisch vor, denn dahin fährt man nicht, wenn man von LeSchwe aus in die Pfalz will. Aber ich fragte: wirklich? Und keiner antwortete, aber gefühlt redeten alle irgendwas durcheinander, und dann kam es mir so vor als würden sie sich lustig machen, weil alle links sagten, ich aber rechts abgebogen bin. „ne ne, das andere links“. Haha. Ich fuhr also weiter, und die redeten durcheinander.
Nach 300 Metern bremste ich sehr sehr scharf und sagte: „Also so nicht. Es redet nur einer. Ich kann sonst nicht hören wo ich hinfahren will. Sonst geht das nicht.“ Irritiertes Schweigen. Scheich: „Ich schnall mich jetzt glaub ich erst mal an..“
Dann Steffi: „Also hast du was gesagt?“ Anscheinend zu ihrem rechten Sitznachbar, LeSchwe. LeSchwe: „Ne.“ Zu Scheich: „Hast du gerade was gesagt?“ Scheich: „Ne, ich auch nich.“ Nach dem Motto: die Alte hat doch Hallus, es hat doch keiner was gesagt. Dann belustigtes Lachen von Steffi-Blondi.
Ich: Vollbremsung. „So, es reicht. Alle aussteigen.“ Bin ausgestiegen, den Sitz nach vorne geklappt. Hinter mir hupt ein Auto, weil ich mitten auf der Straße stehe. Ich: „ja dann überhol doch“, mit großer Geste. Auto überholt. Im Auto nur entsetztes Schweigen, sie scheinen aber zu begreifen, dass ich es ernst meine. Ich: „Los, raus. Darauf hab ich heut echt keinen Bock. Verarschen kann ich mich selber.“
Alle steigen aus. Es ist still. Ich steige ein. Und fahre davon. Und freue mich.
Ja, ich freue mich, bis jetzt. Das Ganze ist über drei Stunden her, und ich empfinde keine Reue, sondern nur reine Freude. Weil: ich hatte wirklich keine Lust solche Kackbratzen übers Land zu kutschieren, die sich über mich lustig machen. Ja, die Art und Weise hätte diplomatischer und höflicher sein können, war sie aber nicht. Immerhin war ich sehr ruhig. Ruhig, aber SEHR SEHR bestimmt. Freude, weil: sowas kann die doofe Kuh mit ihren Kollegen machen, die ist gewohnt dass Leute sich untergeben und sie sich lustig machen kann. Heute bei mir leider ganz falscher Fuß.
Freude, weil: ich jetzt zwei Stunden mit G. telefoniert habe, und wir zwar viel geweint, aber auch sehr viel gelacht haben, und es ein tolles Gefühl war Zeit mit jemandem zu verbringen, der mir wirklich wichtig ist, und wenn es nur am Telefon war, weil der Mensch inzwischen in N. in Bayern wohnt.
Für mich selbst nehme ich mit: das nächste mal gleich meine Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, und nicht mit Kackbratzen Zeit verbringen. Ich wollte es vor allem wegen LeSchwe, wir sehen uns sehr selten zur Zeit, da sie unter der Woche in Friedberg (noch hinter FFM) ist, und ich jedes zweite WE den Mann sehe. Aber es hat nicht gereicht. Ihr habe ich vorhin eine ganz nette SMS geschrieben, ich weiß nicht ob sie es versteht, aber ich fühle mich tatsächlich nicht schlecht. Sollte ich das nächste mal wieder mich selbst überlisten wollen, um entweder nicht asozial zu werden (ich dachte, es tut mir gut wenn ich mal mit anderen Leuten raus komme) oder dem Mann etwas zu erzählen zu haben („Oka, du MUSST ein spannendes Leben haben. Du MUSST dem Mann etwas erzählen können nach dem WE, du kannst nicht nur sagen: „du, die depressive G. und mein depressives Ich haben uns am Telefon betrunken und unser Leid geklagt, uns dabei aber auch echt bepisst vor Lachen! Es war großartig!“), dann appelliere ich an dieser Stelle an mein Erwachsenen-Ich, das nächste mal ein bisschen souveräner und schneller durchzugreifen und sich mit einem: “Sorry Leute, ich merk gerade, mir geht’s nicht gut, ich glaub, ihr fahrt lieber mit LeSchwe“ zu verabschieden.
[... Text der jetzt echt nicht hier her gehört, weil er sie, ihr Kind und ihren Mann betrifft ...]
Viele Küsse, ich freue mich wenn wir uns hören.
Deine Oka
Hallo B,
da mir gerade langweilig ist und ich OOOORDentlich einen im Tee habe, erzähle ich dir von meinem Abend. Einfach nur so, weil mir danach ist. Du musst nix antworten, und es erstrecht nicht ernst nehmen. :-)
Also das war so. Zuerst habe ich <meinen Vater> vollgeheult wegen meinen "der Mann"-Dämonen, die mir weißmachen dass es eine Totalkatastrophe ist, dass er nach München geht [AdR: von einer anderen bayerischen Stadt]. Und dass Veränderung im Allgemeinen scheiße ist. Außer ich verändere. Also wenn ich das kontrollieren kann. Und dass das aber ziemlich kacke von mir als Freundin ist, weil ich ihn da nicht einfach unterstützen oder mich für ihn freuen kann. Also noch ein Grund mehr mich schlecht und hässlich und dumm und minderwertig zu fühlen. Bin ich ja eh neben ihm, der 3 Jahre jünger ist und nur halb soviel Berufserfahrung hat, aber sicher 1000 Euro netto mehr verdient. Außerdem bin ich jetzt bald quasi unfruchtbar. Und furchtbar. Aber das ist eigentlich alles nebensächlich. Denn.
Denn dann machte ich mich bereit für eine Rotweinwanderung in der Pfalz mit LeSchwe und zwei ihrer Kackbratzenfreunde, die da heißen Scheich (der, der aus Prinzip nie eine Moschee betreten würde (witzig, dass der Scheich heisst) und heimlich – sicher heimlich, denn für öffentlich fehlen ihm die Eier – Pegida zujubelt, während er die Bildzeitung liest) und Steffi (sehr schlecht blondiert – ne nich ich – und brunsdumm, und dermaßen komplexbeladen, dass sie andere Leute herabsetzen muss um sich selbst in ihrer mickrigen Existenz besser zu fühlen. Ne echt nich ich. ;-))
Du ahnst das Problem. Eigentlich hatte ich keine Lust auf schlechte Gesellschaft. Dazu kommt, dass ich kurz davor ein Telefonat mit G. hatte, von der ich manchmal glaube, sie ist ein jüngeres Klon von mir was Problematik und Psyche angeht. Für sie wollte ich viel lieber da sein, wir telefonieren nicht so oft, und die hat schlimm geweint. Da stand ich aber schon vor LeSchwes Haus. Ich klingelte mehrfach, und weder antwortete jemand über die Sprechanlage, noch erklang der Buzzer für den Türöffner. Ich wurde sauer. Weil ich ja eh irgendwie auch schon grundsauer war, also eigentlich noch saurer. Irgendwann kamen die Leute nach unten: LeSchwe, Steffi, Scheich, und der Freund von Steffi, den ich noch nie gesehen habe. Ich sagte: Na hätte ja auch mal einer was sagen oder gar aufmachen können. Sagte die Steffi nach einigen Sekunden: „ich hoffe, es ist keiner schlecht gelaunt, wegen der Arbeit, weil heute ist Freitag, und so.“ Ich dachte mir: „Hä? Dummer Satz. Äh, ja, doch, ich bin schlecht gelaunt.“ LeSchwe sprach: „Naja, war schon besser.“ Ich sprach: „Ja, war schon besser“.
Wir fuhren los. Wohin, das wusste ich nicht, ich fragte. Es saßen da vier Leute hinter bzw. neben mir, die alle was zu sagen hatten. Einer meinte dann „links“, das kam mir spanisch vor, denn dahin fährt man nicht, wenn man von LeSchwe aus in die Pfalz will. Aber ich fragte: wirklich? Und keiner antwortete, aber gefühlt redeten alle irgendwas durcheinander, und dann kam es mir so vor als würden sie sich lustig machen, weil alle links sagten, ich aber rechts abgebogen bin. „ne ne, das andere links“. Haha. Ich fuhr also weiter, und die redeten durcheinander.
Nach 300 Metern bremste ich sehr sehr scharf und sagte: „Also so nicht. Es redet nur einer. Ich kann sonst nicht hören wo ich hinfahren will. Sonst geht das nicht.“ Irritiertes Schweigen. Scheich: „Ich schnall mich jetzt glaub ich erst mal an..“
Dann Steffi: „Also hast du was gesagt?“ Anscheinend zu ihrem rechten Sitznachbar, LeSchwe. LeSchwe: „Ne.“ Zu Scheich: „Hast du gerade was gesagt?“ Scheich: „Ne, ich auch nich.“ Nach dem Motto: die Alte hat doch Hallus, es hat doch keiner was gesagt. Dann belustigtes Lachen von Steffi-Blondi.
Ich: Vollbremsung. „So, es reicht. Alle aussteigen.“ Bin ausgestiegen, den Sitz nach vorne geklappt. Hinter mir hupt ein Auto, weil ich mitten auf der Straße stehe. Ich: „ja dann überhol doch“, mit großer Geste. Auto überholt. Im Auto nur entsetztes Schweigen, sie scheinen aber zu begreifen, dass ich es ernst meine. Ich: „Los, raus. Darauf hab ich heut echt keinen Bock. Verarschen kann ich mich selber.“
Alle steigen aus. Es ist still. Ich steige ein. Und fahre davon. Und freue mich.
Ja, ich freue mich, bis jetzt. Das Ganze ist über drei Stunden her, und ich empfinde keine Reue, sondern nur reine Freude. Weil: ich hatte wirklich keine Lust solche Kackbratzen übers Land zu kutschieren, die sich über mich lustig machen. Ja, die Art und Weise hätte diplomatischer und höflicher sein können, war sie aber nicht. Immerhin war ich sehr ruhig. Ruhig, aber SEHR SEHR bestimmt. Freude, weil: sowas kann die doofe Kuh mit ihren Kollegen machen, die ist gewohnt dass Leute sich untergeben und sie sich lustig machen kann. Heute bei mir leider ganz falscher Fuß.
Freude, weil: ich jetzt zwei Stunden mit G. telefoniert habe, und wir zwar viel geweint, aber auch sehr viel gelacht haben, und es ein tolles Gefühl war Zeit mit jemandem zu verbringen, der mir wirklich wichtig ist, und wenn es nur am Telefon war, weil der Mensch inzwischen in N. in Bayern wohnt.
Für mich selbst nehme ich mit: das nächste mal gleich meine Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, und nicht mit Kackbratzen Zeit verbringen. Ich wollte es vor allem wegen LeSchwe, wir sehen uns sehr selten zur Zeit, da sie unter der Woche in Friedberg (noch hinter FFM) ist, und ich jedes zweite WE den Mann sehe. Aber es hat nicht gereicht. Ihr habe ich vorhin eine ganz nette SMS geschrieben, ich weiß nicht ob sie es versteht, aber ich fühle mich tatsächlich nicht schlecht. Sollte ich das nächste mal wieder mich selbst überlisten wollen, um entweder nicht asozial zu werden (ich dachte, es tut mir gut wenn ich mal mit anderen Leuten raus komme) oder dem Mann etwas zu erzählen zu haben („Oka, du MUSST ein spannendes Leben haben. Du MUSST dem Mann etwas erzählen können nach dem WE, du kannst nicht nur sagen: „du, die depressive G. und mein depressives Ich haben uns am Telefon betrunken und unser Leid geklagt, uns dabei aber auch echt bepisst vor Lachen! Es war großartig!“), dann appelliere ich an dieser Stelle an mein Erwachsenen-Ich, das nächste mal ein bisschen souveräner und schneller durchzugreifen und sich mit einem: “Sorry Leute, ich merk gerade, mir geht’s nicht gut, ich glaub, ihr fahrt lieber mit LeSchwe“ zu verabschieden.
[... Text der jetzt echt nicht hier her gehört, weil er sie, ihr Kind und ihren Mann betrifft ...]
Viele Küsse, ich freue mich wenn wir uns hören.
Deine Oka
Montag, 19. Januar 2015
okavanga, 22:57h
In letzter Zeit habe ich manchmal ganz kleine Momente, in denen ich mir vorstellen kann wie es sein muss, wenn man mit dem Grundgerüst seines Lebens zufrieden ist. Wenn ich mein Neuorientierungsprojekt zu einem guten Abschluss bringe und bei meiner Arbeit, in die ich Tag für Tag mit mehr Widerwillen und Abscheu gehe, aussteigen und mich auf den Weg zum neuen Ziel begeben kann, dann wird das alles immer noch nicht leicht, im Gegenteil. Auch die Beziehung bringt Umstände mit sich, die unbestritten einfacher sein könnten. Und irgendwann werden beide Punkte wohl Entscheidungsfragen mit sich bringen, die mich noch sehr schrecken. Dennoch habe ich zum ersten mal in meinem Leben immer öfter das tiefe und ruhige Gefühl, dass die Dinge in die richtige Richtung laufen. Es fühlt sich gut an, allen Anstrengungen die da sind und kommen werden zum Trotz. Das ist ein irres Gefühl.
Ich wünschte, ich hätte viel mehr über die Veränderungen und Gedanken geschrieben, die mich in den letzten Monaten begleitet haben. Aber ich hatte Angst, ich schreibe es kaputt. Dass es sich verflüchtigt, wenn es geschrieben steht.
[Edit] Ja. Tatsächlich habe ich die Erlebnisse, die mich am meisten geprägt haben im letzten Jahr, hier einfach überhaupt nicht aufgeschrieben. Das ist schade. Ausgerechnet die Lücke Juli bis November. Aber macht nichts. Macht nichts. Geschehen ist es ja. Das Schreckliche wie das Schöne.
Ich wünschte, ich hätte viel mehr über die Veränderungen und Gedanken geschrieben, die mich in den letzten Monaten begleitet haben. Aber ich hatte Angst, ich schreibe es kaputt. Dass es sich verflüchtigt, wenn es geschrieben steht.
[Edit] Ja. Tatsächlich habe ich die Erlebnisse, die mich am meisten geprägt haben im letzten Jahr, hier einfach überhaupt nicht aufgeschrieben. Das ist schade. Ausgerechnet die Lücke Juli bis November. Aber macht nichts. Macht nichts. Geschehen ist es ja. Das Schreckliche wie das Schöne.
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