Dienstag, 22. November 2011
Die Zeit läuft uns davon.
Das erste mal seit 2 Monaten endlich mal wieder im Fiti gewesen. Es wirkt ganz anders, als ich erwartet habe: auf einem modernen Folterinstrument für Ausdauer höre ich meine schon seit über 2 Jahren übliche Musik mit mp3-Player. Und es stellen sich kuriose Gedanken ein.

Zuerst denke ich: ich will endlich wieder feiern gehen. Ein bisschen wegbeamen, Gefühlsblockade vors Herz bauen, und tanzen bis ich tot umfalle.

Und dann male ich mir den Tod meiner Mutter aus. Wie ihr Begräbnis sein könnte. Welche Leute. Welche Musik. Was sie mögen würde.

Von mir selbst schockiert sage ich mir: nein nein nein. So darf das einfach nicht kommen!

Anscheinend sage ich es laut, denn aus den Augenwinkeln spüre ich den Blick der Frau neben mir.

Und das Telefonat eben mit Mama. Vielleicht kommt es doch so, irgendwann. Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll. Sie klingt so vernünftig. Nie hysterisch. Immer völlig logisch. Nur eben irgendwie unlogisch. Was ist, wenn da irgendwas einfach nicht stimmt, und keine Einweisung der Welt ihr helfen kann? Kein Medikament? Wie lange wollen wir sie so foltern? Wann hat der Mensch ein Recht auf Selbstbestimmung?

Sie sagte: "Ich werde das nicht durchstehen. Wenn ich keine Hilfe bekomme, stehe ich das nicht durch. Aber ich verspreche euch, dass ich versuchen werde, mich nicht aus dem Leben zu schleichen. Ich will versuchen euch vorher informieren".





aus dem büro
Heut ist so ein Tag....

Ohrwurm Nils Holgerson. Aber leider fliegen keine Gänse vorbei denen ich mich anschließen könnte.

Dafür war bei meiner Ente heute Mittag noch der Kopf dran. Ging dann irgendwie auch nicht mehr, das mit dem essen.

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Montag, 21. November 2011
Heute Morgen kam der BR Typ auf mich zu, und ich dachte schon in all meiner grenzenlosen Naivität: ah, der Groschen ist gefallen! Naja. Pustekuchen. Er wollte mir erklären, warum der Inhalt seiner Mail und die Vorgehensweise überhaupt nicht scheisse waren. Hab ich ihn nach einiger Diskussion stehengelassen. Mag nicht mehr.

Am Freitag mit dem Betre*uungsgericht telefoniert, und mit Mamas Hausarzt. Vom Alkoholkonsum wusste er nichts. Aber er meint, irgendwas passt da nicht, im Blut sind keinerlei Anzeichen für eine Au*toimm*unerkrankung, und vieles ist für ihn einfach medizinisch nicht erklärbar.

Macht mich alles auch nicht schlauer.

Wieder angefangen Klavier zu spielen. Holprig, aber erstaunlich, was das Hirn, dieses eigendynamische, sich trotz allem über die letzten 8 Monaten gemerkt hat. Es macht mich traurig zu spielen. Es erinnert mich zu sehr an den Klavierengel, und die anderen, und an alles.

Nicht mehr hysterisch, nicht mehr psyched out, aber so ein bisschen auf den schwarzen Abgrund lauschend, der da in mir sitzt und darauf wartet, dass er mich wieder verschlingen kann. Blödes Vieh, denk ich mir manchmal, und dann denk ich mir, vielleicht mein einziges Mittel, um mir selbst mal Stop zu sagen.

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Donnerstag, 17. November 2011
Klääärung. Wie Kläranlage. Klärschlamm.
Allein das Wort "Gespräch" klingt wie Brei in meinen Ohren. Ich versuche mich zu erinnern wie es gestern war, aber irgendwie will meine Erinnerung nur sehr widerwilig dahin zurück.

Nicht, dass es "schlecht" gelaufen ist, im eigentlichen Sinne. Ich war zumindest in relativ ruhiger Verfassung. Und meine Chefin zeigte mir vorher die Mail. Ich würde ja versuchen sie zu rekonstruieren, aber da bin ich dann doch zu paranoid um es hier niederzuschreiben.

Meine Chefin, der GF und ich warteten. Der BR-Vorsitzende kam wesentlich zu spät. Als er endlich kam, ergriff der GF das Wort. Er schilderte die Situation, und prangerte sowohl Art der Kommunikation als auch Inhalt der Mail an. Bezog sich auf unsere vielgepredigte (AdV: und so wenig gelebte) Kultur, und meinte, dass dies alles nicht nur in diesem Kontext absolut inakzeptabel sei.

Dann übergab er das Wort an mich. Ich erklärte, wie fassungslos ich sei, erzählte wie dieser Pressetermin wirklich abgelaufen ist, dass alle mitbekommen haben MÜSSEN, dass mir das alles eher unangenehm war. Dass ich erwarte, dass der Projektverantwortliche die Initiative ergreift, wenn er sich nicht ausreichend berücksichtigt fühlt weil "keiner mit ihm redet". Dass zwei Az*ubis und ICH mit dem Journalisten geredet haben um zu klären wie wichtig uns das Gemeinschaftsprojekt ist, dass der J*A*V-Mann sich nur darüber beschwert hat, dass der Journalist seine Fotos nicht wollte. Und so weiter. Ich schrieb ja alles schon ausführlich hier.

Witzigerweise verheimlichte der BR gar nicht seinen "Informanten". Der GF wies darauf hin, dass er diesen nicht für geeignet hält, um in der Rolle als Leiter der J*A*V weiterhin aktiv zu sein. Dass sowohl BR als auch der Mann sich in Vorbildrollen befinden, und sie nicht wissen, wie sie diese zu leben hätten.

Meine Chefin schaltete sich ein. Das fand ich schon gut. Ist schon was anderes wenn solche Aussagen von der Per*sonalleitung kommen. Sie sagte: bei einem normalen Mitarbeiter wäre das eine Abma*hnung. Erklärt, dass auch schon ihre andere Mitarbeiterin wegen der ganzen Sache schief angeschaut wird von den Az*ubis. Dass sie eine offizielle Entschuldigung bei mir sowie eine Richtigstellung mindestens im Kreis der J*A*V* und der Azubis fordert.

So spielte sich dieses Gespräch ein Stück weiter. Ich erwähnte nochmals, dass ein solches Verhalten strafbar sei, ob ihnen denn nicht bewusst sei, was sie da getan hätten.

Aber alles, was vom BR kam, war Opfergejammer und Unverständnis. Dass er doch auch nur weitergebe was ihm gesagt wird (also wenn jemand sagt, spring, dann springt er anscheinend auch von der Brücke), dass man ja mit mir reden gewollt hätte, aber ich sei ja nicht da gewesen, und dass er dem GF ja auch gesagt hatte in dem Zwigespräch, dass dem unsrigen voran ging, dass die "Klärung dieser Sache für ihn nicht Prio 1 hat".

Je länger das Gespräch andauerte, desto mehr fiel mir die Kinnlade runter, desto erboster wurde ich.

Weitere Opferrechtfertigung lautete in etwa: wenn man nicht mal mehr seine freie Meinung sagen kann, dann sind wir nicht mehr in Deutschland.
Wir sollen doch mal in die Hallen gehen, da werden wir sehen wie "offen und ehrlich" die Kommunikation sei (nach dem Motto: ihr wollt so eine Kommunikation, aber die findet man nirgends. dass das daran liegt, dass die das alle selbst so leben, hat er bis zum Ende nicht eingesehen).

Ich sagte, dass ich sprachlos sei, dass ausgerechnet diejenigen, die sich am lautesten über schlechte Kommunikation beschweren, eine beschissene leben und diese auch noch für gerechtfertigt und vollkommen korrekt halten. Unverständnis weiterhin.

Der GF meinte dann irgendwann, dass er eine Richtigstellung erwarte, wie die von meiner Chefin genannte, und ich meinte: das mindeste was ich erwarte, ist eine Entschuldigung.

Und der BR sagte: ich wüsste nicht für was.

Der GF, meine Chefin und ich versuchten weiterhin mit eindringlichen Worten Verständnis zu wecken. Auch, dass der BR sich habe instrumentalisieren lassen. Dass er und J*A*V-Mann in ihren Rollen versagt hätten. Ohne Erfolg. Irgendwann meinte der GF, dass ihm die Zeit nun zu schade sei für diese Sache, die eigentlich gar nicht so groß geworden wäre, wenn J*A*V- und BR nicht so eine Scheiße (er wählte ein anderes Wort, weiß nicht mehr) gebaut hätten, und dass er eine Richtigstellung verlange von den beiden, weil er es nicht dulden könne, dass der Name einer Mitarbeiterhin durch den Dreck gezogen wird. Dann verließ er uns.

Das Gespräch war beendet. Das war jetzt der Kurzabriss. Danach war ich fast noch Fassungsloser als vorher.

Ich setzte mich zu meiner Chefin ins Büro und sagte, dass ich auf einer schriftlichen Entschuldigung des BRs bei mir beharre, so wie es die Rechtsabteilung unseres Konzerns geraten hatte (Dokumentation in bestimmten Schritten, um beim nächsten mal ggf. sogar bei einem BR wirksam werden zu können), notfalls mit Anwaltsschreiben.

Keine 10 Minuten später stand der J*A*V-Mann in der Tür. Der ist cleverer als der BR. Und wesentlich jünger. Auch wesentlich jünger als ich.

Dieses Gespräch war etwas... naja. Wir wollen glauben, dass er verstanden hat. Er hat sich entschuldigt, hat gesagt, er versteht es. Es war ein längeres Gespräch auch. Und am Ende wollten wir beide das Gefühl haben, dass das nun halbwegs aufrichtig war. Aber ich bin mir nicht sicher, wie clever der Hund wirklich ist.

Eine halbe Stunde später kam er zurück. Mit einer Flasche Sekt, und meinte, er wisse, dass er Scheiße gebaut habe, dass er dazu steht und dass es ihm leid tut. Naja. Also sagte ich halt, dass ich das stark von ihm finde und ein schönes Zeichen, und danke.

Was das nun wirklich war... Ich bin mir nicht sicher, vor allem aufgrund der aktuellen Situation im Betrieb.

In den Hallen (die fast die Hälfte der Belegschaft ausmacht) werde ich kaum mehr gegrüßt. Die Leute schauen mich an, als hätte ich jemanden umgebracht.
Ich versendete heute unseren Per*sonal-Ne*wsletter, wie alle 8 Wochen. Und darauf kam von einem weiteren BR-Mitglied (das nicht in den Hallen ist) eine Mail, die etwas bemängelte: sein ru*nder Geburtstag, sein 30., sei nicht erwähnt gewesen, und wie enttäuscht er nach 12 Jahren Firmenzugehörigkeit wäre, dass ich das vergesse hätte, und er dachte ja schon beim letzten mal, ich hätte es vergessen oder würde mehrere Geburtstage sammeln für den nächsten Rundbrief.
Falls aber nur 50. und 60. gemeint seien, solle ich doch bitte die Rubrik umbenennen.

Ich schrieb nur, dass es eine konzernweit gültige BV gibt, die festlegt, dass es nur 50. und 60. sind (das sollte er eigentlich wissen, als BR-Mitglied), die offiziell gefeiert und benannt werden, und dass ich die Rubrik gerne umnenne.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas ohne den Vorfall gekommen wäre. Vielleicht werde ich da jetzt aber auch nur paranoid.

Letztendlich wird mir einfach klar, dass ich einen Ruf habe, und dass der nicht mehr weggehen wird, auch nach einer Richtigstellung. Der Meister, mit dem ich mich vor einigen Wochen angelegt hatte, wird hier auch eine Rolle spielen.

Wüsste ich es nicht besser, und hätte ich keine Zeugen, ich würde sagen, ich klinge schon wie meine Mutter.

Fakt ist: ich muss da weg. Wenn ich durch die Halle muss, fühle ich mich wie ein blödes Arschloch. Ich fühle mich wie mit einem fetten fetten Ju*denstern an der Brust. Also verstehen Sie das nicht falsch, ich hoffe sie tun das nicht. Aber so muss diese Hetze in etwa entstanden sein, und es ist grauenhaft, ein Mal zu tragen, von dem alle meinen, dass es einen zum allerletzten herabwürdigt. Ich kann fast die Hetzreden hören.

Immerhin bin ich wieder ruhiger, und wenn ich mit meinem Job befasst bin ohne mit Arschlöchern zu tun zu haben, geht es mir "gut". Aber ich entwickel dort so etwas wie eine Soziophobie. Mein Vertrauen in meine Mitmenschen ist nachhaltig erschüttert. Ich hoffe jetzt nur, dass das nicht noch mehr das in mich erschüttert. Ich bin echt nicht reich damit gesegnet. Bei Selbstvertrauen haben echt die Falschen ganz laut "hier" geschrien.

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Mittwoch, 16. November 2011
Hirn mit Eigendynamik.
Ich hatte noch nie so wirklich Einschlafschwierigkeiten oder Schlafstörungen. Das ist eine neue und höchst unangenehme Entdeckung für mich. Jetzt weiß ich, in 5 Stunden klingelt der Wecker. Jedes Hörbuch, bei dem ich sonst nach maximal 3 Minuten einschlafe, schafft keine Abhilfe.

Dafür läuft und läuft und läuft der Kopf. Kommt von Hützen auf Stützen.

Und gerade dachte ich mir so: vielleicht bin ich einfach Berater, im Herzen, und will das wieder sein. Eine nette, unkonventionelle und doch professionelle Beraterfirma, die mir Beratungsmöglichkeiten in dem Berufsfeld gibt, das ich nun für mich entdeckt habe. Und mit einem regionalen Prinzip, sprich ohne dauerhafte Einsätze weit entfernt von meiner Basis. Das wärs.

Also eigentlich meine alte Firma, nur mit einer anderen Beratungssparte.

Das hat mich jetzt so glücklich gemacht, dieser Gedanke, dass ich erstrecht nicht schlafen kann. Dabei spüre ich schon jetzt, wie unendlich erschöpft ich müde (Nachtrag: ja genau müde! dabei sollte da "morgen" stehen. wie kann man nur müde sein und nicht schlafen können.) sein werde. Ob es so eine Firma gibt, und wenn ja wo, und will sie mich? Immerhin weiß ich für mich selbst jetzt schon mal mehr als vorher.

Sandmann, wo bist du?

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Dienstag, 15. November 2011
Kann long stories irgendwie nicht mehr short cutten.
Den Arzt kenne ich erst seit letzter Woche, als ich eine Krankschreibung wegen meiner starken Erkältung benötigt habe. Es war mir heute einigermaßen peinlich, schon zu weinen anzufangen als er nur den Raum betrat.

Es ist immer ein Wagnis, sich zu öffnen, auch bei einem Arzt, jedenfalls empfinde ich es so. Ich habe Angst zurückgestoßen zu werden. Oder schnell weitergeleitet zu werden, "ah jaja, hm ich sehe, ja also und was soll ich da tun? ja hm ja also gehen Sie doch mal woanders hin".

Das wird vielleicht kein Arzt zu machen, und trotzdem war ich so erleichtert und froh, dass er so reagiert hat, wie er reagiert hat.

Es war ein langes Gespräch, über meine Arbeit bzw. die konkrete Situation, und über meine Mutter.

Zur Arbeit hat er in etwa genau das gesagt, was Frau Sturmfrau mir schrieb. Und er hat mich gefragt, was ich möchte. Er meinte, er würde machen was ich will, er könne mich krank schreiben, für mehrere Wochen, oder auch nicht. Aber empfehlen würde er mir, mich heute zu sortieren und auf jeden Fall das morgen anstehende Gespräch wahrzunehmen, vor allem da ich doch wisse, dass GF und Chefin in dieser konkreten Angelegenheit hinter mir stehen. Ich soll spazieren gehen, im Wald "scheiße" schreien. Druck ablassen. Und dann überlegen, was genau ich in diesem Gespräch sagen möchte.

Das ging natürlich erstmal um Situationslösung. Über weitergreifende Dinge haben wir nicht soviel gesprochen, vielleicht auch weil ich ihm gesagt habe, dass ich bereits mit einem The*rapieinstitut hier gesprochen habe und er somit weiß, dass ich bereits Hilfe suche. Vielleicht dachte er aber auch, dass ich das alleine schaffe. Er sog zwar zischend den Atem ein, als ich ihm erzählte, dass meine Chefin auch meine Stiefmutter ist, und fragte wie es dazu kam, aber er ging nicht weiter darauf ein, wie man das nun lösen könne. Er meinte, nur, dass ich es dort ja, wie lange auch immer, ja noch eine Zeit aushalten müsse, und im Zweifel solle ich mich entschuldigen, auch wenn ich mich nicht verstanden fühle, und dann überlegen, was ich möchte. Ist ja auch nicht sein Job das für mich zu lösen. Es tat schon gut, dass er zuhörte und ich ernst genommen wurde.

Zu meiner Mutter sagte er etwas, was mir noch nie kam. Klar, Einweisung, Medikamente, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie über Di*gnitas spricht, anfängt zu trinken und Tabletten konsumiert. Er meinte, ich solle vorab mit dem Richter Kontakt aufnehmen, der die vorherigen Unterbringungen geregelt und die Betreuung geklärt hätte, und ihn um Rat fragen.

Er meinte auch, dass wir eine dauerhafte Betreuung einrichten sollten, die auch die Macht über die Krankenkassenkarte beinhaltet. Damit sie nicht eigenmächtig und ohne Rücksprache mit ihren Betreuern zu anderen Ärzten gehen kann, um von Depotspritzen auf Tabletten, die sie dann eh nicht nimmt, umsteigen zu können. Das war etwas, das mir noch nie gekommen ist. Dabei ist es so banal. Und es hat mir Mut gemacht.

Ich sagte ihm, wissen Sie, und dann ist da Weihnachten, und sie ist in der Geschlossenen. Fragen Sie nicht, wie viele Weihnachten ich im Krankenhaus verbracht habe. Bei meiner Schwester, bei Freunden. Und so skurril das zum Teil auch war, so sehr viel lustiger war es zum Teil auch als einfach auf dem Sofa unterm Weihnachtsbaum zu Hause.

Er hat mich für heute krankgeschrieben, und meinte, wenn es gar nicht geht, kommen Sie einfach wieder.

Mut. Ich brauche einfach mehr Mut. Für mich einzustehen und das, was ich für richtig halte, für mein Bauchgefühl.

Ich war zwei Stunden spazieren, und habe viel nachgedacht. Ich werde da morgen hingehen. Vor dem Gespräch habe ich keine Angst, weil ich weiß dass hier die hinter mir stehen, auf die es ankommt, und dass es nicht darum geht, mir eins reinzuwürgen, sondern demjenigen, der mich hinterhältig in die Pfanne hauen wollte.

Dass der J*A*V-Mann nicht dabei ist, soll mir erstmal egal sein. Angeblich wollen sie im Gespräch aus dem BR rausleiern, von wem das kommt. Ich bin da mal gespannt, und schaue einfach auch mal zu.

Ich werde nicht mehr versuchen, meiner Chefin zu sagen, dass es unsinnig ist wenn sie moderiert oder dass sie da einen aktiven Part übernimmt. Soll sie machen was sie will. Ich werde für mich einstehen, wie ich es für richtig halte.

Meiner Chefin habe ich eine Mail geschrieben, weil sie mich um eine Krankmeldung bat und fragte, wie ich mir die weitere Zusammenarbeit vorstelle. Ich antwortete ihr, dass es mir leid tut wegen heute morgen, und dass meine Nerven etwas am Ende sind. Ich sagte, dass ich morgen nicht die Coole mimen kann, weil mich die Situation sehr belastet, und ich möchte nicht dass etwas anderes von mir erwartet wird. Ich erklärte nochmals, dass für mein Empfinden die aktuelle Situation das wiederspiegelt, was ich seit 8 Monaten dort beobachte. Dass ich es nicht in Ordnung finde, dass sie lacht, wenn ich über so etwas mit ihr spreche und ich weine, weil ich das Gefühl habe sie will mir suggerieren ich wei ein dummes Kind. Und ich erklärte, dass ich gewiss nichts auf dem Silbertablett will, dass mir das meine knapp 5 Jahre in meiner alten Firma gezeigt haben. Ich weiß, dass es überall Probleme gibt.

Und ich sagte ihr, dass ich an mich selbst nicht den Anspruch habe, eine Unternehmenskultur so schnell zu beeinflussen, wie es notwendig wäre, damit ich mich wohlfühle. Und wenn jemand anderes diesen Anspruch an mich hat, dann ist der unrealistisch.

Ich versuchte ihr kurz zu erklären, was für mich Integration bedeutet, und was ich dafür von meinem Umfeld erwarte. Versuchte ihr zu erklären, dass es manchmal besser ist zu gehen, wenn man merkt, dass zwei Vorstellungen von Kultur, Werten, Zusammenarbeit zu weit divergieren.

Und dass ich es für unfair und ungerechtfertigt halte, mir Unzulänglichkeit zu unterstellen, wenn ich eines Tages für mich entscheide, dass diese Kultur es eben nicht für mich ist.

Für die Zusammenarbeit würde ich mir wünschen, dass wir das auf eine sachliche Ebene holen, aber das sollten wir persönlich besprechen.

Die Antwort fand ich persönlich sehr ernüchternd, aber ich weiß nicht, vielleicht liegt es auch an mir und meiner Wahrnehmung:

Liebe Oka,

Entschuldigung ist angenommen.

Ich wollte nicht, dass Du Dich fühlst wie ein kleines dummes Kind. Das denke ich nicht einmal. Ich glaube ich war etwas ratlos, weil ich nicht wusste, wie ich Dich auf eine sachliche und eine andere Schiene bringe. Ich fand es irgendwie absurd - vielleicht auch nicht das richtige Wort.

Habe gerade versucht Dich zu erreichen - es aber nicht geschafft. Ich gehe jetzt zum Sport und bin erst gegen 21:00 - 21:30 Uhr zu Hause. Aber ich wollte Dir noch ein paar Zeilen schreiben - in der Hoffnung, dass Du heute normal schlafen kannst.

Mir ist die enorme psychische Belastung wegen Deiner Mutter bewusst, allerdings stecke ich da persönlich nicht so tief drin wie Du sondern habe etwas Abstand. Ich kann gut nachvollziehen, dass diese Situation dünnhäutig macht. Und wenn dieser hinterhältige und fiese persönliche Angriff (der mit der <Unternehmensname-Kultur nichts zu tun hat) dazu kommt, ist das oft zuviel für die verbleibende Kraft, um damit sachlich und professionell umzugehen. - Trotzdem müssen wir es versuchen, sonst bieten wir zuviel Angriffsfläche für den Gegner. Und ich bin nicht bereit diesen Vorfall unter den Teppich zu kehren! - Auch wenn Dich das vielleicht nicht so interessiert - auch ich habe so einige persönliche Angriffe beim <Firmenname> und anderen Firmen erlebt, habe mich mit Kündigungsgedanken getragen und habe mich dem gestellt und diese Sachen für mich ausgefochten. Daran bin ich gewachsen. - Du musst für Dich entscheiden, wie Dein Weg ist und ihn gehen. Aber ich würde mir wünschen, dass Du das Handwerkszeug im Rucksack hast, um mit persönlichen Angriffen cool und professionell umzugehen. Denn ich denke diese Situationen wirst Du auch in anderen Unternehmen und im Bereich Personal oder privat immer mal wieder haben.

Alles andere morgen. Ich wünsche Dir eine gute und erholsame Nacht :-)

Liebe Grüße
<Chefinname>


Es mag jetzt wirklich albern klingen. Zum einen fühle ich mich nach wie vor unverstanden im Kulturkontext, auch habe ich nicht das Gefühl, dass das einer gewissen Reflexion dessen was ich gesagt habe entspricht. Der Umgang mit Angriffen - das ist keine Frage, ja, das muss ich lernen. Aber wie gesagt - und da fühle ich mich unverstanden - es geht mir nicht nur um diese eine sehr greifbare Situation.

Und zum anderen hätte auch ich eine Entschuldigung erwartet.

Seelenheil ~ ... link (11 Kommentare)   ... comment



Psyched out.
Langsam glaub ich den Verstand zu verlieren.

Heute morgen die Mitfahrer abgeholt, Richtung Arbeit gefahren. Irgendwann liegt eine tote Katze auf der Straße, und ich fange sofort an unkontrolliert loszuheulen. Mitfahrer bestürzt, ich peinlich berührt.

In die Arbeit, zur Chefin. Gesagt, ich kann das gerade alles nicht mehr. Zuviel. Ich habe nicht das Gefühl das sie versteht. Ich sage, dass ich einfach nicht reinpasse. Dass ich vor allem vor dem familiären Hintergrund ein freundliches Arbeitsumfeld brauche. Eine gute Unternehmenskultur. Sie sagt, wir könnten den BR so zerpflücken, aber du kannst einfach nicht cool bleiben.

Ich heule und und fühle mich angegriffen, sage, dass ich von mir selbst nicht erwarten kann in ein solches Umfeld einzufügen, anzupassen. Dass ich das als Verrat an mir selbst empfinde. Dass ich nicht mehr ordentlich schlafe. Immer mehr abnehme obwohl ich esse. Dass mich das Umfeld krank macht.

Ich sage, dass es für mich mit der Klärung der einen Situation nicht getan ist, nenne ihr Beispiele, die ich seit ich da bin beobachtet habe. Und allein schon, wie überhaupt dieser Einstieg ins Unternehmen gelaufen ist (mit der plötzlichen Vertragscancelung, etc).

Sie versteht mich nicht. Sagt, ich würde erwarten, alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Meint, dass es überall Probleme gibt. Jaja, das weiß ich alles, sage ich, aber das Minimum, das ich persönlich mir in einer Firma erwarte, ist hier nicht gegeben. Ich gehe nicht davon aus, dass man mir den Arsch nachträgt. Ich weiß, dass es immer Probleme gibt.

Das Gefühl habe ich nicht, sagt sie, und ich sage: ähm, doch!

Sie lacht, mal wieder. Es klingt für mich belächelnd, herablassend, wie: man du dummes Kind.

Und ich sage einfach nur: weißt du, genau das ist es, da stehst du dann als Führungskraft vor mir, und lachst während ich heule. Nein Danke.

Und gehe.

Sie sagte schon zu Eingang des Gesprächs, dass sie das gestrige Telefonat nicht als Gespräch zwischen Führungskraft und MA wertet, denn sonst...

Ich weiß nicht, was sonst. Ich sagte: ja, vielleicht ist es wirklich genau das, was ich brauche, eine Kündigung. Sie hat das glaub ich nicht verstanden, ich glaub sie dachte, ich mein das ironisch. Meinte ich aber nicht.

Alleine scheine ich diese Entscheidung gerade nicht hinzubekommen, ich hab das Gefühl keine klaren Gedanken mehr diesbezüglich fassen zu können, in diesen ganzen Verwirrungen und Fallstricken aus: was bedeutet das für meinen Lebenslauf. Kann ich woanders in diesem Berufsfeld arbeiten mit so relativ wenig Berufserfahren. Wohin soll ich. Wohin will ich. Was bedeutet die aktuelle Situation für meine Familie. Für die Beziehung zwischen mir und meinem Vater. Bin ich psychisch krank, und wenn ja wie sehr. Hab ich einen Schuss. Bin ich labil. Schwach. Unfähig. Was ist los mit mir.

Ich geh jetzt erstmal zum Arzt.

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