Sonntag, 1. April 2018
Gespräche zur Nacht.
Hmmm hm hm hm.

Hinterlässt mich nachdenklich, vermutlich noch für eine ganze Weile. Gespräche dieser Tiefe mit jemandem der mir an Erfahrung um einiges voraus ist hab ich inzwischen eigentlich zu selten. Umso schöner, dass heute...

Frohe Ostern.

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Mittwoch, 14. März 2018
Komische Nacht. Schlafe unruhig, robbe quer durchs ganze Bett. Schwitze alles nass. Wache immer wieder auf. In mir viele Gedanken über die Arbeitssituation und das Studium und die Doppelbelastung. Wenn ich träume, dann wirre Träume, die kein gutes Gefühl hinterlassen. Im letzten Traum suchen wir irgendwas und müssen dafür gefährliche Wege gehen. Wieder wache ich klatschnass auf mit Herzrasen.

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Samstag, 24. Februar 2018
Ich bin ja auch saublöd manchmal. Die große Liebe gegoogelt. Aktuellen Artikel und Bild gefunden. Verlobungsring gesichtet. Kriegt ein jeder auf die Reihe. Bin wohl einfach nicht vermittelbar.

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Freitag, 23. Februar 2018
Gelöscht.
Quinten scheint meine Nummer aus seinem Handy gelöscht zu haben. Zumindest aus seinem Zweithandy, ich glaube sein Ersthandy hat er verloren, dafür gibt es Indizien, die jetzt hier aber scheißegal sind.

Ja. Das tut weh, so weh dass ich ziemlich weine. Ich habe das gesehen weil ich manchmal durch meine Whats-app-Chats scrolle um zu kucken welche Bilder die Menschen im Profil neu hochgeladen haben. Bei diesem Chat war plötzlich gar kein Bild mehr. Auch kein Platzhalter. Ebenso wie es ist, wenn man gelöscht wurde aus dem Adressbuch, weil der andere eingestellt hat, dass nur eingespeicherte Kontakte das Profilbild sehen dürfen.

Wir hatten nur einen Chat über dieses Handy, am 8. Juli 2017.

"Hallo Okavanga, hier ist Quinten :) du kommst nicht zufällig mit dem zug um 11 nach?"
"Doch hatte dir grad an die andere Nummer geschrieben"
"ah, okay :-D pefekt"
"Interessant. Hab auch zwei Nummern."
"soso :-D dann hab ich ja Glück gehabt, dass du es nicht so gemacht hast wie ich :-D"
"Ich hab da ein gewisses Grad an Naivität einfach noch nicht aufgegeben"
"Kaugummi :-D"
"Hab ich keinen?"
"Die Zeit zieht sich grade wie Kaugummi :-D
Aber ich seh den Zug schon"


Dann kam ich an, und er saß da, mit seinen rotblonden dichten Wuschelhaaren, 3-4-Tage-Bart, in einem etwas verwaschenen T-Shirt mit breiten bunten Querstreifen, mit leicht getönter Sonnenbrille mit dünnem Metallrand. Es war der Tag, an dem wir das 9-Stunden-Date hatten, von dem ich leider nie im Detail geschrieben habe. Das hole ich nun nach, denn dann ist das was gerade in mir ist zumindest mal draußen und ich kann mich vielleicht wieder aufs Lernen konzentrieren.

Wir sind von dem Pfälzer Bahnhof aus über verwinkelte Schleichwege an meinen Lieblingsbadesee gefahren, der auch einer seiner Liebingsseen ist. Ich hatte mir extra ein neues hellblaues Leinenkleid gekauft. Das bereute ich, denn es hatte über 33 Grad, der Stoff war etwas dicker, und ich klitschnass. Dennoch sah ich glaube ich sehr süß aus.

Es war komisch sich vor ihm auszuziehen und direkt im Bikini dazustehen, den ich mir ebenfalls neu gekauft hatte. Das bereute ich nicht, denn ich fühlte mich sehr sexy darin, und das war auch gut so, denn mit 37 gegenüber einem 29-jährigen.. naja.

Er hatte zwei Bier-Mixgetränke mitgebracht. Die tranken wir, wir lachten und blätterten durch ein Philosophie-Magazin. Irgendwann schwammen wir zur gegenüberliegenden Seite, auf der ein hoher ... tja was ist das überhaupt? Sandkies? Kiessand? Jedenfalls sind da hohe Berge, und auf die darf man eigentlich nicht drauf. Wir sind trotzdem hochgekletter, saßen oben und schauten um uns herum und uns wenig an, weil ich so verlegen war, irgendwie.

Wir schammen zurück, trockneten und radelten weiter. Er zeigte mir auf einer relativ langen Strecke seine ganzen Lieblingsplätze: einen weiteren See, eine gute Eisdiele, einen Griechen an der Stelle, wo er mit Kanu ins Wasser geht. Dann noch einen See, den kanne ich allerdings schon, auch die Lokalität, bei der wir ein Bier tranken. Die Zeit verging wie im Flug. Er meinte irgendwann, dass er eigentlich noch mit Freunden auf einem Weinfest verabredet sei, und vielleicht wäre das der Punkt gewesen, an dem ich das ganze hätte für den Tag beenden sollen.

Stattdessen gingen wir noch einmal schwimmen, weil es so eine Gluthitze war. Irgendwann war ich beschwippst und die Sonne ging unter. Wir kamen auf dem Rückweg nochmal an meinem Lieblingsbadesee vorbei. Von ganz weit vorne trug das Wasser leise Elektro-Klänge zu uns rüber. Wir waren ganz allein am Ufer, nur Schilf, wir, und der Vollmond. Es war unglaublich kitschig. Wir zogen uns aus, vollkommen nackt, und gingen ins Wasser. Das wäre der romantischste Moment meines Lebens gewesen, aber wir kamen uns nicht nahe, schwammen um uns herum. Ich traute mich nicht. Konnte überhaupt nicht einschätzen nach dem Tag, ob er mich wirklich gut fand. Was für ein Spiegel für unsere Beziehung.

Als wir wieder aus dem Wasser stiegen, fluchte er, ich würde meine letzte Bahn nach Mann*heim verpassen. Wir radelten wie die Besessenen und schafften es noch. "Du könntest sonst auch bei meinen Eltern mit schlafen [AdR.: die wohnten in der Nähe und dort campierte er, wenn er in der Ecke unterwegs war. Er selbst wohnte in Lan*dau] - aber das fände ich doch ein bisschen früh." Ja, das fand ich auch.

Ich hätte auf Wolken schweben können nach diesem Tag. Stattdessen quälte ich mich mit Zweifeln und der Frage, ob er noch zum Weinfest gefahren sei, mitten in der Nacht. Er verneinte das später, aber ich hatte sein Tin*der Profil gestalked und da stand der Kilometerabstand nach Lan*dau. Das muss gar nichts heißen, weiß der Kuckuck wie dieser Radarscheiss mit Sendemastern funktioniert, sagt aber alles über mein Vertrauen und die Problematik an der ganzen Geschichte.

Einige Wochen später erzählte er mir, dass er einen Tag vorher die komplette Strecke mit Motorrad abgefahren sei und Strecken und Orte hin- und herüberlegt hat, weil er wollte dass alles perfekt ist.

Manchmal frag ich mich, ab welchem Punkt genau und warum das eigentlich alles so dermaßen scheisse gelaufen ist. Warum ich mich nicht entspannen und einfach darauf einlassen konnte als das, was es für den Moment war.

Und ich frage mich, warum mir dieser Mann so schnell so sehr ans Herz ging.

Zu spät, zu spät. Vorbei. Gelöscht.

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Donnerstag, 8. Februar 2018
Gestern habe ich in der Arbeit I. zum ersten mal gesehen seit dem Vorfall. Wir haben seither nichts mehr voneinander gehört.

Sie war ganz frei, freundlich und zugewandt. Ich war irritiert weil ich so sehr davon ausging, dass das alles kaputt sei aus ihrer Sicht. Sie sagte Dinge die eindeutig darauf schließen ließen, dass sie das wohl nicht so sieht. Zum Beispiel als sie der Praktikantin erklärte, wie verrückt und wild und voller Insider es immer ist, wenn wir zusammen sind.

Etwas verwirrt ging ich aus der Arbeit. Am Nachmittag schrieb sie eine SMS, sie "Sensibelchen" habe das Geschehene nun für sich verarbeitet und für sie sei alles gut, und dass wir demnächst einen Kaffee trinken und reden können, wenn ich Zeit und Lust habe.

Vor Erleichterung weinte ich. Eine gewisse Ratlosigkeit und auch Skepsis blieben. Misstrauen eigentlich. Mir wurde klar dass für mich nichts verarbeitet ist, weil ich die ganze Zeit überhaupt icht einordnen konnte wo sie steht und wo wir stehen, und dass mich das verunsichert hat. Nein im Gegenteil. Ich dachte eben das Ding ist durch. Dass sie jetzt so locker damit umgeht als sei sie nur sensibel gewesen und jetzt ist alles gut, ist ganz komisch. Gut, irgendwie, aber komisch. Denn.. also. Ich weiß ich wiederhole ich, aber das was und wie sie mir da als Sprachnachrichten gesendet hatte, das war .. krass.

Ich antwortete ihr, dass ich mich sehr freue dass sie das fragt, dass ich aber auch Schiss habe, dass mich das wieder zu sehr aufwühlt und beschäftigt, dass wir es aber gerne wagen können. Wenn ich merke das Gespräch wird zu arg, könnten wir es ja nach meine Klausur und nach meinen Urlaub verlegen. Sie zeigte Verständnis, und sagte wir könnten auch direkt entspanni machen und nach dem Urlaub sprechen. Aber ich erwiderte, dass ich es gerne probieren möchte, weil sie mir fehlt.

Am Samstag sprechen wir dann wohl? Sie sehen, ich bin etwas ungläubig. Aber optimistisch.

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Montag, 22. Januar 2018
Summer moved on.
Einige Tage nachdem I. meine Karte erhalten hat, kommt eine Nachricht. "Hallo Oka. Deine Karte habe ich bekommen. Das Ganze ist mir offensichtlich unfassbar nahe gegangen und für eine Aussprache brauche ich noch Zeit. Ich muss das erst einmal sacken lassen. Von meiner Seite kannst du aber mit einem normalen Umgang im Büro rechnen. Ich weiß noch nicht wann ich das nächste mal komme."

"Ist I. verliebt in Sie?" ist die erste Frage des Theras, als ich ihm letzte Woche erzähle was passiert ist. Ich muss an Mascha denken. "Ich weiß es nicht, keine Ahnung, es war schon sehr intensiv zwischen uns." Ich erzähle von den anfangs sexuellen Avancen, auf die ich aber nie eingangen bin. Während ich rede spüre ich meine Wut, meine Wut auf I. weil sie mich einfach da hängen lässt nachdem sie mir so harte Sachen an den Kopf geworfen hat, meine Wut auf den Thera, weil ich den Eindruck habe, dass er mehr Verständnis hat für I.s Reaktionen als für meine auf I.s Verhalten. Wieso darf I. so wütend sein auf mich, aber nicht ich auf sie? Ich bin es, ob ich das darf oder nicht. Ich bin verletzt und wütend und versuche mir doch immer wieder zu sagen: großes Herz, I. hat großes Weh, bleib offen, sei zugeneigt.

Dieser Sommer, diese Achterbahnfahrten. Mit I., mit Quinten. Der anfängliche Rausch, das Berauschen am Leben, an I., am Sommer. Diese Nähe zu I. Als hätten wir unsere Puzzle gegenseitig komplettiert. Wie komisch, geht mir durch den Kopf, dass 'Nähe' nach 'Enge' klingt, sie aber durch bedingungslose Offenheit entsteht. Das Verliebtsein in Quinten, der Katzenjammer zwischen den Treffen. Qual und Verliebtheit waren sehr nah beieinander. Es war ein emotionaler Sommer, ein wilder Sommer. Ein guter Sommer. Quinten ist fort.

"Das ist nun kaputt", sagt der Thera, "das ist kaputt und es bleibt abzuwarten ob es überhaupt wieder eine Basis für eine Annäherung geben kann." Meint der das so, frage ich mich still, und kann mir die Antwort selbst geben weil ich es fühle, und weil es dem entspricht was I. mir gesagt hat, in der Sylvesternacht. "Warum machst du es kaputt? Du hast alles kaputt gemacht." I. ist fort.

Als mir meine Sommer-Affäre B. letzte Woche sagt, dass er nur noch bis Ende Februar hier als Berater eingesetzt wird und dann erstmal nicht mehr da ist, fühlt es sich an als würde sich die Tür zu diesem Sommer endgültig schließen.

"Ist es nicht schön, wie vielen spannenden Menschen wir immer wieder begegnen in unserem Leben?" Ja, sage ich und nicke, und ich mag es sehr wenn sie in mein Leben kommen. Aber sie gehenlassen, das fällt mir schwer.

~ Aha - Summer moved on


oh das hier ist auch wunderschön, und wie passend die Intro-Zeilen von Olav Rex.
~ Aha - Lifelines

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Donnerstag, 18. Januar 2018
Uff...

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Mittwoch, 10. Januar 2018
Meilenstein.
Meine Heimat, das bin ich.

~ Rone - Parade (Dominik Eulberg Remix)

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Donnerstag, 4. Januar 2018
Vom Enttäuschen.
Am 30.12. schrieb ich hier: "Gestern habe ich jemanden sehr traurig gemacht, dadurch dass ich zu meinen Bedürfnissen stand. Das ist schade, aber auch sehr gut."

Zu meinen Bedürfnissen hat einen Effekt gehabt, den ich nie für möglich gehalten hätte. Also bei der anderen Person. Einen furchtbaren. Ich weiß gar nicht so genau wie ich das erzählen soll. Vielleicht, weil ich gar nicht weiß wo ich/wir stehen.

Im Mai informierte mich I. darüber, dass sie und ihr Freund einen Flug über Sylvester gebucht hätten, nach Bar*celona. Es würden voraussichtlich auch noch einige ihrer alten Kommilitonen mitkommen. Ob ich denn auch Lust hätte? Klar, sagte ich, und frage auch die F., die auch gleich mit dabei war. Anfang Juni buchte ich unsere Flüge. Im Lauf des Juli war dann auch die Unterkunft für alle gebucht.

Irgendwann im Oktober sprang die F. ab. Da ihr Projekt Winterpause macht, fliegt sie komplette 6 Wochen im Dezember und Januar auf die Malediven. Schade, aber durchaus nachvollziehbar.

Anfang Dezember hatten I und ich dann eine Party, auf der ich betrunken ziemlich dämliche Sachen machte. Also nicht wirklich schlimm schlimm, aber dämlich und überflüssig, und es hinterließ ein Scheiss Gefühl bei mir. Dem ging ja ein anderer Alkoholexzess im Oktober voraus, als ich im Quinten-Wahn meinem Selbsthass freie Bahn ließ.

Seit dieser Situation Anfang Dezember kündigte ich I. an, dass ich mir nicht sicher sei, mit der Sylvester-Sache. Dass ich Parties und Alkohol für mich nicht als gut empfinde. Außerdem fühlte ich mich umso schlapper, je näher das Jahresende kam.

Für den Heiligen Abend hatte ich eigentlich ein gediegenes Programm geplant. Sehr spontan wurde das dann über den Haufen geworfen, ich berichtete, und das war auch gut so. No Regrets.

Was ich aber durchaus spürte, war das Misstrauen von I.'s Seite: "Oka feiert am Heiligen Abend, aber Sylvester will sie uns vielleicht absagen?"

I. hatte ich gesagt, dass ich einen Tag vor dem Abflug entscheiden werde. Ich hatte sogar noch mein Kleid aus der Reinigung geholt und einen Katzensitter besorgt, weil ich so unentschlossen war.

Letztendlich beschloss ich abzusagen. Aus sehr vielen Gründen. Leicht hatte ich mir die Entscheidung aber beim besten Willen nicht gemacht. Ich war gesundheitlich angeschlagen, bekam Ischias Mist (der leider immer noch da ist), fühlte mich unglaublich müde und ausgelaugt und wusste, dass diese Exkursion kein Spaziergang werden würde. Dazu saß und sitzt mir die Prüfung im Nacken. Stand 2. Weihnachtsfeiertag hing ich 2 Wochen hinterher, dabei war das Pensum eh schon straff geplant ohne große Puffer. Das Risiko, mich mit der Exkursion komplett schachmatt zu setzen und somit ggf. auch meine Prüfung zu riskieren, war mir einfach zu hoch. Ich wollte auch einfach allein sein, in Ruhe, meine Jahreswunden lecken. Endlich mal zurückgezogen. Nur mit mir. Ohne äußere Termine und Programme.

Das Telefonat war schwierig und phasenweise ziemlich hässlich, wie ich finde. Vermutlich von beiden Seiten. Sie warf mir die Weihnachtssause vor, und dass ich ihr doch nicht erzählen könne ich würde an Sylvester zu Hause sitzen, sie sieht mich schon am 1. und 2 Janaur rumjammern mit Kater. Der Tonfall war aggressiv und vorwurfsvoll. Sie nahm es komplett persönlich. Was mit ihr falsch sei. Warum sie nie lange Frauenfreundschaften hätte. Was sie falsch gemacht habe. Ich versuchte ihr zu erklären, dass das überhaupt nichts mit ihr zu tun hat, sondern mit mir, und dass ich mich fragen muss, wer mir an dieser Stelle wichtiger sei, sie oder ich, und dass das in diesem Moment eben ich bin. Sie meinte, dass ich doch nie wirklich vorgehabt hatte mitzufahren, das sei nur eine Laune gewesen, dann hätte ich mir gedacht, dass ich keinen Bock auf sie habe, dass sie mir zu blöd ist, usw., usw.. (klar, ich hatte von Anfang an vor mir an die 250 Euro ans Bein zu schmieren, die sind ja jetzt futsch).

Die Diskussion erinnerte mich sehr an Auseinandersetzungen, wie ich sie früher mit meiner Mutter hatte wenn ich auf meine Bedürfnisse beharrte. Deswegen reagierte ich sicher auch etwas empfindlich. Vielleicht darf ich an der Stelle auch nicht vergessen, dass I. 10 Jahre jünger ist als ich, und vielleicht (noch) andere Erwartungen an eine Freundschaft hat. Freundschaft bedeutet für mich jedenfalls nicht, alles zu tun um den anderen nicht zu enttäuschen, es bedeutet nicht sich selbst hinter dem anderen zurückzustellen, es bedeutet nicht, es dem anderen permanent recht machen zu wollen. Für mich war es eine Revolution eine solche Entscheidung zu treffen in dem Wissen, dass ich damit jemanden enttäusche. Aber ich dachte, eine Freundschaft hält das aus.

Sie adressierte in der Diskussion auch Punkte, die mit der Sache ansich überhaupt nichts zu tun hatten. Ich sprach das an und meinte, dass es doch gerade nur um die Sache geht, und dass da ja aber anscheinend noch mehr Themen sind, die für sie nicht passen, wieso sie darüber denn nie gesprochen hat. Das konnte sie auch alles gar nicht konkretisieren.

Ich hatte mich inzwischen gefangen und versuchte mit Engelsgeduld und mit großer Zuneigung meine Argumente immer und immer wieder vorzubringen. Vergeben. Sie schluchzte so unglaublich schrecklich, dass es mir das Herz zerriss, und wollte irgendwann das Telefonat beenden. Ich sagte, dass ich am nächsten Vormittag nochmal anrufe. Besser nicht, sagte sie, besser nicht.

Am nächsten Morgen rief ich an, ich wollte zeigen dass es mir wichtig ist, und es ihr überlassen ob sie sprechen möchte oder nicht. Sie wollte nicht.

Per Sprachnachricht wünschte ich ihr eine gute Reise und eine schöne Zeit mit ihren Freunden, und vor allem einen guten Rutsch ins neue Jahr. Es kam ein relativ nüchterner Satz, aber doch so, dass ich dachte: naja das wird schon wieder.

Klar, sie hat jedes Recht enttäuscht zu sein, auch verärgert, und sicher auch länger als einen Tag, aber... ja. Letztendlich, so dachte ich, ist sie ja nicht alleine unterwegs, sondern mit T. und ihren Lieblingskommilitonen, die sie ewig nicht gesehen hat. In Summe 6 Leute.

Ich hangelte mich mit Pasta, Rotwein und Netflix-Streaming durch den Sylvesterabend. Vom Balkon aus dann ein bisschen Feuerwerk, LeSchwe rief an, ich sagte ihr noch, dass ich es schade finde dass I. sich gar nicht meldet, dass ich aber nicht weiß, ob ich sie nicht besser in Ruhe lassen soll und mich erstmal nicht melde. Danach machte ich das Handy aus und ging ins Bett.

Am nächsten Morgen sah ich auf Telegram 4 Sprachnachrichten, alle über T.'s (I's Freund) Handy, alle knapp 1 Minute lang, eingegangen zw. ca. 0:30 und 1 Uhr. Ich freute mich und dachte, wie schön, haben sie doch an mich gedacht, und vielleicht gröhlen sie mir ein bisschen Barcelona-Stimmung aufs Band.

Aber was dann kam, hat mich so im Mark erschüttert, dass ich danach minutenlang im Bett saß und zitterte, ratlos und überfordert.

Es waren 4 Minuten abgrundtiefes Seelenausstülpen mit einem Weinen, wie ich es von mir selbst nur kenne, wenn es richtig richtig schlimm ist, also so 1 mal im Jahr, wenn ich dann auch gar keine Kontrolle mehr über die Nagelschere haben will.
Von einem anderen Menschen habe ich ein solches Weinen noch nie gehört. NIE. Sie lallte glaube ich auch ein bisschen, vermutlich war sie abgefüllt bis unter die Haarspitzen, aber es fällt mir schwer zu differenzieren was Weinen und was wirklich ein Lallen war:

Sie hasse mich, ich hätte alles kaputt gemacht, ob ich jetzt zufrieden sei, sie sitze einfach nur da (ich vermute in der Unterkunft), warum ich ihr das antue, was falsch mit ihr sei, warum ich so böse zu ihr bin, sie sei doch so ein guter Mensch. Dazwischen einfach nur immer wieder hemmungsloses Schluchzen. Der Schmerz war spürbar durchs Telefon.
Sie habe vor Wut ihr Handy kaputt gemacht. Warum ich ihr das antue. Alles sei kaputt. Sie würde so gern mit mir befreundet sein, aber dass das einfach nicht geht. Und dann, dass die anderen jetzt alle feiern gegangen seien. Und dann alles immer wieder von vorne. Warum ich so böse zu ihr bin. Warum ich ihr so etwas böses antue.

Natürlich lässt so etwas tief blicken, nicht über mich, sondern über sie, und ich hab auch lange überlegt ob ich das hier schreiben soll, denn ich finde es furchtbar intim.

Ich rief verstört LeSchwe an. Danach ging ich wieder in den Chat und sah, dass alle Sprachnachrichten inzwischen gelöscht waren (das geht bei Telegram). Ich schrieb I., dass es mir wahnsinnig leid tut, dass es ihr so schlecht geht, dass ich inständig hoffe dass sie nicht allein war, und dass ich mich sehr freuen würde über eine kleine Info, ob sie soweit körperlich einigermaßen unversehrt ist, und dass wir das bitte in Ruhe besprechen, wenn sie wieder zu Hause ist.

Seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört, auch nicht von ihrem Freund (über dessen Handy lief das ja alles). Ich mache mir Sorgen, habe aber nicht den Eindruck dass sie Kontakt haben möchte. Es tut mir wirklich leid wie es ihr erging, sehe aber die Verantwortung dafür nicht bei mir. Enttäuschung, Ärger, ja und ja, aber das? So sehr ich sie mag, so wichtig sie mir ist. Und das ist sie, sehr sogar. Aber das ist zum Großteil ihre Baustelle. Was mir auch Sorge bereitet: auf was für ein Podest hat sie mich vorher gestellt, dass sie mich danach so davon runterwerfen und hassen musste?

Heute habe ich eine Postkarte eingeworfen, in der ich ihr sage, dass ich ziemlich verunsichert bin wieviel Initiative sie sich meinerseits überhaupt wünscht, und dass ich ihr deswegen mit dieser Karte die Hand reichen möchte. Dass sie sich gerne melden kann wenn sie sich bereit dafür fühlt, und wenn ich sonst irgendetwas für sie tun kann. Dass ich mich freuen würde, wenn sie sich meldet, und alles Liebe.

Etliche Zeit am Tag verbringe ich damit aktiv gegen Schuldgefühle anzukämpfen. Ich kann aufgrund meiner eigenen Historie, Gefühle und Gedankengänge nachvollziehen was da in ihr passiert sein muss. Und vermutlich weiß ich auch nur deswegen so genau, dass das Ganze sehr viel mehr mit ihr zu tun hat als mit mir. Trotzdem. Es ist schwer.

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Samstag, 30. Dezember 2017
Froh dabei zu sein.
Gestern habe ich jemanden sehr traurig gemacht, dadurch dass ich zu meinen Bedürfnissen stand. Das ist schade, aber auch sehr gut.

Mein Weihnachtsabend war spontan und wunderbar. Die drei Musketiere - der Moslem, die Agnostikerin und die Teilzeit-Christin. Erst klönen bei mir, Wein aus den schönen Gläsern, die I. mir geschenkt hat. Ausdruckstanz in der Bar nebenan, danach die Seele aus dem Leib feiern in einem kleinen aber feinem Club.

Vorhin ein romantischer Jahresausklang mit LeSchwe im ShoppingCenter in der Innenstadt zwischen vielen anderen Menschen. Irgendwo spielt eine Jazzband. Im Quadrat nebenan habe ich mir im Räumungsverkauf ein paar schöne Geschirrteile gekauft. Wir trinken Almdudler und unterhalten uns. Mit ihr ist es überall schön.

Ich steige die Treppen zu meiner Wohnung hoch und lächel noch, die Freude über unser Treffen und die abschließende Umarmung. Im Treppenhaus riecht es nach Milchreis. Die Katze maunzt an der Tür.

Das Jahresende meint es gut mit mir.

~ Philipp Poisel - Froh dabei zu sein

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