Dienstag, 7. Mai 2019
Reisen bei Sichelmond.
Völlig entrückt radelte ich vorhin nach dem Sport der Mondsichel entgegen. Gestern war die Sichel dünn wie ein Haar, dacht ich mir, den Mond anschmachtend. Am Neckarufer kreuzten Ratten meinen Weg. Das ist ja nichts Neues. Fast wie kleine Haustiere, die immer überall dabei sind, nicht wahr. Vielleicht gebe ich ihnen bald Namen.

Ich fühlte mich an London erinnert. Damals, man schrieb das Jahr 1999, hängte ich in grenzenloser Naivität mein blankes Gesäß über ein Gestrüpp an der Themse, nahe der Tower Bridge. Wäre die fette Wasserratte zwei Sekunden später erschienen, hätte ich mich vermutlich eingestrullt. Ich konnte danach noch eine ganz erstaunliche Zeit lang den Harndrang unterdrücken.

So in Gedanken und Erinnerungen versunken erreichte ich den Ghetto Supermarkt für einen kurzen Zwischenstop, der sportgeplagte Magen verlangte nach Stärkung. Ich schloss gerade mein Fahrrad ab."Ei des könnt etz aba eng werde." Ich hielt inne, sah nach oben, da stand ein Mann mittleren Alters (MmA) und blickte äußerst skeptisch auf mich herab. Oh wie schön, ein Sonderling, dachte ich entzückt. Er verstand meine Freude sofort völlig richtig und hob an zu weiteren Worten. "Do hast noch e Minuude." Es konnte höchstens 21:30 Uhr sein, was meinte der MmA wohl? Meinen interessierten Blick beantwortete er mit "Die mache etz zuu". Jetzt musste ich doch fragen: Wieviel Uhr ist es denn? "Ah joo, 21.59"

Irgendwo zwischen dem Schwatz mit der Sportkollegin (die zufälligerweise auch in der neuen Welt arbeitet), Mond, Radeln und Ratten hatte ich wohl die Zeit vergessen. Schnell zur automatischen Schiebetür, immerhin, sie öffnete sich, doch dahinter direkt ein Türsteher, der missbilligend mit seinem Kopf wackelte. Aber er zeigte Erbarmen und ließ mich zumindest zum TK Bereich spurten. An der Kasse vor mir nur zwei miteinander befreundete Männer. So kurz gestaltete sich das Kassengeschehen in diesem Supermarkt noch nie. Vor der Tür wartete der MmA. "Und? Hats geklappt?" Ich nickte und strahlte, er freute sich mit mir, zeigte den Daumen nach oben, wünschte mir einen schönen Abend und schwang sich auf sein Rad.


Ich arbeite sehr wenig derzeit, und mache noch weniger für die Uni. Ich kann mich nicht erinnern, wann meine Gedanken (und ich) das letzte mal so seelenruhig durch die Gegend geschlendert sind. Grandios.

NoNix! ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment