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Donnerstag, 8. Januar 2009
Der Wieland.
okavanga, 21:25h
Es gab eine Zeit in meinem Leben, kurz vor meinem 18. Lebensjahr, auf die bin ich nicht stolz, aber ich hab sie nunmal so gelebt, wie ich sie gelebt habe. Selbstzerstörung, Drogen. Eingekapselt. Kein Rankommen an mich. Aggressiv nach außen. Tieftraurig innen drin.
Eines Tages fand ein Elternabend statt. Ich war in der 12. Klasse, Kollegstufe. Noch eineinhalb Jahre zum Abi. "Heute fliegt alles auf", sagte ich zu meinen drei Freundinnen. "Alle gefälschten Unterschriften. Alles. Ich weiß es."
Ich erinner mich noch genau, wie ich abends nach Hause komme, meine Mutter sitzt stumm am Esstisch und starrt mich an. Endlich bricht sie das Schweigen: "Du kannst froh sein, dass ich nach dem Elternabend noch in der Sauna war." Aha. Angriff ist die beste Verteidigung. Ich reagiere offensiv und aggressiv. Bis sie anfängt zu weinen.
"Ich war zuerst bei deiner Geschichtslehrerin. Die meinte, es sei alles in Ordnung soweit, aber sie mache sich Sorgen, weil du so oft krank seist. Da hab ich mich zwar gewundert, aber mir nichts weiter dabei gedacht. Danach war ich bei deiner Mathelehrerin. Die meinte, deine Noten sind schlecht, aber das sei auch kein Wunder, weil du oft fehlen würdest. Da wurde ich hellhörig. Und ging zu deinem Kollegstufenleiter, dem Wieland. Bei dem saß ich über eine Stunde, obwohl die anderen Mütter vor der Tür schimpften über die lange Wartezeit.
Er hat mir all die unterschriebenen Krankmeldungen gezeigt. Eine nach der anderen. Es tut mir leid, aber ich war so geschockt, dass ich nur rausbrachte: das ist nicht meine Unterschrift."
Ich schweige. "Wieland macht sich Sorgen. Ich mache mir sorgen. Zitternd bin ich bei ihm rausgegangen, in der Sauna kam die Wut, und jetzt bin ich nur noch enttäuscht und ratlos. Was ist los?"
Der Wieland. Ich kann sie bei ihm sitzen sehen. Er hat mir in der 8. Klasse Mathematik verständlich gemacht. Hat uns mit Kühen und Schweinchen Gleichungen dargestellt. Der Wieland, auf seinen dürren Raucherbeinchen, mit seinem Raucherhusten, mit seinem vom Nikotin gelblich gefärbten Hund. Mit seinem Humor, und all seinem Verständnis für uns Kinder, Jugendliche. Auch für Frauen ist die Mathematik. Er war der einzige mit der Lizenz zum Rauchen im gesamten Schulgebäude. Er und seine Zigarillos. Wie Pech und Schwefel.
Ich erzähle meiner Mutter alles. Auch dass ich drogensüchtig bin. In der Schule deutete man meinen drastischen Gewichtsverlust als Magersucht. Ich glaube, sie hat Wieland erzählt, was der wahre Grund für das wenige Fleisch auf den Rippen und für mein Verhalten war.
Es wurde eine Lehrerkonferenz einberufen, von der ich bis heute offiziell nichts weiß. Ebenso inoffiziell weiß ich, dass sich Wieland neben meiner Mathelehrerin dafür stark gemacht hat, dass ich nicht der Schule verwiesen werde. Soweit ich informiert bin, hat er die Wahrheit über mich dort nicht auf den Tisch gelegt.
Heute glaube ich, dass er dadurch das Schlimmste verhindert hat. Ich weiß nicht, wie ich auf einen Schulrausschmiss reagiert hätte. Schule war mit meinen Freundinnen die einzige Konstante in meinem Leben zu dieser Zeit.
Heute morgen über meiner Schale mit Mango- und Apfelstückchen erhalte ich eine e-Mail. Wieland ist am 4. Januar gestorben. Ich habs dir nie sagen können, Wieland. Danke.
Eines Tages fand ein Elternabend statt. Ich war in der 12. Klasse, Kollegstufe. Noch eineinhalb Jahre zum Abi. "Heute fliegt alles auf", sagte ich zu meinen drei Freundinnen. "Alle gefälschten Unterschriften. Alles. Ich weiß es."
Ich erinner mich noch genau, wie ich abends nach Hause komme, meine Mutter sitzt stumm am Esstisch und starrt mich an. Endlich bricht sie das Schweigen: "Du kannst froh sein, dass ich nach dem Elternabend noch in der Sauna war." Aha. Angriff ist die beste Verteidigung. Ich reagiere offensiv und aggressiv. Bis sie anfängt zu weinen.
"Ich war zuerst bei deiner Geschichtslehrerin. Die meinte, es sei alles in Ordnung soweit, aber sie mache sich Sorgen, weil du so oft krank seist. Da hab ich mich zwar gewundert, aber mir nichts weiter dabei gedacht. Danach war ich bei deiner Mathelehrerin. Die meinte, deine Noten sind schlecht, aber das sei auch kein Wunder, weil du oft fehlen würdest. Da wurde ich hellhörig. Und ging zu deinem Kollegstufenleiter, dem Wieland. Bei dem saß ich über eine Stunde, obwohl die anderen Mütter vor der Tür schimpften über die lange Wartezeit.
Er hat mir all die unterschriebenen Krankmeldungen gezeigt. Eine nach der anderen. Es tut mir leid, aber ich war so geschockt, dass ich nur rausbrachte: das ist nicht meine Unterschrift."
Ich schweige. "Wieland macht sich Sorgen. Ich mache mir sorgen. Zitternd bin ich bei ihm rausgegangen, in der Sauna kam die Wut, und jetzt bin ich nur noch enttäuscht und ratlos. Was ist los?"
Der Wieland. Ich kann sie bei ihm sitzen sehen. Er hat mir in der 8. Klasse Mathematik verständlich gemacht. Hat uns mit Kühen und Schweinchen Gleichungen dargestellt. Der Wieland, auf seinen dürren Raucherbeinchen, mit seinem Raucherhusten, mit seinem vom Nikotin gelblich gefärbten Hund. Mit seinem Humor, und all seinem Verständnis für uns Kinder, Jugendliche. Auch für Frauen ist die Mathematik. Er war der einzige mit der Lizenz zum Rauchen im gesamten Schulgebäude. Er und seine Zigarillos. Wie Pech und Schwefel.
Ich erzähle meiner Mutter alles. Auch dass ich drogensüchtig bin. In der Schule deutete man meinen drastischen Gewichtsverlust als Magersucht. Ich glaube, sie hat Wieland erzählt, was der wahre Grund für das wenige Fleisch auf den Rippen und für mein Verhalten war.
Es wurde eine Lehrerkonferenz einberufen, von der ich bis heute offiziell nichts weiß. Ebenso inoffiziell weiß ich, dass sich Wieland neben meiner Mathelehrerin dafür stark gemacht hat, dass ich nicht der Schule verwiesen werde. Soweit ich informiert bin, hat er die Wahrheit über mich dort nicht auf den Tisch gelegt.
Heute glaube ich, dass er dadurch das Schlimmste verhindert hat. Ich weiß nicht, wie ich auf einen Schulrausschmiss reagiert hätte. Schule war mit meinen Freundinnen die einzige Konstante in meinem Leben zu dieser Zeit.
Heute morgen über meiner Schale mit Mango- und Apfelstückchen erhalte ich eine e-Mail. Wieland ist am 4. Januar gestorben. Ich habs dir nie sagen können, Wieland. Danke.
Mittwoch, 7. Januar 2009
okavanga, 23:18h
Morgen kauf ich ein Raumthermometer. Wie viele Stunden muss man ohne Lüftung heizen, und welche Temparatur darf danach nicht überschritten sein, damit der Vermieter endlich aktiv werden muss? Ich frier mir hier nach über 60 Stunden nonstop Vollepulleheizen immer noch Füße, Finger und Arsch ab.
Viele Grüße mit Wollsocken und Skiklamotten ausm Altbau.
Viele Grüße mit Wollsocken und Skiklamotten ausm Altbau.
okavanga, 01:29h
Es fehlt mir so sehr. Dass sich jemand von hinten an mich rankuschelt, seinen Arm um mich legt, seinen Kopf an meinen Hals schmiegt, meinen Haaransatz im Nacken küsst, und zärtlich in mein Ohr flüstert: schlaf gut. Es fehlt mir gerade so sehr, dass es weh tut und mir Tränen in die Augen treibt.
Dienstag, 6. Januar 2009
okavanga, 23:00h
Sa, 20.12. + So, 21.12. - Der heimliche Höhepunkt, oder auch: Voyage Voyage zu Papa Noel
Über den verkaterten Freitag werfen wir den Mantel des Schweigens (aber auf der Piste waren wir alle, besser als Hering oder warmes Bier). "Dein Busnachbar von der Hinfahrt reist heute ab, Oka." Mhm. Joa.
Am Samstag, unserem letzten Tag, will es das Schicksal, dass ich mit denen, die mir am meisten ans Herz gewachsen sind, auf der Piste bin. A., K., Jü und Witti. Ganz im Sinne von "das Beste kommt zum Schluss" erobern wir den Mont Vall*on mit seinen 2.950 Metern und haben eine leckere Brotzeit mit Roher-Schinken-Ruccola-Baguette und Espresso. Ich genieße diesen letzten Tag so sehr. Die Aussicht um 19.30 in den Bus steigen zu müssen, reizt mich wenig.
Aber wat mut dat mut. Um die Heimfahrt einigermaßen zu überstehen (Schlaf, viel Schlaf, bitte. Nicht wegen Übelkeit ;-)), bitte ich Jü, der, surprise suprise, diesmal auf jeden Fall neben mir sitzen will, um eine seiner Schlaftabletten. Eine halbe Stunde lang nöhle ich rum, dass ich nichts merke, um dann von einer Sekunde auf die nächste in einen komatösen Zustand zu fallen.
Ich wache auf, weil man mich schlägt und anbrüllt. Woooow, denk ich mir, die Dinger sind ja der absolute Hammer: alles ist schief. Und wo sind all die Menschen? Ich torkel aus dem Bus. Die Menschen stehen alle draußen im Schnee. Es ist eiskalt. Wir stehen auf einem Feldweg mitten im Nirgendwo in Frankreich. Nur ein Haus um uns rum. Ich lalle. Was ist los, will ich wissen. Und wo ist die Autobahn. Jemand versteht mich.
"Man Oka, wir dachten wir kriegen dich nie wach. Der Bus ist in den Graben gefahren." Ahja. Klar. Hammer Teile. Die besorg ich mir zu Hause auch. Wieviel Uhr ist es überhaupt? Ca. 23 Uhr.
Der Busfahrer muss schon eine ganze Weile über dubiose Dörfer und Wege gefahren sein. Als er in einer Kurve hängenbleibt, fragt man ihn, ob er denn sicher sei, dass das alles so stimme. Jaja, das Navi sagt das. Aha. Anscheinend wird der ganze Bus extrem nervös, nur der Busfahrer nicht, der die Verantwortung für 53 Leute trägt. Als er auf einem Feldweg plötzlich gegen eine Art Schnee-Wall fährt und zu seiner grenzenlosen Überraschung bemerkt, dass er diesen nicht überwinden kann, will er rückwärts wenden - und landet im Graben.
Das vereinzelte Haus wird von unserem Reiseleiter gestürmt. Zufällig kennt der Hausbesitzer den Bürgermeister des nächsten Dorfes. Und dieser mobilisiert Autos, die uns abtransportieren sollen, und einen Traktor für die Busrettung. Der Traktor scheitert kläglich. Wir hingegen werden nach ca. 1,5 Stunden Eiseskälte auf Autos verteilt und weggekarrt. Uns 12 verfrachtet eine offensichtlich bekiffte Mutti in einen Uralttransporter. Dank der Tabletten begutachte ich alles so neugierig wie ein kleines Kind seinen Abenteuertraum.
Der Transporter spuckt uns vor einem kleinen Haus aus. Wir betreten eine warme, nach Holz, Tee und Gebäck duftende Stube. Wir sind im Heim des Weihnachtsmanns. Wer nun meint, er wolle auch solche Tabletten, dem kann ich das zwar empfehlen, aber ich schwöre - die anderen habens auch gesehen und erlebt. Wir spazieren durch des Weihnachtsmanns Behausung. Er selbst schnarcht (und er schnarcht wirklich laut!) in einem breiten Holzbett, während sein Rentier im Zimmer nebenan liegt. Das gute Tier hat sich sein Bein verletzt, weils mal wieder nicht links und rechts gekuckt hat, als es über die Straße wollte.
Die lebendigen Gefährten des kleinen Rudolph's beäugen uns neugierig durch die Fensterscheibe aus dem Garten heraus. Wir werden mit Tee und einem himmlischen Creme-Gebäck verarztet und bekommen kleine Wichtel-Mäntelchen gegen die Kälte und Decken gereicht. Die Kiff-Mutti ist übrigens die Märchen-Vorleserin für die kleinen Gäste, die hier normalerweise tagsüber Bauklötze staunen. Wir fragen uns, ob wir das alles vielleicht als Event mitgebucht haben. Was ein abgefahrener Film.
Im Touwabou entdecke ich - meinen Busnachbarn. Unglaublich. Ich war fest davon überzeugt, dass er den Freitag als Abreisetag angegeben hatte. Zu ihm hin traue ich mich nicht. Ich bin gschamig.
Stundenlang versucht unser Reiseleiter, sich beim Busunternehmen zu beschweren und das weitere Vorgehen zu organisieren. Um es für euch kurz zu machen: um 4 Uhr morgens (der Großteil schläft inzwischen auf dem Fußboden oder an Tischen) dürfen wir endlich in ein Hotel. Und es gibt nur noch Doppelzimmer, und wir sind so totmüde, dass es eh egal ist, also... naja. Es tut gut, sich an ihm zu wärmen. Ich fühle mich unendlich durchgefroren.
Nach dem Frühstück (ein Kampf um ein Buffet, das niemals mit so vielen Überraschungsgästen gerechnet hat) um 10.30 am Sonntag morgen ist klar: der Bus wird gerade erfolgreich gerettet. Sollte eine Achse gebrochen oder der Bus anderweitig fahruntüchtig sein - dann ja. Aber wir haben Glück. Bis 14 Uhr dürfen wir weiter kuscheln äh schlafen.
In dieser Zeit habe ich das Gefühl, dass Jü nicht will, dass das hier endet. Er hält mich so eng umschlungen, liegt auf mir wie jemand, der sich nie wieder lösen will, und es fühlt sich so schrecklich gut an. Aber er erzählt mir etwas, was mich dermaßen erschreckt, dass ich mich schon an seinem Grab heulen sehe. Ich erzähle ihm von meinem Jungbusch-Arzt mit der arbeitnehmerfreundlichen Methadonausgabe. Wie wir darauf kamen, weiß ich gar nicht mehr. Jü lässt sich daraufhin aus der Nase ziehen, dass er vor einem dreiviertel Jahr Her*oin gezogen hat. Ich bin fassungslos. Und sprachlos. Bis heute.
Um 14 Uhr können wir den Bus wieder besteigen. Der Bürgermeister kommt persönlich vorbei und verabschiedet uns. Wir feiern ihn wie einen Helden. Ohne ihn wären wir bis 4 Uhr in der Kälte gestanden. Und dann so eine herzliche Fürsorge.
Wir sprechen nicht viel, auf der restlichen Fahrt. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Ich jedenfalls sehr vielen.
Witti, der uns bei der Hinfahrt zur Autobahnausfahrt mitgenommen hatte, fährt mit dem Bus bis nach F*F*M. K. und ich haben also ein Problem. Wie nach Mann*heim kommen.
Aber da ich keine Skier und Skischuhe habe, kann ich in Karlsruhe einen Zug nehmen; also dann, die große Verabschiedung, ein letzter Kuss, eine unverhoffte Umarmung mit dem Hinfahrts-Busnachbarn (bei der wir beide sehr verlegen waren), und irgendwann spät abends bin ich zu Hause. In der Stille meiner Wohnung. Was für eine zauberhafte Reise, von A bis Z.
Es fühlt sich an, als würde ich aus einem langen, tiefen Traum erwachen. "Hallo?" rufe ich zaghaft. In mir kann ich sie alle noch hören.
Fotos in den Kommentaren
Über den verkaterten Freitag werfen wir den Mantel des Schweigens (aber auf der Piste waren wir alle, besser als Hering oder warmes Bier). "Dein Busnachbar von der Hinfahrt reist heute ab, Oka." Mhm. Joa.
Am Samstag, unserem letzten Tag, will es das Schicksal, dass ich mit denen, die mir am meisten ans Herz gewachsen sind, auf der Piste bin. A., K., Jü und Witti. Ganz im Sinne von "das Beste kommt zum Schluss" erobern wir den Mont Vall*on mit seinen 2.950 Metern und haben eine leckere Brotzeit mit Roher-Schinken-Ruccola-Baguette und Espresso. Ich genieße diesen letzten Tag so sehr. Die Aussicht um 19.30 in den Bus steigen zu müssen, reizt mich wenig.
Aber wat mut dat mut. Um die Heimfahrt einigermaßen zu überstehen (Schlaf, viel Schlaf, bitte. Nicht wegen Übelkeit ;-)), bitte ich Jü, der, surprise suprise, diesmal auf jeden Fall neben mir sitzen will, um eine seiner Schlaftabletten. Eine halbe Stunde lang nöhle ich rum, dass ich nichts merke, um dann von einer Sekunde auf die nächste in einen komatösen Zustand zu fallen.
Ich wache auf, weil man mich schlägt und anbrüllt. Woooow, denk ich mir, die Dinger sind ja der absolute Hammer: alles ist schief. Und wo sind all die Menschen? Ich torkel aus dem Bus. Die Menschen stehen alle draußen im Schnee. Es ist eiskalt. Wir stehen auf einem Feldweg mitten im Nirgendwo in Frankreich. Nur ein Haus um uns rum. Ich lalle. Was ist los, will ich wissen. Und wo ist die Autobahn. Jemand versteht mich.
"Man Oka, wir dachten wir kriegen dich nie wach. Der Bus ist in den Graben gefahren." Ahja. Klar. Hammer Teile. Die besorg ich mir zu Hause auch. Wieviel Uhr ist es überhaupt? Ca. 23 Uhr.
Der Busfahrer muss schon eine ganze Weile über dubiose Dörfer und Wege gefahren sein. Als er in einer Kurve hängenbleibt, fragt man ihn, ob er denn sicher sei, dass das alles so stimme. Jaja, das Navi sagt das. Aha. Anscheinend wird der ganze Bus extrem nervös, nur der Busfahrer nicht, der die Verantwortung für 53 Leute trägt. Als er auf einem Feldweg plötzlich gegen eine Art Schnee-Wall fährt und zu seiner grenzenlosen Überraschung bemerkt, dass er diesen nicht überwinden kann, will er rückwärts wenden - und landet im Graben.
Das vereinzelte Haus wird von unserem Reiseleiter gestürmt. Zufällig kennt der Hausbesitzer den Bürgermeister des nächsten Dorfes. Und dieser mobilisiert Autos, die uns abtransportieren sollen, und einen Traktor für die Busrettung. Der Traktor scheitert kläglich. Wir hingegen werden nach ca. 1,5 Stunden Eiseskälte auf Autos verteilt und weggekarrt. Uns 12 verfrachtet eine offensichtlich bekiffte Mutti in einen Uralttransporter. Dank der Tabletten begutachte ich alles so neugierig wie ein kleines Kind seinen Abenteuertraum.
Der Transporter spuckt uns vor einem kleinen Haus aus. Wir betreten eine warme, nach Holz, Tee und Gebäck duftende Stube. Wir sind im Heim des Weihnachtsmanns. Wer nun meint, er wolle auch solche Tabletten, dem kann ich das zwar empfehlen, aber ich schwöre - die anderen habens auch gesehen und erlebt. Wir spazieren durch des Weihnachtsmanns Behausung. Er selbst schnarcht (und er schnarcht wirklich laut!) in einem breiten Holzbett, während sein Rentier im Zimmer nebenan liegt. Das gute Tier hat sich sein Bein verletzt, weils mal wieder nicht links und rechts gekuckt hat, als es über die Straße wollte.
Die lebendigen Gefährten des kleinen Rudolph's beäugen uns neugierig durch die Fensterscheibe aus dem Garten heraus. Wir werden mit Tee und einem himmlischen Creme-Gebäck verarztet und bekommen kleine Wichtel-Mäntelchen gegen die Kälte und Decken gereicht. Die Kiff-Mutti ist übrigens die Märchen-Vorleserin für die kleinen Gäste, die hier normalerweise tagsüber Bauklötze staunen. Wir fragen uns, ob wir das alles vielleicht als Event mitgebucht haben. Was ein abgefahrener Film.
Im Touwabou entdecke ich - meinen Busnachbarn. Unglaublich. Ich war fest davon überzeugt, dass er den Freitag als Abreisetag angegeben hatte. Zu ihm hin traue ich mich nicht. Ich bin gschamig.
Stundenlang versucht unser Reiseleiter, sich beim Busunternehmen zu beschweren und das weitere Vorgehen zu organisieren. Um es für euch kurz zu machen: um 4 Uhr morgens (der Großteil schläft inzwischen auf dem Fußboden oder an Tischen) dürfen wir endlich in ein Hotel. Und es gibt nur noch Doppelzimmer, und wir sind so totmüde, dass es eh egal ist, also... naja. Es tut gut, sich an ihm zu wärmen. Ich fühle mich unendlich durchgefroren.
Nach dem Frühstück (ein Kampf um ein Buffet, das niemals mit so vielen Überraschungsgästen gerechnet hat) um 10.30 am Sonntag morgen ist klar: der Bus wird gerade erfolgreich gerettet. Sollte eine Achse gebrochen oder der Bus anderweitig fahruntüchtig sein - dann ja. Aber wir haben Glück. Bis 14 Uhr dürfen wir weiter kuscheln äh schlafen.
In dieser Zeit habe ich das Gefühl, dass Jü nicht will, dass das hier endet. Er hält mich so eng umschlungen, liegt auf mir wie jemand, der sich nie wieder lösen will, und es fühlt sich so schrecklich gut an. Aber er erzählt mir etwas, was mich dermaßen erschreckt, dass ich mich schon an seinem Grab heulen sehe. Ich erzähle ihm von meinem Jungbusch-Arzt mit der arbeitnehmerfreundlichen Methadonausgabe. Wie wir darauf kamen, weiß ich gar nicht mehr. Jü lässt sich daraufhin aus der Nase ziehen, dass er vor einem dreiviertel Jahr Her*oin gezogen hat. Ich bin fassungslos. Und sprachlos. Bis heute.
Um 14 Uhr können wir den Bus wieder besteigen. Der Bürgermeister kommt persönlich vorbei und verabschiedet uns. Wir feiern ihn wie einen Helden. Ohne ihn wären wir bis 4 Uhr in der Kälte gestanden. Und dann so eine herzliche Fürsorge.
Wir sprechen nicht viel, auf der restlichen Fahrt. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Ich jedenfalls sehr vielen.
Witti, der uns bei der Hinfahrt zur Autobahnausfahrt mitgenommen hatte, fährt mit dem Bus bis nach F*F*M. K. und ich haben also ein Problem. Wie nach Mann*heim kommen.
Aber da ich keine Skier und Skischuhe habe, kann ich in Karlsruhe einen Zug nehmen; also dann, die große Verabschiedung, ein letzter Kuss, eine unverhoffte Umarmung mit dem Hinfahrts-Busnachbarn (bei der wir beide sehr verlegen waren), und irgendwann spät abends bin ich zu Hause. In der Stille meiner Wohnung. Was für eine zauberhafte Reise, von A bis Z.
Es fühlt sich an, als würde ich aus einem langen, tiefen Traum erwachen. "Hallo?" rufe ich zaghaft. In mir kann ich sie alle noch hören.
Fotos in den Kommentaren
Montag, 5. Januar 2009
Zwischen-Echauffierung
okavanga, 22:31h
Ich kotze mal wieder. Ich bin maßlos erbost! Jawohl, und ich steiger mich da jetzt rein. Auf dem Weg zurück nach Mann*heim kam im Radio die Meldung, dass in Bayern Frauenärzte "ab sofort einen großen Teil der Kassenpatientinnen nur noch gegen Privatrechnung behandeln" wollen.
Jetzt schlägts aber bimmbamm! Da wird dieser Irrsinn Gesundheitsfond initiiert, durch den anscheinend bewusst ein Fehlbetrag von 1,5 Mrd. Euro in Kauf genommen und das Gesundheitssystem gegen die Wand gefahren wird. Meine Beiträge steigen um etwa 3 Prozent monatlich. Und trotz steigender Beiträge fehlt den Ärzten mehr als zuvor. Weswegen jetzt die Frauenärzte sich auf ihre Art und Weise gegen die Krankenkassen auflehnen. Und wer trägts? Der Patient. Ich bin gespannt, wann HNO-Ärzte und Co nachziehen, bzw. was die sich einfallen lassen.
Ich verstehe unser Wahnsinns-System nicht mehr! Helft mir! Erklärt es mir! Ich komme mir nur noch verarscht vor. Wieso arbeite ich eigentlich? Wieso zahle ich Beiträge? Wenn ich nun neben meinen Medikamenten auch die Arztbesuche zahle. Wirklich. Ich bin stinkesauer. Schröpf schröpf schröpf. Wieviel wollen wir uns eigentlich noch gefallen lassen?
Jetzt schlägts aber bimmbamm! Da wird dieser Irrsinn Gesundheitsfond initiiert, durch den anscheinend bewusst ein Fehlbetrag von 1,5 Mrd. Euro in Kauf genommen und das Gesundheitssystem gegen die Wand gefahren wird. Meine Beiträge steigen um etwa 3 Prozent monatlich. Und trotz steigender Beiträge fehlt den Ärzten mehr als zuvor. Weswegen jetzt die Frauenärzte sich auf ihre Art und Weise gegen die Krankenkassen auflehnen. Und wer trägts? Der Patient. Ich bin gespannt, wann HNO-Ärzte und Co nachziehen, bzw. was die sich einfallen lassen.
Ich verstehe unser Wahnsinns-System nicht mehr! Helft mir! Erklärt es mir! Ich komme mir nur noch verarscht vor. Wieso arbeite ich eigentlich? Wieso zahle ich Beiträge? Wenn ich nun neben meinen Medikamenten auch die Arztbesuche zahle. Wirklich. Ich bin stinkesauer. Schröpf schröpf schröpf. Wieviel wollen wir uns eigentlich noch gefallen lassen?
okavanga, 01:00h
Donnerstag, 18.12. - I'm in the prime of my life
Das Skifahren flutscht, der regenerierte Körper jodelt sozusagen. Es macht Spass, Spass, Spass. Wir erobern die 3 Täler mehr und mehr, schneller und schneller. Die Pisten sind verhältnismäßig leer - Vorsaison sei Dank - und die Schneeverhältnisse super. Wir toben über die Berge wie eine Horde wildgewordener Kleinkinder.
Abends der obligatorische Saunagang. Irgendwann stehe ich mit U. auf dem Balkon und wir stellen fest, dass man zwar absolut erschossen ist nach so einem Tag, aber zutiefst befriedigt. Schwelgend in Glückseligkeit checke ich meine e-Mails, und mich trifft prompt der Schlag.
Der kleine Professor hat geschrieben. Es vergehe leider immer noch kein Tag, an dem er nicht an mich denken müsse, und dass er mir und meiner Familie ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche. Pass auf dich auf. Alles Liebe. Axel.
Hurra. Dieser blöde Wurm weiß doch tatsächlich, dass er damit bei mir immer noch in die genau richtige Kerbe schlägt. Die Tränen schießen mir in die Augen, ich suche hektisch Jacke und Mütze und stürme auf den Balkon. K. hinterher, um mich in den Arm zu nehmen. Ich schluchze meine obligatorischen fünf Minuten. Dann ists gut. Auf gehts, denk ich mir. Ja, auch du trägst ihn jeden einzelnen Tag mit dir rum. Er ist immer bei dir, auch hier in Frankreich. Nicht, weil du ihn vermisst. Sondern einfach, weil er präsent ist in deinen Gedanken. Aber das hier und jetzt, das ist gut. Alles ist gut. Und jetzt: betrink dich!
Als ich zurück ins behagliche Wohnzimmer gehe, das Feuer knistert im Kamin, angenehme Musik rieselt, spielen die anderen ein fröhliches Trinkspiel. "Oka, magst mitspielen?" Aber hallo. Das Spiel will ich auch gar nicht weiter erläutern. Es erfüllt seinen Sinn (Lütti!). Ich befürchte bald ein Stützkorsett zu benötigen, wenn wir weiterhin soviel lachen. Mein Bauch schmerzt! Es ist herrlich. Unsere Appartement-Nachbarn stoßen auch noch dazu, und irgendwann ziehen wir ziemlich gut angetüddelt in die Nacht. Wir tanzen und singen uns die Seele aus dem Leib. Was für eine mords Gaudi und famose Zeit. Ich habe meine Reisegenossen alle sehr ins Herz geschlossen.
Irgendwann seilen Jü und ich uns ab. "Ich mag dich zu sehr, als dass ichs einfach lassen könnte, Jü." "Ich dich auch", sagt Jü, drückt mich feste und vergräbt sein Gesicht in meiner Halsbeuge. Dann sieht er mich ernst an: "Aber du willst ja keinen Drogi..." "Nein, Jü. Ich will keinen Drogi." Er seufzt und zieht mich noch enger an sich. F. kommt zur Zimmertür herein. Voll erwischt. Spätestens jetzt dürfte wohl allen klar seinen, dass der liierte Jü Opfer der männermordenden Bestie geworden ist.
Wir beschließen, dass das unsere letzten Berührungen sein müssen. Und die genießen wir.
Gegen 3 Uhr gehe ich in mein Zimmer, nachdem ich K. dazu genötigt habe, mit mir mein Handy zu suchen. Ich wähle die Nummer des kleinen Professors. Das Glück ist auf meiner Seite - er geht nicht ran. Während die Mailbox anspringt, schimpfe ich mich eine Idiotin, mache das Licht aus, überlege mir, wie gut es mir ohne den Professor geht, denke an Jü und die wahnsinns Zeit, die ich hier habe, und schlafe mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht ein. Feier dich ohne mich, Professor.
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Das Skifahren flutscht, der regenerierte Körper jodelt sozusagen. Es macht Spass, Spass, Spass. Wir erobern die 3 Täler mehr und mehr, schneller und schneller. Die Pisten sind verhältnismäßig leer - Vorsaison sei Dank - und die Schneeverhältnisse super. Wir toben über die Berge wie eine Horde wildgewordener Kleinkinder.
Abends der obligatorische Saunagang. Irgendwann stehe ich mit U. auf dem Balkon und wir stellen fest, dass man zwar absolut erschossen ist nach so einem Tag, aber zutiefst befriedigt. Schwelgend in Glückseligkeit checke ich meine e-Mails, und mich trifft prompt der Schlag.
Der kleine Professor hat geschrieben. Es vergehe leider immer noch kein Tag, an dem er nicht an mich denken müsse, und dass er mir und meiner Familie ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche. Pass auf dich auf. Alles Liebe. Axel.
Hurra. Dieser blöde Wurm weiß doch tatsächlich, dass er damit bei mir immer noch in die genau richtige Kerbe schlägt. Die Tränen schießen mir in die Augen, ich suche hektisch Jacke und Mütze und stürme auf den Balkon. K. hinterher, um mich in den Arm zu nehmen. Ich schluchze meine obligatorischen fünf Minuten. Dann ists gut. Auf gehts, denk ich mir. Ja, auch du trägst ihn jeden einzelnen Tag mit dir rum. Er ist immer bei dir, auch hier in Frankreich. Nicht, weil du ihn vermisst. Sondern einfach, weil er präsent ist in deinen Gedanken. Aber das hier und jetzt, das ist gut. Alles ist gut. Und jetzt: betrink dich!
Als ich zurück ins behagliche Wohnzimmer gehe, das Feuer knistert im Kamin, angenehme Musik rieselt, spielen die anderen ein fröhliches Trinkspiel. "Oka, magst mitspielen?" Aber hallo. Das Spiel will ich auch gar nicht weiter erläutern. Es erfüllt seinen Sinn (Lütti!). Ich befürchte bald ein Stützkorsett zu benötigen, wenn wir weiterhin soviel lachen. Mein Bauch schmerzt! Es ist herrlich. Unsere Appartement-Nachbarn stoßen auch noch dazu, und irgendwann ziehen wir ziemlich gut angetüddelt in die Nacht. Wir tanzen und singen uns die Seele aus dem Leib. Was für eine mords Gaudi und famose Zeit. Ich habe meine Reisegenossen alle sehr ins Herz geschlossen.
Irgendwann seilen Jü und ich uns ab. "Ich mag dich zu sehr, als dass ichs einfach lassen könnte, Jü." "Ich dich auch", sagt Jü, drückt mich feste und vergräbt sein Gesicht in meiner Halsbeuge. Dann sieht er mich ernst an: "Aber du willst ja keinen Drogi..." "Nein, Jü. Ich will keinen Drogi." Er seufzt und zieht mich noch enger an sich. F. kommt zur Zimmertür herein. Voll erwischt. Spätestens jetzt dürfte wohl allen klar seinen, dass der liierte Jü Opfer der männermordenden Bestie geworden ist.
Wir beschließen, dass das unsere letzten Berührungen sein müssen. Und die genießen wir.
Gegen 3 Uhr gehe ich in mein Zimmer, nachdem ich K. dazu genötigt habe, mit mir mein Handy zu suchen. Ich wähle die Nummer des kleinen Professors. Das Glück ist auf meiner Seite - er geht nicht ran. Während die Mailbox anspringt, schimpfe ich mich eine Idiotin, mache das Licht aus, überlege mir, wie gut es mir ohne den Professor geht, denke an Jü und die wahnsinns Zeit, die ich hier habe, und schlafe mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht ein. Feier dich ohne mich, Professor.
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Sonntag, 4. Januar 2009
okavanga, 01:39h
Mittwoch, 17.12. - Albern in Albertville
In Witti steckt's immer noch, und er ist inzwischen vollkommen dehydriert. Ein Arztbesuch ergibt, dass in Val Th*orens leider keine Mittel hierfür bereitstehen, und Witti deswegen um 15.45 Uhr in Albertville bei einem Spezialisten aufschlagen muss. Was sind wir froh, dass 2 von uns mit dem Auto angereist sind.
K. und ich beschließen, Witti Geleit zu bieten und gönnen uns nur 2 Stunden Skifahren. Keine halbe Stunde, bevor wir abbrechen müssen, bricht endlich die Sonne durch die Wolken. Aber wir zeigen uns solidarisch. Die Exkursion ist fast krankhaft lustig. Eine Situationskomik reiht sich an die nächste. Etwas, was mir nur in meiner Erinnerung bleibt, weil es erzählt seinen Witz verlieren würde.
In Albertville verzichtet Witti auf Betäubung und giert regelrecht den Schlauch runter, während K. und ich TV im erstaunlich gemütlichen Wartezimmer sehen. Witti's Speiseröhre ist stark angegriffen, also fünf Tage kein Rauchen, kein Trinken. Kümmert das den Witti? ... Genau.
Wir kommen zum Abendessen zurück. Meine Oberschenkel danken mir den Tag Fast-Auszeit. Erledigt bin ich trotzdem. Lachen strengt unheimlich an.
In Witti steckt's immer noch, und er ist inzwischen vollkommen dehydriert. Ein Arztbesuch ergibt, dass in Val Th*orens leider keine Mittel hierfür bereitstehen, und Witti deswegen um 15.45 Uhr in Albertville bei einem Spezialisten aufschlagen muss. Was sind wir froh, dass 2 von uns mit dem Auto angereist sind.
K. und ich beschließen, Witti Geleit zu bieten und gönnen uns nur 2 Stunden Skifahren. Keine halbe Stunde, bevor wir abbrechen müssen, bricht endlich die Sonne durch die Wolken. Aber wir zeigen uns solidarisch. Die Exkursion ist fast krankhaft lustig. Eine Situationskomik reiht sich an die nächste. Etwas, was mir nur in meiner Erinnerung bleibt, weil es erzählt seinen Witz verlieren würde.
In Albertville verzichtet Witti auf Betäubung und giert regelrecht den Schlauch runter, während K. und ich TV im erstaunlich gemütlichen Wartezimmer sehen. Witti's Speiseröhre ist stark angegriffen, also fünf Tage kein Rauchen, kein Trinken. Kümmert das den Witti? ... Genau.
Wir kommen zum Abendessen zurück. Meine Oberschenkel danken mir den Tag Fast-Auszeit. Erledigt bin ich trotzdem. Lachen strengt unheimlich an.
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