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Mittwoch, 19. Oktober 2011
okavanga, 22:09h
Meine Nerven sind langsam ein bisschen im Arsch. Es ist sehr skurril: ich träumte vor langer Zeit einen furchtbaren Alptraum, dass meine Mutter neben dem Wahn auch noch ein Alkoholproblem hat. Meine Mutter trinkt NIE. NIE NIE NIE. Alkohol. Außer vielleicht an Sylvester ein Glas Sekt. Oder dann auch mal zwei.
Jetzt schreibt sie uns, dass sie (wie regelmäßig ist uns noch unklar) trinkt und dazu starke Tabletten nimmt.
Es mag unpassend sein, und vielleicht auch falsche Offenheit, aber ich lade mal als pdf eine Mail hoch von ihr. Solche bekommen wir fast täglich. Seit knapp 2 Jahren. Sie ändern sich nur in den Syptomen, die immer krasser werden. Und die Länge variiert. Diese ist recht kurz, für das was wir gewohnt sind.
tag1 (GIF, 23 KB)
tag 02 (GIF, 31 KB)
Ich hoffe, pdfs werden von g**gle nicht durchsucht. Falls ich doch dadurch auffindbar sein sollte, bitte ein kleiner Hinweis an mich. Haha, ja, Par*noia ist erblich ;-)
Frau W. auf die Mailbox gesprochen. Noch kein Rückruf. Fühlte heute Hitzeanfälle, Herzrasen und das Gefühl, dass ich gleich wegrennen muss, weil ich keine Luft mehr bekomme. Klingt selbstmitleidig, hm? Mir machts echt Angst. Ist die Gesamtsituation zur Zeit echt.. nicht so einfach. Aber allein schon das Feld "Meine Mama" überfordert mich so sehr, emotional wie rational, dass ich nicht mehr weiß wohin mit mir. In mir ist irgendwie nur noch ein merkwürdiger Ausnahmezustand.
Jetzt schreibt sie uns, dass sie (wie regelmäßig ist uns noch unklar) trinkt und dazu starke Tabletten nimmt.
Es mag unpassend sein, und vielleicht auch falsche Offenheit, aber ich lade mal als pdf eine Mail hoch von ihr. Solche bekommen wir fast täglich. Seit knapp 2 Jahren. Sie ändern sich nur in den Syptomen, die immer krasser werden. Und die Länge variiert. Diese ist recht kurz, für das was wir gewohnt sind.
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Ich hoffe, pdfs werden von g**gle nicht durchsucht. Falls ich doch dadurch auffindbar sein sollte, bitte ein kleiner Hinweis an mich. Haha, ja, Par*noia ist erblich ;-)
Frau W. auf die Mailbox gesprochen. Noch kein Rückruf. Fühlte heute Hitzeanfälle, Herzrasen und das Gefühl, dass ich gleich wegrennen muss, weil ich keine Luft mehr bekomme. Klingt selbstmitleidig, hm? Mir machts echt Angst. Ist die Gesamtsituation zur Zeit echt.. nicht so einfach. Aber allein schon das Feld "Meine Mama" überfordert mich so sehr, emotional wie rational, dass ich nicht mehr weiß wohin mit mir. In mir ist irgendwie nur noch ein merkwürdiger Ausnahmezustand.
Sonntag, 16. Oktober 2011
Brief an Frau W. IV
okavanga, 00:36h
Liebste, allerliebste Frau W.
Haben wir eigentlich jemals darüber gesprochen, dass ich blogge? Ich erinner mich nicht. Wissen Sie, mein Blog war lange die Halde für meinen Seelenmüll. Egal was. Das ist jetzt anders. Das liegt vor allem daran, dass ich Sesamina nicht mehr so wirklich vertraue in dieser einen Hinsicht. Er hat mal, als ich in der Arbeit war und ihm meinen PC für Internetaktivitäten anvertraut habe, meine Sky*pe Cha*tpro*tokolle gelesen. Und was gefunden. Was total egal war für unsere Beziehung. Aber wie erklärt man das jemandem. Das ist schwer. Und wieviel schwerer erklärt man jemandem, dass es für mich genauso scheisse ist, dass er einfach in meine Intimsphäre eingedrungen ist.
Seitdem ist da der Wurm drin. Wir sind in einer blöden Spirale, das wäre jetzt zu ausufernd für hier, und außerdem, wie gesagt: ich vertraue nicht.
Sie fehlen mir so sehr, dass es mir das Herz fast zerreisst. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr in mich reinsehe, seit ich keine Therapie mehr bei Ihnen habe. Ich hab mal nachgesehen, von wann die letzten "Seelenheil"-Beiträge hier sind. Ein kurzer von vor kurzem. Und ein längerer, im Juli.
Es ist, als hätte ich keinen Zugang mehr zu mir, oder als hätte ich Angst davor ihn zu finden und zu nutzen, weil ich Angst vor dem habe, was ich dann vielleicht finden könnte. Deswegen brauche ich Hilfe.
Ich glaub, eigentlich bin ich in mir zur Zeit ziemlich außer mir. Das mit Sesamina machen wir mal kurz zu Ende: also seit dem Chatprotokoll läuft das immer mehr bergab, er drängt auf Nähe, und ich habe ein Näheproblem, und als jemand der ein Näheproblem hat, ziehe ich mich mit der Pistole auf der Brust immer weiter zurück, was dazu führt, dass er natürlich mehr Nähe einfordert. Ich dachte vor unserem Urlaub, dass es im Urlaub besser wird. Abstand vom Alltag und so. Das war nicht so. Es wurde so schlimm (ich durfte nicht lesen, weil ich "in fremde Welten flüchte" statt mich mit ihm zu beschäftigen. Wenn ich eine Katze streichelte, dann "für die hast du Zuneigung", und so weiter) dass ich nach zwei Wochen gegangen bin. Ich habe mich in ein anderes Hotel fahren lassen. Nach 3 Tagen kam er nach, aber wir hatten getrennte Zimmer. Der Einsamkeit, Abgeschiedenheit entronnen, war das dann irgendwie ok. Aber. Aber.
Aber. Frau W. Dann gibt es Abende an denen ich mich nicht innerhalb des Zeitfensters melde, das er für angemessen hält, und schon gibt es den totalen Terror. Er fickt sich dermaßen in den Kopf, es ist quasi unerträglich, weil ich dann mit dem Kopffickscheissdreck vollgekotzt werde, in einem respektlosen, unverschämten Tonfall. Bei all den Diskussionen. Da leidet meine Zuneigung. Obwohl er immer da ist. Immer. Wenn etwas ist. Und er ein ganz toller Mann ist. Aber ich weiß nicht, ob ich mich selbst verarsche weil es zum ersten mal in meinem Leben ernst werden könnte, und ich damit völlig überfordert bin und somit unmittelbar meine Fluchtreflexe aktiviert werden. Oder ob ich einfach wieder alleine sein will. WILL. Und überhaupt. Ich komme alleine gut klar. Ich weiß gar nichts mehr. Es ist auch so, dass jetzt diese paar Sätze in keinster Weise die Situation repräsentieren, weder die negativen wie die positiven Seiten. Dafür bräuchten wir mindestens ein paar Sitzungen. Sie kennen den Namen Sesamina ja noch. Wenn auch nur als eine kurze Episode, als die, die es damals war. Und insofern wüssten Sie auch ganz genau, welche Rolle ich denn in der ganzen Chose spiele, und wie gut (hahahahaaaa) ich mit meinen Päckchen zu der Scheisse beitrage. Sie kennen eben alles. Sie kennen mich.
Und dann die Arbeit. Scheisse wie lang muss manch Atem sein um das auszuhalten, und wie groß die Geduld, und wie dick die Haut.
Aber das schlimmste ist wohl meine Mama. Ich. Kann. Nicht. Mehr. Ich fühle mich gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Vater so einsam. So hilflos. Mein Vater meinte gestern: du bist nicht geflohen, weil du es nicht aushältst (als ich jetzt die ganzen letzten Monate keinen Kontakt mehr zu ihr hatte), sondern weil du deine Hilflosigkeit nicht erträgst. Er hat recht. Diese Ohnmacht. Wenn ich mich mit Dingen beschäftige, dann möchte ich sie lösen. Helfen. Etwas tun. Nur dass die Art von Hilfe, die ich leisten KÖNNTE, niemals als Hilfe erkannt werden würde, und abgesehen davon, weiß ich auch gar nicht mehr, was wir tun sollen.
Und dazu kommt dann: was zum Teufel tue ich hier eigentlich? In dieser mir immer noch fremden Stadt? Wie konnte ich bloß mein Netz, mein Zuhause aufgeben. Meinen festen Rahmen. All das, was es irgendwie erträglicher gemacht hat. Meine Freunde, das Wissen, das mein Chef mir jederzeit 2 Wochen Homeoffice bewilligt hätte wenn was mit Mama wäre. Mein Monnem.
Stattdessen bin ich zerrissen zwischen einer Distanzbeziehung (krass. Ich wollte gerade "Fremdbeziehung" schreiben. Was sagt das wohl.) nach Be*rlin, meiner Familie bzw. Mama in der alten Heimat, meinem alten Zuhause Monnem, den Freundschaften die ich pflegen möchte, die weder hier noch im alten Zuhause sind, und dem hier und jetzt, das überwiegend aus Arbeit besteht (und eben jener Zerrissenheit).
Ich war schon sehr sehr lange nicht mehr so orientierungslos. WOLLEN. Was will ich. Und warum sind Sie denn nicht da, verdammte scheisse. Ich brauche Sie jetzt wieder. Ich wollt nicht dass das so ist. Aber ich habe keine Ahnung wie ich allein damit klarkommen soll.
Ich weiß, dass Sesamina für all diese Themen ein offenes Ohr hat - aber schwierig finde ich das, was ihn selbst betrifft. Sowie die Tatsache, dass er nunmal nicht mein Therapeut ist. Und ich möchte auch niemals nie, dass mein Freund eine solche Rolle einnimmt.
Frau W.! Können Sie mich eigentlich manchmal in sich hören? Das frag ich mich. Und ob Sie manchmal an mich denken. Und sich fragen, was ich jetzt wohl tue. Sie wissen ja gar nicht, dass ich jetzt hier bin und nicht mehr in Monnem. Ich habe nicht das Gefühl, dass unsere Beziehung beendet ist, meine Teuerste. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie wir das geregelt bekommen sollen. Geschweige denn, ob diese derbe Sehnsucht nach Ihnen überhaupt gesund ist.
Aber gesund. Das hab ich eh schon länger nicht mehr gefühlt. Ich bin so traurig, dass ich nicht mehr weinen kann. Ich weiß nur, dass ich mich bei Ihnen nicht länger vor mir selbst verstecken könnte. Bitte. Bitte tun Sie mir den Gefallen und buddeln Sie meinen Kopf aus dem Sand, vielleicht kann ich dann endlich wieder mein Herz hören.
Haben wir eigentlich jemals darüber gesprochen, dass ich blogge? Ich erinner mich nicht. Wissen Sie, mein Blog war lange die Halde für meinen Seelenmüll. Egal was. Das ist jetzt anders. Das liegt vor allem daran, dass ich Sesamina nicht mehr so wirklich vertraue in dieser einen Hinsicht. Er hat mal, als ich in der Arbeit war und ihm meinen PC für Internetaktivitäten anvertraut habe, meine Sky*pe Cha*tpro*tokolle gelesen. Und was gefunden. Was total egal war für unsere Beziehung. Aber wie erklärt man das jemandem. Das ist schwer. Und wieviel schwerer erklärt man jemandem, dass es für mich genauso scheisse ist, dass er einfach in meine Intimsphäre eingedrungen ist.
Seitdem ist da der Wurm drin. Wir sind in einer blöden Spirale, das wäre jetzt zu ausufernd für hier, und außerdem, wie gesagt: ich vertraue nicht.
Sie fehlen mir so sehr, dass es mir das Herz fast zerreisst. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr in mich reinsehe, seit ich keine Therapie mehr bei Ihnen habe. Ich hab mal nachgesehen, von wann die letzten "Seelenheil"-Beiträge hier sind. Ein kurzer von vor kurzem. Und ein längerer, im Juli.
Es ist, als hätte ich keinen Zugang mehr zu mir, oder als hätte ich Angst davor ihn zu finden und zu nutzen, weil ich Angst vor dem habe, was ich dann vielleicht finden könnte. Deswegen brauche ich Hilfe.
Ich glaub, eigentlich bin ich in mir zur Zeit ziemlich außer mir. Das mit Sesamina machen wir mal kurz zu Ende: also seit dem Chatprotokoll läuft das immer mehr bergab, er drängt auf Nähe, und ich habe ein Näheproblem, und als jemand der ein Näheproblem hat, ziehe ich mich mit der Pistole auf der Brust immer weiter zurück, was dazu führt, dass er natürlich mehr Nähe einfordert. Ich dachte vor unserem Urlaub, dass es im Urlaub besser wird. Abstand vom Alltag und so. Das war nicht so. Es wurde so schlimm (ich durfte nicht lesen, weil ich "in fremde Welten flüchte" statt mich mit ihm zu beschäftigen. Wenn ich eine Katze streichelte, dann "für die hast du Zuneigung", und so weiter) dass ich nach zwei Wochen gegangen bin. Ich habe mich in ein anderes Hotel fahren lassen. Nach 3 Tagen kam er nach, aber wir hatten getrennte Zimmer. Der Einsamkeit, Abgeschiedenheit entronnen, war das dann irgendwie ok. Aber. Aber.
Aber. Frau W. Dann gibt es Abende an denen ich mich nicht innerhalb des Zeitfensters melde, das er für angemessen hält, und schon gibt es den totalen Terror. Er fickt sich dermaßen in den Kopf, es ist quasi unerträglich, weil ich dann mit dem Kopffickscheissdreck vollgekotzt werde, in einem respektlosen, unverschämten Tonfall. Bei all den Diskussionen. Da leidet meine Zuneigung. Obwohl er immer da ist. Immer. Wenn etwas ist. Und er ein ganz toller Mann ist. Aber ich weiß nicht, ob ich mich selbst verarsche weil es zum ersten mal in meinem Leben ernst werden könnte, und ich damit völlig überfordert bin und somit unmittelbar meine Fluchtreflexe aktiviert werden. Oder ob ich einfach wieder alleine sein will. WILL. Und überhaupt. Ich komme alleine gut klar. Ich weiß gar nichts mehr. Es ist auch so, dass jetzt diese paar Sätze in keinster Weise die Situation repräsentieren, weder die negativen wie die positiven Seiten. Dafür bräuchten wir mindestens ein paar Sitzungen. Sie kennen den Namen Sesamina ja noch. Wenn auch nur als eine kurze Episode, als die, die es damals war. Und insofern wüssten Sie auch ganz genau, welche Rolle ich denn in der ganzen Chose spiele, und wie gut (hahahahaaaa) ich mit meinen Päckchen zu der Scheisse beitrage. Sie kennen eben alles. Sie kennen mich.
Und dann die Arbeit. Scheisse wie lang muss manch Atem sein um das auszuhalten, und wie groß die Geduld, und wie dick die Haut.
Aber das schlimmste ist wohl meine Mama. Ich. Kann. Nicht. Mehr. Ich fühle mich gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Vater so einsam. So hilflos. Mein Vater meinte gestern: du bist nicht geflohen, weil du es nicht aushältst (als ich jetzt die ganzen letzten Monate keinen Kontakt mehr zu ihr hatte), sondern weil du deine Hilflosigkeit nicht erträgst. Er hat recht. Diese Ohnmacht. Wenn ich mich mit Dingen beschäftige, dann möchte ich sie lösen. Helfen. Etwas tun. Nur dass die Art von Hilfe, die ich leisten KÖNNTE, niemals als Hilfe erkannt werden würde, und abgesehen davon, weiß ich auch gar nicht mehr, was wir tun sollen.
Und dazu kommt dann: was zum Teufel tue ich hier eigentlich? In dieser mir immer noch fremden Stadt? Wie konnte ich bloß mein Netz, mein Zuhause aufgeben. Meinen festen Rahmen. All das, was es irgendwie erträglicher gemacht hat. Meine Freunde, das Wissen, das mein Chef mir jederzeit 2 Wochen Homeoffice bewilligt hätte wenn was mit Mama wäre. Mein Monnem.
Stattdessen bin ich zerrissen zwischen einer Distanzbeziehung (krass. Ich wollte gerade "Fremdbeziehung" schreiben. Was sagt das wohl.) nach Be*rlin, meiner Familie bzw. Mama in der alten Heimat, meinem alten Zuhause Monnem, den Freundschaften die ich pflegen möchte, die weder hier noch im alten Zuhause sind, und dem hier und jetzt, das überwiegend aus Arbeit besteht (und eben jener Zerrissenheit).
Ich war schon sehr sehr lange nicht mehr so orientierungslos. WOLLEN. Was will ich. Und warum sind Sie denn nicht da, verdammte scheisse. Ich brauche Sie jetzt wieder. Ich wollt nicht dass das so ist. Aber ich habe keine Ahnung wie ich allein damit klarkommen soll.
Ich weiß, dass Sesamina für all diese Themen ein offenes Ohr hat - aber schwierig finde ich das, was ihn selbst betrifft. Sowie die Tatsache, dass er nunmal nicht mein Therapeut ist. Und ich möchte auch niemals nie, dass mein Freund eine solche Rolle einnimmt.
Frau W.! Können Sie mich eigentlich manchmal in sich hören? Das frag ich mich. Und ob Sie manchmal an mich denken. Und sich fragen, was ich jetzt wohl tue. Sie wissen ja gar nicht, dass ich jetzt hier bin und nicht mehr in Monnem. Ich habe nicht das Gefühl, dass unsere Beziehung beendet ist, meine Teuerste. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie wir das geregelt bekommen sollen. Geschweige denn, ob diese derbe Sehnsucht nach Ihnen überhaupt gesund ist.
Aber gesund. Das hab ich eh schon länger nicht mehr gefühlt. Ich bin so traurig, dass ich nicht mehr weinen kann. Ich weiß nur, dass ich mich bei Ihnen nicht länger vor mir selbst verstecken könnte. Bitte. Bitte tun Sie mir den Gefallen und buddeln Sie meinen Kopf aus dem Sand, vielleicht kann ich dann endlich wieder mein Herz hören.
Samstag, 8. Oktober 2011
Fre*ito*d.
okavanga, 03:20h
Ich wusste nicht, dass inzwischen (zumindest in der Schweiz) auch psychisch Kranken St*erbehi*lfe gewährt wird. Unter der Voraussetzung monatelanger Beurteilungsgespräche und dass der Sui*zid kein Symptom der psychischen Krankheit ist.
Ein bewegender Film:
Zurück bleiben bei mir Fragen. Würde es meiner Mama auch bewilligt werden? Sie macht einen soviel fertigeren, kaputteren Eindruck als jener Herr Rie*ger. So.. so gänzlich kaputt. Sofern ihr Sui*zid kein Symptom ihrer Krankheit wäre, würde es ihr bewilligt werden, auch wenn sie nicht sieht, dass sie psychisch krank ist? Haben wir, wir als Kinder, alles getan was wir können? (die Antwort ist nein, so beantworteten wir es heute). Ist das wirklich der letzte Ausweg? Will sie diesen Fre*ito*d wirklich? Wie würde ich, wie würden wir damit umgehen? Ist es das, worauf jetzt alles hinausläuft? Was können wir denn verdammt noch mal tun? Wann weiß man, dass ein Kampf sinnlos ist? Wann gibt man auf? Mit wem spricht man? Und ist das nicht immer noch besser als die Bahngleise.
Mir wächst alles über den Kopf. Komm nicht mehr mit. Ich fühle mich nicht bereit. Für egal was.
Ein bewegender Film:
Zurück bleiben bei mir Fragen. Würde es meiner Mama auch bewilligt werden? Sie macht einen soviel fertigeren, kaputteren Eindruck als jener Herr Rie*ger. So.. so gänzlich kaputt. Sofern ihr Sui*zid kein Symptom ihrer Krankheit wäre, würde es ihr bewilligt werden, auch wenn sie nicht sieht, dass sie psychisch krank ist? Haben wir, wir als Kinder, alles getan was wir können? (die Antwort ist nein, so beantworteten wir es heute). Ist das wirklich der letzte Ausweg? Will sie diesen Fre*ito*d wirklich? Wie würde ich, wie würden wir damit umgehen? Ist es das, worauf jetzt alles hinausläuft? Was können wir denn verdammt noch mal tun? Wann weiß man, dass ein Kampf sinnlos ist? Wann gibt man auf? Mit wem spricht man? Und ist das nicht immer noch besser als die Bahngleise.
Mir wächst alles über den Kopf. Komm nicht mehr mit. Ich fühle mich nicht bereit. Für egal was.
Samstag, 8. Oktober 2011
Normal
okavanga, 00:51h
Normal = 1. der Norm entsprechend, regelmäßig, 2. gewöhnlich, üblich, 3. geistig gesund
Quelle: http://www.humanistische-aktion.de/definiti.htm#n
Ich bin ein Kontrollfreak, glaub ich, das wird irgendwie immer klarer. Und was gibt es schlimmeres für einen Kontrollfreak als wenn sich etwas völlig seinem Einflussbereich entzieht. Das gilt bei mir in der Arbeit, (von Beziehungen ganz zu schweigen), aber vor allem wohl mit meiner Mama.
Es entgleitet mir etwas, jemand, und ich kann nichts tun. Lese mir vermeintliche Bestätigungen von Ärzten (bei denen sie z.T. auch deutschlandweit war) und Anwälten durch, die sie mir sendet, die schlichtweg absolut nichts aussagen. Lese mir Mails durch, die sie an sämtliche Stellen der Nation schreibt, an Menschen die sich mit Na*note*chnologien auskennen, mit Ele*ktroma*gnetischen Wellen, mit Mik*roch*ips.
Was das alles kostet, frage ich mich im Hinterkopf, und von was sie das wohl alles zahlt.
Wozu das alles, frage ich mich laut.
Und noch lauter: Was zum Teufel können wir tun?
Ich habe so eine Vermutung, also meine Mutter war jahrelang in Analyse, und Therapie gegenüber immer aufgeschlossen. Sie weiß um Neurologie und Psychologie. Greift aktuell nach jedem Strohhalm. Nur diesen, diesen weist sie völlig von der Hand. Ob sie ganz tief innen alles weiß? Weiß, dass es letztendlich um den Strohhalm geht, den sie so vehement verweigert?
Sesamina meinte heute, wenn ich sie jetzt am Wochenende sehe, soll ich sie doch einfach ganz normal behandeln, wie meine Mutter.
Versteht jemand, dass ich da wirklich wütend wurde? Versteht jemand, dass das nicht geht, weil meine Mutter verschüttet ist? Weil es stimmt was sie sagt: sie wurde ihres Lebens beraubt. Es gibt kein anderes (Gesprächs-) Thema mehr für sie. Alles dreht sich nur darum. Das, was sie einmal ausgemacht hat - alles weg. Das einzige, was geblieben ist, ist ihre Stur- und Hartnäckigkeit. Und ihre Intelligenz.
Versteht jemand, dass ich diese scheiss Sprüche dermaßen leid bin? Was soll das denn bitte auch bedeuten?
Wo sind Leute, die mir einfach helfen können? WO? Und sei es nur dabei, dass ich irgendwie klarkomme? Leute die mehr sagen als: ja das kenne ich, aber da kannst du nichts tun. Mehr als: sei einfach normal zu ihr.
Normal. Versteht jemand, dass ich keine Ahnung mehr habe, was das überhaupt ist? Wie es ist, wenn man sich normal fühlt? Wenn Mama normal ist? Normal. Das ist für mich die Lachnummer des Jahres, dieses NORMAL.
Versteht jemand, dass das nicht geht, weil es für uns kein normal mehr gibt?
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Fluchtmittel statt Suchtmittel.
okavanga, 01:15h
Was ich sehr mochte in letzter Zeit: das Hörbuch "Darum" von Glattauer und "Der Dunkle Turm" von King. Beides nich jedermanns Fall. Aber gerade letzteres habe ich verschlungen. Hat mich gnadenlos gefesselt. Sesamina meinte, er muss es auch mal lesen, wenn er dann versteht, warum ich so bin wie ich bin ("ich muss jetzt weiterlesen"... "kann ich jetzt weiterlesen?"... "das Buch macht mich krank"... "ich muss mit M. über das Buch reden"... "noch kurz das Kapitel"... "das Ende.. das Ende.. ich komm nicht drüber hinweg"... "Sesamina. Das Ende! Das Obergeschoss!"). Bin vielleicht einfach gerne woanders. Bloss nicht hier. Danke, King.
Lebendig begraben.
okavanga, 00:39h
Nach unserem gestrigen Telefonat, dem ersten seit Monaten, sendet sie mir heute Fotos von ihren, unseren, Katzen. Es rührt mich zu Tränen. Tränen sind sowieso das einzige was mir zu ihr einfällt. Ihres Lebens beraubt, sei es durch ihre Wahrheit, oder durch meine. Letztendlich spielt es keine Rolle.
Das Thema unseres nächsten Gesprächs wird, sowie mein Bruder mich vorgewarnt hat, St*erbe*hil*fe sein. Nein, es geht nicht darum, dass die in der Schweiz das sowieso nicht unterstützen werden, weil sie nunmal nicht totkrank ist. Es geht um das Wort ansich, um die Verzweiflung und Ausweglosigkeit, die sich darin verbirgt. In diesem Wort aus dem Mund einer Frau Ende 50, die einmal so stark, so patent war, so unheimlich im Leben stand und an ihm hing. Um die empfundenen Schmerzen, die sich in diesem Wort verstecken. Und ich empfinde viel zu viel Empathie. Es tut unglaublich weh. Es geht darum, wann sie sich selbst beim Sterben hilft. Wann es für sie der letzte Ausweg ist.
Wie hältst du das alles aus, frage ich meinen Bruder, der sie in etwa einmal pro Woche sieht. "Es klingt vielleicht blöd", sagt er, "aber dadurch, dass ich sie öfters sehe, kann ich mich öfters von ihr verabschieden."
Das Thema unseres nächsten Gesprächs wird, sowie mein Bruder mich vorgewarnt hat, St*erbe*hil*fe sein. Nein, es geht nicht darum, dass die in der Schweiz das sowieso nicht unterstützen werden, weil sie nunmal nicht totkrank ist. Es geht um das Wort ansich, um die Verzweiflung und Ausweglosigkeit, die sich darin verbirgt. In diesem Wort aus dem Mund einer Frau Ende 50, die einmal so stark, so patent war, so unheimlich im Leben stand und an ihm hing. Um die empfundenen Schmerzen, die sich in diesem Wort verstecken. Und ich empfinde viel zu viel Empathie. Es tut unglaublich weh. Es geht darum, wann sie sich selbst beim Sterben hilft. Wann es für sie der letzte Ausweg ist.
Wie hältst du das alles aus, frage ich meinen Bruder, der sie in etwa einmal pro Woche sieht. "Es klingt vielleicht blöd", sagt er, "aber dadurch, dass ich sie öfters sehe, kann ich mich öfters von ihr verabschieden."
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