Samstag, 26. September 2015
Crazy K.
okavanga, 00:34h
Heute habe ich das erste mal seit über drei Jahren K. wieder getroffen. Crazy K., mit dem ich so ziemlich die lustigsten, wildesten und kuriosesten Nächte meines bisherigen doch gar nicht so unbewegten Lebens verbracht habe (und das wo wir uns niemals auch nur annähernd sexuell näher gekommen sind). Mit dem verrückten Isländer, mit the fucking guy on xtc, mit in die Hose pissen vor Lachen. Und mit einem Fremden nach Hause gehen wollen und mich nach dem Klogang doch spontan für einen anderen entscheiden, der gerade erst zur Tür reinkommt... Habe ich eigentlich je von P. erzählt? Auch eine interessante Geschichte, und vielleicht doch so irrelevant...
War das ich? Ja man. Ich bin so nicht mehr, aber crazy K. und die Erinnerung an.. DAS ... hat mir echt gefehlt. Das wird mir klar während wir uns gegenübersitzen, er seine Pizza in sich reinschaufelt, ich meine Pasta. Während wir uns im gedimmten Licht eine Flasche Weißwein teilen, und sowohl über das Jetzt und weitere Pläne, aber auch über das Gestern sprechen.
K. lebt inzwischen in Amerika, hat einen amerikanischen Arbeitsvertrag, verdient einen Scheißhaufen voll amerikanischer Kohle, hat eine amerikanische Freundin und kommt nur noch 2-3 mal im Jahr nach Deutschland. Dass ich diesmal darauf bestehe dass wir uns sehen liegt vor allem an Dr. W., den ich neulich an seinem Lehrstuhl und Institut getroffen habe. Kaum zu glauben, dass wir zu dritt vor 6 Jahren noch hinterm Club standen und uns fragten, wie wir jetzt am unauffälligsten das Pep ziehen.
Dieser Abend belebt eine Seite in mir, die in ihrer Gänze nicht gesund für mich wäre, die aber anteilig ihre Berechtigung hat, und die ich nicht beerdigen darf. Sie will gefüttert werden. Nicht mit Chemie: das letzte mal ist über 14 Monate her und wird auch bis auf weiteres nicht mehr stattfinden. Aber mit Verrücktheit.
Gegen 21 Uhr reibt K. sich die Augen: "ahjoo, jetzt bin ich doch ganz schön miid." Ich auch, sage ich, und lächel. Wir trinken aus und brechen auf. K. fährt mich. Ein gebürtiger Pfälzer kann das wohl. Ich könnts nicht mehr. Ein bisschen verpeilt ist er dann aber doch noch. Zum Glück. Ich könnte es nicht ertragen wenn er nicht ein bisschen er selbst geblieben wäre. Erzählt mir von amerikanischen Einreisebedigungen, Arbeitserlaubnis, und dass die dort letzten Endes selbst alle keinen Plan hätten. Und während er von der Planlosigkeit der Amerikaner erzählt, fährt er mich nach Hause, obwohl ich eigentlich gesagt hatte, dass ich zur Arbeit muss, weil dort mein Fahrrad steht, und ich das Fahrrad übers Wochenende brauche.
Während wir durch meinen Kiez fahren, werde ich ein bisschen melancholisch. Früher hätten wir gar nicht nachgedacht, sondern hätten uns angeschaut, genickt und gesagt: alla guuud, rein do! Und wären in der nächstbesten Kneipe abgestürzt, wiehernd vor Lachen.
Anstandslos wendet K. vor den Kneipen und fährt mich zur Arbeit. Wir wiehern auch so vor Lachen. Und trotzdem.. ich hätte mich überreden lassen. Hätte es zwar morgen bitter bereut, aber für heute die Begegnung gefeiert.
So sitze ich nun vorm Rechner und schreibe das. Und während ich tippe schreibt K. mich an und sendet die versprochene gut-angekommen-Botschaft, und fragt, ob ich nicht morgen zum Herbsten kommen will. Das hätten wir dann früher wohl eher nicht gepackt. Aber so ist das eine echte Option.
Alles schon OK so. Momente, in denen ich mein Leben liebe. Das Gestern, Hier, Jetzt, und bestimmt auch irgendwie oder irgendwann das Morgen.
~ Auch wenn es sicher wieder nur für einige Wochen online ist, so ist es dennoch sehr passend für jetzt: "Herbst 2015" von jemandem
War das ich? Ja man. Ich bin so nicht mehr, aber crazy K. und die Erinnerung an.. DAS ... hat mir echt gefehlt. Das wird mir klar während wir uns gegenübersitzen, er seine Pizza in sich reinschaufelt, ich meine Pasta. Während wir uns im gedimmten Licht eine Flasche Weißwein teilen, und sowohl über das Jetzt und weitere Pläne, aber auch über das Gestern sprechen.
K. lebt inzwischen in Amerika, hat einen amerikanischen Arbeitsvertrag, verdient einen Scheißhaufen voll amerikanischer Kohle, hat eine amerikanische Freundin und kommt nur noch 2-3 mal im Jahr nach Deutschland. Dass ich diesmal darauf bestehe dass wir uns sehen liegt vor allem an Dr. W., den ich neulich an seinem Lehrstuhl und Institut getroffen habe. Kaum zu glauben, dass wir zu dritt vor 6 Jahren noch hinterm Club standen und uns fragten, wie wir jetzt am unauffälligsten das Pep ziehen.
Dieser Abend belebt eine Seite in mir, die in ihrer Gänze nicht gesund für mich wäre, die aber anteilig ihre Berechtigung hat, und die ich nicht beerdigen darf. Sie will gefüttert werden. Nicht mit Chemie: das letzte mal ist über 14 Monate her und wird auch bis auf weiteres nicht mehr stattfinden. Aber mit Verrücktheit.
Gegen 21 Uhr reibt K. sich die Augen: "ahjoo, jetzt bin ich doch ganz schön miid." Ich auch, sage ich, und lächel. Wir trinken aus und brechen auf. K. fährt mich. Ein gebürtiger Pfälzer kann das wohl. Ich könnts nicht mehr. Ein bisschen verpeilt ist er dann aber doch noch. Zum Glück. Ich könnte es nicht ertragen wenn er nicht ein bisschen er selbst geblieben wäre. Erzählt mir von amerikanischen Einreisebedigungen, Arbeitserlaubnis, und dass die dort letzten Endes selbst alle keinen Plan hätten. Und während er von der Planlosigkeit der Amerikaner erzählt, fährt er mich nach Hause, obwohl ich eigentlich gesagt hatte, dass ich zur Arbeit muss, weil dort mein Fahrrad steht, und ich das Fahrrad übers Wochenende brauche.
Während wir durch meinen Kiez fahren, werde ich ein bisschen melancholisch. Früher hätten wir gar nicht nachgedacht, sondern hätten uns angeschaut, genickt und gesagt: alla guuud, rein do! Und wären in der nächstbesten Kneipe abgestürzt, wiehernd vor Lachen.
Anstandslos wendet K. vor den Kneipen und fährt mich zur Arbeit. Wir wiehern auch so vor Lachen. Und trotzdem.. ich hätte mich überreden lassen. Hätte es zwar morgen bitter bereut, aber für heute die Begegnung gefeiert.
So sitze ich nun vorm Rechner und schreibe das. Und während ich tippe schreibt K. mich an und sendet die versprochene gut-angekommen-Botschaft, und fragt, ob ich nicht morgen zum Herbsten kommen will. Das hätten wir dann früher wohl eher nicht gepackt. Aber so ist das eine echte Option.
Alles schon OK so. Momente, in denen ich mein Leben liebe. Das Gestern, Hier, Jetzt, und bestimmt auch irgendwie oder irgendwann das Morgen.
~ Auch wenn es sicher wieder nur für einige Wochen online ist, so ist es dennoch sehr passend für jetzt: "Herbst 2015" von jemandem
Mittwoch, 2. September 2015
Kaufen kaufen kaufen.
okavanga, 00:13h
Wenn ich tatsächlich mal einen Sender schaue der Werbepausen bringt, dann muss ich in diesen Werbeblöcken wegschalten. Nicht, weil es mich langweilt oder nicht interessiert - also das auch - aber es macht mich extrem aggressiv. Allein schon vom Zuhören, wenn ich nicht hinschaue weil ich Wäsche aufhänge oder eine Nachricht tippe: die Melodien, die Stimmen, die Texte. Unerträglich! Wie halten andere Menschen das aus?
Tatsächlich bin ich auch relativ konsumresistent. Ich kaufe mir selten neue Kleidung, Haushaltsgegenstände oder Elektrogeräte. Vieles erbe ich aus dem Freundeskreis: die meisten wollen immer das neueste Handymodell und vermachen mir ihr altes. Oder sie wollen neues Geschirr, dann bekomme ich das alte. Oder sie haben nun einen Induktionsherd, dann bekomme ich die alten Töpfe. Sogar zu meiner Anlage samt Boxen bin ich auf diese Art und Weise gelangt. Dabei schwatze ich das den Leuten echt nie ab. Die kommen immer aktiv auf mich zu. Wenn ich etwas kaufe versuche ich mich immer zu fragen: brauche ich das jetzt echt? Wielang oder wie oft kann ich das verwenden? Kann ich mir da auch irgendwo leihen oder alt geben lassen? Wenn eine Hose ein Loch hat, werfe ich sie nicht weg sondern bringe sie zur Schneiderin (ein Hoch auf sie, sie hat begnadete Hände). Ich habe immer noch die Badetücher, die meine Mutter mir vor 16 Jahren für die erste eigene Wohnung geschenkt hat, ebenso den Bratwender, die Auflaufform, ... Eklig? Hm. Über die Jahre kamen natürlich auch immer mal vereinzelt neue Dinge hinzu. Trendy und immer auf dem neuesten Stand bin ich sicher nicht. Allerdings vermisse ich auch absolut nichts (außer mehr Urlaubstage).
Dabei geht es mir primär gar nicht um das Finanzielle. Zum einen hasse ich shoppen. Wenig löst in mir größeres Unverständnis aus als die Aussage "wir gehen am Samstag shoppen" - wann wurde das eine Freizeitaktivität? Ganz zu schweigen von diesem nicht nachvollziehbaren angeblichen Schuh-Tick von Frauen. Wer hat das erfunden? Ist das echt so? Schuhe, echt? Also nichts gegen gute Schuhe, aber warum so viele?? Zum anderen weil eh schon genug Ressourcen verschleudert werden. Auch die Amazon-/ Online-Bestell-Besessenheit ist völlig an mir vorübergegangen.
Weniger resisten bin ich dagegen bei Büchern und Essen. [Ergänzung: und Hauschka-Produkten. Bisschen Weib is auch in mir.] Aber da find ich mein Geld auch ganz gut investiert.
Wie handhaben Sie das?
~ Die Toten Hosen - Kauf mich
Tatsächlich bin ich auch relativ konsumresistent. Ich kaufe mir selten neue Kleidung, Haushaltsgegenstände oder Elektrogeräte. Vieles erbe ich aus dem Freundeskreis: die meisten wollen immer das neueste Handymodell und vermachen mir ihr altes. Oder sie wollen neues Geschirr, dann bekomme ich das alte. Oder sie haben nun einen Induktionsherd, dann bekomme ich die alten Töpfe. Sogar zu meiner Anlage samt Boxen bin ich auf diese Art und Weise gelangt. Dabei schwatze ich das den Leuten echt nie ab. Die kommen immer aktiv auf mich zu. Wenn ich etwas kaufe versuche ich mich immer zu fragen: brauche ich das jetzt echt? Wielang oder wie oft kann ich das verwenden? Kann ich mir da auch irgendwo leihen oder alt geben lassen? Wenn eine Hose ein Loch hat, werfe ich sie nicht weg sondern bringe sie zur Schneiderin (ein Hoch auf sie, sie hat begnadete Hände). Ich habe immer noch die Badetücher, die meine Mutter mir vor 16 Jahren für die erste eigene Wohnung geschenkt hat, ebenso den Bratwender, die Auflaufform, ... Eklig? Hm. Über die Jahre kamen natürlich auch immer mal vereinzelt neue Dinge hinzu. Trendy und immer auf dem neuesten Stand bin ich sicher nicht. Allerdings vermisse ich auch absolut nichts (außer mehr Urlaubstage).
Dabei geht es mir primär gar nicht um das Finanzielle. Zum einen hasse ich shoppen. Wenig löst in mir größeres Unverständnis aus als die Aussage "wir gehen am Samstag shoppen" - wann wurde das eine Freizeitaktivität? Ganz zu schweigen von diesem nicht nachvollziehbaren angeblichen Schuh-Tick von Frauen. Wer hat das erfunden? Ist das echt so? Schuhe, echt? Also nichts gegen gute Schuhe, aber warum so viele?? Zum anderen weil eh schon genug Ressourcen verschleudert werden. Auch die Amazon-/ Online-Bestell-Besessenheit ist völlig an mir vorübergegangen.
Weniger resisten bin ich dagegen bei Büchern und Essen. [Ergänzung: und Hauschka-Produkten. Bisschen Weib is auch in mir.] Aber da find ich mein Geld auch ganz gut investiert.
Wie handhaben Sie das?
~ Die Toten Hosen - Kauf mich
Donnerstag, 20. August 2015
okavanga, 22:22h
Ich kann immer besser verstehen wie jemand zum Amokläufer wird. Was mich wundert ist, dass sich so viele wundern. In dieser wunderbaren Gesellschaft.
Donnerstag, 23. Juli 2015
okavanga, 13:28h
Eine Möhre für dieses Pferd bitte.
Ach es hätte schon was wenn jeder so direkt zurückbekäme was er an Leid verursacht.
Ach es hätte schon was wenn jeder so direkt zurückbekäme was er an Leid verursacht.
Samstag, 18. Juli 2015
Samtblaue Abendstunde.
okavanga, 01:37h
Auf der Mitte der Brücke kniet ein junger Vater neben seinem Sohn. Beide blicken auf den Fluß, in Richtung Nord-Westen. Am Horizont betrachten sie die Lichter und Schlote der Industriegebiete. Der Vater gestikuliert und erklärt leise. Himmel und Wolken sind in dunkle Blau- und Violettöne getaucht, durchzogen von einigen helleren Schlieren. Auf dem Wasser spiegeln sich die Farben der späten Dämmerung, sie zerlaufen in sanften Wellen. Sogar die Wiese und Gebäude am Ufer nehmen die Färbung an. Ein Moment, so dunkelblau und still wie ein Gemälde. Ein Augenblick der Ruhe, nur begleitet von dem Zirpen der Grillen, dem lauen Sommerwind und dem Flüstern zwischen Vater und Sohn.
--
Als ich mit dem Fahrrad ganz samtsommernächtlich eingelullt um die Kurve in unsere Einfahrt biege, erschrecken mich hinter der Ecke zwei Jungs, um die 6 oder 7 Jahre alt. "Buhuuuuuuu" kreischen sie fröhlich. Fast falle ich vom Fahrrad vor Schreck, muss dann aber lachen.
"Du meine Güte, ihr habt Nerven, ihr zwei!"
"Wir spionieren hier!" entgegnet der Wortführer der beiden keck.
"Was spioniert ihr denn?"
"Die Party gegenüber". Gegenüber findet eine Eröffnungsparty statt für eine kulturelle Einrichtung, draußen stehen viele Grüppchen mit überwiegend jungen Leuten, die sich an ihrem Bier laben.
"Und was habt ihr rausgefunden?"
"So einiges. Mit den bösen Männern." Ob die zwei die Pseudo-Kulturheinis genauso kacke finden wie ich?
"Welche bösen Männer???"
"Ach das spielen wir doch nur. Wir spielen hier öfters."
"Ich bin nicht von hier", meldet sich erstmals der andere Junge.
"Ja, und wir spielen das dann auch da zwischen den Autos (er deutet auf die Doppelparker im Innenhof), da sind auch böse Männer. Er ist mein Cousin (zeigt auf den Stilleren), was soll ich machen? Beaauummmm pftzöööö neeeooooowwwwwww!!!" rennt er wild mit den Beinen kickend in Richtung Mülltonnen, wo sicher die nächsten bösen Männer warten.
~ Justin Jay - You give me butterflies
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Als ich mit dem Fahrrad ganz samtsommernächtlich eingelullt um die Kurve in unsere Einfahrt biege, erschrecken mich hinter der Ecke zwei Jungs, um die 6 oder 7 Jahre alt. "Buhuuuuuuu" kreischen sie fröhlich. Fast falle ich vom Fahrrad vor Schreck, muss dann aber lachen.
"Du meine Güte, ihr habt Nerven, ihr zwei!"
"Wir spionieren hier!" entgegnet der Wortführer der beiden keck.
"Was spioniert ihr denn?"
"Die Party gegenüber". Gegenüber findet eine Eröffnungsparty statt für eine kulturelle Einrichtung, draußen stehen viele Grüppchen mit überwiegend jungen Leuten, die sich an ihrem Bier laben.
"Und was habt ihr rausgefunden?"
"So einiges. Mit den bösen Männern." Ob die zwei die Pseudo-Kulturheinis genauso kacke finden wie ich?
"Welche bösen Männer???"
"Ach das spielen wir doch nur. Wir spielen hier öfters."
"Ich bin nicht von hier", meldet sich erstmals der andere Junge.
"Ja, und wir spielen das dann auch da zwischen den Autos (er deutet auf die Doppelparker im Innenhof), da sind auch böse Männer. Er ist mein Cousin (zeigt auf den Stilleren), was soll ich machen? Beaauummmm pftzöööö neeeooooowwwwwww!!!" rennt er wild mit den Beinen kickend in Richtung Mülltonnen, wo sicher die nächsten bösen Männer warten.
~ Justin Jay - You give me butterflies
Sonntag, 12. Juli 2015
Age of Aquarius - eine Sommernacht.
okavanga, 04:30h
"Magst du nicht mal von meinem Radler trinken?"
Der Klavierengel schüttelt den Kopf: "Ne, hab mir grad nen Gin Tonic bestellt." Ernst kuckt er in sein Glas.
"Dir gehts aber gut, oder?"
"Joa, kann nicht klagen."
"Super klingt anders..."
"Ja, super wäre anders, aber ne, kann echt nicht klagen."
Ich denke an die Szene, die ich einige Minuten zuvor hinter mir beobachtet habe. Wie seine Freundin auf seinem Schoß liegt, quer, und er sie eng umschlungen hält, und frage mich, wo es denn genau hakt, für ein super. Jetzt stehen wir nah nebeneinander, den Blick Richtung Bühne. Auf einer Jubiläumsfeier des Vereins, für den wir beide mehr oder weniger aktiv sind. Eine wahnsinns Stimme steht auf der Bühne, begleitet von einer sanften Gitarre.
Wir necken uns ein bisschen, in Erinnerung an alte Zeiten. "Was glaubst du denn, wer ich bin??", fragt er empört, als ich provokativ in den Raum stelle, dass er ja dafür bezahlt werden möchte wenn wir uns sehen, in Anspielung auf unsere Klavierstunden. „Ich habe es in sehr guter Erinnerung“ nickt er bestimmt vor sich hin. Ich muss lachen. „Und in sehr lustiger“, fügt er hinzu. Ich lächel ihn von der Seite an. Ja, denke ich mir, ich auch. Und es fehlt mir. Diese unerträgliche Leichtigkeit und Naivität des Seins. Gepaart mit unverbindlicher Leidenschaft.
„Sag mal, fehlt dir das denn eigentlich manchmal? Also jetzt ganz losgelöst von mir.. so allgemein.. fehlt dir das nicht, dieses Umtriebige?“
Verunsichert weicht er meinem Blick aus „was genau meinst du denn damit?“
„Oh, ich glaube, du verstehst ganz gut, was ich damit meine.“
„Nein, ich bin mir gerade echt nicht sicher.“
„Doch, glaub mir, du weißt was ich meine. So jetzt… das Leben in einer Beziehung.. das ist ja völlig anders als vorher.“
„Du meinst, wenn man jemanden sieht und nett findet, und sich denkt: joa, den nehm ich heut gerne mit nach Hause?“
„Ja, zum Beispiel. Also wirklich losgelöst von meiner Person. Ich würde das vermutlich nie übers Herz bringen gegenüber dem Mann. Aber letztendlich… einfach diese Umtriebigkeit…“
Er schaut mir fest in die Augen, und ich sehe wie es in ihm arbeitet. Hinter ihm löst sich seine Freundin aus den Loungesesseln und nähert sich uns. Mein Blick verrät mich, und er dreht sich leicht zu ihr um. Sie greift nach seiner Hand, er nimmt sie und lässt sich von ihr in Richtung Ausgang und frischer Luft führen. Dabei dreht er sich zu mir um. „Also wenn dir das als Antwort reicht… ja.“ „Ja, das reicht mir als Antwort“, grinse ich, und spüre alte Vertrautheit. „Ja“, sagt er.. „dann ja.“
Als ich mich später von ihm verabschiede, hält er mich eine Sekunde länger im Arm als nötig. „Komm doch gerne mal vorbei, und dann sprechen wir mal darüber" flüstert er in mein Ohr. Diesmal ist es an mir keine Ahnung zu haben, ob ich das richtig verstehe. Doch meine Nerven kitzeln und ich spüre noch auf dem Nachhause-Spaziergang durch die warme Sommernacht seinen Atem an meinem Hals.
~ The Fifth Dimension - Aquarius (Let the sunshine in)
Der Klavierengel schüttelt den Kopf: "Ne, hab mir grad nen Gin Tonic bestellt." Ernst kuckt er in sein Glas.
"Dir gehts aber gut, oder?"
"Joa, kann nicht klagen."
"Super klingt anders..."
"Ja, super wäre anders, aber ne, kann echt nicht klagen."
Ich denke an die Szene, die ich einige Minuten zuvor hinter mir beobachtet habe. Wie seine Freundin auf seinem Schoß liegt, quer, und er sie eng umschlungen hält, und frage mich, wo es denn genau hakt, für ein super. Jetzt stehen wir nah nebeneinander, den Blick Richtung Bühne. Auf einer Jubiläumsfeier des Vereins, für den wir beide mehr oder weniger aktiv sind. Eine wahnsinns Stimme steht auf der Bühne, begleitet von einer sanften Gitarre.
Wir necken uns ein bisschen, in Erinnerung an alte Zeiten. "Was glaubst du denn, wer ich bin??", fragt er empört, als ich provokativ in den Raum stelle, dass er ja dafür bezahlt werden möchte wenn wir uns sehen, in Anspielung auf unsere Klavierstunden. „Ich habe es in sehr guter Erinnerung“ nickt er bestimmt vor sich hin. Ich muss lachen. „Und in sehr lustiger“, fügt er hinzu. Ich lächel ihn von der Seite an. Ja, denke ich mir, ich auch. Und es fehlt mir. Diese unerträgliche Leichtigkeit und Naivität des Seins. Gepaart mit unverbindlicher Leidenschaft.
„Sag mal, fehlt dir das denn eigentlich manchmal? Also jetzt ganz losgelöst von mir.. so allgemein.. fehlt dir das nicht, dieses Umtriebige?“
Verunsichert weicht er meinem Blick aus „was genau meinst du denn damit?“
„Oh, ich glaube, du verstehst ganz gut, was ich damit meine.“
„Nein, ich bin mir gerade echt nicht sicher.“
„Doch, glaub mir, du weißt was ich meine. So jetzt… das Leben in einer Beziehung.. das ist ja völlig anders als vorher.“
„Du meinst, wenn man jemanden sieht und nett findet, und sich denkt: joa, den nehm ich heut gerne mit nach Hause?“
„Ja, zum Beispiel. Also wirklich losgelöst von meiner Person. Ich würde das vermutlich nie übers Herz bringen gegenüber dem Mann. Aber letztendlich… einfach diese Umtriebigkeit…“
Er schaut mir fest in die Augen, und ich sehe wie es in ihm arbeitet. Hinter ihm löst sich seine Freundin aus den Loungesesseln und nähert sich uns. Mein Blick verrät mich, und er dreht sich leicht zu ihr um. Sie greift nach seiner Hand, er nimmt sie und lässt sich von ihr in Richtung Ausgang und frischer Luft führen. Dabei dreht er sich zu mir um. „Also wenn dir das als Antwort reicht… ja.“ „Ja, das reicht mir als Antwort“, grinse ich, und spüre alte Vertrautheit. „Ja“, sagt er.. „dann ja.“
Als ich mich später von ihm verabschiede, hält er mich eine Sekunde länger im Arm als nötig. „Komm doch gerne mal vorbei, und dann sprechen wir mal darüber" flüstert er in mein Ohr. Diesmal ist es an mir keine Ahnung zu haben, ob ich das richtig verstehe. Doch meine Nerven kitzeln und ich spüre noch auf dem Nachhause-Spaziergang durch die warme Sommernacht seinen Atem an meinem Hals.
~ The Fifth Dimension - Aquarius (Let the sunshine in)
Montag, 2. März 2015
okavanga, 22:56h
Freitag, 23. Januar 2015
Baden-Württembergische Abendgestaltung
okavanga, 23:42h
Mein heutiger Abend, in einem Brief an N., die ich mit einem Kosenamen anspreche, der mit B. beginnt. Neee, nich Baby! ;-)
Hallo B,
da mir gerade langweilig ist und ich OOOORDentlich einen im Tee habe, erzähle ich dir von meinem Abend. Einfach nur so, weil mir danach ist. Du musst nix antworten, und es erstrecht nicht ernst nehmen. :-)
Also das war so. Zuerst habe ich <meinen Vater> vollgeheult wegen meinen "der Mann"-Dämonen, die mir weißmachen dass es eine Totalkatastrophe ist, dass er nach München geht [AdR: von einer anderen bayerischen Stadt]. Und dass Veränderung im Allgemeinen scheiße ist. Außer ich verändere. Also wenn ich das kontrollieren kann. Und dass das aber ziemlich kacke von mir als Freundin ist, weil ich ihn da nicht einfach unterstützen oder mich für ihn freuen kann. Also noch ein Grund mehr mich schlecht und hässlich und dumm und minderwertig zu fühlen. Bin ich ja eh neben ihm, der 3 Jahre jünger ist und nur halb soviel Berufserfahrung hat, aber sicher 1000 Euro netto mehr verdient. Außerdem bin ich jetzt bald quasi unfruchtbar. Und furchtbar. Aber das ist eigentlich alles nebensächlich. Denn.
Denn dann machte ich mich bereit für eine Rotweinwanderung in der Pfalz mit LeSchwe und zwei ihrer Kackbratzenfreunde, die da heißen Scheich (der, der aus Prinzip nie eine Moschee betreten würde (witzig, dass der Scheich heisst) und heimlich – sicher heimlich, denn für öffentlich fehlen ihm die Eier – Pegida zujubelt, während er die Bildzeitung liest) und Steffi (sehr schlecht blondiert – ne nich ich – und brunsdumm, und dermaßen komplexbeladen, dass sie andere Leute herabsetzen muss um sich selbst in ihrer mickrigen Existenz besser zu fühlen. Ne echt nich ich. ;-))
Du ahnst das Problem. Eigentlich hatte ich keine Lust auf schlechte Gesellschaft. Dazu kommt, dass ich kurz davor ein Telefonat mit G. hatte, von der ich manchmal glaube, sie ist ein jüngeres Klon von mir was Problematik und Psyche angeht. Für sie wollte ich viel lieber da sein, wir telefonieren nicht so oft, und die hat schlimm geweint. Da stand ich aber schon vor LeSchwes Haus. Ich klingelte mehrfach, und weder antwortete jemand über die Sprechanlage, noch erklang der Buzzer für den Türöffner. Ich wurde sauer. Weil ich ja eh irgendwie auch schon grundsauer war, also eigentlich noch saurer. Irgendwann kamen die Leute nach unten: LeSchwe, Steffi, Scheich, und der Freund von Steffi, den ich noch nie gesehen habe. Ich sagte: Na hätte ja auch mal einer was sagen oder gar aufmachen können. Sagte die Steffi nach einigen Sekunden: „ich hoffe, es ist keiner schlecht gelaunt, wegen der Arbeit, weil heute ist Freitag, und so.“ Ich dachte mir: „Hä? Dummer Satz. Äh, ja, doch, ich bin schlecht gelaunt.“ LeSchwe sprach: „Naja, war schon besser.“ Ich sprach: „Ja, war schon besser“.
Wir fuhren los. Wohin, das wusste ich nicht, ich fragte. Es saßen da vier Leute hinter bzw. neben mir, die alle was zu sagen hatten. Einer meinte dann „links“, das kam mir spanisch vor, denn dahin fährt man nicht, wenn man von LeSchwe aus in die Pfalz will. Aber ich fragte: wirklich? Und keiner antwortete, aber gefühlt redeten alle irgendwas durcheinander, und dann kam es mir so vor als würden sie sich lustig machen, weil alle links sagten, ich aber rechts abgebogen bin. „ne ne, das andere links“. Haha. Ich fuhr also weiter, und die redeten durcheinander.
Nach 300 Metern bremste ich sehr sehr scharf und sagte: „Also so nicht. Es redet nur einer. Ich kann sonst nicht hören wo ich hinfahren will. Sonst geht das nicht.“ Irritiertes Schweigen. Scheich: „Ich schnall mich jetzt glaub ich erst mal an..“
Dann Steffi: „Also hast du was gesagt?“ Anscheinend zu ihrem rechten Sitznachbar, LeSchwe. LeSchwe: „Ne.“ Zu Scheich: „Hast du gerade was gesagt?“ Scheich: „Ne, ich auch nich.“ Nach dem Motto: die Alte hat doch Hallus, es hat doch keiner was gesagt. Dann belustigtes Lachen von Steffi-Blondi.
Ich: Vollbremsung. „So, es reicht. Alle aussteigen.“ Bin ausgestiegen, den Sitz nach vorne geklappt. Hinter mir hupt ein Auto, weil ich mitten auf der Straße stehe. Ich: „ja dann überhol doch“, mit großer Geste. Auto überholt. Im Auto nur entsetztes Schweigen, sie scheinen aber zu begreifen, dass ich es ernst meine. Ich: „Los, raus. Darauf hab ich heut echt keinen Bock. Verarschen kann ich mich selber.“
Alle steigen aus. Es ist still. Ich steige ein. Und fahre davon. Und freue mich.
Ja, ich freue mich, bis jetzt. Das Ganze ist über drei Stunden her, und ich empfinde keine Reue, sondern nur reine Freude. Weil: ich hatte wirklich keine Lust solche Kackbratzen übers Land zu kutschieren, die sich über mich lustig machen. Ja, die Art und Weise hätte diplomatischer und höflicher sein können, war sie aber nicht. Immerhin war ich sehr ruhig. Ruhig, aber SEHR SEHR bestimmt. Freude, weil: sowas kann die doofe Kuh mit ihren Kollegen machen, die ist gewohnt dass Leute sich untergeben und sie sich lustig machen kann. Heute bei mir leider ganz falscher Fuß.
Freude, weil: ich jetzt zwei Stunden mit G. telefoniert habe, und wir zwar viel geweint, aber auch sehr viel gelacht haben, und es ein tolles Gefühl war Zeit mit jemandem zu verbringen, der mir wirklich wichtig ist, und wenn es nur am Telefon war, weil der Mensch inzwischen in N. in Bayern wohnt.
Für mich selbst nehme ich mit: das nächste mal gleich meine Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, und nicht mit Kackbratzen Zeit verbringen. Ich wollte es vor allem wegen LeSchwe, wir sehen uns sehr selten zur Zeit, da sie unter der Woche in Friedberg (noch hinter FFM) ist, und ich jedes zweite WE den Mann sehe. Aber es hat nicht gereicht. Ihr habe ich vorhin eine ganz nette SMS geschrieben, ich weiß nicht ob sie es versteht, aber ich fühle mich tatsächlich nicht schlecht. Sollte ich das nächste mal wieder mich selbst überlisten wollen, um entweder nicht asozial zu werden (ich dachte, es tut mir gut wenn ich mal mit anderen Leuten raus komme) oder dem Mann etwas zu erzählen zu haben („Oka, du MUSST ein spannendes Leben haben. Du MUSST dem Mann etwas erzählen können nach dem WE, du kannst nicht nur sagen: „du, die depressive G. und mein depressives Ich haben uns am Telefon betrunken und unser Leid geklagt, uns dabei aber auch echt bepisst vor Lachen! Es war großartig!“), dann appelliere ich an dieser Stelle an mein Erwachsenen-Ich, das nächste mal ein bisschen souveräner und schneller durchzugreifen und sich mit einem: “Sorry Leute, ich merk gerade, mir geht’s nicht gut, ich glaub, ihr fahrt lieber mit LeSchwe“ zu verabschieden.
[... Text der jetzt echt nicht hier her gehört, weil er sie, ihr Kind und ihren Mann betrifft ...]
Viele Küsse, ich freue mich wenn wir uns hören.
Deine Oka
Hallo B,
da mir gerade langweilig ist und ich OOOORDentlich einen im Tee habe, erzähle ich dir von meinem Abend. Einfach nur so, weil mir danach ist. Du musst nix antworten, und es erstrecht nicht ernst nehmen. :-)
Also das war so. Zuerst habe ich <meinen Vater> vollgeheult wegen meinen "der Mann"-Dämonen, die mir weißmachen dass es eine Totalkatastrophe ist, dass er nach München geht [AdR: von einer anderen bayerischen Stadt]. Und dass Veränderung im Allgemeinen scheiße ist. Außer ich verändere. Also wenn ich das kontrollieren kann. Und dass das aber ziemlich kacke von mir als Freundin ist, weil ich ihn da nicht einfach unterstützen oder mich für ihn freuen kann. Also noch ein Grund mehr mich schlecht und hässlich und dumm und minderwertig zu fühlen. Bin ich ja eh neben ihm, der 3 Jahre jünger ist und nur halb soviel Berufserfahrung hat, aber sicher 1000 Euro netto mehr verdient. Außerdem bin ich jetzt bald quasi unfruchtbar. Und furchtbar. Aber das ist eigentlich alles nebensächlich. Denn.
Denn dann machte ich mich bereit für eine Rotweinwanderung in der Pfalz mit LeSchwe und zwei ihrer Kackbratzenfreunde, die da heißen Scheich (der, der aus Prinzip nie eine Moschee betreten würde (witzig, dass der Scheich heisst) und heimlich – sicher heimlich, denn für öffentlich fehlen ihm die Eier – Pegida zujubelt, während er die Bildzeitung liest) und Steffi (sehr schlecht blondiert – ne nich ich – und brunsdumm, und dermaßen komplexbeladen, dass sie andere Leute herabsetzen muss um sich selbst in ihrer mickrigen Existenz besser zu fühlen. Ne echt nich ich. ;-))
Du ahnst das Problem. Eigentlich hatte ich keine Lust auf schlechte Gesellschaft. Dazu kommt, dass ich kurz davor ein Telefonat mit G. hatte, von der ich manchmal glaube, sie ist ein jüngeres Klon von mir was Problematik und Psyche angeht. Für sie wollte ich viel lieber da sein, wir telefonieren nicht so oft, und die hat schlimm geweint. Da stand ich aber schon vor LeSchwes Haus. Ich klingelte mehrfach, und weder antwortete jemand über die Sprechanlage, noch erklang der Buzzer für den Türöffner. Ich wurde sauer. Weil ich ja eh irgendwie auch schon grundsauer war, also eigentlich noch saurer. Irgendwann kamen die Leute nach unten: LeSchwe, Steffi, Scheich, und der Freund von Steffi, den ich noch nie gesehen habe. Ich sagte: Na hätte ja auch mal einer was sagen oder gar aufmachen können. Sagte die Steffi nach einigen Sekunden: „ich hoffe, es ist keiner schlecht gelaunt, wegen der Arbeit, weil heute ist Freitag, und so.“ Ich dachte mir: „Hä? Dummer Satz. Äh, ja, doch, ich bin schlecht gelaunt.“ LeSchwe sprach: „Naja, war schon besser.“ Ich sprach: „Ja, war schon besser“.
Wir fuhren los. Wohin, das wusste ich nicht, ich fragte. Es saßen da vier Leute hinter bzw. neben mir, die alle was zu sagen hatten. Einer meinte dann „links“, das kam mir spanisch vor, denn dahin fährt man nicht, wenn man von LeSchwe aus in die Pfalz will. Aber ich fragte: wirklich? Und keiner antwortete, aber gefühlt redeten alle irgendwas durcheinander, und dann kam es mir so vor als würden sie sich lustig machen, weil alle links sagten, ich aber rechts abgebogen bin. „ne ne, das andere links“. Haha. Ich fuhr also weiter, und die redeten durcheinander.
Nach 300 Metern bremste ich sehr sehr scharf und sagte: „Also so nicht. Es redet nur einer. Ich kann sonst nicht hören wo ich hinfahren will. Sonst geht das nicht.“ Irritiertes Schweigen. Scheich: „Ich schnall mich jetzt glaub ich erst mal an..“
Dann Steffi: „Also hast du was gesagt?“ Anscheinend zu ihrem rechten Sitznachbar, LeSchwe. LeSchwe: „Ne.“ Zu Scheich: „Hast du gerade was gesagt?“ Scheich: „Ne, ich auch nich.“ Nach dem Motto: die Alte hat doch Hallus, es hat doch keiner was gesagt. Dann belustigtes Lachen von Steffi-Blondi.
Ich: Vollbremsung. „So, es reicht. Alle aussteigen.“ Bin ausgestiegen, den Sitz nach vorne geklappt. Hinter mir hupt ein Auto, weil ich mitten auf der Straße stehe. Ich: „ja dann überhol doch“, mit großer Geste. Auto überholt. Im Auto nur entsetztes Schweigen, sie scheinen aber zu begreifen, dass ich es ernst meine. Ich: „Los, raus. Darauf hab ich heut echt keinen Bock. Verarschen kann ich mich selber.“
Alle steigen aus. Es ist still. Ich steige ein. Und fahre davon. Und freue mich.
Ja, ich freue mich, bis jetzt. Das Ganze ist über drei Stunden her, und ich empfinde keine Reue, sondern nur reine Freude. Weil: ich hatte wirklich keine Lust solche Kackbratzen übers Land zu kutschieren, die sich über mich lustig machen. Ja, die Art und Weise hätte diplomatischer und höflicher sein können, war sie aber nicht. Immerhin war ich sehr ruhig. Ruhig, aber SEHR SEHR bestimmt. Freude, weil: sowas kann die doofe Kuh mit ihren Kollegen machen, die ist gewohnt dass Leute sich untergeben und sie sich lustig machen kann. Heute bei mir leider ganz falscher Fuß.
Freude, weil: ich jetzt zwei Stunden mit G. telefoniert habe, und wir zwar viel geweint, aber auch sehr viel gelacht haben, und es ein tolles Gefühl war Zeit mit jemandem zu verbringen, der mir wirklich wichtig ist, und wenn es nur am Telefon war, weil der Mensch inzwischen in N. in Bayern wohnt.
Für mich selbst nehme ich mit: das nächste mal gleich meine Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, und nicht mit Kackbratzen Zeit verbringen. Ich wollte es vor allem wegen LeSchwe, wir sehen uns sehr selten zur Zeit, da sie unter der Woche in Friedberg (noch hinter FFM) ist, und ich jedes zweite WE den Mann sehe. Aber es hat nicht gereicht. Ihr habe ich vorhin eine ganz nette SMS geschrieben, ich weiß nicht ob sie es versteht, aber ich fühle mich tatsächlich nicht schlecht. Sollte ich das nächste mal wieder mich selbst überlisten wollen, um entweder nicht asozial zu werden (ich dachte, es tut mir gut wenn ich mal mit anderen Leuten raus komme) oder dem Mann etwas zu erzählen zu haben („Oka, du MUSST ein spannendes Leben haben. Du MUSST dem Mann etwas erzählen können nach dem WE, du kannst nicht nur sagen: „du, die depressive G. und mein depressives Ich haben uns am Telefon betrunken und unser Leid geklagt, uns dabei aber auch echt bepisst vor Lachen! Es war großartig!“), dann appelliere ich an dieser Stelle an mein Erwachsenen-Ich, das nächste mal ein bisschen souveräner und schneller durchzugreifen und sich mit einem: “Sorry Leute, ich merk gerade, mir geht’s nicht gut, ich glaub, ihr fahrt lieber mit LeSchwe“ zu verabschieden.
[... Text der jetzt echt nicht hier her gehört, weil er sie, ihr Kind und ihren Mann betrifft ...]
Viele Küsse, ich freue mich wenn wir uns hören.
Deine Oka
Donnerstag, 5. Juni 2014
Oooo---keeeeee?!?
okavanga, 00:46h
Es ist zwar etwas bitter, aber ich schaffe es nicht so recht mich daran zu erinnern, wann ich denn den kleinen Ben das letzte mal getroffen habe. Tatsächlich glaube ich, es war letztes Jahr Ende Juni, er ist für mich ja sowas wie... ja. Wie ein Lückenbüßer, im wahrsten Sinne des Wortes. Oder vielmehr ... in der Not stopft ... naja egal. Jedenfalls meine ich, dass wir uns seitdem nicht mehr getroffen hätten. Was nicht bedeutet, dass der junge Mann sich nicht meldet, oh nein.
Aber meist umschiffe ich Treffen, mehrere Monate waren dabei, in denen ich ihm erklärte: du, (immer noch) keinen Bock, ich hab Lust mich mal wieder zu verlieben, ich kann dem reinen Geficke nix mehr abgewinnen. War total ok für ihn. Größter Pluspunkt: es ist extrem unkompliziert. Auch deswegen, weil wir nichts miteinander reden. Also ich rede durchaus (er kann nur in SMS tippen - vielleicht sollten wir uns immer schreiben, wenn wir uns sehen), und versuche ihm wenigstens Geräusche abzutrotzen, denn sonst würden wir uns - abgesehen während des Sex - nur anschweigen. Manchmal kommt ein "Hm". Oder ein "Ja". Oder ein "Ne." Oder ein: "Och Babe!" Das sind die guten Tage.
Kennengelernt haben wir uns im Sommer 2012 am Hafen, bei Kar*ott*e. Unsere Begegnungen seither kann ich an einer Hand abzählen. Was unter anderem auch daran liegt, dass er eben ist wie er ist. Also wirklich, wir haben uns nix zu erzählen, können nicht gemeinsam lachen - ich weiß im Grunde gar nicht wer er ist, denn er zeigt sich nicht. ODER: da ist einfach nicht mehr.
Mit dem Frühling stieg also nun sein Hormonspiegel und somit wieder seine Hartnäckigkeit. Auf Big Ben ist Verlass. Haha! Ja. Naja. Der Frühling geht an mir ja auch nicht ganz spurlos vorbei, und so lasse ich mich Anfang Mai erweichen. Etwas geschockt bin ich ob seiner SMS, was ich denn von Hilfsmitteln beim Sex halten würde. Erst freue ich mich und denke: hmmm, niiiiiice! Doch dann schiebt er nach: Vi*ag*ra oder so. Öh. Der Hüpfer ist 6 Jahre jünger als ich. Also von seinem Vorschlag halte ich gar nichts, und das teile ich ihm auch sehr deutlich so mit.
Er erklärt mir seine Gedanken, und zum ersten mal wird mir bewusst, dass im kleinen Ben mit Sicherheit mehr passiert als nach außen dringt, und dass er hochgradig verunsichert oder auch leicht komplexig ist. Auch er hat nicht vergessen wir schnell der Spaß beim letzten mal vorbei war. Mit Engelszungen erkläre ich ihm, dass wegen SOWAS echt keine Pillen notwendig sind, und wenns nochmal so schnell geht, na dann gibt’s eben ne zweite Runde.
Unserem Treffen geht dann leider eine mich sehr enttäuschende Situation voraus, die zwar nichts mit Ben zu tun hat, letztendlich aber dazu führt, dass ich mir in seiner Anwesenheit erst einmal eine Flasche Crémant einverleibe und mich dann an meine chemischen Kühlschrankreserven mache. Derweil sehen wir <fügen Sie hier bitte dubiose Männerfilme ein, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe>. Ich frage ihn, ob ihm bei der Auswahl bewusst gewesen wäre, dass er gleich zu einer Frau fährt? „Jo“. Ich bin fast belustigt.
Es passiert, was zu erwarten war, und all das spielt an dieser Stelle nun keine Rolle, und immerhin gibt es eine zweite Runde, und am nächsten Tag geht es mir hundeelend (big surprise…) und ich bin sehr froh dass Ben noch bei Mama wohnt und zum Mittagessen nach Hause muss. Chrchrchr!
Soweit, so gut. Doch seitdem übersteigt Bens Hartnäckigkeit alles bisher dagewesene. Und zwar echt dermaßen super angesext, dass es mir zuviel ist und ich wirklich oft über seine SMS lachen muss, weil ich mir denke: das kann der doch jetzt nicht echt meinen? G. fragt mich, was mein Geheimnis sei. „Was machst du denn mit dem??? Der ist total süchtig nach dir“, und fragt wiederholt, ob meine Muschi denn wirklich nicht aus Gold sei.
An dieser Stelle muss ich leider nicht nur G. enttäuschen, sondern auch Sie: kein Gold, kein Geheimnis, keine wilden Praktiken. Absolut nichts. Einfach nur „Reittherapie“. Ich stehe selbst vor einem Rätsel, überlege aber wie ich dieses mir nicht wirklich bewusste Talent gewinnbringend einsetzen kann OHNE meinen Körper zu verkaufen. Wenn Sie eine Idee haben, lassen Sie es mich wissen.
Bis dahin wäre das alles noch absolut weitgehend typisch für Ben. Bis heute. Er meldet sich per SMS.
„Was machste am Wochenende?“
„Fahre zu Freunden nach Berlin, habe ein Patenkind bekommen.“
„Oha geil ich will auch nach Berlin :-(“
„Na du willst aber bestimmt ne wilde Sause in Berlin machen, du Hallodri.“
„Naja kommt ja immer drauf an mit wem man dort ist ;-) Hätt ich ne Partnerin wär ich ständig in irgendwelchen Städten aber mit meinen Kumpels ist es leider einfach net möglich :-(“
Erste Irritation meinerseits. Er mag Städtetrips? Hätte ihn am Ballerman verortet. Aber vielleicht meint er ja auch Jesolo, oder so.
„Wasn los mit denen, ist doch toll mal rauszukommen?“
„Alles Pfeiffen mit denen kann man nix planen und soviel mit denen ich sowas machen würd hab ich auch net bzw. sind die halt vergeben ;-) Und jetzt nimmste mich mit oder wollen wir mal sowas zusammen machen?“
Der Kollege im Büro schaut mich schräg an, weil ich laut lache. Wie, wir - sowas – zusammen machen?! Ich merke gerade, es fällt mir schwer den O-Ton seiner SMS zu tippen. Ich ertappe mich dabei wie ich Rechtschreibung und Grammatik korrigiere, aber ich gebe mir Mühe einen Teil im Original zu erhalten.
„Neeeee da kann ich dich auf keinen Fall mitnehmen. Und wir zwei nen Städtetrip???“
„Ja vielleicht. Warum nicht?“
Ich bin kurz vor der Schockstarre:
„Naja mal ganz ernsthaft: was machen wir denn da?“
„Was man halt in so ner Stadt macht, Sachen anschauen, vll mal feiern gehen. Wir schlafen in einem Bett und so wie ich uns kenne haben wir auch Sex. Ich hab doch auch kA wenn du kein Bock hast auf sowas sags doch war ne ganz easy Frage ;-)“
Ich bin ein bisschen beruhigt, frage mich aber immer noch, ob er das denn sein Ernst sein kann, und ob er denn auch bei unseren bisherigen Treffen dabei war und mitbekommen hat, wie still es ohne mich wäre?!? Immer noch wabert ein bisschen Fassungslosigkeit durch meinen Geist angesichts dieser unterschiedlichen Sichtweisen.
Ich beschließe erst einmal Spargel und Kartoffeln zu kochen. Das Handy plingt erneut.
„Ich weiß auch net, ich will dich jetzt auch net verunsichern aber ich denk in letzter Zeit schon öfter ma über uns nach.“
Meine Katze hat eine sehr sympathische Eigenart. Wenn sie in ihrem Versteck sitzt und jemand den sie nicht gut kennt ist bei mir zu Besuch und will sie an den Pfoten streicheln, dann zieht sie ihre Pfote und auf eine sehr mysteriöse Art und Weise irgendwie auch gleichzeitig ihren ganzen Körper in seeeeehr langsamen Zeitlupen Moon-Walk weg von dieser Person, während sie sie völlig pikiert mit RIESIGEN Mondaugen anstarrt nach dem Motto: so lange ich dir in die Augen starre merkst du nicht wie ich mich gaaaaaaaanz langsam von dir entferne, HARHARHAR du widerliches Menschenwesen!
Ich bin die Katze. Die SMS ist das Menschenwesen. Ich höre mich zu mir selbst sehr langsam sagen: „Oooo---keeeeee?!?“ Ich kucke entsetzt (aber langsam, eh klar). Erst nach links oben. Dann nach rechts oben. Dann starre ich in mich hinein. In Zeitlupe lege ich das Handy zurück auf den Wohnzimmertisch und bewege mich laaangsaaaaam seeiiiiitwääääääärts in die Küche. Dort angekommen traue ich mich zu blinzeln. Gaaaaanz langsam fange ich an den Spargel zu schälen. Aber bloss nicht die Deckung aufgeben.
Nach dem Essen schreibe ich: „Über uns… beim Sex? :-D“
Ich werde jetzt ins Bett gehen. Mit einer Antwort rechne ich heute nicht mehr.
---
Mai-Musik - ohne großen Bezug zu Ben, aber dafür zu den anderen Dingen, die da waren.
~ &Me - Locust
~ Red Axes - Too late to samba
Aber meist umschiffe ich Treffen, mehrere Monate waren dabei, in denen ich ihm erklärte: du, (immer noch) keinen Bock, ich hab Lust mich mal wieder zu verlieben, ich kann dem reinen Geficke nix mehr abgewinnen. War total ok für ihn. Größter Pluspunkt: es ist extrem unkompliziert. Auch deswegen, weil wir nichts miteinander reden. Also ich rede durchaus (er kann nur in SMS tippen - vielleicht sollten wir uns immer schreiben, wenn wir uns sehen), und versuche ihm wenigstens Geräusche abzutrotzen, denn sonst würden wir uns - abgesehen während des Sex - nur anschweigen. Manchmal kommt ein "Hm". Oder ein "Ja". Oder ein "Ne." Oder ein: "Och Babe!" Das sind die guten Tage.
Kennengelernt haben wir uns im Sommer 2012 am Hafen, bei Kar*ott*e. Unsere Begegnungen seither kann ich an einer Hand abzählen. Was unter anderem auch daran liegt, dass er eben ist wie er ist. Also wirklich, wir haben uns nix zu erzählen, können nicht gemeinsam lachen - ich weiß im Grunde gar nicht wer er ist, denn er zeigt sich nicht. ODER: da ist einfach nicht mehr.
Mit dem Frühling stieg also nun sein Hormonspiegel und somit wieder seine Hartnäckigkeit. Auf Big Ben ist Verlass. Haha! Ja. Naja. Der Frühling geht an mir ja auch nicht ganz spurlos vorbei, und so lasse ich mich Anfang Mai erweichen. Etwas geschockt bin ich ob seiner SMS, was ich denn von Hilfsmitteln beim Sex halten würde. Erst freue ich mich und denke: hmmm, niiiiiice! Doch dann schiebt er nach: Vi*ag*ra oder so. Öh. Der Hüpfer ist 6 Jahre jünger als ich. Also von seinem Vorschlag halte ich gar nichts, und das teile ich ihm auch sehr deutlich so mit.
Er erklärt mir seine Gedanken, und zum ersten mal wird mir bewusst, dass im kleinen Ben mit Sicherheit mehr passiert als nach außen dringt, und dass er hochgradig verunsichert oder auch leicht komplexig ist. Auch er hat nicht vergessen wir schnell der Spaß beim letzten mal vorbei war. Mit Engelszungen erkläre ich ihm, dass wegen SOWAS echt keine Pillen notwendig sind, und wenns nochmal so schnell geht, na dann gibt’s eben ne zweite Runde.
Unserem Treffen geht dann leider eine mich sehr enttäuschende Situation voraus, die zwar nichts mit Ben zu tun hat, letztendlich aber dazu führt, dass ich mir in seiner Anwesenheit erst einmal eine Flasche Crémant einverleibe und mich dann an meine chemischen Kühlschrankreserven mache. Derweil sehen wir <fügen Sie hier bitte dubiose Männerfilme ein, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe>. Ich frage ihn, ob ihm bei der Auswahl bewusst gewesen wäre, dass er gleich zu einer Frau fährt? „Jo“. Ich bin fast belustigt.
Es passiert, was zu erwarten war, und all das spielt an dieser Stelle nun keine Rolle, und immerhin gibt es eine zweite Runde, und am nächsten Tag geht es mir hundeelend (big surprise…) und ich bin sehr froh dass Ben noch bei Mama wohnt und zum Mittagessen nach Hause muss. Chrchrchr!
Soweit, so gut. Doch seitdem übersteigt Bens Hartnäckigkeit alles bisher dagewesene. Und zwar echt dermaßen super angesext, dass es mir zuviel ist und ich wirklich oft über seine SMS lachen muss, weil ich mir denke: das kann der doch jetzt nicht echt meinen? G. fragt mich, was mein Geheimnis sei. „Was machst du denn mit dem??? Der ist total süchtig nach dir“, und fragt wiederholt, ob meine Muschi denn wirklich nicht aus Gold sei.
An dieser Stelle muss ich leider nicht nur G. enttäuschen, sondern auch Sie: kein Gold, kein Geheimnis, keine wilden Praktiken. Absolut nichts. Einfach nur „Reittherapie“. Ich stehe selbst vor einem Rätsel, überlege aber wie ich dieses mir nicht wirklich bewusste Talent gewinnbringend einsetzen kann OHNE meinen Körper zu verkaufen. Wenn Sie eine Idee haben, lassen Sie es mich wissen.
Bis dahin wäre das alles noch absolut weitgehend typisch für Ben. Bis heute. Er meldet sich per SMS.
„Was machste am Wochenende?“
„Fahre zu Freunden nach Berlin, habe ein Patenkind bekommen.“
„Oha geil ich will auch nach Berlin :-(“
„Na du willst aber bestimmt ne wilde Sause in Berlin machen, du Hallodri.“
„Naja kommt ja immer drauf an mit wem man dort ist ;-) Hätt ich ne Partnerin wär ich ständig in irgendwelchen Städten aber mit meinen Kumpels ist es leider einfach net möglich :-(“
Erste Irritation meinerseits. Er mag Städtetrips? Hätte ihn am Ballerman verortet. Aber vielleicht meint er ja auch Jesolo, oder so.
„Wasn los mit denen, ist doch toll mal rauszukommen?“
„Alles Pfeiffen mit denen kann man nix planen und soviel mit denen ich sowas machen würd hab ich auch net bzw. sind die halt vergeben ;-) Und jetzt nimmste mich mit oder wollen wir mal sowas zusammen machen?“
Der Kollege im Büro schaut mich schräg an, weil ich laut lache. Wie, wir - sowas – zusammen machen?! Ich merke gerade, es fällt mir schwer den O-Ton seiner SMS zu tippen. Ich ertappe mich dabei wie ich Rechtschreibung und Grammatik korrigiere, aber ich gebe mir Mühe einen Teil im Original zu erhalten.
„Neeeee da kann ich dich auf keinen Fall mitnehmen. Und wir zwei nen Städtetrip???“
„Ja vielleicht. Warum nicht?“
Ich bin kurz vor der Schockstarre:
„Naja mal ganz ernsthaft: was machen wir denn da?“
„Was man halt in so ner Stadt macht, Sachen anschauen, vll mal feiern gehen. Wir schlafen in einem Bett und so wie ich uns kenne haben wir auch Sex. Ich hab doch auch kA wenn du kein Bock hast auf sowas sags doch war ne ganz easy Frage ;-)“
Ich bin ein bisschen beruhigt, frage mich aber immer noch, ob er das denn sein Ernst sein kann, und ob er denn auch bei unseren bisherigen Treffen dabei war und mitbekommen hat, wie still es ohne mich wäre?!? Immer noch wabert ein bisschen Fassungslosigkeit durch meinen Geist angesichts dieser unterschiedlichen Sichtweisen.
Ich beschließe erst einmal Spargel und Kartoffeln zu kochen. Das Handy plingt erneut.
„Ich weiß auch net, ich will dich jetzt auch net verunsichern aber ich denk in letzter Zeit schon öfter ma über uns nach.“
Meine Katze hat eine sehr sympathische Eigenart. Wenn sie in ihrem Versteck sitzt und jemand den sie nicht gut kennt ist bei mir zu Besuch und will sie an den Pfoten streicheln, dann zieht sie ihre Pfote und auf eine sehr mysteriöse Art und Weise irgendwie auch gleichzeitig ihren ganzen Körper in seeeeehr langsamen Zeitlupen Moon-Walk weg von dieser Person, während sie sie völlig pikiert mit RIESIGEN Mondaugen anstarrt nach dem Motto: so lange ich dir in die Augen starre merkst du nicht wie ich mich gaaaaaaaanz langsam von dir entferne, HARHARHAR du widerliches Menschenwesen!
Ich bin die Katze. Die SMS ist das Menschenwesen. Ich höre mich zu mir selbst sehr langsam sagen: „Oooo---keeeeee?!?“ Ich kucke entsetzt (aber langsam, eh klar). Erst nach links oben. Dann nach rechts oben. Dann starre ich in mich hinein. In Zeitlupe lege ich das Handy zurück auf den Wohnzimmertisch und bewege mich laaangsaaaaam seeiiiiitwääääääärts in die Küche. Dort angekommen traue ich mich zu blinzeln. Gaaaaanz langsam fange ich an den Spargel zu schälen. Aber bloss nicht die Deckung aufgeben.
Nach dem Essen schreibe ich: „Über uns… beim Sex? :-D“
Ich werde jetzt ins Bett gehen. Mit einer Antwort rechne ich heute nicht mehr.
---
Mai-Musik - ohne großen Bezug zu Ben, aber dafür zu den anderen Dingen, die da waren.
~ &Me - Locust
~ Red Axes - Too late to samba
Freitag, 25. April 2014
Gerücht.
okavanga, 01:15h
Es war ein komischer Tag. Morgens werde ich von einem Kollegen dermaßen überrumpelt (und ich kann doch so scheiße lügen, und morgens noch schlechter), dass ich ihm gegenüber gestehe, dass mich Weggehgedanken umtreiben. Das ärgert mich, aber schaden tut es letztendlich wohl auch nichts.
Tagsüber verbringe ich ausnahmsweise viel Zeit im Chat mit G., die ja inzwischen leider gekündigt hat und die Firma bald verlässt. Tatsächlich verbringe ich wenig Arbeitszeit mit außerberuflichen Tätigkeiten, aber es war sehr ruhig heute und das Thema war spannend. Sie macht seit Januar eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin, und ich löcher sie mit Fragen, und so entspinnt sich heute eine tolle Diskussion. Mit all ihren Antworten werfen sich mir nur immer neue Fragen auf und mein Interesse wächst von Stunde zu Stunde.
Mittags gehen wir essen bei einem tollen kleinen Italiener der Pasta selber macht. Mein absoluter Favorit sind die Trüffel-Ravioli. Nach dem Essen auf dem Weg zurück zum Büro haut mich der Kollege, dem mir morgens gegenüber die Gedanken rausgerutscht sind, an.
"Weißt du eigentlich das vom kleinen Professor?" Sketpisch schau ich ihn schief von der Seite an. "Neeeee....? Was genau is jetzt schon wieder?" Der kP genießt ja bei allen Kollegen einen gewissen Ruf, vor allem auch bei denen, die er nach seinem Wechsel in der neuen Firma eingekauft hat.
"Naja.." der Kollege druckst komisch rum. "Naja dass der... naja... " er macht so eine wedelnde Handbewegung..".. "Ja was denn?" "Naja weg ist da bei <sein neuer jetzt alter Arbeitgeber>. "Hm ne hab ich noch nicht gehört. Ist er gegangen oder gegangen worden?" Diese Frage verwundert nun niemanden, der einen Hauch Ahnung vom kP hat. "Also es war wohl so. Über Weihnachten soll er einige Wochen in Thailand gewesen sein. Tja. Und danach kam er einfach nie wieder zurück."
"Wie - nie wieder zurück??" Mein lustiges Gedankenkino fragt sich, ob er in Asien wohl auf F. gestoßen ist und die beiden sich in andere Dimensionen katapultiert haben, F. aber so vernünftig war sich wieder der Realität zu stellen und von mir am Flughafen abholen zu lassen (die Geschichte, die ich letztendlich hier nicht zuende erzählt habe). Ein anderer Teil Gedankenkino hat plötzlich Angst um den kP.
"Er ist einfach nie wieder an seinem Arbeitsplatz aufgekreuzt." Ich bin sprachlos. "M.", frage ich leicht atemlos, "er lebt aber, oder?" "Ja, wohl schon. Genaueres weiß ich auch nicht, da musst du mal den G. fragen, vielleicht kennt der Details. Aber irgendwie müssen sie wohl erfahren haben, dass er wohl doch irgendwann zurück in Deutschland war, aber weiterhin nicht aufgetaucht ist. Da hat man ihm gekündigt."
"Irgendwie wundert es mich gar nicht, und irgendwie wundert es mich sehr. Irgendwie bringt er mich zum lachen, und dann auch wieder gar nicht." "Ja", sagt der Kollege, "es ist eigentlich sautraurig." "Wielang ist das denn her? Er hat doch erst neulich nach mir gefragt?" "Oka das ist echt schon ne Ecke her. Aber es muss kurz danach gewesen sein. Die Kündigung vielleicht vor zwei Monaten?"
Zurück im Büro lässt mir das Thema keine Ruhe. Vielleicht bin ich da komisch, jedenfalls verstehen es anscheinend nicht viele. Dieser Mensch war mir einmal sehr wichtig, ob ich will oder nicht. Sein Schicksal lässt mich nicht kalt und ich will wissen ob es ihm gut geht, aber bitte ohne Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ich tippe seinen Namen in die Suchmaschine. Der erste Treffer ist dieses Business Netzwerk. Kurios. Als Arbeitgeber ist weiterhin die Firma eingegeben, die ihn wohl gekündigt hat. Ich suche weiter und finde ihn ohne weiteres auf diversen gängigen Musik-Seiten. Die letzten Aktivitäten scheinen zwei bis drei Wochen her zu sein.
Ich bin etwas beruhigt, und gleichzeitig sauer. So ein Schicker. Mir ist wirklich der Schreck in die Glieder gefahren. Das heißt alles immer noch nicht, dass es ihm gut geht, gut ging es ihm ja eigentlich eh nie, nichtmal wenn er dicht war, egal wie sehr er das behauptet hat. Und ich habe immer noch keine Ahnung, was da eigentlich passiert ist. Auch wenn es mich nichts mehr angeht, ich sterbe vor Neugierde. Warum tut er so etwas?
Letztendlicht ist er vielleicht wie eine Katze. Fällt immer auf die Füße. Ich hoffe es für ihn. Ich würd ihn nicht einstellen.
Tagsüber verbringe ich ausnahmsweise viel Zeit im Chat mit G., die ja inzwischen leider gekündigt hat und die Firma bald verlässt. Tatsächlich verbringe ich wenig Arbeitszeit mit außerberuflichen Tätigkeiten, aber es war sehr ruhig heute und das Thema war spannend. Sie macht seit Januar eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin, und ich löcher sie mit Fragen, und so entspinnt sich heute eine tolle Diskussion. Mit all ihren Antworten werfen sich mir nur immer neue Fragen auf und mein Interesse wächst von Stunde zu Stunde.
Mittags gehen wir essen bei einem tollen kleinen Italiener der Pasta selber macht. Mein absoluter Favorit sind die Trüffel-Ravioli. Nach dem Essen auf dem Weg zurück zum Büro haut mich der Kollege, dem mir morgens gegenüber die Gedanken rausgerutscht sind, an.
"Weißt du eigentlich das vom kleinen Professor?" Sketpisch schau ich ihn schief von der Seite an. "Neeeee....? Was genau is jetzt schon wieder?" Der kP genießt ja bei allen Kollegen einen gewissen Ruf, vor allem auch bei denen, die er nach seinem Wechsel in der neuen Firma eingekauft hat.
"Naja.." der Kollege druckst komisch rum. "Naja dass der... naja... " er macht so eine wedelnde Handbewegung..".. "Ja was denn?" "Naja weg ist da bei <sein neuer jetzt alter Arbeitgeber>. "Hm ne hab ich noch nicht gehört. Ist er gegangen oder gegangen worden?" Diese Frage verwundert nun niemanden, der einen Hauch Ahnung vom kP hat. "Also es war wohl so. Über Weihnachten soll er einige Wochen in Thailand gewesen sein. Tja. Und danach kam er einfach nie wieder zurück."
"Wie - nie wieder zurück??" Mein lustiges Gedankenkino fragt sich, ob er in Asien wohl auf F. gestoßen ist und die beiden sich in andere Dimensionen katapultiert haben, F. aber so vernünftig war sich wieder der Realität zu stellen und von mir am Flughafen abholen zu lassen (die Geschichte, die ich letztendlich hier nicht zuende erzählt habe). Ein anderer Teil Gedankenkino hat plötzlich Angst um den kP.
"Er ist einfach nie wieder an seinem Arbeitsplatz aufgekreuzt." Ich bin sprachlos. "M.", frage ich leicht atemlos, "er lebt aber, oder?" "Ja, wohl schon. Genaueres weiß ich auch nicht, da musst du mal den G. fragen, vielleicht kennt der Details. Aber irgendwie müssen sie wohl erfahren haben, dass er wohl doch irgendwann zurück in Deutschland war, aber weiterhin nicht aufgetaucht ist. Da hat man ihm gekündigt."
"Irgendwie wundert es mich gar nicht, und irgendwie wundert es mich sehr. Irgendwie bringt er mich zum lachen, und dann auch wieder gar nicht." "Ja", sagt der Kollege, "es ist eigentlich sautraurig." "Wielang ist das denn her? Er hat doch erst neulich nach mir gefragt?" "Oka das ist echt schon ne Ecke her. Aber es muss kurz danach gewesen sein. Die Kündigung vielleicht vor zwei Monaten?"
Zurück im Büro lässt mir das Thema keine Ruhe. Vielleicht bin ich da komisch, jedenfalls verstehen es anscheinend nicht viele. Dieser Mensch war mir einmal sehr wichtig, ob ich will oder nicht. Sein Schicksal lässt mich nicht kalt und ich will wissen ob es ihm gut geht, aber bitte ohne Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ich tippe seinen Namen in die Suchmaschine. Der erste Treffer ist dieses Business Netzwerk. Kurios. Als Arbeitgeber ist weiterhin die Firma eingegeben, die ihn wohl gekündigt hat. Ich suche weiter und finde ihn ohne weiteres auf diversen gängigen Musik-Seiten. Die letzten Aktivitäten scheinen zwei bis drei Wochen her zu sein.
Ich bin etwas beruhigt, und gleichzeitig sauer. So ein Schicker. Mir ist wirklich der Schreck in die Glieder gefahren. Das heißt alles immer noch nicht, dass es ihm gut geht, gut ging es ihm ja eigentlich eh nie, nichtmal wenn er dicht war, egal wie sehr er das behauptet hat. Und ich habe immer noch keine Ahnung, was da eigentlich passiert ist. Auch wenn es mich nichts mehr angeht, ich sterbe vor Neugierde. Warum tut er so etwas?
Letztendlicht ist er vielleicht wie eine Katze. Fällt immer auf die Füße. Ich hoffe es für ihn. Ich würd ihn nicht einstellen.
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