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Mittwoch, 25. April 2012
Heute Abend.
okavanga, 23:05h
Starte mit "Das Meer in mir", und denk mir dann, scheiße, man muss sich auch nicht ständig mit seinem Elend beschäftigen. Also schalte ich gerade pünktlich zum 2:0 zu Fußball. Tz tz... was machen denn die Bayern da? Das geht ja gut los...
Beim Thera-Onkel wars anstrengend. Ich hab ihm letztendlich 2,5 Seiten zusammengeschrieben. Das war viel und er glücklich, und mich hat es wider jeglicher Erwartung erhellt- und zugleich doch frustriert.
Morgen dann G*irls' Day mit 23 Hühnern. Allein schon die Vorbereitung - es ist das erst mal dass die Firma das macht - war brutal ermüdend. Eigentlich könnte ich auch gleich tot ins Bett fallen. Morgen dann ganz sicher.
Kollegin in spé schaut sich morgen für mich eine Wohnung an. Es bleibt spannend. Diese Wohnungssuche schlaucht auch. Am Montag fahr ich wieder selbst bis Mittwoch runter.
Gleichzeitig bin ich zur Zeit auch noch Wedd*ing-Pla*nner weil Trauzeugin bei M&M in Man*nheim. Manchmal frag ich mich, ob ich die ewige Trauzeugin bleibe. Es schmeichelt und verletzt zugleich.
Einfach nicht auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen, denk ich mir. Hilft ja aber auch nix. Also einfach weiter machen.
Beim Thera-Onkel wars anstrengend. Ich hab ihm letztendlich 2,5 Seiten zusammengeschrieben. Das war viel und er glücklich, und mich hat es wider jeglicher Erwartung erhellt- und zugleich doch frustriert.
Morgen dann G*irls' Day mit 23 Hühnern. Allein schon die Vorbereitung - es ist das erst mal dass die Firma das macht - war brutal ermüdend. Eigentlich könnte ich auch gleich tot ins Bett fallen. Morgen dann ganz sicher.
Kollegin in spé schaut sich morgen für mich eine Wohnung an. Es bleibt spannend. Diese Wohnungssuche schlaucht auch. Am Montag fahr ich wieder selbst bis Mittwoch runter.
Gleichzeitig bin ich zur Zeit auch noch Wedd*ing-Pla*nner weil Trauzeugin bei M&M in Man*nheim. Manchmal frag ich mich, ob ich die ewige Trauzeugin bleibe. Es schmeichelt und verletzt zugleich.
Einfach nicht auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen, denk ich mir. Hilft ja aber auch nix. Also einfach weiter machen.
Dienstag, 24. April 2012
Warum, und was eigentlich?
okavanga, 01:40h
Es gäbe schon wieder einen enormen Dokumentationsbedarf bzgl. Muttern, aber ich habe weder die Zeit noch die Nerven.
Warum wünsche ich mir eine Beziehung, und was genau erwarte/ will ich eigentlich von einem Partner?
Diese Frage(n) will der Therapieonkel bis Mittwoch beantwortet haben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Frage einfach nur bescheuert, oder doch eher beschissen schwierig finden soll.
Alte Tagebucheinträge (auf Papier, Tatsache!) über den kleinen Professor gefunden. Erschreckend. Schlimm. Ganz schlimm. Traurig.
Verwirrung, in mir allerorten.
Warum wünsche ich mir eine Beziehung, und was genau erwarte/ will ich eigentlich von einem Partner?
Diese Frage(n) will der Therapieonkel bis Mittwoch beantwortet haben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Frage einfach nur bescheuert, oder doch eher beschissen schwierig finden soll.
Alte Tagebucheinträge (auf Papier, Tatsache!) über den kleinen Professor gefunden. Erschreckend. Schlimm. Ganz schlimm. Traurig.
Verwirrung, in mir allerorten.
Donnerstag, 19. April 2012
Gehi*rnwäsche.
okavanga, 22:56h
"Weißt du, wie das klingt?", fragt sie, "als hätten SIE bei dir Gehir*nwäsche gemacht". Das sagt man mal so. Zu nem Kumpel. Im Spaß. Aber das ist alles kein Spaß mehr.
"Mama", sage ich, "mit jedem Satz beweist du mir, dass du krank bist."
Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits eine Stunde Gespräch hinter uns. Ein Gespräch das freundlich beginnt, in dem man sich erzählt und auch lacht, bis sie zwangsläufig das Gespräch auf IHR THEMA lenkt. Und von da an geht es jedes verdammte mal steil bergab.
Es bahnt sich immer noch einigermaßen harmlos an. Sie erzählt, dass sie jetzt diese Tabletten nimmt (Ab*ilify). Angeblich. Aber ich kommentiere es nur wohlwollend, hinterfrage es nicht. Sie merkt noch nichts, behauptet sie. Das dauert sehr lange, lass dem Körper doch Zeit, meine ich. Und dann versucht sie wieder und wieder mich zu überzeugen. Von ihrer Wahrheit. Von der "Folter", und dass sie Fo*rschun*gsobjekt sei. Von DENEN. Und ALLEM.
Ich versuche dann immer noch, die Eskalation abzuwenden, indem ich sage: "Mama, hör doch endlich auf mich von irgendwas zu überzeugen. Hör auf mit mir darüber zu diskutieren. Wir haben unterschiedliche Standpunkte, und wissen das. Und wissen auch, dass wir uns nur streiten, wenn wir uns auf die Diskussion einlassen. Also lass es doch bitte einfach. Ich will nicht mit dir streiten." Aber sie hört nicht auf. Nie. Manchmal tut sie so als ob, eingeleitet durch ein "also gut.. ich ... blabla... aber... " und an diesem Punkt fängt die Diskussion wieder an.
Und jedes mal endet sie damit, dass einer von uns beiden auflegt. Heute war ich es. Denn dann kam der Gehir*nwäsche-Spruch. Und ich glaube, dass sie danach in der Zeit, in der ich ihr versuchte zu erklären, dass wir nicht die Arschlochkinder sind, für die sie uns hält, dass uns das nicht alles am Arsch vorbei geht. Dass wir uns letztendlich für den Rest unseres Lebens fragen müssen, "warum haben wir nicht mehr gemacht?", wenn sie sich umbringt oder umbringen lässt. Dass wir leiden wie die Säue, seit über 2 Jahren, weil es uns weh tut sie so zu sehen, und weil wir sie nicht verlieren wollen. Und so weiter. Ich glaube, dass sie in all dieser Zeit den Hörer einfach vom Ohr weggehalten hat. So, wie Kinder es oft bei ihren Eltern tun.
Also sage ich: "Du kannst jetzt den Hörer wieder ans Ohr nehmen". Aber es kommt nichts. Ich sage es noch mal. Nur rauschen am anderen Ende, aber sie ist definitiv noch dran. Ich lege auf, und weine.
Ich weine inzwischen sehr sehr selten über sie und uns und dieses Thema. Weil ich wenig Zeit habe, und weil ich Angst davor habe, und weil ich jetzt gelernt habe, dass all die Wut die ich ich habe, und all der Hass und Groll und Unmut und Ärger, nichts ist als grenzenlose Verzweiflung und Traurigkeit. Würde ich das aber alles als Trauer ausleben, ich würde verrückt dabei. Und Zigaretten vermissen.
Und ich denke an diesen Film, von dem ich neulich schrieb, und daran, dass man mit verrückt wird, und ich glaube das ist es, was einen auch daran hindert, die ganze Sache nach außen zu geben. Weil man so sehr mitten drin ist. Und die andere Seite ist: will man ihr die Alternative (Zwangsmaßnahmen am Fließband für voraussichtlich den Rest ihres Lebens, denn ich glaube nicht mehr an Einsicht und Linderung) wirklich zumuten?
Ganz tief in mir habe ich ein grauenhaftes Wissen. Dass es entweder ein eigenhändiger, gewalttätiger Suizid sein wird, den wir verarbeiten müssen, oder einer, den wir begleiten. Andere Optionen kommen in meinen Gedanken an die Zukunft nicht vor.
Es ist schrecklich. Das alles ist schrecklich. Es lähmt und schmerzt und schreit. Und ich kann keinem erklären, wie schrecklich es ist. Außer meinem Bruder. Und der geht gerade nicht ans Telefon. Also betrinke ich mich.
"Mama", sage ich, "mit jedem Satz beweist du mir, dass du krank bist."
Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits eine Stunde Gespräch hinter uns. Ein Gespräch das freundlich beginnt, in dem man sich erzählt und auch lacht, bis sie zwangsläufig das Gespräch auf IHR THEMA lenkt. Und von da an geht es jedes verdammte mal steil bergab.
Es bahnt sich immer noch einigermaßen harmlos an. Sie erzählt, dass sie jetzt diese Tabletten nimmt (Ab*ilify). Angeblich. Aber ich kommentiere es nur wohlwollend, hinterfrage es nicht. Sie merkt noch nichts, behauptet sie. Das dauert sehr lange, lass dem Körper doch Zeit, meine ich. Und dann versucht sie wieder und wieder mich zu überzeugen. Von ihrer Wahrheit. Von der "Folter", und dass sie Fo*rschun*gsobjekt sei. Von DENEN. Und ALLEM.
Ich versuche dann immer noch, die Eskalation abzuwenden, indem ich sage: "Mama, hör doch endlich auf mich von irgendwas zu überzeugen. Hör auf mit mir darüber zu diskutieren. Wir haben unterschiedliche Standpunkte, und wissen das. Und wissen auch, dass wir uns nur streiten, wenn wir uns auf die Diskussion einlassen. Also lass es doch bitte einfach. Ich will nicht mit dir streiten." Aber sie hört nicht auf. Nie. Manchmal tut sie so als ob, eingeleitet durch ein "also gut.. ich ... blabla... aber... " und an diesem Punkt fängt die Diskussion wieder an.
Und jedes mal endet sie damit, dass einer von uns beiden auflegt. Heute war ich es. Denn dann kam der Gehir*nwäsche-Spruch. Und ich glaube, dass sie danach in der Zeit, in der ich ihr versuchte zu erklären, dass wir nicht die Arschlochkinder sind, für die sie uns hält, dass uns das nicht alles am Arsch vorbei geht. Dass wir uns letztendlich für den Rest unseres Lebens fragen müssen, "warum haben wir nicht mehr gemacht?", wenn sie sich umbringt oder umbringen lässt. Dass wir leiden wie die Säue, seit über 2 Jahren, weil es uns weh tut sie so zu sehen, und weil wir sie nicht verlieren wollen. Und so weiter. Ich glaube, dass sie in all dieser Zeit den Hörer einfach vom Ohr weggehalten hat. So, wie Kinder es oft bei ihren Eltern tun.
Also sage ich: "Du kannst jetzt den Hörer wieder ans Ohr nehmen". Aber es kommt nichts. Ich sage es noch mal. Nur rauschen am anderen Ende, aber sie ist definitiv noch dran. Ich lege auf, und weine.
Ich weine inzwischen sehr sehr selten über sie und uns und dieses Thema. Weil ich wenig Zeit habe, und weil ich Angst davor habe, und weil ich jetzt gelernt habe, dass all die Wut die ich ich habe, und all der Hass und Groll und Unmut und Ärger, nichts ist als grenzenlose Verzweiflung und Traurigkeit. Würde ich das aber alles als Trauer ausleben, ich würde verrückt dabei. Und Zigaretten vermissen.
Und ich denke an diesen Film, von dem ich neulich schrieb, und daran, dass man mit verrückt wird, und ich glaube das ist es, was einen auch daran hindert, die ganze Sache nach außen zu geben. Weil man so sehr mitten drin ist. Und die andere Seite ist: will man ihr die Alternative (Zwangsmaßnahmen am Fließband für voraussichtlich den Rest ihres Lebens, denn ich glaube nicht mehr an Einsicht und Linderung) wirklich zumuten?
Ganz tief in mir habe ich ein grauenhaftes Wissen. Dass es entweder ein eigenhändiger, gewalttätiger Suizid sein wird, den wir verarbeiten müssen, oder einer, den wir begleiten. Andere Optionen kommen in meinen Gedanken an die Zukunft nicht vor.
Es ist schrecklich. Das alles ist schrecklich. Es lähmt und schmerzt und schreit. Und ich kann keinem erklären, wie schrecklich es ist. Außer meinem Bruder. Und der geht gerade nicht ans Telefon. Also betrinke ich mich.
Montag, 16. April 2012
Schn*upfen im Ko*pf.
okavanga, 01:01h
Ein Film, der mich nachhaltig beeindruckt und mir viele Dinge aus der Seele gesprochen hat. Aber er hat mir auch die ein oder andere neue Sichtweise eröffnet. Ich will an dieser Stelle einfach einige Zitate für sich selbst sprechen lassen. In diesem Film dokumentiert Gamma Bak ihre Schi*zop*hrenie, durch Selbstinterviews und Interviews mit Freunden, Bekannten und Verwandten gewinnt man Einblick in ihr Leben und Befinden, sowie in das Erleben der anderen Interviewten. Die Parallelen zu meiner Mutter sind nicht exorbitant (keine Krankheitseinsicht bei Muttern, komplett andere Symptomatik). Und doch fühle ich mich an vielen Stellen verstanden, oder zumindest nicht alleine, und einiges kommt mir bekannt vor. Sehenswert!
Janos M. Bak, Vater:
„Aber schon damals ist es mir aufgekommen, ob man irgendwo etwas als Vater, als Erwachsener, als Freund, als zur Gesellschaft, zu deinem Milieu Gehörender, falsch gemacht hat. Hat man einen Fehler begangen? […] Hätte man sie anders […] unterrichten, handhaben, erziehen, beraten […] können, sollen, müssen, so dass dies nicht passiert. […] Ich glaube das war sehr lange das erste und das wichtigste wo man sich das natürlich auf sich selbst zurück reflektiert.“
Dieter Vervuurt, Ex-Partner:
„In der Zeit […] hab ich gemerkt dass ich bestimmte Phasen […] Schritt um Schritt um Schritt […] in die Krisen mitgemacht hab, also meine Maßstäbe haben sich verschoben, ich fand […] Situationen waren normal […] oder wurden normal, die ich eigentlich nicht als normal empfunden hatte, aber ich fand meine Maßstäbe verändert bis man plötzlich […] unglaublich weit exponiert feststellte wie weit man schon gegangen ist. Jemand der geht und geht und plötzlich merkt er, er steht an nem Abgrund. Er steht an nem Abgrund und hat es gar nicht gemerkt, sondern er ist gegangen. Aber der Abgrund ist da. Und die Krise war da. Und man ist ein Stück mit in die Krise gegangen und […] musste denn… Das hat vieles in Frage gestellt. […] Das hat die Idee von Normalität in Frage gestellt, es hat aber auch […] die Maßstäbe in Frage gestellt mit denen man eigentlich auf Menschen kuckt.“
„Bei psychischen Erkrankungen gibt’s immer das Moment dass man eigentlich das Gefühl hat, dass man jemandem helfen können müsste, […] nicht weil man ein Fachmann ist, sondern weil letztlich ja in den Bereichen findet das statt was zwischen Menschen immer stattfindet, Diskurs, Gespräch, Beratung. Und anders als bei der körperlichen Erkrankung, in das ja das Fachwissen der Chirurgen und der Ärzte und der Medikamente einwirkt, hat man eigentlich, hatte ich das Gefühl dass man jemandem helfen können müsste. Kann man aber nicht. Das ist das Problem. Weil man dadurch dass man involviert ist, ist man wahrscheinlich der Falscheste überhaupt, weil man hat keine Distanz, hat einen Teil des Weges mitgemacht, ist sozusagen ein kleines Stück mit wahnsinnig geworden, hat seine Perspektiven verschoben, hat Maßstäbe aufgegeben, und dann aus dieser ganzen Verwirrtheit will man dann noch jemandem helfen indem man mit ihm redet? Das ist eigentlich ein Quatsch. Das heißt, wie bei jeder anderen Erkrankung muss man das eigentlich nach außen geben und nicht sich zum kleinen Bastelhandwerker der […] Therapie machen. Das ist aber ein langer Weg, bis man das begreift, dass man eigentlich gar nichts machen kann, dass man komplett… hilflos ist, und am besten auch die Finger davon lässt… und nicht bastelt.“
Gamma Bak:
“[…] Eigentlich war die Arbeit bei ihm […] ein Teil aus der Krankheit auch wieder herauszukommen und zwar indem ich einen regelmäßigen Tagesablauf habe und jetzt… […] bin ich eben arbeitslos und… mmm… ich mach mir schon ziemliche Sorgen weil ich denke dass … also Existenzängste sind so… […] für mich könnte das auch bedeuten dass ich nochmal in ne Krise rutsche […]"
„Also ich find die Wirkung von den starken Neu*role*ptika ist eigentlich so, wie man sich manipulierte menschliche Zustände in Science-Fiction-Romanen vorstellt. […] Es ist ne Welt (lange Pause) … also das Leben mit den Medikamenten ist ne Welt in der …. Fast alle Gefühle abgeschnitten sind. Ich… ich spüre fast nichts mehr. Und ne Sensibilität zu haben dafür, was wirklich wichtig ist und was wesentlich ist oder was gefühle sind ohne gefühle zu fühlen, geht fast nicht, […] es ist ja keine intellektuelle Sache, Gefühle […]"
Jackie Crossland, beste Freundin der Stiefmutter:
“What are side effects? There are no side effects. Everything that happens to you because that’s induced by the medication is an effect of the medication. And we talk about side effects as if they were meaningless or […] irrelevant issues […]. I think I understand [...] the difficulty of trying to work your way through that and the difficulty of finding people who will deal with you in a straight forward manner that will give you information that you need or that can help you make a good decision. “
Dieter Vervuurt, Ex-Partner:
„Du kommst in die Abteilung, die objektiv genauso aussieht (Anmerkung: wie die offene Statio), aber die Türen sind zu. Die äußere Tür die man normalerweise aufmacht mit so nem Knopf und die aufschwingt, ist geschlossen. Das heißt, der Knopf der die Tür öffnet ist eigentlich ne Klingel und irgendwann kommt ne Pflegerin und schließt die Tür auf und nachher schließt sie die Tür auch wieder ab und die Tür fällt ins Schloss wenn man da rausgeht und …. Die Abteilung ist hermetisch geschlossen. 3 Scheiben Glas, du siehst noch den Gang, aber … die Tür ist zu. Für dich nicht als Besucher, weil du kannst ja rausgehen, aber Gamma steht hinter der Tür und ist eingeschlossen […].“
Gamma (über Stigmatisierung nach der Diagnose):
„[…] Ab da, für den Rest des Lebens. Vorher durfte ich ja verrückt sein und durchgeknallt wieviel ich wollte, so wie jeder andere auch, aber jetzt darf ich ja nix mehr außer Reihe. Ist ja alles nur ein Zeichen ‚oh.. kann sein dass es dir schlecht geht'.“
Janos M. Bak, Vater:„Aber schon damals ist es mir aufgekommen, ob man irgendwo etwas als Vater, als Erwachsener, als Freund, als zur Gesellschaft, zu deinem Milieu Gehörender, falsch gemacht hat. Hat man einen Fehler begangen? […] Hätte man sie anders […] unterrichten, handhaben, erziehen, beraten […] können, sollen, müssen, so dass dies nicht passiert. […] Ich glaube das war sehr lange das erste und das wichtigste wo man sich das natürlich auf sich selbst zurück reflektiert.“
Dieter Vervuurt, Ex-Partner:„In der Zeit […] hab ich gemerkt dass ich bestimmte Phasen […] Schritt um Schritt um Schritt […] in die Krisen mitgemacht hab, also meine Maßstäbe haben sich verschoben, ich fand […] Situationen waren normal […] oder wurden normal, die ich eigentlich nicht als normal empfunden hatte, aber ich fand meine Maßstäbe verändert bis man plötzlich […] unglaublich weit exponiert feststellte wie weit man schon gegangen ist. Jemand der geht und geht und plötzlich merkt er, er steht an nem Abgrund. Er steht an nem Abgrund und hat es gar nicht gemerkt, sondern er ist gegangen. Aber der Abgrund ist da. Und die Krise war da. Und man ist ein Stück mit in die Krise gegangen und […] musste denn… Das hat vieles in Frage gestellt. […] Das hat die Idee von Normalität in Frage gestellt, es hat aber auch […] die Maßstäbe in Frage gestellt mit denen man eigentlich auf Menschen kuckt.“
„Bei psychischen Erkrankungen gibt’s immer das Moment dass man eigentlich das Gefühl hat, dass man jemandem helfen können müsste, […] nicht weil man ein Fachmann ist, sondern weil letztlich ja in den Bereichen findet das statt was zwischen Menschen immer stattfindet, Diskurs, Gespräch, Beratung. Und anders als bei der körperlichen Erkrankung, in das ja das Fachwissen der Chirurgen und der Ärzte und der Medikamente einwirkt, hat man eigentlich, hatte ich das Gefühl dass man jemandem helfen können müsste. Kann man aber nicht. Das ist das Problem. Weil man dadurch dass man involviert ist, ist man wahrscheinlich der Falscheste überhaupt, weil man hat keine Distanz, hat einen Teil des Weges mitgemacht, ist sozusagen ein kleines Stück mit wahnsinnig geworden, hat seine Perspektiven verschoben, hat Maßstäbe aufgegeben, und dann aus dieser ganzen Verwirrtheit will man dann noch jemandem helfen indem man mit ihm redet? Das ist eigentlich ein Quatsch. Das heißt, wie bei jeder anderen Erkrankung muss man das eigentlich nach außen geben und nicht sich zum kleinen Bastelhandwerker der […] Therapie machen. Das ist aber ein langer Weg, bis man das begreift, dass man eigentlich gar nichts machen kann, dass man komplett… hilflos ist, und am besten auch die Finger davon lässt… und nicht bastelt.“
Gamma Bak:“[…] Eigentlich war die Arbeit bei ihm […] ein Teil aus der Krankheit auch wieder herauszukommen und zwar indem ich einen regelmäßigen Tagesablauf habe und jetzt… […] bin ich eben arbeitslos und… mmm… ich mach mir schon ziemliche Sorgen weil ich denke dass … also Existenzängste sind so… […] für mich könnte das auch bedeuten dass ich nochmal in ne Krise rutsche […]"
„Also ich find die Wirkung von den starken Neu*role*ptika ist eigentlich so, wie man sich manipulierte menschliche Zustände in Science-Fiction-Romanen vorstellt. […] Es ist ne Welt (lange Pause) … also das Leben mit den Medikamenten ist ne Welt in der …. Fast alle Gefühle abgeschnitten sind. Ich… ich spüre fast nichts mehr. Und ne Sensibilität zu haben dafür, was wirklich wichtig ist und was wesentlich ist oder was gefühle sind ohne gefühle zu fühlen, geht fast nicht, […] es ist ja keine intellektuelle Sache, Gefühle […]"
Jackie Crossland, beste Freundin der Stiefmutter:“What are side effects? There are no side effects. Everything that happens to you because that’s induced by the medication is an effect of the medication. And we talk about side effects as if they were meaningless or […] irrelevant issues […]. I think I understand [...] the difficulty of trying to work your way through that and the difficulty of finding people who will deal with you in a straight forward manner that will give you information that you need or that can help you make a good decision. “
Dieter Vervuurt, Ex-Partner:
„Du kommst in die Abteilung, die objektiv genauso aussieht (Anmerkung: wie die offene Statio), aber die Türen sind zu. Die äußere Tür die man normalerweise aufmacht mit so nem Knopf und die aufschwingt, ist geschlossen. Das heißt, der Knopf der die Tür öffnet ist eigentlich ne Klingel und irgendwann kommt ne Pflegerin und schließt die Tür auf und nachher schließt sie die Tür auch wieder ab und die Tür fällt ins Schloss wenn man da rausgeht und …. Die Abteilung ist hermetisch geschlossen. 3 Scheiben Glas, du siehst noch den Gang, aber … die Tür ist zu. Für dich nicht als Besucher, weil du kannst ja rausgehen, aber Gamma steht hinter der Tür und ist eingeschlossen […].“
Gamma (über Stigmatisierung nach der Diagnose):
„[…] Ab da, für den Rest des Lebens. Vorher durfte ich ja verrückt sein und durchgeknallt wieviel ich wollte, so wie jeder andere auch, aber jetzt darf ich ja nix mehr außer Reihe. Ist ja alles nur ein Zeichen ‚oh.. kann sein dass es dir schlecht geht'.“
Donnerstag, 29. März 2012
Challenge accepted.
okavanga, 21:35h
Ich freu mich auf Monnem.
Musikalischer Wegbegleiter
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