Dienstag, 24. April 2012
Warum, und was eigentlich?
Es gäbe schon wieder einen enormen Dokumentationsbedarf bzgl. Muttern, aber ich habe weder die Zeit noch die Nerven.

Warum wünsche ich mir eine Beziehung, und was genau erwarte/ will ich eigentlich von einem Partner?

Diese Frage(n) will der Therapieonkel bis Mittwoch beantwortet haben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Frage einfach nur bescheuert, oder doch eher beschissen schwierig finden soll.

Alte Tagebucheinträge (auf Papier, Tatsache!) über den kleinen Professor gefunden. Erschreckend. Schlimm. Ganz schlimm. Traurig.

Verwirrung, in mir allerorten.

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Donnerstag, 29. März 2012
Challenge accepted.
Ich freu mich auf Monnem.

Musikalischer Wegbegleiter

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Dienstag, 14. Februar 2012
War übers WE bei einem Freund von dem ich dachte, ich könnte ihn sehr mögen, ja gar verliebt in ihn sein. Der hat sich dann aber sehr sonderbar verhalten. Also wirklich wie ein Arschloch. Das macht man nicht, finde ich, auch wenn man mal geknutscht hat. Freunde sind Freunde. Oder auch nicht, wie ich merke. Ich mein, ich bin 450 km angereist. Da kann man schon mal ein bisschen ... so sein, wie man sonst ist, finde ich. Oder auch: aufmerksam, interessiert, offen, zugeneigt. Aber ich erwarte wohl zuviel von meinem Umfeld.

Dafür hab ich bei ihm nachts von meinem Cousin B. geträumt, der sagte: "Ich lieb dich", und es war sehr wichtig für mich in dem Traum, dass er sagte: "Ich lieb dich" und nicht "Ich liebe dich". Er sah wunderschön aus in dem Traum. Nicht so verlebt wie inzwischen. Ich liebte ihn auch, in dem Traum. Mit Cousin B. würde ich unheimlich gern einmal schlafen. Auch wenn es mir danach wohl ziemlich beschissen gehen würde.

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Mittwoch, 8. Februar 2012
Never Do:
nach so einem Wochenende den Anamnesebogen weiter ausfüllen. Bringt nur Aggros. Könnte kotzen. Könnte alles so einfach sein. Isses aber nicht. Dafür könnt ich mir eins in die Fresse haun.

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Mittwoch, 1. Februar 2012
Fundstück.
Mein neuer Therapeut, für den ich immer noch keinen Namen habe, hat mir heute ein paar Fragen zum bisher abgegebenen Teil des Anamnesebogens gestellt. Unter anderem: "Dieses Gefühl, irgendwo falsch abgebogen zu sein... wann hatten Sie das zum ersten mal?" Ich konnte ihm das nicht beantworten. Der Rest der Stunde hat mich sehr aufgewühlt.

Gerade packe ich für den Skiurlaub ab Freitag. Morgen gehts nach Monnem und am Freitag dann von dort aus zum Wi*lden Ka*iser bis Dienstag.

In meiner Wäscheschublade fällt mir eine kleine Kladde in die Hand.

Erster Eintrag.
Mannheim, 7.1.2011
Dieses Buch hat mir mein Bruder zu Weihnachten geschenkt, eigentlich für meinen neuen Job, den ich nun doch nicht habe.
Es soll mich jetzt begleiten auf meinem Weg - wo auch immer dieser hinführt.

Die ersten Gedanken für hier. Mein Leben mit 30 hab ich mir immer anders vorgestellt. Und nun werde ich bald 31. Ab 1.3. ohne Job, ohne festen Wohnsitz. Ohne festen Partner. Ohne Ziele, ohne Visionen, spüre auch keine Träume in mir. Wo sind die hin?
Zudem eine Mutter mit Wahnvorstellungen/ paranoider Schizophrenie im Gepäck. In Summe klingt das nach einer scheiss Bilanz. Ich habe keine Ahnung was ich tun soll, wohin mit mir. Bin wie gelähmt. Vor allem in den Gedanken. Wenn diese wieder fließen würden, vielleicht würden mir auch Taten wieder leichter fallen. Doch so. Angst vor nächsten Schritten. Alles dreht sich um die Frage: wie konnte ich zu diesem Punkt gelangen? Nicht: wie komme ich von hier bloß wieder weg? Ich wage nicht meine ehemalige Therapeutin anzurufen. Komme mir nichtig vor in meinen Anliegen, in meiner Orientierungslosigkeit.

Vielleicht sollte ich einfach raus. Meinen Gedanken Raum und Zeit schenken, damit sie sich wieder zu mir trauen. Ideen, Träume, Vorstellungen von dem, was ich eigentlich tun will.

Ich fühle mich zurückgeworfen auf Null mit der Chance auf Alles/Neues, und bin damit heillos überfordert. Schreib eine Liste mit allen Möglichkeiten, empfiehlt mir eine Freundin. Eine gute Idee, dachte ich, und setzte mich vor ein leeres Blatt. Es ist nun zur Hälfte voll, jeweils nur 1 Wort unter dem anderen. Der Inhalt ist oberflächlich und zeigt mir nur, dass ich keine Ahnung habe von dem was ich will. Wie kann ich das nicht wissen?

Ich wollte immer zurück nach Südafrika. Jetzt nicht mehr. Es wäre anders als damals, und was will ich dort tun? Es kann nicht sein, denke ich, dass ich mich so wenig kenne. Wer ist das in mir, und warum sagt er nichts?

Ich habe Angst vorwärts zu gehen, sehe glühende Kohlen vor mir, und weiß, dass meine Haut dünn ist.

Einfach auf irgendwelche Jobs bewerben, die so irgendwie zu meinem Studium passen? Der Job wäre gut für mich gewesen. Personalentwicklung. Menschen. Werte. Strategien. Mir fehlt die Ausbildung und Erfahrung um mich andernorts dafür zu bewerben. Wo sind diese Stellen? Wer will mich? Ich will mich selbst grad nicht, wie soll ich mich da verkaufen? Schicksal zeig mir den Weg, ich bin so blind.

Soll ich nach Hinweisen suchen, dem Zufall vertrauen, aufs Schicksal bauen? Oder irgendwie finden, was ich will? (rausfinden) Wie geht das?

Habe Angst einen falschen Weg einzuschlagen. Mich zu verbrennen, ewig auf der Suche nach dem, was mich befriedigt, erfüllt, was ich gern tue?

Hätte heiraten wollen und Kinder kriegen und Häuschen bauen, und weiß doch, dafür bin ich nich bereit/gebaut, hätte es nie annehmen können. Wollte ich das wirklich? Bleib ich ewig allein? Ich vermisse in dieser Situation jemanden an meiner Seite. Jemanden, der mich kennt, aber wie soll das gehen, frag ich mich, wo ich selbst mich doch so offensichtlich so schlecht kenne.

Wohin gehen, damits richtig wird. Damit ich mich mir näher. Wo finde ich mich. Denk ich zuviel? In zu steifen Bahnen, sagt mein Bauch, aber mehr weiß der Klugscheisser dann auch nicht.

Schreiben würd ich gerne. Soviel schreiben und erzählen. Über mich, meine Familie, Menschen in meinem Umfeld. Aber wen interessiert das, außer mich. Wäre es nicht nur Aufarbeitung? Der Versuch zu verstehen. Vielleicht. Ich glaub, ich kann nicht so gut für andere schreiben. Ein Buch über meine Mutter. Oder diese 3 Frauen. Oma. Mama. Ich. Und die 4., ungeplante, namens Schizophrenie. Aber wie das tun, wo ich doch das Ende nicht kenne, außer das von meiner Oma. Und die wirkt so nach.

Null Uhr. 8.1.
Bin unruhig, unschlüssig. Etwas krabbelt in mir. Was es sein mag. Ich weiß es nicht.

Das Wasser, das in der Geschirrspülmaschine den großen Suppentopf auswäscht. Es klingt wie Glockengeläut.

Vielleicht doch Berlin, ich habe in den letzten Jahren oft über Berlin nachgedacht und nie etwas gespürt. Undjetzt ist da so ein Ziehen. Was tun, in Berlin? Denk nach, Oka. Denke frei und wild und ungestüm. Phantasiere!


Zweiter und letzter Eintrag.
Nürnberg, 27.2.11
Vertrag für 6 Monate. Jetzt sitze ich wirklich hier. Hier. Es fühlt sich nicht wirklich falsch an, aber etwas in mir ist geschockt. Ich sitze auf dem Bett, schaue aus der Balkontür, davor: nicht Mannheim.

Mannheim. Ich fühle mich als würde ich auf etwas warten. Vielleicht, dass mich jemand abholt, nach Hause holt. Muss weinen, weiß nicht warum. Heimweh? Entwurzelt? Hier neue Wurzeln schlagen? Fühle mich als würde ich 6 Monate Praktikum machen.

Ich kann immer wieder zurück, denk ich mir. Doch werde ich es tun? Wie absolut merkwürdig, dass ich jetzt wirklich hier sitze.


Außer, dass ich den Job immer noch habe, aber ohne Geschirrspülmaschine bin und mir die Bestätigung gegeben wurde, dass mir die Tätigkeit ansich Spaß macht, hat sich keine Zeile davon geändert. Vielleicht bin ich da einfach falsch abgebogen, trotz aller Erfahrung die ich inzwischen gemacht habe. Als ich die Sicherheit gewählt habe, damals. Und nicht das Risiko.

Fällt mir jetzt erst auf, was auf dem Cover der Kladde steht. "Gedanken sind der Anfang von Taten". Mal schauen wann ich endlich ausgedacht habe.

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Montag, 23. Januar 2012
Im Sitzen laufen.
Es ist ein irres Gefühl. Als würde man im Sitzen laufen. Oder getragen werden. Denn in mir trete ich auf der Stelle, trete mich wund, will nichts sehnlicher als anhalten, stehenbleiben, aussteigen. Und trotzdem laufe ich jeden Tag weiter. Vom Bett ins Bad, vom Bad zum Kleiderschrank, in den Flur, die Treppen runter in die Tiefgarage, setze mich ins Auto, fahre (im Sitzen laufen ist das auch) in die Arbeit, laufe vom Parkplatz zur Stempeluhr, in mein Büro, zu anderen Menschen, in die Kantine, zurück ins Büro, ins Nebenbüro, ins GF Büro, in mein Büro. Raus auf den Parkplatz, fahre nach Hause, laufe die Treppen hoch. Manchmal laufe ich auch einige Kilometer auf dem Crosstrainer im Fitnesstudio. Das ist das einzige Laufen bei dem ich das Gefühl habe, dass ich es bewusst tue, und dass es mir gut tut.

Soviel Bewegung. Viel zu viel für mich. Ich komm gar nicht mit. Wenn ich dabei wenigstens den Kopf bei mir behalten könnte. Aber der Kopf läuft einfach mit.

Abends, wenn ich dann wieder sitze. Wenn ich stillstehe. Wenn ich Kopf und Körper endlich wieder eingeholt habe, bzw. sie so gnädig waren sich nach hinten zu mir zurückfallen zu lassen. Dann weine ich. Weil es dauert, bis Kopf, Körper und ich wieder beeinander sind, wird es immer so spät, denn die Momente, die wir dann alle gemeinsam haben, sind so wichtig, da bin ich mir sicher, deswegen will ich sie länger als nur ein paar Minuten, nach dem ganzen Laufen, und dem Kopflaufen am Telefon mit Freunden oder meinem Bruder, oder gar meiner Mutter. Aber sie sind auch einfach nur traurig. Und morgen ab 6 fängt alles von vorne an.

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Samstag, 21. Januar 2012
Ana*mnese
Ich vermute, ich musste so einen Bogen schon mal ausfüllen, aber erinnern kann ich mich daran nicht.

Ich weiß nur dass ich mich die ganze Zeit davor drücke, und wenn ich jetzt die Fragen lese, fühl ich mich einfach nur ... total bescheuert.

"Schätzen Sie [...] ein, wie belastend Sie Ihre Probleme empfinden." Da denk ich mir als erstes: "Ey.. scheiße.. keine Ahnung. Eigentlich ist alles total banal. Ist doch eigentlich alles überhaupt nicht wild." Und gleichzeitig fühl ich, wies drückt.

Ich weiß gar nicht.

Vielleicht sollte ich davor erstmal die erste Frage beantworten: "Beschreiben Sie die wichtigsten Probleme, deretwegen Sie [...] kommen".

Tja. Ich weiß gar nicht. Wie heißen meine Probleme?

Ich fühle mich völlig überfordert. Hahaha. Ja. Ich weiß dass ich dem schon was erzählt habe. Aber was, das weiß ich gar nicht mehr. Was, wenn ich da jetzt was total anderes reinschreibe?

Dann denk ich mir: also wenn du nicht weißt was dein Problem ist, vielleicht hast du dann einfach gar keins? Und gleichzeitig drückts. Aber die Probleme haben sich auch so verändert. Oder auch nicht. Das Urproblem, das bleibt. Aber wie das heißt. Ich weiß gar nicht. Ich fühl nur, wies drückt.

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Dienstag, 17. Januar 2012
Ich habe Frau W. eine SMS geschrieben, wie das Prozedere mit dem The*rapiebericht ist, weil ich einen Therape*uten hier gefunden habe.

Sie antwortet mir, ganz lieb, und wünscht mir alles alles Gute.

Und da schreit es aus mir heraus, das, was ich mir schon seit einer Woche denke: ich WILL keinen anderen Ther*apeuten. Wenn ich mir durchlese, was ich alles mit ihr erfahren habe. ICH WILL KEINEN ANDEREN. Ich will SIE. Ich brauche jemanden, der mich kennt. Keinen, der mich kennenlernen muss. Ich habe bei der ersten Stunde bei dem Neuen gemerkt, dass ich gar nicht weiß, wie ich mich erklären soll, was ich von mir erzählen soll, weil für mich alles so zusammen gehört. Ich will mich vor niemand neuem so nackig machen. Das dauert auch ewig. Ich brauche jetzt auch schnell sowas wie Lebensberatung. Von jemandem der mich sehr gut kennt. Keine Therapie bei einem neuen Therapeuten. Scheisse verdammt, nein!

Sag ich das dem Therapeuten am Mittwoch? Und sag ich das Frau W.?

Scheisse. Manchmal kotz ich mich echt an.

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Samstag, 14. Januar 2012
04.-07.01.2012 - zensiert.
04.01.:
"Ich bins mal wieder", sage ich, und heule auch schon. "Sie werden es nicht glauben, aber ich habe tatsächlich Patienten, die öfters zu mir kommen", sagt der Hausarzt. Und ich weine und weine, und rede und rede, und er erzählt mir davon, dass er mal eine sehr schlimme Phase hatte, und was da war, und wieviel Halt ihm da seine Familie, seine Frau, seine Kinder gegeben haben. Und ich weine noch mehr.

Er schreibt mich bis 15.1. krank und will mich am Dienstag wiedersehen. Ich schäme mich für die Krankmeldung. Er sagt, wenn notwendig verlängert ers nochmal, und ich soll endlich mit diesem blöden Gerede aufhören. Und gibt mir Hausaufgaben: ich soll einen neuen Lebensplan machen. Nicht nur, was die Arbeit angeht. Außerdem soll ich zu Freunden fahren.

Zuhause fällt mir auf, dass das nicht geht, weil ich mit meinem Vater vereinbart habe, dass wir uns am Freitag Abend treffen um das, was da passiert ist und alles sonst zu bereden. Davor hab ich Angst. Vor dem Gespräch treffen mein Bruder und ich uns mit meiner Mutter. Davor hab ich auch Angst. Und am Samstag ist dann große Familienfeier, der 50. meiner Ami-Tante, und der 60. meines Vaters, sowie der 31. meines Cousins. Davor hab ich vor allem aufgrund der Ungewissheit, wie das Vatergespräch ausgeht, auch Angst.

Ich g**gle auf einer Jobbörse "unkonventionell". Es gibt echt Treffer. Das war aber auch schon anstrengend genug.

05.01.:
Ich schäme mich immer noch und habe immer noch Angst. Was macht man da? Notiere die vom Arzt erwähnten Prioritäten: "1.: Job suchen. 2.: Mann suchen." Toll, denk ich mir. Ich versuche meinen Lebenslauf zu schreiben. In meinem Gehirn sind einfach nur weiße Schneefelder. Ich schaue einen Film. "Kleine wahre Lügen." Ich mag den Film und mach mir was zum Essen. Überlege wie es am nächsten Tag wohl werden wird.

Versuche nochmal das mit dem Lebenslauf. Ich schreibe meinem alten Chef (HaGa, man erinnert sich) eine Mail mit einer Terminanfrage. Gehe kurz einkaufen. Telefoniere mit LeSchwe. Und mit meinem Bruder. Schleife mich wie den Tag wie ein Schluck Wasser in der Kurve, alles strengt so unglaublich an. Aber der Tag geht rum.

06.01. - Teil Mama:
Nachmittags komme ich mit zittrigen Knien in der alten Heimat an, treffe mich mit meinem Bruder. Streichel ausgiebig die Katze. Dann fahren wir zur Polizei. Dort warten wir erstmal ewig, und werden dabei immer nervöser, unsere Nerven sind sehr im Arsch. Die Polizisten sind sehr nett und unglaublich hilfsbereit. Ich kann bisher wirklich nix sagen gegen Polizisten wenn es um Anfragen zu bzw. zur Umsetzung von Zwa*ngsunterbringungen aufgrund Schi*zophrenie geht. Sie nehmen sich viel Zeit und uns ernst.

Gesprächsergebnis: aufgrund der von uns ausgedruckten und vorgelegten Mails sowie der (auch bei denen im PC hinterlegten) 1. Ein*weisung im Jahr 2010 würden sie zu einer Zwa*ngsunterbringung vorbeikommen. Möglich weil: Feiertag in Bayern. Ansonsten ist jemand anderes zuständig. Das wussten wir, was wir nicht wussten: das Ord*nungsamt ist für sowas zuständig, die das dann wiederum irgendwie mit dem Ges*undheitsamt regeln. Sie verstehen aber, warum wir v.a. den Hausarzt außen vor lassen wollen.

Überhaupt. Echt jetzt, die sind wirklich knorke. Sagen uns aber auch ganz klar: wenn wir bei dem anstehenden Gespräch mit unserer Mutter merken, dass es NICHT akut ist, dann würden sie uns schwer empfehlen, es nicht mit Zwang zu machen, sondern in der kommenden Woche das Ord*nungsamt aufzusuchen. Weil sie selbst es auch immer sehr hässlich finden. Überlassen uns aber die Entscheidung, der Polizist mit dem wir sprechen sagt, er ist bis 2 Uhr nachts im Dienst, wir sollen einfach anrufen, wenn wir es möchten. Ich könnte grad einfach wieder ins Bett gehen, aber wir fahren zu Mama.

Bei Mama. Alles sieht aus wie immer. Nur die leeren Bierflasche in der Leerguttüte werden inzwischen mit Handtüchern abgedeckt. Ich bin unendlich müde. Zur Begrüßung drückt sie mir gleich einen Infozettel von Dig*nitas in die Hand. Ihre Hände zittern, ihr Kopf ruckt hin und her, ihr Körper zuckt. "Heute ist es ganz schlimm", sagt sie.

Dann geht es einfach nur ums Sterben. Und während dieser drei Stunden zuckt, ruckt und zittert nichts. Ich frage mich, ob ihr selbst das bewusst ist. Auf Anfragen dieser Art kommt aber normalerweise immer die Antwort: "Ja wenn Zeugen dabei sind, ist immer nichts". Es gibt immer Antworten, immer, egal wie sehr die Argumentationskette hinkt. Das fällt uns auch wieder in dem Gespräch auf. Das ist eine Logik, da weiß man wirklich nicht mehr ob man Lachen oder Weinen soll.

Letztendlich dreht sich vieles um Selbstbestimmtheit und ob wir hinter ihr stehen. Ich weiß nicht, inzwischen glaube ich fast, dass es der richtige Weg ist. Denn das eigentliche Ziel von Dig*nitas ist der Weg zurück ins Leben. Sehr wenige der Angemeldeten ziehen das bis zum Ende durch. Und wie gesagt - ich glaub sie wird sich umschauen, wenn die sie auch für krank und nicht entscheidungsfähig halten. Wir rufen nicht die Polizei. Im Auto weinen wir. Bruder legt seinen Hand auf mein Bein und sagt: "Ist doch gut, dass wir uns haben."

06.01. - Teil Papa:
Zurück bei Bruder darf ich erstmal mit ihm und seiner Freundin Abendessen. Sie kocht sehr lecker und kreativ. Wir trinken Sekt Aperol. Ich bin froh, dass er sie hat und nicht mehr die blöde Schrapnelle, von der er sich 2010 vor Weihnachten getrennt hat. Um 20 Uhr kommt Papa zu ihm. Er spielt mit dem Kater. Wie er da so steht, und den Mausfaden schwenkt. Das muss alles wieder gut werden, irgendwie, denke ich mir.

Wir gehen in einer Kneipe, die ein paar Häuser die Straße rauf ist. Wir reden bis kurz nach Mitternacht und trinken zuviel. Was sich als fatal erweist. Denn eigentlich läuft das Gespräch ganz gut. Ich habe endlich gesagt, dass ich kündigen werde, und Papa meint, sag es der G.! (also meiner Chefin / seiner Frau). Du kannst mit ihr reden, und sie muss es wissen, sonst kann ich dich doch nicht unterstützen bei der Neuorientierung, sonst muss ich ihr was vormachen und sitze zwischen euch, und das kann und will ich nicht. Und auch ihr gegenüber ist es nur fair.

Wir reden viel über viel. Aber streiten immer wieder an dem Punkt, wenn es um mein Verhalten bei ihm zu den Weihnachtsfeiertagen geht. Irgendwie kratzen wir immer wieder die Kurve, um kurz nach Mitternacht aber nicht, und der Streit artet wieder völlig aus, ich stehe heulend auf und renne raus, es ist wieder wie ein Kurzschluss im Gehirn, die Sicherung brennt völlig durch, wie auch bei dem hysterischen Anfall. Ich steige in mein Auto. Ich fahre nie betrunken Auto! Da habe ich nicht mal drüber nachgedacht. Lasse den Motor an, plötzlich steht er vorm Auto, wedelt mit meinem Schal, den ich vergessen habe. Sagt: "Mach sofort den Motor aus, ich ruf sonst die Polizei". Er bewegt sich keinen Millimeter. Also steige ich irgendwann aus und renne heulen die Straße entlang.
[Am nächsten Tag macht mir das Angst. Auch heute noch. Diese Kurzschlüsse. Dieser absolute Overkill. Der absolute Kontrollverlust über mich.] Außerdem frage ich mich, was gewesen wäre, wenn der Polizist gekommen wäre, mit dem wir über die Zwan*gsunterbringung gesprochen haben. Ich muss hysterisch lachen.

Ich rufe Katinka an, sie ist bei ihrem Freund in einem Dorf in Stadtnähe. Ich nehme ein Taxi dahin. Und heule dort nur. Im Taxi. Der Taxifahrer kennt mich noch von Weihnachten. Der hat auch keine schöne Zeit hinter sich, wie er mir erzählt. Bei Katinka heule ich einfach weiter. Ich glaub sie kann nicht mal verstehen, was ich in ihren Schoss heule. Aber sie hält mich, und sagt ganz liebe sanfte Worte, und das hilft.

Wir fahren zu ihr, und reden bis nach 3 Uhr. Ich schäme mich ein bisschen vor ihr, und bin ihr unbeschreiblich dankbar. Dass sie keine Angst vor mir hat. Ich bin erstaunt, dass Menschen mich wirklich einfach so lieben wie ich bin.

07.01. - die ganze Familie:
Ich stehe mittags auf und fühle mich wie durch den Fleischwolf gedreht. Ich dusche, Katinka kocht, und wir reden über ihre Zukunftspläne. Ich wünschte, ich könnte ihr da mehr helfen. Ansonsten bin ich sehr ratlos. Was ich jetzt tun soll. Was ist mit diesem Familienfest. Trotz allem wäre es glaub ich das schlimmste für meinen Papa, wenn ich nicht kommen würde. Da ruft G. an. Sie fragt, ob wir nicht mal reden wollen. Und wir verabreden uns für einen Spaziergang. Mir ist schlecht. Aber ich fahre hin.

Und dann reden wir. Und es ist.. als würde jemand die Eisenkette um meine Brust wegsprengen. Es ist jetzt wirklich geklärt, und auch mein Bauch sagt mir, dass es nun für alle Beteiligten in Ordnung, verstanden und akzeptiert ist. Das liest sich hier jetzt sehr banal. Aber im Nachhinein muss ich sagen, es war der gordische Knoten. Ich könnte schon wieder nur schlafen, allein schon, weil soviel Druck und Anspannung abfallen. Aber wir fahren zum Familienfest aufs Dorf.

Papa weint als er mich sieht und nimmt mich fest in die Arme. Alle sind da, ich liebe diese Familie, auch meine Tante, meine Cousine und mein Cousin aus den Staaten sind da, und es tut unheimlich gut, alle auf einen Haufen zu sehen und ein Teil davon zu sein. Es ist ein so lustiger, lebensfroher, herzlicher Haufen. Und gerade wir zahlreichen Cousins und Cousinen mit Freund/Freundinnen verstehen uns wirklich bombig. Alle sind da, außer einer. Der, der mir der Liebste ist.

Von dem habe ich noch nie geschrieben. Er, wir nenne ihn nun B., ist der Sohn des Bruders meines Vaters. Er ist ein Jahr jünger als ich und wir haben uns schon immer gut verstanden. Vielleicht, weil wir uns sehr ähnlich sind. Ultrasensibel und irgendwie nicht immer mit dem besten Händchen fürs Leben, dafür mit einem Hang zu chemischen Substanzen.


Der sehr lange Rest ist zensiert, den habe ich nur für mich aufgeschrieben.

Aber seitdem geht es bergauf. Die Woche über war ich täglich spazieren, regelmäßig im Sport, in der Sauna, habe mit LeSchwe einen Kurz-Skiurlaub vereinbart, nach Jobs gesucht, eine Antwort von HaGa bekommen, viel nachgedacht, und auch wenn ich immer dachte, ich will zurück nach MA, so will ich vielleicht doch vorwärts, das wäre dann Berlin, aber das mag auch ein Hinterherjagen von Illusionen sein. Rein branchentechnisch wäre ich dort wohl ganz gut aufgehoben. Und ich würde, wenn meine allerbeste N. ein Kind bekommt, quasi mit ihm aufwachsen. Das wäre mir wichtig, irgendwie. Naja. Mal sehen was sich auftut, in nächster Zeit, und vor allem, was ich dabei fühle. Nichts mehr ohne mein Gefühl.

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Freitag, 30. Dezember 2011

Search request: ist es nicht traurig, dass wir ueber menschen schreiben, die es eh nie lesen werden?


Eigentlich mag ich auf dieses Jahr 2011 nicht zurückblicken. Für mich war es in einem Wort unerträglich. Alles, angefangen von der Vertragscancelung, dem doch Vertragsinkrafttreten (und ich hätts einfach lassen sollen!), von dieser ganzen bescheuerten Arbeitssituation, über meine Mutter und der schrägen Situation mit meinem Vater und seiner Frau bis hin zur Beziehung mit Sesamina fühlte sich einfach nur falsch an. Und als würde es jemand anderes leben

Jemand anderes, nicht ich. Als wäre das nicht ich, der jeden morgen Kostüm und Maske anzieht um irgendwie einfach zu machen. Das ist auch kein Wunder. Denn das bin nicht ich. Das hier alles, das bin nicht ich, sonst würde es mir jetzt Ende 2011 nicht so scheisse gehen. Und sonst würde ich mich nicht fragen, wer ich bin.

Über so eine Therapie kann man streiten. Mir hat sie mal gezeigt, dass es mir schlecht geht, wenn ich Dinge tue, lebe, die mir widerstreben. Und trotzdem konnte ich mich selbst noch einmal so sehr aufs Glatteis führen. Mir fehlt Frau W. sehr.

Denn ich weiß nicht wohin. Ich weiß nur, dass ich aus dem 2011 raus muss. Dass ich ändern muss, was ich ändern kann. Ich weiß nur nicht wohin. Ich weiß nicht wann das passiert ist, das Angst mich dermaßen vor Veränderung lähmt. Dass sie mich so sehr lähmt, dass ich nicht einmal Gedanken spinnen lassen kann, träumen kann, phantasieren kann. Ich komme auf überhaupt gar keine Idee, wohin, außer das, was nahe liegt. Und das ist ja nicht immer das Beste. Andererseits. Ich weiß gar nicht wies jetzt noch blöder werden soll. Aus Ma*nnheim zu gehen war eine rationale Entscheidung. Ich brauch meinen Bauch.

Meine Mutter meinte die Tage: "Hm. Na ob du in der Wirtschaft überhaupt glücklich wirst." Da hat sie wohl in mir gelesen. Ich stell mir diese Frage oft, und sie verfolgt mich, seit Freunde ein Jahr nach dem Abi meinten: "Was?? Du willst Inte*rnationales Mana*gement studieren? Das passt doch gar nicht zu dir." Ich dachte mir das schon und tat es also, und ich erlebte deswegen auch ganz wundervolle Sachen.

Aber nun steh ich da und weiß nicht wohin mit mir. Verlockend klingen für mich Dinge wie Sta*rt-Up*s, mit lustigen, aufgeschlossenen Leuten. Wohl, weil ich es erlebt habe, und es war toll. Es geht mir ja nicht darum, nicht arbeiten zu wollen. Ich kann blockern wie blöde, wenn ich einen Sinn sehe und es mir Spaß macht. Und vor allem, wenn mein Umfeld passt. Vielleicht bin ich dann zur ewigen Assistenz verdammt, aber am Ende ist es mir das Wert, wenn der Rest stimmt? Oder gibt es 2 in 1? Und wenn ja, wo? Wo sehe ich mich?

Ich wurde vor 4-5 Jahren mal zu einem Seminar entsendet. Bei einem relativ bekannten Coach. "Work-Life-Balance", hieß das. Wir sollten damals auf ein Holzbrett schreiben, wovor wir Angst haben. Und das Brett dann zerschlagen. Die Ängste sind gleich geblieben, bzw. haben sich noch verstärkt, seit ich hier bin. Außerdem sollten wir uns selbst schreiben, welches Ziel wir haben. Wo wir uns in 10 Jahren sehen. Und ich sag Ihnen, das hat so wenig mit dem Hier und Jetzt zu tun. Ja, so ganz würde ich das heute eh nicht mehr unterschreiben. Aber vielleicht im Kern. Oder ich kenne mich selbst immer noch so wenig wie damals.

Ich brauche jemanden, der mir hilft, mir selbst auf die Schliche zu kommen. Allein dreh ich mich seit Monaten im Kreis, und zwar so sehr, dass ich jetzt vor Schwindel schwanke und strauchel. Am schlimmsten ist das Gefühl: es muss schnell gehen. Das muss sich jetzt alles schnell ändern, sonst werd ich verrückt. Schnell, was geht schon schnell. Und dann kommt wieder die Angst vor Kurzschlusshandlungen, Spontanentscheidungen, die ich bereue. Diese scheiss Angst. Fick dich, du scheiss Angst. Ich will dass mein Herz wieder zu meinem Kompass wird.

Vorherrschendes Gefühl 2011: ich halt das nicht aus.
Vorsatz für 2012: ich muss da raus. Herz, bitte melden für Kurswechsel!


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